Neues Thema schreiben   Antworten     zurück Suche   Druckansicht  
Thema: (?) (59) Altdeutschland Bayern Incoming Mail
Das Thema hat 78 Beiträge:
Gehe zu Seite: 1 2   3   4 oder alle Beiträge zeigen
 
bayern klassisch Am: 03.05.2015 19:42:37 Gelesen: 7356# 29 @  
@ 10Parale [#26]

Hallo 10Parale,

dein Portobrief lief sicher NICHT durch Bayern - er lief über Bodenbach (Strecke über Prag - Dresden) nach Taxis. Wäre es anders, sähe man den Hofer Stempel, denn die haben immer gestempelt, wenn Briefe im Transit kamen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Fips002 Am: 04.05.2015 20:58:00 Gelesen: 7297# 30 @  
Von mir ein Faltbrief von St.Petersburg/Russland nach Grasmühle bei Nürnberg.

Am 01.07.1843 wurde ein Postdampfschiffsvertrag zwischen Preußen und Russland abgeschlossen, wonach Postsendungen zwischen Stettin und Kronstadt (St. Petersburg) durch Postdampfer befördert werden konnten. Der Verkehr wurde von dem Postdampfschiff "Preußischer Adler" und dem russischen Postdampfschiff "Wladimir" wahrgenommen. Der Gebührensatz für den einfachen Brief von 15 g betrug 10 Kopeken = rund 3 Silbergroschen = 20 Kreuzer, vom Empfänger zu bezahlen.

Faltbrief befördert mit "Preußischen Adler" (Vermerk links oben) von St. Peterburg 26.Sept.1859 nach Stettin, weiter mit Bahn Cöslin-Berlin, Ankunft Schwarach 13.10.1859.

Gruß Dieter


 
bayern klassisch Am: 05.05.2015 20:57:44 Gelesen: 7251# 31 @  
@ Fips002 [#30]

Hallo Dieter,

ein sehr schöner Brief, der in jede Sammlung gut hinein passt.

Preußen notierte 3 Sgr. siegelseitig, die sie Rußland bonifizierten.

Da der Brief nach Bayern lief, fungierte Preußens erste Poststelle als Vereinsaufgabepost. Wurden die 3 Sgr. (10 Kopeken) für Rußland paritätisch in 10,5 Kreuzer = 11 Kreuzer reduziert, so kam das Postvereinsporto von 9 Kr. für einfache Briefe in die Südstaaten über 20 Meilen in Ansatz, so dass total 20 Kr. zu bezahlen waren.

Nachdem Bayern diese vom Empfänger (bekannte Korrespondenz!) kassiert hatte, musste man alle 20 an Preußen vergüten, das immerhin noch 9 Kreuzer (paritätisch 2,5 Sgr.) behalten durfte. Bayern behielt also gar nichts hier.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 27.06.2015 11:10:43 Gelesen: 6740# 32 @  
Liebe Freunde,

ich habe die Ehre heute ein feines Briefchen zeigen zu dürfen, dessen Erwerb mich sehr gefreut hat, weil es ein bisschen in die Dynastik Bayerns zielt und somit für den Freund der "Sophy" ("social philately") von Interesse sein könnte.





Aufgegeben wurde es am 28.9.1813 in Louvain (deutsch: Löwen), welches damals französisch war, später niederländisch und ab 1831 belgisch). Den genauen Ort gibt Pius mit Hererleg oder Hererley an - diesen Ort konnte ich nicht finden und wäre für Hilfe dankbar. Die Adresse lautete:

A S. A. S. (A Son Altesse Serenissime) Monsieur le Duc Guillaume de Baviere a Bamberg = An seine Hoheit den Herrn regierenden Herzog in Bayern in Bamberg.

Gemeint war Herzog Wilhelm in Bayern, ein Wittelsbacher, der von 1752 bis 1837 lebte. Absender war Pius August in Bayern, ein Misantrop, der von 1786 bis 1837 lebte und immerhin bayer. Generalmajor war.

