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Thema: Altdeutschland Bayern: Schöne Belege
Christian Am: 17.02.2009 22:40:58 Gelesen: 43821# 1 @  
Hallo zusammen!

Nachdem Richard der Meinung ist, dass das Thema "Belege aus Altdeutschland" regen Zuspruch finden dürfte, worüber ich mich sehr freuen würde, erschien eine Aufteilung nach den Gebieten sinnvoll. Deshalb stelle ich einen weiteren Beleg in einem neuen Thema vor und zwar eine Ganzsache aus Bayern. Ich wollte das Thema einmal nicht mit einem "Kreuzer-Beleg", die ich sehr schätze, eröffnen.



Bei dem Beleg handelt es sich meiner Einschätzung nach um den ovalen Wertstempel, Wappen in Kreuzerwährung zu 3 Kreuzer von 1872, da die Unterklappe den kreisförmigen Ausschnitt unter dem Klappenstempel aufweist. Leider verdeckt das Siegel auf der Rückseite das Posthorn. Bei dem was davon zu sehen ist, würde ich eher auf K1 als auf K2 tippen.

Wenn ich richtig liege handelt es bei dem Umschlag um einen U2 K1.Die Echtheit würde ich persönlich nicht anzweifeln.



Abgestempelt wurde der Brief im Postamt München I am 27.9. (1872 oder 1873?) zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags.

Zugestellt wurde der Brief in Ortrand(?) am 28.9.

Je nachdem wie herum man die Rückseite hält, würde ich Signum im Siegel als "M. T." oder S. W. interpretieren.

Eure Meinung sowie weitere Belege wären höchst willkommen!

Grüße

Christian
 
HEFO58 Am: 17.02.2009 23:19:49 Gelesen: 43813# 2 @  
@ Christian [#1]

Hallo
Christian

Ortrand ist eine Gemeinde im Landkreis Liebenwerda:

http://www.ulischubert.de/geografie/gem1900/gem1900.htm?sachsen_provinz/liebenwerda.htm

Gruß
Helmut
 
bayern klassisch Am: 18.02.2009 17:37:15 Gelesen: 43779# 3 @  
Hallo Christian,

na dann will ich auch mal einen hier präsentieren:

6er Block der Nr. 15 von Bayern auf Brief von Kissingen vom 1.7.1869 über Österreich nach dem Kirchenstaat. Der Brief war für die Strecke bis zur Grenze des Kirchenstaates um 6 Kr. überfrankiert. Ab da kostete es den Empfänger noch 25 Centesimi.



Gruß von bayern klassisch
 
Christian Am: 18.02.2009 18:27:31 Gelesen: 43761# 4 @  
@ bayern klassisch [#3]

Hallo Ralph,

ein schönes Stück, um dass ich dich beneide.

Hier noch ein Brief, frankiert mit 3 Kreuzer (Nr. 9a), abgestempelt in Ludwigshafen am 6.3.1866 nach Gimmeldingen im Pfälzerwald? Das Porto spräche dafür.



Grüße Christian
 
bayern klassisch Am: 18.02.2009 18:42:24 Gelesen: 43757# 5 @  
Hallo Christian,

na ja, Pfälzer Wald kommt der Sache schon recht nah; es war, wie die grössere Nachbarstadt Neustadt auch, an der Haardt gelegen. Heute eher an der Weinstrasse, aber diesen Terminus gab es damals noch nicht.

Dein Brief wurde für 3 Kr. Franko innerhalb der Pfalz bis 1 Loth Gewicht transportiert, die letzte Strecke aber mit dem Pfälzer Landpostboten, der, da fest angestellt ab 1.10.1858, kein Geld fürs Austragen bekam.

Wenn weitere 18 Kreuzer - Frankaturen von mir gewünscht werden, kann ich noch etwas nachlegen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Christian Am: 18.02.2009 18:53:18 Gelesen: 43753# 6 @  
@ bayern klassisch [#5]

Hallo Ralph,

ich wohne zwar in seit einigen Jahren in der Westpfalz, bin und bleibe aber ein Franke aus Nürnberg. Nicht ich habe die Behauptung von Gimmeldingen im Pfälzerwald aufgestellt. Das tat die Gemeinde höchst persönlich!

http://www.gimmeldingen.de

Ich bitte darum, noch etwas nach zu legen.

Herzliche Grüße

Christian
 
bayern klassisch Am: 19.02.2009 07:58:00 Gelesen: 43721# 7 @  
Hallo Christian,

dann zeige ich mal eine Einzelfrankatur der Nr. 13a auf Brief von Nürnberg vom 5.3.1864 nach Paris. Das Franko ab dem 1.7.1858 war für einfache Briefe auf 12 Kr. bis 10g Gewicht reduziert worden. Dieser hier wog mehr als 10g und hätte folglich als Doppelbrief 24 Kr. kosten müssen. Das hat man verpennt, denn der P.D. - Stempel dokumentierte ja sowohl der französischen Postverwaltung als auch dem Empfänger in Paris, dass er für diesen Brief nichts mehr zu zahlen hatte.

Einzelfrankaturen, noch dazu vom Rand, sind nicht häufig; ebenso wenig unerkannt durchgeschlüpfte Unterfrankaturen.

Bei Interesse, könnte ich noch etwas nachliefern. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Christian Am: 19.02.2009 15:20:58 Gelesen: 43702# 8 @  
@ bayern klassisch [#7]

Hallo Ralph,

um auch die humoristische Variante nicht ganz außer Acht zu lassen, habe ich eine Drucksachenpostkarte mit Michel-Nr. 60y b (meine Einschätzung), gelaufen von Nürnberg nach Rothenburg ob der Tauber vom 22.10.1906.



Irgendwie würde ich den Begriff "Bekennerschreiben" aus heutiger Sicht anders interpretieren.



Mit der bitte um Nachlieferung verbleibt
herzlichst grüßend

Christian
 
bayern klassisch Am: 19.02.2009 19:00:27 Gelesen: 43686# 9 @  
Hallo Christian,

feine Karte - die Zuordnung wird wohl stimmen - ich bin aber kein Pfennigzeitsammler.

Wenn du erlaubst werde ich, um niemanden zu langweilen, mal zur Abwechslung eine 36 Kreuzer - Frankatur zeigen, ehe ich wieder auf die bekannten 18 Kr. Frankaturen zurück kommen werde.

Es war dies eine Parteisache aus Nürnberg vom 24.10.1852 an den Staatsprocurator in Strasbourg. Nach dem Vertrag vom 1.7.1847 waren Parteisachen, also Dienstbriefe, deren Inhalt von Privaten initiiert worden waren, ins Ausland zu frankieren, wie hier auch geschehen.

Ab dem 1.10.1851 waren Briefe nach Frankreich mit Marken, zuvor siegelseitig bar, zu frankieren. Es war somit ein Brief der 3. Gewichtsstufe, denn er kostete 3 x 9 Kr. für Bayern und 3 x 3 Kr. für Frankreich = 36 Kreuzer.

Das besondere an diesem Vertrag war, dass Briefe hin und her unterschiedlich behandelt und frankiert bzw. taxiert wurden.

Frankobriefe aus Bayern wurden nach halbem Lothgewicht frankiert (=8,75g), während Frankobriefe aus Frankreich nach 7,5g Gewichtsschritten zu frankieren waren.

Bei Portobriefen war es genau umgekehrt: Portobriefe aus Bayern wurden von Bayern nicht taxiert und nur von der franz. Postverwaltung mit manuellen Gebührenvermerken oder Taxstempeln versehen und wieder nach 7,5g Schritten tarifiert.

Bei Portobriefen aus Frankreich sollte die franz. Post diese unbehandelt lassen und Bayern tarifierte nach 1/2 löthigen Stufen die Briefe.

Dieser hier war also zwischen 1 und 1,5 Loth schwer.

Sollte jemand Fragen zu diesem Brief oder zu anderen haben, werde ich versuchen, mein spärliches Wissen zur Beantwortung derselben einzusetzen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 20.02.2009 08:00:25 Gelesen: 43669# 10 @  
Hallo Christian,

nachdem es keine Fragen zu geben scheint, möchte ich mal einen Brief aus 1864 zeigen, den man mir mal erklären könnte.

Er lief von München nach Rom, war aber jetzt ohne Taxansatz im Kirchenstaat geblieben.

Jede Antwort ist willkommen, keiner braucht sich zu schämen, wenn er es nicht 100%ig weiß.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 21.02.2009 07:57:46 Gelesen: 43631# 11 @  
Hallo,

nachdem ich mit PNs zugeschüttet wurde, hier noch ein letzter Versuch, die wunderbare bayerische Postgeschichte ins Laufen zu bringen.

Ein Laufzettel aus dem Jahr 1852 von Ansbach über Berlin nach Posen (Preußen) hat damals wie viel Geld gekostet?

Fragende Grüsse von bayern klassisch


 
duphil Am: 21.02.2009 10:06:26 Gelesen: 43614# 12 @  
@ bayern klassisch [#11]

Hallo bayern klassisch!

Bitte nicht aufgeben. Ich sammele kein Bayern oder Altdeutschland allgemein, bin aber hier wie bei vielen anderen Themen immer daran interessiert, etwas Neues zu lernen.

Eventuell musst Du halt ein wenig Geduld haben, bis sich die Spezialisten aus der "Deckung" trauen. Wie sich so etwas dann entwickeln kann, sieht man beim Thema "Rohrpost". Dazu kommt, das sicher viele Mitglieder erst am Wochenende hier reinschauen.

Ich hoffe jedenfalls, das diese Thema weiterhin ausgebaut wird, auch wenn Christian und Du im Augenblick die einzigen Schreiber hier seid.

Mit freundlichen Gruß
Peter
 
HEFO58 Am: 21.02.2009 11:27:33 Gelesen: 43603# 13 @  
Hallo

In meiner Belegesammlung habe ich zwar auch ein paar Belege aus der Kreuzerzeit und zeige Euch diese auch gerne, allerdings kann ich keine Erklärungen dazu abgeben mangels Wissen.

Gruß
Helmut




 
Christian Am: 21.02.2009 20:02:08 Gelesen: 43567# 14 @  
@ bayern klassisch [#9]

Hallo Ralph,

eine Frage zu Deinem 36 Kreuzer Beleg aus Nürnberg. Hast du die Marken bestimmt? Beim Typ würde mich festlegen auf Type II. Leider ist es immer schwer die Farbe zu erkennen. Wenn ich mich festlegen müsste, würde ich auf die 5c II tippen.

Wie ist Deine Meinung?

Herzliche Grüße
 
Richard Am: 21.02.2009 20:43:03 Gelesen: 43562# 15 @  
@ bayern klassisch [#11]

nachdem ich mit PNs zugeschüttet wurde

Hallo bayern klassich,

ich frage mich, warum Du mit PNs zugeschüttet wirst ?

Sind das Fragen zu den Belegen ? Diese sollten besser hier ins Forum geschrieben werden ! Dafür ist das Forum gedacht, hier soll die Diskussion stattfinden ! Es fehlen nämlich nicht nur die Fragen, sondern auch Deine Antworten.

Um ein Thema dauerhaft interessant zu machen, nutzte ich unter anderem den monatlichen Philaseiten Brief. Dort werden 10 interessante aus den meistgelesenen Themen seit dem letzten Brief vorgestellt und damit automatisch Liebhaber und Interessenten des jeweiligen Gebiets aufmerksam gemacht. Der nächste Brief erscheint am 10. März.

Schöne Grüsse, Richard
 
bayern klassisch Am: 21.02.2009 21:30:32 Gelesen: 43556# 16 @  
Hallo HEFO58,

danke fürs Zeigen deiner Stücke.

Der erste war ein sogenannter Lokalbrief, der von Feuchtwangen für 1 Kr. bis 15g Gewicht nach Dentlein lief. Der Postexpeditor hat ihn seinem Landpostboten übergeben, der ihn in dem Ort Dentlein zugestellt hat. So häufig ist das gar nicht.

Der 2. Brief von Landshut nach München wog ebenfalls einfach, hier jedoch noch bis 1 Loth (16,66g).

Der 3. Brief von Würzburg nach Augsburg trägt hinten 2 verschiedene Stadtbriefträgerstempel, woraus zu ersehen ist, dass der 1. Briefträger ihn nicht zustellen konnte und ein Oberbriefträger (in Augsburg im Gegensatz zu München und Nürnberg ohne O.B - Stempel) die richtige Lokalität ermitteln musste, ehe er ihn einem anderen Stadtbriefträger gab. Die Nummer des Stempels war personenbezogen; starb der Stadtbriefträger, wurde sie nicht mehr vergeben.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen, dir solche Briefe etwas näher ans Herz zu rücken.

Hallo Christian,

Herr Pfenninger und ich sahen/sehen das genauso - 5cIII, 5cIII, 5cII und 5cIII. Aber das ist wirklich bei der Betrachtung dieses Briefes nicht ausschlaggebend (außer es wäre eine 5aa oder 5b, dann schon). So aber dominiert der postgeschichtliche Charakter des Briefes vor Typen und Farben.

Hallo Richard,

meine Aussage war ironisch gemeint - ich habe bis dato noch keine PN bekommen.

Ich habe mich nur gewundert, warum ein gut frequentiertes Forum beim Anblick von Poststücken, die nicht gerade alltäglich sind, bis auf einen Sammlerfreund sich nicht regt. Wenn ich vor vielen Jahren solche Stücke im damals noch nicht existierenden Internet gesehen hätte, hätte ich tausend Fragen dazu gehabt.

Mit deiner Ansicht zur offenen Diskussion liegst du natürlich vollkommen richtig. Gerade die kommt hier nicht in Gang.

Also zeige ich mal einen Brief aus Bayern nach Österreich, von dem ich gerne wüsste, was der Absender am Postschalter in München hat bezahlen müssen?

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
HEFO58 Am: 21.02.2009 22:00:32 Gelesen: 43550# 17 @  
@ bayern klassisch [#16]

Hallo

Vielen Dank für die Informationen, einen Kreuzerbrief habe ich noch, der ist allerdings irgendwann mal Vandalen in die Finger gefallen.

Gruß
Helmut



 
Concordia CA Am: 21.02.2009 22:12:15 Gelesen: 43549# 18 @  
@ bayern klassisch [#16]

Obwohl Du leider so gut wie nie Maschinenstempel auf Deinen Belegen hast und immer alles von mehreren Personen mit zumeist für mich unleserlicher Handschrift vollgeschrieben ist, lese ich die Beiträge in diesem Thema mit viel Interesse und Vergnügen.

Daher traue ich mich, selbst auf die Gefahr hin, mit meinem Deutungsversuch voll daneben zu liegen, aus der Deckung.

Die zu zahlende Summe betrug 26 Kreuzer. 20 Kreuzer für den Brief und 6 Kreuzer Charge-Gebühr (Einschreibe-Gebühr). Es hegen sich aber bei mir leichte Zweifel, ob die gesamte Summe am Schalter in München gezahlt wurde. Den Vermerk "Franco" kann ich nämlich nicht entdecken.

Bei zwei weiteren Vermerken tappe ich im Dunkeln. Ist die 24 oben rechts so etwas wie eine Registriernummer für das Einschreiben? Was bedeuten die vier unterstrichenen Worte unten auf dem Brief?

Mit unsicheren Sammlergrüßen
Jürgen
 
bayern klassisch Am: 21.02.2009 22:35:27 Gelesen: 43541# 19 @  
Lieber ConcordiaCA,

es spricht klar für dich, dass du die Deutung so weit vorangetrieben hast. Prima!

So einfach ist die Kiste denn nämlich nicht und du hast schon vieles erkannt, wenngleich noch nicht alles. Aber das würden 98% aller Bayernsammler auch nicht.

Es war ein Porto - Chargébrief aus 1861, den es so erst seit den neuen Postvereinsvertrag ab dem 1.1.1861 geben konnte.

Der Absender hatte keine Zeit und kein Geld, daher schrieb er in Eile und verklebte auch kein Franko von 9 Kr. für den einfachen Brief über 20 Meilen in den Postverein.

Er war ihm aber dennoch wichtig, denn er wollte ihn eingeschrieben haben. Nur sollte der Empfänger alle Gebühren zahlen.

Daher gab er ihn am Bahnhof Münchens auf und bekam den Postschein mit der Nummer 24, die sich auch oben rechts auf dem Brief befindet. Der Annahmebeamte musste nun in der Währung der Abgabepost in Wien taxieren, denn Bayern stand ja das Porto voll zu.

Also rechnete er: Unfrankierter Brief von Bayern = 12 Kreuzer rheinisch = 20 Neukreuzer, die wir vorne in blau (diese Farbe war Vorschrift) sehen.

Da die Chargégebühr von 6 Kreuzer rheinisch aber in Bayern dem Annahmebeamten gehörte, hatte er ein Problem mit der Umrechnung (Reduktion) in die österreichischen Neukreuzer: 6 Kr. rheinisch waren = 10 Neukreuzer. Aber 10 Neukreuzer waren gleich 7 Kr. rheinisch! Diese Unlogik kannte unser treuer Staatsdiener. Er wollte auf keinen Fall die Postverwaltung um einen Kreuzer betrügen, denn ihm standen ja laut Dienstvertrag nur 6 Kr. zu und eben keine 7 Kr., die ihm nach der Zustellung aus Österreich überwiesen worden wären!

Daher schrieb er die Chargégebühr mit 6 Kr. rheinisch an und überließ seinen österreichischen Kollegen die Reduktion. Korrekt war das nicht.

Der Empfänger hat sicherlich 30 Neukreuzer bezahlt und die österreichische Post hat auch nach dem vorgegebenen Reduktionsverhältnis Bayern ausbezahlt (bzw. am Quartalsende verrechnet). Dem bayer. Postler wurden auch nur 6 Kr. gutgeschrieben, von daher war alles bestens.

Im Falle eines Verlusts des Briefes hätte Österreich an Bayern 24,5 Gulden rheinisch zahlen müssen, die die bayerische Post dem Inhaber des Postscheines erstattet hätte (auf Antrag).

Ich finde es toll, dass du auf den wichtigen fehlenden "Frei" oder "franko" - Vermerk geachtet hast. So weit sind nur wenige.

Ich hoffe, ich konnte dir zeigen, dass auch in markenlosen Briefen viele Informationen stecken können.

Liebe Grüsse von bayern klassisch, der sich erlaubt, noch ein kleines Schmankerl anzuhängen, das man auch erst einmal beschreiben können sollte. :-)


 
Christian Am: 24.02.2009 11:37:36 Gelesen: 43496# 20 @  
Hallo zusammen,

Nachdem sich der Kreis der Teilnehmer doch erweitert hat, hier noch ein Beleg aus Nürnberg vom 17. August 1855, versandt nach Bremen, portogerecht frankiert. Vom 1.7.1850 bis zum 1.7.1858 betrug die Gebühr für Briefe im Fernverkehr (über 20 Meilen) bis 1 Loth, 9 Kreuzer. 1855 galt für das Loth folgendes 1 Loth = 1/32 Zollpfund (500g), also ca. 15 2/3g



Bei der Marke würde ich mich nur beim Typ auf Type III festlegen wollen. Die Farbe lässt meiner Ansicht auch die Möglichkeit offen, dass es sich um eine Nr. 5b handelt, aber wahrscheinlich ist wohl doch eine 5d.

Die "Kehrseite" der Philatelie ist auch ganz schön. Ich vermute, dass es sich bei dem Rechnungsinhalt um Kräuter handelte. Wer kann hier weiterhelfen?


 
bayern klassisch Am: 24.02.2009 13:14:52 Gelesen: 43490# 21 @  
Hallo Christian,

na ja, groß erweitert hat sich der Kreis leider nicht. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

Dein Brief hat eine 5dIII. Die Auflösung des Inhalts ist nicht sehr hoch, aber da ich das Wort Ballen lesen kann, dürfte es sich um Spinnstoffe gehandelt haben.

Die Rückseite des Briefes wäre noch interessant - gibt es da Transitstempel?

Deine Beschreibung ist schon ganz gut - aber das zeitliche Limit für die Korrespondenz Bayerns nach Bremen im Postverein et vice versa war der 1.5.1851 bis zum 31.12.1867. Davor und danach war das anders.

Hast du dir mal Gedanken über meine schöne Farbfrankatur aus Landau / Pfalz nach der Schweiz gemacht?

Stell dir vor, auf einem Tauschtag würde dir jemand einen solchen Brief anbieten. Was würdest du dann tun?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Christian Am: 24.02.2009 15:39:57 Gelesen: 43475# 22 @  
@ bayern klassisch [#21]

Hallo Ralph,

es gibt nur einen sehr schlecht lesbaren Stempel auf der Rückseite, den ich als aus Bremen stammend interpretieren würde. Ich will ihn Dir nicht vorenthalten:



Zum Inhalt des Briefes: Vielleicht haben wir auch beide Recht. Ich konnte das Wort altehae entziffern. Das ist der lateinische Name von Eibischwurzeln. Bei der Firma Sagsteiger vormals Andreas Loewel handelt es sich um ein Handelshaus.

Zu Deiner Frage:

Leider bin ich im Vergleich zu Jürgen ein Stempel-Novize. Aber ich versuch's trotzdem einmal.

Der Unterschied zwischen Mischfrankatur und Farbfrankatur besteht darin, dass es sich bei Farbfrankaturen um Sendungen handelt, die nachgesendet wurden und somit oftmals einen unterschiedlichen Stempel auf den Marken aufweisen. Diese kann ich, genauso wie den Ort leider nicht entziffern. Da die Nummer 10 allerdings über dem Werbestempel des Absenders klebt ist davon auszugehen, dass es sich zuerst um einen Ortsbrief oder eine Brief innerhalb der Pfalz gehandelt haben müsste. Die zusätzliche Frankatur für einen Brief im Postverein nach Zürich dürfte wohl mit 6 Kreuzern richtig sein.

Ich werde den Brief später noch etwas studieren. Ich bin mir sicher, dass es noch die eine oder andere Besonderheit geben wird.

Herzliche Grüße

Christian
 
bayern klassisch Am: 24.02.2009 16:06:36 Gelesen: 43468# 23 @  
Hallo Christian,

danke für den Scan der Rückseite: Es handelt sich um den Ankunftsstempel von Bremen Thurn und Taxis, denn die Post von und nach Bremen mit Richtung Bayern war im August 1850 der fürstlichen Lehenspost übertragen worden (was sehr einträglich war).

Bei meinem Brief liegst du, leider, daneben.

Ich beschreibe ihn dir mal.

Nach dem Postvertrag Bayerns mit der Schweiz vom 1.10.1852 gab es nur noch voll frankierte Briefe, oder gänzlich unfrankierte Briefe zwischen beiden Staaten.

Von der Pfalz kosteten sie immer 9 Kr., da alle Orte der Pfalz zur Schweizer Grenze über 20 Meilen entfernt waren. Innerhalb der Schweiz kosteten Briefe bis 10 Meilen von der Grenze 3 Kr., darüber 6 Kreuzer. Der Brief hätte also mit 12 Kr. frankiert werden müssen.

Der Absender klebte aber nur 9 Kr., was 3 Kr. zuwenig war. Da Bayern den Postvereinsanteil von 9 Kr. komplett der badischen Post vergüten musste für ihren Transit in die Schweiz (gilt nur für die Pfalz!), notierte man unten links "ohne Weiterfranko", denn für die Schweiz blieb ja nichts mehr übrig.

Bei seiner Ankunft in Basel wunderte man sich, warum ein bayerischer Brief aus Lindau mit 9 Kr. unterfrankiert sein soll, denn man las nicht Landau sondern Lindau. Und von Lindau aus hätten die 9 Kr. allemal gereicht. Daher erhob man das zuwenig frankierte von 3 Kr. = 10 Rappen nicht vom Empfänger, worüber sich der sicher freute.

Der Brief war wohl noch etwas zu schwierig zu interpretieren. Ich werde zukünftig einfachere Briefe einstellen, die leichter nachzuvollziehen sind.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Christian Am: 24.02.2009 21:35:44 Gelesen: 43443# 24 @  
@ bayern klassisch [#23]

Hallo Ralph,

wenn die Marken im gleichen Ort abgestempelt wurden und vom Empfänger stammen handelt es sich meiner Meinung nach nicht um eine Farbfraktatur sondern um eine Mischfrankatur.

Darüber hinaus vermisse ich ein weiteren Beleg von Dir.

Liebe Grüße

Christian
 
bayern klassisch Am: 25.02.2009 08:35:28 Gelesen: 43422# 25 @  
Hallo Christian,

eine Farbfrankatur hat man vorliegen, wenn auf einem Brief 2 oder mehr Marken der gleichen Ausgabe mit unterschiedlichen Farben (bei Bayern Nominalen) kleben. Beide Marken wurden am 1.10.1862 verausgabt, daher ist es eine Farbfrankatur.

Was ich hier anfüge, ist eine Mischfrankatur, also eine Marke 2II, der 3 Kr. blau von 1850, eine 3I von Dezember 1850 und eine Nr. 6, 12 Kr. rot der Ausgabe von 1858.

Dazu noch eine Farbfrankatur der Ausgabe von 1862 mit der 9 Kr. braun und 18 Kr. rot, damit dir das klarer wird.

Mischfrankaturen bei Bayern sind in der Kreuzerzeit immer selten bis höchst selten; Farbfrankaturen sind es nur, wenn es nicht die üblichen 3 + 6 Kr. Kombinationen sind.

