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Thema: Deutsches Reich Inflationsbelege
Das Thema hat 5249 Beiträge:
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LK Am: 08.12.2013 01:30:32 Gelesen: 701697# 2650 @  
@ muemmel [#2649]

Hallo Harald,

die Portoperiode und die Frankatur sind bei diesem Stück nebensächlich. Die Rückseite ist viel aussageintensiver.

Hochinteressantes Stück aus der Zeit der Ruhrbesetzung bzw. des Ruhrkampfes.

Glückwunsch zu dem schönen und auch seltenen Zeitdokument.

Gruß

LK
 
muemmel Am: 08.12.2013 10:47:21 Gelesen: 701535# 2651 @  
@ LK [#2650]

Hallo LK,

in der Tat ist die Rückseite in diesem Fall erheblich interessanter. Ich hatte jedoch bewusst nicht darauf hingewiesen, um so erfreulicher, dass Du diese Besonderheit erkannt hast.

Grüßle
Mümmel
 
inflamicha Am: 08.12.2013 16:00:32 Gelesen: 701378# 2652 @  
Hallo,

man sieht es diesem Brief zwar nicht gleich an, aber auch er hat mit der Rheinlandbesetzung zu tun. Um ausstehende Reparationslieferungen zu erzwingen besetzten Franzosen und Belgier weitere rechtsrheinische Gebiete ("Ruhreinbruch"), so kamen die Franzosen am 14. Januar 1923 beispielsweise bis Velbert. Vohwinkel als Zielort des Briefes wurde erst im März besetzt.

Es handelt sich um einen eingeschriebenen Fernbrief der 2. Gewichtsstufe 21-100 Gramm der Schloß- und Metallwarenfabrik C. Ed. Schulte AG in Velbert vom 23.1.1923 an die Spedition Carl Phil Weber in Vohwinkel. Das Porto betrug 70 Mark, die Einschreibgebühr schlug mit 40 Mark zu Buche.



Auf der Rückseite sind 3 Stempelabdrucke der Custos Portokontrolle zu sehen. Mit den Geräten sollte die missbräuchliche Verwendung der firmeneigenen Briefmarken verhindert werden. Für jeden Geldbetrag gab es ein Gerät mit Zählwerk. Während ein Mitarbeiter die Postsendung mit den Portobeträgen bestempelte, klebte ein anderer die Marken auf. Die Zählwerkendstände mussten mit den verbrauchten Marken übereinstimmen.

Mit zunehmender Inflation kam das Unpraktische des Verfahrens zutage, da die vorhandenen Stempelbeträge mit dem tatsächlichen Porto nicht mehr mitkamen. Auf diesem Brief hier war man bereits dazu übergegangen, einfach eine Stelle draufzuschlagen. Bei diesem Brief hier lässt sich allerdings nicht sagen, ob nun der 10 Mark-Stempel zum "Hunderter" oder die 5 Mark-Stempel zum "Fünfziger" geworden sind, Sinn macht beides. Beide denkbaren Varianten ergeben das Gesamtporto von 110 Mark.

Schönen Sonntag und beste Grüße

Michael
 
Germaniafan Am: 08.12.2013 18:03:13 Gelesen: 701319# 2653 @  
@ Germaniafan [#2434]

Nach langem Grübeln bin ich wahrscheinlich auf die Lösung des Rätsels gekommen.

Der Beleg war meiner Meinung nach vom Gemeindeamt Leiching als Zeitungs-Päckchen an das Messungsamt Landau frankiert worden. (Päckchen 100 Mark Bestellgeld 25 Mark) Diese Vermutung wird dadurch untermauert dass die ehemaligen 5 Marken der Mi.Nr. 33 zuerst verklebt wurden.(Diese sollten vermutlich das ermäßigte Bestellgeld für ein Zeitungspäckchen von 25 Mark abdecken) Zusehen durch das spätere Überkleben (auf dem Postamt) der roten 1 Mark-Marken der Mi.Nr. 30. Zudem wurde die Rückseite mit einem Bogen der Mi.Nr.30 frankiert (Portokosten 100 Mark für ein Päckchen).

