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Thema: Deutsches Reich Inflationsbelege
Das Thema hat 5496 Beiträge:
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muemmel Am: 28.12.2013 11:54:34 Gelesen: 758998# 2722 @  
Salut BelegfreundInnen,

heute eine Fernpostkarte aus der Portoperiode 19 (1.–9.10.1923):


(Datenbank # 4603)

Gelaufen am 2.10.23 von Giessen nach Aurorahütte im Lahn-Dillkreis und frankiert mit 308. Bahnpoststempel CASSEL-FRANKFURT (MAIN), Zugnummer leider nicht lesbar.

Schöne Grüße
Harald
 
inflamicha Am: 28.12.2013 18:13:38 Gelesen: 758922# 2723 @  
Hallo,

von mir diese Nachnahmedrucksache vom 28.9.1923, verschickt von Schopfheim nach Grenzach (PP 18). Porto-Soll 50.000 Mark für die Drucksache und 125.000 Mark für die Vorzeigegebühr - gesamt 175.000 Mark, also um 25.000 Mark unterfrankiert. Nachporto wurde jedoch nicht erhoben.



Gruß Michael
 
zockerpeppi Am: 29.12.2013 15:34:53 Gelesen: 758558# 2724 @  
Hallo Inflafreunde,

heute bräuchte ich eure Unterstützung. Ein Kollege hat mir folgenden Banken Brief gezeigt und wir kommen mit der Portobestimmung nicht klar:

Wertbrief der städtischen Bank Breslau an die BMW München abgestempelt am 22.12.1923, mit 70 Rentenpfennigen frankiert. Der Wert beläuft sich auf 4,5 Trillionen Mark.

Anschließend an die Hyperinflationszeit war doch ab dem 1.12.1923 die Währungsreform erfolgt. Freigemacht wurde der Brief mit Rentenmark aber der Wert selbst wurde noch in alten Mark angegeben. Gibt es hierfür einen bestimmten Grund? Könnte dies sich auf den Inhalt beziehen? Und wie war den der Umrechnungsfaktor?



Danke im Voraus bei der Hilfe der Porto-Aufbröselung.

Lulu
 
juni-1848 Am: 29.12.2013 16:04:51 Gelesen: 758546# 2725 @  
@ zockerpeppi [#2724]

Moin, Lulu,

der Brief ist korrekt frankiert:

In der PP27 a+b kostete der Fernbrief der 2. Gewichtsstufe (>20 g) genau 20 Pf.
Für je 100 Billionen Mark = 100 Reichsmark (hier Wert = 4,5 Billionen) mussten 500 Milliarden = 50 Pf Versicherungsgebühr frankiert werden.

Diese Kombination (Fernbrief 2. Gewichtsstufe mit Wert bis 100 Reichsmark) ist die bisher an häufigsten gesichtete für Wertbriefe in der PP27.

Übrigens entfiel ab dieser PP27 das bisherige Extra-Porto für das Einschreiben.

Und Du hast richtig vermutet: Die Wertangabe bezieht sich auf den Inhalt - möglicherweise Wertpapiere, Coupons oder derlei.

Schau mal in die Belegedatenbank mit Kombisuche "Zeitraum" = " PP27" und "Volltextsuche" = " Wert".

Sammlergruß, Werner
 
juni-1848 Am: 29.12.2013 16:47:12 Gelesen: 758528# 2726 @  
Und zur Feier des Tages ein Beleg mit Inlandsporto plus Auslandsgebühr aus der PP 6 (1.4.1921 bis 31.12.1921):



(Datenbank # 4602)

Auslandsbrief ab "Berlin W \ -1.12.21.5-6N. \ n 8 n" nach Luxemburg, portorichtig frankiert mit Germania Mi. 149 (80 PF), 2x Mi. 150 (1 M) und Mi. 152 (2 M).

Vom 1.10.19 bis 31.12.23 galt für Luxemburg der Inlandstarif für Fernbriefe und Einschreiben.

Für die Versicherungsgebühr (Wertbrief) hingegen der Auslandstarif.

Der Postagent notierte die Portostufe zu "4,80" mit Rotstift: Fernbrief (30 g) = 80 Pf + Einschreiben = 100 Pf + Versicherungsgebühr (1000 Mark Wert) = 300 Pf. Der Brief durchlief die "Postprüfungsstelle \ Berlin W. 8." Unterhalb der Wertangabe finden wir die Umrechnung in Schweizer Franken.

