Neues Thema schreiben   Antworten     zurück Suche   Druckansicht  
Thema: Belege aus der eigenen Familiengeschichte
Das Thema hat 155 Beiträge:
Gehe zu Seite: 1 2   3   4 5 6 7 oder alle Beiträge zeigen
 
volkimal Am: 12.07.2013 16:22:38 Gelesen: 44892# 31 @  
Hallo zusammen,

aus aktuellem Anlass noch einmal ein Nachtrag zu den Beiträgen [#14] sowie [#19] bis [#26]. Dort habe ich von den Geschwistern Hentschel in Muskau berichtet. Die meisten Belege gingen an Theodor Hentschel, den Bruder von Urgroßvater. Dieser sammelte und handelte vor allem mit Kolonial-Belegen. Durch das Mitgliedsverzeichnis des Verbandes der Abstempelungssammler [#20] habe ich erfahren, dass sein Sohn Theodor Hentschel (II) ebenfalls Briefmarkensammler war.

Gestern erhielt ich diese Karte von Theodor Hentschel (II) an die Gebrüder Senf. Ich konnte sie bei Ebay ersteigern.



Theodor Hentschel (II) schreibt:

Erlaube mir ganz ergebene
Anfrage wann Ihr neuer Catalog
für Briefmarken Übersee (Asien – Australien,
Afrika Amerika)
erscheint + was derselbe kostet. 1925
könnte zwei davon verkaufen.
vielleicht noch mehr + wie verkaufen Sie
diesen an Wiederverkäufer
Sehe Ihrer baldigen Offerte entgegen
Hochachtungsvoll
Th. Hentschel
Briefmarkenhändler

Ohne es bisher zu wissen, habe ich also einen zweiten Briefmarkenhändler in meiner Familie.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 13.07.2013 07:48:12 Gelesen: 44862# 32 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter mit Urgroßvater Ferdinand Werdermann. Diesmal mit einer 2 Pfg. Postkarte von Urgroßmutter an Urgroßvater.



2 Pfg. als Frankatur kann verschiedene Ursachen haben:

1) Ortspostkarte
2) Nachbarortsverkehr
3) Drucksache
4) Fernpostkarte mit bis zu 5 Wörtern

zu 1) Die Postkarte ist von Dobrilugk nach Berlin geschickt worden. Es ist also keine Ortspostkarte.
zu 2) Nachbarortsverkehr scheidet aus, da Dobrilugk und Berlin 120 km voneinander entfernt sind
zu 3) Es fehlt der Vermerk "Drucksache" - aber das kommt häufiger vor
zu 4) hier hilft nur ein Blick auf die Rückseite:



Wenn man diese Postkarte betrachtet, so scheint es, dass Urgroßmutter sehr sparsam war. Sie hat diese Postkarte an ihren Mann mit ihrer kleinen Schrift sehr eng beschrieben. Als der Platz nicht ausreichte, hat sie zusätzlich noch einmal senkrecht dazu weitergeschrieben. Also etwas mehr als 5 Worte.

Die Karte ist also irrtümlich mit nur 2 Pfg. Porto durchgerutscht. Eigentlich waren 5 Pfg. für eine Fernpostkarte erforderlich. Urgroßvater hatte Glück, dass er keine Nachgebühr zahlen musste.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Volkmar
 
volkimal Am: 21.07.2013 07:42:13 Gelesen: 44784# 33 @  
Hallo zusammen,

es geht werter mit meinen Urgroßeltern:


Die Urgroßeltern hatten fünf Kinder. Hilde, die jüngste Tochter starb 1908 im Alter von 13 Jahren. Die drei Brüder Hermann, Gottfried und Johannes besuchten 1909 auf einer Radtour ihre Schwester Dora, die in Gramzow im Pensionat war. Auf dieser Karte an die Eltern haben alle vier Geschwister, die Pensionatsleiterinnen und die anderen Schülerinnen des Pensionats unterschrieben.

Auf der Vorderseite der Karte schreibt die Tochter Dora Werdermann:

Liebe Eltern! Herzl. Sonntagsgrüße sende ich Euch mit Dank für den Brief. Im Ordnungsbuch hatte ich in allem "recht gut" und ein Lob. Ich freue mich sehr, daß die Brüder hier sind. Eure tr. Tochter D.W.