Im Inhalt geht es um den kleinen Max Joseph in Bayern (1808 bis 1888) den Sohn von Pius und seiner Frau Amalia Luise von Arenberg (1789 bis 1823) - es sollte das einzige Kind der beiden bleiben. Auch seine Frau kommt in dem Brief vor, jedoch geschrieben "Amelie".

Die Taxen sind einfach zu lesen, aber schwer zu bestimmen: Sicher wurde er mit 3 1/2 (Gutengroschen denke ich) taxiert, die dann in 14 Kreuzer reduziert wurden. Es sieht so aus, als wäre er in Frankreich portofrei gewesen, aber nicht für die Transitstrecke bis zur bayer. Grenze (Achtung: Das Großherzogtum Würzburg war noch nicht bayerisch).

Daher nehme ich an, dass man nur die Transitforderung mit 14 Kr. bei der Abgabe haben wollte, nicht jedoch französische und bayerische Gebühren, die wegen der Stellung nicht angefallen waren (passive Portofreiheit).

Warum der Brief mit 2 unterschiedlichen, schwarzen Siegeln verschlossen wurde, kann ich nicht sagen. Postspionage?

Kommen wir zurück in die Zeit des späten September 1813: Bayern war noch im Rheinbund mit Frankreich verbündet, doch mit dem Vertrag von Ried am 8.10.1813 trat Bayern aus dem Rheinbund aus und schloss sich den Russen, Österreichern und Preußen gegen Napoleon an. Unmittelbar danach, vom 16. bis 19.10.1813 folgte die Völkerschlacht bei Leipzig, deren Ausgang das Gesicht Europas veränderte. Würde man diese Tage und Wochen aus der Zeit des Briefes bewegend nennen, wäre das noch die Untertreibung des Jahres 1813.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Marcel Am: 27.06.2015 11:33:45 Gelesen: 6737# 33 @  
@ bayern klassisch [#32]

Hallöle!

Der Ort könnte Heverlee (ein Stadtteil der Stadt Louvain) lauten.

schöne Grüße
Marcel

https://de.wikipedia.org/wiki/Heverlee
 
Lars Boettger Am: 27.06.2015 11:46:54 Gelesen: 6734# 34 @  
@ bayern klassisch [#14]

ein Brief aus Quincy / Illinois wurde am 25.11.1850 nach Markt Einersheim aufgegeben. Der Absender notierte "Via Liverpool" und bezahlte 20 Cents (PAID / 20) für die Strecken innerhalb der USA, den Seeweg und das britische Transitporto. Die Niagara der Cunard Line legte mit ihm am 4.12.1850 von New York aus ab und landete ihn wunschgemäß (kam ja auch nicht immer vor!) am 17.12.1850 in Liverpool an. Am 18.12. war er ausweislich des siegelseitigen roten Stempels von London per Bahnpost von dort kommend eingelaufen. Mit dem schwach abgeschlagenen Stempel "Colonies & Art. 13" (ich meine, auch wenn man es nicht deutlich lesen kann, dass dies der richtige Vertragsstempel sein sollte) und dem Eingangsstempel von Calais (wohl vom 19.12.1850) lief er über Paris und Forbach nach Würzburg, wo er am 22.12.1850 ankam

Lieber Ralph,

leider sehe ich erst jetzt diesen Brief und Deine Beschreibung. Mit den 20 Cents wurde nur das US-Porto bis zum Ausgangshafen abgedeckt (2 x 10 Cents > 300 Meilen). Das heisst, dass der Brief ab den USA mit Porto belastet wurde. England stellte Frankreich 10d in Rechnung, für einen Brief der 2. Gewichtsstufe 20d. Ich bin jetzt nicht der Experte für den europäischen Transit ab Frankreich.

