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Thema: (?) (1038/40) Rohrpostbelege
Das Thema hat 1044 Beiträge:
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kauli Am: 16.08.2013 20:43:54 Gelesen: 315616# 895 @  
Hallo zusammen,

habe noch einen Absenderfreistempel Brief vom Bezirksamt Kreuzberg, was wohl nicht so aufregend ist. Dass er aber mit der Rohrpost befördert wurde, ist bestimmt nicht so häufig zu sehen. Denke ich mir.



Viele Grüße Dieter

[Redaktionell ins Thema Rohrpost kopiert]
 
blaujacke Am: 09.09.2013 20:22:31 Gelesen: 311370# 896 @  
@ Schmuggler [#299]

Ich muß eine alte Diskussion mit dem hier gezeigten Beleg noch einmal aufgreifen:



Die Rohrpostkarte ging am 27.2.21 von Berlin W 21 über W 9 nach "Brl. Lichterfelde-West" und ist mit 1,60 M frankiert. Folge ich "Schmuggler", wären nur 1,30 M erforderlich gewesen. "DerLu" sagt m.E. aber richtig, daß noch bis 1922 der Rohrpostbezirk gem. RP-Ordnung von 1909 gültig war und - weil Lichterfelde nicht im RP-Bezirk lag - somit noch 30 Pf. für die Postkarte im Ortsbezirk zu zahlen waren. Ich denke, die Rohrpostbeamten waren sich da allesamt auch nicht ganz sicher!

Schön, wenn sich wieder einmal Rohrpostler melden! In diesem Sinne grüßt
Uwe
 
Schmuggler Am: 07.10.2013 18:47:10 Gelesen: 303916# 897 @  
@ blaujacke [#896]

Guten Abend blaujacke,

mit Bedauern sehe ich Deine Frage noch nicht beantwortet. Ich greife daher mal aus dem Hintergrund in den Topf.

Berlin war ab dem 1.10.1920 nicht mehr in viele kleinere Einheiten zerstückelt, sondern eine recht kompakte Einheit per Gesetz geworden. Das liest sich so:

Die verfassungsgebende preußische Landesversammlung verabschiedete am 27.4.1920 „Das Gesetz zur Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin“ mit 20 Verwaltungsbezirken. Zum 1.10.1920 trat das Gesetz in Kraft.

Mit dem zeitlich korrekten Vollzug des Gesetzes vereinte die Stadt Berlin insgesamt 8 Städte, 59 Landgemeinden und 26 autarke Gutsbezirke, dabei auch das Verwaltungsgebiet „Königliches Schloss“, zu einer einheitliche verwalteten Stadt, welche insgesamt eine Ausdehnung von fast 900 km2 hatte. Berlin wurde nach New York und London mit fast 4 Millionen Einwohnern die damals drittgrößte Stadt der Welt.

Die Reichspostverwaltung reagierte auf die neue Anforderung und genehmigte erst einmal für alle Postorte innerhalb der Stadtgemeinde das vergünstigte Ortsporto für die Briefpost; den seit 1.4.1900 bekannten Nachbar-Ortsverkehr bzw. die 1911 genannten postalischen Nachbarortsgebiete zu Berlin gab es nicht mehr.


In diesen Vorgang war auch die Rohrpost involviert, d. h. ab diesem Datum gab es den seit 1901 bekannten Rohrpostbezirk mehr. Das liest sich wie folgt:

Alle Rohrpostsendungen konnten aus der ehemaligen „Stadt Berlin“ jetzt zur Rohrpostgebühr ohne Portoergänzung an jeden Postort innerhalb der Stadtgemeinde Groß-Berlin befördert und per kostenloser Eilbestellung zugestellt werden. Die Summe aller Postorte (inklusive der ehemaligen Stadt Berlin) wurde „Ortsgebührenbereich“ genannt. Welche Ortschaften das waren wird mit der Überschrift "1. Postorte im Ortsgebührenbereich von Groß-Berlin“ genannt.

Ausnahme:

Innerhalb der Stadtgemeinde gab es noch Land-Bestellorte, d. h. der Bestimmungsort lag zwar innerhalb der Stadtgemeinde, hatte aber kein Postamt und war nach alter Definition somit kein Postort.

Rohrpostsendungen an diese Land-Bestellorte wurden nicht per Eilbestellung, sondern „bei nächster Gelegenheit“ per Briefpost dem Empfänger zugestellt. Wurde die Eilbestellung vom Absender dennoch gewünscht, musste die Eilbestellgebühr laut Postordnung (PO) zur Rohrpostgebühr hinzu frankiert oder taxiert sein; ein zusätzliches Porto kam jedoch nicht in Ansatz.

Welche Ortschaften das waren wird mit der Überschrift „2. Land-Bestellorte im Ortsgebührenbereich von Groß-Berlin“ genannt.


Ferner:

Sendungen an Postorte außerhalb der Stadtgemeinde Groß-Berlin mussten nach den Tarifen der Postordnung (PO) als eine Fernsendung frankiert bzw. taxiert sein.

Für die Rohrpost entfiel an diese Postorte die kostenlose Eilbestellung und es kam nur das gewöhnliche Ergänzungsporto für die entsprechende Sendung zur Rohrpostgebühr laut PO hinzu. Wurde die Eilbestellung dennoch gewünscht, kam zur Rohrpostgebühr außer dem Porto auch noch die Eilbestellgebühr zusätzlich in Anrechnung.

Ausnahme:

Lag der Bestimmungsort ohne Postort außerhalb der Stadtgemeinde, aber das für den Bestimmungsort zuständige Zustellpostamt noch innerhalb der Stadtgemeinde, kam kein Ergänzungsporto zur Rohrpostgebühr hinzu und die Sendung wurde ebenfalls „bei nächster Gelegenheit“ durch die Briefpost bestellt. Wurde die Eilbestellung gewünscht, kam zur Rohrpostgebühr die Eilbestellgebühr zusätzlich in Anrechnung - wie vor.

Welche Ortschaften das waren wird mit der Überschrift „3. Land-Bestellorte außerhalb des Ortsgebührenbereichs von Groß-Berlin“ gemeinsam mit dem zuständigen Zustellpostamt genannt.


Zu Deiner Karte:

Lichterfelde lag zu dieser Zeit (noch) NICHT in der Stadt Gross-Berlin, sondern in der OPD Berlin/Land. Somit kommt das Weiterleitungsporto für eine Karte (sie betrug zu dieser Zeit 30 Pfennig) zu den 1,30 Mark hinzu.

Alles geklärt?
 
Schmuggler Am: 07.10.2013 21:31:12 Gelesen: 303864# 898 @  
@ juni-1848 [#890]

Guten Abend,

in der Reichspost-Statistik wurde im Kapitel "Rohrpost" erstmmals 1897 die Rohrpostbeförderung für Frankfurt/M. angekündigt und 1898 erstmals genannt.

In beiden Fällen wird von einer "postinternen Beförderung" gesprochen, von einer privaten Aufgabe ist mir zumindest bis 1930 nichts bekannt.
 
blaujacke Am: 08.10.2013 11:51:03 Gelesen: 303571# 899 @  
@ Schmuggler [#897]

Hallo Schmuggler,

vielen Dank! Schön, von Dir wieder einen Beitrag lesen zu können! Aber "alles geklärt" ist für mich, wenn Du mir die Quelle nennst, wonach Lichterfelde "noch nicht" Bestandteil von Groß-Berlin war.

Lt. wikipedia lag die Villenkolonie Lichterfelde-West im Ortsteil Lichterfelde, der im Bezirk Steglitz seit 1920 zu Groß-Berlin gehörte!

Ich bin gespannt!
 
Schmuggler Am: 08.10.2013 13:15:15 Gelesen: 303546# 900 @  
@ blaujacke [#899]

Bitteschön:

In der 2. Auflage zum "Neuen Postbuch" wird Lichterfelde 1920 als "Nachbarortsgebiet zu Berlin" noch genannt.

"Die Ortszone im Postverkehr innerhalb der Stadtgemeinde Berlin, 1921 gedruckt und vertrieben vom Verlag für heimatliche Kultur, Berlin." nennt Lichterfelde nicht mehr.

Aber ab 1922 wird rückwirkend für 1921 in der Anlage zum "Das neue Postbuch" aus dem Industrieverlag Späth, Lichterfelde genannt - auch in Folge. Erst ab 1925 werden im "Verzeichnis der Orte, Landorte, Siedlungen und Gutsbezirke in der Stadtgemeinde Berlin" keinerlei Ausnahmen mehr genannt.

Laut meinen damaligen Arbeitsnotizen muß man an manche Informationen recht zurückhaltend angehen; die neu zugeordneten ehemaligen Vororte etc. kommen schrittweise fast monatlich in die Stadt. Was im Mai noch stimmte, muß für den Juni so nicht mehr zutreffen - warum nicht auch Lichterfelde?
 
blaujacke Am: 08.10.2013 16:17:58 Gelesen: 303484# 901 @  
@ Schmuggler [#299]
@ Schmuggler [#900]

Danke - aber kann ich jetzt nicht mehr folgen oder hast Du dir selbst widersprochen mit den Angaben und dem Beleg v. 15.10.1920 in [#299]?

Lichterfelde gehörte laut Berlin-Gesetz zu den 59 Landgemeinden des Groß-Berlin. Für diese galt nunmehr das Ortsporto und - nach Deiner Auffassung - auch die Rohrpostgebühr, was Du mit dem gezeigten Rohrpostbrief (nach Lichterfelde!) belegen wolltest?
 
Schmuggler Am: 08.10.2013 20:12:35 Gelesen: 303378# 902 @  
@ blaujacke [#901]

Beitrag [#299] liegt in der Vergangenheit, wir sind jetzt bei 900; man sollte auch mal für Neues und/oder Korrektur aufgeschlossen sein.

Apropos: Ich kenne das „Das Gesetz zur Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin“ namentlich, inhaltlich ist es mir nicht bekannt.

Sollte daher Dir der Verweis vorliegen, könntest Du einerseits meine Unterlagenn ergänzen. Andererseits frage ich mich, warum eine Frage gestellt wird, wenn man die Antwort kennt. Test?!

Nach Deiner Darstellung wäre Deine Vorlage ergo nicht korrekt frankiert?!
 
blaujacke Am: 08.10.2013 21:37:45 Gelesen: 303350# 903 @  
@ Schmuggler [#902]

Puhhh! Habe ich Dich falsch verstanden oder haben wir aneinander vorbei geredet? Ich ging davon aus, Lichterfelde gehörte trotz Eingemeindung in Groß-Berlin (mit an sich einheitlichem Ortsporto) nicht zum Rohrpostbezirk Berlin.

Deine Erklärung "Lichterfelde lag zu dieser Zeit (noch) NICHT in der Stadt Gross-Berlin, sondern in der OPD Berlin/Land. Somit kommt das Weiterleitungsporto für eine Karte (sie betrug zu dieser Zeit 30 Pfennig) zu den 1,30 Mark hinzu." verstand ich so, als wäre Lichterfelde noch nicht der Stadt zugeordnet.

Wenn Du meine Deutung der Gebühren auf der von mir gezeigten Karte bestätigen wolltest, ist ja alles klar!

Das Gesetz über die Bildung von Groß-Berlin ist hier nachlesbar:

http://www.verfassungen.de/de/be/berlin20.ht

Einen schönen Abend wünsche ich allen - wie viele mögen es sein? - hier versammelten Rohrpostlern
 
Schmuggler Am: 10.10.2013 11:48:41 Gelesen: 302797# 904 @  
@ blaujacke [#903]

Ich guck mal wieder um die Ecke:

Das war ein sehr interessanter Link - ich vermute aus den "Protokollen des Reichstages", den ich aber dort bisher nicht gefunden hatte. Kompliment!

Dennoch bleiben mir augenfällige Differenzen im §1 zu den anderen, mir bekannten Veröffentlichungen. So fehlen mir bei den "Landgemeinden" z. B. die Postorte Borsigwalde/Siemensstadt, Dalldorf, Halensee, Haselhorst, Karlshorst, Rummelsburg, Südende, Wilhelmshagen und weitere.

Dagegen sind z. B. Dahlem, Blankenburg, Blankenfelde, Falkenberg, Niederschönhausen, Rosenthal und weitere Postorte als "Gutsbezirk" genannt.

Ich vermute(!) daher, dass die Gesetzestexte letztendlich im Oktober 1920 nicht mehr so ganz der postalischen Realität entsprechen. Oder möglicherweise aus politischer/kommunaler Sicht so eingeteilt worden: Steglitz mit seinen fast 15.000 Einwohnern war bekannterweise "Das grösste Dorf im Deutschen Reich" - eben eine kommunale Landgemeinde.

5 Jahre später gibt es diese ganzen Nuancen von 1920/21 nicht mehr: Entweder Groß-Berlin oder nicht. Man hat ergo daran gearbeitet?!

Zurück zur Rohrpost.

Es steht nirgends geschrieben, dass die Rohrpost ab dem 1.10.1920 über Gross-Berlin zum gleichen Preis wie bisher befördert wird. Es gibt aber andererseits auch bisher keine Taxierung zu diesem neuen Beförderungsgebiet.

Die nächste Rohrpostordnung erscheint zum 1.4.1921 in welcher auch kein Wort zu einer Begrenzung und/oder Erweiterung genannt wird.

Kurz: Ich bleibe (noch) bei der Aussage, dass die Beförderung und Bestellung von Rohrpostsendungen im kompletten Ortsgebührenbereich von Groß-Berlin möglich war, auch wenn es zu einzelnen Postorten und/oder Ortschaften noch Unklarheiten gibt.

Auf gehts!?
 
kauli Am: 10.10.2013 14:47:05 Gelesen: 302684# 905 @  
@ blaujacke [#903]

Da gibt es wohl doch unterschiedliche Quellen. Im Handbuch "Die Postgeschichte Lichterfeldes" von Jürgen Meiffert steht, das ab dem 24.3.1905 die Berliner Ortsbrieftaxe, ermäßigtes Ortsporto, auf Groß-Lichterfelde und Lankwitz ausgedehnt wurde. Ab 8.1.1912 durfte u.a. auf Königlichen Erlass auch Groß-Lichterfelde den Zusatz Berlin tragen, also Berlin-Lichterfelde. Inwieweit das jetzt mit der Portofrage zusammenhängt, da halte ich mich lieber raus.

Viele Grüße
Dieter
 
Schmuggler Am: 10.10.2013 17:57:24 Gelesen: 302620# 906 @  
@ kauli [#905]

Danke für den Hinweis, aber Dein Hinweis berührt den Nachbar-Orts-Verkehr (schlichter: NOV), welche auch in Berlin bereits am 30.6.1920 endete.

"Unsere" aktuelle Problemstellung ist die Zeit ab dem 1.10.1920 und betrifft hier nur die Rohrpost.

Wenn Du also einen taxierten (nicht unterfrankiert + taxiert!) fehlfrankierten Rohrpostbeleg aus dieser Zeit zeigen kannst: Zumindest ich wäre SEHR daran interessiert.

Weiter so!

:-)
 
blaujacke Am: 11.10.2013 13:10:38 Gelesen: 302350# 907 @  
@ blaujacke [#903]

Hier noch zwei interessante Links:

http://www.landesarchiv-berlin.de/lab-neu/anzeige_statisch.php?edit=107&anzeige=A%20Rep.%20042-05-01

http://www.ahnenforschung-klatt.de/berlin.htm

Vielleicht hilft uns die Ausführungsbestimmung im Amtsblatt des RPM Nr. 24/1922 vom 07.06.1922 (das Original oder eine Kopie davon besitze ich leider nicht!) weiter:

"Die Gebühr einer Rohrpostsendung richtet sich nicht mehr danach, ob die Sendung im Rohrpostbezirk verbleibt, sondern danach, ob sie den Geltungsbereich der Ortsbriefgebühr von Groß-Berlin überschreitet oder nicht. Die Rohrpostsendungen, bei deren Beförderung die Grenzen Groß-Berlins überschritten werden, unterliegen künftig höheren Gebühren als die, die innerhalb Groß-Berlins aufgelistet werden und zuzustellen sind."
 
Werner Steven Am: 11.10.2013 16:13:26 Gelesen: 302293# 908 @  
Postgebühren



1876: Am 1. Dezember 1876 wurde in Berlin das Rohrpostnetz für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Zugelassen waren, außer Telegrammen, Briefe (bis 10 g.) und Karten im Stadtpostverkehr. Diese Sendungen mussten für die cylinderischen Briefbehälter geeignet sein. Geeignete Umschläge und Postkarten mit eingedrucktem Wertzeichen auf hellrotem Papier wurden bereitgehalten. Erhältlich waren die Ganzsachen bei allen hiesigen Post- und Telegraphenämtern, sowie bei den amtlichen Verkaufsstellen. Eine Verpflichtung für die Verwendung bestand nicht, wurde aber dringend angeraten. Eigene Briefumschläge oder Karten waren oben links, deutlich und unterstrichen mir der Bezeichnung “Rohrpost” zu versehen. Im Porto war die Eilzustellgebühr bereits enthalten.