Der Gruß auf der Rückseite ist von meinem Großvater. Er schreibt:

Liebe Eltern! Auf Doras Platz in der Schule sitzend will ich Euch unsere Grüße senden. Nach einer großartigen Fahrt von Lychen nach Prenzlau u. von dort nach hier, wo uns nur zuletzt der Wind etwas hinderte, kamen wir gestern zum Kaffee hier an und wurden sehr nett aufgenommen... Viele hrzl. Grüße Euer tr. Sohn Hermann Werdermann

Darunter habe die beiden anderen Brüder Gottfried (Friedel) und Hans unterschrieben.

Viele Grüße
Volkmar Werdermann
 
volkimal Am: 28.07.2013 14:59:32 Gelesen: 44705# 34 @  
Hallo zusammen,

Urgroßvater war 22 Jahre Pastor in Friedersdorf und viel krank gewesen. Da war es oft sein Wunsch, eine leichtere Pfarrstelle zu bekommen. Fast jeden Tag war er unterwegs, oft in zwei Gemeinden, um Kranke und Alte zu besuchen. In allen drei Gemeinden, die zu Friedersdorf gehörten, hielt er Gottesdienste und Missionsstunden. So bewarb er sich schließlich nach Kraatz und bekam die Stelle auch. Ende 1910 zogen die Urgroßeltern nach Kraatz. Dies war eine leichte Stelle und zudem lag sie in der Nähe seines Geburtsortes Menz.



Auf dieser Karte vom 1.1.11 schreibt Urgroßmutter kurz nach dem Umzug:

Ein gesegnetes glückliches neues Jahr wünschen wir Dir, liebe Trude, und Eurer ganzen Familie mit herzlichen Grüßen aus der neuen Heimat. Den Umzug, von gutem Wetter begünstigt haben wir glücklich hinter uns am 24. beendet. Das Haus ist bequem aber viel kleiner als in Friedersdorf, wir werden im Stall ein Zimmer im Sommer einrichten müssen, da wir kein Fremdenzimmer haben. Der dunkle Zaun, rechts auf dem Bilde, gehört zum Pfarrgehöft. Die Kirche hat Altertumswert ist außen und innen sehr sauber. Die Gemeinde zählt nicht 400 Seelen.

Diese Karte ist einer der wenigen Belege, die ich dazugekauft habe. Ich fand sie unter dem Stichwort "Kraatz" bei Ebay.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 23.08.2013 11:39:37 Gelesen: 44463# 35 @  
Hallo zusammen,

unser Sommerurlaub - eine Fahrradtour über zweieinhalb Wochen und 1000 km - ist leider zu Ende. Das erste Ziel, den westlichsten Punkt Deutschlands hatten wir nach drei Tagen erreicht. Danach ging es ins Saarland zu Familie meiner Mutter. Aus dem Saarland werde ich später auch noch einiges hier zeigen.

Jetzt kann ich mich wieder aktiv am Forum beteiligen. Weiter geht es mit den Urgroßeltern:



Etwa ein Jahr nach ihrem Umzug von Friedersdorf nach Kraatz bekam Urgroßmutter diese Ansichtskarte aus Friedersdorf. Sie hat einen traurigen Grund. Im Text geht es darum, dass ein kleiner Junge aus dem Dorf von einem Wagen überrollt und getötet wurde.

Friedersdorf (es gehört heute zu Rückersdorf) ist ein Straßendorf mit einer bis zu 40 Meter breiten "Straße" in der Mitte. Dieses ist auf der Fotokarte gut zu sehen. Als wir vor drei Jahren unsere Deutschland-Durchquerung mit dem Rad vom östlichen bis zum westlichsten Punkt begannen, waren wir auch in Friedersdorf und anderen Orte in der Oberlausitz. Dort sahen wir, dass diese breiten "Straßen" dort häufiger vorkamen.

Soweit für heute, viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 26.08.2013 19:54:47 Gelesen: 44390# 36 @  
Hallo zusammen,

eine der schillerndsten Figuren, die regelmäßig bei den Urgroßeltern zu Besuch waren, war der Burenkommandant Koos Jooste.



Während des Ersten Weltkrieges diente Koos Jooste als Kriegsfreiwilliger bei der Kaiserlichen Marine. Diese Fotokarte, die er am 21.12.1914 an meinen Urgroßvater schickte, trägt daher den Stempel „Sperrkommandant Borkum“. Alle deutschen Flussmündungen, also auch die Ems, wurden im Ersten Weltkrieg mit Sperrfahrzeugen gegen feindliches Eindringen gesichert.