Hätte der Absender den Brief für einen großen Teil der Strecke vorausbezahlen wollen, dann hätte er mit der Ocean-Line nach Bremen laufen müssen und hätte dann 68 Cents gekostet (2 x 34 Cents: 34 Cents - 10 Cents Inlandsanteil + 24 Cents Seeporto).

Beste SammlergrÜsse!

Lars
 
bayern klassisch Am: 27.06.2015 11:59:05 Gelesen: 6731# 35 @  
@ Marcel [#33]

Lieber Marcel,

klasse - ich hatte gesucht und gesucht, aber nicht das Richtige gefunden. Vielen Dank!

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 27.06.2015 12:01:12 Gelesen: 6730# 36 @  
@ Lars Boettger [#34]

Lieber Lars,

vielen Dank für deine Erklärungen - schon notiert. Diese (für mich) frühen Briefe aus den Staaten nach Bayern sind immer etwas problematisch, weil es viele Laufwege gab, die Absender oder die Post einiges falsch machten und sich daraus einige Imponderabilien bildeten, deren Resultate für mich immer leicht nachvollziehbar sind.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Marcel Am: 27.06.2015 16:34:14 Gelesen: 6703# 37 @  
@ bayern klassisch [#32]

Nochmal Hallöle!

Deine Frage: Warum der Brief mit 2 unterschiedlichen, schwarzen Siegeln verschlossen wurde, ... Postspionage? hat mich veranlasst mal ein wenig zu recherchieren.

Schwarze Siegel waren ja nicht nur Trauersiegel, sondern auch Siegel des Patriarch von Jerusalem und der Großmeister der geistlichen/weltlichen Ritterorden. Jetzt habe ich ein Bildnis von Pius August in Bayern (dem Großvater der späteren Kaiserin von Österreich Elisabeth Amalie Eugenie - auch Sissi genannt) gefunden. Darauf ist er abgebildet mit dem Bruststern zum Großkreuz vom Hausritterorden des Heiligen Hubertus dem Hausorden der Wittelsbacher.

2 Siegel: Warum? Der erste größere Siegel (Wappensiegel) ist der der Stammfamilie der kleinere ist der meist eigene, sogenanntes Signet (privates Siegel).

[1] Abb. Pius auf Tasse (in Abb. der obere Bruststern) [2] Katalogabb. aus meinem Katalog [3] Info zum Hubertusorden

[1] http://elisabethsissi.blogspot.de/2013/07/la-famiglia-di-sissi-pt-2-massimiliano.html

[2]

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Hubertusorden

schöne Grüße
Marcel
 
bayern klassisch Am: 27.06.2015 16:41:20 Gelesen: 6698# 38 @  
@ Marcel [#37]

Hallöle zurück,

das ist ja interessant - ich wusste nicht, dass schwarze Siegel auch etwas anderes bedeuten können, als Tod und / oder Trauer.

Wieder etwas dazu gelernt - vielen Dank! :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Lars Boettger Am: 27.06.2015 17:42:30 Gelesen: 6694# 39 @  
@ bayern klassisch [#36]

Lieber Ralph,

so pessimistisch würde ich das nicht sehen, die Absender und die Post wussten zumeist, welcher Leitweg möglich ist.

Brief aus Fort Wayne (Indiana) nach Nürnberg. Zuerst notierte der Postbeamte "10" (Cents) - Inlandsporto USA > 300 Meilen. Auf dem Faltbrief steht "per steamer via Havre". Das Porto hätte für einen Versand mit der "Compagnie Générale des Paquebots Transatlantiques" ausgereicht. Aber 1848 war dieser Dienst bereits eingestellt. Eine andere Möglichkeit wäre der Versand per Cunard Dampfer via England - Frankreich gewesen. Auch dafÜr hätten die 10 Cents ausgereicht. Aber der Postbeamte strich die "10" und notierte die "34". Der Absender musste nichts bezahlen, aber damit hat er einen langsamen Weg des Versandes gewählt.

