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Thema: Belege aus der eigenen Familiengeschichte
Das Thema hat 166 Beiträge:
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volkimal Am: 08.11.2013 16:09:39 Gelesen: 50170# 42 @  
Hallo zusammen,

von den weiteren Portoperioden kann ich bei den Urgroßeltern noch fünf weitere anhand von Fernpostkarten belegen:



Postkarte aus Gransee an Urgroßvaters Adresse in Gramzow. Da er aber gerade bei seinem Sohn Hermann in Löwenberg zu Besuch war, wurde die Karte dorthin weitergeschickt. (Letzer Tag der Portoperiode 11, 15,- Mark)

Postkarte an Urgroßvater von seinem Schwager Dr. Hermann Hecker aus Gengenbach (Baden). Dieser hat die Zähne der Briefmarken abgeschnitten. Vielleicht wollte er, dass die Anschrift nicht verdeckt wird und das gesamte Markenbild sichtbar bleibt. (Portoperiode 16, 8.000,- Mark).



Postkarte aus Berlin Wilmersdorf mit einer Einzelfrankatur der Marke Nr. 284. (Portoperiode 17, 30.000,- Mark)

Wie man an dieser Postkarte mit Einzelfrankatur aus Nowawes (bei Potsdam) vom 26.9.1923 sieht, war das Porto bis September 1923 schon auf 100.000 Mark gestiegen. (Portoperiode 18)

Soweit die Inflationsbelege an die Urgroßeltern.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende
Volkmar



Ab dem 1.10.1923 wurde für neun Tage das achtfache Porto, also 800.000 Mark für eine Postkarte verlangt. Die letzte Karte trägt eine Mischfrankatur mit diesem Porto. (Portoperiode 19)
 
volkimal Am: 10.11.2013 16:37:32 Gelesen: 50094# 43 @  
Hallo zusammen,

am 30. Juni 1929 starb mein Urgroßvater. Der letzte Beleg zu ihm ist diese Nachnahme, mit der der Preis für seine Todesanzeige eingezogen wurde:



Für mich ist die Nachnahme natürlich vor allem dadurch interessant, dass die Todesanzeige aus dem Uckermärkischen Kurier auf die Rückseite aufgeklebt wurde. Was mir nicht klar ist, ist der blaue Vermerk auf der Anzeige. Weiß einer von Euch, was er bedeutet?

Als ich nach dem Mauerfall in Gramzow war, sah ich auf dem Friedhof noch das Grab meiner Urgroßeltern. Da Urgroßvater Pastor war, ist die Grabstätte nicht neu benutzt worden.

In der Anzeige heißt es: Der Entschlafene wünschte statt gekaufter Kranzspenden eine Gabe für die Berliner Mission. Die "Berliner Mission" ist das Stichwort für zwei weitere Kapitel aus meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie". Die Urgroßeltern waren mit einem Missionars-Ehepaar aus Deutsch-Ostafrika befreundet. Außerdem war ihre Tochter Dora mit dem Missionar Willy Matzat verheiratet. 1922 ging die Familie für die Berliner Mission nach China.

Bevor ich zum Ehepaar Hübner aus Deutsch-Ostafrika komme, zeige ich noch ein paar Belege zu Urgroßmutter, die ihren Mann um 17 Jahre überlebte.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 15.11.2013 18:16:20 Gelesen: 49957# 44 @  
Hallo zusammen,

beim Vergleich der Anschriften bzw. Absenderangaben auf den Belegen von Urgroßmutter ist mir aufgefallen, dass sie nach dem Tode ihres Mannes viel herumgereist ist.



Diese beiden Karten an Urgroßmutter gingen an die Adressen ihres Sohnes Hermann (mein Großvater) der nach Berlin in Hannover und Dortmund gelebt hat. Obwohl Urgroßmutter 1934 schon 70 Jahre alt war, steht auf beiden Karten noch "geb. Hecker".



In Berlin-Halensee wohnte ihre Schwester Klara, die mit Paul Markgraf verheiratet war. Zwischendurch war Urgroßmutter natürlich auch immer wieder einmal in Gramzow. Das Haus dort diente der ganzen Familie als Feriendomizil und Treffpunkt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 22.11.2013 17:20:40 Gelesen: 49736# 45 @  
Hallo zusammen,

insgesamt sind vier dieser dekorativen Briefe aus Liepāja an Urgroßmutter erhalten geblieben. Liepāja (deutsch Libau) ist eine Hafenstadt im Westen Lettlands an der Ostsee.





Urgroßmutter hat die Briefe von einer Bekannten erhalten. Wer die Absenderin ist, weiß ich nicht. In den Lebenserinnerungen habe ich den Namen noch nicht gefunden.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 25.11.2013 19:15:51 Gelesen: 49639# 46 @  
Hallo zusammen,

die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte Urgroßmutter im Elisabethstift in der Eberswalder Straße in Berlin. Die erste Karte mit dieser Anschrift stammt vom August 1939.



Im Stift musste sie zum zweiten Mal einen Weltkrieg miterleben. Die zweite Karte schickte sie am 29.10.1945 an Großvater. Es war der erste Tag nach dem Krieg, an dem Post von der sowjetischen in die britische Zone zugelassen war. Sie schreibt:

„Heute vor 6 Monaten war der letzte Brief von Dir lieber Hermann geschrieben, der uns Ende März erreichte vor dem großen Angriff…
Gestern hörte ich, daß jetzt man überall hin schreiben könne, da will ich Euch und Euern Mädeln innige Grüße senden und mitteilen, daß wir alle die schweren Monate mit Gottes Hilfe gut überstanden...“.


Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 05.12.2013 19:41:14 Gelesen: 49333# 47 @  
Hallo zusammen,

Im Dezember 1945 wollte Onkel Hans von Löcknitz aus zu seiner Mutter nach Berlin fahren. Dazu benötigte man eine Reisebescheinigung. Die Landesverwaltung Mecklenburg-Vorpommerns hatte angeordnet, die Aushändigung einer Fahrkarte von der Vorlage eines Entlausungsscheines abhängig zu machen (Heinz Buchner: Beiträge zur Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns S.35).

Frage: Kann mir jemand sagen, ob es wirklich ein "Entlausungsschein" war oder ob es ein Schreibfehler ist und "Erlaubnisschein" heißen muss? Im Buchner ist als Literaur aufgeführt: Neue Zeit vom 12.2.1946, Nr. 35"



Diese Reisebescheinigung für Onkel Hans in deutscher und russischer Sprache ist am 20. Dezember 1945 vom Kreispolizeiamt Randow ausgestellt worden.



Die Fahrt nach Berlin verzögerte sich aber zunächst. Im Januar 1946 ist Onkel Hans dann doch nach Berlin gefahren. Kurz vor seiner Rückfahrt schickte er noch eine Karte an seine Mutter. Er benutzte dazu eine Ganzsache aus Mecklenburg-Vorpommern, die er am 13.1.1946 in Berlin-Charlottenburg aufgab.

Onkel Hans wohnte in Retzin bei Grambow. Die zweite Postkarte hat er im benachbarten Löcknitz aufgegeben. Sie trägt den Notstempel des Postamtes Löcknitz (aptiertes Amtssiegel) mit handschriftlich eingetragenem Datum.

Eigentlich gehören diese drei Belege zum Kapitel "Das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Zeit danach". Ein nach meiner Meinung hochinteressantes Kapitel, das ich später einmal zeigen werde.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 07.12.2013 07:53:11 Gelesen: 49281# 48 @  
Hallo zusammen,

heute möchte ich die beiden letzten Belege zu meiner Urgroßmutter Hedwig Werdermann zeigen:



Am 8. Juni 1946 ist Urgroßmutter schon so schwach, dass sie diese Karte an Onkel Hans diktieren musste.



Außer an Onkel Hans diktierte Urgroßmutter am selben Tag auch noch eine Karte an Großvater. Drei Tage später am 11.6.1946 ist Urgroßmutter dann im Alter von 82 Jahren gestorben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 15.12.2013 08:10:41 Gelesen: 49102# 49 @  
Guten morgen zusammen,

im Anschluss an meine Urgroßmutter passen am besten ihre Geschwister. Ein weiterer Philatelist in der Generation meiner Urgroßeltern war Carl Hecker, der Bruder meiner Urgroßmutter.



Von seiner Sammelleidenschaft erfuhr ich, als ich die Lebenserinnerungen meines Großvaters las. Es heißt dort:

In der Steinstraße lebte Onkel Carl Hecker, mit Tante Maria und Vetter Gerhard. Es gefiel mir ihr großes Geschäft, und vor allem imponierte mir die große Markensammlung, die er hinten in seinem Kontor hatte. Wir Kinder sammelten auch die damals aufkommenden Ansichtskarten und fremde Briefmarken. Hier fielen nun allerlei Dubletten für mich ab.

Vermutlich sind auf diesem Weg auch das Streifband und die Postkarte, die an Carl Hecker adressiert sind in unsere Sammlung gekommen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 22.12.2013 08:34:41 Gelesen: 48985# 50 @  
Hallo zusammen,

Else Hecker, eine unverheiratete Schwester von Urgroßmutter und Karl Hecker, lebte ebenfalls in Anklam. Sie war dort im Eleonorenstift. Diesen Geburtstagsgruß schickten Walter Korn und seine Frau Liselotte an Else Hecker. Auf der Karte heißt es: „Liebe Tante Else! Zu Deinem Geburtstage sage ich Dir mit neuen Hindenburg- und Ebert-Marken herzlichen Glückwunsch.“



Ein netter bunt frankierter Beleg, doch mit 86 Pfennig etwas überfrankiert. Erforderlich waren: Postkarte 8 Pf. + Einschreiben 30 Pf. + Eilzustellung 40 Pf. = 78 Pfennig.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 22.12.2013 14:36:02 Gelesen: 48965# 51 @  
Hallo zusammen,

Jürgen (jahlert) hat einen Fehler in meiner Sammlung entdeckt. Darum an dieser Stelle eine Ergänzung zum Beitrag [#18]. Dort zeigte ich diese Karte. Die rechte Karte hatte ich beim Thema "Tagesaktuelle Kurznachrichten - Das Thema des Tages" eingestellt, da es (wie in der Sowjetunion) um eine Weihnachtsamnestie ging.



Im Beitrag [#18] schrieb ich: "Die untere Karte schrieb Kurt Busacker im Alter von 12 Jahren an seine Tante." Jürgen ist anhand der zweiten Karte aufgefallen, dass Kurt 1920 nicht 12 Jahre sondern nur 8 Jahre alt war. Darum an dieser Stelle die Rückseite und der linke Teil der Karte:



Die Rückseite und die Anschrift schrieb Kurt Busacker (geb. 1913) im Alter von 8 Jahren. Der linke Teil der Karte kommt von seinem 4 Jahre älteren Bruder Hans (geb. 1908).