Bei der Abgabe der Sendung beim Postamt in Teisbach wurde aber wohl bemerkt dass das zulässige Gewicht für ein Päckchen von 1000g überschritten war. Nun wurde das Zeitungspäckchen durch Aufkleben der Paketmarke und weiterer 50 Marken zu je 1 Mark zum Zeitungspaket. Porto für ein Zeitungspaket bis 5 Kg 150 Mark plus den 25 Mark für das Bestellgeld macht portorichtig 175 Mark.
Wenn ich den Beleg ins Durchlicht halte ist unter der Paketmarke zu lesen "per Päckchen".

In Rotschrift ist zu lesen " Zustell bez \ Dienstmarken \ schon auf Brief" womit die ehemaligen 5 Marken zu je 5 Mark genmeint sein dürften.

Um dies zu verdeutlichen noch einmal der Scan der Vorder- und Rückseite:



Danke nochmals an juni-1848, der mir bei der Entzifferung des Rotstrichvermerks und den Hinweis auf ein Paket behilflich war.

Schöne Grüße

Guido
 
juni-1848 Am: 08.12.2013 19:07:42 Gelesen: 701286# 2654 @  
@ Germaniafan [#2653]

Damit wäre die Erklärung perfekt.

Seinerzeit hatte ich die Gebühr für das "Zeitungspaket" bis 75 Entfernungs-Kilometer und 5 kg Gewicht zwar gesehen, jedoch direkt wieder verworfen in dem Glauben, Zeitungspakete seien auf einen speziellen Einliefererkreis eingeschränkt gewesen.

Mangels mir vorliegender Literatur /Dienstvorschriften etc. ist immer noch unklar:

1. Waren Zeitungspakete nun auf einen speziellen Einliefererkreis eingeschränkt oder nicht?

2. Falls ja (zu 1.), auf welche und gab es hiervon Ausnahmen, etwa für Behörden?

Vielleicht kennt jemand die Antwort und kann sie mit entsprechender Quelle belegen ?

Schön, Guido, dass auch Du derlei Riesenformate nicht liegen läßt. Sie sprengen zwar manchmal jedes Album, wissen aber spannende Geschichten zu erzählen.

Läßt Du den Beleg noch in die Datenbank wandern ?

Sammlergruß, Werner
 
Germaniafan Am: 08.12.2013 19:15:57 Gelesen: 701276# 2655 @  
@ juni-1848 [#2654]

Hallo Werner,

der Beleg wurde mit dieser Beschreibung auch in die Datenbank eingegeben. Er wurde nur noch nicht freigegeben.

Schönen Abend noch
Guido
 
inflamicha Am: 08.12.2013 19:21:07 Gelesen: 701275# 2656 @  
@ Germaniafan [#2653]

Ich glaube nicht, dass das die Erklärung ist. Weder gab es am Postschalter Dienstmarken (die wurden direkt (nach Bestellung) von den Postwertzeichen-Verteilämtern an die Behörden geliefert) noch wurden bei Paketen die Marken auf die Sendung geklebt - die kamen auch bei Zeitungspaketen auf die Paketkarte.

Gruß Michael
 
Germaniafan Am: 08.12.2013 19:30:41 Gelesen: 701265# 2657 @  
@ inflamicha [#2656]

Hallo Michael,

vielen Dank für Deinen Hinweis. Tja so schnell kann sich eine mir eigentlich einleuchtende Erklärung ändern. Eventuell wurde der Beleg ja auch auf der Behörde mit Dienstmarken nachfrankiert.

Ich finde einfach keine andere Erklärung, die einen Sinn machen würde.

Schöne Grüße
Guido
 
juni-1848 Am: 08.12.2013 19:41:11 Gelesen: 701257# 2658 @  
Und für die Infla-Freunde habe ich auch noch einen, der reichlich zu erzählen hat, auch wenn er kleineren Formates ist, als das Zeitungspaket von Germaniafan:

Aus der PP 1 (1.7.1906 bis 31.7.1916) stammt dieser vielgereiste Fernbrief (10 Pf) per Eilzustellung (25 Pf):



(Datenbank # 4504)

1. Dieser Eil-Fernbrief der Firma Victor Müller & Co, Chemnitz, wurde am "-3.2.11.11-12V." an ihren Handlungsreisenden "aus Chemnitz" gesendet ins Hotel Monopol nach Cöln "-4.2.11.5-6-V.".