Rückseitig die beiden Lacksiegel des Absenders Heinrich Köhler und der Postprüfungsstelle sowie der Ankunftsstempel von "LUXEMBURG \ -3.12.21.8-9S \ * VILLE a".

Kombinationen von Inlandsbriefporto mit Auslandsversicherungsgebühren gehören zu den selteneren Infla-Belegen!

In diesem Falle sind die Zahnfehler der Marken zu verzeihen.

Mit Sammlergruß, Werner
 
inflamicha Am: 29.12.2013 17:40:20 Gelesen: 758499# 2727 @  
@ zockerpeppi [#2724]

Ergänzend zu Werner: Zum 1.12.1923 wurde zwar die Rentenmark eingeführt, die alte Papiermark wurde aber parallel weiterbenutzt. Im Februar und März 1924 erschienen sogar noch neue Banknoten von 5 bis 100 Billionen Mark. Als Buchgeld "überlebte" die Papiermark noch weit ins Jahr 1925 hinein.

Gruß Michael
 
zockerpeppi Am: 29.12.2013 18:35:35 Gelesen: 758481# 2728 @  
@ inflamicha [#2727]
@ juni-1848 [#2725]

Dank euch beiden für die Hilfe.

Gruß
Lulu
 
inflamicha Am: 29.12.2013 20:14:18 Gelesen: 758442# 2729 @  
Guten Abend,

heute kommt eine Teilbarfrankatur auf Fernpostkarte von Dresden nach Hof zur Ansicht. Das erforderliche Porto betrug am 1.9.1923 (Beginn der PP 17) 30.000 Mark. Da nur eine Marke zu 5000 Mark aufgeklebt war wurden 25.000 Mark bar verrechnet, erkennbar am Gebühr-bezahlt-Stempel in Verbindung mit der Unterschrift des Schalterbeamten.



Gruß Michael
 
muemmel Am: 29.12.2013 20:59:29 Gelesen: 758418# 2730 @  
@ zockerpeppi [#2724]

Hallo Lulu,

Michael und Werner hatten ja bereits schon etwas zur Währungsumstellung von Papier- auf Rentenmark geschrieben. Ergänzend hierzu zwei Einzahlungsbelege aus 1924, bei denen auch noch Billionenbeträge auftauchen.



Schöne Grüße
Harald
 
juni-1848 Am: 30.12.2013 18:01:46 Gelesen: 758135# 2731 @  
@ inflamicha [#2727]

Gute Ergänzung, da sie insbesondere begründet, dass es durchaus über den 31.12.23 hinaus noch Belege gibt, wie diese beiden von

@ muemmel [#2730],

die ich der Infla-Zeit zuordnen und auch in die Datenbank unter die PP27b einpflegen würde. Na ja, Ansichtssache.

Weg vom Geschwätz hin zu einem Beleg vom letzten Tag der PP 22 (1.11. bis 4.11.1923):



(Datenbank # 3886)

Am 4.11.23 ging dieser Fernbrief von Baden-Baden nach Karlsruhe, portorichtig frankiert mit 2x Mi. 321B HT (Sägezahn mit Kordeckelsprung).

Es hat schon ein Weilchen gedauert, diese Kombination (PP22 + Sägezahn + HT) zu dokumentieren. Der Brief ist oben knittrig und eingerissen; die Rückseite ist leer und von Stempelfarbe verschmutzt.

Mit Sammlergruß, Werner
 
inflamicha Am: 30.12.2013 20:31:09 Gelesen: 758052# 2732 @  
Guten Abend,

ich zeige heute wieder was Buntes: Dieser Fernbrief der 2. Gewichtsstufe vom 17.10.1923 (PP 20) zeigt sehr schön, dass auch längere Rechenanstrengungen kein Hindernis waren, relativ kleine Werte noch in eine portogerechte Frankatur einzubinden.