Dank Jürgens Aufmerksamkeit konnte ich einen Fehler in meiner Sammlung korrigieren. Ein dickes Lob und vielen Dank dafür.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 28.12.2013 13:50:43 Gelesen: 48863# 52 @  
Hallo zusammen,

Urgroßmutter schreibt in ihren Lebenserinnerungen über Carl Hecker:

Mein Bruder hatte das einzige christliche Manufakturgeschäft in Anklam, die vielen anderen waren Juden, die eifrig mit sich handeln ließen. Carl hatte immer feste Preise. Er sagte sich: Soviel kostet mich der Stoff, soviel muß ich nehmen, um leben zu können; darum verkaufe ich ihn für soundso viel. In der ersten Zeit sind die Kunden häufig wieder aus dem Laden gegangen, weil sie nicht handeln konnten; aber bald merkten die Kunden, daß es sich bei festen Preisen besser kaufte. Die ganzen Adeligen aus der Umgebung fuhren nur noch selten nach Berlin um einzukaufen.



Diese Privatganzsache mit einem Jugendstil-Glückwunsch zur Jahreswende 1900/1901 schickte Carl Hecker am 31.12.1900 an Ernst Dittmer. Louise Hecker, die Ehefrau von Ernst Dittmer, war mit Carl Hecker über ihren gemeinsamen Ur-ur-großvater Andreas Peter Hecker verwandt.

Mit dieser Karte möchte auch ich Euch einen guten Rutsch und alles Gute für das kommende Jahr wünschen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 02.01.2014 11:44:11 Gelesen: 48771# 53 @  
Hallo zusammen,

die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte Ururgroßmutter Clara Hecker in Anklam. Ob sie dort bei ihrem Sohn Carl wohnte oder auch im Eleonorenstift war, konnte ich bisher nicht feststellen. Den Neujahrsgruß schickte sie 1897 aus Anklam an ihre Tochter nach Friedersdorf.



Wer die Karte aus Anklam an Urgroßmutter geschickt hat weiß ich nicht, da sie nicht unterschrieben ist. Es handelt sich um eine 2 Pfg. Ortspostkarte, bei der zusätzlich eine 3 Pfg. Marke eingedruckt wurde. Dadurch wurde sie zu einer normalen Postkarte für den Fernverkehr.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 08.01.2014 20:22:25 Gelesen: 48656# 54 @  
Hallo zusammen,

wie schon vor einiger Zeit angekündigt, bietet sich im Anschluss an meine Urgroßeltern das Kapitel "Familie Hübner - eine befreundete Missionarsfamilie" an.

Ururgroßvater, Urgroßvater und Großvater waren Pastoren und in ihren Gemeinden wurden regelmäßig Missionsfeste durchgeführt. Alle drei hatten hauptsächlich Kontakt zur Berliner Mission. Diese wurde 1824 als „Gesellschaft zur Beförderung der Evangelischen Missionen unter den Heiden“ gegründet. Im Jahre 1908 bekam sie den Namen Berliner Mission.

Der Kontakt zur Berliner Mission entwickelte sich vor allem durch die Bekanntschaft mit Theodor Hermann Wangemann, der 1865 zum Missionsdirektor ernannt wurde. Vorher leitete er das Lehrerseminar und den Missionsverein in Cammin (Pommern). Ururgroßvater Hermann Hecker war von 1845 bis 1864 Pastor in Königsmühl, einem Kirchdorf ca. 10km südlich von Cammin. Seine Tochter Anna besuchte die Schule in Cammin und war bei Seminardirektor Wangemann in Pension [1], [2].



Missions Sache: „An das verehrliche Committé der Gesellschaft zur Beförderung der Evangelischen Missionen unter den Heiden“ in Berlin. Absender war der Pastor aus Zichow bei Gramzow.

Ururgroßvater war häufig in Zichow, denn dort arbeitete Superintendent Fritze, ein alter Freund seines Vaters. Leider ist der Brief ohne Inhalt und nicht datiert, so dass ich nicht sagen kann, ob er von Pastor Fritze selbst stammt.
An der benachbarten Pfarrstelle in Blankenburg bei Gramzow waren von 1694 an Vorfahren von mir als Pfarrer tätig. Der letzte war Gotthilf Hecker, mein Urururgroßvater († 1837). Wie Ururgroßvater Hermann Hecker in seinen Lebenserinnerungen schreibt [1], hatte er selbst aber auch nach dem Tod seines Vaters noch Kontakt zu Pastor Fritze.

[1] Hermann Hecker, Lebenserinnerungen (Ururgroßvater)
[2] Hedwig Werdermann, Lebenserinnerungen (Urgroßmutter)

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 12.01.2014 20:27:35 Gelesen: 48580# 55 @  
Hallo zusammen,

zehn Jahre nach der Gründung der Missionsgesellschaft wurden die ersten vier eigenen Missionare ausgesendet. Sie gingen nach Südafrika und gründeten am 24.9.1834 die erste Missionsstation in Bethanien. Dort lebte der Eingeborenen-Stamm der Koranna. Ausgehend von Bethanien kam es zur Gründung von zahlreichen Missionsstationen in Südafrika [3].



Mit der Gründung der Missionsstation Gerlachshoop im Jahre 1860 begann die Erschließung des zweiten Missionsgebietes in Transvaal. Zu diesem Missionsgebiet gehört die Station Botschabelo in der Nähe von Middelburg. Dort lebte Reverent O. Papke, der 1937 diesen Brief an Großvater schickte.

Beim Jahresfest 1882 wurde beschlossen, ein neues Arbeitsfeld in China zu übernehmen. Zunächst arbeitete die Berliner Mission nur in Südchina in der Umgebung von Canton bzw. Hongkong. Nach der Gründung des Pachtgebiets Kiautschou entsendete die Berliner Mission ihre Missionare auch dorthin. Die Schwester meines Großvaters heiratete 1922 den Missionar Willy Matzat und ging mit ihm nach Tsimo in der Nähe von Tsingtau. "Die Kontakte zu China" sind ein weiteres sehr interessantes Kapitel meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie".

