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Thema: Südafrika
petzlaff Am: 16.03.2014 11:16:31 Gelesen: 2650# 1 @  
Moin zusammen,

nach längerer Abstinenz und der partiellen Aufgabe meines ehemals bevorzugten Sammelgebietes USA habe ich mich jetzt der Südafrikanischen Union 1910 bis 1961 zugewandt. Mit der "Pictorals"-Serie (1926-1952) bietet dieses Sammelgebiet eine der kompliziertesten Dauerserien-Langläufer der gesamten Philatelie weltweit. Aber auch die Sonderausgaben haben es in sich. Wenn es euch Spaß macht, werde ich in regelmäßigen Abständen ein paar Beiträge zu dem Thema UofSA hier einbringen.

Ich fange mal an mit einem herrlichen Plattenfehler auf der "Natal Settlers" Ausgabe von 1949.

Es handelt sich um die "Lines in form of V - lying on side - at top of mainmast". Die Cylindernummer ist leider nicht ermittelbar, da es sich um ein Mittelstück aus dem Bogen handelt. Dieser wunderschöne Plattenfehler kommt vor auf den Cylinders 7021 und 29 (Reihe 14/2). Von den benachbarten Markenpositionen im gezeigten Viererblock sind m.W. keine Plattenfehler bakannt.



Katalogquelle: Handbook/Catalogue Union of South Africa Stamps, 1952 --- #104Ve

Viel Spaß beim Südafrika-Sammeln --- Stefan
 
petzlaff Am: 16.03.2014 12:04:25 Gelesen: 2631# 2 @  
Die "Bursting Shell" des 1 Shilling-Wertes aus der Bantam-Serie von 1942 ist natürlich auch nicht zu verachten (HC-UofSAS #96Vd)-



Gruß, Stefan
 
Cantus Am: 22.06.2014 22:33:44 Gelesen: 2484# 3 @  
@ petzlaff [#2]

Hallo Stefan,

auch wenn niemand bisher reagiert hat, so denke ich doch, dass es für mich und sicherlich auch noch viele Andere hier im Forum interessant wäre, wenn du zu diesem für uns recht ungewöhnlichen Sammelgebiet so nach und nach weitere Bilder und Erläuterungen hochladen würdest.

Viele Grüße
Ingo
 
AfriKiwi Am: 24.06.2014 23:19:21 Gelesen: 2447# 4 @  
@ Cantus [#3]

Da stimme ich mit Stefan ein, man sieht viel zu wenig andere Länder ausser Europa.

Weiter so.
 
petzlaff Am: 30.06.2014 19:07:39 Gelesen: 2382# 5 @  
Danke für das Interesse - Richard hat mich auch schon angetiggert.

Geht bald weiter - ich gehe demnächst in Rente, dann habe ich Zeit. :-)

LG, Stefan
 
petzlaff Am: 04.07.2014 17:46:59 Gelesen: 2320# 6 @  
Liebe Freunde,

hier mein südafrikanischer Lieblingsplattenfehler auf der 1d "Voortrekker Commemoration" Ausgabe von 1938: 3 statt 2 Nieten in der Felge (Handbook/Catalogue Union of South Africa Stamps #73Vb. Dieser Plattenfehler stammt aus Bogenreihe 15, Feld 5.


 
0nickyet Am: 25.09.2014 13:26:22 Gelesen: 2160# 7 @  
Hallo,

an diesem schönen Thema will ich mich gern beteiligen, und beginne mal ganz vorn:

Am 4. November 1910 wurde die erste Marke der Union anlässlich Parlamentseröffnung in Cape Town herausgegeben. Sie zeigt King George V., der zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal gekrönt war. Bemerkenswert ist das insofern als im Vereinigten Königreich die ersten King George V.-Marken erst im Juni 1911 erschienen.



Im Bild ist von rechts nach links eine abnehmende Bläuung festzustellen. Diese entstammt nicht unterschiedlichen Ausgaben, sondern der Schwierigkeit, die Stichtiefdruck-Platten bei De La Rue in London wirklich sauber zu bekommen. Das von petzlaff erwähnte Union-Handbook verzeichnet nur eine Ausgabe. Stanley Gibbons und der South African Stamp Colour Catalogue unterscheiden eine [jüngere] 'deep blue'-Ausgabe von der [älteren] Ausgabe mit weißem Grund.