Der Brief wurde von Gera nach Pössneck befördert, das Porto-Soll betrug 7 Mio Mark. Verklebt sind 3mal 50 TM (150 TM), 6mal 75 TM (450 TM), 3mal 800 TM (2,4 Mio M) und 2mal 2 Mio M (4 Mio M), zusammen ergibt das auf den Pfennig genau 7 Mio Mark. ;-)

Gruß Michael
 
muemmel Am: 30.12.2013 20:45:28 Gelesen: 758043# 2733 @  
Guten Abend,

im scheidenden Jahr hier der vorläufig letzte Beleg aus der Portoperiode 21 (20.–31.10.1923):



(Datenbank # 4624)

Ein Brief bis 20g ins nahe oder auch ferne Ausland kostete 30 Millionen Porto und eingeschrieben kamen weitere 10 Millionen hinzu. Dies wurde hier mit Marken der 309 AWa, 317 AW und 318 AP realisiert. Gelaufen am 27.10.23 von Landshut nach El Salvador.

In der Sammlung befinden sich Übersee-Belege nach Japan, Südamerika, Australien, Südafrika, USA u.A., aber dies ist der erste nach Mittelamerika, der mir in die Finger fiel.

Allen einen guten Rutsch und Tschüss bis zum nächsten Jahr

Harald
 
juni-1848 Am: 30.12.2013 22:41:52 Gelesen: 757974# 2734 @  
Und weil morgen keine Zeit fürs Hobby, heute noch einen zum Genießen aus der PP 1 (1.7.1906 bis 31.7.1916):



(Datenbank # 4513) (nach Freigabe)

Der Importeur amerikanischer Erzeugnisse "M. Erlebach Nachf." aus Frankfurt (Main) versendete am "12.9.10.8-9N." ab "Frankfurt (Main) 9" eine dringende Anfrage über den Verbleib bestellter (Metall-Schreib-)Federn an Hazell, Watson & Viney in London, das Ganze auf einer Firmenvordruck-Postkarte (10 Pf) per Einschreiben (20 Pf), die bereits am nächsten Morgen "5.45.PM 13 SP 10" in der Einschreibestelle des PA 10 in London einging (ovaler Ankunftsstempel). Frankiert wurde mit Germania 5 Pf und 25 Pf. Die Karte zeigt mittig einen senkrechten Bug und ist etwas randknittrig.

Was erzählt uns diese Karte?

Es handelt sich um eine Geschäftskarte mit einem Anliegen in deutscher Sprache, in Zierschrift geschrieben mit einem Füllfederhalter mit stählerner Spitzfeder. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn der Importeur amerikanischer Erzeugnisse "M. Erlebach Nachf." aus Frankfurt (Main) war u.a. Generalvertreter der weltberühmten "Esterbrock Stahlfedern" für Tinten-Schreibstifte (ab 1920 stellte Esterbrock in den USA "günstige Füllfederhalter für die breite Masse" her).

Der erste kommerziell erfolgreiche deutsche Füllfederhalter wurde 1890 von der Firma Soennecken entwickelt und kostete damals einen durchschnittlichen Wochenlohn. Erst 4 Jahre nach dem Erwerb eines Patent des ungarischen Ingenieurs Theodor Kovács für einen Kolbenfüller begann die Firma Pelikan 1929 mit der Produktion von "modernen" Kolbenfüllern.

"Hazell, Watson und Viney" war ein britisches Druck- und Verlagskonsortium (1839 bis 1991). Mit gerade einmal 20 Jahren kam der Visionär Walter Hazell (* 1.1.1843) in das Unternehmen. Zusammen mit John Elliott Viney baute er die kommerzielle Drucksparte aus. Um die Jahrhundertwende druckte das Unternehmen mehr als 60 Zeitungen und Zeitschriften. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurden 1.700 Mitarbeiter beschäftigt.

Walter Hazell leitete fast 50 Jahre lang die Geschicke des Unternehmens. Er galt als Sozialreformer mit zahlreichen Publikationen und trat für das Frauenwahlrecht ein. Er war Mitglied der Liberalen im Parlaments of Leicester zwischen 1894 und 1900 und war maßgeblich beteiligt an der Einführung einer Krankenkasse für die Mitarbeiter seines Unternehmens (1874).

Mit diesem kleinen Ausflug in die Geschichte der Tintenkleckse und des Druckwesens, ohne die unser Hobby um so vieles eintöniger wäre, verabschiede ich mich von Euch und von 2013.

Wünsche allen einen eleganten Rutsch in ein vor allem gesundes 2014,
Werner
 
inflamicha Am: 01.01.2014 16:49:33 Gelesen: 757293# 2735 @  
Hallo, ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr wünsche ich euch!