Großvater schreibt über Herrn Jooste:

Besonders interessant war für uns der wiederholte Besuch des Burenkommandanten Koos Jooste. Vielerlei zog uns bei ihm an: Er kam aus dem fernen Burenland, dessen Freiheitskrieg wir mit Begeisterung und Anteilnahme miterlebt hatten. Er fuhr auf einem Fahrrad, an dem die Spuren von englischen Kugeln waren, Spuren der schweren Kämpfe dort unten. Und Herr Jooste war immer heiter, steckte voll lustiger Geschichten, die er noch dazu wirkungsvoll, in einem etwas gebrochenen Deutsch erzählte.



Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 01.09.2013 20:56:18 Gelesen: 44271# 37 @  
Hallo zusammen,

Koos Jooste war ein begeisterter Sportler und Radfahrer. Schon 1893 fuhr er das erste Mal mit dem Fahrrad von Pretoria nach Kapstadt. Für die 1600 km brauchte er nur 133 Stunden (ohne Übernachtungen). Während der Burenkriege (1899 – 1902) war er u.a. Führer einer Fahrradeinheit. Nachdem er hörte, dass die Engländer 1000 ₤ auf seinen Kopf ausgesetzt hatten, floh er im Mai 1900 nach Europa. In seiner "zweiten Heimat“ Deutschland hielt er mehr als 8000 Vorträge. Dabei dürfte er auch meine Urgroßeltern kennengelernt haben.



Auf dieser Karte aus dem Jahre 1907, die er nach Friedersdorf geschickt hat, geht es um einen Vortag, den Koos Jooste dort halten möchte. Bei diesen Vorträgen hat Herr Jooste zahlreiche Ansichtskarten verkauft. Im Internet findet man immer wieder solche Stücke:



Die untere Karte trägt den handschriftlichen Zusatz „Jooste hielt am Mittwoch, den 14.2.1917 in Oldenburg in der Union eine Rede über nationale Gegenwartsfragen“.

Zum Abschluss über Herrn Jooste noch ein paar Worte aus den Lebenserinnerungen von Großvater:

Jooste war durch Vermittlung eines Freundes nach Böhmen in ein altadeliges Haus zur Jagd eingeladen. Er folgte der Einladung gern, nur war es ihm sehr unbehaglich zumute, weil der Freund ihm erklärt hatte, er müsste der Dame des Hauses auf jeden Fall die Hand küssen. Dies erschien dem Buren eigenartig; er sagte: Bei uns küsst man die Damen auch gern, aber lieber an eine andere Stelle! ...
Als sie zum Schloss kamen ging Jooste stracks auf die gut angezogene Frau zu und küsste ihre Hand, ehe ihn sein Freund zurückhalten konnte – er hatte das Zimmermädchen geküsst.


Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 26.09.2013 20:19:19 Gelesen: 43959# 38 @  
Hallo zusammen,

endlich komme ich wieder einmal dazu, einen Beitrag zu meinem Lieblingsthema - der Familiengeschichte und Philatelie - zu schreiben. Es geht weiter mit meinen Urgroßeltern.

Gleich nach Beginn des Ersten Weltkriegs meldeten sich mein Großvater und sein Bruder Hans als Kriegsfreiwillige. Es war aber gar nicht so einfach Soldat zu werden. In den ersten Tagen des Krieges meldeten sich so viele Kriegsfreiwillige, dass es gar nicht möglich war, alle sofort zu übernehmen. Es hat aber dann geklappt, und beide sind Soldat geworden. Dazu aber später mehr.



Ihre Schwester Dora arbeitete während des Ersten Weltkrieges als Krankenschwester. Die Ansichtskarte mit vier Bildern aus Kraatz schickte Urgroßmutter 1915 an ihre Tochter, als diese in Magdeburg im Krankenhaus als Schwester tätig war.



Während des Ersten Weltkrieges schrieb Urgroßvater viele Karten an die Verwandten und Bekannten, die als Soldat im Felde waren. Besonders interessant finde ich diese Karte vom 3.10.1917. Auf ihr steht in 9 verschiedenen Sprachen: „Ich bin gesund und mir geht es gut“ und „Auf dieser Karte darf sonst nichts mitgeteilt werden“. Der Absender war bei der „Armee Fernsprech Abteilung 101 beim Kommando“.