Sag mir noch, welchen Beitrag du vermisst, damit ich das nachholen kann.

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
Christian Am: 27.02.2009 23:07:34 Gelesen: 43380# 26 @  
@ bayern klassisch [#25]

Lieber Ralph,

Deine Belegsammlung scheint ja unerschöpflich zu sein und ich möchte dir ganz herzlich dafür danken, dass du diese hier vorstellst.

Abgesehen von meinem philatelistischen Interesse, finde ich die Inhalte oder die Angaben, die etwas über den Sender bzw. Empfänger aussagen spannend. Bei Deinem zweiten Brief hat sich der Empfänger den Brief in ein Cafe in Rom schicken lassen.

Der vermisste Beleg bezog sich auf Deinen Beitrag [#21], der ungewohnter weise ohne einen Deiner schönen Belege abschloss. Ich freue mich jedes mal über diesen schönen Stücke. Den Begriff der Farbfrankatur würde ich, wie gesagt, enger fassen. In der Literatur gibt es durchaus auch unterschiedliche Meinungen.

Meine Frage wäre, ob es auch Belege nach Übersee gibt. Auf jeden Fall freue ich mich schon auf einen weiteren Beleg.

Herzliche Grüße

Christian
 
Mozart Am: 28.02.2009 00:25:35 Gelesen: 43368# 27 @  
Am 17. April 1862 sandte Herr J.L. Wolf Senior einen Brief von Wachenheim nach Wien.

Frankiert wurde der Brief mit einer 9 Kreuzer MI 5d, entwertet mit geschlossenem Mühlradstempel 549, den der Postbeamte herrlich zentrisch platzierte.
Leider hat man beim Schnitt der Marke die Schere etwas zu knapp an das Markenbild angesetzt, und die Marke allseits knapp geschnitten (Zwergenschnitt).



Der Ankunftsstempel dokumentiert, dass der Brief bereits 2 Tage später am 19. April 1862 in Wien eintraf.


 
bayern klassisch Am: 28.02.2009 10:56:22 Gelesen: 43349# 28 @  
Hallo Mozart und Christian,

vielen Dank für das Zeigen eines Briefes aus der Pfalz (meiner Heimat) nach Österreich mit einem seltenen Stempel. Der Postaustausch zwischen der Pfalz und Österreich war überschaubar, so dass man keinen Fehler macht, dergleichen Briefe in seine Sammlung aufzunehmen.

Mit meinem Posting Nr. 23 habe ich ja eine Frage gestellt und keinen Brief zeigen wollen.

Ich kann aber mal einen Überseebrief in die USA zeigen, der Spaß machen kann, wenn man sich für dergleichen interessiert.

Er lief vom 30.10.1853 mit 41 Kreuzern frankiert (Farbfrankatur) über Bremen nach Muscatine in Iowa, also recht weit westlich.

Wer etwas über diese Zeit in den USA erfahren will, kann gerne mal googlen - einfach war das Leben der dortigen deutschen Auswanderer sicher nicht (dem 1. den Tod, dem 2. die Not, dem 3. das Brot...).

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 01.03.2009 20:47:42 Gelesen: 43319# 29 @  
Kein Feedback - was ist, nicht schön genug?
 
Concordia CA Am: 01.03.2009 21:21:40 Gelesen: 43309# 30 @  
@ bayern klassisch [#28]

Die Stempel aus dem oberfränkischen Burgebrach zeugen von der Akribie des Postbediensteten. Er war wohl, wie Du immer schreibst, ein echter "Schönstempler".

Als mit dieser Zeitepoche nur wenig vertautem Sammler stellt sich mir die Frage, warum das Porto derart gestückelt wurde. Waren die höheren Werte nicht vorhanden, oder wurde hier "Resteverwertung" betrieben?

Zum USA-Teil des Briefes wäre noch zu fragen, warum neben den im New Yorker Transitstempel vorhandenen Paid-Vermerk noch ein weiterer Paid-Stempel abgeschlagen wurde. Stammt er aus dem Zielort Muscatine, Iowa oder wurde er bereits in Bremen vor der Verschiffung angebracht?

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
bayern klassisch Am: 02.03.2009 08:14:17 Gelesen: 43292# 31 @  
Hallo Concordia CA,

guten Fragen, die ich gerne beantworten will, so ich das vom Büro aus kann. :-)

Eine Resteverwertung kann man heute natürlich nicht ganz ausschliessen, aber die 18 Kr. gelb, Sem - Nr. 7, kam ja erst im Juli 1854 an die Schalter, so dass er diese Marke noch gar nicht verwenden konnte. Außerdem war es fraglich, ob ein Expeditor überhaupt diese hohen Nominalen vom Bezirksamt anforderte, denn er bekam ja nur die Marken zugesandt, die er auch bestellt hatte.

Zum USA - Teil: Der New York Stempel ist kein Transitstempel, sondern ein Eingangsstempel (auch wenn der Brief dann über NY hinaus lief). Die dortigen Beamten hatten zu prüfen, ob der für die USA frankierte Teil ausreichend war. In dem Paid - Stempel New Yorks rechts stand auch der für die USA vertraglich fixierte Betrag, der in Verbindung mit dem Wort "PAID" die Bezahlung dieser USA - Inlandsgebühr bestätigte.

Der links unten angebrachte "PAID" - Stempel verdeutlichte dies nur noch.

Ein Ämtchen wie Muscatine hat keinen Paid - Stempel besessen - diese blieben den Ämtern überlassen, die mit ausländischen Postverwaltungen im Korrespondenzaustausch standen, also Boston, New York, Baltimore, Philadelphia usw.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Concordia CA Am: 03.03.2009 12:06:11 Gelesen: 43264# 32 @  
@ bayern klassisch [#31]

Den New Yorker "Multifunktionsstempel" habe ich in dieser Form noch nicht gesehen. Sage noch einer, die bayrischen Belege seien nur etwas für die Liebhaber altdeutscher Spezialitäten.

Mir fallen bei näherer Betrachtung noch einige Marken auf, bei denen der Stempel nicht auf den Beleg übergeht. Kann es sein, dass dort Vorausentwertungen verwendet wurden?

Mit heute wieder besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
bayern klassisch Am: 03.03.2009 15:13:18 Gelesen: 43251# 33 @  
Hallo Concordia CA,

ich halte die rechte 3 Kr. blau für nachträglich appliziert, da die Originalmarke die evtl. abgefallen war oder von frühen Sammlern abgelöst wurde. Bei Laufwegen dieser Art ist/war das nicht ungewöhnlich. Um die Portogerechtheit zu demonstrieren, replatzierte man dann später ein schönes Stück mit gleicher Mühlradnummer.

Das hast du gut beobachtet. Ansonsten halte ich hier Vorausentwertungen für unwahrscheinlich, denn dergleichen ist von diesem Ort bisher nicht bekannt und bei einigen Marken gehen die Stempel ja auch über.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
duphil Am: 03.03.2009 15:20:47 Gelesen: 43250# 34 @  
@ bayern klassisch [#33]

Ich finde allerdings, dass die 9 Kr. links oben aussieht, als wenn sie vorausentwertet worden wäre. Besonders gut sieht man das am unteren Rand der Marke. Dort geht der Stempel deutlich nicht über den Markenrand auf das Briefpapier.

Das Gegenteil sieht man ja an der 9 Kr. rechts.

Mit freundlichen Gruß
Peter
 
bayern klassisch Am: 03.03.2009 15:30:33 Gelesen: 43248# 35 @  
Hallo duphil,

ja, das könnte man meinen. Aber es kann auch genauso gut etwas in dem Brief (ist heute nur eine Hülle ohne Inhalt) gelegen haben, dass für das abrupte Nichtdrucken des Stempels verantwortlich war.

Dergleichen habe ich bei mehreren Briefen schon gesehen, so dass es ein Indiz ist, aber eben halt nicht mehr.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Christian Am: 15.03.2009 18:33:35 Gelesen: 43051# 36 @  
Hallo zusammen,

hier noch ein Beleg aus der Kreuzer-Zeit.

Der Brief wurde am 18. Juli, frankiert mit 7 Kreuzer (Michel Nr. 25Xa), in Wasserburg aufgegeben und erreichte Stadtamhof am 20. Juli 1873 oder 1879 (ist leider nicht exakt lesbar). Absender ist das Königliche Bezirksgericht Wasserburg, Empfänger das Königliche Landgericht.

Kurioserweise datiert der Brief vom 22. Juli. Vielleicht hat ja jemand eine Erklärung dafür.





Noch eine Anmerkung: Stadtamhof war bis zur Eingemeindung im April eine eigenständige Stadt. Heute ist sie der Stadtbezirk 02 von Regensburg.

Herzliche Grüße

Christian
 
bayern klassisch Am: 15.03.2009 18:54:38 Gelesen: 43046# 37 @  
Hallo Christian,

dein Brief datiert aus dem Jahr 1873, denn 1879 gab es in Bayern keine Kreuzermarken mehr.

Es war eine Parteisache über 15 - 250g Gewicht, also die 2. Gewichtsstufe.

Dass die Daten innen und außen etwas unharmonisch wirken, hängt mit dem Inhalt zusammen. Bei Gerichtsbriefen, bei denen es fast immer auch um die gerichtsverwertbare Zustellung von Urteilen, Aufforderungen, Fristsetzungen und Bescheiden ging, war diese erst zu vollziehen, ehe die Rücksendung erfolgte.

Diese Rücksendung musste nicht zwangsläufig durch einen Wendebrief erfolgen, sondern konnte auch in einem neuen Umschlag erfolgen, was man dann nach der Plünderung des Gerichtsarchivs durch Trennung der Briefe / Hüllen / Akten nicht mehr 100%ig belegen kann.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Christian Am: 15.03.2009 19:58:49 Gelesen: 43032# 38 @  
@ bayern klassisch [#37]

Hallo Ralph,

ich weis sehr wohl, dass die ersten Pfennig-Marken am 1. Januar 1876 ausgegeben wurden. Allerdings habe ich nichts über die Gültigkeit der alten Marken gefunden. Aus diesem Grund ließ ich den Punkt mit dem Datum offen.

Im Verordnungsblatt Nr. 97 vom 9. August 1874 wurde die 1 RM-Marke zu 35 Kreuzern bewertet. Demnach entsprechen 7 Kreuzer 20 Pfennigen.

Der Vollständigkeit halber noch die Verordnung zur Ausgabe dieser Markenserie:

Verordnungsblatt vom 14. Juni 1870.
Die Einführung neuer Briefmarken betreffend.
Von den bayerischen Briefmarken in den Wertbeträgen von 1, 3, 6, 7, 12 und 18 Kreuzer ist eine neue Auflage hergestellt worden, welche nach Verbrauch des Vorrats aus der bisherigen Auflage ausgegeben wird. Die neuen Briefmarken unterscheiden sich von den bisherigen nur dadurch, daß dabei Papier mit durchzogenen roten Seidenfäden nicht mehr in Verwendung gebracht ist, die Ränder der einzelnen Marken dagegen bogenförmig ausgezackt erscheinen.
Herstellungsart und Form sowie die Farbe des Druckes der einzelnen Markengattungen bleiben unverändert. Ebenso erfolgt die Abgabe wie bisher in Blättern zu je 60 Stück und in Heften zu 50 Blättern. Die Postanstalten haben mit der Abgabe der neuen Auflage erst dann zu beginnen, wenn der Vorrat der betreffenden Markengattungen aus der bisherigen Auflage völlig aufgebraucht ist. Die bisherigen Marken haben neben den neuen unverändert die gleiche Gültigkeit, und findet daher ein Umtausch von Marken der bisherigen Auflage gegen neue nicht statt. Die Portomarken bleiben unverändert.
München, den 12. Juni 1870. Generaldirektion der k. Verkehrsanstalten
(gez.) Baumann (gez.) Le Sage


Wie wäre es mit einem weiteren Beleg von Dir?

Herzliche Grüße
 
bayern klassisch Am: 16.03.2009 10:24:59 Gelesen: 43004# 39 @  
Hallo Christian,

die letzten Kreuzermarken wurden am 01.01.1876 ungültig. Dies war der Tag, an dem Bayern philatelistisch auf Mark und Pfennig umschwenkte, zumal man ab 1873 bereits keine Kreuzer und Gulden Münzen mehr prägen ließ, was ein eindeutiger Wink mit dem Zaunpfahl war.

Nur die Poststücke, die bei der 1. Leerung am 1.1.1876 noch mit Kreuzermarken frankiert in den Briefkästen vorgefunden wurden, sollten ohne ein Nachporto abspediert werden. Von diesen Poststücken des 1.1.1876 kenne ich ganze 2 Exemplare, die mit jeweils einer 3 Kr. Marke als einfacher Brief bis 15g in der Pfennigzeit aufgegeben wurden.

Ich stelle heute Abend mal den spätesten, unbeanstandeten Bayern - Kreuzerbeleg in der Pfennigzeit hier vor, bei dem so ziemlich alles zusammen kam, was zusammen kommen konnte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 16.03.2009 20:26:22 Gelesen: 42980# 40 @  
Für einfache Briefe bis 1 Loth Gewicht war die Nr. 7 von Bayern mit 18 Kr. die klassische Einzelfrankatur. Hier auf einem Brief aus Nürnberg vom 25.3.1862 nach London.

Links unten steht 10W, also 10 Kreuzer Weiterfranko für die belgische und britische Postverwaltung.

Er lief via Ostende nach London, wo er den "London Paid" - Stempel und als Zeichen hierfür (doppelt gemoppelt) noch den roten P. - Stempel (für "Paid") erhielt.

Diese 18 Kr. Frankaturen kamen vom 1.7.1859 bis zum 31.12.1869 bei diesem Leitweg vor und sind daher nicht selten.

Beste Grüsse von bayern klassisch


 
Christian Am: 17.03.2009 22:05:46 Gelesen: 42941# 41 @  
@ bayern klassisch [#40]

Guten Abend Ralph,

Deine Belege sind einfach bewundernswert. Ich hoffe, dass du noch mehr davon zeigst. In der Zwischenzeit müssen wohl meine Belege ausreichen, das Thema am Leben zu erhalten.

Herzliche Grüße

Christian
 
Christian Am: 17.03.2009 22:25:22 Gelesen: 42936# 42 @  
Hier noch eine Ganzssache aus der Pfennig-Zeit. Es handelt sich um die Ganzsache P109, abgestempelt am 23.6.1920. Welche Stempelmaschine dafür verantwortlich war, kann Concordia CA bestimmt ergänzen.



Die Rückseite soll natürlich auch nicht vorenthalten werden:



Das Interessante an diesem Beleg ist, dass er zusätzlich noch eine Marke des Deutschen Reiches (Michel-Nr. 122) verwendete. Leider habe ich in meiner Literatur keine Hinweise bezüglich der Gültigkeit der Frankatur gefunden.

Dafür fand ich aber die Ausschreibung zur Gestaltung der Markenserie, die dann als "Freimarken Landarbeiter und Schutzpatronin Bavaria" als sogenannte "Abschiedsserie" in Gebrauch genommen wurde.



Briefkopie zum Wettbewerb der "Münchener neuesten Nachrichten" von 1919.

Herzliche Grüße

Christian
 
Concordia CA Am: 17.03.2009 22:52:38 Gelesen: 42930# 43 @  
@ Christian [#42]

Bin schon da. Der Stempel MÜNCHEN * 2 * stammt von einer Sylbe-Bandstempelmaschine. Sie war vom 03.12.1913 bis zum 11.09.1920 im Einsatz. Dein Stempel hatte also nicht einmal mehr 3 Monate vor sich, bis er aus dem Verkehr gezogen wurde.

Hier ein Bild aus seinem ersten Verwendungsmonat Dezember 1913. Um bei Postkarten den Textteil nicht durch Überstempeln unleserlich zu machen, konnten die Sylbe-Maschinen auch im Halbstempelmodus betrieben werden. Der Unterschied in der Länge des Stempelabdruckes zu Deiner Karte ist offensichtlich.



Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
BD Am: 17.03.2009 23:13:58 Gelesen: 42916# 44 @  
@ Christian [#42]

Die Ganzsachen von Bayern wurden schon am 31.5.1920 ungültig, wurden aber im Juni aber meist geduldet, da die Marken bis Ende Juni gültig waren. Deine Karte ist eine sehr späte Verwendung, wenn nicht die späteste dieser Ganzsache überhaupt !

Mit besten Grüßen BD
 
Christian Am: 17.03.2009 23:41:27 Gelesen: 42906# 45 @  
@ Concordia CA [#43]

Hallo Jürgen,

wie immer kann man sich auf deine Fachkompetenz verlassen. Danke für die Hilfe!

@ BD [#44]

Hallo BD,

danke für die Info. Sie deckt sich mit meiner Vermutung.

Herzliche Grüße

Christian
 
BD Am: 18.03.2009 18:46:18 Gelesen: 42872# 46 @  
@ Christian [#45]

Das waren die 1994 bekannten Letztdaten der Ganzsachen von Bayern !

Mit besten Grüßen BD


 
bayern klassisch Am: 23.03.2009 12:05:27 Gelesen: 42806# 47 @  
Hallo,

leider kann ich die Spätverwendung der Kreuzerpostkarte vom Februar 1876 nicht finden, aber ich hoffe, dass der folgende Brief dies kompensieren kann. :-)

Es ist ein innerbayerischer Brief, der mit 12 Kr. für die 2. Gewichtsstufe (über 1 - 2 Loth) und die 2. Entfernungsstufe (über 12 Meilen) am 16.11.1863 von Starnberg nach Leutershausen geschickt wurde.

Alle Farbfrankaturen innerbayerischer Briefe sind selten, da man ja mit 1, 3 und 6 Kr. alle Standardtarife mit der passenden Marke abdecken konnte. Die Ausgabe vom 1.10.1862 ist überdies seltener als die Vorgängerausgabe, weil mit der Gebührenreduzierung am 1.8.1865 auf maximal 6 Kr. innerhalb Bayerns praktisch keine Farbfankaturen mehr vorkommen (die Ausnahme wäre dreimal die 1 Kr. gelb und ein Stück der 3 Kr. rot, wovon es keine Handvoll Belege gibt). Daher kommen solche Frankaturen nur vom 1.10.1862 bis zum 31.7.1865 überhaupt einmal vor.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 24.03.2009 18:14:58 Gelesen: 42765# 48 @  
Am 26.9.1864 schrieb man im unterfränkischen Würzburg einen einfachen Brief nach Genf. Hierfür waren bis 1 Loth Gewicht fällig:

9 Kr. für Bayern bis zur CH - Grenze (über 20 Meilen nach dem Postvertrag vom 1.10.1852) und 6 Kr. ab da bis Genf (über 10 Meilen).

Die Leitung erfolgte nur aus der Pfalz und Unterfranken über die badische Bahnpost (Unterfranken im geschlossenen Transit, aus der Pfalz im offenen Transit); aus dem restlichen Bayern hätte man ihn über Lindau gesandt.

Für seine Transitleistung erhielt Baden 1 Kreuzer, der intern vergütet wurde.

Zur Verwendung kam ein Randpaar der Nr. 10 Platte 1 und eine Nr. 9a.

Dass er schon 2 Tage später zugestellt wurde, spricht nicht eben gegen die Schnelligkeit der damaligen Eisenbahnen. Heute braucht man fast schon so lange, um sich die richtige Fahrkarte aus dem Blechtrottel zu ziehen. Auch kein Fortschritt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Christian Am: 26.03.2009 00:51:18 Gelesen: 42736# 49 @  
@ bayern klassisch [#48]

Lieber bayern_klassisch,

du hast einfach wunderbare Belege. Herzlichen Dank für das Zeigen hier im Forum.

Wenn meine Information stimmen, kann man diese und weitere im Mai in Essen in einer Ausstellung sehen. Darauf freue ich mich schon heute.

Herzliche Grüße Christian
 
bayern klassisch Am: 26.03.2009 09:17:22 Gelesen: 42719# 50 @  
Lieber Christian,

leider stelle ich in Essen nur eine meiner Sammlungen aus, die auf die Postverhältnisse Bayerns zu Frankreich von 1822 bis 1875 eingeht. Der ein oder andere Brief mit französischer Relevanz wird dort sicher ein Wiedersehen mit dir feiern können.

Daher werde ich nun bevorzugt Briefe einstellen, die keinen französischen Bezug haben.

Wiewohl ein Sammler immer die beste Qualität kaufen soll, die seine finanziellen Möglichkeiten hergeben, kommt man manchmal nicht umhin, etwas zu erwerben, was absolut einmalig ist, auch wenn die Schönheit hintangestellt werden muss.

So erging es mir, als ich vor 2 Jahren in Sindelfingen diese Paketkarte aus Maikammer in der Pfalz nach Basel sah, welche wohl schon damals, am 4.10.1874, kein übliches Poststück gewesen sein dürfte.

Der Expeditor von Maikammer war mit der Frankatur von 2 Gulden und 6 Kreuzern = 126 Kreuzern markenmäßig etwas überfordert, denn vorne passten diese beim besten Willen nicht auf die Paketkarte. Also blieb ihm nichts weiteres übrig, als seine höchsten Nominalen 3 und 7 Kr. (!) etwas zahlreicher als üblich auf die Rückseite zu kleben. Durch diese Massenfrankatur litt die Ästhetik ein wenig, aber bei echten Unikaten darf man als Pfälzer eben nicht allzu wählerisch sein (wenigstens hat man den Baseler Lager- und Ankunftsstempel vorzüglich abgeschlagen, aber das rettet auch nicht mehr viel).

Die Gebühr errechnete sich wie folgt: 18 Kg mal 7 Kr. für die 3. Tarifentfernung = 126 Kreuzer.

So ist das qualitativ mit Abstand schlechteste Stück meiner Sammlungen sicher keine Augenweide, aber im postgeschichtlichen Sinne sicher etwas ganz besonderes.

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
Christian Am: 27.03.2009 00:18:01 Gelesen: 42698# 51 @  
@ bayern klassisch [#50]

Hallo Ralph,

danke für die Info. Ich werde mir die Ausstellung in Essen auf jeden Fall ansehen.

Der letzte Beleg ist sicher etwas ganz besonderes. Hätte der Postbeamte es damals gewusst, hätte er bestimmt mehr Sorgfalt bei seinem "historischen Akt" an den Tag gelegt.

Herzliche Grüße

Christian
 
Christian Am: 27.03.2009 06:57:20 Gelesen: 42687# 52 @  
Als Liebhaber von Ganzsachen möchte ich hier noch Belege vorstellen, die bisher unberücksichtigt blieben:

Die Postanweisungen:



Michel Nr. A74 aus der Zeit zwischen 1903 und 1905. Auf der Rückseite sind die Gebühren für die einzelnen Entfernungsstufen zu sehen.

Bei Wikipedia gibt es folgende kurze Zusammenfassung:

Am 1. Januar 1865 führte Preußen statt der Briefe mit Bareinzahlungen die Postanweisungen ein. Die Postanweisung war vom Einzahler auszufüllen und wurde ohne Beförderungsnachweis mit der Briefpost versandt. Durch die Kostenersparnis konnte die Gebühr niedrig ausfallen. Braunschweig, Hannover und Sachsen führten Postanweisungen noch im gleichen Jahre ein, Bayern folgte am 1. November 1866, Württemberg am 1. Februar 1867. Wenig später, und zwar am 15. März 1867, wurde diese Zahlungsmethode dann auch in Österreich eingeführt. Im Vereinsverkehr blieben die Briefe mit Bareinzahlung noch länger bestehen.

Als Formular wurde ein in Kartenform hergestellter Vordruck verwendet. Er war vom Absender auszufüllen, der Empfänger bescheinigte den Empfang des Geldes. Ein kleiner Abschnitt der Karte diente dem Absender zu kleinen Bezugnahmen, dieser Abschnitt durfte erst ab dem 1. Juli 1866 abgetrennt werden. Weitere Änderungen folgten. Vom 1. Oktober 1883 wurde der Reichsbankgiroverkehr mit dem Postanweisungsdienst verbunden. Nun konnten die Beträge auch auf das Girokonto übermittelt werden.

Ein geregelter zwischenstaatlicher Verkehr wurde 1874 von Deutschland angeregt. Ein entsprechendes Übereinkommen wurde 1878 abgeschlossen. Ihm traten 14 Staaten bei.

Überbringer des Geldbetrags war der so genannte Geldbriefträger, ein insbesondere durch den in Fernseh-Quizsendungen der 1950er und 1960er Jahre mitwirkenden Walter Spahrbier bekannt gewordener Beruf. Der Zahlungsauftrag musste auf einem Formblatt erteilt werden, Inlandszahlungen wurden meist 1 bis 2 Tage später ausbezahlt. Es war jeweils eine Höchstsumme festgesetzt, diese betrug zuletzt € 1.500. Sonderformen wie Eilzustellung, Luftpostbeförderung oder Rückforderung waren möglich. Am 10. Mai 1949 wurden Funklotteriekarten eingeführt, Wertstempel 10 Pfg., Verkaufspreis 70 Pfg. , am 27. Juli 1951 auf 65 Pfg. gesenkt.

Telegraphische Postanweisungen wurden ohne Begrenzung des Betrags angenommen.
Auslandspostanweisungen auf mehrsprachigem (meist deutsch-französisch) Formblatt waren in bestimmte Länder ebenfalls möglich, die zulässigen Höchstbeträge waren dabei von Land zu Land unterschiedlich.