Seit 1. Januar 1877 wurden die Sendungen auch über das Rohrpostnetz hinaus nach außerhalb Berlins weiterbefördert. Solche Sendungen wurden per Boten unmittelbar den betreffenden Bahnposten zugeführt und als gewöhnliche Briefe behandelt. Zum gewöhnlichen Porto für die Sendung kam die Rohrpostgebühr. Bei Eilbriefen fügte das Bahnpostpersonal den Eilbriefzettel bei.

Porto nach Außerhalb:

Briefe bis 10g 10 Pfg. Briefporto + 30 Pfg. Rohrpostgebühr.
Postkarten 5 Pfg. + 25 Pfg. = 30 Pfg.

Seit dem 3. März 1877 konnten Sendungen von außerhalb Berlins zur Beförderung in das Rohrpostnetz aufgegeben werden. Sie waren mit dem Vermerk "Rohrpost" zu versehen. Auch in diesen Fällen war neben der Rohrpostgebühr das übliche Porto zu zahlen. Es war die schnellste Besorgung der Sendungen innerhalb Berlins. Ausserhalb der Dienstzeiten des Rohrpostdienstes wurden dies Sendungen mit Eilboten zugestellt.

Versuchsweise wurden am 12. April 1877 Rohrpostkarten zu 50 Pf eingeführt.

Die Rohrpost-Betriebs-Ordnung von 1885 lag leider nicht vor. Am Porto hat sich aber offensichtlich nichts geändert.

1903 Rohrpostordnung

Eine Rohrpostordnung für Berlin erschien 6. August 1903. Das Briefgewicht war auf 20 g angehoben worden. Der Rohrpostbezirk Berlin umfasste die Bestellbezirke der Postämter in Berlin, Charlottenburg, Friedenau, Halensee, Plötzensee, Nixdorf, Schöneberg, Westend innerhalb des Charlottenburger Gemeindebezirks und Wilmersdorf.

Rohrpostsendungen wurden von der Rohrpostbetriebsstelle, auch die von außerhalb, durch besondere Boten zugestellt. Für Sendungen nach außerhalb konnte eine Eilzustellung, gegen Gebühr, verlangt werden. Als Rohrpostsendungen waren unfrankierte oder unzureichend frankierte Sendungen, Wert-, Einschreib- und Nachnahmesendungen sowie Briefe mit Zustellungsurkunde nicht zugelassen. Bei Sendungen aus dem Briefkasten und bei gewöhnlichen Postanstalten aufgegebenen Rohrpost-Sendungen bestand kein Anspruch auf Beförderung zum Rohrpost-Netz durch Boten. Den zustellenden Boten konnten Rohrpostsendungen kostenfrei mitgegeben werden.

Für Sendungen, die nur streckenweise mit der Rohrpost befördert wurden, wurde neben dem tarifmäßigen Porto eine Gebühr für die Rohrpostbeförderung verlangt.

Für unfrankierte Sendungen wurde ein Zuschlag von 10 Pf. erhoben.

1909 Rohrpostordnung und Änderungen

Nach der Rohrpostordnung für Berlin zum 30. Januar 1909 umfasste der Rohrpostbezirk Berlin die Bestellbezirke der Postämter in Berlin, Charlottenburg, Friedenau, Halensee, Plötzensee, Nixdorf, Schöneberg, Westend, Wilmersdorf sowie a) vom Bestellbezirk des Postamts in Boxhagen-Rummelsburg 1 den Teil innerhalb der Ringbahn, b) vom Bestellbezirk der Postagentur in Treptow bei Berlin die Grundstücke Treptower Chausee 15 bis 18.

Ab 1922 gehörten zum Rohrpostbezirk Berlin alle innerhalb Groß-Berlins aufgelieferten oder nach Großberlin gerichteten Briefe und Postkarten.

Zwischen dem 1. April 1916 und dem 1. Okt. 1919 wurden Rohrpostsendungen mit der Reichsabgabe von 5 Pf. belegt.

Ab 6. Mai 1920 wurde, bei un- oder unzureichend frankierten Rohrpostendungen (außer bei gebührenpflichtigen Dienstbriefe), das doppelte des Fehlbetrages und ein Zuschlag von 10 Pf. erhoben, der zum 1. April 1921 auf 30 Pf. und zum 1. Januar 1922 auf 50 Pfg., für gebührenpflichtigen Dienstbriefe auf 30 Pfg. erhöht wurde.

Inflationszeit

Zur Änderung der Rohrpostgebühren wurde zu 1. April 1921 vermerkt: "Rohrpostbriefe und Rohrpostkarten, die teilweise außerhalb des Rohrpostnetzes zu befördern sind, unterliegen auch im Fernverkehr keiner weiteren Gebühr. Sie sind wie Eilsendungen zu behandeln. In den Gebühren ist die Orts Eilbestellgebühr enthalten. Bei Eilbestellung nach Landorten ohne Postanstalt ist der Mehrbetrag von 1,50 Mark vom Absender zu erheben. Ist die Vorausbezahlung durch den Absender unterblieben, so ist der Unterschied zwischen den Orts-Eilbestellgebühr von 1,50 Mark und den wirklich erwachsenden Botenkosten vom Empfänger einzuziehen."



Seit dem 1. Juli 1922 "richtet sich die Gebühr einer Rohrpostsendung nicht mehr danach, ob die Sendung im Rohrpostbezirk verbleibt, sondern danach, ob sie den Geltungsbereich der Ortsbriefgebühr von Groß-Berlin überschreitet oder nicht. Die Rohrpostsendungen, bei deren Beförderung die Grenzen Groß-Berlins überschritten werden, unterliegen künftig höheren Gebühren als die, die innerhalb Groß Berlins aufgeliefert werden und zuzustellen sind. Die Gebühr für die Eilbestellung im Ortszustellbezirk ist in den Sätzen mit enthalten, für die Zustellung im Landbestellbezirk wird der Unterschied zwischen den Gebührensätzen für die Orts- und für die Land-Zustellung nach der Postordnung erhoben".




Am 1. Juli 1922 wurde in München eine Rohrpost eröffnet, es war Sendungen bis 100g zugelassen.

Vom 1. Oktober 1922 an galt: "Für die Beförderung von Rohrpostsendungen gleicher Art im Ortsbestellbezirk des Bestimmungs-Postortes werden erhoben: die Gebühr für die gewöhnliche Orts- oder Fernbriefsendung nebst der Eilbestellgebühr für eine Briefsendung im Ortszustellbezirk und ein Zuschlag für die Rohrpostbeförderung in Höhe der Gebühr für einen Ortsbrief oder für eine Ortspostkarte/' Oder "a) wenn Aufgabeort und Bestimmungsort innerhalb des Geltungsbereichs der Ortsbriefgebühr von Groß Berlin liegen, für die Rohrpostkarte 1,50+6+1,50= 9 Mark; für den Rohrpostbrief2+6+2 =10 Mark, wenn der Aufgabeort oder der Bestimmungsort außerhalb des Geltungsbereichs der Ortsbriefgebühr von Groß-Berlin liegt, für die Rohrpostkarte 3+6+1,50= 11 Mark, für den Rohrpostbrief 6+6+2 = 14 Mark." Für Postkarten mit Antwort, nur in München möglich, wurde jeweils die doppelte Postkartengebühr erhoben.

Die Rohrpostordnung (RGBI. I. S.303) zum 1. Juli 1923 bestimmte die Gebühren wie folgt: "Für die Beförderung von Rohrpostsendungen und für deren Zustellung im Ortszustellbezirk des Bestimmungs-Postorts werden erhoben:
1. die Gebühr für die gewöhnliche Orts- oder Fernbriefsendung gleicher Art nebst der Eilzustellgebühr für eine Briefsendung im Ortszustellbezirk und
2. ein Zuschlag für die Rohrpostbeförderung in Höhe der Gebühr für einen Ortsbrief gleichen Gewichts oder für eine Ortspostkarte. Für die Zustellung im Landzustellbezirk wird daneben der Unterschied zwischen den Gebührensätzen für die Eilzustellung im Orts- und im Landzustellbezirk nach der Postordnung erhoben. — Rohrpostsendungen werden bei der Beförderung außerhalb der Rohrpostbezirke wie Eilsendungen behandelt."

Seit dem 1. August 1927 war für Rohrpostsendungen, neben dem tarifmäßigen Porto, ein Zuschlag von 10 Pf. und eine Eilzustellgebühr, angegeben als Gesamtgebühr, zu erheben.

April-Juni 1932 — Rohrpostbriefumschläge ohne Freimarkenstempel als Formblätter zu 1 Rpf, ausgegeben

22.08.33 Betriebsdienst (Amtsbl. 77/31.6/1933)

Beförderung gewöhnlicher Briefe mit der Rohrpost zum Abgangsbahnhof. In den Rohrpostbezirken Berlin und München können gewöhnliche Briefsendungen von der Auflieferungs-Postanstalt nach der Bahnhofs-Postanstalt gegen einen Gebührenzuschlag von 10 RPF. mit der Rohrpost befördert werden, damit sie noch Anschluss an die abgehenden Züge erreichen. Die Sendungen tragen den Vermerk "In Berlin (München) durch Rohrpost". Sie werden mit einem Rohrpostleitvermerk versehene, d.h. mit der mit Rotstift niedergeschriebenen Nummer des für die Weiterbeförderung zuständigen Bahnhofs-PA, z.B. 40 für das Berliner Bahnhofs PA NW 40. Diese rot ausgeworfene Zahl ist, auch wenn sie nicht durchgestrichen ist, nicht als Nachgebühransatz anzusehen.

Seit dem 22. August 1933 konnten gewöhnliche Briefsendungen mit der Rohrpost in Berlin oder München befördert werden um den Anschluss an eine Bahnpost zu erreichen, Zuschlag 10 Pf..

15.07.1938
Verordnung zur Änderung und Ergänzung der Postordnung (RGB 1, S. 881 — Amtsbl 77/273/38) [“Betrifft nicht das Land Österreich”, so das Gesetzblatt, im Amtsblatt findet sich dieser Hinweis nicht.]

Auf Grund des § 4 des Gesetzes zur Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung vom 27. Februar 1934 (RGB I, S. 130) verordne ich:

Artikel I Der Abschnitt II und III (§§ 52 bis 65 [Beförderungsdienst]) der Postordnung vom 30. Januar 1929 (RGB I, S. 33) werden aufgehoben. An Ihre Stelle treten folgende Bestimmungen “§ 52 Rohrpostsendungen, § 53 Luftpostsendungen und Abschnitt II Postreisedienst”. Damit werden Rohrpost- und Luftpostsendungen in die Postordnung aufgenommen. Der Reisedienst wird neu geordnet.

Artikel III
Die Verordnung tritt am 15. Juli 1938 in Kraft. Gleichzeitig wird die Rohrpostordnung vom 30. Mai 1923 (Reichsgesetzblatt I S. 303) aufgehoben
Der Absatz V befasst sich mit der Gebühr: " V. Für Rohrpostsendungen wird neben den sonstigen Gebühren ein Rohrpostzuschlag.erhoben. Soll die Sendung dem Empfänger durch Eilboten zugestellt werden, so ist auch die Eilzustellgebühr (§ 24) zu entrichten."

Bei dem “Gesetz über Postgebühren”, den “Gebührenänderungen im Postverkehr mit dem Ausland” und in der “Verordnung zur Änderungen der Rohrpostordnung” ist der Text fast immer gleich, es macht also wenig Sinn diese Texte zu wiederholen. Die Gebühren sind in der “Gebührenübersicht” dargestellt. Wie bei der Postordnung werden daher die Änderungen in den entsprechenden Text eingearbeitet.

Seit dem 1. August 1938 gilt dies auch im besetzten und annektierten Österreich für die Rohrpost in Wien.

Nachkriegstdeutschland

Der Rohrpostdienst wurde nach der Kapitulation Deutschlands am 1. Juni 1945 nicht wieder aufgenommen. Am 1. März 1949 wurde in Ersatz in Berlin der Postschnelldienst eingeführt. Zugelassen waren gewöhnliche Briefe und Päckchen bis 2 kg an Empfänger in Westberlin.

Als am 1. Dezember 1951 der "Postschnelldienst" durch den "Rohrpostschnelldienst" abgelöst wurde betrug das Höchstgewicht 100g. Der Versand von Päckchen war ausgeschlossen.

Für eilige Päckchen standen seit dem 16. April 1951 Orts-Eilboten bereit" [G. Steinbock]

Die Amtsblätter berichten von der Wiederaufnahme in München am 1. April 1953 und der, zunächst versuchsweisen, Aufnahme am 19. Mai 1953 in Berlin. Der Rohrpostzuschlag war mit 15 Pf. angegeben.

In einer Verordnung vom 22. Juni 1954 lesen wir, dass Massendrucksachen nicht durch Rohrpost befördert werden dürfen.

In der Postordnung vom 1.März 1963 war die Sendungsarten "Rohrpostsendungen" nicht mehr enthalten.

Möchtet ihr die Abschriften der einzelnen Ver- und Ordnungen etc?
 
Werner Steven Am: 12.10.2013 12:03:17 Gelesen: 301906# 909 @  
Rohrpost in Quellen

Abkürzungen:

Amtsbl = Amts - Blatt des Reichspostamts (Nr./ Verfügung)
ZBL = Central . Blatt für das Deutsche Reich
RGB = Reichs - Gesetzblatt für das Deutsche Reich


1876 01.12 Eröffnung der Rohrpost in Berlin Amtsbl.90/252 S. 517


Nachstehende Bekanntmachung ist durch die Zeitung veröffentlicht worden und wird den Verkehrsanstalten zur Kenntnisnahme mitgeteilt.

Nachdem die (Bauarbeiten der) zur Beförderung von Briefen und Telegrammen mittelst Luftdruck bestimmten unterirdischen Rohranlagen in Berlin nunmehr beendet sind, soll diese Rohrverbindung vom 1.Dezember (1876) ab dem Betrieb übergeben werden. Zur Beförderung mit der Rohrpost werden außer den Telegrammen auch Briefe und Karten im Stadtpostverkehr zugelassen. Die zur Versendung mit der Rohrpost bestimmten Briefe müssen so geformt und beschaffen sein, dass sie in die zur Beförderung dienenden cylinderischen Briefbehälter eingelegt werden können. Sie dürfen daher in der Länge 12 1/2 Zentimeter, in der Breite 8 Zentimeter und im Gewicht 10 Gramm nicht übersteigen und nicht mit Siegellack verschlossen sein; der Verschluss ist nur mittelst Gummi, Oblaten u.s.w. herzustellen. Seife oder zerbrechliche Gegenstände dürfen in Rohrpostbriefen nicht enthalten sein, da letztere behufs Einlegens in die Briefbehälter gerollt werden müssen.

Zur Benutzung der Rohrpost sind besondere, den Erfordernissen des Betriebs entsprechende gestempelte Briefumschläge und Postkarten auf hellrotem Papier hergestellt und bei allen hießigen Post- bz. Telegraphenämter, sowie bei den amtlichen Verkaufsstellen für Postwertzeichen zum Betrage des Wertstempels käuflich zu haben. Eine Verpflichtung zur Verwendung dieser Briefumschläge und Postkarten besteht zwar nicht; jedoch ist im Interesse des pünktlichen Betriebs diese Verwendung dringend zu raten. Soweit die gestempelten Umschläge oder Karten für die Rohrpost vom Absender nicht benutzt werden, muß derselbe die zur Versendung mit der Rohrpost bestimmten Briefe und Postkarten auf der Vorderseite oben links mit der deutlichen und zu unterstreichenden Bezeichnung "Rohrpost" versehen. Die Bestellung der Rohrpostsendungen erfolgt durch Eilboten. Die im Voraus zu entrichtende Gebühr für die Beförderung und Bestellung der Rohrpostsendungen beträgt:

a) für Briefe 30 Pfennig,
b) für Postkarten 25 Pfennig.

Soweit die besonderen gestempelten Umschläge oder Karten nicht verwendet werden, müssen die mit der Rohrpost zu befördernden Sendung vom Absender mit dem zur Darstellung oder Ergänzung des Wertbetrags von 30 bz. 25 Pfennig erforderlichen Postfreimarken beklebt sein. Unfrankierte bz. ungenügend frankierte oder sonst zur Beförderung mit der Rohrpost nicht geeignete Sendungen werden wie gewöhnliche Stadtpostsendungen behandelt. Die Beförderung der Rohrpostsendungen erfolgt täglich in der Zeit zwischen 8 Uhr Vormittags und 9 Uhr Abends in viertelstündigen Zeiträumen vermittels der zwischen den Rohrpostämtern laufenden Rohrpostzügen, und von den Bestellungsämtern ab durch besondere Boten. Rohrpostsendungen können in Berlin bei allen Post- bz. Telegraphenämtern eingeliefert, auch in jeden Postbriefkasten gelegt werden; es empfiehlt sich jedoch, falls an einer beschleunigteren Beförderung gelegen ist, die Sendung bei einem Rohrpostamte einzuliefern.