Wer kann mir etwas zu dieser ungewöhnlichen Karte sagen?

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 05.10.2013 12:40:09 Gelesen: 43822# 39 @  
Hallo zusammen,

heute noch ein paar weitere Belege von bzw. an meinen Urgroßvater aus der Zeit des Ersten Weltkrieges:



Auffällig an dieser „Volkserzieherkarte“ vom 14.3.1918 sind die Hakenkreuze auf der Rückseite. Man sieht deutlich, dass das Hakenkreuz viel älter als das Dritte Reich ist. Die Karte trägt auf der Vorder- und Rückseite die Propaganda-Sprüche „Wer Gott vertraut, fest um sich haut, hat wohl gebaut“ und „Treu leben, Todtrotzend kämpfen, Lachend sterben“.

Urgroßvater erhielt die Karte von dem Spanier Ricardo Fages. Die Urgroßeltern hatten Ricardo in den großen Ferien bei sich in Kraatz aufgenommen, während er in Ducherow auf das Seminar ging. Während des Krieges war er beim Scheinwerfer-Zug des Niederschlesischen Pionier-Bataillons.



Wie die beiden Briefe zeigen, gab es gelegentlich Probleme mit den Adressen. Der erste Brief wurde mehrmals hin- und hergeschickt und kam schließlich wieder zu Urgroßvater zurück. Daneben eine weitere Karte mit einem interessanten Spruch.

Soweit die Zeit des Ersten Weltkriegs.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 29.10.2013 09:51:25 Gelesen: 43497# 40 @  
Hallo zusammen,

diese Karte hat Großvater an seine Frau geschickt, als sie gerade bei den Schwiegereltern in Kraatz zu Besuch war. Damit der Briefträger die beiden Pfarrersfrauen unterscheiden kann schrieb er die Karte an „Frau Pastor Ilse Werdermann“.



Er hat die Karte wohl unterwegs im Zug geschrieben, denn die Postbeamten konnten den Ortsnamen "Kraatz" nicht lesen ("?" hinter Kraatz). Die Karte ging zunächst nach Crivitz (unterste Zeile). Dort angekommen wird oben links vermerkt "Empf. in Crivitz unbekannt". Von Crivitz aus wird die Karte nach Kyritz weitergeschickt => senkrechter Vermerk "Kyritz Prignitz unbekannt".
Schließlich bekam die Karte den Hinweis "Zurück". Entweder konnte jemand den stenographierten Text auf der Rückseite lesen, oder die Karte ist doch noch in Kraatz angekommen - ich weiß es nicht.

Gibt es jemanden unter Euch, der Stenographie nach Stolze-Schrey lesen kann?

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 01.11.2013 11:02:18 Gelesen: 43403# 41 @  
Hallo zusammen,

nachdem Urgroßvater in den Ruhestand getreten war, zogen meine Urgroßeltern Ende 1921 nach Gramzow (Uckermark). Großmutter und ihre Schwester Kläre hatten dort das Haus des Pensionats geerbt. Aus dieser Zeit sind noch einige Inflationsbelege erhalten. Anhand der vielen Postkarten lässt sich die Portoentwicklung gut erkennen. Hierzu einige Beispiele:



Die Postkarte vom 16.8.1921 geht noch nach Kraatz. Dort heißt es "... dass Ihr schon stark beim Zusammenräumen seid." (Portoperiode 6, 40 Pfg.)
Auf der Karte vom 14.2.1922 an die neue Adresse in Gramzow schreibt die Absenderin: "Meine liebe Hete! Es gefällt mir garnicht, daß ich nur eine Karte zu Deinem Geburtstag nehme, aber leider habe ich nicht genügend Marken besorgt." (Portoperiode 7, 1,25 Mark)



Postkarte vom 3.7.1922 von Urgroßvater an Urgroßmutter zum 35-ten Hochzeitstag. Urgroßvater war in Löwenberg bei seinem Sohn (meinem Großvater) zu Besuch. (Portoperiode 8, 1,50 Mark)
Postkarte von Onkel Hans an seine Mutter vom 9.12.1922. (Portoperiode 10, 6,00 Mark)