Der nächste Ocean-Line Dampfer war die "Hermann", die am 21. August 1848 New York verliess. Der rückseitige Ankunftsstempel von New York trägt das Datum vom 1. August - der Brief lag 20 Tage in New York. Die US-Post wollte nicht auf die Einnahmen verzichten und hatte daher keine Möglichkeit, den Brief schneller zu spedieren. Der Dampfer kam am 7. September in Bremen an.

Bremen notierte 12 3/4 Groschen Porto, Hannover bekam seinen Anteil von 1 1/3 Ggr. und vermerkte das links oben mit roter Tinte. Wahrscheinlich wurde der Brief dann von Thurn und Taxis übernommen (?). In roter Tinte notierte jemand 62 / 14, der Taxbaum wurde später in 62 / 12 mit Rötelstift geändert. Nürnberg nach also 1 Fl. 14 Kr. in Auslage und rechnete noch 6 Kr. für den Inlandstransport hinzu. Der Empfänger musste dann 1 Fl. 20 Kr. als Porto bezahlen (Tintenvermerk links unten).

Das ist noch nicht meine endgültige Beschreibung, das geht noch besser.

Beste SammlergrÜsse!

Lars


 
bayern klassisch Am: 27.06.2015 18:52:46 Gelesen: 6684# 40 @  
@ Lars Boettger [#39]

Lieber Lars,

vielen Dank für das Zeigen dieses tollen Briefes, mit all seinen Facetten.

Mit Taxis hast du Recht - die Hansestädte konnten ja keine Post weiterleiten, weil es ja nur Stadtposten waren. Taxis hatte sich die Leitung von und nach den Hansestädten bzgl. Bayerns gesichert.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Lars Boettger Am: 01.08.2015 09:35:45 Gelesen: 6462# 41 @  
@ bayern klassisch [#40]

Lieber Ralph,

vielen Dank für Deine Bestätigung! Ich habe noch einen weiteren Brief aus dem Juli 1850. Der Brief wurde in Pensacola (Florida) nach Dinkelsbühl addressiert. Er lief über New York über Bremen, von dort nach Nurnberg und Dinkelsbühl.

Der Brief ist mit 34 Cents bis nach Bremen freigemacht. 10 Cents für das Inlandsporto, 24 Cents für den Seetransport bis Bremen (Notierung oben rechts). Das hannöverische Postamt in Bremen verlangt 1 1/3 Groschen (roter Stempel), Thurn und Taxis insgesamt 20 Kreuzer (6 + 14 Kreuzer, mit schwarzer Tinte gestrichen). In Nürnberg werden die verauslagten 20 Kreuzer + 12 Kreuzer Inlandsanteil links mit schwarzer Tinte notiert. Vom Empfänger werden insgesamt 32 Kreuzer Porto verlangt.

Beste Grüsse!

Lars


 
bayern klassisch Am: 01.08.2015 11:47:04 Gelesen: 6441# 42 @  
@ Lars Boettger [#41]

Lieber Lars,

ein wundervoller Brief, den jeder gerne hätte. Aber mit Nürnberg hatte er nichts zu tun - er lief von Bremen aus über Frankfurt am Main und Würzburg.

In Bayern war er über 1/2 bis 1 Loth schwer und damals galten noch die alten Gewichte, nicht die des Postvereins, daher waren die Tarife vom 1.12.1810 anzuwenden, so dass er 8 Kr. (einfach) plus 4 (je halbes Loth eine halbe Portostufe mehr) = 12 Kreuzer für Bayern kostete.

Wenn du dessen mal überdrüssig werden solltest, steht hier ein leeres Album für ihn bereit. :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Lars Boettger Am: 01.08.2015 12:56:51 Gelesen: 6433# 43 @  
@ bayern klassisch [#42]

Lieber Ralph,

vielen Dank für die Korrektur! Die Stempel auf der Rückseite bzw. der Auslagenstempel sind nicht sonderlich klar abgeschlagen, von daher die Verwechslung von Würzburg und Nürnberg. Der Brief wird in mein Transatlantik-Exponat eingebaut - deshalb behalte ich ihn noch.