Die nachbezeichneten Verkehrsanstalten in Berlin haben Rohrpostverbindungen: a) das Haupt-Telegraphenamt, Französische Straße 33 b/c (Rohrpostamt); b) das Postamt 53 in der Seydelstraße 11 (Rohrpostamt 2); c) das Postamt 42 in der Ritterstraße 26 (mit dem Rohrpostamt 3 in der Ritterstraße 7 verbunden); d) das Postamt 13 in der Neuenburger Straße (Rohrpostamt 4); e) das Postamt 41 in der Mauerstraße 69 (Rohrpostamt 5); f) das Telegraphenamt am Potsdammer Thor (Rohrpostamt 6); g) das Telegraphenamt am Brandenburger Thor (Rohrpostamt 7); h) das Postamt 30 in der verlängerten Genthiner Straße 27 (Rohrpostamt 8); i) das Telegraphenamt im Börsengebäude (Rohrpostamt 9); k) das Postamt 24 in der Oranienburger Straße 35/36 (Rohrpostamt 10); l) das Postamt 54 in der Lothringer Straße 61 (Rohrpostamt 11); m) das Postamt 43 in der Neuen Königstraße 70 (Rohrpostamt 12); n) das Hof-Postamt in der Königstraße (Rohrpostamt 13); o) das Postamt 55 in der Invalidenstraße 70a (Rohrpostamt 14); p) das Postamt 27 in der Wallnerstraße 10 (Rohrpostamt 15).


1876 26.12 Rohrpost in Berlin Amtsbl.96/266 S. 547


Die Rohrpost in Berlin wird von jetzt ab auch für Briefe und Postkarten, welche nach Orten außerhalb Berlins gerichtet sind, auf Verlangen der Absender in der Weise nutzbar gemacht werden, dass die Sendungen bis zu demjenigen Rohrpostamt, welches dem betreffenden Bahnhofe zunächst belegen ist, mittelst der Rohrpost befördert und dann durch besondere Boten unmittelbar den betreffenden Bahnposten zugeführt werden.

Die in solcher Weise zu befördernden Briefe und Postkarten müssen, insofern nicht die für die Rohrpost hergestellten besonderen Briefumschläge bzw. Postkarten verwendet werden, mit einem das Verlangen der Beförderung mit der Rohrpost ausdrückenden Vermerke versehen sein. Im Übrigen müssen sie den für Rohrpostsendungen bestehenden Bestimmungen entsprechen, insbesondere auch vom Absender außer mit dem gewöhnlichen Porto noch mit der Gebühr von 30 bz. 25 Pf. für die Rohrpostbeförderung frankiert werden.

Bei der Bestimmungs-Postanstalt werden streckenweise mit der Rohrpost beförderten Briefe etc. in Bezug auf die Bestellung und sonstige Behandlung den gewöhnlichen Briefen gleichgeachtet. Die etwa darunter befindlichen Eilbriefe sind am Bestimmungsort durch Eilboten zu bestellen. Den Eilbriefzettel hat nicht das Aufgabebeamte, sonder die Bahnpost beizufügen.




1877 03.03 Benutzung der Rohrpost in Berlin – für Briefe etc. von außerhalb Amtsbl.15/51 S. 65


Nachstehende Bekanntmachung ist durch die Zeitungen veröffentlicht worden und wird den Verkehrsanstalten zur Kenntnisnahme und Beachtung mit der Veranlassung mitgeteilt: Abschrift der Bekanntmachung durch Aushang an den Schalterstellen zur allgemeinen Kenntnis zu bringen.

Die Rohrpost in Berlin soll fortan auch für Briefe und Postkarten von außerhalb in der Weise nutzbar gemacht werden, daß auf Verlangen der Absender die betreffenden Briefe und Postkarten sofort nach ihrem Eingang in Berlin mittelst der Rohrpost demjenigen Rohrpostamt zugeführt werden, in dessen Bezirk die Wohnung des Empfängers belegen ist, wonächst die Bestellung der Sendung ohne Verzug durch besonderen Boten erfolgt. Vermittelst der Rohrpost wird gegenwärtig die schnellste Besorgung der Sendung innerhalb Berlins erzielt, so daß deren Benutzung auch der Bestellung durch Eilboten in der Regel vorzuziehen ist. Die für die Rohrpost bestimmten Sendungen von außerhalb, welche in Berlin in der Zeit eingehen, während welcher der Rohrpostdienst ruht, werden den Empfängern durch Eilboten überbracht.

Die mit der Rohrpost zu befördernden Briefe dürfen in der Länge 12 1/2 Zentimeter, in der Breite 8 Zentimeter und im Gewicht 10 Gramm nicht übersteigen. Der Verschluss ist mittelst Gummi, Oblaten etc. - nicht mit Siegellack - herzustellen. Seife oder zerbrechliche Gegenstände dürfen in Rohrpostbriefen nicht eingelegt werden. Die Sendungen sind, falls nicht etwa die für die Rohrpost in Berlin hergestellten und nur hier verkäuflichen besonderen Briefumschläge bzw. Postkarten benutzt werden, auf der Vorderseite oben links mit der deutlichen und zu unterstreichenden Bezeichnung "Rohrpost" zu versehen. Außer mit dem gewöhnlichen Porto müssen die Briefe und Postkarten mit der Gebühr von 30 bz. 25 Pf. für die Rohrpostbeförderung frankiert werden. Der General-Postmeister


1877 12.04 Einführung von Rohrpostkarten mit bezahlter Antwort Amtsbl.22/71 S. 105


Nachstehende Bekanntmachung ist durch die Zeitung veröffentlicht worden und wird den Verkehrsanstalten zur Beachtung mit der Veranlassung mitgeteilt: Abschrift der Bekanntmachung durch Aushang an den Schalterstellen zur allgemeinen Kenntniss zu bringen:

Bekanntmachung betreffend die Einführung von Rohrpostkarten mit bezahlter Antwort.

Mit der Rohrpost in Berlin können vom 20.April ab auch Postkarten mit bezahlter Antwort befördert werden. Die zu diesem Behufe hergestellten Doppelkarten sind vom bezeichneten Tage ab bei allen Post- bz. Telegraphenämtern, sowie bei den amtlichen Verkaufsstellen, zum Betrage des Wertstempels von 50 Pfennig käuflich zu haben.

Die Einführung der Rohrpostkarten mit bezahlter Antwort gilt einstweilen als Versuch. Falls daraus im Hinblick auf die Eigenthümlichkeit des Rohrpostdienstes Unzuträglichkeiten entstehen sollten, bleibt die Zurückziehung vorbehalten.

Der General-Postmeister
 
Werner Steven Am: 12.10.2013 12:30:31 Gelesen: 301879# 910 @  
1885 Rohrpost-Betriebs-Ordnung

Wer bitte kann die Betriebs-Ordnung einstellen



1903 06.08 Rohrpostordnung für Berlin ZBL S. 598

Auf Grund des §.50 des Gesetztes über das Postwesen vom 28.Oktober 1871 wird für den Verkehr innerhalb des Rohrpostbezirks nachstehende Rohrpostordnung erlassen:

§ 1 Umfang des Rohrpostbezirks Berlin
Der Rohrpostbezirk Berlin umfaßt die Bestellbezirke der Postämter in Berlin, Charlottenburg, Friedenau, Halensee, Plötzensee, Nixdorf, Schöneberg, Westend innerhalb des Charlottenburger Gemeindebezirks und Wilmersdorf.

§ 2 Benutzung der Rohrpost
Zur Beförderung als Rohrpostsendung sind unter den nachfolgenden Bestimmungen zulässig: 1. Briefe, 2. Postkarten, und 3. Postkarten mit Antwort.
Die Verwaltung hat das Recht, die Rohrpost zeitweise ganz oder zum Teil für alle oder gewisse Gattungen von Sendungen zu schließen.

§ 3 Allgemeine Bestimmungen
Die Bestimmungen der jeweilig gültigen Postordnung hinsichtlich
1. der gewöhnlichen Briefe und Postkarten;
2. der Außerkurssetzung, der Bareinlösung, des Umtausches von Postwertzeichen sowie hinsichtlich des Verbots der Verwendung ausgeschnittener Frankostempel finden auch auf Rohrpostsendungen Anwendung, soweit nachstehend nicht besondere Bestimmungen getroffen sind.

§ 4 Gewicht und Beschaffenheit der Rohrpostsendungen
Das Meistgewicht für Rohrpostbriefe beträgt 20 Gramm. Rohrpostbriefe dürfen 12,5 cm in der Länge und 8 cm in der Breite nicht überschreiten. Aufklebungen auf der Rückseite der Postkarten sind nur mit den durch §.8 I festgesetzten Ausnahmen zulässig.

§ 5 Kennzeichnung der Rohrpostsendungen
Rohrpostsendungen müssen, sofern nicht die gestempelten Formulare zu Rohrpostumschlägen und Rohrpostkarten (§.15) verwendet werden, auf der Vorderseite am oberen Rande mit der deutlichen, zu unterstreichenden Bezeichnung "Rohrpost" versehen sein.

§ 6 Aufschrift der Rohrpostsendung
In der Aufschrift der Rohrpostsendung ist die Wohnung des Empfängers genau zu bezeichnen.

§ 7 Gebühren für die Rohrpostsendungen
Die Gebühr für die Beförderung und die Bestellung innerhalb des Rohrpostbezirks beträgt:
1. für Rohrpostbriefe 30 Pf.
2. für Rohrpostkarten 25 "
3. für Rohrpostkarten mit bezahlter Antwort 50 "
Für unzureichend frankierte Rohrpostsendungen wird der einfache Betrag des fehlenden Gebührenteils (Ergänzungsgebühr) und daneben eine Zuschlaggebühr von 10 Pf. erhoben.

§ 8 Von der Rohrpostbeförderung ausgeschlossenen Gegenstände
I von der Rohrpostbeförderung werden ausgeschlossen:
1. Sendungen, welche Geldstücke oder sonstige steife oder zerbrechliche Gegenstände enthalten, mit Siegellack verschlossen sind oder in die zur Beförderung dienenden Büchsen nicht eingelegt werden können, ohne Schaden zu nehmen, oder welche bei der Verpackung und Beförderung Schwierigkeiten bereiten;
2. unfrankierte Sendungen;
3. unzureichend frankierte Sendungen, die nur streckenweise mit der Rohrpost befördert werden sollen (§.16 II);
4. Wert-, Einschreib- und Nachnahmesendungen;
5. Briefe mit Zustellurkunde.
II Durch die Briefkasten aufgelieferten Sendungen, die als Rohrpostsendungen bezeichnet, jedoch nach vorstehenden Bestimmungen von der Rohrpostbeförderung ausgeschlossen sind, werden, soweit es nach den Vorschriften der Postordnung angängig ist und soweit die Bestimmungen in §.16 II und III dem nicht entgegenstehen, wie durch Eilboten zu bestellende Sendungen behandelt.

§ 9 Ort der Einlieferung
I Rohrpostsendungen sind bei den mit Rohrpostbetrieb ausgestatteten Post- und Telegraphenanstalten mittelst der in den Schaltervorräumen befindlichen besonderen Briefkästen oder Einwürfe für Rohrpostsendungen und, wenn solche Einwürfe nicht vorhanden sind, an der Annahmestelle aufzuliefern.
II Rohrpostsendungen können auch den Telegraphen- und Rohrpostboten bei der Bestellung von Rohrpostsendungen und Telegrammen zur Besorgung der Auflieferung übergeben werden. Für die Mitnahme von Rohrpostsendungen durch die Boten kommt eine besondere Gebühr nicht zur Erhebung.
III Rohrpostsendungen können ferner bei den innerhalb des Rohrpostbezirks gelegenen Post- und Telegraphenanstalten ohne Rohrpostbetrieb eingeliefert werden. Ein Recht, die Beförderung derartiger Sendungen durch besondere Boten nach der nächsten Rohrpostbetriebsstelle zu beanspruchen, besteht jedoch nicht. Das gleiche gilt von den in den gewöhnlichen Postbriefkasten vorgefundenen Rohrpostsendungen.

§ 10 Zeit der Einlieferung
I Die Einlieferung bei den Rohrpostbetriebsstellen muß während der Schalterdienststunden geschehen.
II Die Schalterdienststunden für den Rohrpostverkehr beginnen in der Zeit vom 1. April bis 30.September um 7 Uhr morgens, in der Zeit vom 1.Oktober bis 31.März um 8 Uhr morgens und dauern während des ganzen Jahres bis 10 Uhr abends. Eine Beschränkung der Dienststunden an den Sonn- und Feiertagen tritt nicht ein.
III Als Schlußzeit für die Einlieferung gilt in der Regel eine Frist von drei Minuten vor dem planmäßigen Abgange des Rohrpostzuges.
IV Falls die ordnungsmäßige Bearbeitung der Rohrpostsendungen innerhalb der vorbezeichneten Frist wegen besonderer örtlicher Verhältnisse nicht ausführbar sein sollte, so können die Schlußzeiten angemessen verlängert werden. Das gleiche gilt im Einzelfalle bei gleichzeitiger Einlieferung größerer Mengen von Rohrpostsendungen durch denselben Absender.
V Die in den Schaltervorräumen der Post- und Telegraphenanstalten mit Rohrpostbetrieb befindlichen Briefkasten für Rohrpostsendungen werden vor Eintritt der Schlußzeit eines jeden Rohrpostzugs geleert.
VI Rohrpostsendungen, welche nach Schluß der Schalterdienststunden zur Abgabe gelangen, werden, sofern sie den Bestimmungen der Postordnung entsprechen, nach Maßgabe dieser wie durch Eilboten zu bestellende Sendung behandelt.

§ 11 Leitung der Rohrpostsendungen
Auf welchem Wege und an welches Bestellungsamt die Rohrpostsendungen zu leiten sind, wird von der Postbehörde bestimmt.

§ 12 Bestellung der Rohrpostsendungen
I Rohrpostsendungen werden dem Empfänger nach der Ankunft bei der Bestimmungs-Rohrpostbetriebsstelle durch besonderen Boten zugestellt.
II Rohrpostsendungen, die mit richtiger Aufschrift versehen sind, und deren Bestellung versucht, aber aus irgend einem Grunde bis zum Schlusse der Rohrpostbestellung nach den Bestimmungen der Postordnung über die Bestellung und Aushändigung der gewöhnlichen Briefsendungen sich nicht mehr ermöglichen lassen, können während des Schlusses der Schalterstunden (während der Nacht) bei derjenigen Anstalt abgeholt werden, welche auf dem an der Tür usw. des Empfängers vom Boten zurückgelassenen Benachrichtigungszettel angegeben ist. Nicht abgeholte Rohrpostsendungen werden am nächsten Morgen durch besonderen Boten bestellt.

§ 13 Aushändigung von postlagernden Rohrpostsendungen
Rohrpostsendungen mit dem Vermerk "Postlagernd", jedoch ohne Angabe der Anstalt, bei welcher die Sendung lagern soll, werden in Berlin bei Hof-Postamt, in Charlottenburg, Nixdorf und Schöneberg bei den Postämtern Nr.1 und in Wilmersdorf bei dem Postamt in Wilmersdorf aufbewahrt.

§ 14 Nachsendung und Behandlung unbestellbarer Rohrpostsendungen
I Die Nachsendung sowie die Rücksendung der Rohrpostsendungen erfolgt innerhalb des Rohrpostbezirks mittelst Rohrpost und ohne Ansatz einer weiteren Gebühr. Bei der Nachsendung, Rücksendung oder weiteren Versendung nach Orten außerhalb des Rohrpostbezirks wird noch das gesetzliche Porto für den Fernverkehr oder die postordnungsmäßige Gebühr für den Orts- oder Nachbarortsverkehr in Ansatz gebracht.
II Nachgesandte, zurückgesandte oder weiter gesandte Rohrpostsendungen werden innerhalb des Rohrpostbezirks auch hinsichtlich der Bestellung als Rohrpostsendung behandelt.

§ 15 Verkauf von Rohrpostbriefumschlägen und Rohrpostkarten
Rohrpostbriefumschläge und Rohrpostkarten werden zum Nennwert des Stempels an das Publikum abgelassen und können innerhalb des Rohrpostbezirks außer bei den Post- und Telegraphenanstalten auch bei den amtlichen Verkaufsstelle bezogen werden.

§ 16 Streckenweise mit der Rohrpost zu befördernde Sendungen
I Zur Beförderung mit der Rohrpost geeignete, im übrigen postordnungsmäßig beschaffene Briefe und Postkarten, deren Aufgabe- und Bestimmungsort außerhalb des Rohrpostbezirks liegt, könne auf Verlangen der Absender streckenweise mit der Rohrpost befördert werden.
II Streckenweise mit der Rohrpost zu befördernde Sendungen müssen frankiert werden; dem gesetzlichen Porto oder der postordnungsmäßigen Gebühr tritt die nach §.7 für die Rohrpostbeförderung zu erhebenden Gebühr hinzu. Unfrankierte oder unzureichend frankierte Sendungen dieser Art werden wie gewöhnliche Briefsendungen behandelt.
III Streckenweise mit der Rohrpost zu befördernde Sendungen, die an Empfänger innerhalb des Rohrpostbezirks gerichtet sind, werden hinsichtlich der Bestellung nach §.12 behandelt. Sind derartige Sendungen an Empfänger außerhalb des Rohrpostbezirks gerichtet, so werden sie am Bestimmungsorte nur dann durch Eilboten bestellt, wenn die Eilbestellung nach Maßgabe der Postordnung ausdrücklich verlangt ist. Die Gebühr hierfür tritt den Sätzen unter §.16 II hinzu, doch ist ihre Vorausbezahlung nicht erforderlich.