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 08.11.2013 16:09:39 Gelesen: 43225# 42 @  
Hallo zusammen,

von den weiteren Portoperioden kann ich bei den Urgroßeltern noch fünf weitere anhand von Fernpostkarten belegen:



Postkarte aus Gransee an Urgroßvaters Adresse in Gramzow. Da er aber gerade bei seinem Sohn Hermann in Löwenberg zu Besuch war, wurde die Karte dorthin weitergeschickt. (Letzer Tag der Portoperiode 11, 15,- Mark)

Postkarte an Urgroßvater von seinem Schwager Dr. Hermann Hecker aus Gengenbach (Baden). Dieser hat die Zähne der Briefmarken abgeschnitten. Vielleicht wollte er, dass die Anschrift nicht verdeckt wird und das gesamte Markenbild sichtbar bleibt. (Portoperiode 16, 8.000,- Mark).



Postkarte aus Berlin Wilmersdorf mit einer Einzelfrankatur der Marke Nr. 284. (Portoperiode 17, 30.000,- Mark)

Wie man an dieser Postkarte mit Einzelfrankatur aus Nowawes (bei Potsdam) vom 26.9.1923 sieht, war das Porto bis September 1923 schon auf 100.000 Mark gestiegen. (Portoperiode 18)

Soweit die Inflationsbelege an die Urgroßeltern.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende
Volkmar



Ab dem 1.10.1923 wurde für neun Tage das achtfache Porto, also 800.000 Mark für eine Postkarte verlangt. Die letzte Karte trägt eine Mischfrankatur mit diesem Porto. (Portoperiode 19)
 
volkimal Am: 10.11.2013 16:37:32 Gelesen: 43149# 43 @  
Hallo zusammen,

am 30. Juni 1929 starb mein Urgroßvater. Der letzte Beleg zu ihm ist diese Nachnahme, mit der der Preis für seine Todesanzeige eingezogen wurde:



Für mich ist die Nachnahme natürlich vor allem dadurch interessant, dass die Todesanzeige aus dem Uckermärkischen Kurier auf die Rückseite aufgeklebt wurde. Was mir nicht klar ist, ist der blaue Vermerk auf der Anzeige. Weiß einer von Euch, was er bedeutet?

Als ich nach dem Mauerfall in Gramzow war, sah ich auf dem Friedhof noch das Grab meiner Urgroßeltern. Da Urgroßvater Pastor war, ist die Grabstätte nicht neu benutzt worden.

In der Anzeige heißt es: Der Entschlafene wünschte statt gekaufter Kranzspenden eine Gabe für die Berliner Mission. Die "Berliner Mission" ist das Stichwort für zwei weitere Kapitel aus meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie". Die Urgroßeltern waren mit einem Missionars-Ehepaar aus Deutsch-Ostafrika befreundet. Außerdem war ihre Tochter Dora mit dem Missionar Willy Matzat verheiratet. 1922 ging die Familie für die Berliner Mission nach China.

Bevor ich zum Ehepaar Hübner aus Deutsch-Ostafrika komme, zeige ich noch ein paar Belege zu Urgroßmutter, die ihren Mann um 17 Jahre überlebte.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 15.11.2013 18:16:20 Gelesen: 43012# 44 @  
Hallo zusammen,

beim Vergleich der Anschriften bzw. Absenderangaben auf den Belegen von Urgroßmutter ist mir aufgefallen, dass sie nach dem Tode ihres Mannes viel herumgereist ist.



Diese beiden Karten an Urgroßmutter gingen an die Adressen ihres Sohnes Hermann (mein Großvater) der nach Berlin in Hannover und Dortmund gelebt hat. Obwohl Urgroßmutter 1934 schon 70 Jahre alt war, steht auf beiden Karten noch "geb. Hecker".



In Berlin-Halensee wohnte ihre Schwester Klara, die mit Paul Markgraf verheiratet war. Zwischendurch war Urgroßmutter natürlich auch immer wieder einmal in Gramzow. Das Haus dort diente der ganzen Familie als Feriendomizil und Treffpunkt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 22.11.2013 17:20:40 Gelesen: 42791# 45 @  
Hallo zusammen,

insgesamt sind vier dieser dekorativen Briefe aus Liepāja an Urgroßmutter erhalten geblieben. Liepāja (deutsch Libau) ist eine Hafenstadt im Westen Lettlands an der Ostsee.