Eingeführt wurden Postanweisungen in England 1856, in den Staaten des Deutschen Reiches zwischen 1865 und 1867 und im Weltpostverein im Jahre 1879.

Durch die Einführung des "Minuten-Service" können jetzt ohne Betragsobergrenze Geldbeträge in Minutenschnelle weltweit an den Empfänger in größeren Postfilialen oder Niederlassungen der ausländischen Vertragspartner der Post zur Auszahlung gelangen, siehe zum Beispiel: Western Union.[IMG]




Michel Nr. A76 - A79

Herzliche Grüße

Christian
 
HEFO58 Am: 27.03.2009 12:23:57 Gelesen: 42668# 53 @  
@ Christian [#52]

Hallo

Von den Ganzsachen kann ich da auch noch zwei Sachen beisteuern.

Gruß
Helmut


 
bayern klassisch Am: 27.03.2009 14:06:12 Gelesen: 42658# 54 @  
Hallo ihr 2,

habt ihr die auch gestempelt?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gisi Am: 27.03.2009 19:35:30 Gelesen: 42629# 55 @  
Hallo,

habe mit grossem Interesse die Beiträge zu Altdeutschland Bayern gelesen und wieder viel dazugelernt. Vielen Dank für die Erläuterungen. Evtl. ist die Postanweisung auch von Interesse (bitte korrigiert mich, wenn's nicht dazugehört).

Habe auch Mi.Nr. 15 mit angehängt, weil die Abstempelung so schön klar ist. Der Brief reiste von Bamberg nach Oberlangenstadt bei Küps, wo er bereits am nächsten Tag ankam. Siehe Rückseite.




Habe noch einen Bayernbeleg von dem ich annehme, dass es sich um 2 II Platte 2 handelt mit Mühlradstempel 200 (266 ?).

Und mit dem letzten weiss ich überhaupt nicht wo dieser Beleg hingehört. Fräulein Dorette Eckart, Wohlgeboren zu Coburg, Steinthor, N. 751. Coburg gehörte zu der Zeit nicht in Bayern (Herzogtum Sachsen Coburg Gotha). Sagt es evtl. Franzensbahn, 5. Sept. ?

Viel Spass beim rätseln.

Gruss Gisi


 
bayern klassisch Am: 27.03.2009 20:23:54 Gelesen: 42623# 56 @  
Hallo Gisi,

der Brief aus dem österreichischen Franzensbad nach Coburg, Thurn und Taxis, hat mit Bayern nichts zu tun.

Der Brief mit der blauen 3 Kr. ist von der Auflösung her nicht geeignet, eine Platte zuzuweisen. Wenn der Brief Inhalt hat, könntest du dann den Absendeort und das Datum angeben? Dann könnte ich dir evtl. mehr sagen.

Beste Grüsse von bayern klassisch
 
Gisi Am: 27.03.2009 20:45:56 Gelesen: 42620# 57 @  
Hallo bayern klassisch,

der Brief wurde 1882 in Pfaffenhausen aufgegeben.

Habe noch einen Brief, der jedoch ohne Inhalt ist (blanke Innenseite). Mein Vater schrieb, dass es die Nr. 3 I sein soll. Ich kann Bahn? Bamberg erkennen, aber das war's dann schon.



Danke für alle Auskünfte, die sehr willkommen sind.

Gruss, Gisi
 
bayern klassisch Am: 27.03.2009 20:58:25 Gelesen: 42619# 58 @  
Hallo Gisi,

aus dem Kopf: 1882 ist sicher falsch, 1852 dürfte richtig sein. Dann ist es auch sicher eine 2II Platte 2, wie es mir schon an Anfang schien.

Der 2. Beleg war eine Ortsdrucksache oder ein Ortsbrief (wahrscheinlicher), die man am Bahnhof Bamberg aufgegeben hatte, und die bis zu 1 Loth (15,625g) wog. Die Marke ist eine 3Ia.

Beste Grüsse von bayern klassisch
 
Gisi Am: 27.03.2009 22:20:28 Gelesen: 42609# 59 @  
Hallo bayern klassisch!

Habe den Faltbrief mal kopiert und sende das Resultat. Sieht doch aus wie 1882, oder ?

Viele Grüsse, Gisi




 
HEFO58 Am: 27.03.2009 23:45:10 Gelesen: 42602# 60 @  
@ bayern klassisch [#54]


Leider nein, sollte mir mal eine gestempelt unterkommen werde ich sie hier zeigen.

Gruß
Helmut
 
bayern klassisch Am: 28.03.2009 18:39:18 Gelesen: 42573# 61 @  
Hallo HEF058,

Okay. Magst du mal ein paar aus der Kreuzerzeit sehen, die gelaufen sind?

Hallo Gisi,

der Brief stammt von todsicher von 1852, weil der Empfänger 1882 nicht mehr lebte. Dieser hat ihn jedoch als Advocat mit einem Datum unten versehen, und da steht dann 13.2.1852.

Was der triefelige Absender oben notiert hat, wird er wohl selbst nicht gewusst haben.

Als Anlage zeige ich mal für heute einen schnuckeligen 7 Kr. Brief mit vermutlich der Nr. 32 und 33 aus München vom 9.7.1875 nach Chicago. Wer einen früheren mit der Ausgabe hat, darf ihn gerne hier einstellen.

Quizfrage: Wie lange war es möglich, für 7 Kr. in die USA einen Brief zu schicken? Mal sehen, ob sich wer traut.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Gisi Am: 29.03.2009 16:17:02 Gelesen: 42528# 62 @  
Hallo bayern klassisch,

das ist ein sehr schmuckes Stück dieser 7 Kreuzer Beleg nach Chicago 1875. War es möglich bis 1891 einen Brief für 7 Kreuzer nach Amerika zu schicken? Wie ich lese wurde am 1. April 1891 der Seepostdienst zwischen Deutschland und Amerika aufgenommen nach dem 1890er Abkommen mit der Hamburg-Amerika-Linie und dem Norddeutschen Lloyd, wo die Post dann während der Seefahrt von Postbeamten bearbeitet wurde?

Wahrscheinlich liege ich total daneben, aber ich lerne gerne noch dazu und bei bayern klassisch ist man in der besten Schule! Vielen Dank für die Aufklärung des 1852er Beleges. Man kann also das Jahr nicht am Stempel erkennen, sondern an der Marke, die zu der Zeit verwendet wurde. Nun habe ich im Anhang einen Beleg mit eingeprägter (embossed) Drey Kreuzer Marke, finde diese Ausgabe nicht in meinem Michel Spezialkatalog, oder schaue ich nicht richtig, wie ja schon mal.

Bedanke mich für jeden Hinweis.

Mit freundlichen Grüssen,
Gisi


 
Concordia CA Am: 29.03.2009 16:30:25 Gelesen: 42520# 63 @  
@ bayern klassisch [#61]

Nach reiflicher Überlegung komme ich zu dem Schluß, dass die Möglichkeit für 7 Kreuzer einen Brief in die USA zu schicken am 31. Dezember 1875 endete, da am 1. Januar 1876 die Pfennigzeit begann.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
bayern klassisch Am: 29.03.2009 21:27:30 Gelesen: 42500# 64 @  
Hallo ConcordiaCA,

ich stelle fest, dass das Produkt deiner reiflichen Überlegung völlig richtig ist.

Ab dem 1.7.1875 galten die Verträge der ratifizierenden Staaten des Allgemeinen Postvereins (später der Weltpostverein), so dass einfache Briefe zwischen diesen Staaten nur noch 7 Kr. bzw. 10 Neukreuzer für Österreich und 2 Groschen für das Deutsche Reich kosteten.

Um es mal etwas zu verdeutlichen: Das wäre so, als würde innerhalb von 30 Jahren der Spritpreis von jetzt 1,20 Euro auf unter 10 Cent fallen - heute für Autofahrer der 7. Himmel, damals für die Korrespondenten ein Grund in die Luft zu springen.

Bei einem Zeitfenster dieser Frankaturstufe von einem halben Jahr kann man sich ausmalen, wie viele Briefe es von Bayern mit 7 Kr. in die USA heute noch gibt.

Super gemacht und vielen Dank dafür. :-)

Hallo Gisi,

dein Ganzsachenumschlag (GSU) wirst du im Michel - Ganzsachenkatalog finden. Es gibt deren 3, die aber, ungeachtet der in Katalogen notierten Preisdifferenzen, finanziell alle recht nahe beieinander liegen. Sie werden dann gerne gesammelt und hoch bewertet, wenn ihnen postgeschichtliches widerfuhr, was etwas aus dem Rahmen fiel.

Begehrt ist die U1, also der 1. bayerische Umschlag, wenn der Wertstempel mit einem Mühlradstempel getroffen wurde. Da diese Umschläge am 1.2.1869 nur am Sitz der Oberpostämter erstmalig verkauft wurden, und die Mühlräder nach dem 9.3. desselben Jahres zurückgezogen wurden, war das Zeitfenster hierfür also genau 37 Tage - nicht eben viel!

Dazu muss man bemerken, dass sie vom Publikum nur sehr zögerlich angenommen wurden und nicht eben ein Kassenschlager der damaligen Zeit waren.

Gut bezahlt werden auch alle GSU mit Zusatzfrankaturen, umso mehr, wenn der Zielort im Ausland lag.

So ein oder zwei davon habe ich auch und werde sie mal hier im Lauf der Zeit vorstellen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 29.03.2009 23:07:07 Gelesen: 42487# 65 @  
Heute Abend möchte ich mal eine "simple" Nr. 4II Platte 2 auf Brief zeigen, die von Landau in der Pfalz am 6.3.1858 nach Forstfeld ins (französische) Elsaß lief. Würde man nur in den Katalog schauen, ohne die Besonderheit dieser Frankatur zu erkennen, könnte man denken, dass man ihn für 20 oder 30 Euro auf jedem besseren Flohmarkt bekommen könnte.

Wer erkennt, was das besondere dieses Briefes ausmacht?

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
reichswolf Am: 30.03.2009 01:00:38 Gelesen: 42471# 66 @  
@ bayern klassisch [#65]

Gab es nicht ein ermäßigtes Porto für Briefe aus der Pfalz in grenznahe französische Gebiete? Genau weiß ich es nicht mehr, aber in einem der Foren meine ich darüber schon etwas gelesen zu haben. Auf die Schnelle finde ich aber weder den betreffenden Beitrag noch den entsprechenden Postvertrag.

Beste Grüße,
Christoph
 
bayern klassisch Am: 30.03.2009 01:27:28 Gelesen: 42467# 67 @  
... und die richtige Antwort hat: Christoph!

Der Postvertrag vom 1.7.1847 bis 30.6.1858 zwischen Bayern und Frankreich bestimmte, dass für die Korrespondenz der Pfalz nach den französischen Grenzdepartements, hier "Bas Rhin", die Gebühr nur 6 Kr. betragen sollte (franko wie porto). Dieser lief von Landau im Paket nach Strasbourg, wo er die Stempel P.D. (alles bezahlt), 11 AED (11. Grenzpostbüro Frankreichs in alphabetischer Reihenfolge) und "Bavière Strasbourg" erhielt. Er hätte auch über das Landauer Paketschlußamt Weisembourg laufen können, aber dafür war die Zeit wohl nicht ideal, so dass man ihn über Baden (Kehl) nach Strasbourg spedierte. Gebührenmäßig war das fast egal, aber wohl schneller.

Die Gebühr von 6 Kr. (normaler Brief: 18 Kr. aus dem rechtsrheinischen Bayern, aus der Pfalz 12 Kr.) wurde am Ende des Quartals hälftig zwischen Bayern und Frankreich geteilt. Baden erhielt von Bayern noch einen Drittel Kreuzer für den einfachen Brief, was aber nicht zu sehen ist und nur vertraglich fixiert wurde. Interessant ist noch die Tatsache, dass wegen der unterschiedlichen Gewichte, Bayern rechnete mit dem halben Loth = 8,75g, Frankreich mit 7,5g als einfache Gewichtsstufe, ein Brief von Landau nach Forstfeld mit 8g in der 1. Gewichtsstufe lag, während er mit demselben Gewicht aus Frankreich nach Bayern schon in der 2. Gewichtsstufe (= 12 Kr. oder 40 Centimes) lag.

Diese Briefe sind nicht häufig - wer immer einen Brief nach Frankreich mit geringerer Frankatur als 12 Kr. vor dem 16.5.1872 (Reichspostvertrag mit Einheitstaxe von 9 Kr. aus Bayern bis 10g Gewicht) findet, sollte wissen, dass er etwas besonderes vor sich hat.

Vielen Dank dass du dich geoutet hast als Postgeschichtler - das nächste kleine philatelistische Rätsel kommt bestimmt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gisi Am: 31.03.2009 00:23:47 Gelesen: 42435# 68 @  
Hallo,

kann mich nur bedanken, mitreden kann ich da nicht mehr. Werde mir einen gebrauchten Ganzsachenkatalog zulegen.

Gruss,
Gisi
 
bayern klassisch Am: 31.03.2009 10:16:50 Gelesen: 42417# 69 @  
Hallo Gisi,

ich zeige dir mal 2 Postanweisungen (PA) aus Bayern nach Württemberg, weil ich das, wie alles andere auch, nach Destinationen sammle.

Die 1. stammt aus Feuchtwangen im Allgäu und lief nach Westheim bei Schwäbisch Hall. Am 7.6.1875 wurde sie aufgegeben, um den Betrag von 19 Gulden und 53 Kreuzern zu überweisen. Du siehst, man hatte nur 20 Gulden bei sich und abzüglich der Kosten für diese PA blieben noch 19 Gulden 53 Kr. als Überweisungsbetrag übrig.

Im Text links vermerkte der Absender auch diese "7x Porto". Das Verhältnis zwischen gebrauchten und ungebrauchten PA liegt etwa bei 500 zu 1.

Das Verhältnis 5.000 zu 1 erreichen wir nur durch eine PA wie diese, welche am 11.5.1875 von Immenstadt im Allgäu nach Stuttgart gerichtet worden war. Es ging um den Betrag von 15 Gulden.

Da PA nur von der Aufgabepost geschrieben werden durften, vermerkte man bei der Aufgabepost " Per Telegraph" und unterstrich dies rot. Gleichzeitig brachte man unter Stuttgart den Vermerk " postlagernd" an.

Dies scheint ein Widerspruch in sich zu sein, denn entweder ich schicke etwas auf die schnellste und teuerste Weise, also telegraphisch, oder ich lasse etwas auf der Post liegen, postlagernd.

Es geht also nicht ohne die Kenntnis der Behandlung seinerzeitiger Abläufe. Der Absender wollte die 15 Gulden schnellstmöglich dem Empfänger in Stuttgart zukommen lassen. Hierfür wurde ein Postanweisungstelegramm ("telegraphisch") von Immenstadt nach Stuttgart abgeschickt, welches 18 Kr. kostete. Der Expressbote in Stuttgart kostete 9 Kr. und die PA selbst 7 Kr., so dass dem Absender Kosten in Höhe von 34 Kreuzern (!) entstanden sind.

Weil es postlagernd war, konnte der Empfänger immer davon ausgehen, dass sein Geld am Stuttgarter Bahnhof für ihn bereit lag.

Aus der Kreuzerzeit sind nur 2 derartige PA von Bayern bekannt geworden.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Gisi Am: 01.04.2009 17:25:48 Gelesen: 42369# 70 @  
Hallo bayern klassisch,

sehr aufschlussreich. Diese Ausführungen lassen mich mit einem ganz anderen Blick den Nachlass meines Vaters betrachten.

Vielen Dank und freundlichen Gruss,

Gisi
 
bayern klassisch Am: 01.04.2009 18:33:09 Gelesen: 42361# 71 @  
Hallo Gisi,

dafür mache ich das hier. :-)

Aus München vom 3.1.1872 zeigt uns ein schwerer Brief (oben links "2" in blau für die 2. Gewichtsstufe über 1 - 2 Loth) aus München nach Sinigaglia (= bayerische Orthographie) in Italien, dass auch späte Bayernbriefe schön sein können (die meisten sind es leider nicht).

Je 10 Kr. für Bayern und das Königreich Italien ergaben 20 Kreuzer, die verklebt wurden. Dazu kamen weitere 7 Kr. für die Einschreibung, die der Aufgabepost belassen wurden.

Am Münchner Bahnhof schlug man dafür den sog. Wiegestempel "Chargé" in blau ab. Eigentlich sollte die Rekonummer, hier die 691, in den Stempel selbst geschrieben werden, was man in der Regel auch tat, hier aber unterließ. In Italien erhielt er eine eigene Rekonummer, die 918, welche unter Benedetto notiert wurde.

Rekobriefe der 2. Gewichtsstufe ins Ausland sind nicht sehr häufig, und wer einmal ein solches Stück in gutem Zustand angeboten bekommt, sollte nicht zu lange zögern.

Passend dazu eine bayerische Drucksache aus München vom 31.10.1872 nach Padua, welche mit 2 Kr. für ein Gewicht bis 2 1/2 Loth treffend frankiert wurde. Warum man den P.D. - Stempel in rot vergaß, wird ewig ein Geheimnis Münchens bleiben.

Dieser Postvertrag über Österreich nach Italien wurde zum 1.4.1869 in Kraft und am 31.10.1873 außer Kraft gesetzt.

Ich habe diese beiden Stücke auf einer Seite einer meiner Ausstellungssammlungen - zweimal blau, zweimal rot, zweimal grün. Es gibt Seiten, die sehen schlechter aus ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
duphil Am: 01.04.2009 19:01:30 Gelesen: 42356# 72 @  
@ bayern klassisch [#71]

Hallo bayern klassisch!

Mittlerweile habe ich gelernt, dass es keine dummen Fragen gibt. Darum lege ich einfach mal los!

Was mich jetzt bei dem erstem Brief von München nach Sinigaglia irritiert, ist die Tatsache, dass die Gebühr für das Einschreiben nicht mit Postwertzeichen verrechnet wurde, jedenfalls nicht auf dem Brief.

Für mich würde das bei einem evtl. Erwerb erst einmal bedeuten, dass der Brief nicht portogerecht frankiert wurde.

Woran ist erkennbar, dass die Einschreibe-Gebühr doch bezahlt wurde? Nur am Charge-Stempel?

Gab es denn in Bayern eine Verordnung, Anweisung o.ä., die es den Postbeamten ermöglichte, Zusatzleistungen nicht mit Postwertzeichen zu verrechnen? Wie wurde das denn sonst abgerechnet? Oder war das nur bei Sendungen in das Ausland der Fall? Galt das dann für alle Zusatzleistungen oder nur für Einschreiben? War das vielleicht nur eine Sondervereinbarung zwischen Bayern, Österreich und Italien? Oder gab es noch ganz andere Gründe?

Entschuldige die Reihenfolge der Fragen, aber ich habe sie so aufgeschrieben, wie sie mir in den Sinn gekommen sind.

Mit freundliche Gruß
Peter
 
bayern klassisch Am: 01.04.2009 19:44:53 Gelesen: 42347# 73 @  
Hallo Peter,

dumm ist nur, wer auf Fragen keine Antwort geben kann. Also versuche ich mal, nicht dumm dazustehen.

In Bayern wurde die Chargégebühr erst ab dem 1.3.1874 in Marken verklebt. Vorher war das prinzipiell nicht möglich.

Ab dem 1.1.1861 - ich habe hier mal einen Brief in diesem Thread ab Bahnhof München nach Österreich gezeigt - waren auch Portochargébriefe zugelassen, bei denen der Empfänger sowohl das Porto als auch die Chargégebühr bezahlen musste.

Da mein Brief aus 1872 stammt, konnte also die Chargégebühr gar nicht frankiert werden.

Die Rekogebühr wurde, ob sie nun 4 Kr. bis 30.6.1850, 6 Kr. bis 31.12.1867 oder 7 Kr. ab 1.1.1868 betrug, kassiert und dafür der Postschein ausgestellt. Auf diesem war sie zu quittieren. Der Brief erhielt dieselbe Nummer wie der Postschein und wurde unter derselben Nummer im Rekomanual eingetragen, schließlich musste man ja wissen, wer wann an wen welchen Brief eingeliefert hatte.

War die Aufgabepost eine gewöhnliche Postexpedition, dann bekam der Postexpedtior die Chargégebühr unvermindert. Er musste aber dafür die Vordrucke auch kaufen bzw. bei der Materialverwaltung bestellen (100 Stück = 2 Kreuzer, wenn ich mich nicht irre).

War die Aufgabepost mit Beamten besetzt, dann bekam die Aufgabepost die Chargégebühr, nicht das Individuum. Diese floss in mehrere Kassen (Witwen- und Waisenkasse für Postbeamte usw.) und war somit mildtätigen Zwecken zugedacht.

Wollte ein Absender eingeschrieben versenden, musste er dies auf der Adress - Seite des Briefes kenntlich machen. Die Vermerke hierfür waren: Recommandirt, gegen Schein, gegen Postschein, Chargé oder später Einschreiben (ab 1874).

Gab ein Absender einen so bezeichneten Brief auf der Post ab, wollte dann aber doch nicht eingeschrieben versenden lassen (zu teuer), dann musste er den Vermerk streichen oder die Post einen entsprechenden Vermerk anbringen.

In dem Falle der Einschreibung war immer der Chargéstempel abzugschlagen.

Es gibt aber auch Briefe, bei denen man den Chargéstempel vergessen hatte (Stress). Um festzustellen, ob er dann chargiert worden war, oder nicht, sucht man die Rekonummer. Hat der Brief keine, war er auch nicht eingeschrieben. Hat er eine, war er eingeschrieben und der Stempel vergessen worden.

Zusatzleistungen waren neben dem bereits besprochenen Einschreiben auch die Versendung mit Expressen. Dieses ist ein hoch kompliziertes Kapitel, welches 99% der Bayernsammler überfordert (auch finanziell). Ich könnte hier mal einen eigenen Thread diesbezüglich aufmachen, wenn es gewünscht wird.

Diese Express - Beförderung war teils in bar, teils in Marken teils dem Empfänger zu überlassen bezahlbar gewesen. Eine Beurteilung wird nur der Experte vornehmen können, zumal sich die Vorschriften änderten und für private und dienstliche Express - Sendungen andere Regeln galten. Die Gebühren verblieben i. d. R. dem Expeditor der Abgabepost bzw. dem Expressboten für seinen Gang zum Empfänger.

Der Postlieferschein bzw. der Postrückschein, in Bayern Retour - Recepisse genannt, war ebenfalls kostenpflichtig, wurde aber in der Regel bar bezahlt. Teils kommt es bei spätern Kreuzerbriefen vor, dass diese Gebühr auf den Brief selbst geklebt wurde, teils auf den Rückschein. Alles ist sehr selten und ich habe nur ganz wenige Stücke dieser Art in meiner Sammlung (und gesehen).

Der Rückschein war aber der einzige Sonderdienst, der immer vom Absender getragen werden musste. Die Gebühr von 12 Kr. bis zum 30.6.1850, 6 Kr. bis zum 31.12.1867 bzw. 7 Kr. ab dem 1.1.1868 verblieb immer der Aufgabepost bzw. dem Expeditor der Aufgabepost.

Die Versendung mit poste - restante war ebenfalls kostenpflichtig bis zum 31.12.1867 und zwar mit 4 Kreuzern. Diese waren nicht frankierbar, sondern mussten vom Empfänger bei der Abholung bezahlt werden. Sie wurden aber nur ganz selten angeschrieben und verblieben auch der Abgabepost bzw. dem Expeditor der Abgabepostexpediton. Sie war ein Teil seines Gehaltes (das nannte man Emolument).

Diese Aufzählung bezieht sich auf innerbayerische und Postvereinsversendungen. Nach dem Ausland konnte dies abweichen.

So wurde vom 1.7.1858 bei Chargébriefen nach Frankreich bis zum 15.5.1872, die Chargégebühr für Bayern in bar entrichtet, die für Frankreich aber mit 6 Kr. in Marken verklebt. Bis dahin war in diesen Fällen die Gebühr für den Brief zu verdoppeln, so dass du dir vorstellen kannst, wie wenige Chargébriefe es zwischen diesen beiden Postgebieten gab und gibt.

Bei Sendungen nach Russland wurde im Falle der Einschreibung der russische Gebührenanteil verdoppelt, nicht aber der bayerische.

Bei Einschreiben bis 1854 über England nach den USA wurden 18 Kreuzer = 5 Silbergroschen in Marken oder bar bis zum britischen Ausschiffungshafen fällig, während die bayerische Chargégebühr von 6 Kr. wieder bar bezahlt wurde. Ab dem britischen Ausschiffungshafen war der Brief aber nicht mehr eingeschrieben, obwohl er so aufgegeben worden ist, weil niemand die Sicherheit für die einwandfreie Überfahrt garantieren wollte und konnte.

Das sind nur ein paar Beispiele von vielen, die dir zeigen sollen, dass diese Materie ungeheuer vielfältig und spannend ist.

Für weitere Fragen stehe ich gerne zu Diensten, so ich sie beantworten kann.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
duphil Am: 01.04.2009 20:04:36 Gelesen: 42343# 74 @  
@ bayern klassisch [#73]

Uff, dass muss sich jetzt setzen.