Beginnen möchte ich das Jahr mit diesem eingeschriebenen Nachnahmefernbrief von Neukölln nach Frankfurt am Main vom 14.8.1920 (PP 5).



Das Porto setzt sich aus 40 Pf. für den Fernbrief und je 50 Pf. für Einschreiben und Vorzeigegebühr zusammen.

Gruß Michael
 
BD Am: 01.01.2014 18:04:14 Gelesen: 757256# 2736 @  
Hallo,

ich wünsche allen Forumsteilnehmern ein gesundes neues Jahr.

Teilfrankaturwertbrief über 22,8 Milliarden Mark vom 1.11.1923 von Berlin W 8 nach Balingen in Württemberg. Frankiert mit Marken zu 576 Millionen Mark mit der Lochung Dr.B. für Dresdner Bank Berlin. Die restlichen 70 Millionen Mark zum Gesamtporto von 646 Millionen Mark wurden am Schalter bar bezahlt, erkennbar am abgeschlagenen Einnahmenachweisstempel mit Rand von Berlin W8. Von Berlin W 8 sind laut Nawrocki 8 verschiedene Gebührenstempel bekannt.

Beste Grüße Bernd


 
muemmel Am: 01.01.2014 21:26:42 Gelesen: 757172# 2737 @  
Guten Abend,

allen ForumlerInnen ein gutes und spannendes neues Jahr.

Den Anfang mache ich mit einem Machwerk:



(Datenbank # 4634)

Ein Ortsbrief bis 250g hätte in der Portoperiode 22 (1.–4.11.1923) in der Tat 100 Millionen Porto verschlungen. Doch dieses Teil aus dickem Papier bringt nicht einmal 20g auf die Waage. Außerdem ist der Papierbogen lediglich sauber zusammengefaltet, unverschlossen und ohne jeglichen Inhalt. Hier hat sich jemand also einen "gebastelt", natürlich alles schön sauber gestempelt.

Demnächst geht es aber wieder mit echt gelaufenen Belegen weiter. Versprochen.

Schöne Grüße
Harald
 
muemmel Am: 01.01.2014 21:30:39 Gelesen: 757170# 2738 @  
@ BD [#2736]

Hallo Bernd,

dieses schöne Teil würde auch in meine Sammlung gut passen. :-)

Glückwunsch dazu und danke fürs zeigen. Aber bitte nicht vergessen, den Brief auch in die Belege-Datenbank zu stellen.

Grüßle
Mümmel
 
juni-1848 Am: 02.01.2014 12:56:04 Gelesen: 756953# 2739 @  
Moin zusammen,

ich wünsche allen ein gesundes und schwungvolles Neues.

Und da Ihr das neue Jahr gestern schon mit zahlreichen Schätzchen eingeläutet habt, hier der erste "Alltagsbeleg" aus der PP 2 (1.8.1916 - 30.9.1918):



(Datenbank # 4507)

Diese Germania-Antwort-Ganzsache zu 7 1/2 Pfennig ab ZELL, (KR. ERBACH) ODENWALD lief am 29.10.17
nach Groß Salze per Eilboten mit ZuF Germania 2 1/2, 7 1/2 und 15 Pfennig.

Diese Portostufe zu 32 1/2 Pfennig findet man überwiegend als Zusatzfrankatur mit einer 25 Pfennig Marke auf der einfachen Ganzsache zu 7 1/2 Pfennig.

Der Absender stammt aus Momart und nennt das benachbarte Zell-Kirchbrombach als seine nächste Briefestation.

Die Stadt Groß Salze wurde 1926 in Bad Salzelmen umbenannt. Seit 1932 ist sie Stadtteil von Schönebeck (Elbe) im Salzlandkreis.

Ein erfolgreich-fröhliches Sammeljahr 2014,
Werner
 
inflamicha Am: 02.01.2014 21:15:18 Gelesen: 756781# 2740 @  
Guten Abend,

kein Machwerk, sondern schönster Bedarf: Eingeschriebener Fernbrief von Bühl in Baden nach Baden-Baden vom 16.10.1923 (PP 20), Porto und Einschreibgebühr je 5 Mio Mark.