Urgroßmutter hat die Briefe von einer Bekannten erhalten. Wer die Absenderin ist, weiß ich nicht. In den Lebenserinnerungen habe ich den Namen noch nicht gefunden.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 25.11.2013 19:15:51 Gelesen: 42694# 46 @  
Hallo zusammen,

die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte Urgroßmutter im Elisabethstift in der Eberswalder Straße in Berlin. Die erste Karte mit dieser Anschrift stammt vom August 1939.



Im Stift musste sie zum zweiten Mal einen Weltkrieg miterleben. Die zweite Karte schickte sie am 29.10.1945 an Großvater. Es war der erste Tag nach dem Krieg, an dem Post von der sowjetischen in die britische Zone zugelassen war. Sie schreibt:

„Heute vor 6 Monaten war der letzte Brief von Dir lieber Hermann geschrieben, der uns Ende März erreichte vor dem großen Angriff…
Gestern hörte ich, daß jetzt man überall hin schreiben könne, da will ich Euch und Euern Mädeln innige Grüße senden und mitteilen, daß wir alle die schweren Monate mit Gottes Hilfe gut überstanden...“.


Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 05.12.2013 19:41:14 Gelesen: 42388# 47 @  
Hallo zusammen,

Im Dezember 1945 wollte Onkel Hans von Löcknitz aus zu seiner Mutter nach Berlin fahren. Dazu benötigte man eine Reisebescheinigung. Die Landesverwaltung Mecklenburg-Vorpommerns hatte angeordnet, die Aushändigung einer Fahrkarte von der Vorlage eines Entlausungsscheines abhängig zu machen (Heinz Buchner: Beiträge zur Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns S.35).

Frage: Kann mir jemand sagen, ob es wirklich ein "Entlausungsschein" war oder ob es ein Schreibfehler ist und "Erlaubnisschein" heißen muss? Im Buchner ist als Literaur aufgeführt: Neue Zeit vom 12.2.1946, Nr. 35"



Diese Reisebescheinigung für Onkel Hans in deutscher und russischer Sprache ist am 20. Dezember 1945 vom Kreispolizeiamt Randow ausgestellt worden.



Die Fahrt nach Berlin verzögerte sich aber zunächst. Im Januar 1946 ist Onkel Hans dann doch nach Berlin gefahren. Kurz vor seiner Rückfahrt schickte er noch eine Karte an seine Mutter. Er benutzte dazu eine Ganzsache aus Mecklenburg-Vorpommern, die er am 13.1.1946 in Berlin-Charlottenburg aufgab.

Onkel Hans wohnte in Retzin bei Grambow. Die zweite Postkarte hat er im benachbarten Löcknitz aufgegeben. Sie trägt den Notstempel des Postamtes Löcknitz (aptiertes Amtssiegel) mit handschriftlich eingetragenem Datum.

Eigentlich gehören diese drei Belege zum Kapitel "Das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Zeit danach". Ein nach meiner Meinung hochinteressantes Kapitel, das ich später einmal zeigen werde.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 07.12.2013 07:53:11 Gelesen: 42336# 48 @  
Hallo zusammen,

heute möchte ich die beiden letzten Belege zu meiner Urgroßmutter Hedwig Werdermann zeigen:



Am 8. Juni 1946 ist Urgroßmutter schon so schwach, dass sie diese Karte an Onkel Hans diktieren musste.



Außer an Onkel Hans diktierte Urgroßmutter am selben Tag auch noch eine Karte an Großvater. Drei Tage später am 11.6.1946 ist Urgroßmutter dann im Alter von 82 Jahren gestorben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 15.12.2013 08:10:41 Gelesen: 42157# 49 @  
Guten morgen zusammen,

im Anschluss an meine Urgroßmutter passen am besten ihre Geschwister. Ein weiterer Philatelist in der Generation meiner Urgroßeltern war Carl Hecker, der Bruder meiner Urgroßmutter.



Von seiner Sammelleidenschaft erfuhr ich, als ich die Lebenserinnerungen meines Großvaters las. Es heißt dort:

In der Steinstraße lebte Onkel Carl Hecker, mit Tante Maria und Vetter Gerhard. Es gefiel mir ihr großes Geschäft, und vor allem imponierte mir die große Markensammlung, die er hinten in seinem Kontor hatte. Wir Kinder sammelten auch die damals aufkommenden Ansichtskarten und fremde Briefmarken. Hier fielen nun allerlei Dubletten für mich ab.