Ich stelle immer mehr fest, dass der klassische Teil der Briefmarkenausgaben von Deutschland und hier besonders der Briefeteil mein Interesse weckt. Vor allem (für mich) vor dem Hintergrund der Postgeschichte und besonders der verschiedenen Gebührenordnungen und -verordnungen. Natürlich sind da auch Postwege interessant und, und, und ... (Aber wem sage ich das?) Mal sehen, wohin mich das führt. "grins"

Ich sage erst einmal vielen Dank für die vielfältigen und aufschlussreichen Informationen.

Mit freundlichen Gruß
Peter
 
bayern klassisch Am: 02.04.2009 09:28:38 Gelesen: 42318# 75 @  
Hallo,

zum zurücklehnen eine kleine Rosine zur Abwechselung.

Mit dem Postvertrag Bayerns und Frankreichs vom 1.7.1858 wurde bestimmt, dass je 10g Briefgewicht 12 Kr. zu frankieren waren (18 Kr. Porto bei unfrankierter Absendung). In Nürnberg am 7.12.1869 notierte der Absender links unten zwar "fco" für franko, aber so ganz richtig war das nicht.

Zwar ließ sich noch die Nürnberger Aufgabepost von dem Vermerk beeindrucken und druckte auch artig den "P.D." - Stempel als Zeichen der Bezahlung aller Gebühren ab, ja man notierte in der linken oberen Ecke in blau auch "1P" für Premier Port, also 1. Gewichtsstufe, doch richtig war dies alles nicht.

So musste es kommen, dass man in Forbach am 8.12. den Brief wog und feststellte, dass er über 10g wog. Nun wurde links oben eine "2" über der "1" geschrieben, der Vermerk "Afranchissement insuffisant" (Freimachung ungenügend) angebracht und der "P.D." - Stempel gestrichen. Die Folge davon war eine Nachtaxierung von 8 Decimes (24 Kreuzer!) für den Empfänger.

Wie aber kam man auf 8 Decimes? Der Vertrag bestimmte, dass unterfrankierte Briefe wie gänzlich unfrankierte Briefe zu taxieren waren, abzüglich der verwendeten Frankatur.

Ein Portobrief kostete je 10g 18 Kr. (6 Decimes), ein schwerer also 36 Kr. bzw. 12 Decimes. Zieht man nun von 36 Kr. die verklebten 12 Kr. ab, so bleiben genau 24 Kr. übrig, die den 8 Decimes entsprechen. Ein teures Vergnügen, wenn man nicht aufpasste.

Als Beweis füge ich eine Portobrief aus München ein, der links oben mit der blauen "1" als tatsächlicher Brief der 1. Gewichtsstufe mit dem französischen Stempel "6" für 6 Decimes bedruckt wurde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 25.04.2009 07:58:45 Gelesen: 42137# 76 @  
Hallo,

wenn eine Mischfrankatur noch nicht gezeigt worden ist, dann möchte ich mal mit einer der Nr. 20 und Nr. 22 beginnen.

Am 16.5.1871 sandte man von Regensburg einen Brief der 2. Gewichtsstufe nach Eppstein bei Frankfurt am Main. Hierfür waren 7 Kr. zu frankieren (im Portofall wären es 11 Kr. gewesen, so dass der Absender gut daran tat, mit Marken zu frankieren).

Vermutlich hatte er noch eine alte, aber gültige 6 Kr. braun, die am 1.10.1868 an die Schalter kam, aber schon am 1.7.1870 durch die Nr. 24 in gezähnter Version ersetzt wurde. Zur Auffrankatur bedurfte es eines Kreuzers, den man ja ab dem 1.7.1870 mit der Nr. 22 reichlich zur Verfügung hatte.

Mischfrankaturen Bayerns sind immer selten, so wie sie von anderen AD - Ländern auch recht häufig sein können. In Bayern war man fast immer bestrebt, mit der neuen Ausgabe einer Serie die alten Marken umzutauschen bzw. sie aufzubrauchen. Auch Restbestände wurden vom Markt genommen, um die neuen Marken zu platzieren.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Christian Am: 30.04.2009 00:48:35 Gelesen: 42100# 77 @  
Hallo zusammen!

Hier noch ein amtlicher Brief von der Regierung von Niederbayern, gelaufen von Landshut nach Wolfstein (Rheinland Pfalz). Der Brief datiert vom 26. Dezember 1853. Ich finde in einfach schön. An dieser Stelle noch einen Dank an das Philaseiten-Mitglied, der ihn mir überlassen hat.

Den Inhalt konnte ich noch nicht komplett entziffern, werde ihn aber nachreichen.





Herzliche Grüße

Christian
 
bayern klassisch Am: 30.04.2009 07:33:09 Gelesen: 42092# 78 @  
Hallo Christian,

ich bedauere sehr, dich enttäuschen zu müssen, aber dieser Dienstbrief hat die Rheinpfalz erst gesehen, als du ihn aus dem Briefkasten geholt hast.

Es war ein Dienstbrief nach Wolfstein bei Landshut - daher brauchte man damals auch keine Präzisierung des Zielortes (Rheinbayern), den man weder damals noch heute als Ort in der Pfalz gekannt hätte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 29.05.2009 17:46:53 Gelesen: 41888# 79 @  
Postbetrug lag vor, wenn der Absender etwas suggerierte, was tatsächlich nicht so war.

Hier ein Beispiel aus Regensburg vom 24.10.1850, welches man als Drucksache mit nur einem Kreuzer nach Neuburg an der Donau frankierte. Drucksachen durften nichts geschriebenes enthalten, von der Adresse, dem Datum und der Unterschrift einmal abgesehen.

Hier hätte ein einfacher Brief mit 3 Kr. frankiert werden müssen. Die Ersparnis von 2 Kr. war es dem Absender wert, denn die Aufgabepost in Regensburg überprüfte den Inhalt der DS nicht und sandte sie einfach so nach Neuburg an der Donau (das Streifbändchen ist heute nicht mehr erhalten).

Die Scans des Inhalts belegen eindeutig den erfolgreichen Postbetrug, den auch ein BPP entsprechend attestierte. Darüber hinaus ist es eine recht späte Verwendung einer 1. Platte der schwarzen Eins.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Martinus Am: 16.10.2009 11:07:13 Gelesen: 40973# 80 @  
Bin kein Bayernsammler, habe diesen Brief in einer Kiloware gefunden!

Kann mir jemand helfen, wie so etwas einzuordnen ist?

Danke lg Michael


 
bayern klassisch Am: 16.10.2009 11:44:58 Gelesen: 40968# 81 @  
Hallo Martinus,

der Brief ist verfälscht, weil der Stempel von Speyer der Type Braungardt mit der Einkerbung zwischen E und R ein Falschstempel ist.

Der Wert ist somit gleich Null anzusetzen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Martinus Am: 16.10.2009 21:17:34 Gelesen: 40933# 82 @  
Ok, gibt es dazu irgendwo etwas schriftliches zum nachlesen?

Dann behalte ich ihn trotzdem und kennzeichne ihn mit falsch!

lg Michael
 
bayern klassisch Am: 16.10.2009 22:35:41 Gelesen: 40926# 83 @  
Hallo,

du kannst gerne bei Dr. Joachim Helbig BPP nachfragen. Er hat vor mehreren Jahren ein Heft mit bekannten Falschstempeln heraus gebracht. Dieses Heft habe ich vor einem Jahr einem jungen Sammlerfreund gegeben, kann also den Falschstempel nicht mehr einscannen.

Dass du den Brief als verfälscht deklarieren willst, ehrt dich sehr. Würden das doch nur alle tun, die manipulierte Stücke besitzen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 12.12.2009 09:32:18 Gelesen: 40506# 84 @  
Liebe Sammlerfreunde,

um dem Thread wieder etwas auf die Beine zu bringen, zeige ich mal eine Postvereinsdrucksache von Regensburg nach Pabneukirchen in Österreich, die m. E. sehr hübsch ist.

Innen ist sie mit ... December 1850 datiert, aber man hat sie (leider !) erst am 7.1.1851 bei der Post aufgegeben.

Die verwendete Marke, eine 3Ia der Erstausgabe, zeigt noch den hervorragenden Druck der ganz frischen Platte.

Im Gegensatz zu den Angaben bei Michel und Peter Sem war die Marke nicht am 1.10.1850 an den Schaltern, sondern erst im Dezember 1850, da erst einmal die Restbestände der Schwarzen Eins abverkauft werden mussten.

6 Poststücke mit der Nr. 3 Bayerns aus 1850 sind mir bekannt - für über 25 Jahre der Suche und dem Studium von ca. 30.000 Auktionskatalogen aus aller Welt ist das nicht eben viel.

Daher der Tipp vom alten Hasen: Wenn ihr eine lose Nr. 3 mit dem sicheren Datum 1850 seht, hierbei kommen nur die Stempeltypen Zweikreis und Zweizeiler in Frage, dann schlagt zu. Bei einem Ganzstück sind 300% Aufschlag auf den vollen Katalogpreis ein Schnäppchen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
ligneN Am: 12.12.2009 10:43:38 Gelesen: 40490# 85 @  
Hallo @ bayern klassisch [#84]

Im Gegensatz zu den Angaben bei Michel und Peter Sem war die Marke nicht am 1.10.1850 an den Schaltern, sondern erst im Dezember 1850, da erst einmal die Restbestände der Schwarzen Eins abverkauft werden mussten.

So etwas gehört natürlich in den Michel-Spezial, in michelamtlicher ;-)) Sprache etwa so:

"Lt. Amtsblatt Ausgabeverfügung 1.10.1850, jedoch Verwendungen erst ab Dez. 1850 bekannt. Ggf. aktuelles FRÜHDATUM EINFÜGEN Zuteilungen vermutlich erst nach Aufbrauch der Lager- und Schalterbestände von Nr. 1."

Exkursion nach Altbayern:
ligneN
 
bayern klassisch Am: 12.12.2009 10:56:32 Gelesen: 40484# 86 @  
Hallo Excursor in bayerischen Landen,

ja, so sollte man es beim Schwaneberger Verlag schreiben. Ich darf einen Auszug aus einem Artikel des 37. Rundbriefs der ARGE Bayern klassisch (http://www.arge-bayer.net) aus meiner eigenen Feder hier einfügen, der nach wie vor Bestand hat und klärt, warum es keinen Ersttag oder gar Ersttagsverwendungen mit dieser Marke geben kann/konnte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch, der sich sehr freut, dass du hier auch mitliest ... :-)


 
bayern klassisch Am: 23.04.2010 12:23:04 Gelesen: 39498# 87 @  
Hallo,

ein guter Fang war ein Laufzettel, den S. Deider mir günstig zuschlagen konnte.

Er lief 1864 von Rülzheim über Landau, Speyer und Mainz nach Bingen. Der Absender eines Wertbriefes (Fahrpost) dachte, dass sein gutes Stück nicht den Empfänger in Bingen erreicht hätte und wurde bei seiner Postexpedition in Rülzheim vorstellig.

Da er nichts vorlegen konnte, was diese Befürchtung bestätigen konnte, musste er das tarifmäßige Franko von Rülzheim nach Bingen bezahlen. Dieses war bei einer Entfernung von über 10 bis 20 Meilen 6 Kr., wie man an der Marke mit mir unbekanntem Plattenfehler sieht.

Die Ausfertigung eines Laufzettels kostete 12 Kr., worin auch die Einschreibung enthalten war. Der LZ lief alle Poststationen ab, wurde vom Empfänger rein quittiert (= er hatte den Wertbrief damals gut erhalten) und kam dann mit diesen Notationen versehen zurück zum Absender, der ihn gegen Unterschrift und den Postschein ausgehändigt bekam.

Nicht deuten kann ich den Vermerk 3 / 1, welcher von der Taxispost angebracht worden sein musste. Jemand eine Idee?

Jedenfalls sind Laufzettel in den Postverein Seltenheiten und viel schönere als diesen in das Taxisgebiet wird man lange suchen müssen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
bayern klassisch Am: 21.09.2010 16:49:24 Gelesen: 37152# 88 @  
Liebe Sammlerfreunde,

wenn man etwas schönes und außergewöhnliches günstig erwerben kann, sollte man nicht zögern, dies zu tun.

Einer der schönsten Briefe Bayerns in die Schweiz ist m. E. dieser aus München mit 4 Exemplaren der Nr. 9.

Üblich waren, gerade in den großen Städten, wo die Postexpeditionen alle Werte vorrätig hielten, Frankaturen mit 12 Kr. Marken, was nichts besonderes gewesen wäre.

4 breitrandig geschnittene Marken der Ausgabe von 1862, noch dazu auf einem Auslandsbrief, sind aber (leider!) die Ausnahme.

Für die Postgeschichtler unter uns: Postvertrag Bayern - Schweiz vom 1.10.1852. 9 Kr. für Bayern über 20 Meilen München - Lindau und 3 Kr. für die CH bis Luzern, die unten mit schwarzer Tinte als Weiterfranko notiert wurde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 08.12.2010 17:32:53 Gelesen: 35643# 89 @  
Liebe Sammlerfreunde,

einen Brief aus dem idyllischen Lindau vom 21.11.1855 in das sardische Genua zeigt uns eine 20 Kr. Frankatur.

Wer kann die 6 und 8 siegelseitig und die Besonderheit(en) des Briefes, den mir der liebe Briefträger heute brachte, erklären?

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 10.12.2010 06:44:41 Gelesen: 35596# 90 @  
Liebe Sammlerfreunde,

vielleicht ist der gezeigte Brief doch etwas zu kompliziert, daher möchte ich ihn mal erklären:

Der Laufweg des Briefes war Lindau - Chur - Mailand - Genua. Obwohl er als Lindauer Brief bis zur Schweiz nur 3 Kr. nach dem Vertrag vom 1.10.1852 gekostet hätte, musste man mit 9 Kr. den Postvereinsanteil frankieren, weil es die Schweiz nur transitierte und somit kein bilateraler Brief war. Also 9 Kr. für Bayern für einfache Briefe über 20 Meilen in den Postverein plus 3 Kr. Transitgebühr für die Schweiz.

In Mailand, dem Auswechselpostamt Österreichs, erhielt er die Stempel P.D., Franca und Via die Svizzera (über die Schweiz), damit man sah, welchen Weg er bis Mailand genommen hatte. Möglich war damals auch die Leitung über Österreich (Füssen war bayer. Grenzausgangspost), wodurch man sich die 3 Kr. für die CH ersparen konnte, jedoch eine längere Laufzeit und unsicherere Verhältnisse in Kauf nehmen musste. Dies scheute unser Lindauer Absender jedoch.

Da nicht Bayern mit dem Königreich Sardinien abrechnete, sondern Mailand (= Österreich), musste die Rechnungslegung zwischen diesen beiden Postgebieten in Kreuzern Conventionsmünze stattfinden und nicht in den rheinischen Kreuzern Bayerns.

Da der Kreuzer CM etwa 1,2 Kreuzer rheinisch wert war, reichten die von Österreich hierfür vorgesehenen 6 Kr. CM Weiterfranko für Sardinien nicht aus. Im Gegensatz zu den anderen süddeutschen Staaten wie Baden und Württemberg, die in diesen Fällen 7 Kr. rheinisch von ihren Postkunden frankieren liessen, gab Bayern die Reduktion in 8 Kreuzern vor! Daher die siegelseitigen 6 Kr. CM und 8 Kr. rheinisch, die in diesem Fall als gleichwertig angesehen wurden, obwohl sie es nicht tatsächlich waren.

Erst die piemontesische Krieg vom Sommer 1859 machte einer solchen Leitung den Garaus, weil die Lombardei an Italien fiel und Österreichs eierlegende Wollmilchsau verloren ging.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 26.03.2011 21:57:16 Gelesen: 33084# 91 @  
Liebe Sammlerfreunde,

nun etwas leichtere Kost:

In Frankfurt am Main wollte man seine Drucksache vom Dez. 1850 nicht zur Post geben, denn so eilig hatte man es nicht damit. Am 23.1.1851 schleppte man ihn ca. 80 km weiter in das bayerische Karlstadt, wo sie mit einem Kreuzer frankiert nach Bayreuth auf die Reise ging. Die Marke ist eine 1II mit kleiner Abart oben rechts. Am 24.1. kam er in Bayreuth an.

Warum machte man das?

Von Frankfurt aus hätte man die DS als Brief aufgeben können, denn die Ermässigung als Drucksache (DS) grif erst ab der 2. Gewichtsstufe (ab 8,75g, hier nicht der Fall mit 3g). Daher hätte man für Thurn und Taxis 4 Kr. bis zur bayer. Grenze und ab da 8 Kr. bis Bayreuth für Bayern zahlen müssen.

Erst ab der 2. Gewichtsstufe progressierten die Kosten nur noch um ein Viertel, daher konnte man ohne finanzielle Einbußen DS als Brief versenden, wenn sie nicht schwer waren.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Pommes Am: 26.03.2011 22:15:44 Gelesen: 33078# 92 @  
@ bayern klassisch [#91]

Schöner Beleg. Kannst Du etwas dazu sagen, ob hier ein "Pfennigfuchser" am Werk war oder, ob tatsächlich eine erhebliche Kostenersparnis im Hintergrund stand? Was konnte man sich denn ersparen wenn man die 80 km selbst zurück legte? - "Kaufkraft" - wie es heute so schön heißt. Ich nehme mal an, dass 4 Kr. Thurn und Taxis und 8 Kr. in Bayern/Baiern irgendwelchen "Umrechnungskursen" unterlagen? Falls nicht, wäre der Sprung von einem zu zwölf Kreuzern ja wirklich "heftig".

Von wegen 'leichte Kost' - vielleicht bei Euch Spezialisten, aber hier lesen auch Amateure mit.

Mit den besten Sammlergrüßen
Thomas
 
bayern klassisch Am: 26.03.2011 22:42:51 Gelesen: 33069# 93 @  
Hallo Thomas,

das ist schon leichtere Kost als der letzte, den ich gezeigt habe und ich freue mich, dass er dir gut gefällt.

Zur Kaufkraft, ein guter Einwurf von dir: Für 4 Kr. konnte man inklusive eines Getränkes zu Mittag essen. Da waren 11 Kr. Ersparnis schon ganz ordentlich Geld.

Die Möglichkeiten, wie die Drucksache (DS) von Frankfurt nach Karlstadt kam, sind vielfältig.

1) Die Firma schickt einen, der im Raum Bayern unterwegs ist, mit der DS dorthin und der frankiert sie günstig.

2) Einer schickt an eine Firma (Kunde) neben der Ware noch ein paar DS im Paket mit, die frankiert zur Post gegeben werden sollen. Das war Betrug an den beiden involvierten Postverwaltungen, kam aber hin und wieder vor.

3) Man sendet einen großen Brief, in dem diese 3g wiegende DS eingefaltet wurde. Eventuell stieg das Porto nicht mal dadurch an. Der in Bayern verklebte Kreuzer wird der Frankfurter Firma später in Rechnung gestellt und alle freuen sich (bis auf Taxis und Bayern).

4) Ein Karlstadter war in Frankfurt und bekam die DS zur Frankatur in der Heimat mit. Da beide Postgebiete (die freie Reichsstadt Frankfurt am Main und das Königreich Bayern) die gleiche Währung hatten, war das problemlos möglich.

Man kann schon viel enträtseln, aber halt nicht alles. Dafür machen solche Rosinen Spaß, mir jedenfalls.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 29.03.2011 20:27:36 Gelesen: 32976# 94 @  
Hallo,

weil auch bayerischen Briefen ohne Marke(n) das Attribut attraktiv verliehen werden kann, möchte ich mal zwei Armensachen zeigen, die mir gut gefielen.

Die erste aus Amberg wurde nach Würzburg gesandt, die zweite aus Ansbach lief nach Zailach eingeschrieben und vielleicht kann jemand erkennen, was an dieser Armensache außergewöhnlich ist?

Zur Erleichterung einen Scan der Vorschrift für bayerische Armensachen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
Pommes Am: 29.03.2011 21:36:57 Gelesen: 32961# 95 @  
@ bayern klassisch [#94]

Die Belege hast Du wohl in der Reihenfolge verwechselt. Aber auf das besondere bin ich noch nicht gekommen. Lass uns noch einige Tage Zeit, vielleicht eine Lösung zu finden, bevor Du "auflöst".

Von Gericht an Gericht und von Anwalt zu Anwalt ... und dann von Privat aufgegeben ... usw. ist auch nicht ganz so einfach. Ich lese mal "Vom königl. Advokaten Dr. Rütsch (?) Jr.: An die ... dann wird's problematisch ... aber gib mir noch etwas Zeit mit der Fristsache ins Reine zu kommen ... jetzt gehe ich aber erst mal ins Bett!

Mit den besten Sammlergrüßen
Thomas
 
bayern klassisch Am: 29.03.2011 21:49:12 Gelesen: 32955# 96 @  
Hallo Thomas,

ich weiß nicht warum, aber früher konnte ich die Scans unten anfügen, heute rutscht alles hoch. Die Reihenfolge der Darstellung ist folglich genau umgekehrt, wie ich sie hoch geladen und beschrieben habe. Sonderbar.

Du gehst die Sache von der richtigen Seite an - gerne lasse ich dir und anderen Knobelfreunden Zeit zum Knacken des Rätsels.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 30.03.2011 17:19:25 Gelesen: 32911# 97 @  
Hallo Thomas,

dann will ich mal lösen: Der eingeschriebene Brief war als Armensache selbst portofrei. Normal wäre die Einschreibegebühr von 6 Kr. zu zahlen gewesen, doch wurde hier auf dem Brief des Advokaten keine Reconummer notiert, weil die bayer. Advokaten und Notare eigene Postscheine anfertigen durften, die von der Post zu akzeptieren und kostenlos auszufertigen waren. Die Nummerierung nahm dann auch der Absender, hier der Advokat Dr. Rütsch aus Ansbach, intern vor.

Er musste zuvor beim Ansbacher Stadtmagistrat jedoch die Korrektheit der kostenlosen Versendung als Armensache vorderseitig mit dem Dienstsiegel und der Unterschrift des prüfenden Beamten bestätigen lassen.

Weil es ein ein Dienstexpressbrief war, der 10 km von Ansbach entfernt bestellt werden sollte, war ein Expressbote zu suchen (dafür erhielt man 9 Kr.) und eine Ganggebühr auszuhandeln, die ich auf mindestens 1 Gulden veranschlage. Jene Gebühren war von dem zu tragen, der letztlich in dieser Dienstsache zahlungspflichtig wurde, was wir heute nicht mehr wissen können.

Wie du siehst, stecken in kleinen, alten Briefchen manchmal mehr Dinge, als in wesentlich größeren Poststücken aus späterer Zeit.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Pommes Am: 30.03.2011 19:50:32 Gelesen: 32896# 98 @  
@ bayern klassisch [#97]

Hallo,

wirklich interessante Details. Leider warst Du mit Deiner Antwort für mich noch zu schnell, weil ich eben erst nach Hause gekommen bin. Das nur ganz leicht abgeschlagene "Chargé" habe ich gestern auch wirklich nicht zur Kenntnis genommen. Entziffern konnte ich den Brief indes in weiten Teilen, aber die dritte Zeile ist für mich unleserlich. Vielleicht kannst Du eine "Übersetzung" liefern. ("An die ...")

Philatelie und Juristerei in einem. Hat mir viel Spaß gemacht, danke.

Vielleicht hast Du noch andere Gerichtspost bzw. "juristisch beeinflusste" (aus Bayern), die gezeigt werden sollten, ggf. sogar im einem eigenen Thema. Bei alten Belegen sicher interessant; aber auch die neueren Freistempler oder noch aktueller die vielen Besonderheiten bei den Privatposten.

Mit den besten Sammlergrüßen
Thomas
 
bayern klassisch Am: 31.03.2011 11:00:00 Gelesen: 32865# 99 @  
Hallo Thomas,

ich habe noch viel Gerichtspost, also ein paar Hundert Briefe. :-)

Schön, wenn es dir etwas Spaß gemacht hat. Hier die komplette Adresse:

Vom Königlichen Advokaten Dr. Rütsch dahier

An die Weberswittwe Barbara Messlinger

in Zailach Landgerichts Ansbach

Schein (= Chargé) Fristsache (= Expreß nur bei Dienstbriefen!)

Armensache vidit (besehen) der Stadtmagistrat Brand (Name des Beamten)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.04.2011 18:36:30 Gelesen: 32803# 100 @  
Liebe Sammlerfreunde,

was hat dieser Brief mit Bayern zu tun? Und was ist seine Besonderheit?



Er wurde in Pölitz in Preußen geschrieben und sollte an das Schultheißenamt im württembergischen Creglingen gehen. So weit, so gut. Die Datierung über den Stempel reicht von 1826 bis 1842, weil er keine siegelseitigen Stempel hat. Davor gab es den Stempel nicht, danach hätte es hinten Stempel gegeben.

Wer löst oder traut sich?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 02.04.2011 22:48:37 Gelesen: 32747# 101 @  
Hallo in die Runde,

da sich keiner traut, löse ich selbst:

Es war eine in Preußen portofreie K. Unterstützungssache (links unten notiert), daher war der Wer von Pölitz bis Hof (bayer. Grenze) kostenlos.