Gruß Michael
 
muemmel Am: 03.01.2014 21:02:14 Gelesen: 756388# 2741 @  
Guten Abend,

ebenfalls keine Mache, sondern ein eingeschriebener Ortsbrief bis 100g vom Ersttag der Portoperiode 24 (12.–19.11.1923):



(Datenbank # 4631)

Gelaufen von Berlin NW 21 nach Berlin W 8, frankiert mit 325 AP und 327 AP.

Schöne Grüße
Harald
 
inflamicha Am: 03.01.2014 21:27:08 Gelesen: 756378# 2742 @  
Guten Abend,

zum Wochenende habe ich was besonders Schönes rausgekramt: Nachnahmedrucksache innerhalb Berlins vom 31.10.1923 (Letzttag der PP 21) über 15 Mrd. Mark, kostete 2 Mio für die Drucksache und 5 Mio für die Vorzeigegebühr.



Da der Empfänger 7 Tage Frist verlangte wurde die Gebühr für wiederholtes Vorzeigen fällig. Inzwischen hatte die PP 22 begonnen und die Gebühr hatte sich verfünffacht: 25 Mio Mark wurden vom Empfänger kassiert und rückseitig mit Marken verklebt.



Durch die inzwischen erfolgte Geldentwertung blieb dem Empfänger nur ein Bruchteil des ursprünglich geforderten Geldwertes, weshalb die meisten Geschäftsleute das wiederholte Vorzeigen zunehmend ausgeschlossen haben. Vermerke wie "Bei Fristverlangen sofort zurück" tauchten auf den Sendungen auf.

Und damit ein schönes Wochenende!

Gruß Michael
 
muemmel Am: 03.01.2014 22:37:04 Gelesen: 756346# 2743 @  
@ inflamicha [#2742]

Servus Michael,

ganz vielen Dank für die Zurschaustellung dieses herrlichen Beleges. So etwas findet man nur zu Pflaumenpfingsten.

Gut, dass Du auch die Problematik der Nachnahmesendungen nochmals angesprochen hast. In inflationären Zeiten waren Geldforderungen per Nachnahme nicht wirklich sinnvoll und während der Hochinflation im Oktober und November 1923 vollkommen unsinnig, da durch den mittlerweile stündlichen Wertverlust der zu geforderte Betrag schon nichts mehr wert war.

Grüßle
Harald
 
juni-1848 Am: 04.01.2014 15:27:33 Gelesen: 755972# 2744 @  
@ inflamicha [#2742]

Glückwunsch! Ein so spätes (PP22) "erneutes Vorzeigen" habe ich auch noch nicht gesehen!

Heute ein spannender Beleg per Eilbestellung aus der PP1 (1.7.1906 - 31.7.1916):



(Datenbank # 4503)

Aus der ersten Portoperiode stammt diese Germania-Ganzsache (5 Pf) mit Germania 5 Pf und 20 Pf für den bezahlten Eilboten (25 Pf), aufgegeben am 10.11.1908 ab Uelzen an das rund 75 km entfernte Gut Büchen (nördlich Lauenburg) mit Ankunftsstempel von Büchen (Zustellpostamt mit Telegrapgenanstalt). Das Gut Büchen lag abseits der üblichen Zustellwege.

Da nur 25 Pf vorfrankiert, waren für die Eilbestellung in den Landbestellbezirk 35 Pf nachzuerheben. Gleichzeitig mit dieser Karte bestellte der Bote eine weitere Eil-Briefsendung, wofür weitere 10 Pf erhoben wurden (da die Eilgebühr der zweiten Briefsendung gar nicht, auch nicht als Teilbetrag, vorfrankiert war).

Der Eilbote vermerkte den zusätzlichen Botenlohn von 45 Pf für seinen Dienst - nämlich die gleichzeitige Bestellung zweier Briefsendungen - handschriftlich auf dieser Karte (also ingesamt 70 Pf für die Eilbestellung).

Welchen Vermerk mag wohl die andere gleichzeitig bestellte Eil-Briefsendung aufgewiesen haben ?

Belege mit Vermerk eines zusätzlichen Botenlohns für die gleichzeitige Bestellung mehrerer Eil-Briefsendungen an den gleichen Empfänger sind extrem selten.

Wie kam dieser Botenlohn zustande?

0. In der PP1 betrug die Gebühr für die Eilbestellung im Falle der Vorausbezahlung durch den Absender
im Landbestellbezirke 60 Pf und die Höhe der Vorausbezahlung musste mindestens 25 Pf (= Gebühr für den Ortsbestellbezirk) betragen.