Berlin, W 66, den 6.August 1903 Der Reichskanzler In Vertretung: Kraetke
Der Reichspostminister Giesberts
 
Schmuggler Am: 12.10.2013 12:45:47 Gelesen: 301873# 911 @  
@ Werner Steven [#910]

Die möglichen Rohrpost-Ordnungen von 1874 und 1877 sind bisher nicht bekannt geworden

Die Rohrpost-Ordnungen von 1885 und 1893 wurden in der Vergangenheit inhaltlich bereits hier besprochen. Komplett sind sie sehr umfangreich und nicht "einfach so" hier einzustellen.

Kurz: Die Strukturen stehen zumindest bis 1933 - unklar sind, wie in einigen Beiträgen angeklungen, einige Details, wie z. B. um den 1.10.1920 herum.

Könnten Sie bitte ergänzen?!
 
Werner Steven Am: 12.10.2013 13:27:54 Gelesen: 301859# 912 @  
1909 30.01 Rohrpostordnung für Berlin ZBL S. 22
mit eingearbeiteten Änderungen

Auf Grund des §.50 des Gesetztes über das Postwesen vom 28.Oktober 1871 wird für den Verkehr innerhalb des Rohrpostbezirks nachstehende Rohrpostordnung erlassen:

§ 1 Umfang des Rohrpostbezirks Berlin
Der Rohrpostbezirk Berlin umfaßt die Bestellbezirke der Postämter in Berlin, Charlottenburg, Friedenau, Halensee, Plötzensee, Nixdorf, Schöneberg, Westend, Wilmersdorf sowie a) vom Bestellbezirk des Postamts in Boxhagen-Rummelsburg 1 den Teil innerhalb der Ringbahn, b) vom Bestellbezirk der Postagentur in Treptow bei Berlin die Grundstücke Treptower Chausee 15 bis 18.
1.07.22 Der § 2 wird § 1; aus § 1 wird § 2.
1.07.22 "§ 1 Benutzung der Rohrpost — Die dem allgemeinen Verkehr geöffneten Rohrpostbetriebsstellen von Groß-Berlin sind durch ein Rohrpostnetz miteinander verbunden und bilden mit ihren Ortszustellbezirken den Rohrpostbezirk Berlin. Die Erweiterung des Rohrpostnetzes und die Einrichtung neuer Rohrpostbetriebsstellen erfolgt nach Maßgabe der Bedürfnisse durch die Reichs-Postverwaltung.

§ 2 Benutzung der Rohrpost

Zur Beförderung als Rohrpostsendung sind unter den nachfolgenden Bestimmungen zulässig:
1. Briefe,
2. Postkarten, und
1.04.21 “3. Postkarten mit Antwort”. — Die Verwaltung hat das Recht, die Rohrpost zeitweise ganz oder zum Teil für alle oder gewisse Gattungen von Sendungen zu schließen.
1.07.22 "§ 2 Umfang des Rohrpostbezirks Berlin — Zur Beförderung als Rohrpostsendung sind unter den nachfolgenden Bestimmungen zulässig: 1) Briefe, 2) Postkarten, die innerhalb Groß-Berlins aufgeliefert werden oder nach Groß-Berlin gerichtet sind und wenigstens streckenweise mit der Rohrpost befördert werden. — Die Verwaltung hat das Recht, die Rohrpost zeitweise ganz oder zum Teil für alle oder gewisse Gattungen von Sendungen zu schließen.

§ 3 Allgemeine Bestimmungen
Die Bestimmungen der jeweilig gültigen Postordnung hinsichtlich
1. der gewöhnlichen Briefe und Postkarten;
2. der Außerkurssetzung, der Bareinlösung, des Umtausches von Postwertzeichen sowie hinsichtlich des Verbots der Verwendung ausgeschnittener Frankostempel
1.07.22 2. des Verkaufs von Postwertzeichen — finden auch auf Rohrpostsendungen Anwendung, soweit nachstehend nicht besondere Bestimmungen getroffen sind.

§ 4 Gewicht und Beschaffenheit der Rohrpostsendungen

Das Meistgewicht für Rohrpostbriefe beträgt 20 Gramm. Rohrpostbriefe dürfen 12,5 cm in der Länge und 8 cm in der Breite nicht überschreiten. Aufklebungen auf der Rückseite der Postkarten sind nur mit den durch §. 8 I festgesetzten Ausnahmen zulässig.

§ 5 Kennzeichnung der Rohrpostsendungen

Rohrpostsendungen müssen, sofern nicht die gestempelten Formulare zu Rohrpostumschlägen und Rohrpostkarten (§.15) verwendet werden, auf der Vorderseite am oberen Rande mit der deutlichen, zu unterstreichenden Bezeichnung "Rohrpost" versehen sein.

§ 6 Aufschrift der Rohrpostsendungen

In der Aufschrift der Rohrpostsendung ist die Wohnung des Empfängers genau zu bezeichnen.

§ 7 Gebühren für die Rohrpostsendungen

Die Gebühr für die Beförderung und die Bestellung innerhalb des Rohrpostbezirks beträgt im Frankierungsfalle:

Bei unfrankierten Rohrpostsendungen tritt eine Zuschlaggebühr von 10 Pf. hinzu.
Bei unzureichend frankierte Rohrpostsendungen wird der einfache Betrag des fehlenden Gebührenteils (Ergänzungsgebühr) und daneben eine Zuschlaggebühr von 10 Pf. erhoben. Portopflichtige Dienstbriefe werden mit Zuschlaggebühr nicht belegt.
6.05.1920 neue Fassung:
" I Die Gebühr für die Beförderung und die Bestellung innerhalb des Rohrpostbezirks beträgt: [siehe Tabelle]
II Für nicht oder unzureichend freigemachte Rohrpostsendungen wird das Doppelte des Fehlbetrags, für gebührenpflichtige Dienstbriefe und Postkarten, wenn sie als solche durch die vorgeschriebene Bezeichnung erkennbar gemacht sind, der einfache Fehlbetrag nebst einem Zuschlag von 10 Pfennig nacherhoben. Die nachzuerhebenden Beträge werden auf eine durch 5 teilbare Pfennigsumme nach oben abgerundet."
1.04.1921 neue Fassung:
" I Die Gebühr für die Beförderung und die Bestellung innerhalb des Rohrpostbezirks beträgt: [siehe Tabelle]
II Die Rohrpostbriefe und Rohrpostkarten sind vollständig freizumachen. Ist dies nicht geschehen, so wird für nicht- oder unzureichend freigemachte Rohrpostsendungen das Doppelte des Fehlbetrags, für gebührenpflichtige Dienstpostkarten und -briefe, wenn sie als solche durch eine vom Reichspostminister festzustellende Bezeichnung erkennbar gemacht sind, der einfache Fehlbetrag nebst einem Zuschlag von 30 Pfennig nacherhoben."
1.01.1922] neue Fassung:
" I Die Gebühr für die Beförderung und die Bestellung innerhalb des Rohrpostbezirks beträgt: [siehe Tabelle]
II Die Rohrpostbriefe und Rohrpostkarten sind vollständig freizumachen. Ist dies nicht geschehen, so wird für nicht- oder unzureichend freigemachte Rohrpostsendungen das Doppelte des Fehlbetrags, mindestens ein Betrag von 50 Pfennig, für nicht freigemachte gebührenpflichtige Dienstpostkarten und -briefe, wenn sie als solche durch eine vom Reichspostminister festzustellende Bezeichnung erkennbar gemacht sind, die einfache Gebühr nebst einem Zuschlag von 30 Pfennig nacherhoben."
1.07.1922 neue Fassung:
" I Die Gebühr für die Beförderung von Rohrpostsendungen und für deren Zustellung im Ortsbestellbezirk des Bestimmungs-Postorts beträgt:
a) wenn Aufgabeort und Bestimmungsort innerhalb des Geltungsbereichs der Ortsbriefgebühr von Groß Berlin liegen,
b) wenn der Aufgabeort oder der Bestimmungsort außerhalb des Geltungsbereichs der Ortsbriefgebühr von Groß Berlin liegen, [siehe in beiden Fällen die Tabelle]
1.10.22 neue Fassung:
" I Für die Beförderung von Rohrpostsendungen und für deren Zustellung im Ortsbestellbezirk des Bestimmungs-Postorts werden erhoben die Gebühr für die gewöhnliche Orts- oder Fernbriefsendungen gleicher Art nebst der Eilbestellgebühr für eine Briefsendung im Ortszustzellbezirk und ein Zuschlag für die Rohrpostbeförderung in Höhe der Gebühr für einen Ortsbrief oder für eine Ortspostkarte. Der sich bei der Berechnung ergebende Gesamtbetrag wird auf volle Mark nach ober abgerundet."
II Streckenweise mit der Rohrpost zu befördernde Sendungen werden bei der Beförderung außerhalb des Rohrpostnetzes Berlin und bei der Bestellung an einen Bestimmungsort ohne Rohrpostbetriebststelle wie Eilsendungen behandelt. Die Gebühr für die Eilbestellung im Ortsbezirk ist in den Sätzen unter I mitenthalten, für die Zustellung im Landbestellbezirk wird daneben der Unterschied zwischen den Gebührensätzen für die Orts- und für die Landbestellung nach der Postordnung (§ 22,V) erhoben.
III Die Rohrpostbriefe und Rohrpostkarten sind vollständig freizumachen. Ist dies nicht geschehen, so wird für nicht- oder unzureichend freigemachte private Rohrpostsendungen das Doppelte des Fehlbetrags, mindestens ein Betrag von 50 Pfennig, gebührenpflichtige Dienstsendungen, sofern sie als solche durch eine vom Reichspostminister festzustellende Bezeichnung erkennbar gemacht sind, die einfache Gebühr nebst einem Zuschlag von 30 Pfennig nacherhoben. Die nachzuerhebenden Beträge werden auf eine durch 10 teilbare Pfennigsumme nach oben abgerundet. [aufgerundet]"
15.11.22 neue Fassung:
III Die Rohrpostbriefe und Rohrpostkarten sind vollständig freizumachen. Ist dies nicht geschehen, so wird für nicht- oder unzureichend freigemachte Rohrpostsendungen das Doppelte des Fehlbetrags, mindestens ein Betrag von 50 Pfennig, für nichtfreigemachte gebührenpflichtige Dienstsendungen, wenn sie als solche durch eine vom Reichspostminister festzustellende Bezeichnung erkennbar gemacht sind, die einfache Gebühr nebst einem Zuschlag von 30 Pfennig nacherhoben. Die nachzuerhebenden Beträge werden auf eine durch 10 teilbare Pfennigsumme nach oben abgerundet. [aufgerundet]"
14.02.23 neue Fassung
III Die Rohrpostsedungen sind vollständig freizumachen. Für die Festsetzung der Nachgebühr bei nicht- oder unzureichend freigemachte Rohrpostsendungen gelten die Bestimmungen des Gesetzes über Postgebühren vom 19.Dezember 1921 nebst den auf Grund diese Gestzes ergangenen Verordnungen.

§ 8 Von der Rohrpostbeförderung ausgeschlossenen Gegenstände
I Von der Rohrpostbeförderung werden ausgeschlossen:
1 Sendungen, welche Geldstücke oder sonstige steife oder zerbrechliche Gegenstände enthalten, mit Siegellack verschlossen sind oder in die zur Beförderung dienenden Büchsen nicht eingelegt werden können, ohne Schaden zu nehmen, oder welche bei der Verpackung und Beförderung Schwierigkeiten bereiten;
2 Wert-, Einschreib- und Nachnahmesendungen;
3 Briefe mit Zustellurkunde.;
1.07.22 anfügen: "4 Sendungen, deren Bestimmungsort außerhalb des Reichs-Postgebiets liegt."
II Durch die Briefkasten aufgelieferten Sendungen, die als Rohrpostsendungen bezeichnet, jedoch nach vorstehenden Bestimmungen von der Rohrpostbeförderung ausgeschlossen sind, werden, soweit es nach den Vorschriften der Postordnung angängig ist, wie durch Eilboten zu bestellende Sendungen behandelt.

§ 9 Ort der Einlieferung

I Rohrpostsendungen sind bei den mit Rohrpostbetrieb ausgestatteten Post- und Telegraphenanstalten mittelst der in den Schaltervorräumen befindlichen besonderen Briefkästen oder Einwürfe für Rohrpostsendungen und, wenn solche Einwürfe nicht vorhanden sind, an der Annahmestelle aufzuliefern.
II Rohrpostsendungen können auch den Telegraphen- und Rohrpostboten bei der Bestellung von Rohrpostsendungen und Telegrammen zur Besorgung der Auflieferung übergeben werden. `Für die Mitnahme von Rohrpostsendungen durch die Boten kommt eine besondere Gebühr nicht zur Erhebung.'
1.07.22 zweiten Satz ersetzen "Für die Mitnahme von Rohrpostsendungen durch diese Boten wird eine Zuschlaggebühr von 75 Pfennig für jede Sendung erhoben. Die anderweitige Mitnahme regelt sich nach den Bestimmungen der Postordnung (§ 29), wobei die Rohrpostsendungen als gewöhnliche Briefsendungen gelten."
15.11.22 zweiten Satz ersetzen "Für die Mitnahme von Rohrpostsendungen durch diese Boten wird eine Zuschlaggebühr für jede Sendung erhoben, wie sie für die Mitnahme von Telegrammen durch den Telegraphenboten und die Landbesteller im $ 4,V der Telegraphenordnung festgesetzt ist."
III Rohrpostsendungen können ferner bei den innerhalb des Rohrpostbezirks gelegenen Post- und Telegraphenanstalten ohne Rohrpostbetrieb eingeliefert werden. Ein Recht, die Beförderung derartiger Sendungen durch besondere Boten nach der nächsten Rohrpostbetriebsstelle zu beanspruchen, besteht jedoch nicht. Das gleiche gilt von den in den gewöhnlichen Postbriefkasten vorgefundenen Rohrpostsendungen.

§ 10 Zeit der Einlieferung
I Die Einlieferung bei den Rohrpostbetriebsstellen muß während der Schalterdienststunden geschehen.
II Die Schalterdienststunden für den Rohrpostverkehr beginnen in der Zeit vom 1. April bis 30.September um 7 Uhr morgens, in der Zeit vom 1.Oktober bis 31.März um 8 Uhr morgens und dauern während des ganzen Jahres bis 10 Uhr abends. Eine Beschränkung der Dienststunden an den Sonn- und Feiertagen tritt nicht ein.
1.04.1921 neue Fassung:
" II Die Schalterdienststunden für den Rohrpostverkehr werden nach den Verhältnissen der Postbezirke festgesetzt und durch Anschläge bekanntgemacht."
III Als Schlußzeit für die Einlieferung gilt in der Regel eine Frist von drei Minuten vor dem planmäßigen Abgange des Rohrpostzuges.
IV Falls die ordnungsmäßige Bearbeitung der Rohrpostsendungen innerhalb der vorbezeichneten Frist wegen besonderer örtlicher Verhältnisse nicht ausführbar sein sollte, können die Schlußzeiten angemessen verlängert werden. Das gleiche gilt im Einzelfalle bei gleichzeitiger Einlieferung größerer Mengen von Rohrpostsendungen durch denselben Absender.
V Die in den Schaltervorräumen der Post- und Telegraphenanstalten mit Rohrpostbetrieb befindlichen Briefkasten für Rohrpostsendungen werden vor Eintritt der Schlußzeit eines jeden Rohrpostzugs geleert.
VI Rohrpostsendungen, welche nach Schluß der Schalterdienststunden zur Abgabe gelangen, werden, sofern sie den Bestimmungen der Postordnung entsprechen, nach Maßgabe dieser wie durch Eilboten zu bestellende Sendung behandelt.

§ 11 Leitung der Rohrpostsendungen
Auf welchem Wege und an welches Bestellungsamt die Rohrpostsendungen zu leiten sind, wird von der Postbehörde bestimmt.
§ 12 Bestellung der Rohrpostsendungen
I Rohrpostsendungen werden dem Empfänger nach der Ankunft bei der Bestimmungs-Rohrpostbetriebsstelle durch besonderen Boten zugestellt.
II Rohrpostsendungen, die mit richtiger Aufschrift versehen sind, und deren Bestellung versucht, aber aus irgend einem Grunde bis zum Schlusse der Rohrpostbestellung nach den Bestimmungen der Postordnung über die Bestellung und Aushändigung der gewöhnlichen Briefsendungen sich nicht mehr ermöglichen lassen, können während des Schlusses der Schalterstunden (während der Nacht) bei derjenigen Anstalt abgeholt werden, welche auf dem an der Tür usw. des Empfängers vom Boten zurückgelassenen Benachrichtigungszettel angegeben ist. Nicht abgeholte Rohrpostsendungen werden am nächsten Morgen durch besonderen Boten bestellt.

§ 13 Aushändigung von postlagernden Rohrpostsendungen

Rohrpostsendungen mit dem Vermerk "Postlagernd", jedoch ohne Angabe der Anstalt, bei welcher die Sendung lagern soll, werden in Berlin bei dem Briefpostamt, in den übrigen Orten mit mehreren Postämtern bei dem Postamte 1 des betreffenden Ortes aufbewahrt.

