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Thema: Moderne Postgeschichte: Internationales Remailing Manifestabfertigung
DL8AAM Am: 11.10.2013 17:29:48 Gelesen: 9699# 1 @  
Heutzutage kauft man auch als Privatmensch ja gefühlt fast alles direkt über eBay selbst in China ein, sogar Klein- und Kleinstteile. Als Philatelist hat das den sehr angenehmen Kollaterialgewinn, dass man zum Teil doch wirklich interessante Versandformen und ("Entgelt-bezahlt") Frankturen zusammentragen kann. ;-)



Hier hat sich eine Freundin eine Flashdisk, auch "USB-(Speicher)-Stick" genannt, für 7 € (inklusive) über einen eBay-Händler direkt aus China bzw. aus Hong Kong schicken lassen. Zugestellt wurde der Stick - in einen grauen Folienumschlag verpackt und versehen mit einem "all-inclusive" Versandlabel (d.h. Franktur, Adresse und Rechnung in einem Aufwasch) - von der Gelben Post. Frankiert mit einem für internationale Remailings üblichen "Entgelt-Bezahlt"-Eindruck (PPI) der Deutschen Post DHL aus 60544 Frankfurt (mit Rücksendeadresse beim Internationalen Postzentrum "IPZ" in 36243 Niederaula). Absender ist http://www.EachBuyer.com (12th Floor/Room 1202, Tung Chun Commercial Centre, 438-444 Shanghai Street, Kowloon, Hong Kong).

Das eigentlich Interessante an diesem Beleg ist der Hinweis auf eine Manifestabfertigung. Wikipedia [1] sagt dazu kurz und knapp " ... Manifestabfertigung: Im Exportland zusammengefasste und im Importland auf Basis einer Ladeliste vereinzelte Sendungen ... ".

Etwas weitergehende Angaben finden sich in einer Diskussion im Thread "Was ist Manifestabfertigung?" des "eBay Community"-Forums [2]. Der User "cashiva" schreibt hierzu, " Sie [die Händler in Übersee, meist China und Hong Kong -ed] unterhalten in DE kein eigenes Lager und geben als Artikelstandort eine Stadt mit internationalen Flughafen an (meist ist es Frankfurt). Im Herstellerland werden all diese kleinen Sendungen mit Bestimmungsland Deutschland in ein oder mehrere große Pakete verpackt. Dazu wird eine Liste erstellt, mit allen Sendungen des Tages, Empfänger und Inhalt. Alles zusammen wird dann ... nach Deutschland verschickt. Dort werden die Pakete von einem Dienstleister noch im Zollager ausgepackt und einzeln weiter verschickt. Weil es sich zumeist um Waren [im Wert von] unter ca. 22 € handelt, werden sie vom Zoll, ohne Zoll und Einfuhrumsatzsteuer zu berechnen anhand der Liste, abgefertigt und dann als normale Post Brief oder Warensendung ausgeliefert.".

Da wir als Philatelisten in erster Linie ja normalerweise keine Wirtschaftshistoriker sind, sollte uns das zum Grundverständnis dieser Versandform erst einmal ausreichen.

Zurück zur eigentlichen Philatelie: Zum Rücksende-Sammelpostfach 2007 in Niederaula kann man sagen, dass es (scheinbar) grundsätzlich (nur?) für südostasiatische (ggf. nur) bzw. chinesische DHL-Kunden eingesetzt wird, um so Retouren zielgerichteter zuordnen zu können. Die Angabe "(2378)" im Entgeltbezahlt-Feld kann ich derzeit nicht korrekt ansprechen, möglicherweise handelt es sich um eine Identifikation des jeweiligen DHL-Kunden, ggf. eine Art von Kundennummer. Um hier sichere Aussagen treffen zu können, müsste man noch mehr Belege sichten. Also bitte zeigen was ihr habt. ;-)

Allgemein mal etwas zu diesen (u.a.) Niederaulaer Postfachadressen: Es ist schon erschreckend was man - teils sogar von professionellen (und selbsternannt seriösen) - Verbraucherschützern liest, oftmals zeigen die nur ein vollkommenes Unvermögen. Denen fehlt scheinbar oft sogar das geringste Grundlagenwissen zu dieser Art von Remailing, internationalen Warenversand und den dazugehörigen Formen der "Absenderangaben". Anstatt schnell mal kurz den Briefmarkensammler von nebenan dazu zu befragen, werden peinlichste Statements und Presseerklärungen veröffentlicht... (von der Presse gerne mal aufgenommen und in Presse, Funk und Fernsehen unrecherchiert 1:1 plakativ weiterge'Guttenberg't) ... :-(

Beste philatelistische Grüße
Thomas

[1]: http://de.wikipedia.org/wiki/Manifest_%28Begriffskl%C3%A4rung%29
[2]: http://community.ebay.de/t5/Verpacken-und-Versenden/Was-ist-Manifestabfertigung/td-p/271673
 
DL8AAM Am: 04.01.2014 03:02:02 Gelesen: 9193# 2 @  
Hier ein weiteres Beispiel einer Manifestabfertigung, auch wenn in diesem Fall das Wort selbst nicht auf dem Beleg auftaucht.