Michel sprach im Süd- und Zentralafrika-Katalog 2002 etwas missverständlich von 'bläulich getöntem Papier', das Papier ist aber bei beiden Katalogvarianten dasselbe (dafür gibt es zwei unterschiedliche Gummierungen). Immerhin katalogisiert Michel die dunklere Ausgabe chronologisch richtig als '1b'.

Eine Ausgabe von 1982 des South African Stamp Colour Catalogue verzeichnete sogar vier verschiedene Nummern, drei wegen unterschiedlicher Bäuungsgrade und eine weitere wegen der unterschiedlichen Gummierung, von dem Unsinn ist man aber wieder abgekommen. Wo die Grenze zwischen den beiden Blau-Schattierungen liegen soll, bleibt bei alledem sehr fraglich: Ist das Papier der mittleren Marke 'noch weiß' oder 'schon bläulich'?

Bemerkenswert sind noch einige andere Aspekte der Ausgabe:

King George V. ist umrahmt von den Insignien der vier Kriegsparteien, die bis 1902 den zweiten Burenkrieg geführt hatten: Oben die Kapkolonie (links) und Natal (rechts), die auf Seiten des britischen Empire kämpften, und unten die Burenrepubliken Oranje-Freistaat (links) und Transvaal (rechts). Die Landesbezeichnung ist zweisprachig: englisch und niederländisch - noch nicht, wie ab 1925, in Englisch und Afrikaans. Auch das Markenbild bemüht sich also, aus keineswegs freundlich gesonnenen Komponenten eine Union zu schmieden.

Der Markenentwurf stammte aus Pretoria (Transvaal), der Druck wurde wie gesagt in London vorgenommen, und die Portostufe von zweieinhalb Cents entsprach dem Tarif für Auslandsbriefe. Die Marke zirkulierte also nicht in Südafrika selbst! Erst im September 1913 wurden erste Unions-Marken für Inlandstarife ausgegeben, bis dahin konnten nur die Marken der vier Teilstaaten verwendet werden. Dies bescherte den Sammlern ein eigenes Sammelgebiet 'Interprovincial Period' mit solchen Kuriositäten wie Oranje-Freistaat-Marken mit einem "V.R.I."-Überdruck. Das "V" bezieht sich noch auf die 1901 verstorbene Queen Victoria, und der Überdruck versah erbeutete Marken während des zweiten Burenkrieges. Auch der im Mai 1910 verstorbene King Edward VII. zirkulierte zahlreich in der Union, die erst vier Wochen nach seinem Tod begründet wurde.

Letztgenannte Kuriosität sei, dass die Union zu diesem Zeitpunkt als Provisorium galt. Sowohl Bechuanaland (ab 1966 Botsuana) als auch das Gebiet der British South Africa Company (Marken 1892-1923, dann unterteilt in Süd-Rhodesien [Marken ab 1924] und Nord-Rhodesien [Marken ab 1925], zwischenzeitlich diverse Förderationen, heute gebildet aus Simbabwe, Sambia und Malawi) hatten Beitrittsoptionen, von denen jedoch nie Gebrauch gemacht wurde.
 
Pete Am: 29.09.2014 19:04:23 Gelesen: 2083# 8 @  
Da man als Absenderfreistempel-/ Privatpostsammler u.U. Einiges an markenlosem Material (kostenlos) von anderen Sammlerkollegen erhält, fand sich auch das nachfolgende Exemplar in einem Posten Freistempler und daraufhin fiel mir dieses Thema auf philaseiten.de wieder ein.



Sendung vom 10.01.1910 aus Johannesburg, adressiert an das Internationale Telegrafenbüro (Bureau international des administrations télégraphiques) in Bern (Schweiz) mit rückseitigem Ankunftsstempel aus Bern vom 30.01.1910

Nach (1) fand die Gründung der Süadafrikanischen Union am 31.05.1910 statt. Im o.g. Fall handelt es sich bei dem Dienstbrief ("On His Majesty"s Service") des "Post Office Transvaal" um einen markenlosen "Vorläufer" aus der Zeit wenige Monate vor dem Zusammenschluss der Kolonien Natal, Transvaal, Oranjefluss-Kolonie und Kapkolonie.