§ 14 Nachsendung und Behandlung unbestellbarer Rohrpostsendungen

I Nachzusendende und zurückzusendende Rohrpostsendungen werden innerhalb des Rohrpostbezirks hinsichtlich der Beförderung und Bestellung ohne Ansatz einer besonderen Gebühr wie sonstige Rohrpostsendungen behandelt.
II Rohrpostsendungen, die nach Orten außerhalb des Rohrpostbezirks nach-, zurück- oder weiterzusenden sind, werden bis zur Grenze des Rohrpostbezirks als Rohrpostsendungen, weiterhin als gewöhnliche Briefsendungen behandelt. (01.04.1921 ab hier gestrichen bis Satzende. `unter Nacherhebung des gesetzlichen Portos oder der postordnungsmäßigen Gebühr für den Orts- und Nachbarortsverkehr'.
1.07.22 neue Fassung:
"§ 14 Nachsendung und Behandlung unbestellbarer Rohrpostsendungen
Nachzusendende und zurückzusendende Rohrpostsendungen werden hinsichtliche der Beförderung und Bestellung ohne neuen Gebührenansatz wie sonstige Rohrpostsendungen behandelt. Bei einer Überschreitung des Geltungsbereichs der ursprünglichen Freigebühr wird nur der Unterschied zwischen den Gebührensätzen unter § 7 1a und 1b nacherhoben; nicht- oder unzureichend freigemachte Sendungen werden bei einer Nachsendung so behandelt, als ob sie von vornherein nach dem neuen Bestimmungsort gerichtet gewesen wären. 01.07.22 Die §§ 15 und 16 fallen weg.

§ 15 Verkauf von Rohrpostbriefumschlägen und Rohrpostkarten
Rohrpostbriefumschläge und Rohrpostkarten werden zum Nennwert des Stempels an das Publikum abgelassen und können innerhalb des Rohrpostbezirks außer bei den Post- und Telegraphenanstalten auch bei den amtlichen Verkaufsstelle bezogen werden.

§ 16 Streckenweise mit der Rohrpost zu befördernde Sendungen

I Zur Beförderung mit der Rohrpost geeignete, im übrigen postordnungsmäßig beschaffene Briefe und Postkarten, könne auf Verlangen der Absender streckenweise mit der Rohrpost befördert werden, wenn
a) Aufgabe- oder Bestimmungsort innerhalb des Rohrpostbezirks liegen, oder
b) Aufgabe- und Bestimmungsort zwar außerhalb des Rohrpostbezirks liegen, aber wenigstens einer von beiden zum Ober-Postdirektionsbezirk Berlin gehört.
II Für streckenweise mit der Rohrpost zu befördernde Sendungen wird außer der Rohrpostgebühr (§.7) das gesetzlichen Porto und u.U. die postordnungsmäßigen Gebühr erhoben. `Für unfrankierte oder unzureichend frankierte Sendungen dieser Art wird der einfache Betrag der Gebühr oder des fehlenden Gebührenteils und daneben eine Zuschlaggebühr von 10 Pf. erhoben. 1.10.19 zweiter Satz gestrichen.
III Streckenweise mit der Rohrpost zu befördernde Sendungen, die an Empfänger innerhalb des Rohrpostbezirks gerichtet sind, werden hinsichtlich der Bestellung nach §.12 behandelt. Sind derartige Sendungen an Empfänger außerhalb des Rohrpostbezirks gerichtet, so werden sie am Bestimmungsorte nur dann durch Eilboten bestellt, wenn die Eilbestellung nach Maßgabe der Postordnung ausdrücklich verlangt ist. Die Gebühr hierfür tritt den Sätzen unter §.16 II hinzu, doch ist ihre Vorausbezahlung nicht erforderlich.
1.04.21 Absatz III gestrichen, Absatz II neue Fassung:
"II Für streckenweise mit der Rohrpost zu befördernde Sendungen wird die Rohrpostgebühr nach § 7 erhoben. Bei der Beförderung außerhalb des Rohrpostbezirks und bei der Bestellung an einem Bestimmungsort ohne Rohrpostbetriebsstelle werden solche Sendungen wie Eilsendungen behandelt, ohne daß hierfür eine Gebühr (150 Pf) zu entrichten ist. Bei Sendungen nach Orten ohne Postanstalt ist jedoch der Mehrbetrag für die Eilbestellung nach der Postordnung (§ 22,V) vom Absender zu entrichten."

Berlin, W 66, den 30.Januar 1909 Der Reichskanzler In Vertretung: Kraetke

1919 26.09 Änderung der Rohrpostordnung ab 01.10.1919 RGB S.1755
1920 30.04 Änderung der Rohrpostordnung ab 06.05.1920 RGB S. 843
1921 22.03 Änderung der Rohrpostordnung ab 01.04.1921 RGB S. 246
Die Gebühren für Rohrpostkarten und Rohrpostbriefe enthalten zugleich die Vergütung für die amtlich ausgegebenen Vordrucke. Ein Zuschlag für diese Vordrucke wird nicht erhoben.
Rohrpostsendungen, die teilweise außerhalb des Rohrpostnetzes zu befördern sind, unterliegen auch im Fernverkehr keiner weiteren Gebühr. Sie sind wie Eilsendungen zu behandeln. In den Gebührensätzen ist die Orts-Eilbestellgebühr enthalten. Bei Eilbestellung nach Landorten ohne Postanstalt ist der Mehrbetrag (der Unterschied zwischen dem Orts-Eilbestellgeld und der festen Land-Eilbestellgebühr für Briefe) vom Absender zu erheben. Ist die Vorausbezahlung durch den Absender unterblieben, so ist der Unterschied zwischen dem Orts-Eilbestellgeld von 150 Pf und den wirklich erwachsenen Botenkosten vom Empfänger einzuziehen.

1921 22.12 Änderung der Rohrpostordnung ab 01.01.1922 Amtsbl. 47/96 S. 246(RGB S.1603)
Auf Grund des Artikels 88 der Verfassung des Deutschen Reiches vom 11 August 1919 (RGB S.1383) wird die Rohrpostordnung für Berlin vom 30.Januar 1909 mit der Änderung vom 22.März 1921 mit Zustimmung des Reichsrats wie folgt geändert:
der § 7 erhält folgende Fassung:
"Die Gebühr für die Beförderung und die Bestellung innerhalb des Rohrpostbezirks beträgt:
für die Rohrpostkarte 4 Mark 50 Pfennig
für den Rohrpostbrief 5 Mark 50 Pfennig
Die Rohrpostkarten und Rohrpostbriefe sind vollständig freizumachen. Ist dies nicht geschehen, so wird für nicht- oder unzureichend freigemachte Rohrpostsendungen das Doppelte des Fehlbetrags, mindestens aber ein Betrag von 50 Pfennig, für nicht freigemachte gebührenpflichtige Dienstpostkarten und -briefe, wenn sie als solche durch eine vom Reichspostminister festzusetzende Bezeichnung erkennbar gemacht sind, die einfache Gebühr, nebst einem Zuschlag von 30 Pfennig nacherhoben.

Berlin, den 22. Dezember 1921 Der Reichspopstminister Giesberts
 
Werner Steven Am: 12.10.2013 14:12:44 Gelesen: 301836# 913 @  
1922 07.06 Änderung der Rohrpostordnung ab 1.07.1922 Amtsbl. 24/59 S. 112
Auf Grund des Artikels 88 der Verfassung des Deutschen Reiches vom 11 August 1919 (RGB S.1383) wird die Rohrpostordnung für Berlin vom 30.Januar 1909 nebst Änderung mit Zustimmung des Reichsrats wie folgt geändert:
1. Der § 2 wird mit § 1 vertauscht, erhält also die Bezeichnung "§ 1". Dann ist im ersten Absatzhinter "2. Postkarten" der Punkt durch einen Beistrich zu ersetzen und in der neuen Zeile fortzufahren: die innerhalb Groß-Berlins aufgeliefert werden oder nach Groß-Berlin gerichtet sind und wenigstens streckenweise mit er Rohrpost befördert werden können.
2. Der bisherige § 1 erhält die Bezeichnung "§ 2" und folgende neue Fassung: Die dem allgemeinen Verkehr geöffneten Rohrpostbetriebsstellen von Groß-Berlin sind durch ein Rohrpostnetz miteinander verbunden und bilden mit ihren Ortsbestellbezirken den Rohrpostbezirk Berlin. Die Erweiterung des Rohrpostnetzes und die Einrichtung neuer Rohrpostbetriebsstellen erfolgt nach Maßgabe des Bedürfnisses durch die Reichs-Postverwaltung.
3. Im § 3 erhält Ziffer 2 folgende Fassung: 2. des Verkaufs von Postwertzeichen.
4. § 7 hat zu lauten:
I Die Gebühr für die Beförderung von Rohrpostsendungen und für deren Zustellung im Ortsbestellbezirk des Bestimmungs-Postorts beträgt:
a wenn Aufgabeort und Bestimmungsort innerhalb des Geltungsbereichs der Ortsgebühr von Groß-Berlin liegen,
für die Rohrpostkarte 4 Mark
für den Rohrpostbrief 5 Mark
b wenn Aufgabeort oder Bestimmungsort außerhalb des Geltungsbereichs der Ortsgebühr von Groß-Berlin liegen,
für die Rohrpostkarte 5 Mark
für den Rohrpostbrief 7 Mark
II Streckenweise mit der Rohrpost zu befördernde Sendungen werden bei der Beförderung außerhalb des Rohrpostnetzes Berlin und bei der Bestellung an einem Bestimmungsort ohne Rohrpostbetriebsstelle wie Eilsendungen behandelt. Die Gebühr für die Eilbestellung im Ortsbezirk ist in den Sätzen unter 1 mit enthalten, für die Zustellung im Landbestellbezirk wird daneben der Unterschied zwischen den Gebührensätzen für die Orts- und für Landbestellung nach der Postordnung (" 22,V) erhoben.
III Rohrpostsendungen sind vom Absender vollständig freizumachen. Ist dies nicht geschehen, so wird für nicht- oder unzureichend freigemachte
a private Rohrpostsendungen das Doppelte des Fehlbetrags, mindestens aber ein Betrag von 50 Pfennig,
b gebührenpflichtige Dienstsendungen, sofern sie als solche durch eine vom Reichspostminister festzusetzende Bezeichnung erkennbar gemacht sind, der einfache Fehlbetrag, nebst einem Zuschlag von 30 Pfennig nacherhoben.
Die nachzuerhebenden Beträge werden auf eine durch 10 teilbare Pfennigsumme nach oben abgerundet.
5 Im § 8 unter I ist am Schluß statt des Punktes hinter "Zustellungsurkunde" ein Beistrich zu setzen und in neuer Zeile fortzufahren: 4. Sendungen, deren Bestimmungen außerhalb des Reichspostgebiets liegt.
6 Im § 9 unter II ist der zweite Satz durch folgendes zu ersetzen: Für die Mitnahme von Rohrpostsendungen durch diese Boten wird eine Zuschlaggebühr von 75 Pfennig für jede Sendung erhoben. Die anderweitige Mitnahme regelt sich nach den Bestimmungen der Postordnung (§ 29), wobei die Rohrpostsendungen als gewöhnliche Briefsendung gelten.
7 § 14 hat zu lauten: Nachzusendende und zurückzusendende Rohrpostsendungen werden hinsichtlich der Beförderung und Bestellung ohne neuen Gebührenansatz wie sonstige Rohrpostsendungen behandelt. Bei einer Überschreitung des Geltungsbereichs der ursprünglichen Freigebühr wird nur der Unterschied zwischen den Gebührensätzen unter § 7 Ia und Ib nach erhoben, als ob sie von vornherein nach dem neuen Bestimmungsort gerichtet gewesen wären.
8 Die §§ 15 und 16 fallen weg.
Diese Verordnung tritt mit dem 1.Juli 1922 in Kraft.
Berlin, den 1. Juni 1922 Der Reichspostminister Giesberts

Bemerkung: Die Gebühr einer Rohrpostsendung richtet sich nicht mehr danach, ob die Sendung im Rohrpostbezirk verbleibt, sondern danach, ob sie den Geltungsbereich der Ortsbriefgebühr von Groß-Berlin überschreitet oder nicht. Die Rohrpostsendungen, bei deren Beförderung die Grenzen Groß-Berlins überschritten werden, unterliegen künftig höhere Gebühren als die, die innerhalb Groß-Berlins aufgeliefert werden und zuzustellen sind.

1922 01.07 Verordnung über den Rohrpostverkehr in München RGB S. 562
Auf Grund des Artikels 88 der Verfassung des Deutschen Reiches vom 11 August 1919 (RGB S.1383) wird mit Zustimmung des Reichsrats bestimmt:
Die Bestimmungen der Rohrpostordnung für Berlin vom 30.Januar 1909 nebst Änderungen sind auf den Rohrpostbriefverkehr in München sinngemäß anzuwenden mit dem Abmaß, daß auch Postkarten mit Antwort als Rohrpostsendungen zugelassen werden und daß das Meistgewicht für Rohrpostbriefe 100 Gramm beträgt.
Die Gebühr beträgt,
a) wenn Aufgabeort und Bestimmungsort innerhalb des Geltungsbereichs der Ortsbriefgebühr von München liegen, für die Rohrpostkarte mit Antwort 8 RM.
für den Rohrpostbrief über 20 bis 100 g 6 RM
b) wenn der Aufgabeort oder der Bestimmungsort außerhalb des Geltunsbereichs der Ortsbriefgebühr von München liegt, für die Rohrpostkarte mit Antwort 10 RM.
für den Rohrpostbrief über 20 bis 100 g 8 RM
Diese Verordnung tritt mit der Verkündung in Kraft.
Berlin, den 1.Juli 1922

1922 13.09 Änderung der Rohrpostordnung ab 1.10.22 Amtsbl. 51/130 S. 308
Auf Grund des Artikels 88 der Verfassung des Deutschen Reiches vom 11. August 1919 wird die Rohrpostordnung für Berlin vom 30. Januar 1909, nebst Änderungen mit Zustimmung des Reichsrats wie folgt geändert.
Im § 1 hat der Abs. 1 zu lauten:
1. Für die Beförderung von Rohrpostsendungen und für deren Zustellung im Ortsbestellbezirk des Bestimmungs-Postorts werden erhoben: Die Gebühr für die gewöhnlichen Orts- oder Fernbriefsendungen gleicher Art nebst der Eilbestellgebühr für eine Briefsendung im Ortsbestellbezirk und ein Zuschlag für die Rohrpostbeförderung in Höhe der Gebühr für einen Ortsbrief oder für eine Ortspostkarte.
Der sich bei der Berechnung ergebende Gesamtbetrag wird auf volle Mark nach oben abgerundet.
Die Verordnung tritt mit dem 1. Oktober 1922 in Kraft.
Berlin, den 13. September 1922 Der Reichspostminister Giesberts

Bemerkung:
Für Rohrpostsendungen sind vom 1. Oktober an zu erheben
a) wenn der Aufgabeort und Bestimmungsort innerhalb des Geltungsbereichs der Ortsbriefgebühr von Groß-Berlin liegen,
für Rohrpostkarten 1,50 + 6 + 1,50 = 9 M
für Rohrpostbriefe 2 + 6 + 2 = 10 M
b) wenn der Aufgabeort oder der Bestimmungsort außerhalb des Geltungsbereichs der Ortsbriefgebühr von Groß-Berlin liegt,
für Rohrpostkarten 3 + 6 + 1,50 = 11 M
für Rohrpostbriefe 6 + 6 + 2 = 14 M


1922 03.11 Änderung der Rohrpostordnung ab 15.11.22 Amtsbl. 51/130 S. 308

Für Rohrpostsendungen sind vom 1.Oktober an zu erheben
a) wenn der Aufgabeort und Bestimmungsort innerhalb des Geltungsbereichs der Ortsbriefgebühr von Groß-Berlin liegen,
für Rohrpostkarten 3 + 15 + 3 = 21 M
für Rohrpostbriefe 4 + 15 + 4 = 23 M
b) wenn der Aufgabeort oder der Bestimmungsort außerhalb des Geltungsbereichs der Ortsbriefgebühr von Groß-Berlin liegt,
für Rohrpostkarten 6 + 15 + 3 = 24 M
für Rohrpostbriefe 12 + 15 + 4 = 31 M

1923 14.02 Änderung der Rohrpostordnung für Berlin ab sofort. — Geänderte Nachgebührberechnung (§ 7).
 
Werner Steven Am: 13.10.2013 10:14:39 Gelesen: 301395# 914 @  
1921 22.12. POSTORDNUNG für das Deutsche Reich

ABSCHNITT II Beförderungsdienst
1. Personenposten §§ 51 bis 61

§ 62 Rohrpostsendungen
Die Bedingungen für die Benutzung der Rohrpost werden durch eine besondere Rohrpostordnung festgesetzt.
§ 63 Luftpostsendungen
Die Bedingungen für die Luftpostbeförderung werden durch besondere Anordnungen festgesetzt.
III Schlußbestimmungen
§ 64 Inkrafttreten
Gegenwärtige Postordnung tritt am 1. Januar 1922 in Kraft.
Berlin, den 22. Dezember 1921 Der Reichspostminister Giesberts


1921 19.12. Gesetz über Postgebühren

Bei dem “Gesetz über Postgebühren”, den “Gebührenänderungen im Postverkehr mit dem Ausland” und in der “Verordnung zur Änderungen der Rohrpostordnung” ist der Text fast immer gleich, es macht also wenig Sinn diese Texte zu wiederholen. Die Gebühren sind in der “Gebührenübersicht” dargestellt. Wie bei der Postordnung werden daher die Änderungen in den entsprechenden Text eingearbeitet.