2. Da der Handlungsreisende dort noch nicht angekommen war (handschriftl. Uhrzeit "5 Uhr" und Botenstempel mit Nummer), wurde der Eilbrief ins Hotel Monopol umadressiert und weitergeleitet nach Düsseldorf "-4.2.11.8-9-V.".

3. Dort notierte der Bote "Partmann" rückseitig: "Abger. nach Cöln Hotel Monopol \ Partmann 4/2". Vorderseitig wohl eine Tintenvermerk des Hotels Monopol in Düsseldorf: "nachsenden nach Cöln Rhn. Hotel Monopol" sowie der postalische Vermerk "nachgesandt 4/2" und in gleicher Handschrift "Cöln (Rhein)".

Mit Blaustift wurde der Hotelvermerk teils unterstrichen und die Düsseldorfer Hotel-Anschrift durchgestrichen.

Zugestellt wurde der Eilbrief dann (mit Boten-Nummernstempel) in Cöln am "-4.2.11.12-1N." mit handschriftlichem Uhrzeitvermerk "12,20" Uhr.

Der Brief aus Chemnitz eilte am Bestimmungsort angekommen binnen 6 Stunden dem Handlungsreisenden nach: Von Cöln nach Düsseldorf und zurück nach Cöln, und wurde ohne erneutes Eilboten-Porto in Cöln ein zweites Mal am selben Tag durch besonderen Boten zugestellt.

Noch einen besinnlichen 2. Advent,
Werner
 
juni-1848 Am: 08.12.2013 19:57:02 Gelesen: 701243# 2659 @  
@ Germaniafan [#2653] + [#2657]
@ inflamicha [#2656]

Da mir aus verschiedenen Zeiten Paketkarten mit hanschriftlichem Vermerk "Gebühr auf Paket verklebt" und Verpackungsabschnitte mit durchgestrichenem "Päckchen" nebst Nachfrankatur auf dem Ausschnitt oder der Paktekarte vorliegen, halte ich Guidos Erklärung für die einzig richtige - unter Berücksichtigung von Michaels Einwand " Weder gab es am Postschalter Dienstmarken (die wurden direkt (nach Bestellung) von den Postwertzeichen-Verteilämtern an die Behörden geliefert)".

Die beflissenen Beamten haben nach Feststellung des Übergewichtes die Bogenweise Zufrankatur kurzerhand auf das Paket geklebt anstatt die Marken "um die Paketkarte zu wickeln".

Vorschriften waren und sind zu jeder Zeit dazu da, um mehr oder weniger improvisiert eingehalten zu werden. ;-)

Leuchtenden Advent noch, Werner
 
BD Am: 08.12.2013 20:25:09 Gelesen: 701225# 2660 @  
Hallo,

sehr rätselhaft.

Warum ursprünglich nicht als Fernbrief bis 500gr. mit 180 Mark frankiert, wobei die fehlende Marke 10 Mark wäre.Drucksache bis 2000gr. scheidet, da weder Hinweis und verschlossen, aus.

Versand als Päckchen auf Grund der Außenmaße ausgeschlossen ( Höchstlänge etwa 25 cm.) Fernbrief und Päckchen ohne Zustellgebühr.Wenn über 500 gr. Gewicht, war Paketversand einzige Möglichkeit.

Aber die Marken waren auf dem Brief, deshalb die Notiz. Weil sie auf der Paketkarte fehlten.

Restsumme auf Paketkarte, wobei die auf dem Beleg befindlichen Marken als Gebühr Bezahlt auf der Paketkarte verechnet wurden. Da die jetzt erforderliche Zustellgebühr im Voraus mit bezahlt werden sollte, war der Hinweis "Zustellgebühr bezahlt" auf dem jetzigen Paket notwendig.

Zugegeben gewagt, aber etwas anderes fällt mir nicht ein.

@ juni-1848 [#2654]

Hallo Werner,

siehe unten.

Beste Grüße von Bernd,
der sich freut ab dem 20.12. im Forum wieder aktiv zu sein. Leider ist es momentan nicht möglich, im gehobenen Alter von über 60 ist eine Baustelle mit 10 Arbeitsstunden täglich 435 km vom daheim zu Kraft- und Nervenraubend.


 
Germaniafan Am: 08.12.2013 21:04:55 Gelesen: 701202# 2661 @  
@ inflamicha [#2656]

Ich habe mir die ganze Sache noch einmal bildlich vorgestellt.