Gruß
Pete

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdafrika
 
petzlaff Am: 24.05.2015 10:39:09 Gelesen: 1789# 9 @  
Abrunden möchte ich die Thematik zur "Nummer 1" der Union von Südafrika mit einem schönen Brief von Kapstadt nach Deutschland:



... sowie einem hübschen (leider nicht frankaturgültigem) Gedenkblock an die erste Unionsausgabe anlässlich der Nationalen Philatelistischen Ausstellung 1976 in East London:



In der nächsten Zeit habe ich selbige, um das spannende Thema Südafrikanische Union an dieser Stelle philatelistisch aufzuarbeiten.

Die ersten Feedbacks aus 2014 lassen mich hoffen, dass es doch einige Interessenten zu diesem hierzulande exotischen Thema gibt.

Wenn es euch überdrüssig wird, lasst es mich bitte rechtzeitig wissen :-)

Gruß
Stefan
 
mausbach1 Am: 24.05.2015 10:52:23 Gelesen: 1784# 10 @  
@ petzlaff [#9]

Hallo Stefan,

bitte weiter so.

Beste Grüße
Claus
 
petzlaff Am: 24.05.2015 11:17:40 Gelesen: 1777# 11 @  
Vom 18. August 1910 bis zum 1. September 1913 (beide Daten inklusive) wurden die Marken der Teilstaaten Oranje, Transvaal, Cape of Good Hope und Natal weiterhin verkauft. Derartig als Nachläufer verwendete Marken sind häufig, aber durchaus interessant.



Die Dienstmarken von Transvaal wurden in der gesamten Union bis 1915 weiterverwendet.

Und jetzt wird es spannend für Goldgräber: Ihre postalische Gültigkeit verloren die alten Marken der ehemaligen Teilstaaten erst am 1. Januar 1938 (Datum inklusive)! Wenn jemand einen Beleg aus der Zeit zwischen 1913 und 1938 besitzt: BITTE UNBEDINGT HIER EINSTELLEN - ich habe leider keinen einzigen.

Gruß
Stefan
 
0nickyet Am: 25.05.2015 11:43:37 Gelesen: 1733# 12 @  
@ petzlaff [#11]

Hallo Stefan,

die Periode der "Interprovincials" ist meines Wissens zwei Tage kürzer, sie galt laut 'Stamps of South Africa Handbook' in der Auflage von 1960 vom 19. August 1910 bis 31. August 1913 inklusive, mit der Ausnahme von 1 Pfund-Marken aus Natal und Transvaal, die gültig waren, bis im Juli 1916 der entsprechende 'King's Head' verausgabt wurde. Auch die Ungültigkeit der alten Marken ist demnach der 31. Dezember 1937, und nicht einen Tag später. Aus welcher Quelle stammt deine Zeitangabe?

Von besonderem Interesse sind übrigens Dienstmarken, die mit "NGR" (Natal Government Railways), "CSAR" (Central South African Railways) oder "SAR" (South African Railways) perforiert wurden.

gruß,
Jürgen
 
petzlaff Am: 25.05.2015 12:12:08 Gelesen: 1728# 13 @  
@ 0nickyet [#12]

Hallo Jürgen,

vielen Dank für dein Feedback. Meine Zeitangaben stammen aus dem "Handbook/Catalogue - Union of South Africa Stamps" der Philatelic Federation of Southern Africa, 1952.

Du hast Recht: Bzgl. 1937/38 wird dort wird die "Government Notice No.1575" vom 15. November 1935 zitiert - hatte ich übersehen (Seite 14 unten):

It is notified for general information, that on and after 1st January 1938, all pre-Union stamps will become invalid

Bezüglich 1913 habe ich dieselbe Quelle (Seite 8). Hier wird allerdings explizit der 1. September mit einbezogen.