Vermutlich sind auf diesem Weg auch das Streifband und die Postkarte, die an Carl Hecker adressiert sind in unsere Sammlung gekommen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 22.12.2013 08:34:41 Gelesen: 42040# 50 @  
Hallo zusammen,

Else Hecker, eine unverheiratete Schwester von Urgroßmutter und Karl Hecker, lebte ebenfalls in Anklam. Sie war dort im Eleonorenstift. Diesen Geburtstagsgruß schickten Walter Korn und seine Frau Liselotte an Else Hecker. Auf der Karte heißt es: „Liebe Tante Else! Zu Deinem Geburtstage sage ich Dir mit neuen Hindenburg- und Ebert-Marken herzlichen Glückwunsch.“



Ein netter bunt frankierter Beleg, doch mit 86 Pfennig etwas überfrankiert. Erforderlich waren: Postkarte 8 Pf. + Einschreiben 30 Pf. + Eilzustellung 40 Pf. = 78 Pfennig.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 22.12.2013 14:36:02 Gelesen: 42020# 51 @  
Hallo zusammen,

Jürgen (jahlert) hat einen Fehler in meiner Sammlung entdeckt. Darum an dieser Stelle eine Ergänzung zum Beitrag [#18]. Dort zeigte ich diese Karte. Die rechte Karte hatte ich beim Thema "Tagesaktuelle Kurznachrichten - Das Thema des Tages" eingestellt, da es (wie in der Sowjetunion) um eine Weihnachtsamnestie ging.



Im Beitrag [#18] schrieb ich: "Die untere Karte schrieb Kurt Busacker im Alter von 12 Jahren an seine Tante." Jürgen ist anhand der zweiten Karte aufgefallen, dass Kurt 1920 nicht 12 Jahre sondern nur 8 Jahre alt war. Darum an dieser Stelle die Rückseite und der linke Teil der Karte:



Die Rückseite und die Anschrift schrieb Kurt Busacker (geb. 1913) im Alter von 8 Jahren. Der linke Teil der Karte kommt von seinem 4 Jahre älteren Bruder Hans (geb. 1908).

Dank Jürgens Aufmerksamkeit konnte ich einen Fehler in meiner Sammlung korrigieren. Ein dickes Lob und vielen Dank dafür.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 28.12.2013 13:50:43 Gelesen: 41918# 52 @  
Hallo zusammen,

Urgroßmutter schreibt in ihren Lebenserinnerungen über Carl Hecker:

Mein Bruder hatte das einzige christliche Manufakturgeschäft in Anklam, die vielen anderen waren Juden, die eifrig mit sich handeln ließen. Carl hatte immer feste Preise. Er sagte sich: Soviel kostet mich der Stoff, soviel muß ich nehmen, um leben zu können; darum verkaufe ich ihn für soundso viel. In der ersten Zeit sind die Kunden häufig wieder aus dem Laden gegangen, weil sie nicht handeln konnten; aber bald merkten die Kunden, daß es sich bei festen Preisen besser kaufte. Die ganzen Adeligen aus der Umgebung fuhren nur noch selten nach Berlin um einzukaufen.



Diese Privatganzsache mit einem Jugendstil-Glückwunsch zur Jahreswende 1900/1901 schickte Carl Hecker am 31.12.1900 an Ernst Dittmer. Louise Hecker, die Ehefrau von Ernst Dittmer, war mit Carl Hecker über ihren gemeinsamen Ur-ur-großvater Andreas Peter Hecker verwandt.

Mit dieser Karte möchte auch ich Euch einen guten Rutsch und alles Gute für das kommende Jahr wünschen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 02.01.2014 11:44:11 Gelesen: 41826# 53 @  
Hallo zusammen,

die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte Ururgroßmutter Clara Hecker in Anklam. Ob sie dort bei ihrem Sohn Carl wohnte oder auch im Eleonorenstift war, konnte ich bisher nicht feststellen. Den Neujahrsgruß schickte sie 1897 aus Anklam an ihre Tochter nach Friedersdorf.