[3] Hellmut Lehmann: 150 Jahre Berliner Mission, Erlangen 1975

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 18.01.2014 15:43:13 Gelesen: 48478# 56 @  
Hallo zusammen,

nachdem es in Afrika zur Gründung von Deutschen Kolonien kam, sollten auch dort Missionsstationen gegründet werden. 1885 wurde auf einer Konferenz empfohlen, dass sich die Baseler Mission in Kamerun und die Bremer Mission in Togo einsetzen soll. Über Ostafrika erfolgte kein Beschluss, offenbar deshalb, weil noch keine klare Grenzziehung erfolgt war.



Ansichtskarte von Friedrich Berger, einem Schulfreund von meinem Großvater vom 9.6.1913 aus Viktoria in der deutschen Kolonie Kamerun. Die Abbildung zeigt die Basler Mission in Buea. Ob Friedrich Berger, der Absender dieser Karte, selbst Missionar war konnte ich bisher nicht feststellen. Großvater hat in seinen Lebenserinnerungen keine Angaben zum Beruf von Friedrich Berger gemacht. Soldat bei den Schutztruppen war er aber nicht, denn in den Namenslisten der deutschen Soldaten in Kamerun ist er nicht aufgeführt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 25.01.2014 09:57:50 Gelesen: 48351# 57 @  
Hallo zusammen,

mich interessiert vor allem die Missionsgeschichte in Deutsch-Ostafrika. Das liegt an einer Abfolge von ursprünglich acht Postkarten und Briefen, die die Zeit der deutschen Kolonien und ihr Ende durch den ersten Weltkrieg belegen. Es handelt sich um die Korrespondenz zwischen meiner Urgroßmutter und der Missionarin Frau Hübner, der Frau des Superintendenten der evangelischen Berliner Mission. Inzwischen bekam ich noch einige Briefe und Karten als Ergänzung geschenkt bzw. konnte sie dazu kaufen.



Diese Karte mit der Abbildung des Ehepaars Hübner mit ihrem Sohn Herbert hat der Gärtner Johannes Endemann auf der Missionsstation Wangemannshöhe geschrieben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 02.02.2014 18:20:42 Gelesen: 48190# 58 @  
Hallo zusammen,

direkt nach seiner Verlobung mit Marie Elstermann wurde Herr Hübner wurde von der Berliner Mission am 25. Mai 1892 nach Deutsch-Ostafrika entsandt. Er war in den folgenden Jahren mit mehrmaligem Wechsel auf den drei Missionsstationen Wangemannshöhe, Ikombe und Mwakaleli eingesetzt. Auf der Missionsstation Ikombe (Ansichtskarte) arbeitete Gustav Hübner vom 2. August bis zum 15. Dezember 1893. Wegen des ungesunden Klimas wurde die Station Ikombe 1910 nach Matema verlegt.



Schade, dass die Briefmarke entfernt wurde. Wer kann mir sagen, wieso die Karte über München gelaufen ist. Gera (Reuss) liegt in Thüringen.

Meine Urgroßeltern lernten die zukünftige Frau Hübner Ende August 1894 auf einem Missionsfest kennen. Urgroßmutter schreibt [2]:

Beim Abendbrot sagte der Hausherr, dass wir eine Missionsbraut unter uns hätten, die in der nächsten Zeit ihrem Verlobten nach Afrika folgen wolle. Es war Frau Missionar Hübner, denen wir in treuer Freundschaft verbunden wurden, als sie nach 15 Jahren auf Urlaub kamen.

Als ich bei einem Vortrag im Briefmarkenverein in Coesfeld über Familie Hübner berichtete, erlebte ich eine Überraschung. Dr. Braumann, der Billerbecker Pfarrer und Mitglied des Vereins sprach mich an. Er selbst hatte dafür gesorgt, dass die Lebenserinnerungen von Herbert Hübner, dem Sohn der Missionarin veröffentlicht wurden. Über Dr. Braumann bekam ich Kontakt zur Witwe von Herbert Hübner und habe auf diesem Wege einiges aus der Zeit in Afrika erfahren.

Viele Grüße
Volkmar

[2] Hedwig Werdermann, Lebenserinnerungen (Urgroßmutter)
 
volkimal Am: 17.02.2014 17:26:07 Gelesen: 47923# 59 @  
Hallo zusammen,

endlich komme ich dazu, die Geschichte von Familie Hübner weiter zu erzählen. Ich zitiere dazu einige Abschnitte aus den Lebenserinnerungen von Herbert Hübner [5]:

Es wird an einem Februartage des Jahres 1895 gewesen sein. Da steht ein junger, fast 30jähriger Missionar am Nordstrand des Njassa-Sees. Er ist der südlichste der drei großen Seen Mittelafrikas und streckt sich in der Flächengröße etwa des Landes Bayern wie ein langes Band nach Süden...
Jetzt suchen die Augen des Missionars sehnsuchtsvoll das in der Ferne über den blauen Wogen zu erwartende Pünktchen des kleinen alten Schiffleins, das sich für die Fahrt vom Süden zum Norden - freilich nur in Tagesstunden fahrend - eine Zeit von sieben Tagen nimmt. Jetzt wird das Pünktlein des zu erwartenden Schiffleins, das unter den gefürchteten herabfallenden Böen manchen Kampf gegen Wind und Wellen überstanden hatte, in der Ferne sichtbar. Soll das Herz des Missionars nicht höher schlagen?