Gruß,
Stefan
 
petzlaff Am: 25.05.2015 16:38:30 Gelesen: 1707# 14 @  
Mit dem Verkaufsende der Freimarken der Teilstaaten der Union wurde am 1. September 1913 die neue Dauerserie mit dem bekannten "McKennal Head" König Gerorg's V (in Zukunft wie in der englischsprachigen Literatur "KGV" abgekürzt) in folgenden Wertstufen verausgabt: 1/2d, 1d, 2d, 2 1/2d, 3d, 4d, 6d, 1sh, 2/6sh, 5sh, 10sh. Die gängigsten Werte von 1/2d bis 2 1/2d und die 1-Shilling Marke wurden einfarbig, die übrigen Wertstufen zweifarbig mit getrennter Rahmen- und Kopfplatte gedruckt. Der Druck erfolgte in 240er-Bögen mit vier Schalterbögen zu jeweils 10 horizontal mal 6 vertikal angeordneten Marken. Die Schalterbögen hatten die auch in Großbritannien und anderen britischen Kolonien üblichen "Jubilee-Lines" im Bogenrand. In der englischen Literatur wird übrigens der Schalterbogen als "pane", der Druckbogen aus in diesem Fall 4 panes als "sheet" bezeichnet.

Die Marken dieser Dauerserie wurden bis 1926 von mehreren, aber trotz des hohen Nutzungsaufkommens zumindest der niedrigen Werte relativ wenigen Platten bei De La Rue in London produziert. Die hohe Qualität der De La Rue Drucke ist bekannt. Es gibt zwar sichtbare Plattenabnutzungserscheinungen, die sich aber im Rahmen halten. Das Vorkommen von sogenannten Plattenfehlern ist aus meiner Sicht im wesentlichen Kataloglegende. Bis auf wenige Ausnahmen beruhen die auch im Michel erwähnten Buchstabenverstümmelungen auf Plattenabnutzung und nicht auf Beschädigungen der Druckplatte, sind also keine Plattenfehler. Interessant wird die KGV-Ausgabe durch die zahlreichen Farbvarianten, für deren Bestimmung kein im Handel erhältlicher Farbführer, weder der von Michel noch der von Stanley Gibbons praktisch brauchbar ist. Ich werde im Folgenden auf die markanten Farbgruppen der hierfür interessanten Werte näher eingehen und versuchen, einige Anhaltspunkte für die Farbbestimmung zu dokumentieren.

Erwähnt werden muss weiterhin, dass es einige von den Marken in Rollen- und Heftchenform, sowie mit markanten Wasserzeichenbeschädigungen gibt. Kopfstehende Wasserzeichen sind häufig und stammen bei den niedrigen Wertstufen fast immer aus Markenheftchen.

Für heute möchte ich die Abhandlung über die KGVs mit einem schönen Einschreibbrief beginnen:



Gruß
Stefan
 
petzlaff Am: 25.05.2015 17:57:24 Gelesen: 1690# 15 @  
KGV 1913

ich fange einfach mal mit dem niedrigsten Wert (1/2d "grün") an. Neben dem demnächst vorgestellten 1d Wert gibt es diese Marke in mehreren deutlich voneinander abweichenden Farbvarianten.

Die normalen Kataloge registrieren grün, blaugrün und gelbgrün. Diese Farbbezeichnungen entstammen eher subjektiven Wahrnehmungen, da das menschliche Auge nicht normiert ist. Aus der Analyse einer Vielzahl von Marken kann man aber nachvollziehen, welche Farbbezeichnung am besten zutrifft. Keine Sorge - bis auf einen Sonderfarbton (SFT) der Platte 6 (1920-1924) lassen sich alle Marken recht genau einordnen.

Von links oben nach rechts unten: "grün" - "blaugrün" - "gelbgrün" - Sonderfarbton "smaragdgrün"





Die Sonderfarbe "dark mossy emerald green" ist relativ ungewöhnlich und kann meist nur unter Berücksichtigung des Stempeldatums bzw. der anhängenden Plattennummer sicher bestimmt werden. Daten zwischen Anfang 1923 und Mitte 1924 weisen bei ähnlichem Farbverhalten (Rotanteil ca. 25%, Grünanteil ca. 45%, Blauanteil ca. 30%) auf diese seltenere Variante hin.

Die "normale" Farbe ist ein Graugrün, welches zwischen hell und dunkel variiert.