Die Portofreiheit erstreckte sich aber nicht auf bayerische Gebiet, so dass Bayern für Briefe bis 1/2 Loth (8,75g) von Preußen nach Württemberg 8 Kr. Transitkosten zustanden. Die hier notierten 12 Kr. zeugen von dem Gewicht über ein halbes bis 1 Loth, so dass der Faktor 1,5 anzusetzen war.

Creglingen in Württemberg lag nahe an der bayerischen Grenze und wurde bei Briefe aus oder über Bayern wie hier von Rothenburg ob der Tauber in Bayern bedient. Die bayer. Postkutsche fuhr also 3 km nach Württemberg und gab der dortigen taxischen Lehenspost den Brief mit 12 Kr. Belastung.

Weil Bayern die württembergische Post nicht zu bemühen brauchte, wurde auch kein Taxansatz vermerkt, so dass für einen 3-Länderbrief nur eine Taxe notiert wurde!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Pommes Am: 02.04.2011 23:18:03 Gelesen: 32741# 102 @  
@ bayern klassisch [#101]

Und die 12 Kreuzer hat dann der "Schuldeneintreiber" aus Württemberg als Porto bezahlt? Ist eine Unterstützungssache eine Art Amtshilfe? Hat der rötliche Strich rechts oben eine besondere Bewandtnis?

Ist schon interessant, wie Du aus einer "12" einen Bezug zu Bayern herzustellen in der Lage bist! Macht echt Spaß solche Belege zu deuten, wenn man das nötige Wissen hat; danke für den Beitrag.

Mit den besten Sammlergrüßen
Thomas
 
bayern klassisch Am: 03.04.2011 01:11:54 Gelesen: 32731# 103 @  
Hallo Thomas,

ja, Württemberg musste die 12 Kr. einziehen und am Quartalsende an Bayern übergeben (bzw. verrechnen), wie es der Postvertrag von 1809 zwischen beiden Postgebieten vorsah. Bayern durfte ihn nicht austragen und konnte das auch nicht, weil man gar nicht wusste, wo jemand in dem Ort zu finden war. Dafür gab es einen Zusteller, der 1 Kr. am Ort und 2 Kr. im Bezirk Bestellgeld pro Poststück erhielt.

Portofreiheiten waren den preußischen Aufgabeposten bekannt, auch wenn sie häufig wechselten. Der rote Strich, damals die typische Farbe Preußens (und später auch Württembergs in den 1840er Jahren) sollte nur der besseren Kenntlichmachung dienen. Eine Unterstützungssache lag vor, wenn man etwas staatlich fördern wollte.

Das konnte vieles sein - eine verarmte Gemeinde (Brand, Überschwemmung), eine in Not geratene Institution oder ein Dombauverein, dem das Geld ausging. Man sandte eine Petition an den König und hoffte auf Einkünfte oder die Verringerung von Abgaben. Eine der Möglichkeiten des Staates war die Gewährung der Postportofreiheit in eigenen Angelegenheiten. Diese konnte befristet und unbefristet gewährt werden.

In der Zeit vor den Postverträgen mit Gemeinschaftscharakter (ab Beginn der 1840er Jahre) hatte sie aber nur Gültigkeit im eigenen Postgebiet, nicht, wie es später im Postverein der Fall war, bindend für alle anderen Staaten auch.



Wo liegt hier die Besonderheit?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
AfriKiwi Am: 04.04.2011 03:29:52 Gelesen: 32674# 104 @  
@ bayern klassisch [#103]

Hallo Bayern klassisch,

Wo liegt hier die Besonderheit?

Habe keine Ahnung wenn es über den Beleg geht.

Was ich bemerkte ist die schmale 3 im Oval, statt rund in der linken unteren Wertangabe der linken 3 Kreuzer Marke.

Erich
 
bayern klassisch Am: 04.04.2011 06:47:39 Gelesen: 32668# 105 @  
Hallo AfriKiwi,

die Marken sind o.K. und auch entsprechend geprüft - auch ist kein Plattenfehler dabei, wie du annehmen könntest.

Nein, die Besonderheit liegt in dem Chargé - Wiegestempel per se und dann noch in blau, wie ich ihn kaum einmal von einem so großen Amt wie München überhaupt gesehen habe. Als Auslandsbrief ist Chargé sowieso selten und hier als 2. Gewicht (links oben "2") natürlich noch etwas ungewöhnlicher.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.04.2011 11:56:25 Gelesen: 32647# 106 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ein Postmandat des Jahres 1874 möchte ich zeigen, welches mit 11 Kr. = 3 Sgr. treffend frankiert worden war. Vor dem 1.1.1874 kostete ein Postmandat noch 18 Kr. = 5 Sgr.

Dieses war am das Postamt in Köln adressiert und innen lag der Wechsel zur Einlösung. Viele kenne ich nicht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 13.04.2011 09:09:14 Gelesen: 32297# 107 @  
Hallo,

etwas aus der Knobelecke für den Freund altdeutscher Philatelie:

Welche Besonderheiten hat der Brief vom Oktober 1862 ?



Ich darf schon verraten, dass es 3 sind!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Erdinger Am: 13.04.2011 16:08:24 Gelesen: 32285# 108 @  
Lieber bayern klassisch,

1. Der Brief wurde nicht in Fürth, sondern in Leipzig geschrieben (der Absenderstempel wurde zweimal, gegeneinander versetzt, abgeschlagen), mit einer anderen Sendung nach Fürth geschickt und von dort weiterexpediert.

Einem Fürther Expeditor hätte man nicht sagen müssen, dass Immenstadt in "Baiern" liegt.

2. Die Nr. 10 kam erst Anfang Oktober 1862 an die Schalter.

3. Der "7A"-Stempel

Liege ich richtig?

Viele Grüße aus Erding!
 
bayern klassisch Am: 13.04.2011 16:46:15 Gelesen: 32283# 109 @  
Lieber Erdinger,

Punkt 2 hatte ich nicht berücksichtigt, weil doch schon ein paar Tage zwischen Erstausgabe und Einlieferung lagen.

Fehlt noch die Tatsache, dass der 2. in der 2. Gewichtsstufe lag und daher mit 6 Kr. unterfrankiert war.

Da die erste Gewichtsstufe über 12 Meilen mit 6 Kr. frankiert war, die 2. jedoch nicht, rechnete die Post 6 Kr. Porto plus 3 Kr. Portozuschlag = 9 Kr., die in blauer Kreide vorne notiert waren und dem Empfänger belastet wurden (einen Tag später!).

Gut gemacht und fast perfekt beantwortet. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
DL8AAM Am: 11.08.2011 18:04:23 Gelesen: 29618# 110 @  
Zwar kein Briefbeleg aber trotzdem ein schöner historisch-philatelistischer Beleg ;-)

Das Buch von Dr. Erich Stenger (einem der alten Gurus der Bayern Philatelie) "Bogeneinteilung und Auflagenummern der Postwertzeichen Bayerns" von 1921 aus dem Bestand des Smithsonian findet sich unter vollständig (104 Seiten als PDF) unter

http://www.archive.org/details/bogeneinteilungu00sten bzw. direkt unter
http://ia600300.us.archive.org/19/items/bogeneinteilungu00sten/bogeneinteilungu00sten.pdf



Gruß
Thomas
 
bayern klassisch Am: 12.11.2011 08:55:37 Gelesen: 26537# 111 @  
Hallo in die Runde,

hier ein Briefchen, dass der Landbriefträger in Annweiler am 27,5,1872 in das nur 2 km entfernte Dörfchen Rinnthal brachte und das mit 1 Kr. treffend frankiert worden war.

Der Inhalt war für den Empfänger weniger erbaulich - eine Mahnung erhielt man schon damals nicht gerne. So musste der Schwanwirt Jacob Matz sehen, wie er an das Geld kam.

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
Pommes Am: 12.11.2011 13:56:22 Gelesen: 26486# 112 @  
@ bayern klassisch [#111]

Hallo Ralph,

kannst Du mir sagen, was ein Schwan(en)wirt(h) ist?

Fragt sich
Thomas
 
wuerttemberger Am: 12.11.2011 14:41:17 Gelesen: 26477# 113 @  
In Süddeutschland ein gängiger Begriff für den Betreiber einer Gaststätte mit Namen "Zum Schwan" o.ä.

Gruß

wuerttemberger
 
bayern klassisch Am: 26.11.2011 09:50:52 Gelesen: 25993# 114 @  
Liebe Sammlerfreunde,



hier ein Brief aus Nürnberg nach Paris, der interpretiert werden will. Wer wagt sich, den Werdegang des Briefes zu rekapitulieren?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.12.2011 16:50:16 Gelesen: 25511# 115 @  
Liebe Sammlerfreunde,

nun, dann will ich mal selbst lösen: Der Brief wurde zuerst mit einer 12 Kr. Marke frankiert. Dann bemerkte man, nachdem man sie bereits entwertet hatte, dass der Brief über 10 - 20g wog und somit in die 2. Gewichtsstufe fiel. Nun wurde er dem Absender zurück gegeben, der kurze Zeit später (s. die Zeitangabe in den Stempeln) wieder erschien und mit weiteren 12 Kr. korrekt frankierte.

Als Zeichen, dass man die richtige Gewichtsstufe erkannt hatte, notierte man links 2p für Deux Ports.



Heute mal einer aus Landshut in den Lokalbezirk, bei dem ich mal gerne wüsste, was für eine Marke das ist ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
LK Am: 06.12.2011 17:35:42 Gelesen: 25501# 116 @  
Hallo bayern klassisch,

ich wäre auch gern nach Sindelfingen gefahren um deine und natürlich auch andere AD - Sammlung zu bewundern, aber leider spielt die Gesundheit nicht immer mit.

Sehr schöner und auch seltener Brief mit einer 3 II (Platte II mit spitzen Ecken).

Damit kann nicht jeder Bayernsammler aufwarten.

Gruß und schönen Abend noch

LK
 
bayern klassisch Am: 06.12.2011 21:26:05 Gelesen: 25478# 117 @  
Hallo LK,

kein Problem - ich hätte dir gerne eine individuelle Führung zukommen lassen. 2012 möchte ich dort wieder ausstellen, dann aber die Postverhältnisse Bayern - Frankreich 1822-75 zeigen. Vlt. ist deine Gesundheit dann wieder hergestellt und ich kann dir diese Sammlung vorstellen.

Eine 3II ist bisher nur in 500 Exemplaren bekannt, davon keine 10% auf Brief und davon keine 10% auf Briefen in den Lokalbezirk.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 15.01.2012 11:29:29 Gelesen: 23548# 118 @  
Hallo in die Runde,

ob der folgende Beleg schön ist, liegt wohl im Auge des Betrachters - ich finde ihn nicht schön, aber dennoch geht ein gewisser Reiz von ihm aus, wenn man die Adresse liest und sich die Frankatur betrachtet:



Anfang des Jahres 1872 sandte man von Nürnberg einen Brief bis 1 Loth über Marseille nach Batavia, welches heute auf den Namen Jakarta hört und noch immer in Indonesien ansässig ist. Früher, zur Zeit des Briefes, war es aber eine niederländische Kolonie, die auf den Namen Niederländisch - Ostindien getauft worden war und erst viel später ihre Unabhängigkeit erlangte.

Der Absender zahlte schlappe 42 Kreuzer für ihn, dem Äquivalent von ca. 25 Euro heute. 3 Kreuzer verblieben Bayern, 39 Kreuzer musste man weiter vergüten, auch wenn das nicht auf dem Brief selbst zu erkennen ist.



Am 17.2.1872 traf er ein und das war keine schlechte Zeit für seine Reise um die halbe Welt.

Leider kann ich keine weiteren Briefe von Bayern nach dorthin zeigen, so interessant sie auch wären, denn Bayernbriefe mit dieser Destination in der Kreuzerzeit sind handverlesen und ich habe auch nur einen von dort nach Bayern in 30 Jahren sehen und kaufen können.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
LK Am: 15.01.2012 16:56:30 Gelesen: 23516# 119 @  
@ bayern klassisch [#118]

Hallo ,

na den hab ich doch schon mal in einem anderen Forum gesehen !

Ich hoffe Du kannst Ihn jetzt dein Eigen nennen, wäre zu wünschen !

Ich konnte mir das lachen bei einigen Kommentaren nicht verkneifen, insbesondere was die Seltenheit angeht, und zu den Wertvorstellungen (na ja, dafür würde ich die per 10 kaufen, geht leider nicht).

Schönheit ist bei solchen seltenen Destinationen zwar wünschenswert aber wenn man die Transportumstände in Betracht zieht (Schiffsreise im Postsack, Seewasser etc.) vollkommen belanglos.

Und nicht zu vergessen hier geht es um Postgeschichte.

Die Marken waren so weit ich mich erinnern kann wohl in Ordnung, bis auf den Vortrennschnitt im 3er Streifen.

Na denn viel Freude mit dem "schönen" Stück.

Es grüßt aus Pak Thong Chai

LK oder auch Wolf
 
bayern klassisch Am: 15.01.2012 18:04:00 Gelesen: 23506# 120 @  
Hallo LK,

ja, ich habe ihn von dem Sammlerfreund gekauft, der ihn in einem anderen Forum gezeigt hatte. Die Vortrennschnitte tangieren das Markenbild nirgends, daher ist die Frankatur fehlerfrei und das ist bei Briefen mit so weiten Laufwegen sehr selten (zumindest bei Bayern).

Der von einem anderen Forenmitglied genannte Preis war für mich ein Segen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.02.2012 16:35:11 Gelesen: 22787# 121 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ein Brief der Nr. 10 mit einer Besonderheit möchte ich heute zeigen - mal sehen, wer sie erkennt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Postgeschichte Am: 01.02.2012 17:02:30 Gelesen: 22781# 122 @  
@ bayern klassisch [#121]

Hallo Ralph,

vielleicht die Angabe, daß der Schlüssel des Paketes in dem Brief einliegt? "Mit einem Schlüssel".

Mit postgeschichtlichem Gruß
Manfred
 
Jahnnusch Am: 01.02.2012 17:47:37 Gelesen: 22777# 123 @  
Von Würzburg nach Bayreuth war er überfrankiert?
 
duphil Am: 01.02.2012 19:07:13 Gelesen: 22770# 124 @  
@ bayern klassisch [#121]

Hallo!

Ich kann keine Ziffer im Stempel auf der Marke erkennen. Liegt das nur an meinen Augen?

Mit freundlichen Gruß
Peter
 
bayern klassisch Am: 01.02.2012 20:03:14 Gelesen: 22764# 125 @  
Hallo in die Runde,

man ihr seid gut!

Nein, überfrankiert war er nicht, weil er einen Schlüssel als Inhalt hatte und der war sicher schwerer, als die heutigen kleinen Schlüssel.

Der Vermerk "Mit einem Schlüßel" kommt nur ganz selten einmal vor - wer Briefe damit findet, sollte mit dem Kauf nicht lange zögern. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 15.02.2012 17:52:16 Gelesen: 22057# 126 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ein kleiner Brief aus dem Angebot von Postgeschichte - Kemser fiel mir heute in die Hände - er hat natürlich eine kleine Besonderheit und stammt aus Thiergarten, vom 9.10.1852, die Postaufgabe erfolgte erst am 11.10. in Regensburg, weil Thiergarten keine Post hatte und lief nach Mittenwald an den Instumentenbauer Neuner.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Postgeschichte Am: 15.02.2012 18:26:10 Gelesen: 22048# 127 @  
@ bayern klassisch [#126]

Hallo bayern klassisch,

sollte die kleine Besonderheit der Leitvermerk "über München" oder der Vermerk "frei" sein? Der Brief war, ein Gewicht bis 1 Lot bei einer Entfernung von über 12 Meilen vorausgesetzt, gemäß Verordnung vom 19.6.1850 mit 6 Kr. korrekt frankiert.

Mit postgeschichtlichem Gruß
Manfred
 
bayern klassisch Am: 15.02.2012 20:53:42 Gelesen: 22032# 128 @  
Hallo Manfred,

ja, so war es. Der Absender hatte frei zu schreiben vergessen, daher wurde es später mit anderer Tinte nach geholt.

Leitwegsvorgaben innerbayerisch sind sehr selten - ob die Post sie interessierte, steht aber auf einem anderen Blatt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 07.04.2012 19:31:42 Gelesen: 19723# 129 @  
Hallo,

hier mal ein etwas ungewöhnlicher Brief, der mit Bayern eigentlich nichts zu tun hatte. Wer weiß, was da passiert ist?

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 10.04.2012 10:38:41 Gelesen: 19614# 130 @  
Liebe Sammlerfreunde,

eigentlich ganz einfach: Jemand klebte eine bayerische Marke im badischen Mannheim auf, wo sie natürlich nicht gelten konnte. Daher notierte man "ungilitg" unterhalb der Marke und taxierte den Brief bis 10 Meilen von Mannheim nach Heidelberg mit 3 Kr. plus 3 Kr. Portozuschlag = 6 Kr..

Was ist das besondere von dieser Drucksache?

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 03.05.2012 17:37:36 Gelesen: 18721# 131 @  
Liebe Sammlerfreunde,

die Besonderheit ist die Überstempelung des Münchener Briefträgerstempels durch denjenigen des dortigen Oberbriefträgers mit der Nr. 3. Derartige Belege sind nur ganz vereinzelt vorhanden, auch wenn man bei dem großen Postaufkommen Münchens denken könnte, derlei Stücke müssten Massenware darstellen.

Ein neuer Brief kam heute per Post, den ich euch nicht vorenthalten möchte.



Am 2.2.1867 sandte man einen Faltbrief mit über 1 bis 15 Loth Gewicht von München nach Sulzbach, der das Franko von 6 Kr. erforderte. Hierbei kam mein bayerischer Lieblingsstempel auf den Quadratmarken zum Einsatz, den es ähnlich auch am Bahnhof gab. Auch wenn der obere Randverlauf nicht optimal ist, gefiel mir der Brief auf Anhieb und erfreut mich sehr.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 28.08.2012 13:56:23 Gelesen: 15113# 132 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute eine feine Strecke von Briefen aus Bayern nach Grossbritannien der 1820er Jahre. Kaum einer ist gleich und an Herrn Huth in London (wohl die größte klassische Korrespondenz der Welt) findet man sie sogar von südlich des Weißwurstäquators.

Liebe Grüsse von bayern klassisch










 
bayern klassisch Am: 28.08.2012 14:01:53 Gelesen: 15112# 133 @  
Und schon folgte der 2. Teil:









Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 30.08.2012 09:14:26 Gelesen: 14881# 134 @  
Liebe Sammlerfreunde,

mal wieder etwas aus der Auslandskiste:

Ich hoffe, ihr mögt Überseebriefe auch so sehr, wie ich.

Liebe Grüsse von bayern klassisch






 
bayern klassisch Am: 01.09.2012 10:04:52 Gelesen: 14755# 135 @  
Liebe Sammlerfreunde,

manchmal muss man viele Jahre warten, bis man so etwas bekommt. Wer weiß, warum dieser "simple Brief" etwas besonderes ist?

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
Klaus S Am: 01.09.2012 10:23:45 Gelesen: 14744# 136 @  
Hallo,

gewusst wie !

Nette Portoersparnis. Vermutlich 6 Kreuzer, wenn von Frankfurt nach Scheinfeld über 20 Meilen, sonst immerhin 3 Kreuzer.

Gruß
 
bayern klassisch Am: 01.09.2012 14:34:26 Gelesen: 14706# 137 @  
Hallo Klaus,

vollkommen richtig - man hat in Frankfurt am Main 3 Einkreuzermarken gehabt (hatte dort ja auch nicht jeder!), sie übergehend mit dem Firmenstempel aufgeklebt und durch einen Reisenden oder in einem anderen Poststück nach Nürnberg geschmuggelt und sich so 6x gespart!

Die 2. Besonderheit ist die Entwertung der Marken mit 2 Mühlrädern von Nürnberg und der 3. Marke mit den Ortsstempel, also eine Duplexentwertung. Das war zwar gegen die Postvorschriften, wurde aber hin und wieder gemacht.

Danke fürs richtige Lösen und liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.09.2012 14:40:44 Gelesen: 14705# 138 @  
Weil ich gerade dabei bin, zeige ich mal eine Seite, die man für 30 bis 40 Euro kaufen kann. Nur ist sie nicht so häufig, dass man irgend einem Händler, Sammler oder Auktionshaus das Geld in die Hand drücken könnte und zwei solcher Briefe bekäme - diese sind nämlich selten. Warum?

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Marcel Am: 03.10.2012 17:25:15 Gelesen: 12961# 139 @  
Hallo an unsere Bayernfreunde,

habe hier heute eine Postkarte des Schloßes Banz (ehemaliges Bennediktinerkloster) vom 23.09.1909 mit einem Reklamestempel der Schloßwirtschaft Banz - W. Stahl.

Das Kloster ist heute Tagungsstätte der CSU nahen Hanns-Seidel-Stiftung und gehört zur Stadt Bad Staffelstein.

Der Reim auf der Karte lautet:

Gestern geweilt in Coburg an der Itz,
Heute gewundert bei zierlicher Hitz.
Von Lichtenfels nach Kloster Banz
Freuen wir uns hier des Maintaler Glanz.
Der Hurten von Hannchen der ist nun verschwunden,
Gießet die Tanne,sonst hänge sie die Zweige nach unten.
Grüß Max & Hanna




in diesem Sinne schöne Grüße
Marcel
 
bayern klassisch Am: 29.10.2012 14:01:09 Gelesen: 11946# 140 @  
Hallo Marcel,

ein hübsches Kärtchen aus moderner Zeit - hier ein etwas älteres, nicht modern, sondern nach Modena. :-)

Briefe von und nach dem Herzogtum Modena, einem Postgebiet, welches es nur bis zum 17.3.1860 gab und das danach an Sardinien bzw. später an Italien angeschlossen wurde, sind beileibe keine Massenware.

Heute zeige ich einen aus Augsburg vom 24.7.1856 in die Stadt Modena selbst. Die Leitung ist trotz des Fehlens von Transitstempeln eindeutig und klar: Augsburg - Lindau - Chur - Mailand - Modena.

Der Absender wollte voll frankieren und zahlte bei der Aufgabe 17x, die sich wie folgt zusammen setzten, denn es galt 4 Postgebiete zu befriedigen:

1. Bayern

Von Augsburg bis zur CH - Grenze 6x für eine Entfernung über 10 bis 20 Meilen.

2. Schweiz

Geschlossener Transit Nord - Süd für 3x, die siegelseitig notiert wurden.

3. Österreich

Eingang beim Kartenschlußamt Mailand, wo er nach Kontrolle der Frankatur die Stempel FRANCA und VIA DI SVIZZERA erhielt, denn er hätte auch über Innsbruck laufen können und wäre dann günstiger geworden (auf Kosten einer um 2 bis 3 Tage verlängerten Laufzeit). Österreich kassierte hier nichts, denn Mailand wurde zur Vereinsausgangspost.

Ab 1.6.1852 hatte Österreich mit dem Herzogtum Modena, welche welchselseitig intime Beziehungen unterhielten, einen Postvertrag im Rahmen des ÖIPV = Österreichisch - Italienischen - Postvereins geschlossen, der 6x CM für derartige Briefe vorsah. Diese wurden bei allen süddeutschen Staaten in 7x rheinisch reduziert, nur Bayern verlangte von seinen Korrespondenten 8x rheinisch. Rein rechnerisch betrugen 6x Conventionsmünze 7,5x rheinisch, so dass alle abrundeten und nur Bayern "suplirte", also aufrundete. Schön für uns heute!

4. Modena

Wie o. g. 6x CM = 8x rheinisch je Loth wie hier.

Also ergibt sich folgendes Bild: 6x Bayern, 3x die Schweiz und 8x Modena, obwohl man dort den kürzesten Weg zurück zu legen hatte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 03.11.2012 09:31:08 Gelesen: 11777# 141 @  
Liebe Sammlerfreunde,

schön heißt für mich nicht immer mit schöner oder schönen Marke(n), sondern auch mal etwas ohne Marken, wenn es nicht gerade Allerweltsbriefe sind.

Die 3 hier sind sicher keine Allerweltsbriefe und alle Chargébriefe der Altdeutschland Staaten nach Frankreich verdienen unsere besondere Wertschätzung und Aufmerksamkeit.

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
bayern klassisch Am: 01.12.2012 10:16:14 Gelesen: 10502# 142 @  
Liebe Sammlerfreunde,

kein Brief nach Frankreich, auch nicht der allerschönste, aber wohl einer über Frankreich, soll heute hier gezeigt werden.

Am 21.2.1860 hatte einer in München keinen guten Tag - was mich freut! Der Postkunde wünschte einen Brief in die USA aufzugeben, der bis 7,5g wog. Die günstigste Möglichkeit hierzu wäre die Leitung über Bremen gewesen, wobei er hätte nur 22 Kreuzer frankieren müssen.

Warum auch immer, das machte man nicht, vlt. lief auch in dieser Zeit kein Schiff von Bremen Richtung USA ab, so dass man eine andere Route wählte. Dabei wäre eine Leitung über Preußen, Belgien und GB mit der "Prussian closed mail", also mittels verschlossener Briefpakete, auch möglich gewesen, was jedoch 45 Kreuzer gekostet hätte.

Über Frankreich gab es die Möglichkeit ab dem 1.7.1858 mit nur 33 Kreuzern in die USA zu verschicken und das war der geistige Impetus der damals handelnden Personen.