1923 30.05 Rohrpostordnung
Auf Grund des Artikels 88 der Verfassung des Deutschen Reiches vom 11.August 1919 (Reichsgesetzblatt S.1383) und des § 50 des Gesetzes über das Postwesen des Deutschen Reiches vom 28.Oktober 1871 (Reichgesetzblatt S. 347) wird mit Zustimmung des Reichsrats nachstehende Rohrpostordnung erlassen:

§ 1 Benutzung der Rohrpost
Als Rohrpostsendungen werden zugelassen:
1. Briefe,
2. Postkarten
die innerhalb der Orte mit Rohrpostbezirk eingeliefert werden oder nach diesen Orten gerichtet sind und wenigstens streckenweise mit der Rohrpost befördert werden können.
Die Post hat das Recht, die Rohrpost zeitweise ganz oder zum Teil für alle oder gewisse Gattungen von Sendungen zu schließen oder für einzelne Rohrpostbezirke andere Gattungen von Sendungen zuzulassen.

§ 2 Rohrpostbezirke
Rohrpostbezirke im Sinne des § 1 sind solche Orte oder Ortsteile, deren Rohrpostanstalten für den allgemeinen Verkehr geöffnet sind, sie werden aus den Zustellbezirken dieser Rohrpostanstalten gebildet.
Die Post entscheidet über die Einrichtung von Rohrpostbezirken sowie über die Änderung und Aufhebung bestehender Rohrpostbezirke.

§ 3 Allgemeine Bestimmungen

Die Vorschriften der jeweils geltenden Postordnung über
1. die gewöhnlichen Briefsendungen,
2. den Verkauf von Postwertzeichen
finden auch auf Rohrpostsendungen Anwendung, soweit nachstehend nicht anderes bestimmt ist.

§ 4 Gewicht und Beschaffenheit der Rohrpostsendungen
Die Vorschriften über das Meistgewicht und die Beschaffenheit der Rohrpostsendungen werden für die einzelnen Rohrpostbezirke von der Post erlassen und in ihren amtlichen Blättern veröffentlicht.

§ 5 Kennzeichnung und Aufschrift der Rohrpostsendungen
Rohrpostsendungen müssen, sofern nicht die von der Post herausgegebenen gestempelten Rohrpostbriefumschläge und Rohrpostkarten verwendet werden, einen das Verlangen der Beförderung mit der Rohrpost ausdrückenden Vermerk tragen, z.B. "Rohrpost", "Rohrpostbrief", "Rohrpostkarte". Dieser Vermerk muß auf der Vorderseite der Sendung deutlich angebracht sein.
In der Aufschrift ist die Wohnung des Empfängers genau zu bezeichnen. Die linke obere Ecke der Aufschrift ist für Dienstvermerke frei zu lassen.

§ 6 Von der Rohrpostbeförderung ausgeschlossene Gegenstände

Von der Rohrpostbeförderung sind ausgeschlossen:
1. Sendungen, die Geldstücke oder sonstige steife oder zerbrechliche Gegenstände enthalten oder mit Siegellack verschlossen sind oder nicht in die Rohrpostbüchsen, ohne Schaden zu nehmen, eingelegt werden können, oder die bei der Verpackung und Beförderung Schwierigkeiten bereiten,
2. Wert-, Einschreib-, und Nachnahmesendungen,
3. Briefe mit Zustellungsurkunde,
4. Sendungen, deren Bestimmungsort außerhalb des Reichspostgebiets liegt.
Durch die gewöhnlichen Postbriefkasten aufgelieferte Sendung, die als Rohrpostsendungen bezeichnet, jedoch nach vorstehenden Bestimmungen von der Rohrpostbeförderung ausgeschlossen sind, werden, soweit es nach den Vorschriften der Postordnung angängig ist, wie Eilsendungen behandelt.

§ 7 Gebühren für Rohrpostsendungen
Für die Beförderung von Rohrpostsendungen und für deren Zustellung im Ortszustellbezirk des Bestimmungs-Postorts werden erhoben:
1. die Gebühr für die gewöhnliche Orts- oder Fernbriefsendung gleicher Art nebst der Eilzustellgebühr für eine Briefsendung im Ortszustellbezirk und
2. ein Zuschlag für die Rohrpostbeförderung in Höhe der Gebühr für einen Ortsbrief gleichen Gewichts oder für eine Ortspostkarte.
Für die Zustellung im Landzustellbezirk wird daneben der Unterschied zwischen den Gebührensätzen für die Eilzustellung im Orts- und im Landzustellbezirk nach der Postordnung erhoben.
Der sich bei der Berechnung ergebende Gesamtbetrag wird auf volle Mark nach oben abgerundet.
Für Rohrpostsendungen mit dem Vermerk "Postlagernd" ist neben der Gebühren unter 1 und 2 die Zuschlaggebühr für die Aufbewahrung nach der Postordnung zu entrichten.
Rohrpostsendungen sind vom Absender vollständig freizumachen. Für die Festsetzung der Nachgebühr bei nicht- oder unzureichend freigemachten Rohrpostsendungen gelten die Bestimmungen des Postgebührengesetzes. Dabei gilt die Gesamtgebühr als ein unteilbarer Gebührensatz.

§ 8 Ort der Einlieferung
Rohrpostsendungen sind bei den Rohrpostanstalten durch die in den Schaltervorräumen befindlichen besonderen Briefkasten oder Einwürfe für Rohrpostsendungen oder, wenn solche nicht vorhanden sind, an der Annahmestelle einzuliefern.

§ 9 Zeit der Einlieferung
Die Annahmezeiten für Rohrpostsendungen bei den Rohrpostanstalten werden nach den örtlichen Verhältnissen von der Post festgesetzt und durch Aushang im Schaltervorraum bekanntgegeben. Außerhalb dieser Annahmezeiten eingelieferte Rohrpostsendungen werden wie Eilsendungen behandelt.

§ 10 Beförderung außerhalb der Rohrpostbezirke
Rohrpostsendungen werden bei der Beförderung außerhalb der Rohrpostbezirke wie Eilsendungen behandelt.

§ 11 Zustellung der Rohrpostsendungen
Rohrpostsendungen werden sogleich nach der Ankunft abgetragen, zwischen 10 Uhr abends und 6 Uhr früh aber nur dann, wenn der Absender es durch den Vermerk in der Aufschrift "Auch nachts" verlangt hat.

§ 12 Nachsendung und Behandlung unzustellbarer Rohrpostsendungen
Nachzusendende und zurückzusendende Rohrpostsendungen werden hinsichtlich der Beförderung und Zustellung ohne neuen Gebührenansatz wie sonstige Rohrpostsendungen behandelt. Überschreiten sie dabei den Geltungsbereich der Ortsgebühr des Aufgabe-Postorts so unterliegen sie der Ferngebühr.

§ 13 Nebenrohrpostanlagen
Die Post kann auf Antrag einen Wohn- oder Geschäftsraum durch eine Nebenrohrpostanlage mit einer Rohrpostanstalt verbinden. Sie setzt die Bedingungen für die Herstellung, die Unterhaltung und den Betrieb solcher Anlagen von Fall zu Fall fest.

§ 14 Inkrafttreten
Diese Rohrpostordnung tritt am 1.Juni 1923 in Kraft. Gleichzeitig erlöschen die Rohrpostordnung für Berlin vom 30.Januar 1909 nebst Änderungen und die Verordnung über den Rohrpostverkehr in München vom 1.Juli 1922. Berlin, den 30.Mai 1923 Der Reichspostminister Stingl
 
Werner Steven Am: 13.10.2013 16:32:58 Gelesen: 301277# 915 @  
@ Schmuggler [#911]

Hallo Schmuggler,

einmal bin ich mir gar nicht so sicher, ob es überhaupt sinnvoll ist, den vollen Text hier einzustellen.

Wenn es denn sinnvoll ist, warum dann nicht fehlendes ergänzen. Ich wäre gerne bereit die Seiten zu transcripieren. Ich beschäftige mich gerne mit solchen Sachen. Vielleicht finden wir eine Weg. Sie überlassen mir für ein paar Tage die Texte, ich versuche über ORC an den Text zu kommen oder schreibe ihn ab. Der Kreis derer, die sich dafür interessieren ist sicher nur sehr klein.

Mit freundlichen Gruß
 
Werner Steven Am: 14.10.2013 11:08:29 Gelesen: 300836# 916 @  
1922 01.04. (Post-Nachrichtenblatt 26) Anlage
Bestimmungen über den Luftpostverkehr
Bei Flugpostsendungen nach dem Inland, die im Rohrpostbezirk als Rohrpostsendungen aufgeliefert werden, ist für die gesamte Beförderung und Eilbestellung neben der Rohrpostgebühr lediglich der Luftpostzuschlag, - nach auch die gewöhnliche Postgebühr - zu entrichten. Es empfiehlt sich sie Sendungen ganz oder wenigstens teilweise (neben den gewöhnlichen Marken) durch Luftpostmarken freizumachen. usw.

24.05.1924 (Amtsbl. 53 Vfg. 315) Änderung der Rohrpostordnung

Auf Grund des § 2 des Postfinanzgesetzes vom 18. März 1924 (RGB, I, S.287) wird die Rohrpostordnung vom 30. Mai 1923 (RGB, I, S.303) wie folgt geändert:
Im § 7 “Gebühren für Rohrpostsendungen” sind der vorletze und drittletzte Absatz zu streichen
Berlin, den 24. Mai 1924 Der Reichspostminister In Vertretung Sautter

Die Rohrpostordnung mit Ausführungsbestimmungen wird demnächst als besonderes Druckheft herausgegeben und den OPD mit Rohrpostbezirk überwiesen. Gleichzeitig treten die bisherigen Ausführungsbestimmungen zur Rohrpostordnung werden — sowie sie von allgemeiner Bedeutung sind –- nachstehend auszugsweise wiedergegeben.

Bemerkung: Bei der Luftpost kam zum gewöhnlichen Porto der jeweilige Luftpostzuschlag. Bei Eilbestellung und Rohrpost war zusätzlich die Eilbestell- und die Rohrpostgebühr zu zahlen.

April bis Juni 1932
Die Deutsche Reichspost im 1. Viertel des Rechnungsjahres 1932. (Anlage zum Amtsbl.)
Inland: Rohrpostbriefumschläge ohne Freimarkenstempel als Formblätter zu 1 Rpf, ausgegeben.

22.08.33 Betriebsdienst (Amtsbl. 77/31.6/1933)

Beförderung gewöhnlicher Briefe mit der Rohrpost zum Abgangsbahnhof. In den Rohrpostbezirken Berlin und München können gewöhnliche Briefsendungen von der Auflieferungs-Postanstalt nach der Bahnhofs-Postanstalt gegen einen Gebührenzuschlag von 10 RPF. mit der Rohrpost befördert werden, damit sie noch Anschluss an die abgehenden Züge erreichen. Die Sendungen tragen den Vermerk "In Berlin (München) durch Rohrpost". Sie werden mit einem Rohrpostleitvermerk versehene, d.h. mit der mit Rotstift niedergeschriebenen Nummer des für die Weiterbeförderung zuständigen Bahnhofs-PA, z.B. 40 für das Berliner Bahnhofs PA NW 40. Diese rot ausgeworfene Zahl ist, auch wenn sie nicht durchgestrichen ist, nicht als Nachgebühransatz anzusehen.
 
DerLu Am: 18.10.2013 08:17:50 Gelesen: 299236# 917 @  
@ Werner Steven [#916]

Vielen Dank für das Einstellen der Texte! Hast du einmal daran gedacht, alle Rohrpost-spezifischen Verordnungen vereinigt in gedruckter Form zu veröffentlichen ?

Gruß DerLu
 
Werner Steven Am: 18.10.2013 15:26:09 Gelesen: 299139# 918 @  
Hallo DerLu,

seit einigen Jahren veröffentliche ich keine gedruckten Hefte oder Broschüren mehr, diese Zeit ist vorbei. Der Aufwand, solche Dinge an den Mann zu bringen, sind zu enttäuschend.

Neu erarbeitetes stelle ich ins Internet. Mir macht es einfach Freude, mich mit solchen Themen etwas ausführlicher zu befasssen.

Mir liegen auch nicht alle Texte vor. Mein Angebot, weitere Texte auf zu bearbeiten und einzustellen steht. Es wäre schön Kopien zu erhalten, oder kurz das Original auszuleihen. Den Rest würde ich dann machen.

Allen eine GUTE ZEIT
Werner
 
Werner Steven Am: 24.10.2013 17:21:22 Gelesen: 297240# 919 @  
1885 Die Rohrpost Betriebs-Ordnungen

I. Dienstbetrieb

§ 1 Begriff und Umfang der Rohrpost


I. Mit dem Ausdruck “Rohrpost” werden die zur Beförderung von Briefen, Karten und Telegrammen mittels Druckluft bestimmten Anlagen bezeichnet. Zur Letzeren gehören die unterirdischen Rohrstränge sowie die Rohrpostämter und Maschinenstationen mit ihren Apparaten.
II. Die Rohrstränge verlaufen strahlenförmig vom Rohrpostamt Nr. 1 (Haupt-Telegraphenamt) aus und stellen in Haupt. bz. Seitenlinien die Verbindung zwischen den einzelnen Rohrpostämtern her. (Anl. 1)

§ 2 Art und Beschaffenheit der Rohrpostsendungen


I. Mittels der Rohrpost werden befördert:
1. Stadtpostbriefe
2. Stadtpostkarten
3. Stadtpostkarten mit bezahlter Antwort
4. Briefe und Karten nach Orten außerhalb des Weichsbildes von Berlin bis zu demjenigen Rohrpostamt, welches dem betreffenden Abgangsbahnhof zunächst liegt oder bis zu derjenigen Postanstalt, welche den Briefpostverkehr mit dem betreffenden Orte vermittelt (§ 10 III und IV und alphabetisches Verzeichnis der Straßen und Plätze von Berlin mit Angabe der Rohrpost- und Telegramm-Bestellbezirke),
5. Briefe und Karte von den vorstehenden unter 4 bezeichneten Orten, insofern der Absender durch die Rohrpost unter Erlegung der betreffenden Gebühren verlangt hat, von dem der Ankunftpostanstalt zunächst gelegenen Rohrpostamt ab,
6. Stadt-Telegramme und
7. Telegramm von und nach außerhalb, insoweit nicht die Beförderung der Telegramme auf telegraphischem Wege bei Ämtern mit Telegraphenbetrieb schnelle zum Zeile führt. (siehe auch § 10 IX)

II. Die zur Beförderung mit der Rohrpostbestimmten Sendungen müssen so beschaffen sein, dass sie in die zur Beförderung dienenden Büchsen eingelegt werden können. Die Briefe dürfen daher die Länge 12½ cm, in der Breite 8 cm und ein Gewicht von 10g nicht übersteigen, nicht mit Siegellack verschlossen sein und steife oder zerbrechliche Gegenstände nicht enthalten.

III. Für die Rohrpostsendungen sind besondere, den Erfordernissen des Betriebes entsprechende gestempelte Briefumschläge und Postkarten auf hellrothem Papier hergestellt, welche bei allen hiesigen Verkehrsanstalten, sowie bei den amtlichen Verkaufsstellen für Postwerthzeichen zum Betrag des Werthstempels käuflich zu haben seind.

IV. Soweit solche gestempelten Briefumschläge und Karten nicht zu Verwendung kommen, müssen die zur Verwendung mit der Rohrpost bestimmten Briefe etc. nicht allein den oben angegebenen Anforderungen entsprechen, sondern auch auf der Vorderseite links am oberen Rande mit der deutschen und zu untersteichenden Bezeichnung “R o h r p o s t” versehen sein.

V. Für Rohrpostkarten gelten, soweit bezüglich der Zulässigeit derselben nicht im Vorstehenden besondere Vorschriften gegeben sind, die in der A.D.A f. P. u. T Abschn. V Abth. 1 § 12 unter 1 enthaltenen Bestimmungen

VI. Das Verfahren der Einschreibung findet auf Rohrpostsendungen keine Anwendung.

§ 3 Gebühr der Rohrpostsendung


I. Die Gebühr für die Beförderung der im § 2 unter I 1-3 aufgeführten Stadtsendungen beträgt.
1. für Briefe 30 Pfennig,
2. für Karten 25 Pfennig,
3. für Karten mit bezahlter Antwort 50 Pfennig.

II. Für die im § 2 unter 1-4 und 5 bezeichneten Rohrpostbriefe und Karte ist außer der Gebühr von 30 Pf. bz- 25 Pf. noch das gewöhnliche Porto zu entrichten. Ausgenommen hiervon sind jedoch diejenigen Rohrpostbriefe und Karten, welche zwischen Berlin einerseits und Charlottenburg bz. Westend oder Martinikenfelde [Martinikenfelde ist eine Ortslage in Berlin-Moabit, gegen Ende des 19. Jahrhunderts trug es die amtliche Bezeichnung Martiniquenfelde unter anderem für ein entsprechendes Postamt (Wiki)]. andererseits gewechselt werden; diese ist neben der Rohrpostgebühr ein besonderes Porto nicht zu erheben.