Wer die Karte aus Anklam an Urgroßmutter geschickt hat weiß ich nicht, da sie nicht unterschrieben ist. Es handelt sich um eine 2 Pfg. Ortspostkarte, bei der zusätzlich eine 3 Pfg. Marke eingedruckt wurde. Dadurch wurde sie zu einer normalen Postkarte für den Fernverkehr.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 08.01.2014 20:22:25 Gelesen: 41711# 54 @  
Hallo zusammen,

wie schon vor einiger Zeit angekündigt, bietet sich im Anschluss an meine Urgroßeltern das Kapitel "Familie Hübner - eine befreundete Missionarsfamilie" an.

Ururgroßvater, Urgroßvater und Großvater waren Pastoren und in ihren Gemeinden wurden regelmäßig Missionsfeste durchgeführt. Alle drei hatten hauptsächlich Kontakt zur Berliner Mission. Diese wurde 1824 als „Gesellschaft zur Beförderung der Evangelischen Missionen unter den Heiden“ gegründet. Im Jahre 1908 bekam sie den Namen Berliner Mission.

Der Kontakt zur Berliner Mission entwickelte sich vor allem durch die Bekanntschaft mit Theodor Hermann Wangemann, der 1865 zum Missionsdirektor ernannt wurde. Vorher leitete er das Lehrerseminar und den Missionsverein in Cammin (Pommern). Ururgroßvater Hermann Hecker war von 1845 bis 1864 Pastor in Königsmühl, einem Kirchdorf ca. 10km südlich von Cammin. Seine Tochter Anna besuchte die Schule in Cammin und war bei Seminardirektor Wangemann in Pension [1], [2].



Missions Sache: „An das verehrliche Committé der Gesellschaft zur Beförderung der Evangelischen Missionen unter den Heiden“ in Berlin. Absender war der Pastor aus Zichow bei Gramzow.

Ururgroßvater war häufig in Zichow, denn dort arbeitete Superintendent Fritze, ein alter Freund seines Vaters. Leider ist der Brief ohne Inhalt und nicht datiert, so dass ich nicht sagen kann, ob er von Pastor Fritze selbst stammt.
An der benachbarten Pfarrstelle in Blankenburg bei Gramzow waren von 1694 an Vorfahren von mir als Pfarrer tätig. Der letzte war Gotthilf Hecker, mein Urururgroßvater († 1837). Wie Ururgroßvater Hermann Hecker in seinen Lebenserinnerungen schreibt [1], hatte er selbst aber auch nach dem Tod seines Vaters noch Kontakt zu Pastor Fritze.

[1] Hermann Hecker, Lebenserinnerungen (Ururgroßvater)
[2] Hedwig Werdermann, Lebenserinnerungen (Urgroßmutter)

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 12.01.2014 20:27:35 Gelesen: 41635# 55 @  
Hallo zusammen,

zehn Jahre nach der Gründung der Missionsgesellschaft wurden die ersten vier eigenen Missionare ausgesendet. Sie gingen nach Südafrika und gründeten am 24.9.1834 die erste Missionsstation in Bethanien. Dort lebte der Eingeborenen-Stamm der Koranna. Ausgehend von Bethanien kam es zur Gründung von zahlreichen Missionsstationen in Südafrika [3].



Mit der Gründung der Missionsstation Gerlachshoop im Jahre 1860 begann die Erschließung des zweiten Missionsgebietes in Transvaal. Zu diesem Missionsgebiet gehört die Station Botschabelo in der Nähe von Middelburg. Dort lebte Reverent O. Papke, der 1937 diesen Brief an Großvater schickte.

Beim Jahresfest 1882 wurde beschlossen, ein neues Arbeitsfeld in China zu übernehmen. Zunächst arbeitete die Berliner Mission nur in Südchina in der Umgebung von Canton bzw. Hongkong. Nach der Gründung des Pachtgebiets Kiautschou entsendete die Berliner Mission ihre Missionare auch dorthin. Die Schwester meines Großvaters heiratete 1922 den Missionar Willy Matzat und ging mit ihm nach Tsimo in der Nähe von Tsingtau. "Die Kontakte zu China" sind ein weiteres sehr interessantes Kapitel meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie".

[3] Hellmut Lehmann: 150 Jahre Berliner Mission, Erlangen 1975

Viele Grüße
Volkmar
 

Das Thema hat 155 Beiträge:
Gehe zu Seite: 1 2   3   4 5 6 7 oder alle Beiträge zeigen
 
  Antworten    zurück Suche    Druckansicht