Offenbar war die Frankatur der beiden höchsten Nominalen von 12 und 18 Kreuzern so verwirrend, dass man vergaß, die noch benötigten 3 Kr. zu frankieren. Statt dessen stempelte man P.D. als Zeichen, dass alles nach dem Tarif frankiert worden war, was frankiert hätte werden müssen.

Frankreich übernahm ihn am Folgetag in Strasbourg und stempelte vertragskonform T.F. = Transit Francais, womit die Leitung über Frankreich amtlich war. "21" bedeuteten, dass der Brief nach der 21 US - Cents - Rate die USA erreicht hatte und demnach nichts mehr zu fordern war (21 Cents = 33 Kr. siehe Vertrag).

Die fehlenden 3 Kreuzer stehen neben dem Aufgabestempel Münchens und Frankreich hat diese der Aufgabepost intern belastet.

Ansonsten lief er durch bis Philadelphia, wo er am 14.3. oder 17.3.1860 eintraf.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
juni-1848 Am: 01.12.2012 19:20:23 Gelesen: 10473# 143 @  
@ bayern klassisch [#138]

Warum so selten ?

Die beiden Belege erinnern mich an die ebenso seltenen Belege im (Auslands)Grenzverkehr meiner Infla-Sammlung.

Als Alt-Deutschland-Laie versuche ich eine Antwort:

1. Hof liegt in Bayern (in Grenznähe zu Sachsen)
2. Plauen liegt in Sachsen
3. Die 1. (Gewichts- und) Entfernungsstufe wurde per Postvertrag Bayern/Sachsen, NICHT durch die Landes- (und Währungs)-Grenzen beschränkt.

So - und jetzt bin ich auf die korrekte Antwort gespannt.

Beste Grüße,
juni-1848
 
bayern klassisch Am: 01.12.2012 20:20:47 Gelesen: 10462# 144 @  
Hallo juni-1848,

zu [#138]

Danke für dein Engagement. :-)

Zu 1) Richtig!

Zu 2) Richtig!

Zu 3) Eben darum sind sie nicht häufig = selten, weil die Masse der größeren Orte mit hohem Korrespondenzaufkommen im 3. Rayon zueinander lagen (Leipzig, Dresden, Chemnitz zu Nürnberg, Augsburg und München). Schon Briefe in den 2. Rayon sind deutlich seltener, als Briefe in den 3. Rayon und am seltensten sind Briefe - wie hier hin und her gezeigt - in den 1. Rayon.

Dieser Rayon umfasste nur die Postanstalten, die bis 10 Meilen (74,5 km) in direkter Linie gegenüber lagen. Das waren nicht viele. Wenn du in 10 oder 15 Jahren 5 Briefe hin oder her bekommst, die nicht vom gleichen Ort in den gleichen anderen Ort liefen, bist du ein Glückspilz.

Von den allermeisten Ortspaaren kenne ich überhaupt keine Briefe und wenn man Hof in Bayern ausklammern würde, als Aufgabe- oder Zielort, könnte man die Darstellung der 3 Kr. Frankaturen praktisch ganz vergessen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 02.12.2012 10:35:10 Gelesen: 10430# 145 @  
Liebe Sammlerfreunde,

die Behauptung, nur Markenbriefe könnten schön sein, möchte ich zu widerlegen versuchen mit diesem Portobrief aus Kaiserslautern nach Marienhausen bei Montabaur, damals zum Postgebiet derer zu Thurn und Taxis gehörend.

Die Steingutfabrik Kaiserslautern versandte eine Rechnung an ihren Kunden, Herrn Johann Müller in Marienhausen und wollte auf Nummer Sicher gehen, dass jener sie auch bekam, so dass man nicht voraus frankierte, sondern ihn das Porto zahlen ließ.

Am 16.3.1863 taxierte ihn daher die Aufgabepost als einfachen Brief über 10 bis 20 Meilen Luftlinie von Post zu Post mit 9 Kr., die sich aus dem tarifmässigen Porto i. H. v. 6 Kr. und dem Portozuschlag i. H. v. 3 Kr. zusammen setzten.

Die ursprünglich notierte blaue "6" war falsch und wurde zurecht abgestrichen, weil sie den Portozuschlag nicht berücksichtigt hatte.

Über Mainz und Seltes an der Lahn (Stempel W. Selters) lief er nach Montabaur, welches postalisch zuständig war für den kleinen Ort Marienhausen (ohne eigene Post, da nur ca. 240 Einwohner damals!). Taxis stellte ihn für 2 Kr. Bestellgeld zu, die wie immer blau notiert wurden.

Auf der Siegelseite sehen wir also das von Bayern beanspruchte Porto von 9 Kr. und das Bestellgeld von 2 Kr. für den Boten, der diese 2 Kr. aber in Montabaur wieder abliefern musste, da sie dem Fürstenhaus zustanden, wie die 9 Kr. Bayern gehörten und der Bote selbst als fest angestelltes Individuum gar nichts von diesen 11 Kr. behalten durfte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 13.12.2012 08:17:57 Gelesen: 9945# 146 @  
Und weiter gehts mit einem Auslandsbrief, der sich hoffentlich sehen lassen kann.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Bayernkarte Am: 15.12.2012 11:00:03 Gelesen: 9838# 147 @  
Hier 2 Belege aus Memmingen von 1814. Einer davon mit M 3 Memmingen statt R 3. Ich vermute Buchstabenverwechslung beim Stempelzusammenbau.


 
bayern klassisch Am: 15.12.2012 15:02:58 Gelesen: 9811# 148 @  
Hallo Bayernkarte,

ich dachte bisher, dass die Rayonstempel eine feste Rayonvorgabe hatten, die nicht veränderbar war. Alles andere machte ja keinen Sinn.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Bayern-Nerv Am: 15.12.2012 17:36:30 Gelesen: 9793# 149 @  
Hallo zusammen,

hier ein Brief vom 21.06.1820 von Berchtesgaden(R4 Stempel) nach Neustadt/Coburg.

Schöne Grüße
Bayern-Nerv Volker


 
bayern klassisch Am: 15.12.2012 18:28:11 Gelesen: 9780# 150 @  
Hallo Bayern-Nerv,

14x für Bayern, 2x für Thurn und Taxis und 1x Bestellgeld für den Boten (abzuliefern beim Fürsten höchstselbst) ergab die Gesamtkosten von 17x.

Aus Berchtesgaden sind mir Briefe bekannt, die aus Kostengründen von Österreich über die nahe Grenze geschmuggelt wurden und in Bayern günstig aufgegeben wurden. Verhält es sich hier auch so?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Bayernkarte Am: 15.12.2012 23:38:51 Gelesen: 9757# 151 @  
@ bayern klassisch [#148]

Dachte ich auch. Der Brief ist von Memmingen nach Kempten, also ca. 35 Km. Habe den Stempel mal vergrößert. Stempeldatum: 20. Aug. 1814. Mehrere andere Briefe aus gleicher Korrespodenz tragen alle R 3.


 
bayern klassisch Am: 16.12.2012 09:54:16 Gelesen: 9731# 152 @  
Hallo Bayernkarte,

und wieder ein Kuriosum mehr bei Bayern - ist das nicht herrlich ?

Vielen Dank fürs zeigen und

liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Fillemille29 Am: 23.12.2012 16:43:55 Gelesen: 9418# 153 @  
An alle Bayern,

ich möchte auch diese Seite nutzen, um auf den Aufruf "Not und Behelfsentwertungen bis 1923" aufmerksam zumachen. Ich beabsichtige, alle Päckchenstempel, Grobsendungsstempel, Sicherheitsentwertungen, Dienstsiegel etc. zu erfassen. Später (2-3 Jahren) soll ein Buch mit Katalogteil entstehen.

Literatur ist ja so gut wie nicht vorhanden. Danzig, Oberschlesien u. Württemberg ist alles bisher erfasste registriert. Nun fehlt vor allem Bayern und das restliche Deutsche Reich. Jeder gezeigte Beleg ist willkommen.

Tschüß

Achim
 
bayern klassisch Am: 31.12.2012 09:16:14 Gelesen: 9153# 154 @  
Liebe Sammlerfreunde,

einen schönen Brief aus Wunsiedel mit dem gM 600 (mein Lieblingsmühlradstempel) zeige ich, der nach Sachsen lief. Bis 1 Loth und über 20 Meilen Entfernung erforderten ein Franko von 9 Kr.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 06.01.2013 11:09:07 Gelesen: 8896# 155 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ja, es gibt sicher schönere Briefe von Bayern, aber ob es noch einen zweiten nach Sylt gibt?



Ab dem 12.8.1865 war der Postvertrag Dänemarks (ja, dazu gehörte Sylt!) mit Preußen außer Kraft gesetzt worden und eine provisorische Portotaxe eingeführt worden.

Für Briefe aus Bayern nach dort hin galten jedoch die Porti und Franki weiter fort, so dass der Absender in Augsburg für diesen 1 bis 2 Loth schweren Brief der 2. Gewichtsstufe zwei mal 8 Kr. für Bayern und zwei mal 4 Kr. für Dänemark zahlen musste. Diese 8 Kr. Weiterfranko wurden unten links ausgewiesen, allerdings hätte man sie in roter und nicht in blauer Farbe notieren müssen.

Der Brief lief über Taxis Hamburg und erfreute Preußen mit 8 Kr., die es in umgekehrter Weise nicht mehr gegeben hat.

Die linke Marke des Briefes wurde replaziert - nicht ideal, aber bei einem Brief mit so seltenem Zielort habe ich das in Kauf genommen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
kreuzer Am: 06.01.2013 13:01:45 Gelesen: 8881# 156 @  
Hallo bayern klassisch,

da hat der Brief ja dann eine passende Marke gefunden. Bei der Destination muss man leider Abstriche in Kauf nehmen. Recht viele weitere Briefe wird es nicht mehr geben - wenn überhaupt.

Viele Grüße

kreuzer (der den Brief schon in Sindelfingen bewundern durfte)
 
bayern klassisch Am: 06.01.2013 15:35:19 Gelesen: 8865# 157 @  
Hallo kreuzer,

ja, das ist der aus Sindelfingen - gut, dass es einen Weiterfranko - Vermerk gibt, sonst hätte man nicht auf das korrekte Franko schließen können und dann wäre der Brief auch für mich wertlos gewesen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Bayernkarte Am: 06.01.2013 16:28:03 Gelesen: 8855# 158 @  
@ Fillemille29 [#153]

Hier ein Fernbrief aus Erkheim mit Päckchenstempel. Portoperiode vom 1.7.1922-30.9.1922.


 
Marcel Am: 08.01.2013 21:27:38 Gelesen: 8796# 159 @  
Heute mal wieder eine Postkarte gelaufen am 08. Oktober 1907 von Landau in der Pfalz nach Berlin.



Durch den Wiener Kongress kam die Stadt Landau mit der übrigen Pfalz 1816 an Bayern, nachdem es ab 1815 unter provisorischer österreichischer Verwaltung gestanden hatte. Landau war jetzt Bundesfestung ( http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesfestung ).

Der Wiener Kongress legte, durch die Niederlage von Napoleon, in Europa zahlreiche Grenzen neu fest und definierte neue Staaten. Nach dem Krieg 1871 war Landau keine Grenzstadt mehr, wurde entfestigt und neue Straßenzüge entstanden.

Man setzte auf das bayerische Militär und es entstanden umfangreiche Kasernenanlagen. Nach dem I.und dem II. Weltkrieg war Landau wieder französische Garnisonsstadt, als Teil der Besetzung des Rheinlands bis 1930 und als Teil der französisch besetzten Zone nach 1945. Heute ist Landau eine kreisfreie Stadt an der Südlichen Weinstraße im Bundesland Rheinland-Pfalz.

Der Schillerpark, ob die Ansicht auf der Karte heute noch so existiert?



schöne Grüße
Marcel
 
bayern klassisch Am: 09.01.2013 11:02:55 Gelesen: 8764# 160 @  
Liebe Sammlerfreude,

heute möchte ich aus dem Jahr 1820 eine Armensache von Gericht an Gericht zeigen, die in Regensburg aufgegeben portofrei nach Burglengenfeld lief.



Die Kanzlei hatte ihn richtig mit Armen - Sache tituliert, die Expeditionsnummer vermerkt, unter der er im Ausgangsbuch bei der Post und im Gericht eingetragen worden war und der Sachbearbeiter hat zu guter Letzt seinen Namen unter die Sache geschrieben, denn er war rechtlich verantwortlich für die Richtigkeit der portofreien Beförderung!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Fillemille29 Am: 09.01.2013 17:49:27 Gelesen: 8745# 161 @  
@ Bayernkarte [#158]

Vielen Dank, weiter so.

Tschüß
Achim
 
bayern klassisch Am: 16.01.2013 15:27:10 Gelesen: 8362# 162 @  
Liebe Sammlerfreunde,

die kleinen Besonderheiten sind es manchmal, die einen Beleg attraktiv wirken und sein lassen. Hier war es eine privat hergestellte Postkarte/Drucksache, welche nur 1x kostete, und nicht 2 bzw. 3x wie eine Postkarte oder gar ein Brief.



Sie war auf sehr schönem und dicken Karton gedruckt worden. Die Entwertung erfolgte mit der verbotenen Farbe lilablau - interessant ist auch der Ankunftsstempel von Dietmannsried, der wie bei einer Postkarte vorne oben links abgeschlagen wurde, statt wie bei einer gewöhnlichen Drucksache hinten - und es ist eine Sondertype mit kleinem Kreis, eine Zwischentype von Winkler Nr. 19, die es nur in ganz wenigen Orten im bayerischen Schwaben gab, in Württemberg schon mehr, daher auch württembergische Type genannt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 18.01.2013 09:31:24 Gelesen: 8278# 163 @  
Liebe Sammlerfreunde,

um auch der Vormarkenzeit gerecht zu werden, hier mal ein hübsches Stück nach Frankreich.



Der Absender frankierte am 8.12.1812 in Kempten nach Colmar einen Batzen Geld für seinen schweren Brief:

46 Kreuzer für Bayern bis Strasbourg und 25 Kreuzer ab da bis Colmar, welche siegelseitig von den Beamten Strasbourgs in 9 Decimes reduziert wurden.

Mathematisch kann man die 46 Kr. für Bayern nicht nachvollziehen, aber das war damals nicht so wichtig, Hauptsache man hatte nicht zu wenig eingenommen, weil im Rahmen einer Revision einen sonst die finanzielle Keule des Staates Bayern getroffen hätte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 23.01.2013 00:39:57 Gelesen: 8162# 164 @  
Liebe Sammlerfreunde,

wer kann mir den Postlauf mit seinen Gebühren schildern?

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Postgeschichte Am: 23.01.2013 01:50:24 Gelesen: 8160# 165 @  
@ bayern klassisch [#164]

Hallo Ralph,

ist zwar nicht meine Zeit, versuche mich mal daran.

Postlagerbrief von Neuburg nach Augsburg, da bis 12 Meilen mit 3 Kreuzer austaxiert. Auf Wunsch wurde der Brief nach Würzburg weitergeleitet. Die 3 Kreuzer wurden gestrichen und die neue Gebühr für über 12 Meilen in Höhe von 6 Kreuzern berechnet (und wieder gestrichen oder zittrige Handschrift?). Oben steht etwas mit .... Porto. Kann es aber nicht entziffern (Brille reicht nicht aus). Ist aber wie gesagt nicht meine Zeit.

Mit postgeschichtlichem Gruß
Manfred
 
bayern klassisch Am: 23.01.2013 10:04:16 Gelesen: 8143# 166 @  
Hallo Manfred,

vielleicht nicht deine Zeit, aber gut beschrieben allemal! :-)

Er ging von Neuburg an der Donau in das unter 12 Meilen entfernte Augsburg, wofür, wie du richtig geschrieben hast, 3x Porto nach dem Regulativ vom 1.7.1849 anfielen.

Weil er poste restante zu gestellen war, durfte er nicht ausgetragen werden, sondern verblieb bei der Hauptbriefpostexpedition Augsburg im Aushängekasten für restante gestellte Briefe. Das spielte sich alles am 4.7.1849 ab.

Dann muss aber ein Nachsendeauftrag vorgelegen haben, denn von sich aus waren diese Briefe 3 Monate lang auszustecken, was man hier nicht machte. Jedenfalls wollte der Empfänger seine Post nach Würzburg nachgesandt haben und zwar an das philatelistisch berühmte Handelshaus Venino. Herr Wierendorf wollte auch seine restante Briefe in Würzburg zugestellt haben, so dass die Augsburger Post in seinem Auftrag "poste restante" strich und die neue Adresse vermerkte.

Die 3 Kr. für die erste Strecke wurden abgestrichen und durch 6 Kr. ersetzt, weil es von Augsburg nach Würzburg über 12 Meilen waren. Dann hat man bemerkt, dass es ja ein restante Brief war, der mit der Ankunft in Augsburg als zugestellt galt und für den eben keiner zuvor das Porto bezahlt hatte.

Also notierte man oben links "pro 9 xr Porto", also abzuliefern für 9 Kr. Porto, denn die 6 Kr. kamen zu den in Augsburg bereits lastenden 3 Kr. hinzu.

Die Dienstleistung poste restante selbst kostete 4 Kr., war aber "erfolgsabhängig", das heißt, nur wenn der Empfänger auf der Post seinen poste restante gestellten Brief auch abholte, wurden sie von ihm verlangt und flossen in die Kasse der Abgabepost.

Da hier in Augsburg nicht ausgeliefert und für Würzburg als Abgabepost gestrichen, fielen sie erst gar nicht an.

Ich habe den Brief vor über 20 Jahren gekauft, weil mir auch die verschiedenfarbigen Stempel sehr gut gefielen und ich 3 Porti auf einem Brief - noch dazu mit poste restante - bis dato nicht gesehen hatte. Daran hat sich auch nach 20 Jahren intensivster Sammelei nichts geändert und es beweist sich immer wieder, dass gutes Geld für außergewöhnliche Briefe, die schon vor über 160 Jahren selten und ungewöhnlich waren, auszugeben nicht das dümmste ist, was ein Sammler machen kann.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 29.01.2013 11:25:57 Gelesen: 7787# 167 @  
Liebe Sammlerfreunde,

vermeintliche Schlichtheit muss nicht zwangsläufig bedeuten, das etwas Massenware ist oder war.

Noch bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein kam es vor, dass zwei Menschen, die nahe beieinander wohnten, der selben Person einen Brief zu schreiben wünschten. In Anbetracht der für uns heute damals hohen Portokosten, versuchten die Korrespondenten dann, nur einen Brief bei der Post aufzugeben, der aber einen weiteren Brief enthielt. Dieses Verfahren nannte man "per Einschluss" bzw. "per Couvert".

Unter eine Couvertierung verstehen wir als die Einlage von Briefen, die andere, als der postalische Absender geschrieben haben. Das konnte einer sein, es gibt aber auch Fälle von bis zu 3 Briefen, die in ein großes Couvert eingetütet worden waren.



Er datiert vom 15.2.1833 und wurde in Dinkelsbühl geschrieben und war als typischer Faltbrief vom Bruder an die Schwester Auguste von Goes in Nürnberg gerichtet. Der Gesamtbrief wog ausweislich seiner Frankotaxe von 6x über 1/2 bis 1 Loth bei einer Entfernung von über 6 bis 12 Meilen, was man ihm nicht so ohne weiteres ansehen würde. Links auf der Adressseite steht noch "Wilhelm Zahn", was aber heutige Sammlerkreise weniger interessieren würde, oder?

Doch weit gefehlt - neben dem eigentlichen Brief lag noch einer von eben diesem Wilhelm Zahn (heute noch) bei, der an die selbe Empfängerin gerichtet war und unten links den Vermerk "p(er) Einschl(uß)" zeigt. Das hat man auch nicht so häufig, dass das Originalschreiben und der Einschlußbrief erhalten geblieben sind und wer weitere Einschlussbriefe von Bayern hat, darf sie hier zur Besprechung gerne zeigen. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 23.02.2013 12:29:45 Gelesen: 6945# 168 @  
Liebe Sammlerfreunde,

oftmals erheben sich Fragen bzgl. der Zustellung von Poststücken an Orten ohne eigene Postanstalt. 1844 waren die Postexpeditionen verpflichtet worden, auf den sog. Bestellkreuzer zu verzichten, der allgemein üblich war, auch wenn wir ihn nicht immer auf Briefen sehen.

Danach wurde der Bestellgeldkreuzer nur noch an den Orten erhoben, wo der Vertrag zwischen der bayer. Post und dem Postexpeditor diese Einnahmequelle als Emolument ausdrücklich vorsah.

Für die Zustellung auf dem "flachen Lande" war die Post in der Pfalz durch das neu installierte System der Landpostboten erst ab dem 1.10.1858 zuständig, was sich gut bewährte, so dass man dies 2 Jahre später auch im rechtsrheinischen Bayern einführte.

Zuvor war die Zustellung an Personen gebunden, die gewerblich Poststücke gegen Entgelt von der Postexpedition zum Empfänger brachten. Diese notierten, speziell bei mit Porto belasteten Briefen, ihren Lohn auf den Briefen selbst (Pfalz oft siegelseitig, Restbayern i. d. R. vorderseitig), oder unterließen es, wenn sie z. B. pauschale Abgeltung ihrer Kosten pro Woche oder pro Monat mit dem Empfänger vereinbart hatte (z. B. 2 Gulden je Woche, egal was anfiel, oder 5 Gulden je Monat plus Extras bei schweren Fahrpoststücken usw.).

Heute zeige ich zwei Briefe aus der Zeit des Reglements vom 1.7.1849, welches so bis zum 30.6.1850 in Bayern galt. Das Porto bzw. Franko war noch gleich, es gab also keinen Portozuschlag und das weitere sehen wir hier gleich.



1. Brief aus Würzburg vom 20.7.1849 lief porto, also unfrankiert, nach Michelbach bei Alzenau. 3 Kr. für Briefe bis 1 Loth und 12 Meilen waren korrekt taxiert worden und dieser Betrag stand der Post zu.

Dort angekommen übergab man ihm vertragsgemäß einem konzessionierten Boten zur Bestellung in das etwa 2,5 km entfernte Dorf Michelbach, welche keine eigene Post hatte. Hierfür war der Satz vertraglich auf 2 Kr. festgelegt worden, wie wir an der Summe von 5 Kr. für den Gesamttransport sehen können. Hierbei ist zu beachten, dass bei Portobriefen der Bote das Porto auslegen musste, denn ohne ihre 3 Kr. gab man den Brief natürlich nicht heraus. Kamen an einem intensiven Tag vielleicht 10 oder gar 20 Briefe für ein und denselben Empfänger an, die ja i. d. R. wesentlich höher taxiert worden sein konnten, als dieser "billige" hier, dann musste der Bote ein paar Gulden vorschliessen können, um überhaupt seine Arbeit erledigen zu können.

Hätte der Empfänger, was regelmäßig nicht der Fall war, die Annahme der Briefe verweigert, so wäre der Bote auf seinem "Vorschuss" sitzen geblieben, denn die Post hatte ihre Dienstleistung ja erbracht und alles weitere interessierte sie nicht mehr. Es gab also durchaus ein gewisses unternehmerisches Risiko für diese konzessionierten Boten.



Der 2. Brief datiert vom 3.8.1849 und lief von Augsburg Stadt (Hauptbriefpostexpedition, später verlegt an den Bahnhof) nach Babenhausen. Auch hier blieb der Brief einfach mit 3 Kr. Porto bis 12 Meilen und 1 Loth. Für Babenhausen, das hätte der Absender eigentlich spezifizieren müssen, war die Abgabepost von Illertissen zuständig. Dort wurden die 3 Kr. Postporto gestrichen und um 2 Kr. für den dortigen Boten auf 5 Kr. erhöht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 26.02.2013 09:58:32 Gelesen: 6721# 169 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute hoffe ich eure Augen mit einem Brief der Nr. 10 zu erfreuen, der im Jahre 1864 auf die Reise ging. In Passau erhielt er die Sondertpye des offenen Mühlradstempels 385 mit geschlossenem Außenkreis, die nicht selten ist, aber selten so gut abgeschlagen vorliegt. Die 6 Kr. Frankatur war notwendig, weil der Brief bis 12 Meilen Entfernung über 1 bis 2 Loth war.

Die Anschrift ist lustig, wenn gleich heute noch existent in Altötting - er lief an "Die Oberin des englischen Fräulein - Instituts Frau Nepomuzena Meister". Diesen Vornamen habe ich noch nie gehört und ein englisches Fräulein - Institut kannte ich zuvor auch noch nicht. Aber man lernt ja ständig dazu:

https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&ved=0CDMQFjAA&url=http%3A%2F%2Fde.wikipedia.org%2Fwiki%2FKloster_St._Joseph_(Alt%25C3%25B6tting)&ei=LXEsUZz4KbPR4QSVj4GgCA&usg=AFQjCNEztDwn86FZRU8P-5CbJ7zp85V9ow&bvm=bv.42965579,d.bGE

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
doktorstamp Am: 26.02.2013 10:22:38 Gelesen: 6713# 170 @  
@ bayern klassisch [#169]

http://regiowiki.pnp.de/index.php/Kloster_und_Schule_Damenstift_Altenmarkt

Etwas mehr zu der Schule findet man hier:

Nach und nach gingen große Teile des Klosters und dessen landwirtschaftlicher Besitz in das Eigentum des Ordens der Englischen Fräulein (Maria Ward-Schwestern) über. Oberin Sr. Nepomuzena Meister, Leiterin des Klosters in Altötting, kaufte 1858 das Kloster in Altenmarkt. Am 25. November 1858 zogen sechs Schwestern und zwölf Zöglinge von Altötting kommend in die leer stehenden Klostergebäude ein. Sie legten damit den Grundstock für eine „Lehr- und Erziehungsanstalt“. Der Bau war „ruinös“, ein Großteil der Räume unbewohnbar und musste von den Schwestern erst hergerichtet werden.