III. Rohrpostendungen müssen frankiert werden. Für Rohrpostsendungen nach außerhalb ist auch das gewöhliche Porto vorauszubezahlen.

IV. Ist auf solchen Rohrpostbriefen und Rohrpostkarten, welche nicht nach den Bestimmungen im § 11 I mittels Eilboten kostenfrei zu bestellen sind, vom Absender das Verlangen der Eilbestellung niedergeschrieben worden, so ist dafür auch noch das Eilbestellgeld im Voraus zu entrichten, widrigenfalls die betreffende Rohrpostsendung am Bestimmungsort in den regelmäßigen Bestellgängen - mithin nicht durch Eilboten - bestellt werden.

§ 4 Unzureichend frankierte Sendungen


I. Unfrankierte bz. ungenügend frankierte oder zur Beförderung nicht geeignete Rohrpostsendungen, welche durch den Briefkasten zur Auflieferung gelangten, werden wie gewöhnliche Briefpostsendungen behandelt.

II. Ausgenommen hiervon sind Rohrpostbriefe (nicht auch Rohrpostkarten) nach Orten außerhalb des Weichbildes von Berlin und Charlottenburg bz. Westend oder Martinikenfelde, welche auch in dem Falle, dass sie mit nur 30 Pf. frankiert sind, als Rohrpostsendungen befördert werden, und zwar unter Nacherhebung des Portos sammt Zuschlag.

III. Unfrankierte oder unzureichend frankierte Rohrpostsendungen, welche von außerhalb in Berlin eingehen, sind nicht der Rohrpost zu überweisen, sondern wie gewöhnliche Eilbriefe zu behandeln.

§ 5. Gebührenfreiheit


Rohrpostbriefe und Rohrpostkarten genießen nur dann Gebührenfreiheit, wenn sie in Angelegenheiten der regierenden Fürsten des Deutschen Reiches, deren Gemahlinnen und Wittwen oder unter der Bezeichnung Post- bz. Telegraphensachen abgesandt werden.

§ 6. Dienststunden der Rohrpostämter

Der Annahmedienst der Rohrpostämter beginnt in der Zeit vom 1. April bis 30. September um 7 Uhr Morgens, in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. März um 8 Uhr Morgens und endet während des ganzen Jahres um 9 Uhr Abends. Ein Beschränkung der Dienststunden an den Sonn- und Feiertagen tritt nicht ein. Wegen des Dienstschusses siehe § 9 I.

§ 7. Aufgabe der Rohrpostsendungen


I. Die Rohrpostsendungen können, außer bei den Rohrpostämtern, auch bei allen Post- und Telegraphenanstalten Berlins, sowie mittels der Briefkästen zur Einlieferung gebracht werden.

II. Bei allen zur Einlieferung gelangenden Rohrpostbriefen und Karten ist der Aufgabestempel stets auf die Wertzeichen zu drücken; erscheint jedoch der Abdruck nicht deutlich, dann sind die Sendungen an einer freien Stelle mit einem zweiten Stempelabdruck zu versehen.

III, Die nicht mit telegraphischer oder Rohrpostverbindungen versehenen Postanstalten haben auch die bei ihnen eingelieferten Telegramme mit einem deutlichen Abdruck des Aufgabestempels zu versehen.

IV. Wenn Rohrpostbriefe oder Rohrpostkarten, welche entweder
a) nach Orten außerhalb des Ober-Postdirektionsbezirks Berlin oder
b) nach Orten in den Landbestellbezirken der zwar innerhalb des Ober-Postdirektionsbezirks, oder außerhalb des Weichbildes von Berlin und Charlottenburg bz. Westend oder Martinikenfelde liegende Postanstalten
bestimmt sind, den Vermerk “Durch Eilboten zu bestellen” tragen, so ist dieser Vermerk und die erforderlich nachzuholende Angabe “Bote bezahlt” vom Annahmebeamten liegenden Postanstalt mit Rotstift zu unterstreichen.

V. Der Nachweis über die Einnahme und Ausgabe an gestempelten Rohrpostkarten und Rohrpostumschlägen, welche an den Annahmestellen verkauft werden, ist durch das Register über Einnahme und Ausgabe an Postwertzeichen, sowie durch die der monatlichen Abrechnung A mit der General-Postkasse beizufügenden Nachweisung über Postwerthzeichen zu führen.

VI. Verdorbene gestempelte Rohrpost-Briefumschläge, welche noch nicht mit dem Entwerthungszeichen versehen sind, können bei den Verkehrsanstalten gegen neue Rohrpost-Briefumschläge umgetauscht werden. Ein Umtausch in den Händen des Publikums unbrauchbar gewordener Rohrpostkarten findet nicht statt.

VII. Die nach den außerhalb des Weichsbildes, aber innerhalb des Ober-Postdirektionsbezirk von Berlin gelegenen Orten gerichten Sendungen werden streckenweise wie gewöhnliche Briefsendungen behandelt; dieselben erleiden daher namentlich an den Nachmittagen der Sonn- und Feiertagen wegen der beschränken Postverbindungen unvermeindliche Verzögerungen. Die Annahmebeamten haben deshalb bei Aufgabe von Rohrpostsendungen der bezeichneten Art die Absender hierauf aufmerksam zu machen und ihnen geeigneten Falls die Benutzung des Telegraphen anheim zu stellen.

§ 8 Rohrpostsendungen Allerhöchster Herrschaften, sowie der obersten Reichsbehörden und der Staatsministerien


Im Allgemeinen ist ein Einzelnachweis über die mit der Rohrpost beförderten Sendungen nicht zu führen.
Nur die von den im § 5 bezeichneten Allerhöchsten Herrschaften, von den obersten Reichsbehörden und von den Staatsministerien eingelieferten Rohrpostsendungen werden, bei der Annahme in ein Buch eingetragen, zu welchem das Formular C 1b. (Einnahmebuch für Einschreibbriefsendungen) zu verwenden ist.
Werden solche Sendungen einer Verkehrsanstalt ohne Rohrpostverbindung durch einen Rohrpostbriefträger abgeholt, so bescheinigt derselbe den Empfang im Annahmebuch; falls die Sendungen aber durch einen Boten der Aufgabe-Verkehrsanstalt dem Rohrpostamte überbracht werden, ist dem Boten das Annahmebuch mitzugeben, damit das Rohrpostamt in demselben die Empfangsbescheinigung ertheilte.
Erfolgt die Beförderung des Sendungen zum Rohrpostamte mittels Stadtpostkariols, so sind dieselben in die Briefkarte einzutragen.
Beim Ankunfts-Postamte sind derartige Sendungen ebenfalls in ein Buch einzutragen, zu welchem das Formular C 136 (Lagerbuch für Einschreibbriefsendungen) verwendet werden kann.

§ 9 Abfertigung und Beförderung der Rohrpostsendungen


I. Die Rohrpostzüge verkehren auf allen Haupt- und Seitenlinien in Zwischenräumen von 15 zu 15 Minuten. ( Zwischen den Rohrpostämtern 7, 28 und 29 ist der Lauf der Züge bis auf Weiteres anderweit geordnet) nach Maßgabe der Anlage 2. Die Züge der Hauptlinien finden wechselseitigen Anschluss beim Rohrpost Nr. 1 (Haupt-Telegraphenamt), dem Mittelpunkt des Rohrpostverkehrs; die Beförderung auf den Seitenlinien schließen sich den Zügen der zugehörigen Hauptlinien unmittelbar an.
Auf den einzelnen Betriebsstrecken ist der erste Zug nach Maßgabe des Fahrplans so zeitig abzusenden, dass er innerhalb der ersten Viertelstunde nach Dienstbeginn sein Ziel erreichen.
Der Dienstschluß bei den Rohrpostämtern ein und derselben Betriebsstrecke erfolgt gleichzeitig und zwar wenn der letze Zug dieselbe durchlaufen hat und hierfür das Schlußzeichen (s. § 19) gewechselt worden ist.
Die vom Rohrpostamt Nr. 1 (Haupt-Telegraphenamt) ausgehenden Züge werden für jede Hauptlinie, jeden Tag von 1 beginnend, mit fortlaufender Nummer bezeichnet. Die Züge behalten bis zu ihrer Rückkehr nach dem Rohrpostamt Nr. 1 die ihnen daselbst erteilte Nummer bei; die auf den Seitenlinien verkehrenden Züge tragen jeder die Nummer desjenigen in der Richtung vom Haupt-Telegraphenamt auf der betr. Hauptlinie laufenden Zuges, von welchem sie abgezweigt worden sind.

II. Welche Büchsen seitens der einzelnen Rohrpostämter in den Zügen abzusenden und welche Sendungen in die Büchsen zu verladen sind, ergibt die Anlage 3.

III. Das Haupt-Telegraphenamt entleert sämtliche mit den Zügen ankommenden Büchsen und verteilt die mit der Rohrpost weiterzusendenden, sowie die übrigen zur Absendung bereitliegenden Rohrpostsendungen und Telegramme nach Maßgabe der vorgenannten Anlage in die einzelnen Büchsen der abzulassenden Rohrpostzüge.

IV. Die anderen Rohrpostämter entnehmen bei Ankunft der Züge die für sie bestimmten Sendungen und verfahren im Übrigen der Anlage 3 entsprechend.

V. Damit die Züge bei den Zwischenämtern möglichst wenig Aufenthalt erleiden, sind alle zu befördernden Rohrpostsendungen und Büchsen schon vor dem Eintreffen jedes Zuges derart bereit zu stellen. daß der Zug nach der Entnahme bei der dem Amte verbleibenden Büchsen und nach der etwa erforderlichen Vertheilung der Sendung sofort weitergesandt werden kann. Namentlich ist, damit die vorgeschriebenen Abgangszeiten thunlichst inne gehalten werden können, die Abfertigung dann zu beschleunigen, wenn Züge verspätet eingetroffen sind. Zur Vermeidung von Verwechselungen sind die den Zügen entnommenen Büchsen nicht auf die Tische des Rohrpostapparats, sondern sogleich auf die Neben- (Abfertigungs-) Tische zu legen, so dass auf dem ersteren Tisch nur die zur Beförderung bestimmten Büchsen liegen.

VI Die an den Abgangspunkten von Zweigrohrleitungen belegenen Rohrpostämter haben die dem Hauptzug entnommenen Büchsen sofort zu entleeren und die für die Ämter der betreffenden Zweigrohrverbindungen bestimmten Sendungen in die bezüglichen Büchsen einzulegen.

VII. Telegramme, Rohrpostbriefe und Rohrpostkarten für das “Auswärtige Amt” sind stets auf das Rohrpostamt 1 zu leiten.
VIII. Telegramme, welche vom Haupt-Telegraphenamt auf elektrischen Wege nach außerhalb weiter zu befördern sind; werden, soweit ihre Übermittlung an das Haupt-Telegraphenamt nicht telefonisch zu erfolgen hat, diesem Amt in der Urschrift mittel Rohrpost zugesandt. Das Haupt-Telegraphenamt hat solchev Telegramme, nachdem sie abtelegraphiert worden sind, nach den Aufgabeämtern geordnet und in Nummernfolge zwei Tage zu lagern; am dritten Tage sind diese Telegramme mittels gewöhnlicher und mit “eigenhändig” bezeichneten Briefes an der Vorsteher des Aufgabepostamts zurückzusenden.

IX. Die Kontrolle über den richtigen Eingang dieser mittels Rohrpost beförderten Urschrift-Telegramme wird von dem Haupt-Telegraphenamt nach den Nummern des Eingangsbuches über Telegramm-Gebühren der einzelnen Verkehrsanstalten geführt.
Wenn aus irgend einem Grunde Telegramme bei einer Verkehrsanstalt verbleibt, z.B. gehufs teöegraphischer Beförderung, so sind die Nummern derselben auf dem nächsten mit der Rohrpost nach dem Haupt-Telegraphenamt zu befördernde Telegramme in der unteren linken Ecke mit Farbstift anzugeben.
Täglich ist dem letzten an das Haupt-Telegraphenamt durch die Rohrpost anzusendenden Telegramm bz. dem letzten Rohrpostzuge ein Schlußzettel beizufügen, welcher enthalten muß:
a) die Nummer der absendenden Verkehrsanstalt und das Datum (ein deutlicher Stemelabdruck)
b) die Nummer der ersten und der löetzten der am abgelaufenen Tage an das Haupt-Telöegraphenamt abgesandten Telegramme und
c) die Nummer aller Telegramme, deren Urschrift die Aufgabeanstalt zurüchbehalten hat.
Für diese Zettel dürfen Aufgabeformulare nicht verwendet werden.
Außer den Rohrpostämtern haben auch diejenigen Postämter mit Telegraphenbetrieb, welche, weil die Übermittlung schneller zum Ziele führt, ihre Telegramme vorwiegend dem nächsten Rohrpostamt zuführen und nicht telegraphisch befördern, Schlußzettel Abends nach Dienstschluß mit der Post an das Haupt-Telegraphenamt abzusenden.

X. Für diejenigen Stadt-Telegramme, welche mittels der Rohrpost zu befördern und nicht noch Seitens der empfangenen Rohrpostanstalt auf elektrischem Wege weiterzugeben sind, hat die absendende Rohrpostanstalt die für den Empfänger bestimmte Ausfertigungen herzustellen, mit der Anschrift zu versehen und sie offen abzusenden. Ebenso werden die von außerhalb eingehenden Telegramme den Verkehrsanstalten, welchen die Bestellung derselben obliegt, offen mit der Rohrpost übersandt.

XI. Das Verschießen der vorerwähnten Telegramme, sowie die Ausfertigung für die Staatstelegramme und Telegramme mit bezahlter Empfangsanzeige erforderliche Empfangsscheine, Formulare für bezahlte Antworten etc.. haben die Beamten der eben bezeichneten Verkehrsanstalten zu besorgen.

XII. Das Aufgabe-Rohrpostamt hat in die obere linke Ecke der Aufschriftseite der Rohrpostsendungen mit Farbstift deutlich die Nummer desjenigen Rohrpostamsta zu vermerken, an welches die Sendungen mit der Rohrpost zu befördern ist.

XIII. Das Ankunfts-Rohrpostamt versieht sämtliche von ihm zu bestellende oder auf anderem Wege als mit der Rohrpost weiter zu befördernde Rohrpostsendungen sogleich nach dem Eingange mit dem Abdruck seines hierzu gleichfalls bestimmten Rohrpost-Tagesstempel, und zwar werden die Briefe auf der Rückseite, die Karten auf der Vorderseite gestempelt. Mit dem Abdruck des nämlichen Stempels werden alle mit der Rohrpost in Ausfertigung eingehenden Telegramme auf der Verschlußklappe versehen. Ferner sind bei dem Postamt Nr. 1 (Haupt-Telegraphenamt) die mit der Rohrpost daselbst zur Ab- bz. Weitertelegraphierung eingehenden Telegramme auf der Vorderseite am oberen Rand der Urschrift bz. Aufnahmeblätter an eine freien Stelle mit dem Rohrpost-Tagesstempel zu bedrucken.
Zur Sicherung des rechtzeitigen und pünktlichen Umsetzens der auf Angabe von Viertelstunden eingerichteten Rohrpost-Tagesstempel ist bei den Rohrpostdienststellen ein besonderes Prüfungsbuch (Formular C. 135) in derselben Weise zu führen, wie bei den Postämtern hinsichtlich der Post-Tagesstempel. Für die ordnungsmäßige Führung des Stempel-Prüfungsbuches und für pünktliches Umsetzen der Rohrpost-Tagesstempel bei den Rohrpostdienststellen ist der jeweilige diensthabende Aufsichtsbeamte verantwortlich.

XIV. Bemerkt der Beamte eines Zwischenamtes, dass eine Rohrpostsendung falsch geleitet ist, so hat derselbe, nachdem die Sendung gestempelt ist, die falsche Zahl durchzustreichen und die richtige Zahl unter Beifügung seines Namenszuges daneben zu setzen. Jede Fehlleistung ist zurückzumelden; über wiederhole Unregelmäßikeiten ist Anzeige an die Kaiserliche Ober- Postdirektion zu erstatten.

XV. Um das Verwischen der Schrift auf den Rohrpostbriefen und Rohrpostkarten thunlichst zu verhindern, sind dieselben stets so zu rollen, dass bei Briefen die Aufschrift innen, bei Karten dagegen nach außen gekehrt ist.

§ 10 Leitung der Rohrpostsendungen


a) bei den Rohrpostämtern

I. Die für die Leitung der Rohrpostsendungen ist zunächst das den Rohrpostämtern gelieferte “alphabetische Verzeichnis der Straßen und Plätze Berlins mit Angabe des Rohrpost- und Telegramm-Bestellbezirk” maßgebend.
Die Aufgabe-Verkehrsanstalt hat jedoch Rohrpostsendungen unmittelbar bestellen zu lassen, wenn dieselben auf diese Weise früher, als bei Beförderung mit der Rohrpost, in die Hände der Empfänger gelangen.
Ob und in welchen Fällen die Bestellung. Seitens der Aufgabe-Verkehrsanstalt einzutreten hat, ist auf Grund der Anlage 4 (Übersicht der Beförderungsdauer der Rohrpostzüge) sowie nach Maßgabe der sonst noch in Betracht kommenden Bestimmungen genau zu ermitteln.