Wenn ich ein Bote der Gemeinde wäre, der schon öfter Dienstsendungen zur Post bringen mußte und weiß, dass ein Postamt keine Dienstmarken zur Nachfrankatur besitzt, würde ich zumindest einen Bogen-Dienstmarken gegebenenfalls zur Nachfrankatur in meiner Aktentasche haben.

@ BD [#2660]

Danke für Deine Überlegungen und den beigefügten Scan.

Dass die fehlende Marke eine 10 Mark-Marke war, schließe ich aus. Dafür ist deutich noch das typische gelbliche Papier der 5 Mark-Marke auf dem Brief vorhanden. Auf dem Scan allerdings nicht so deutlich zu sehen.

Schönen Abend noch und vielen Dank für die rege Diskussion.
Guido
 
muemmel Am: 09.12.2013 18:50:38 Gelesen: 700757# 2662 @  
Guten Abend,

aus der Portoperiode 19 (1.–9.10.1923) heute ein simpler Fernbrief:



(Datenbank # 4526)

Der Brief ging am 8.10.23 von Dresden nach Ebersbach auf die Reise und wurde mit einer 309 APa frankiert. Aufgrund der verwendeten Pfiffikus-Adresskappe könnte man meinen, es handele sich um einen erneut verwendeten Umschlag, aber dem ist mitnichten so. Anscheinend hat sich die Firma Ahlhelm diese Adresskappen mit ihrem Absender drucken lassen und damit es schnell ging, eben diese verwendet.

Grüßle
Harald
 
inflamicha Am: 09.12.2013 21:07:14 Gelesen: 700659# 2663 @  
Guten Abend,

von mir gibt´s heute auch was einfaches: Fernbrief aus der 4fach-Periode von Berlin nach Schwabach, das Porto von 80 Mrd. Mark wurde mit einer 20 Mrd.-Marke, die zum 4fachen Nennwert verwendet wurde, bezahlt.



Gruß Michael
 
juni-1848 Am: 09.12.2013 22:19:20 Gelesen: 700623# 2664 @  
@ Germaniafan [#2653]
@ BD [#2660]

Schade, die "zusammengefummelten" Erklärungen hätten dem Beleg eine schöne "runde Note" verliehen.

Mit der "Definition" der Zeitungspakete ist die Gebühren-Spielerei dann doch vom Tisch und es bleibt nur die von Bernd (BD) nochmal zusammengefaßte vorherige Diskussion:

" ... war Paketversand einzige Möglichkeit.
Aber die Marken waren auf dem Brief, deshalb die Notiz. Weil sie auf der Paketkarte fehlten.
Restsumme auf Paketkarte, wobei die auf dem Beleg befindlichen Marken als Gebühr Bezahlt auf der Paketkarte verrechnet wurden. Da die jetzt erforderliche Zustellgebühr im Voraus mit bezahlt werden sollte, war der Hinweis "Zustellgebühr bezahlt" auf dem jetzigen Paket notwendig.
Zugegeben gewagt, aber etwas anderes fällt mir nicht ein.
"

Siehe z.B. im Thema "Bund Dauerserie Heuss": [http://www.philaseiten.de/beitrag/76566]. So etwas gab und gibt es immer mal wieder.

Schönen Abend noch, Werner
 
JoshSGD Am: 10.12.2013 12:37:20 Gelesen: 700396# 2665 @  
Werte Belegefreunde,

heute wieder ein Kettenhemd auf Fernpostkarte von Leutenberg nach Leipzig-Gohlis. Die Karte lief am 18.06.1922 (PP 7, 1.1. - 30.6.1922) und ist portogerecht mit 1,25 Mark, EF Mi.Nr. 151, frankiert. Bahnpoststempel Z1158 von Triptis nach Marxgrün.



Gruß
Josh

(Datenbank # 2839)
 
juni-1848 Am: 10.12.2013 21:06:41 Gelesen: 700200# 2666 @  
Moin zusammen,

den hier aus der PP 10 (15.11.1922 bis 14.12.1922) hatte ich gestern schon im Thema: "Deutsches Reich: Devisenkontrolle im Auslandsbrief- und Paketverkehr" gezeigt [http://www.philaseiten.de/beitrag/76584]



(Datenbank # 4514)

Der Brief bis 20g wurde im Grenzverkehr (12 Mark) vom Barmer Bank-Verein, Fil. Goch, am 1.12.1922 nach Boxmeer (Niederlande) versendet per Einschreiben (8 Mark) und frankiert mit vor der Entwertung eingerissener 20 Mark Posthorn (Unterdruck).