Beste Grüsse!

Lars
 
Fips002 Am: 01.08.2015 19:33:17 Gelesen: 6406# 44 @  
@ Lars Boettger [#39]

Lieber Lars,

Du schreibst, dass das Porto von New York nach Nürnberg mit 10 c ausgereicht hätte. Dieses stimmt aber nicht für diesen Brief von 1848.

Laut Vereinbarung vom Juni 1847 - Juli 1851 zwischen US-Freie Hansestadt Hamburg und Bremen betrug das See Porto 24 c plus Inland Porto 10 c, Entfernung Fort Wayne nach New York 648 Meilen. Gesamt, wie vermerkt, 34 Cents.

Laut Vereinbarung zwischen US-Bremen von 1853 war die Rate nach Bremen 10 c und nach einer Adresse über Bremen nach der deutsch-Österreichischen Post Union 15 c. Im Brief Nr.41 hast Du die Rate nach Bremen mit 34 c richtig angegeben.

Gruß Dieter
 
Lars Boettger Am: 01.08.2015 23:34:43 Gelesen: 6378# 45 @  
@ Fips002 [#44]

Lieber Dieter,

bitte lese Dir meinen Beitrag noch einmal genau durch.

Beste Grüsse!

Lars
 
Fips002 Am: 02.08.2015 16:27:28 Gelesen: 6335# 46 @  
@ Lars Boettger [#45]

Lieber Lars,

wie kannst Du mir die nach Deiner Meinung ausreichenden 10 c nach Bremen erklären? Die gültigen Gebühren habe ich angegeben. Eine andere Gebühr nach Bremen gibt es in diesem Zeitraum für einen einfachen Brief nicht.

Die 10 c wurden vom Postbeamten in New York durchgestrichen, weil diese Inlandgebühr zu der Seegebühr von 24 c vom Postbeamten addiert wurden und die Gesamtgebühr von 34 c nun vom Postbeamten auf den Brief vermerkt wurden.

Du schreibst, dass die Gebühr von 10 c auch für die Herout & de Handel Line und für die Cunard Line ausgereicht hätte. Beides stimmt aber nicht. Nach meinen Unterlagen bewegen sich die Gebühren für Schiffe der Herout & de Handel Line zwischen 10 und 18 decimes, 8 decimes = 15 Cents.

Der Brief wurde richtig am 21.August 1848 mit der "Herman" der Ocean Line abgeschickt um Porto zu sparen. Die "Herman" war das nächste Schiff, welches England nicht anlief.

Im Juli 1848 begann die von den Vereinigten Staaten eingeführte Retaliatory Rate (Vergeltungsrate), die sechs Monate dauerte. Die Seegebühr verdoppelte sich für die Briefe zwischen den Vereinigten Staaten und England in den sechs Monaten. In diesem Zeitraum fällt der gezeigte Brief.

Man wählte also nicht den langsameren Weg, sondern allein um Porto zu sparen. Also kamen Schiffe der Cunard Line nicht in Frage, da sie nach Liverpool liefen und somit die doppelte Rate fällig geworden wäre.

Gruß Dieter
 
Lars Boettger Am: 02.08.2015 18:50:04 Gelesen: 6313# 47 @  
@ Fips002 [#46]

Lieber Dieter,

machen wir es gleich ganz genau:

10 Cents US-Inlandsporto reichen für die folgenden Versandwege aus:

- Segelschiff via Frankreich
- Herout & de Handel-Dampfer - bitte nenne mir Deine Quelle, nachdem für den französischen Dampfer ein erhöhtes Porto fällig wird - nach meinem Kenntnisstand ist auch das sog. "Freight Money" seit ein paar Jahren nicht mehr gerechnet worden. Aber die französische Dampferlinie fuhr zum Zeitpunkt der Briefaufgabe schon nicht mehr.