Hier noch eine selbstgestaltete Farbtafel für die o.g. Varianten in derselben Reihenfolge:



Gruß
Stefan
 
0nickyet Am: 26.05.2015 10:41:34 Gelesen: 1635# 16 @  
@ petzlaff [#13]

Hallo Stefan,

das von mir herangezogene Handbuch ist die dritte Auflage des von dir zitierten, und die Zeitspanne 19.8.1910 bis 31.8.1913 wurde nachfolgend unter anderem von Stanley Gibbons übernommen. Die ersten King's Head -Werte, mit deren Erscheinen die Verwendung der provinzialen Marken nicht mehr alternativlos war, wurden am 1. September 1913 verausgabt - auch vor diesem Hintergrund macht die kürzere Zeitspanne Sinn.

Frankaturen mit zweieinhalb Pence sind eigentlich nur in den wenigen Wochen bis zum 4.November 1910 echte Interprovincials, weil ihr Bedarf durch die Erstausgabe zur Parlamentseröffnung mit dieser Wertstufe wegfiel.

Gruß,
Jürgen
 
petzlaff Am: 26.05.2015 10:51:00 Gelesen: 1633# 17 @  
Ebenso wie der Halfpenny-Wert wurde der Penny von 7 verschiedenen Platten gedruckt, die sehr häufig stärkere Abnutzungserscheinungen zeigen als bei den anderen Werten der KGV-Serie. Die Farbbestimmung ist schwierig und es macht Sinn, sich auf die 4 verschiedenen Farbgruppen zu fokussieren:

rosa(rot) - rot - scharlach - karminrot



Ein karminfarbiges Exemplar fehlt mir leider in meiner Sammlung, deswegen sind nur die ersten 3 Farbtöne mit Markenabbildungen hinterlegt.

Wie gehabt hier die entsprechende Farbtafel:



Das in den meisten Katalogen als Hauptfarbe aufgeführte "rosarot" ist grundsätzlich nichts anderes als eine blasse Ausführung des normalen "rot". Beide Farbtöne kommen gleich häufig vor, sind aber sehr gut voneinander zu unterscheiden. Interessanter wird es mit den dunkleren Farbtönen. "Scharlach" ist sehr markant und etwas seltener anzutreffen, als es uns die Kataloge vorgaukeln. "Karmin(rot)" mit deutlichem Blauton stufe ich persönlich als sehr selten ein. Es gibt aber noch einen extrem seltenen Sonderfarbton, der in der englischsprachigen Literatur als "deep lake-carmine" bezeichnet wird und im Grunde genommen nichts anderes ist, als eine sehr dunkle Inkarnation des Karmin. Die meisten Marken in Durchschnittssammlungen sind unter "rot" (zweite Farbtafel von links in meiner Darstellung einzustufen:



Gruß
Stefan
 
Kirsten Mohi Am: 26.05.2015 20:42:55 Gelesen: 1568# 18 @  
Hallo,

könnt ihr mir bitte etwas zu den beiden Marken hier sagen? Beide sind unten geschnitten und Wasserzeichen kopfstehend.



Danke und schöne Grüße
Kirsten
 
petzlaff Am: 27.05.2015 09:10:31 Gelesen: 1546# 19 @  
@ Kirsten Mohi [#18]

Hallo Kirsten,

bei beiden Marken handelt es sich um den zweitniedrigsten Wert (Standard Inlandsbrief) der Freimarkenausgabe von 1926/1927. Die Marken wurden schachbrettartig abwechselnd mit englischer bzw. Afrikaans Legende gedruckt, um den beiden Amtssprachen in Südafrika gerecht zu werden. Der angeschnittene Unterrand in Zusammenhang mit dem kopfstehenden Wasserzeichen ist bereits ein ziemlich sicheres Indiz dafür, dass es sich bei beiden um Marken aus Heftchen handelt. Normalerweise sind die Heftchenmarken vierseitig gezähnt, allerdings gibt es gelegentlich schlecht zentrierte Marken, die aufgrund der Heftchenherstellung eine geschnittene Seite aufweist (meist unten oder rechts). Der Anschnitt ist katalogtechnisch betrachtet (aus meiner Sicht völlig zu Unrecht) leider wertmindernd.