II. Die für die Kontinentale-Telegraphen-Kompagnie-Aktiengesellschaft (deren Büro sich zur Zeit in demselben Hause befinden, in welchem das Rohrpostamt Nr. 16 untergebracht ist) bestimmten, von außerhalb eingegangenen Telegramme, sowie die von der genannten Gesellschaft für außerhalb Berlins belegenen Orte aufgegebenen Telegramme, werden dem genannten Rohrpostamt und dem Haupttelegraphenamt in besonderen Büchsen, welche durch rothe Ziffern kenntlich gemacht sind, befördert.
[1849 schuf der Verleger Benda (Bernhard) Wolff die Grundlagen für die 1865 in eine Aktiengesellschaft umgewandelte Kontinental-Telegraphen-Kompagnie, meist Wolffs Telegraphisches Büro (WTB) genannt.]

III. Rohrpostbriefe und Karten an Orten außerhalb Berlins sind, soweit ihre Weiterbeförderung mittels Bahnpost zu erfolgen hat, behufs Übermittlung an die einzelnen Bahnposten folgenden Rohrpost zuzuführen:
Rohrpostamt Nr. 23 (Görlitzer Bahnhof), Nr. 6 Potsdamer Thor für den Potsdamer Bahnhof, Nr. 18 (Möckernstraße) für den Anhalter Bahnhof., Nr. 14 (Invalidenstraße) für den Settiner Bahnhof, Nr. 21 (Schlesischer Bahnhof) und Nr. 28 (Lehrter Bahnhof)


IV. Rohrpostbriefe und Rohrpostkarten nach selbständigen Postorten, welche mit Berlin durch gewöhnliche Posten, z.B. Boten- oder Personenposten verbunden sind, werden mittels dieser Posten befördert und sind nach Maßgabe der Vorschriften im alphabetischen Verzeichniß demjenigen Rohrpost zuzuführen, von welchem sie am zweckmäßigsten auf die betreffenden Postkurse übergehen.
V. Rohrpostsendungen, welche mit der Bahnposten Beförderung erhalten sollen, sind von dem Rohrpostamte, bei welchem sie die Rohrposten verlassen, unmittelbar an die Bahnposten zu überweisen; wenn jedoch die Sendung in Kartenschlüsse aufzunehmen sind, deren Übergabe durch Vermittlung des Eisenbahnpersonals stattfinden, so müssen sie Sendungen an die betreffenden Bahnhofs-Postanstalt abgeliefert werden.

b) Bei Verkehrsanstalten ohne Rohrpost bz. ohne Telegraphenstation


VI. Die Leitung derjenigen Rohrpostsendungen, welche bei einer Verkehrsanstalt ohne Rohrpost- bz. ohne Telegrapenbetrieb eingeliefert werden, geschieht nach Maßgabe der Festsetzung in der Anlage 5.
Als Grundsatz gilt, dass von den sich bietenden Beförderungsmöglichkeiten diejenige zu wählen ist, mittels welcher die Sendungen am schnellsten ihr Ziel erreichen.
Die außerhalb des Weichbildes von Berlin gelegenen, aber zum Ober-Postdirektionsbezirk Berlins gehörigen Postanstalten haben die Rohrpostsendungen mit den gewöhnlichen Posten oder Posttransporten entweder dem Hof-Postamt oder bei vorhandener Gelegenheit auch einer näher gelegenen Postanstalten zuzuführen, insofern durch eine solche Leitung eine Zeitersparniß bewirkt wird. Die letztgedachte Postanstalt hat für die Weiterbeförderung der Rohrpostsendungen Sorge zu tagen.

VII. Die Rohrpostbriefträger sind von den Rohrpostämtern anzuweisen, sich auf den Bestellgängen bei denjenigen Postanstalten, welche innerhalb ihres Rohrpostbestellbezirks liegen, so oft zur Empfangnahme und sofortigen Bestellung von Rohrpostsenungen zu melden, als dies ohne große Umwege oder Zeitversäumniß thunlichst ist. Von wahrgenommenen Unregelmäßigkeiten dieser Briefträger betreffs der Meldung in dem ihnen vorgesetzten Rohrpostamt Mittheilung zu machen; letzteres hat die Angelegenheit weiter zu verfolgen.

VIII. In der Zeit von 7 Uhr Morgens bis 9 Uhr Abends haben die Bahnposten die von außen nach Berlin gerichteten Rohrpostsendungen dem Postamt des Ankunftsbahnhof in den Briefkarten für Eilbriefe unter summarischer Eintragung zuzuführen.
Dieses Postamt hat, wenn es nicht sebst Rohrpostamt ist, die Rohrpostsendungen sofort nach Ankunft des Zuges durch einen besonderen Boten, welcher geeignetenfalls das Briefkariol nach dem Hofpostamte zur Mitfahrt benutzen kann, dem nächsten Rohrpostamt zuzusenden; letzteres bescheinigt, in der dem Boten mitzugebenden Briefkarten, den Empfang der Sendung. In der Zeit von 9 Uhr Abends bis 7 Uhr früh sind die mit den Bahnposten aufkommenden Rohrpostsendungen ebenso zu leiten und zu behandeln wie gewöhnliche Eilbriefe. Das letztere Verfahren findet auch Anwendung auf diejenigen Sendungen, welche zwar die Bezeichnung “Rohrpost” tragen, aber wegen ihres Umfangs oder Gewichts oder wegen unvollständiger Frankierung mit der Rohrpost nicht befördert werden. Die mit Boten-, Güter- und Personenposten eingehenden Sendungen sind auf dasjenige Rohrpostamt zu leiten, welches von der betreffenden Post zuerst berührt wird.


IX. Die beim Haupt-Telegraphenamt von auswärts eingehenden Telegramme, werden nach Anleitung des “alphabetischen Verzeichnisses der Straßen und Plätze Berlins usw.” den betreffenden Verkehrsanstalten zur Zwecke der Bestellung entweder mittels der Rohrpost oder auf telegraphischen Wege zugestellt.
Die nach außerhalb gerichteten Telegramme sind stets mit der Rohrpost zu befördern, wenn sie in Folge dessen keine Verzögerung erleiden.
Stadttelegramme sind in allen Fällen telegraphisch zu befördern, wenn sie zwischen Telegraphenanstalten ohne Rohrpostbetrieb zu wechseln sind. .......

§ 11 Bestellung

I. Die Rohrpostsendungen, einschließlich der an sonst abholende Empfänger gerichtet, sind sofort kostenfrei mittel Eilboten zu bestellen:
1. an alle innerhalb des Weichbildes von Berlin und Charlottenburg bz. Westend oder Martinikenfelde wohnenden Empfänger, ohne Unterschied, ob ihre Wohnung zum Orts- der Landbestellbezirk gehören;
2. nach allen Wohnstätten, die zwar außerhalb des Weichbildes von Berlin und Charlottenburg bz. Westend oder Martinikenfelde liegen, aber zum Ortsbestellbezirk einer Statdtpostanstalt gehören

3. an diejenigen Empfänger, welche innerhalb des Ortsbestellbezirke der in den Vororten von Berlin bestehenden, zum Ober-Postdirektionsbezirk Berlin gehörenden selbständigen Postanstalten wohnen.
Eine Eilbestellung von Rohrpostsendungen an solche Empfänger, welche im Landbestellbezirk einer zum Ober-Postdirektionsbezirk Berlin gehörigen aber außerhalb des Weichbildes von Berlin und Charlottenburg bz. Westend oder Martinikenfelde liegenden Postanstalten wohnen , hat nur dann stattzufinden, wenn das Eilbotengeld vom Absender entrichtet (§ 3 IV) anderen Falls sind die Sendungen in den gewöhnlichen Bestellgängen - also nicht durch Eilboten - zu bestellen.

II. Wenn die den Rohrpostämter zugewiesenen Unterbeamtenkräfte zur Sicherstellung einer pünktlichen Bestellung der Rohrpostsendungen nicht ausreichen, so sind die Rohrpostämter zur Annahme von Hülfsboten ermächtigt, welche für die Bestellung eines Telegramms oder einer Rohrpostsendung ein Einheitsvergütungssatz bis zum Betrag von 10 Pf. zu gewähren. Dieser Vergütungssatz ist mit dem Hülsboten in Voraus zu vereinbaren und so zu bemessen, dass Letzterer auf eine durchschnittliche Tageseinnahme von etwa 2 Mark zu rechnen hat.
Steigert sich diese Tageseinnahme um mehr als 25 Pf. oder bleibt so viel hinter derselben zurück, so hat eine anderweite, der Sache entsprechenden Regelung stattzufinden.

III. Die für die Bestellung durch Eilboten erwachsenen Kosten sind nach Maßgabe der im Abschnitt VIII unter § 77 unter 2 der A.D.A.f.P.u.T. enthaltene Bestimmung in Forderung nach zuweisen.
In dem Forderungsnachweis sind sämtliche Telegramme (auch die auf telegraphischem Wege eingegangenen), Rohrpostbriefe und Rohrpostkarten auf Grund eines Telegramm-Bestellungsbuches, tagweise, für jeden Hülfsbote summarisch, mit Angabe des demselben bewilligten Einheits-Vergütungssatzes, aufzunehmen; z.B. 1. April, Müller, Eilbote, 20 Stück zu 10 Pf. = M 2.00.

IV Die zu bestellenden Telegramme, Rohrpostbriefe und Rohrpostkarten sind in das Telegramm-Bestellbuch (Abschn. V Abth. 5 § 28 der A.D.A.f.P.u.T. ) einzutragen und zwar die Telegramme in der in der angezogenen Bestimmung vorgeschriebenen Weise einzeln, die Rohrpostbriefe und Rohrpostkarten für jeden Bestellgang summarisch. In den Spalten 1 bis 4 des Bestellbuches ist die Zugnummer und die Zahl der Briefe in abgekürzter Form zu vermerken, z.B. Z. 12 drei Bfr., zwei K. Die übrigen Spalten des Bestellbuches sind nach Maßgabe des Vordrucks ebenso wie für Telegramme auszufüllen.

V. Sämtliche mit dem letzen Rohrpostzuge ankommenden Rohrpostsendungen sind noch am nämlichen Tage zu bestellen. Ist jedoch auf der Sendung, welche in später Abendstunde bei den Röhrpostämtern eintreffen, vom Absender vermerkt, dass die Bestellung erst am nächsten Morgen stattfinden soll, so ist dem Verlangen zu entsprechen. Die Weitersendung bis zur Verkehrsanstalt, welcher die Bestellung obliegt, muß dagegen, soweit der Betrieb es gestattet, noch am nämlichen Abend erfolgen. Rohrpostsendungen, welche nach dem Schluß der Aufgabe zur Aufgabe gelangen, sind gegebenfalls mit der Briefpost auf dem schnellsten Wege ihrer Bestimmung zuzuführen und am nächsten Morgen auf dem ersten Bestellgang durch den Briefträger abzutragen, wenn die Sendung auf diese Weise früher in die Hände der Empfänger gelangen, als es durch einen (im Winter) um 8 bz. 7 Uhr Morgens von dem zugehörigen Rohrpostamt abgehenden Rohrpost geschehen würde.
Die Bestellung derjenigen Telegramme, welche während der Nacht beim Haupt-Telegraphenamt eingehen und auf Wunsch der Absender bis zum nächsten Morgen zurückgehalten werden soll, erfolgt gleichfalls durch die Boten der Rohrpostämter. Zu dem Zweck hat das Haupt-Telegraphenamt während des Winterhalbjahres diese Telegramme bis zum Morgen zu sammeln; alsdann sind dieselben in gehörig mit Aufschrift versehenen Briefumschläge an die betheiligten Rohrpostämter durch Vermittlung des Stadtpostamtes abzusenden. Letzterem sind durch einen um 6 Uhr 30 Minuten früh abgefertigenden Boten die fraglichen Briefe mit Telegramm zu überbringen. Der für das Rohrpostamt 9 (Börse) bestimmte Briefe sind von dem vorgedachten Boten auf dem Rückwege vom Stadtpostamt nach dem Haupt-Telegraphenamt unmittelbar bei dem Rohrpostamt 9 (Börse) abzugeben. Auf diese Weise kann auch im Winterhalbjahr allgemein um 7 Uhr Morgens mit der Rohrpostbestellung begonnen werden. Währen der Sommermonate werden die erwähnten Telegramme mit dem ersten vom Haupt-Telegraphenamte abgehenden Rohrpostzüge den Rohrpostämtern zugeführt.

VI. Die mit der Bestellung von Rohrpostsendungen betrauten Boten haben die Bestellung der Rohrpostkarten mit bezahlter Antwort auf Wunsch der Empfänger die ausgefertigten Antwortkarten zum Rohrpostamt zurückzubringen; auf die Übergabe jedoch nicht länger als 5 Minuten zu warten. Eine besondrere Gebühr, wie bei den Telegrammen, habe die Boten für diese leistung nicht zu beanspruchen.

VII. Rohrpostsendungen mit dem Vermerk “postlagend” werden derjenigen Postanstalten zugeführt; welche der Absender als Bestimmungs-Postamt bezeichnet hat. Fehlt die Angabe einer bestimmten Postanstalt, so sind die Sendungen für Berlin dem Hof-Postamt (Rohrpost 13); für Charlottenburg dem Postamt Nr. 1 daselbst (Rohrpostamt 25) zugeführt.

VIII. Bei der Aushändigung von Rohrpostbriefen und Rohrpostkarten ist wie bei der Aushändigung von gewöhnlichen Briefe zu verfahren. Trägt die Anschrift den Vermerk “eigenhändig”, so ist der Bote angewiesen, die Sendung tunlichst an den Empfänger selbst abzugeben; dem Absender gegenüber wird hierdurch eine Verpflichtung seitens der Verwaltung jedoch nicht übernommen.

§ 12 Behandlung der nachzusendenden und der unbestellbaren Rohrpostsendungen

I. Wird bei einer Rohrpostsendung in Folge unrichtiger Wohnungsangabe bz. eines Wohnungswechsels oder aus einem Grunde die Nachsendung erforderlich; so findet dieselbe mittels der gewöhnlichen Postbeförderungsgelegenheiten statt. Demnächst erfolgt die Bestellung der Sendung wie diejenige einer gewöhnlichen Briefsendung.
Unbestellbare Rohrpostbriefe und Rohrpostkarten werden wie gewöhnliche Briefe bz. Postkarten behandelt; dieselben sind von den mit Postanstalten vereinigten Rohrpostämtern in gewöhnlicher Weise zusammen mit den übrigen unbestellbaren Briefsendungen dem Stadtpostamt zu überweisen, während diejenigen Rohrpostämter, welch mit Postanstalten nicht verbunden sind, derartige Rohrpostsendungen unter Briefumschlag mit dem Vermerk “Hierin .... Stück unbestellbare Rohrpostsendungen”, der nächstgelegenen Postanstalt zur Weitergabe an die Prüfungsstelle des Stadtpostamtes übermittelt.

II, Die bei dem Haupt-Telegraphenamt von auswärts angekommenen und mit der Rohrpost innerhalb der Stadt weiterzubeförderden Telegramm sind im Falle ihrer Unbestellbarkeit ohne Vorzug an das Haupt-Telegraphenamt unter Angabe des Grundes der Unbestellbarkeit zur weiteren Veranlassung zurückzuschicken.
III. Die Ermittlung nach den Wohnungen der Empfänger ungenügend adressierter Telegramme und Rohrpostsendungen haben außer bei denjinigen Postämtern und Polizeibureaus, in deren Briefbestell-Bezirk die bezüglichen, in den Aufschriften etwa angegebenen Straßen etc. gelegen sind., auch beim Einwohne-Meldeamt (Bezirk des Rohrpostamtes Nr. 13 bz. der Kommentantur (Bezirk des Haupt-Telegraphenamtes) stattfinden. Bezüglich der Aushändigung, Nachsendung und Behandlung unbestellbarer Telegramme gelten unverändrt die Bestimmungen im Abschn V. 4 und 5 der A.D.A.f.P.u.T.

§ 13 Beschwerden wegen Abhandenkommens etc. von Rohrpostsendungen


In den Fällen, in welchen Seitens des Publikums Beschwerden wegen Abhandenkommens von Rohrpostsendungen (Briefe und Karten) bei einem Postamt angebracht werden, ist dasselbe Verfahren zu beobachten, welches die Allgemeinen Dienstanweisungen in gleich Fällen für gewöhnliche Briefe verschreibt.
Zu diesem Zweck ist den Beschwerdeführern ein Fragebogen (C. 118) behufs Ausfüllung zu übergeben, welcher alsdann ohne Anschreiben der Bestimmungs-Postanstalt zur Nachforchung zu übersenden ist. Das weitere Verfahren regelt sich nach den in Betracht kommenden Vorschriften der Allgemeinen Dienstvorschriften.
Sonstige Beschwerden des Publikuns über Unregelmäßigkeiten im Rohrpostdienst sind nach Erörterung mit den betheiligten Anstalten der Ober-Postdirektion vorzulegen.

II. Technische Behandlung der Rohrpostapparte und Betriebs-Materialien
Die Wiedergabe würde den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen, zumal es in vielen Fällen nur um technische Details, geht.
 

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