34 Cents US-Inland- + Seeporto via Bremen

Und ja, da hast Du recht und ich habe hier etwas gedanklich abgekürzt, 34 Cents Vorauszahlung w/ Retaliatory Rate mit Cunard-Dampfer (10 Cents Inlandsporto + 24 Cents Seetransport) ab 1.7.1848.

Beste Grüsse!

Lars
 
Fips002 Am: 03.08.2015 17:43:11 Gelesen: 6255# 48 @  
@ Lars Boettger [#47]

Lieber Lars,

es geht um den Brief vom Dampfschiff "Herman" von New York direkt nach Bremen. Das Gesamtporto, mit Inlandrate von 10 Cents, betrug 34 Cents. Das amerikanische See Porto von 24 c ( 9ggr.-11 sgr. -39/40x) für die Strecke New York - Bremen war niedriger als das englische Porto von 1sh6p (entspr. 12 ggr. oder 36 gro) für die gleiche Strecke im Transit über Liverpool/Cuxhaven. In den sechs Monaten der "Retaliatory Periode" verdoppelte sich das See Porto. Ein Brief über England nach Bremen hätte 59 Cents gekostet.

Die Engländer, die bis dahin den Postverkehr auf dem Nordatlantik beherrscht hatten, erkannten die amerikanische "packet-line" nicht an und belasteten die in England angelandeten Briefe, bei denen das See Porto bereits bezahlt war, nochmals mit dem britischen See Porto von 1sh (entsp. 24 gro oder US-Cent). Dieses Verhalten der Engländer führte dann zu dem sogenannten "Postkrieg" mit den USA.

Nun zu meinen Quellen aus denen Du die, von mir erwähnten, Raten entnehmen kannst.

- History of Letter Post Communication between the United States and Europe 1845 - 1875, by G.E.Hargest
- Understanding Transatlantic Mail, Volume 1, by Richard F.Winter
- The Transatlantic Mail, by Frank Staff
- United States Letter Rates to foreign Destinations, 1847 to GBU-UPU, by Charles J.Stames
- The Postage Rates of North Atlantic Mails (1635-1950)
- United Kingdom Letter Rates 1657-1900, Inland & Overseas, by C.Tabeart
- Postgeschichte und Altbriefkunde, Heft 160, Bremen Mail- der erste transatlantische Postvertrag 1847-1867, Amerika über Bremen
- Auktionskataloge: G.Russel, Saint Longis, Vente sur offres, 27.mais 2011
- Auktionskatalog: verschiedene Kataloge von Lugdunum Philatelie, Lyon
- Auktionskatalog: Schyler Rumsey Philatelie, San Francisco, 4.Febr.2013

Gruß Dieter
 
Lars Boettger Am: 03.08.2015 17:52:19 Gelesen: 6251# 49 @  
@ Fips002 [#48]

Lieber Dieter,

herzlichen Dank für die Quellennennung. Die habe ich auch alle (gelesen).

Beste Grüsse!

Lars
 
Fips002 Am: 13.08.2015 19:54:32 Gelesen: 6052# 50 @  
Von mir ein Brief aus Albany/Missouri nach Hof/Oberfranken.

Der Brief wurde am 08.September 1873 in Albany aufgegeben und nach New York befördert. Von New York. 10.09.1873 mit dem Schiff des Norddeutschen Lloyd "Kronprinz Friedrich Wilhelm", über Southampton 24.09.73, nach Bremen 27.09.73 befördert. Von dort mit der Bahn nach Hof, Eingang 28.09.1873 (Stempel auf der Rückseite).

Die Postgebühr für die direkte Route von New York nach Bremen betrug 6 Cents.

Gruß Dieter


 
bayern klassisch Am: 21.11.2015 13:19:34 Gelesen: 4927# 51 @  
Liebe Freunde,

der hier gezeigte Brief war Anlass, in Kiefersfelden nachzufragen, ob dort noch heute jemand die tatsächlichen Verhältnisse der kaiserlich königlichen Hüttenverwaltung in Kiefer kennen würde.