Die erste Auflage der Serie (ich werde später in diesem Thread genauer darauf eingehen) wurde 1926 in London gedruckt. Ab 1927 wurde die Produktion nach Pretoria verlegt. Die rechte Marke mit der Afrikaans Inschrift ist mit Sicherheit ein Pretoria-Druck, was man im Wesentlichen an dem unscharfen Bild und an den Farben erkennt. Die linke Marke weist einige Merkmale der Londoner Drucke auf, insbesondere den schärferen Druck des roten Rahmens. Trotzdem handelt es sich um einen Pretoria-Druck. Die waagerechte Zähnung weist bei beiden Marken 13 Löcher auf - das kommt nur bei den Pretoria-Drucken von Heftchenmarken vor - die Londoner Heftchen-Drucke haben immer 14 Löcher. Damit haben wir die exakte Bestimmung: im Michel-Katalog sind die beiden Marken als Nummer 23C bzw. 24C gelistet. Beide Marken sind ziemlich selten.

Bei der Bestimmung Südafrikanischer Marken, insbesondere der "Pictorals" gibt es für Nicht-Spezialisten immer wieder Probleme, die ein normaler Katalog i.A. nicht zu lösen vermag. Genau dies ist einer der Gründe, warum ich diesen Thread ins Leben gerufen habe, in der Hoffnung, das Interesse an der Südafrikanischen Philatelie zu fördern.

Das schöne Markenmotiv mit der Darstellung von van Riebeck's Schiff "Dromedaris" wurde übrigens bis 1950 für den 1 Pence Wert der Dauerserien verwendet. Die von dir gezeigten Marken stammen wie gesagt aus der ersten Dauerserie mit bildlichen Darstellungen ("Pictorals"). Man erkennt dies an dem geschwungenen "R"-Abstrich in AF"R"IKA/AF"R"ICA.

Vielen Dank für dein Interesse.

Gruß
Stefan
 
Kirsten Mohi Am: 27.05.2015 11:29:51 Gelesen: 1528# 20 @  
Hallo Stefan,

ich habe zu danken für die tolle Informationen und für die Mühe. Wahnsinn. Obwohl es nicht mein Sammelgebiet ist (ausschließlich deutsche Zusammendrucke), finde die südafrikanischen Zusammendrucke sehr interessant. Ich bedanke mich erneut und falls du solche Marken nicht hast, würde ich sie dir gerne schenken. Die haben sicherlich bei dir einen besseren Platz.

schöne Grüße
Kirsten
 
petzlaff Am: 27.05.2015 11:36:05 Gelesen: 1527# 21 @  
@ Kirsten Mohi [#20]

Die fehlen mir tatsächlich - ich habe nur Heftchenmarken mit enger Zähnung. Ich schicke dir meine Postanschrift, und du bekommst von mir deutsche Zusammendrucke. :-) Dazu brauche ich natürlich dann auch deine Anschrift.

Gruß, Stefan
 
Kirsten Mohi Am: 27.05.2015 11:38:25 Gelesen: 1524# 22 @  
@ petzlaff [#21]

Suuuuuuuper und danke.

Gruß
Kirsten
 
petzlaff Am: 27.05.2015 16:38:02 Gelesen: 1498# 23 @  
Sicher wird sich der eine oder andere fragen, wieso ich bei der KGV-Serie derart auf den Farben "herumreite". Das hat ganz einfach den Grund, dass die Farbbezeichnungen in den gängigen Katalogen absolut nicht mit dem übereinstimmen, was tatsächlich an Farbe auf dem Papier ist. Ganz besonders deutlich wird dies bei dem 2d Wert, der übrigens im Gegensatz zu den beiden niedrigsten Werten ausschließlich für postalische und nicht fiskalische Verwendung vorgesehen war. Letzteres erkennt man daran, dass ganz unten auf der Marke der Hinweis "REVENUE INKOMST" fehlt. Schaut euch zum Vergleich die ganz unten zitierte 1/2d Rollenmarke an.