Unterdessen geht das Schifflein vor Anker, wegen des seichten Gestades mindestens noch einen Kilometer weit vom Seestrand entfernt. Ein Boot wird herabgelassen, das sehnige Arme der farbigen Ruderer zur Anlegestelle steuern. Wirklich, sie ist gekommen: Die Braut des Missionars, die ihrem Verlobten nach über zweijähriger Wartezeit in das fremde Land folgte. Dazu gehört nicht nur ein wagemutiger Entschluss, auch nicht nur eine herzliche Zuneigung zum Liebenden, sondern ein bewusst gewordener Ruf des Glaubens. Über zwei Jahre Trennung: das war für die sich Liebenden und nur spärlich voneinander Hörenden eine lange Zeit.

Noch in dem kleinen, von Moskitos durchschwirrten Hafenort wird die Trauung durch einen Amtsbruder in der Mission vollzogen. Aus der sumpfigen Niederung am See geht die gemeinsame erste Reise nun hinauf zu einer der ersten Stationen im neuen Arbeitsgebiet der Berliner Mission. Sie hat den Namen "Manow" erhalten aus Dankbarkeit gegenüber einer Gemeinde im deutschen Ostpommern.

Als das jungvermählte Missionsehepaar eintrifft, sind hier schon einige noch sehr einfache Häuschen aus Lehmsteinen mit Bambus- und Schilfdach errichtet. So braucht man wenigstens nicht mehr unter den tropischen Unbilden im Zelt zu bleiben. Die junge Frau hat in ihrem Gepäck nützliche Dinge mitgebracht. Sie kann vorerst die Sorge um Essen und Trinken den sich im Missionsdienst mühenden Männern abnehmen…




Manow, die Station im Wanjakiussaland, ist vorerst versorgt durch ältere Missionare, die bereits im Jahre 1891 ins Land kamen. Der Missionar, von dem jetzt die Rede sein soll, war ein Jahr später, also 1892 seinen Amtsbrüdern gefolgt. Nun ist es an ihm, Neuland zu "erobern" und die eigene Gründerinitiative zu betätigen.

So unternimmt er es, seine junge Frau zunächst in Manow zurücklassend auf schmalen, durch das Dickicht des Urwaldes sich hindurchschlängelndem Pfade die mindestens 1500 Meter bis zur Höhe des Berglandes hinauf zu klimmen. Die Einheimischen, Glieder des Kingastammes, weichen ihm zunächst scheu aus. es wird sofort deutlich, sie haben eine andere Stammeseigenart als die stolzen Wanjakiussa im Unterland. Hier haben die Farbigen noch nie einen Weißen Menschen gesehen. Darum die Scheu.


[5] Herbert Hübner, Lebenserinnerungen, Billerbeck 1990

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 03.03.2014 15:29:10 Gelesen: 47598# 60 @  
Hallo zusammen,

weiter geht es mit der Geschichte von Familie Hübner:

Auf einem sich leicht neigenden, ein kleines Plateau bildenden Bergrücken kann im friedlichen Aushandeln ein größeres Grundstück zur Anlage einer neuen Missionsstation käuflich erworben werden. Die Nähe eines Negerdorfes, naher Wald und nahe Quelle und schließlich die weit ausgreifenden Weideflächen bieten für die Neugründung gute Vorbedingungen. Über dem Gelände für die Errichtung der Wohnhäuser erhebt sich ein weithin sichtbarer Hügel. Auf ihm könnte einmal ein Gotteshaus stehen als weithin sichtbares Wahrzeichen für den Anbruch einer gewiß neuen Zeit dieses Landes. Im zunehmenden Vertrauen findet der junge Missionar auch Mitarbeiter aus dem einheimischen Volk. Mit praktischer Umsicht, im Handwerk nicht unbewandert, packt er die Dinge an. Lehmfunde in der Umgebung ermöglichen es ihm, sogar Ziegelsteine zu formen und zu brennen, um besseres Baumaterial zu gewinnen, als das ortsübliche Bambusrohr es anbietet.

Mitten in der ersten Aufbauarbeit kommt ein Ruf von der erstgenannten Missionsstation Manow. Die junge Frau, die der Missionar dort zunächst zurücklassen musste, geht der Geburt ihres ersten Kindes entgegen. Da kann der Mann, der in diesen noch so unzivilisierten Verhältnissen selbst Geburtshelfer sein muss, seiner Frau nicht fern sein.

Mit hoffnungsvollem Herzen klettert er den mühseligen Pfad wieder hinunter von den Bergen in die große Ebene nördlich des Njassasees und dann das letzte Stück empor zu dem Hügelland, wo in Manow die werdende Mutter sehnlich ihren Mann erwartet. Wenige Tage später, am 8. November 1895, darf sie nach sorgenvollen Stunden der beiden Eheleute der Geburt eines Knäbleins genesen; eines der ersten Missionarskinder in dem neuen Missionsgebiet. Der glückliche Vater ist mein Vater gewesen; die fast noch glücklichere Mutter war meine Mutter. So war dieses erstgeborene Kindlein niemand anders als ich selbst.

Die neue Station im Berglande, etwa 2100 m über dem Meeresspiegel, war bald über das Stadium des allerersten Anfangs hinaus. Schon bald stand ein kleines Steinhaus, bei dem schon ein aus der fernen Heimat entsandter Missionstischler mithelfen konnte, der seine Wohnstatt und seine Wirkungsstätte in den nächsten Jahren eine Stunde Weges von uns entfernt direkt am steilen Abhang der hohen Bergwand, zugleich am Rande eines für unsere Begriffe riesigen Urwaldes mit gewaltigen Bäumen und munteren Affenfamilien aufbaute.