Auszug aus der Wikiseite. Die erwähnte Frau müßte eigentlich Empfänger des Briefes sein.

Der Vorname der Frau ist für viele von uns heute ganz ungewöhnlich, aber wenn man ihn bei google eingibt scheint es in Österreich, Ungarn, und die Tschechoslowakai ziemlich weit verbreitet. Heute begegnet man den Namen in Polen, aber hier mit C statt Z geschrieben.

mfG

Nigel
 
bayern klassisch Am: 26.02.2013 10:34:31 Gelesen: 6710# 171 @  
Lieber Nigel,

habe vielen Dank für die Infos - ich habe den Namen noch nie gehört, aber andere Länder, andere Sitten. Wenn man schon 1858 von "ruinös" schrieb, kann man sich kaum vorstellen, wie diese Zustände auf uns heute gewirkt hätten. Es muss schlimm gewesen sein.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
filunski Am: 26.02.2013 11:12:12 Gelesen: 6708# 172 @  
@ bayern klassisch [#169]

"ein englisches Fräulein - Institut kannte ich zuvor auch noch nicht"

Diese "englischen Fräulein", heute auch Maria Ward Schwestern, betrieben wohl in manchen Städten ihre Institute. Oft waren das Realschulen für Mädchen, normale Mädchen aus dem Volke, keine Novizinnen. Ich kenne solch ein "Englisches Fräulein Institut" aus Augsburg, dort heute noch unter dem Namen "Maria Ward Realschule". Bei mir löste die Erwähnung des Namens aber schöne Erinnerungen an meine Jugendzeit damals in Augsburg aus.

Eine meine ersten Freundinnen war Schülerin bei den "Englischen Fräulein", wie es einfach nur hieß. Damals war es ein beliebter Sport als Junge zu versuchen auf das von den strengen Nonnen bewachte Schulgelände zu gelangen und dort möglichst lange zu verbleiben. Der Rekord damals lag bei 7 Minuten!
Dies nur eine kleine Episode zum Thema. Hier gibt's noch mehr dazu: http://www.mw-augsburg.de/index.php?id=29

Beste Grüße an bayern klassisch aus klassisch Altbayern :-),
Peter
 
bayern klassisch Am: 26.02.2013 12:41:23 Gelesen: 6688# 173 @  
[#169]

Hallo filunski,

vielen Dank für den Link - sieht schön aus!

Dann ist es vielleicht in Altötting auch einem gelungen, innerhalb kürzester Zeit dort meinen Brief zu schnappen und sich nicht erwischen zu lassen! :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 27.02.2013 10:53:47 Gelesen: 6616# 174 @  
Wer sich als Philatelist mit dem Gebiet "Bayern Klassik" ernsthaft beschäftigen will, sollte sich zu Beginn angesichts der ungeheuren Materialmenge und der Vielzahl der Spezialthemen einen Plan machen. Was will ich und wo will ich hin?

Als bekennender Ludwig II.-Fan hatte ich es da leicht. Modern gesagt "focussierte" ich von Anfang an die geschnittene (1.) Wappenserie von 1868/69 (Mi.Nr. 14-21). Als Brief- und Ganzsachensammler nehme ich lose Marken nur ungebraucht in die Sammlung auf. Wer nun glaubt, die wenigen Marken (8 Stück + 5 Neudrucke von 1873 für die Wiener Ausstellung) hat man ungebraucht doch schnell zusammen, irrt gewaltig. Der Versuch eine Nr. 21 ungebraucht (nicht postfrisch, sondern mit sauberem Falz oder mit Falz und Restgummi oder sogar ohne Gummierung) mit guter Wappenprägung zu einem zumutbaren Preis kurzfristig (also z.B. innerhalb eines 1/2 Jahres) aufzutreiben, scheitert, sofern nicht großes Glück im Spiel ist. Die Nr. 21 ungebraucht der Wappenserie ist z.B. in der Erreichbarkeit (natürlich nicht im Preis) einer ungebrauchten Nr. 4I der Quadratausgabe gleich zu setzen.

Nun noch kurz zur ersten bayerischen Wappenserie. Ludwig hätte es gern gesehen, wenn sein Portrait auf den neuen bayerischen Briefmarken erschienen wäre (es existiert ein Essay), als der Vorschlag entstand für Bayern neue Briefmarken mit neuer Zeichnung herzustellen. Die Zeit war aber fortgeschritten und die alten "Königsbilder" auf Briefmarken überholt. Die Königreiche Preußen und Sachsen hatten längst Wappenserien eingeführt, so daß Ludwig auf Anraten der Verwaltung auf Portraitmarken verzichtete, vermutlich schweren Herzens.

Ich will noch schnell eine schöne Ludwig II.-Ansichtskarte von 1897 zeigen, die man selbstverständlich in die Wappenserie-Sammlung einbauen kann, schließlich hat er die Serie ja genehmigt.



Die Ansichtsseite zeigt alles, ich brauche sie nicht kommentieren. Die Anschriftsseite zeigt, daß die Karte in den Briefkasten eines Dampfers auf dem Starnbergersee eingelegt wurde.

Der Stempel lautet: " Starnberg-Dampfschiffs-Post, C(ours) III, 2.Sept. (18)97". Ich weiß nicht auf welchem Dampfer die Post aufgegeben wurde, ich bin da kein Spezialist, aber man könnte es klären.
 
bayern klassisch Am: 13.03.2013 14:24:52 Gelesen: 5421# 175 @  
Liebe Sammlerfreunde,

eine Seite, die ich lange herzustellen benötigte, die mir aber umso besser gefällt. Ich hoffe, euch auch!



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 15.03.2013 08:31:50 Gelesen: 5285# 176 @  
Liebe Sammlerfreunde,

zu den beliebtesten Sammelgebieten innerhalb des großen Sammelgebiets Bayern gehören die Mühlradstempel, weil sie sich hoch spezialisiert sammeln lassen, aber immer noch zahlreiche Geheimnisse bergen, hinter die zu kommen schon vergangenen Sammlergenerationen nicht völlig gelang.

Zeigen möchte ich die Sondertype des offenen Mühlradstempels 211, dessen Ziffen so klein ausfielen, dass man sie nur dann sicher erkennen kann, wenn der Stempel nahezu perfekt abgeschlagen wurde, was man bei Bayern nicht unterstellen darf.

Hier zwei Briefe aus 1866 mit der Quadratausgabe und 1868 mit der Wappenausgabe, die das Argument, Altdeutschland sei, wenn es hübsch ist, teuer, denn man kann dergleichen für wenig Geld kaufen und viel Freude daran haben.

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
bayern klassisch Am: 15.03.2013 08:33:49 Gelesen: 5284# 177 @  
@ bayern klassisch [#176]

Und weil wir gerade bei Sondertypen offener Mühlradtempel sind, zeige ich hier das Gegenteil - einen übergroßen aus Schweinfurt von 1868 auf einen Dienst - Expressbrief nach Gerolzhofen, den man eigentlich hätte eingeschrieben verschickt haben müssen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
hajo22 Am: 24.04.2013 00:13:28 Gelesen: 4048# 178 @  
Jetzt habe ich eine Weile nichts von mir hören lassen zu diesem Thema.

Gerade beim Sichten meiner Bayern-Bestände fällt mir dieser schöne Auslandsbrief aus Erlangen nach Genf in die Hände, den ich hier im Forum - wenn auch zu später/früher Stunde - noch zeigen möchte.

15 xer Brief v. 4.12.(1860) nach Genf auf vollständigem Faltbrief. Ankunft Genf 6.12.1860. Interessant der Schweizer Zugstempel Z 17, datiert 5.12.1860.
Mi. 2II Pl4 und 4II Pl.2 (2x)

Viel Vergnügen beim Betrachten.



So und jetzt muß ich schlafen gehen.
Jochen
 
Altdeutschland Am: 24.04.2013 08:31:42 Gelesen: 4022# 179 @  
@ hajo22 [#178]

Hallo Jochen,

schöne 15 Kreuzer Vollfrankatur. Die Marken teilweise mit Schnittlinien, das Weiterfranco für die Schweiz vorschriftsmäßig mit 6 Kreuzern ausgewiesen.

Viele Grüße
Altdeutschland
 
kreuzer Am: 24.04.2013 21:04:36 Gelesen: 3935# 180 @  
@ hajo22 [#178]

Schöner Brief! Es fielen an 9 Kreuzer für den 3. bayerischen Rayon und wie Altdeutschland bereits richtig geschrieben hat, 6 Kreuzer Weiterfranko (2. Schweizer Rayon).

Viele Grüße

kreuzer
 
kreuzer Am: 25.04.2013 20:12:35 Gelesen: 3782# 181 @  
Hallo zusammen!

Schön anzusehen sind auch immer sogenannte Prägezierbriefe. Ich zeige hier ein Kuvert von Bayreuth nach Germersheim, frankiert mit einer Nr. 23.

Viele Grüße

kreuzer


 
hajo22 Am: 27.04.2013 17:19:20 Gelesen: 3617# 182 @  
(Klassische) Ziercouverts sind immer erste Sahne, wobei ich sagen muß, die farbigen gefallen mir noch besser. Leider besitze ich vom klassischen Bayern kein Exemplar.

Schön anzusehen sind auch die bayerischen Postablagestempel, sofern lesbar abgeschlagen.

Zeigen kann ich einen Brief mit 3 xer Quadratausgabe und "Postablage Wallenfels" (Oberfranken; Stempel in Schwarz), übergeordnetes Postamt Steinwiesen; Ankunftsstempel "Bahnh(of) Bamberg". Couvert ohne Jahresangabe.

Viel Spaß beim Betrachten:



Viele Grüße
Jochen
 
bayern klassisch Am: 27.04.2013 17:44:45 Gelesen: 3610# 183 @  
@ hajo22 [#182]

Hallo Jochen,

schönes Kuvert im Damenformat, das hat was. :-)

Kleine Korrektur: Nicht Postamt, sondern Postexpedition Steinwiesen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 27.04.2013 18:41:02 Gelesen: 3591# 184 @  
@ bayern klassisch [#183]

Hallo,

ja richtig, natürlich Postexpedition.

Da ich gerade meine Bayern-Ganzsachen sortiere, möchte ich 2 Ganzsachen zeigen und zwar die P 91 Type I, Bild 1 und 2. Beide Karten liefen - eingeschrieben - nach London (je Ankunftsstempel in schwarz und rot).

Nun könnte man prima vista denken die Ganzsachen seien mit 35 Pfg. um 5 Pfg. überfrankiert.

Aber halt, Irrtum. Der Wertstempel der Ganzsache (Entwurf Julius Diez) war nur für Post innerhalb des Deutschen Reiches und Österreichs gültig. Ins übrige Ausland=0. Also sind beide Ganzsachen frankaturgerecht. Der Beamte auf dem Postamt Passau Bhf. hat freundlicherweise in beiden Fällen den Ganzsachenwertvordruck entwertet, obwohl der Wertstempel nach London ungültig war. Streng gesagt wurde in dieser Verwendung aus einer Ganzsache ein Formularvordruck.

Beide Karten natürlich philatelistisch inspiriert, ich denke, Frankatur-/Markentausch.

Dennoch sind die Karten hübsch anzusehen, schönster Jugendstil-"Kitsch".




Schönen Abend und weiterhin viel Freude an der Bayern-Philatelie.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 27.04.2013 19:58:23 Gelesen: 3579# 185 @  
@ hajo22 [#184]

Hallo Jochen,

ich würde das nicht Kitsch nennen und möchte nicht wissen, wie spätere Generationen heutige Sammlerkarten bezeichnen werden. :-)

Immerhin sind beide Karten postalisch befördert worden, auch wenn der Sinn und Zweck gerne philatelistisch angehaucht sein dürfte. Immerhin sind es Zeitzeugen einer Stilrichtung, der heute, vor allem im Bereich der Architektur, höchstes Lob gezollt wird.

Danke fürs zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 27.04.2013 21:20:42 Gelesen: 3554# 186 @  
@ bayern klassisch [#185]

Hallo,

um nicht mißverstanden zu werden, mir gefällt der Jugendstil auch. Ich habe lange in München gelebt und in so manchem Treppenhaus in Schwabing ist der Jugendstil z.B. in Form von Glasmosaiken auch heute noch präsent. Aber nicht nur Architektur und Bilder, sondern auch Möbel und Gebrauchsgegenstände aller Art zeigen das Fin de Siècle im Jugendstil, dessen Kunstrichtung ja nach der Zeitung "Jugend" benannt wurde (wenn ich mich richtig erinnere). Allerdings auf diesen beiden Ganzsachen ist schon dick aufgetragen worden. Sie sind trotzdem nett anzusehen.

Zur Entspannung: Bei meinem heutigen Sortieren bay. Ganzsachen ist mir das eingescannte, ganz außergewöhnliche Stück in die Hände gelangt, das ich schnell noch zur Erbauung zeigen möchte.

Ein Irrläufer, wohl in den falschen Postsack gelangt:

Speyer 9.8.1889 nach Landau (Pfalz) adressiert, dann aber über den großen Teich nach New York 20.8., missent to USA 24.8., wieder über den großen Teich zurück und endlich am 3.9.1889 in Landau angekommen. Eine für die Zeit ganz respektable Reise in einer annehmbaren Zeit.



Schönen Abend.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 27.04.2013 21:31:20 Gelesen: 3547# 187 @  
@ hajo22 [#186]

Hallo Jochen,

interessantes Stück - das mit dem falschen Postsack kann natürlich auch sein, das wird sich so lange danach nicht mehr perfekt rekonstruieren lassen. Was ich aber hin und wieder in den Postvorschriften dieser Zeit gefunden habe, sind Berichte bzw. Vorfälle, die darauf hindeuten, dass Poststücke "zusammenhingen", ineinander geschoben waren (Karte in Brief, kleiner Brief in großen Brief, Brief in Paket bei der Fahrpost) oder über Siegel miteinander verklebten, so dass das größere Poststück das kleinere mitschleppte.

Das Franko von 5 Pfg. war nicht in die USA möglich, hätte also dem tarifierenden Beamten auffallen müssen, wenn er den Beutel für Köln, Hamburg oder Bremen schnürte.

Es gibt auch einige Poststücke, bei denen "Landau" als London gelesen wurden - dann wäre sie nach England spediert worden, hätte aber eine Nachtaxe bekommen, was hier ja nicht der Fall war.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 27.04.2013 22:17:56 Gelesen: 3542# 188 @  
@ bayern klassisch [#187]

Ja richtig, es wird wohl an einem anderen Poststück gehangen sein oder es war eine Unaufmerksamkeit des Expedienten. Ja, Poststücke nach Landau sind auch gelegentlich in London gelandet (habe ich schon gesehen).

Auf jeden Fall kurios: Eine sehr, sehr weite Reise für 5 Pfg., nur vergleichbar mit dem deutschen Kolonialtarif wie z.B. für 5 Pfg. von Samoa oder den Marshall-Inseln nach Deutschland.

Hier als Beispiel eine Karte aus Deutsch-Neuguinea (Herbertshöhe 24.10.(19)08 nach München (ohne Ankunftsstempel, aber Briefträgerstempel; Bedarfspost). Auch für 5 Pfg. um die halbe Welt.



Nach dem Einwohner-Verzeichnis von DNG (Herausgeber Arge Kolonien) handelt es sich beim Absender um den Pflanzer Wilhelm Bradtke ("Aussteiger", Sonnenanbeter und Nudist auf der Insel Kabakon, 1920 enteignet).

Schönen Samstagabend und weiterhin viel Spaß an der Bayern-Philatelie.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 27.04.2013 22:25:48 Gelesen: 3540# 189 @  
@ hajo22 [#188]

Hallo Jochen,

interessanter Text - sammlerisch, aber interessant, was unsere Altvorderen so alles "gedreht" haben, damit sie an ihre Marken, Kuverts, Stempel oder Postkarten kamen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 27.04.2013 22:41:12 Gelesen: 3539# 190 @  
@ bayern klassisch [#189]

Das Sammeln und Verschicken von Ansichtskarten war um die Jahrhundertwende 1900 ein beliebter Sammlersport. Dabei muß man bedenken, daß es die Ansichtskarte als Massenprodukt ja noch nicht so lange gab und Fernreisen für den Normalbürger unerschwinglich waren (aus Finanz- und Zeitgründen). Was blieb waren Ansichtskarten, also Fotos aus fernen Ländern.

Vor Jahren konnte man - z.B. in München - in Antiquariaten noch voluminöse Ansichtskartenalben aus dieser Zeit erwerben. Da waren tolle Sachen dabei; diese Zeit ist vorbei.

Schönen Abend.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 28.04.2013 10:21:24 Gelesen: 3425# 191 @  
@ hajo22 [#190]

Hallo Jochen,

diese goldenen Zeiten sind ein für alle mal vorbei - schade, es gibt ja auch heute keine Händler mehr, die 4stellige, geschnittene Kreuzermarken in guter Qualität mehr auf Tauschtagen zeigen könnten, weil das Material sich längst verlaufen hat.

Was ist das Besondere an diesem Brief vom 1.1.1867 aus Warmensteinach?





Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 28.04.2013 11:19:23 Gelesen: 3416# 192 @  
@ bayern klassisch [#191]

Es wurde eine Portomarke als Freimarke verwendet, was sehr selten ist. Ich habe so ein Stück bis heute noch nie gesehen. Es soll auch Exemplare geben, bei denen "vom Empfänger" gestrichen wurde.

Ob das Ganze mit dem 1.1.1867 was zu tun hat, weiß ich nicht.

Schönen Sonntag und wenn ich dazukomme, zeige ich heute meinen besten Brief aus der 1. (ungezähnten) Wappenserie.

Schönen Sonntag.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 28.04.2013 11:46:38 Gelesen: 3410# 193 @  
@ hajo22 [#192]

Hallo Jochen,

danke für deine Antwort - so ist es bzw. so war es. Bei Fernbriefen von Postexpedition zu Postexpedition waren Freimarken zu verwenden (3 Kr.) und nicht Portomarken, die nur am Ort oder im eigenen Lokalbezirk Verwendung finden konnten.

Man hätte den Brief auch bei der eigenen Postablage aufgeben können, die auch jeden Tag geöffnet hatte, wenngleich an Feiertagen wie hier nur in vermindertem Umfang.

Die Zahl der Portomarken, die als Freimarken nachweislich verwendet wurden, dürfte einstellig sein. Ich habe noch einen Brief, bei dem es ähnlich lief, aber als Sammler muss man froh sein, überhaupt einmal einen schnappen zu können.

Ich freue mich auf deinen Briefbeitrag sehr und hoffe, dass sich weitere Sammler uns anschließen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 28.04.2013 11:53:13 Gelesen: 3409# 194 @  
Jetzt habe ich doch noch ein bißchen Zeit und kann mein bestes Stück/besten Brief aus der 1. Wappenserie zeigen.

Es ist eine 24 xer -Frankatur mit 2x12 xer (Mi. Nr. 18) als Paar geklebt aus Nürnberg Bhf. 3.1.1870 nach Paris in der
2. Portostufe.

Grenzübergangsstempel "Bavière - Strassb(ourg) 5. janv(ier) (18)70; Bezahlt bis Bestimmungsort (PD). Ein Faltbrief ohne Inhalt.

Links unten das Prüfzeichen "Roumet Exp(ert)", Paris. Diesen Brief habe ich vor vielen Jahren auf einer Roumet-Auktion gekauft. Damals erhielt ich noch die angeforderten Auktionskataloge von Roumet. Leider blieben die Kataloge eines Tages aus, ich habe wohl zu wenig gekauft. Das lag auch daran, daß ich vor allem auf "Elsaß-Lothringen" fixiert war und stets, wirklich immer, überboten wurde. Dennoch ist meine Elsaß-Lothringen-Sammlung einigermaßen, mangels Masse jedoch noch stark ergänzungsbedürftig.

Leider konnte ich mir bis heute keinen Brief mit der 18 xer-Marke leisten (Mi. 19). Das sind oft Überseebriefe, die höchste Preise erzielen und für den Normalsammler außer Reichweite liegen. So blieb es bei diesem Brief als mein bestes Stück der 1. Wappenserie.

Und hier der Brief ohne weiteren Kommentar:



Schönen Sonntag.
Jochen
 
Altdeutschland Am: 28.04.2013 12:06:52 Gelesen: 3407# 195 @  
@ hajo22 [#194]

Hallo Jochen,

Auslandsbriefe der Altdeutschen Staaten der zweiten (oder höheren Gewichtsstufe) sind immer etwas Besonderes. Ein Brief mit der Nr. 19 zu bekommen, ist sicherlich nicht einfach. Das liegt glaube aber nicht so sehr an der Destination, sondern an der Marke selbst.

Schönen Sonntag
Altdeutschland
 
bayern klassisch Am: 28.04.2013 13:14:44 Gelesen: 3391# 196 @  
@ hajo22 [#194]

Hallo Jochen,

die meisten Sammler werden keinen Brief mit 2 Stück der Nr. 18 zeigen können - prima. Vlt. sollte man noch die Rötel - 2 oben in der Mitte als Zeichen der von Bayern festgestellten 2. Gewichtsstufe über 10 bis 20g festhalten. Die Leitung von Nürnberg über Strasbourg nach Paris war sicher nicht gewollt, weil der Regelweg Nürnberg - Forbach - Paris war, also eine (unbedeutende) Fehlroutung über Baden nach Frankreich, statt über Baden, die Pfalz und Preußen.



Wenn dir ein Brief mit der Nr. 19 fehlt, wundert mich das nicht. Auf einen Beleg mit der Nr. 19 kommen sicher 40 oder 50 mit der schwarzen Eins. Hier darf ich einen zeigen, den ich aus der vortrefflichen Slg. von Dr. Karl Zangerle, einem sehr guten Freund von mir, habe kaufen können. Gleicher Postvertrag, aber als Chargé sehr selten. Von den frankierten 18x gingen 4,8 Kr. an Bayern, 7,2 Kr. an Frankerich, 6 Kr. französische Chargégebühr ebenso und Bayerns Chargégebühr von 7 Kr. verblieb der Aufgabepost. Ich weiß nicht, ob es mehr als eine Handvoll Einzelfrankaturen mit Chargé nach Frankreich gibt. Als 25 Kr. Frankatur hat sie auch ihren besonderen Reiz, weil sie mehrfach gesiegelt wurde, wie es die Vorschrift verlangte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 28.04.2013 14:03:05 Gelesen: 3377# 197 @  
@ bayern klassisch [#196]

Ja, ein toller Beleg, beneidenswert.

Hier der richtige Leitweg mit einer 12 xer via Forbach 1871 nach dem Ende der Kampfhandlungen. Auch auf einer Roumet-Auktion gekauft.

Und die Bilder:



Schönen Sonntagnachmittag.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 28.04.2013 14:12:12 Gelesen: 3373# 198 @  
@ hajo22 [#197]

Hallo Jochen,

ich muss dich etwas "enttäuschen", aber dein Brief lief nicht über Saarbrücken - Forbach, sondern über Avricourt, dem Austauschpostamt nach Beendigung der Kriegsumleitung 1870/71 über die Schweiz.

Der Stempel "Bavière - Forbach" mit der Nr. 3 wie hier, war nur der Eingangsstempel von Paris, nicht der Grenzübergangsstempel wie zuvor. Da war er bis 19.7.1870 (Kriegserklärung) mit den Nummern 1 ("Tour") und 2 ("Retour") noch in Forbach von der dortigen, französischen Bahnpost benutzt worden.

Hier wurde das bayerische Briefpaket in Avricourt geöffnet (s. Bahnpoststempel auf der Siegelseite) und nach Paris kartiert. Weil die "Verpackung" für die bayerischen Briefe in Avricourt blieb, wusste man in Paris, woher die Briefe stammten und hätte es auch an den Marken bzw. Aufgabestempeln ersehen können, so dass der dortige Ankunftsstempel mit der Nr. 3 vorderseitig abgeschlagen wurde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 28.04.2013 17:19:59 Gelesen: 3337# 199 @  
Hallo,

wer kann helfen?

Kürzlich erwarb ich für die Sammlungsabteilung "Prinzregent" die eingescannte Auslandspostanweisung vom 2.12.1913 nach den USA, Ank. 15.12.1913 New York.

Meine Fragen:

- wie errechnet sich das Porto/die Gebühr in Höhe von 1,60 RM?
- war der Leitweg immer über Köln nach den USA für Auslandspostanweisungen aus Deutsches Reich/Bayern?
- es ist kein Stempel des Auszahlungspostamtes und auch keine Unterschrift des Empfängers auf der Rückseite dokumentiert.

Handelt es sich daher um einen Rückläufer?

Hier die Bilder:



Wer kann Licht ins Dunkle bringen?