Rückseitig die Devisenkontrolle mit Zettel der Kontrollstelle 25 (Cleve). Von dieser Kontrollstelle sind mir bisher keine weiteren Belege mit numeriertem Devisenkontrollzettel bekannt (siehe hierzu auch: [http://www.philaseiten.de/beitrag/11026]).

Mit Sammlergrüßen, Werner
 
inflamicha Am: 10.12.2013 22:15:04 Gelesen: 700177# 2667 @  
Guten Abend,

heute von mir auch ein nochmals verwendeter Briefumschlag, die "Briefkappe" ist hier nicht die bekannte "Pfiffikus", sondern eine ausschließlich mit den Angaben der absendenden Firma aus Mühlhausen bedruckte eigene Version.



Dieser Fernbrief nach Langensalza kostete am 7.9.1923 75.000 Mark, draufgepappt sind 18 mal 4000 und 6 mal 500 Mark.

Gruß Michael
 
muemmel Am: 10.12.2013 22:26:33 Gelesen: 700175# 2668 @  
Guten Abend,

heute habe ich einen Beleg aus der Portoperiode 2 (1.8.1916–30.9.1918), der wahrscheinlich auch in einem anderen Thema Platz finden dürfte:



(Datenbank # 4086)

Feldpost- und Kriegsgefangenenkarten/briefe waren bekanntlich portofrei, wie auch bei diesem Brief. Er wurde von Krefeld am 18.9.16 nach Kopenhagen an das dortige "Hilfskomité" geschickt. Auf der Vorderseite befinden sich links unten ein runder Stempel "Postprüfungsstelle Offiziersgefangenenlager Crefeld F.a.", wobei ich nicht weiß, was "F.a." zu bedeuten hat. Darunter ein zweizeiliger Stempel "Auf Inhalt und Richtigkeit geprüft". Rückseitig offen und ohne weitere Merkmale.

Dass 1916 in Krefeld eine Gefangenenenlager für russische Offiziere existierte, habe ich inzwischen eruiert. Für weitere Informationen wäre ich sehr dankbar.

Schöne Grüße
Harald
 
juni-1848 Am: 11.12.2013 09:47:09 Gelesen: 699911# 2669 @  
@ muemmel [#2668]

Moin Mümmel,

im Erlaß vom 11.11.14 war der Postverkehr der Kriegsgefangenen geregelt. Aus Sicherheitsgründen sollte die Absendung der Post von Kriegsgefangenen erst 10 Tage nach Auflieferung erfolgen.

Allerdings war eine Überwachung dieser Frist in der Praxis nicht immer möglich. Das Kriegsministerium befahl daher am 11.11.15, die Kriegsgefangenenpost vor der Weitergabe mit einem Stempel-Vermerk "F.a." = "Frist abgelaufen" zu versehen, der den Ablauf der 10-Tages-Frist auf einen Blick erkennen ließ.

Das Offizierslager Krefeld war der VII. Inspektion (Aufsichtsbehörde) unterstellt. Das VII. Armeekorps in Münster unter Inspekteur Generalleutn. von Bitter unterhielt bis zum Ende des Erstens Weltkrieges 8 Mannschaftsunterkünfte (Dülmen, Fried­richsfeld, Holthausen (Kreis Büren), Minden I + II, Münster I bis III, Senne I bis III (bei Bielefeld) sowie 3 Offizierslager (nur russische Kriegsgefangene) in Gütersloh, Krefeld und Werl. Am 10. Oktober 1918 saßen im Lager Crefeld noch 594 Offiziere, 158 Mannschaftsdienstgrade sowie 2 Zivilpersonen russischer Herkunft ein.

Quelle: Kriegsgefangene Völker, Band 1, von Wilhelm Doegen, Verlag für Politik und Wirtschaft, Berlin 1921

Sammlergruß, Werner
 
wuerttemberger Am: 11.12.2013 10:10:35 Gelesen: 699909# 2670 @  
@ juni-1848 [#2669]

Das Kriegsministerium befahl daher am 11.11.15, die Kriegsgefangenenpost vor der Weitergabe mit einem Stempel-Vermerk "F.a." = "Frist abgelaufen" zu versehen, der den Ablauf der 10-Tages-Frist auf einen Blick erkennen ließ.