Ansichtskarte der Kapelle von Madehani. Die Innenwände sind von einem eingeborenen Maler mit Darstellungen aus der Heilsgeschichte geschmückt. Madehani ist die eben beschriebene Außenstation von Bulongwa mit einer Tischlerei und einer Handwerkerschule.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 10.03.2014 12:17:02 Gelesen: 47491# 61 @  
Hallo zusammen,

weiter geht es mit Familie Hübner:

Als unser Wohnhaus fertig war, das später als Wirtschaftsgebäude mit einem Gastzimmer diente, holte der Vater seine junge Frau mit dem Erstgeborenen in seine Neugründung herauf. Als Missionar, der von Anfang an, solange dadurch die von ihm zu vertretende Sache keinen Schaden litt, den Sitten und Gebräuchen der Einheimischen sich anpaßte, hatte er auch der neuen Missionsstation den einheimischen Namen Bulongwa gegeben.

Die Mutter war froh, daß sie ihrem Manne nun auf der eigenen Station eindeutig zur Seite stehen konnte. Unter ihrem Mitplanen wurde nach wenigen Jahren das eigentliche Wohnhaus mit fünf geräumigen Stuben und zwei Giebelzimmern in Angriff genommen. Zum Schutz gegen die zuweilen stechende Mittagssonne hatte das Wohnhaus auf beiden Längsseiten eine durchlaufende Veranda. Zum kleinen Küchenhaus, das mit der vor Ratten sorgsam zu hütenden Speisekammer für sich stand, führte ein bis zur Höhe der Veranda aufgemauerter Gang. Hier also war unser Domizil, in dem im Verlauf von zehn Jahren dem ältesten noch vier andere Kinder folgten: ein Junge und drei Mädchen. Damit wurden wir also eine stattliche Familie.

Jeden Morgen war in unserer schlichten Notkirche mit den Lehmwänden Morgenandacht für die schwarzen Christen und solche, die sich schon dazu einladen ließen. Auch war bald im selben Gebäude ein Schulunterricht für die Jugend eingerichtet worden. Vater hatte dazu in der deutschen Heimat eine für diese Verhältnisse passende und der Eingeborenensprache Rechnung tragende Fibel drucken lassen. So fanden hier Lesen, Schreiben, Rechnen auch unter den Eingeborenen schon eine erste Übung.



Die Missionsstation Bulongwa: Wohnhaus, dahinter das kleine Küchenhaus. Vorn die schlichte Notkirche mit den Lehmwänden.

Daneben lief der Taufunterricht derer, die sich dazu bereit gefunden hatten. Als Vater dann erst die massive Kirche auf dem Hügel gebaut hatte, formierten sich die Züge der weißgekleideten Gottesdienstbesucher. An den Festtagen war die Kirche mit feingliedrigen Palmzweigen geziert. Vater, der Freund der Jugend, hatte sogar einen Kindergottesdienst eingerichtet. Zu besonderen Anlässen, wie etwa zum Heiligen Abend, hatte er mit seiner Geige Weihnachtslieder mehrstimmig eingeübt. Die Eingeborenen waren sangesfreudige Menschen. In einer gewissen Anerkennung gaben sie meinem Vater den Namen "Mualuimbo", d.h. "der Sänger".

Wir wußten ja durch unsere Eltern von der fernen deutschen Heimat, zu der wir einmal, schon um unserer Weiterbildung willen, reisen würden. Dazu schien uns in unserer kindlichen Phantasie dort so etwas wie ein Paradies mit unvorstellbaren Schätzen zu sein. So waren wir Kinder in das hoffnungsvolle Warten der Eltern auf ihren ersten Heimaturlaub, der zudem aus verschiedenen Gründen länger auf sich warten ließ, als wohl ursprünglich von der Missionsleitung geplant war, in spannungsgeladener Vorfreude hineingezogen…
Endlich war die längst erwartete Nachricht da: Die Reise nach Deutschland konnte mit Zustimmung der Missionsleitung begonnen werden.




Die massive Kirche auf dem Hügel

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 01.05.2014 12:14:07 Gelesen: 46775# 62 @  
Hallo zusammen,

nach einer langen Pause möchte ich mich diesem Maigruß meiner Eltern an meine Großeltern wieder im Forum zurückmelden.



Für meinen 60. Geburtstag hatte ich das Motto „Philatelie“ ausgewählt. Auch wenn über 90% meiner Gäste nichts mit der Philatelie zu tun haben, hat ihnen die Fete und das Motto gut gefallen. Das lag vielleicht daran, dass ich das Motto konsequent durchgesetzt habe. Hier z.B. die Vorderseite der Einladungskarte.



Eine kleine Auswahl dessen, was es alles zum Thema Philatelie bei der Fete gab:

• Die Tischdekoration mit Briefmarken
• Die Servietten mit Abbildung von Briefmarken
• Eine kleine Ausstellung: 2 Rahmen „Rekorde der Philatelie“
• Die Geschenkebox in Form eines gelben Briefkastens
• Vor der Box lagen einige meiner Hefte „Familiengeschichte und Philatelie“

Besonders schön fand ich, dass immer wieder Gäste vor der Sammlung standen oder sich meine Hefte angesehen haben, obwohl sie sonst nichts mit der Philatelie zu tun haben.



Nicht ganz einfach war es, das Essen passend zum Motto auszuwählen, aber auch das ist mir gelungen. Dazu werde ich einige Gerichte beim Thema „Lebensmittel auf Briefmarken und Poststempeln“ vorstellen.

Insgesamt hatte die Vorbereitung meines Geburtstages sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Daher hatte ich einige andere Dinge erst einmal liegen gelassen und musste sie anschließend nachholen. Daher die lange Pause hier im Forum. Aber ab jetzt werde ich mich wieder etwas häufiger melden.