Viele Grüße
Jochen
 
kreuzer Am: 29.04.2013 08:34:47 Gelesen: 3257# 200 @  
Hallo zusammen!

Kaum ist man mal zwei Tage weg, schon "geht hier die Post ab". ;-) Viele schöne Belege wurden in den letzten beiden Tagen hier gezeigt, da ich mich ja speziell mit den Postablagen befasse, muss ich die Steilvorlage mit dem Brief der Postablage Wallenfels nutzen:

Die königliche Districts-Schulinspektion in Kronach hat am 15. März 1866 an alle k. Lokalschulinspektionen des Bezirkes einen Brief geschrieben hat. Dieser trat, wie der Aufgabestempel belegt, am 17.3. bei der Postexpedition in Kronach seine Reise an. Die erste Station war Steinwiesen, wo der Brief noch am gleichen Tag eintraf. Im Inneren ist auch gut der Tag der Kenntnisnahme des Schreibens dokumentiert. In Steinwiesen war dies der 18.3. Am gleichen Tag ging der Brief in Steinwiesen wieder zur Postexpedition (PE) und wurde nach Neuengrün mit dem Landbriefträger gebracht (Landzustellbereich von Steinwiesen). Dort quitierte man das Schreiben am 20.3 und gab es wohl am gleichen Tag dem Landbriefträger wieder mit, der es nach Wallenfels brachte, wo man noch am gleichen Tag Kenntnis vom Inhalt nahm. Wieder aufgegeben bei der Postablage Wallenfels gelangte das Schreiben am 21.3. erneut zu der für Wallenfels zuständigen PE Steinwiesen. Die nächste Station war Zeyern, Landzustellbezirk von Unterrodach. Bei der dortigen PE ging der Brief am 22.3. ein und wurde noch am gleichen Tag beim Empfänger abgezeichnet. Dieser schickte es weiter nach Theisenort. Also zunächst wieder zurück zur PE Unterrodach, die am 24.3. Aufgabe stempelte und über die für Theisenort zuständige Expedition Küps dorthin. Der Ankunftsstempel von Küps ist leider schlecht lesbar, allerdings wurde der Brief am 26.3. in Theisenort gegengezeichnet. Anschließend ging der Brief weiter nach Neukenroth (PE Stockheim), wo er am 29.3. quitiert wurde. Für diese Strecke lässt sich keine postalische Behandlung nachweisen.

Auch der Inhalt des Briefes ist noch vollständig vorhanden. Der Brief befand sich in der Sammlung von Dr. Richard Bader, der auch das bekannte Büchlein über die bayerischen Postablagen geschrieben hat.

Viele Grüße

kreuzer




 
bayern klassisch Am: 29.04.2013 09:20:38 Gelesen: 3248# 201 @  
Hallo kreuzer,

wie sagt Peter Sem immer so schön: Ein Vortragsstück! Recht hat er, denn ohne einen fachkundigen "Vortrag" wie deinen hier wüsste man nicht so recht etwas mit dem erstklassigen Brief anzufangen. Danke für deine umfangreichen und erhellenden Erklärungen zu dieser Besonderheit.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 30.04.2013 15:06:34 Gelesen: 3155# 202 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute zeige ich ein kleines Schmankerl, nach dem ich lange Jahre gesucht habe, ehe es mir die Bucht ermöglichte, es zu schnappen.



In Augsburg wurde am 11.1.1855 ein Portobrief nach Paris geschrieben, der auf dem gemeinsamen Postvertrag vom 1.7.1847 fußt. Da die Bestimmungen nicht reziprok waren, kam es zu Ungleichgewichten im wahrsten Sinne des Wortes, die man suchen kann und mit viel Glück findet.

Frankierte Briefe aus Bayern waren einfach, wenn sie bis 8,75g wogen (halbes Münchener Loth). Ebenso waren sie einfach, wenn sie von Frankreich unfrankiert nach Bayern liefen. Dann wog die bayerische Post ab und stellte das Gewicht und somit die Gebühr fest.

Anders verhielt es sich bei Briefen, die frankiert von Frankreich nach Bayern und unfrankiert von Bayern nach Frankreich liefen. Nun galt es für die französischen Postbeamten zu wiegen und zu taxieren. Es galt daher die Gewichtsgrenze von 7,5g und nicht mehr das halbe Loth.

Man kann sich vorstellen, dass die Spanne von 7,5g bis 8,75g nicht eben groß war und die allermeisten Briefe nicht in sie fielen, aber ein paar taten dies doch.

Hier stempelte die Aufgabepost mit dem Zweikreisstempel - mehr nicht. Einen Tag später (Augsburg hatte einen direkten Kartenschluss mit Strasbourg) kam er in Strasbourg an, wo er gewogen wurde. Die ermittelten 8g waren oben links zu notieren. Damit wog er über 7,5g und war folglich doppelt schwer. Einfache Briefe kosteten 5 Decimes Porto in Frankreich, die 15 Kr. entsprachen. Nun, da doppelt, notierte man 10 Decimes = 1 Franc, also 30 Kr..

Der gleiche Brief aus Paris nach Augsburg hätte nur 18 Kr. gekostet (über 8,75 bis 17,5g doppelt dann 36 Kr.). Also waren nicht nur die Gewichte unterschiedlich, sondern auch die Porti. Frankreich geringeres Gewicht und weniger Porto, Bayern höheres Gewicht und höheres Porto.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
kreuzer Am: 01.05.2013 15:14:05 Gelesen: 3076# 203 @  
Hallo zusammen!

Heute ein Brief mit der bayerischen Erstausgabe zu 6 Kreuzern, der Nr. 4 I. Es handelt sich um einen Brief vom 25.12.1850, der von Kaiserslautern nach Nürnberg gelaufen ist. In Nürnberg brachte man auf der Marke den bekannten Portokontrollstrich an. Es handelt sich um einen Brief bis 1 Loth zwischen der (bayerischen) Pfalz und Bayern.

Viele Grüße

kreuzer


 
BD Am: 01.05.2013 16:19:11 Gelesen: 3061# 204 @  
@ hajo22 [#199]

Hallo Jochen,

leider kann ich nur die Gebühr klären.

Postanweisungen in die USA unterlagen einer Gebühr von 20 Pf. pro 40 Mark der Überweisungssumme.

Umrechnungskurs ca: 4,22 Mark = 1 Dollar

68,50 Dollar = ca. 289 Mark= 8*20 Pf.= 1,60 Mark Postanweisungsgebühr für 281-320 Mark.

Beste Grüße Bernd
 
hajo22 Am: 01.05.2013 16:40:19 Gelesen: 3050# 205 @  
@ BD [#204]

Hallo Bernd,

da sage ich herzlichen Dank. Kannst Du mir eine Literaturquelle benennen? Könnte dann beim nächsten Besuch in der philatelistischen Bibliothek München mich noch schlauer machen. Diese Auslandspostanweisungen tauchen ja hie und da auf. Diese kostete mich bei ebay mit allen Nebenkosten rd. 110 €. Wie ich finde noch erträglich. Ich hatte auf Auktionen schon welche gesehen, aber die waren mir zu teuer. Zum Ausruf muß man ja heute mindestens Nebenkosten von 30%+ einkalkulieren. Allerdings gilt der vorgenannte Preis für 1 Mark Prinzregent, bei höheren Markwerten steigen die Preise natürlich entsprechend.

Wurde die APA Deiner Meinung nach ausbezahlt? Keine Unterschrift, kein Stempel Ankunftspostamt.

Die Anweisung gibt doch noch Rätsel auf.

Viele Grüße, schönen Feiertag und nochmals vielen Dank für Deine Mühe.
Jochen
 
kreuzer Am: 01.05.2013 16:42:51 Gelesen: 3049# 206 @  
Hallo zusammen!

Eine Paketkarte kann ich auch noch zeigen:

Es handelt sich um eine Paketkarte vom 06.12.1918. Die Paketkarte fällt damit in die Portoperiode 1.10.1918 bis 30.9.1919. Frankiert wurde die Karte mit 1,50 Mark (3 x Nr. 101 II) und somit für ein Paket von 5-6 kg in der Entfernungsstufe 375-750 km.

Aufgegeben wurde das Paket in Aunkirchen - da fingen die Schwierigkeiten schon an, im Großteil der Sekundärliteratur kommt der kleine Ort nicht mal vor. Laut der Angabe bei Helbig erhielt Aunkirchen am 1.6.1896 eine Postablage, die am 1.10.1898 (und damit 1 Monat vor Auflösung bzw. Umwandlung sämtlicher Postablagen) zur Agentur erhoben wurde. Das Paketaufkommen in Aunkirchen war aber wohl nicht sehr hoch, so dass man noch über 20 Jahre nach der Umwandlung die Paketzettel der Postablage Aunkirchen verwendete.

Viele Grüße

kreuzer


 
BD Am: 01.05.2013 17:14:27 Gelesen: 3030# 207 @  
@ hajo22 [#205]

Hallo Jochen,

versuche diesen Nachdruck der ARGE Germania zu bekommen, eine phantastische Aufstellung fast aller Gebühren aus der Zeit von ca. 1906-1916 mit Auslandsgebühren je Land (weltweit) incl. Pakettarife bis 5 kg. und Telegrammgebühren!

Eine Retoure halte ich für ausgeschlossen, eine Unterschrift wurde vielleicht in einem Ausgabebuch in den USA vorgenommen. Über die Entwertungsmodalitäten der Postanweisungsbelege in den USA liegen mir keine Informationen vor. Der Stempel M.O.Office = Money Order Office könnte eine Auszahlung belegen?

Beste Grüße Bernd


 
Postgeschichte Am: 01.05.2013 17:53:17 Gelesen: 3013# 208 @  
@ BD [#207]

Hallo Bernd,

schau doch mal in die Bücherbörse, da findest Du das Heft.

Gruß
Manfred
 
BD Am: 01.05.2013 20:03:53 Gelesen: 2981# 209 @  
@ Postgeschichte [#208]

Hallo Manfred,

ich habe es, es war ein Hinweis für Jochen. In Bezug auf den Inhalt ist der Preis in der Bücherbörse geradezu lächerlich. Das Heft mit den Erläuterungen ist eigentlich für einen Germaniabelegesammler unverzichtbar. Bei Auslandspost Deutsches Reich = Bayern

Liebe Grüße Bernd

20:30 Uhr: Weg ist es, Gratulation dem Käufer.
 
hajo22 Am: 02.05.2013 09:38:10 Gelesen: 2841# 210 @  
@ BD [#209]

Hallo Bernd,

da habe ich Pech gehabt, erst gerade in die Philaseiten gesehen, aber in der Bibliothek sicher auszuleihen.

Nochmals herzlichen Dank für die Mühe

Viele Grüße und schönen Tag.
Jochen
 
hajo22 Am: 02.05.2013 09:59:36 Gelesen: 2837# 211 @  
Duplexentwertung

Es wurde zwar schon eine Duplexentwertung aus Nürnberg gezeigt, aber hier noch ein ähnliches Exemplar. Es saß wohl ein "Gewohnheitstäter" beim Postamt. Vorschriftsmäßig sollten alle Marken ja ausschließlich und einzeln mit dem Mühlradstempel entwertet werden.

Hier also aus meiner Sammlung ein Brief mit Dreierstreifen der Nr. 8, gestempelt Nürnberg 1.Juni 1864 nach Erlangen:



Schönen Tag und viel Freude am Betrachten.

Jochen
 
kreuzer Am: 02.05.2013 19:22:58 Gelesen: 2807# 212 @  
@ hajo22 [#211]

Hallo Jochen,

ein schöner Brief! Duplexentwertungen sind immer hübsch anzuschauen. Es gibt auch Briefe der Postablage Steinbühl, bei denen mit dem Postablagestempel die Marken schon entwertet wurden und der Nürnberger Expeditor nochmals seinen Mühlradstempel auf der Marke zum Einsatz brachte.

Aus Nürnberg kann ich das leider nicht zeigen, aber aus Gunzenhausen: Auf diesem Brief vom 30.12.1867 entwertete der Postablageninhaber die Marke vorschriftsmäßig mit seinem Stempel. Der Expeditor in Gunzenhausen musste mit seinem Ortstempel Aufgabe stempeln. Zusätzlich schlug er auch seinen Mühlradstempel als Entwerter nochmals auf der Marke ab.

Viele Grüße

kreuzer


 
hajo22 Am: 02.05.2013 20:08:16 Gelesen: 2797# 213 @  
@ kreuzer [#212]

Ja, ein schöner Brief. Die 6 Kreuzer Einschreibgebühr wurden wohl bar verrechnet. Postablage und Mühlradstempel auf einer Marke habe ich auch noch nicht gesehen. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Das bestätigt sich mal wieder.

Schönen Abend und weiterhin viel Spaß an der (Bayern-)Philatelie.
Jochen
 
kreuzer Am: 02.05.2013 20:19:54 Gelesen: 2793# 214 @  
@ hajo22 [#213]

Hallo Jochen,

genau richtig, die 6 Kreuzer Einschreibegebühr (ab 1.1.1868, also zwei Tage später, wären es 7 Kreuzer gewesen) wurden in bar über den Postschein verrechnet. Erst ab 1.3.1874 bestand Frankaturzwang auch für die Einschreibegebühr. Eingeschriebene Briefe von Postablagen sind nicht gerade häufig.

Ebenfalls noch einen schönen Abend!

kreuzer
 
hajo22 Am: 02.05.2013 23:37:33 Gelesen: 2763# 215 @  
@ kreuzer [#214]

Jetzt bin ich ein wenig verunsichert. Nach Michel-Briefekatalog wurden die Einschreibe-Gebühren erst zum 1.1.1872 auf 7 Kreuzer erhöht. Ab 1.10.1868 erfolgte allerdings eine Portoerhöhung für Fernbriefe > 1 Loth von 6 auf 7 Kreuzer. Deshalb wurde ja ab 1.10.1868 die 7 Kreuzer Marke herausgegeben.

Hier ein Einschreibbrief vom 4.10.1868 (also 4 Tage nach Portoerhöhung) mit 7 Kreuzer für den Fernbrief, Einschreibgebühr bar verrechnet. Noch frankiert mit 1+6 Kreuzer-Marken (wahrscheinlich vom Abs. frankiert, der Postler hätte vorschriftsgemäß eine 7 Kreuzer-Marke verwendet, vielleicht lag sie aber noch nicht vor).

Hier der R-Bf. von Wörth 4.10.(1868) nach Landshut (Ankunft am selben Tag):



Ich wünsche angenehme Ruhe.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 03.05.2013 00:58:36 Gelesen: 2757# 216 @  
@ hajo22 [#215]

Hallo Jochen,

Jetzt bin ich ein wenig verunsichert. Nach Michel-Briefekatalog wurden die Einschreibe-Gebühren erst zum 1.1.1872 auf Kreuzer erhöht. Ab 1.10.1868 erfolgte allerdings eine Portoerhöhung für Fernbriefe > 1 Loth von 6 auf 7 Kreuzer. Deshalb wurde ja ab 1.10.1868 die 7 Kreuzer-Marke herausgegeben.

Bitte, bitte nichts aus dem Michel übernehmen. Dort ist so vieles falsch, dass man schon keine Lust zur Korrektur mehr hat.

Chargégebühr ab 1.1.1868 7 Kreuzer; alles andere ist Quatsch.

Ab 1.1.1868 erfolgte die Erhöhung von 6 Kreuzer auf 7 Kreuzer, nicht zum 1.10.1868. Dass man die Nr. 21 - 7 Kreuzer als Ergänzungswert erst zum 1.10.1868 verausgabte, hat damit nichts zu tun. Man dachte, dass man mit 1 Kreuzer und 6 Kreuzer Marken gut klar käme, reagierte aber auf die gestiegene Mühewaltung, änderte die Farben und gab dann die passende Nr. 21 heraus.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
kreuzer Am: 03.05.2013 20:09:33 Gelesen: 2650# 217 @  
@ hajo22 [#215]

Hallo Jochen,

vereinzelt wurde auch auf dem Brief die Bezahlung der Reco-Gebühr angeschrieben. Bei diesem Brief von Hof nach Stollberg war dies der Fall. Man notierte mit Blaustift 7 x rec. Der Brief ist entwertet mit dem offenen Mühlradstempel 211 von Hof (große Sondertype).

Viele Grüße

kreuzer


 
hajo22 Am: 09.05.2013 17:22:08 Gelesen: 2159# 218 @  
Ich hoffe, ich schreibe nichts Falsches, wenn ich den 1.7.1850 als Eintrittsdatum Bayerns zum deutsch-österreichischen Postverein benenne.

Das war für die damalige Zeit eine große Erleichterung bei der Berechnung von Postgebühren ins Ausland.

Hier zeige ich einen vollständig erhalten gebliebenen Faltbrief aus Miltenberg (Mühlradstempel 2. Verteilung Nr. 315) vom 27.10.(1865) nach Pest (heute Budapest), frankiert mit 9 Kreuzer braun (Mi.Nr. 11).

Die Rückseite dokumentiert sehr schön den Leitweg via Aschaffenburg-Wien-Pest (an 30.10.)

Keine Rarität, aber ein sehr schön erhalten gebliebener Auslandsbrief in die k.u.k. Monarchie.

Hier das Bild:



Schönen Feiertag.
Jochen
 
kreuzer Am: 10.05.2013 07:20:06 Gelesen: 2123# 219 @  
@ hajo22 [#218]

Hallo Jochen,

das Datum ist richtig, Bayern trat dem Deutsch-Österreichischen Postverein mit Vertrag vom 06.04.1850 bei, der ab 01.07.1850 gültig war.

Du zeigst einen schönen Brief nach (Buda)Pest. Die Nr. 11 ist eine schwierige Marke, ein vollrandiges Stück auf Brief zu bekommen ist gar nicht so leicht, wie man meinen sollte.

Viele Grüße

kreuzer
 
hajo22 Am: 10.05.2013 09:43:23 Gelesen: 2111# 220 @  
@ kreuzer [#219]

Dieser Aussage stimme ich voll zu, vollrandige Stücke der Mi.Nr. 11 sind nicht leicht auf Brief zu bekommen.

Ich will noch einen 2. Postvereins-Brief mit der 9 Kreuzer braun zeigen, diesmal in die Capitale der Habsburger Monarchie, nach Wien.

Es ist ein gesiegeltes "Damenbriefchen" (leider ohne Verzierung) an das Hochwohlgeborene Fräulein Modesta von Aichenegg. Gestempelt in Ampfing (offener - schlecht lesbarer - Mühlradstempel 17) v. 27.11.(ohne Jahr) via Altötting-Passau nach Wien (an 29.11.).

Auf der Rückseite des Briefes hat das "Hochwohlgeborene Fräulein Modesta" ihren Montag/Dienstag Besuchs-oder Empfangs-Dienstplan vermerkt. Nett.

Hier die Bilder:



Schönen Gruß an alle Bayernsammler aus dem heute verregneten Unterallgäu.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 27.05.2013 09:58:39 Gelesen: 1199# 221 @  
Liebe Sammlerfreunde,

für die farbenfreudigen unter uns kann auch mal eine Einzelfrankatur herhalten, zumindest dann, wenn die Marke braun, die farbigen Stempel aber blauviolett, blau oder rot sind.



9x, das Wasserzeichen kann ich nicht bestimmen und hoffe auf das X, war das Franko für einfache, bis 10g wiegende Briefe ab dem 16.5.1872 nach Frankreich. Ab diesem Datum war die, wie bei jeder Markenausgabe nur für Frankreich eingeführte 12x Marke obsolet geworden und Bayern brauchte bis 1873, um für den neuen Tarif endlich eine Marke zu emittieren.

Der Aufgabestempel ist recht selten, der Laufweg aus der Pfalz hinreichend belegt. Das Weiterfranko für Frankreich, das zuerst der Reichspost zu vergüten war, wurde jedoch statt in roter Schrift links unten oben rechts in schwarzer Tinte notiert, wo man es sicher in der Alltagshektik kaum hat lesen/finden können. Eine kleine Contravention also.

1 1/2 Groschen waren 6x, die Bayern an die Reichspost vergütete, die sie wieder an Frankreich weitergab. Die Siegelseite, wie bei fast allen Briefen dieser Zeit, ist blank.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.06.2013 13:51:28 Gelesen: 866# 222 @  
Liebe Sammlerfreunde,

weil ich meinen anderen Brief mit der P2 nicht finde, muss diesmal eine Postkarte herhalten, von der ich zwar nicht sicher überzeugt bin, aber durch den Kauf schon in eine Richtung (die ja auch falsch sein kann) tendiere.



Für 2x ging es am 21.4.1874 von Wangen (Württemberg) nach Langenargen in Bayern.

Text: Bitte mir über Lindau von da per Fuhrmann Schneider 1 Fass Exxig 2 Gulden 13 Kreuzer wie gewöhnlich senden zu wollen. Rud. Salis & Schammer.

Halten wir also fest, dass man offenbar einen Auftrag an die Firma Bass & Keller in Langenargen am Bodensee aufgab, das ca. 20 km von Wangen entfernt lag.

Von Langenargen nach Lindau sind es ca. 10 im über den Bodensee, bei Landleitung ca. 15 km.

Frau Brettl hat "heimlich" attestiert, dass sie nicht beweisen kann, dass die Marke ursprünglich haftet, aber die Zusammengehörigkeit zur Postkarte für sehr wahrscheinlich hält.

Meinungen zu dem außergewöhnlichen Stück sind erbeten.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
roteratte48 Am: 12.06.2013 18:46:47 Gelesen: 512# 223 @  
Lieber Ralph,

ein außergewöhnliches Stück - auf Grund der Präsenz aber wohl kaum je "beweisbar". Aber toll anzuschauen, in dieser Form sicher möglich und ein spannendes Stück Postgeschichte! Gratulation dazu - und zum "Mut", auch ein solches Stück aufzunehmen!

Liebe Grüße - Rolf
 
bayern klassisch Am: 12.06.2013 19:43:51 Gelesen: 503# 224 @  
Lieber Rolf,

der Preis schrammte am Dreissteller gerade so vorbei, da kann man wenig falsch machen. Wenn Maria Brettl die Marke als seit 140 Jahren authentisch haftend ansieht (ich auch), dann war es halt so und ich habe eine Karte, wie man sie nicht an jeder Ecke findet.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 16.06.2013 09:16:08 Gelesen: 273# 225 @  
Liebe Sammlerfreunde,

die Hinwendung von Destinationen ist bei den Altdeutschland Staaten seit über 20 Jahren bevorzugtes Sammelziel vieler Philatelisten und Postgeschichtler. Bei mir ist das nicht anders.

Allerdings geht bei mir damit nicht einher, Postvereinsdestinationen gering zu schätzen, denn das haben diese nicht verdient.

Ich fange mal heute an, ein paar Destinationen zu zeigen und beginne mit der bayerischen Pfalz nach Österreich, wobei dieser Brief über Baden, Thurn und Taxis und Sachsen nach Österreich lief, was weiß Gott nicht eine Standardleitung darstellte, auch wenn das ständig sich erweiternde Eisenbahnnetz die Kutschen aufs Abstellgleis schob.



Der Damenbrief vom 20.6.1858 von Bad Bergzabern nach Wien mit einer simplen, aber nicht unattraktiven Farbfrankatur, musste wohl, um sicher anzukommen, selbst bei der Haupt- und Resindenzstadt Wien mit dem Vermerk "Österreich" ergänzt werden, weil man davon ausgehen konnte, dass nicht jeder in der Pfalz wusste, wo Wien genau liegen würde. Waren das noch Zeiten ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Pommes Am: 17.06.2013 00:44:39 Gelesen: 209# 226 @  
@ bayern klassisch [#225]

wobei dieser Brief über Baden, Thurn und Taxis und Sachsen nach Österreich lief, was weiß Gott nicht eine Standardleitung darstellte

Klingt nach Umweg, woher aber weißt Du so genau wie der Laufweg war? Rückseite, Literatur oder gab's damals auch ein Hochwasser in Bayern? Ist kein "Vorwurf", sondern ernst gemeinte Nachfrage - ab und zu wird man hier im Forum bei Fragen ja auch missverstanden.

Und noch eine kleine Nachfrage: Heißt das da unten Walfischgasse?

Darf ich als Sprachfetischist kritisieren? "nicht eine" = keine. ;-)

In der letzten "Philatelie" (Zeitschrift) dürftest Du ja auch Sachen gesehen haben, die bei Dir den Sammlertrieb auslösen? Ist die dort angesprochene Sammlung wirklich so außergewöhnlich und warum ließt man - falls zutreffend - dann hier nichts darüber? Mußt Du nicht beantworten, wenn Du nicht willst, kam mir gerade so in den Sinn - bei Deinem Benutzernamen.

Mit den besten Sammlergrüßen
Thomas
 
bayern klassisch Am: 17.06.2013 11:51:32 Gelesen: 165# 227 @  
@ Pommes [#226]

Die philatelie habe ich wohl nicht erhalten, daher kann ich dazu nichts sagen.

Die Leitung ist siegelseitig dokumentiert. Umwege im Postverein waren häufig, weil nur die Schnelligkeit zählte, sonst nichts.

Wallfischstraße lese ich da - tja, Wale waren schon damals keine Fische, sondern Säugetiere, aber ob man das im Wien vergangener Jahrhunderte gewußt hat?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
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