Das wurde schon im Januar 1915 angeordnet.

Gruß

wuerttemberger
 
muemmel Am: 11.12.2013 10:38:36 Gelesen: 699898# 2671 @  
@ juni-1848 [#2669]

Servus Werner,

ganz vielen Dank für die Erläuterungen, das hilft doch enorm weiter.

@ wuerttemberger [#2670]

Danke für die Ergänzung.

Schöne Grüße
Harald
 
drmoeller_neuss Am: 11.12.2013 12:11:46 Gelesen: 699869# 2672 @  
@ muemmel [#2662]

Aufgrund der verwendeten Pfiffikus-Adresskappe könnte man meinen, es handele sich um einen erneut verwendeten Umschlag, aber dem ist mitnichten so.

Ich kann unter dem Adressaufkleber deutlich eine andere Adresse erkennen, oder hat einer Deiner Belege abgefärbt und Dein Scannerglas verschmutzt? :)
 
juni-1848 Am: 11.12.2013 14:58:09 Gelesen: 699802# 2673 @  
Moin zusammen,

heute einer aus der PP 14 (1.7. bis 31.7.1923), der näher erklärt werden will:





Das damalige Großformat-Couvert (ca. 40 x 14 cm) wurde von Privat in Menslage am 4.7.1923 aufgegeben an das Landratsamt in Bersenbrück und ist vorderseitig mit Bogenteilen von insgesamt 50 Stück der Mi. 228P (6 Mark, Posthorn) frankiert.

Zusammen also 300 Mark, die das Porto für einen Fernbrief bis 20 Gramm deckten. Weiter auf der Vorderseite 5 Stück Mi. 224 (2 Mark, Posthorn) sowie rückseitg in Einheiten ein ganzer Bogen der Mi. 183 (50 Pf, Ziffern im Rechteck). Zusammen sind das 60 Mark, also insgesamt ausreichend für einen Fernbrief der 2. Gewichtsstufe 21 bis 100 Gramm.

Vorderseitig finden wir noch einen blau umrahmten handschriftlichen Vermerk des Postbediensteten:



"Postseitig ist der Brief um 15 gramm erschwert {Malau ?} 4/2".

Meine Erklärungsversuch hierzu:

Das Couvert enthielt Dokumente an das Landrats-Amt in Bersenbrück, die zusammen mit dem Couvert zwischen 86 und 100 Gramm gewogen haben werden.

Kurz nach der Portoerhöhung vom 1.7.1923 (ein Sonntag) wurden die kleineren Werte bogenweise aufgebraucht. Nach dem Bekleben stellte der Postagent fest, dass der Brief samt "angefeuchteter Frankatur" nun 15 Gramm mehr wog und damit das Gewicht von 100 Gramm überschritt (101 bis 115 Gramm). Ein Brief der nächst höheren Gewichtsstufe war mit 450 Mark zu frankieren.

Also schlug die preussische Genauigkeit zu mit diesem handschriftlichen Vermerk, der dem Empfänger eine eventuelle Nachgebühr ersparen sollte. Offensichtlich trauten die Postagenten in der Anfangszeit solcher Massenfrankaturen nicht den eigenen Vorschriften, nach denen der eingelieferte Beleg gewogen und dem Gewicht entsprechend freigemacht wurde.

Siehe auch diesen Beleg (ohne Nachgebühr) in der Datenbank:
[http://www.inflaseiten.de/belege/zeigen/2378].

Die aufgenähten Marken hatten sowohl das Gewicht als auch die Dicke einer Postkarte überschritten.

Gibt es ggf. eine andere Erklärung für diesen Vermerk ?

Großformatige Grüße,
Werner

Mal schauen, wie ich den in der Datenbank unterbringe.
 
muemmel Am: 11.12.2013 18:45:53 Gelesen: 699700# 2674 @  
@ drmoeller_neuss [#2672]

Grüezi Uli,

Du hast ja sowas von recht. Da habe ich wohl zu schnell weg geguckt, denn meine Suche beschränkte sich auf Marke(n) unter der Adresskappe, die aber nicht vorhanden sind. Werde das Teil nochmals genauer zu Gemüte führen.

Grüßle
Mümmel
 

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