Ich wünsche allen einen schönen 1. Mai
Volkmar
 
volkimal Am: 17.05.2014 17:00:06 Gelesen: 46443# 63 @  
Hallo zusammen,

es wird Zeit, dass ich die Geschichte der Familie Hübner endlich fortsetze. Zunächst noch einiges aus den Lebenserinnerungen von Herbert Hübner:

Nach dem beschwerlichen Abstieg in die Wanjakiussa-Ebene überschritten wir zunächst den Rumakario, den uns aus dem Bergland bekannten Fluß. Nur eine halbe Stunde Weges entfernt floß er an unserer Station Bulongwa vorüber… Der zweite Fluß, der überquert werden muß, ist der Lutisio, der sich bei der Station Muakaheli, wo unser Vater später als Superintendent wirkte, mit dem Matari vereinigt… Neu-Wangemannshöhe … ist das Ziel unseres ersten Reisetages.
Der zweite Reisetag führte wieder zu dem Hafen, in dem einst der Vater seine lang erwartete Braut in die Arme schließen konnte. Nun kreuzte wieder über den Wogen des blauen Njassasees ein Schiff auf, diesmal schöner und größer als das alte: der deutsche Dampfer Hermann von Wissmann.

Die fünf Tage der Seefahrt sind bald vorüber, und nun geht es weiter auf dem Ausfluß des Njassasees, dem Schire, nach Süden hin, streckenweise auf einem Flußdampfer mit Schaufelrädern, der sich manchmal nur langsarn aus dem Geschlinge der Wasserpflanzen herausmanöveriert, streckenweise auf einem Hausboot. Dann kommt wieder für zwei oder drei Tage eine Landpartie zur Umgehung der Wasserfälle. Und endlich sitzen wir auf einem Dampfer, der uns vom Hafen Blantyre den breiten Sambesistrom zum Indischen Ozean trägt. . Draußen auf der Reede wird auch sehr bald der Ozeandampfer sichtbar, der uns weiter führen soll. Aber da kommt die peinvolle Überraschung: Auf diesem Dampfer ist für uns kein Platz mehr! Eine entscheidende Stelle hatte versäumt, uns rechtzeitig anzumelden. So haben wir nur das Nachsehen, als das große Schiff in die Ferne entgleitet. Wir müssen zehn Tage warten, bis der nächste Dampfer kommt.

Der Dampfer Kanzler:

Die zehn Tage Wartezeit gehen langsam dahin; doch endlich ist das neue Schiff da, etwas über 3000 t groß, mit Namen "Kanzler". Ein Schiff dieser Größe ist ja für heutige Begriffe kaum seetüchtig zu nennen….

Wir aber verlassen in Genua das Schiff. Offenbar wollen die Eltern die nicht eingeplante Wartezeit am Indischen Ozean wieder einholen und noch vor dem Pfingstfest in der deutschen Heimat sein. Es geht also nun mit der Eisenbahn weiter.


Soweit die Ausführungen von Herbert Hübner. Zwei Jahre später reist die Familie wieder in das afrikanische Missionsgebiet zurück. Die drei ältesten Geschwister müssen in Deutschland im Internat zurückbleiben, damit sie eine ordentliche Schulausbildung erhalten.



Diese Karte an den Schüler Herbert Hübner in den Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale bekam er von seiner Mutter. Sie schrieb die Karte während des Heimaturlaubes am 16.1.1908 in Finsterwalde.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 25.05.2014 08:51:30 Gelesen: 46269# 64 @  
Hallo zusammen,

bisher konnte ich zur Geschichte von Familie Hübner vor allem Ansichtskarten zeigen. Von jetzt an geht es mit philatelistischem Material weiter. Vermutlich haben sich meine Urgroßeltern und Familie Hübner während des Heimaturlaubes in Deutschland kennengelernt. Hübners besuchten in der Zeit viele Missionsfeste in den verschiedenen Kirchengemeinden.



Ansichtskarte von der Missionsstation Bulongwa: "Missionar Hübner mit Familie und eingeborenen Kindern". Während eines Missionsfestes schickte der Festprediger Georg Hecker diese Karte an seine Schwester Hedwig - also an meine Urgroßmutter. Auf der Bildseite ist ein Gruß vom "Berichterstatter" Gustav Hübner.



Frau Hübner hat diese Karte an Urgroßmutter am 16.10.1910 in Bulongwa geschrieben. Sie ist allerdings erst am 30.10.1910 im ca. 300 km entfernten Iringa der Post übergeben worden. Im Stempel fehlt übrigens die Jahreszahl. Näher als Iringa waren nur die beiden Postämter in Neu-Langenburg und Muaja. Diese waren aber auch eine Tagesreise von Bulongwa entfernt. Daher hat man die Post vermutlich jemandem mitgegeben, der zu einem der Postämter kam. Am 11. 12.1910 kam die Karte dann in Friedersdorf an. Frau Hübner schreibt:
Herbert schrieb uns, dass sie sich (es sind die Geschwister gemeint) höchstwahrscheinlich in den Herbstferien in ihrem lieben Hause aufhalten werden, das wäre für uns eine große Freude.