Tatsächlich konnte ich jemanden bei der Stadtverwaltung für meine Anfrage gewinnen, der einen alteingesessenen Kiefersfeldener befragen konnte und die Antwort dieses Kenners möchte ich euch nicht vorenthalten:

"Die K. K. Hütten- und Hammerverwaltung Kiefer bei Kuftstein in Bayern war ein österreichisches Werk auf bayerischem Boden. Es wurde um 1700 aus dem Zillertal nach Kiefersfelden verlegt, da nur so die im österreichischen Thierseetal reichlich vorhandenen Holzvorkommen problemlos genutzt werden konnten. Das Eisenhammerwerk befand sich im Ortsteil Kiefer, heute der Bereich zwischen dem Werkkanal und dem Kieferbach.

Das Eisenwerk wurde schließlich 1871 wegen fehlender Rentabilität geschlossen. Als Folge des gewonnenen Krieges 1870/71 gegen Frankreich kamen Elsaß und Deutsch - Lothringen zum Reich und die dortigen Eisenwerke produzierten deutlich günstiger, als das Werk in Kiefersfelden, obwohl der dort produzierte Stahl eine hervorragende Qualität besaß.

1882 wurden die leer stehenden Fabrikationsanlagen des Eisenhammerwerkes von einem Augsburger Konsortium aufgekauft, das dort im April 1883 die Marmor - Industrie Kiefersfelden gründete."



Zurück zum Brief - er wurde in Lausanne (CH) am 27.8.1868, also 4 Tage vor dem neuen Postvertrag Bayerns mit der Schweiz vom 1.9.1868, geschrieben und in Folge des Altvertrags richtig mit 50 Rappen (15 Kr.) frankiert. Das Weiterfranko für Deutschland wurde mit 9 Kr. vorderseitig ausgewiesen (kein Nachporto!). Da man diese 9 Kr. aber hätte in Deutschland für ein Nachporto halten können, wurde es von der württembergischen Bahnpost gestrichen (blauer Kreidestift damals wie üblich).Da er mit der Bahnpost Lausanne - Bern(e) schnell befördert wurde, ging es zuerst über den Bodensee, ehe er in Friedrichshafen der württembergischen Bahnpost übergeben wurde. Diese kassierte 9 Kr. als Aufgabepost im Postverein, obwohl es diesen längst nicht mehr gab, aber der Altvertrag sah dies noch so vor - glückliches Württemberg.

Hatte der Absender noch vermerkt "Kiefer bei Kufstein in Bayern", so war das etwas problematisch, denn Kufstein in Bayern lag schon damals in Österreich, aber die involvierten Postler wussten offenbar, was man in der Romandie gemeint hatte. Am 29.8.1868 kam er schließlich in Kiefersfelden an und wurde der österreichischen Hütten- und Hammerverwaltung zugestellt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
briefmarkenwirbler24 Am: 21.11.2015 13:22:39 Gelesen: 4926# 52 @  
@ bayern klassisch [#51]

Hallo Ralph,

ein ganz toller Brief ! Ich frage mich immer wieder wo du solche Schmankerl ausgräbst :DD!

Liebe Grüße

Kevin
 
bayern klassisch Am: 21.11.2015 14:39:04 Gelesen: 4916# 53 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#52]

Hallo Kevin,

danke! Das Ausgraben machen die Auktionatoren für mich - ich entdecke dann nur noch in den Katalogen diese Stücke und versuche, mit dem, was mir das Finanzamt lässt, das ein oder andere Stück an Land zu ziehen und hier zu präsentieren.

Liebe Grüsse,
Ralph
 

Das Thema hat 78 Beiträge:
Gehe zu Seite: 1 2   3   4 oder alle Beiträge zeigen
 
  Antworten    zurück Suche    Druckansicht