In besonderen Fällen waren die tatsächlich erwachsenden Botenkosten zu entrichten:

1. Beförderung durch Eilboten von einem Zwischenpostort nach dem Bestimmungsort, wenn die Entfernung höchstens 15 km betrug (Vom Aufgabepostort erfolgte grundsätzlich keine Eilbotenbeförderung bis zum Empfängerort). In diesem Falle musste der Vermerk "Von ... durch Eilboten" auf der Senung angebracht werden. Für solche Sendungen waren auch im Falle der Vorausbezahlung durch den Absender die wirklich erwachsenden Botenkosten, mindestens jedoch die für die Landbestellung festgesetzten Beträge zu entrichten. Und der Absender hatte "auf Verlangen der Aufgabe-Postanstalt" einen angemessenen Betrag zu hinterlegen.

2. Bei Sendungen an den Empfänger im Landbestellbezirke das Aufgabepostamtes (hier waren nur gewöhnliche Briefsendungen zugelassen) waren Kosten für die Eilbestellung in Höhe der wirklich erwachsenden Botenkosten fällig, jedoch mindestens 25 Pfennig. Und auch hier hatte der Absender "auf Verlangen der Aufgabe-Postanstalt" einen angemessenen Betrag zur Deckung der Botenkosten zu hinterlegen.

Da hier beide Fälle 1. und 2. nicht zutreffen, bleibt folgender Erklärungsversuch ( Habt Ihr hierzu Ergänzungen oder andere Vorschläge?):

3. In Fällen, in denen derselbe Bote mehrere Eilsendungen an denselben Empfänger zu bestellen hat, wird bei Bezahlung durch den Empfänger bei Briefsendungen der Botenlohn für eine der Sendungen zum vollen festgesetzten Betrage erhoben, für jede weitere 10 Pf. zusätzlich. Das gilt auch für Eilsendungen nach dem Landbestellbezirke.

Das bedeutet:
Zusammen mit dieser Karte wurde eine zweite Briefsendung an den gleichen Empfänger vom Eilboten bestellt.
Obige Karte war mit 25 Pf vorfrankiert. Also fehlten 35 Pf für die Bestellung nach dem Landbestellbezirke.
Die Eilgebühr der zweiten Briefsendung war nicht vorfrankiert, so daß hier weitere 10 Pf erhoben wurden.
Zusammen also 45 Pf, wie handschriftlich auf der Karte vermerkt.

Und jetzt meine Frage an die Datenbank-Redakteure:
Wie pflege ich die Porto-/Gebührensätze ein ?
Porto: 0,05 Mark ist klar!
Zusatzleistungen:
Eilzustellung Landbezirk: 0,70 Mark ??? oder die hierfür festgesetzten 0,60 Mark (und den Rest liefert obiger Erklärungsversuch)?
(Porto und Gebühren: 0,75 Mark ??? oder 0,65 Mark?)

Mit Sammlergrüßen,
Werner
 
juni-1848 Am: 05.01.2014 19:51:43 Gelesen: 755332# 2745 @  
Moin zusammen,

für den heutigen Abend eine Mehrfachfrankatur eines "krummen Wertes" aus der PP 21 (20. bis 31.10.1923):



(Datenbank # 4496)

Fernpostkarte aus " Kreuzburg \ 25.10.23.3-4 V. \ *(OBERSCHL)1* " (Kreisgitterstempel) nach Leipzig, portorichtig frankiert mit 5x 800 Tausend Aufdruck auf 400 M grün (Mi. 306 A), geprüft "Infla Berlin" und "D.G.CROCKER".

Auffällig ist die ungewöhnliche Tageszeit für einen Entwerter: 3 bis 4 Uhr in der Frühe.

Nehmen wir einmal an, hier wurden nicht N ein V verwechselt: Hat dann jemand eine Erklärung für diese Uhrzeit?

Mit Sammlergruß, Werner
 
muemmel Am: 05.01.2014 20:03:53 Gelesen: 755326# 2746 @  
@ juni-1848 [#2744]

Salut Werner,

in der Datenbank würde ich die 5 Pf. Porto und Eilbestellgebühr 60 Pf. bei Porto und Gebühren eintragen. Alles weitere dann in den Kästen Beschreibung und/oder Anmerkung.

Grüßle
Mümmel
 

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