Da meinem Urgroßvater die Arbeit in den drei Gemeinden der Pfarrstelle Friedersdorf zu viel wurde und ihm auch das feuchte Klima des Vorspreewaldes zu schaffen machte, hat er sich an die kleine Pfarrstelle in Kraatz bei Gransee versetzen lassen. Die Karte musste also noch nach Kraatz nachgesendet werden.
So ein Umzug war damals viel beschwerlicher als heute, denn es gab in der ganzen Gegend keine gepflasterten Straßen. Der schwere Möbelwagen wurde von 5 schweren Pferden gezogen. Das reichte aber nicht aus, denn er fuhr gleich am Anfang so tief in den Morast, dass der Wagen erst durch den Einsatz von 10 Pferden und 40 Menschen wieder flott gemacht werden konnte.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 29.05.2014 09:46:23 Gelesen: 46178# 65 @  
Hallo zusammen,

die zweite Karte trägt den Stempel Neu-Langenburg vom 6.1.1914. Hübners leben jetzt auf der Missionsstation Mwakaleli - genannt nach einem dortigen Häuptling. Mit dem Wechsel zur Missionsstation wurde Herr Hübner zum Superintendenten der evangelischen Berliner Mission ernannt.



Inzwischen ist der Erste Weltkrieg ausgebrochen. Am 6.8.1915 schickt Frau Hübner eine weitere Karte an meine Urgroßmutter. Auch in diesem Stempel fehlt die Jahreszahl. Links ist ein roter Stempel "Zensur passiert Deutsch-Ostafrika". Sie schreibt:

Wir sehnen uns sehr nach einem Lebenszeichen von all den Lieben daheim. Wie mag es Ihnen und Ihrer lieben Familie ergehen? Ich glaube Karten lassen sich am besten befördern.

Darin hat sie sich aber getäuscht. Die Karte sollte dem Leitvermerk entsprechend über Portugal nach Deutschland gesendet werden. Sie hat ihr Ziel aber erst nach dem Ende des 1.Weltkrieges erreicht, da die Postverbindung schon unterbrochen war.



Für die Post zwischen dem Deutschen Reich und seinen Kolonien galt das Inlandsporto. Dennoch hat Frau Hübner in diesem Fall eine Auslandspostkarte zu 7½ Heller benutzt. Ob dieses aufgrund des Leitvermerkes notwendig war, konnte ich bisher noch nicht feststellen.

Im Mai 1916 rückten die englischen Truppen von Neu-Langenburg her nach Deutsch-Ostafrika vor. Da nur sehr schwache deutsche Truppen in dieser Region stationiert waren, wurden rasch Teile des südwestlichen Deutsch-Ostafrika besetzt. Die Missionare im Süden - soweit es Deutsche waren - wurden sofort gefangen genommen.

Was Familie Hübner in der Gefangenschaft erlebte und erlitt erfahrt ihr in den nächsten Beiträgen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 31.05.2014 11:10:37 Gelesen: 46107# 66 @  
Hallo zusammen,

Familie Hübner wurde im Juni 1916 in Deutsch-Ostafrika von den Engländern gefangen genommen. Den größten Teil der Zeit waren Herr und Frau Hübner voneinander getrennt und in verschiedenen Lagern interniert. Im Missionsbericht vom Januar 1920 beschreiben Missionar A. Weltzsch und Gustav Hübner die erste Zeit sehr anschaulich 8,9:

Am 15. Juni 1916 wurden wir, 14 Männer, 16 Frauen und 25 Kinder, von der Brüdergemeinde-Station Rungwe, die unser erstes Konzentrationslager abgegeben hatte, mittels kleiner Lastautos an das Nordende des Sees nach Mwaja, ebenfalls eine Station der Brüdergemeinde, befördert. Hier sollten wir das Schiff erwarten, das uns über den See bringen würde...

Es folgt eine Beschreibung der fürchterlichen Fahrt über den Nyassa auf dem Missionsschiff „SS Chauncey Maples“, einem schwimmendem Eingeborenen-Seminar. Aufgrund der katastrophalen Verhältnisse wurde diese Fahrt später „die Sklavenfahrt“ genannt.



Nach solcher Vernachlässigung, ich möchte es lieber Drangsalierung nennen, waren wir froh, das Schiff am 25. Juni verlassen zu dürfen, an dem wir das Südende des Sees erreicht hatten. Ob es besser wurde? Ja und nein. Die furchtbare, Leib und Geist zermürbende Engigkeit lag hinter uns, aber vor uns schon – die erste Trennung von unseren Frauen und Kindern! Sie wurden bald nach unserer Ankunft in das etwa 15 km südlich gelegene, fieberreiche Fort Johnston gebracht, um hier in elenden Grasbuden ihren Weitertransport nach Blantyre abzuwarten, während wir Männer am Strande in einem langen Grasschuppen zurückbleiben mußten, bis auch unser Abtransport nach dem gleichen Ort 5 Wochen später erfolgte.

Brief von Herrn Hübner vom Gefangenenlager am Nyassasee an seine Frau im Lager Blantyre. Leider fehlt der Briefumschlag.



Im Brief schreibt Herr Hübner:

Lake Nyaßa, 16.07.1916
Heut am Sonntag eilen meine Gedanken besonders zu Dir und den Kindern, eine große Sehnsucht hat mich ergriffen und Sorge um die Zukunft – wann wird das Getrenntsein-Müssen ein Ende haben? Denke, gestern erhielten fast alle Herren von ihren Frauen, die in Blantyre sind, Briefe, nur von Dir bekam ich keinen, obwohl du schon eine Woche länger dort weilst…
Die letzten Frauen und Kinder sollen heute von F. Jonston abreisen, ob wir nun Aussicht haben werden euch zu folgen?...
Donnerstag den 20ten Eben sind wir in Zomba (?) angekommen....


Soweit der Anfang der Gefangenschaft. Familie Hübner kam nach und nach in viele verschiedene Lager. Näheres dazu beim nächsten Mal.

Viele Grüße
Volkmar
 

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