Zurück zu den Farben: Der Michel führt 2 Varianten auf: lila und braunlila. Im Stanley Gibbons findet man "dull purple" und "deep purple", der Handbuchkatalog kennt den Oberbegriff "purple" und darunter die Schattierungen "deep purple", "brown-lilac", "plum", "dark plum" resp. "slate purple" und "rose purple". Wie unbrauchbar diese Angaben sind (Farbführer sind auch nicht in der Lage, die Verwirrung zu klären) erkennt man daran, dass Michel mit "braunlila", SG mit "deep purple" und der Handbuch-Katalog der Südafrikanischen Philatelistischen Gesellschaft mit "brown lilac" dieselbe Marke meinen, welche im Gegensatz zu den übrigen Farben erst ab 1916 gedruckt wurden. Letztere, also das Michel-Lila / SG-dull-purple / übrige Handbuch-Farben haben mehrere Schattierungen, die sich überdeutlich voneinander unterscheiden. Insgesamt gibt es 5 verschiedene Farbgruppen, die selbstverständlich in helleren und dunkleren Schattierungen vorkommen. Die lila Farbe neigt wie bei vielen britischen Ausgaben dazu, unter Umwelteinflüssen das Markenpapier zu verfärben, insofern sollten nur Marken mit unverfärbtem Papier in die Sammlung aufgenommen werden.

Die folgende Farbtafel stellt die vorkommenden Schattierungen nebeneinander:



Ich habe mir erlaubt eigene passende Farbnamen zu vergeben von links nach rechts sehen wir: grauviolett (Handbuch = purple), rötlichlila (Handbuch = plum), dunkelgrauviolett (Handbuch = dark plum), rosalila (Handbuch = rose-purple), braunviolett (Handbuch = brown-lilac). Die mittlere Farbe gilt als seltener Sonderfarbton, das braunviolett von 1916 ist eher zu den ungewöhnlichen Farben zu zählen.

Hier von rechts nach links die häufigsten Farben am Markenbeispiel - vielleicht findet ihr ja anhand der Tafel heraus, um welche Michel-"Lilas" es sich handelt :-) :



Der 2 Pence Wert wurde zwischen 1913 und 1926 gedruckt. Die Konfektionierung erfolgte in Bogen- (2 verschiedene Platten), Rollen- und Heftchenform. Kopfstehende Wasserzeichen (Springbok-Kopf wie für die gesamte Serie verwendet) sind wie bei den niedrigeren Werten häufig. Die Rollenmarken der Serie erkennt man daran, dass sie senkrecht geschnitten sind. Vorsicht vor abgeschnittener Zähnung - die Breite der Marke muss exakt 20mm betragen, manipulierte Marken bringen es auf nur 19,5mm!

Hier ein Beispiel der 1/2d Marke von der Rolle:



Gruß
Stefan
 
petzlaff Am: 28.05.2015 10:07:11 Gelesen: 1460# 24 @  
Keine Angst - es geht weiter mit der KGV-Serie. Zwischendurch jedoch zur Auflockerung für alle, die jetzt schon gelangweilt sind ein wenig zur ersten Luftpostausgabe der Südafrikanischen Union:



Bei diesen Marken, die im Luftpostverkehr vom 28. Februar bis zum 15. Juni 1925 testweise verwendet werden durften, handelt es sich um reine Zuschlagsmarken auf das normale Briefporto. Belege aus dieser Zeit sind extrem selten. Die Nutzung wurde wegen Unrentabilität eingestellt. Erst ab September 1929 wurde der Flugdienst wieder aufgenommen und die Marken konnten als Flugpostfrankataur verwendet werden. Ab 1932 durften diese Marken auch auf normale Post geklebt werden. Ergo: Stempel aus den Jahren 1926 bis 1928 sind immer falsch. Hier ist eine Abstempelung von Januar 1925 (?) aus Durban:



Die Serie ist nicht nur selten, sondern liefert auch eine Vielzahl von sehr gefragten Besonderheiten. Da wären zum Beispiel Randstücke mit anhängenden "Controls":



Oder diverse Plattenfehler - hier als Beispiel "h" statt "d" in der Wertziffer:



Bezüglich dieses Plattenfehlers sind die möglicherweise anderen hier vorhandenen Südafrika-Spezialisten gefragt. In meiner Literatur ist dieser Fehler nur im linken Wertschild dokumentiert - bei meiner Marke befindet er sich aber auf dem rechten Wertschild. Könnte es sein, dass es sich bei diesem "Plattenfehler" nur um eine Druckzufälligkeit handelt?

Gruß
Stefan
 
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