Erneut ein "All Inclusive"-Versandlabel mit Franktur und CN22-Zollerklärung. Es handelt es sich wieder um eine Kleineware unter 22 € - hier nun eine LED-Taschenlampe für 8 Euro - eines eBay-Händlers aus Hongkong ("HKG") nach Deutschland. Remailingfranktur der DPAG/DHL wie in [#1] "Entgelt bezahlt / 60544 Frankfurt", inklusive der (mir) immer noch unbekannten Zusatzkennung "(2378)" und Rücksendeadresse "Postfach 2007 / 36243 Niederaula" (= Sammelpostfach der DPAG/DHL für seine Kunden).

Interessant ist außerdem das Zolllabel "Von / zollamtlicher Behandlung / befreit / Deutsche Post / NL IP B Frankfurt- / Flughafen" (d.h. Niederlassung Internationale Produktion BRIEF, 60544 Frankfurt) mit der (mir) unbekannten Zusatzkennung "Q23". Im Internet habe ich eine Nennung von "Q28" [1] und "Q93" [2] gefunden. Hat hier jemand nähere Informationen zu diesen Q-Kennern?



Beste Grüße
Thomas

Nachsatz: Der Barcode beinhaltet nur die unten auch in Textform aufgeführte (Sendungs?)-Nummer "A000051311185762". Der Präfix "DEAM" steht vielleicht für DEA (d.h. die übliche Kennung der DPAG in 2D-Datenmatrixkodes) und M für Manifestabfertigung?

[1]: http://de.answers.yahoo.com/question/index?qid=20110622114955AABU6yi
[2]: http://www.jolschimke.de/paketannahme/postverzollung.html
 
DL8AAM Am: 27.05.2014 20:18:47 Gelesen: 7698# 3 @  
Auch dieser Beleg passt in diesen Thema:

Es handelt sich auch hier um eine Form der Manifestabfertigung. Die eingetütete Ware gehört auch wieder zu einem Internet "Elektro-Kleinstteile"-Kauf in China.



Das unterste Barcode-Label stammt aus China ("DEDA0170"; DE steht dabei für das Zielland Deutschland). Das folgende Versandlabel wurde sehr wahrscheinlich erst nach dem Import in Deutschland aufgeklebt (?) ["zu wenig Rechtschreibfehler für China"], es nimmt hier den Code "DEDA0170" vom ursprünglichen chin. Barcode in der Statuszeile auch wieder auf. Zusätzlich findet sich die Angabe "Product List(For Customer)", als weitere Bestätigung für eine Manifestabfertigung. Als Rücksendeadresse wird die Firma "Win Trade GmbH" in 01159 Dresden (Behringstr. 24) angegeben. Die Informationsplattform "Unternehmen24" sagt zu dieser Unternehmung " Gegenstand des Unternehmens ist Onlinehandel mit Waren aus Asien, insbesondere Elektroartikeln ..." [1]. Da dieser "Online-Shop" (unter dem eigenen Namen) aber über keinerlei eigene dt. "Online-Shopwebseite" verfügt, dürfte es sich hier lediglich nur um einen Dienstleister handeln, der Online-(eBay)-Verkäufe aus China nach Deutschland hier vor Ort technisch "abwickelt" bzw. die vereinzelten "Warentütchen" in den deutschen Postlauf eingeschleust, sozusagen ein "Warensendungs-Remailer". ;-)

Frankiert wurde das alles nun mit einer DPAG-Internetmarke zu 2,40 €, mit der (DPAG-)Kundenidentifikation (in der A0-Zeile) "0138 30FF" aus Februar 2014.

Gruß
Thomas

[1] : http://www.unternehmen24.info/Firmeninformationen/DE/3894767
 
DL8AAM Am: 15.12.2015 05:58:37 Gelesen: 3207# 4 @  
Auch der passt hier (nur) am Rande in dieses Thema. Ich könnte ihn aber auch unter nur "internationales Remailing" einstellen:



"ebay"-Päckchen [zu 0,438 kg] aus China nach Deutschland, Absender "Shanghai Lins LED Kingdom Technology" aus Pudong, Shanghai; 23.11.2015. Postalisch verschickt über die belgische Post "bpost" unter der Lizenznummer BPI-8435 (B-8435) und dem Rücksendepostfach "PO BOX 8435" in 1934 Brüssel (Brucargo, dem Flughafen Brüssel Cargo).

Der kleine Sticker "hamkai" sollte für "HAMKAI E-commerce Ltd." [1], einer Firma spezialisiert auf Unterstützungdienstleistungen für chinesische 'ebay-Händler', stehen, die hier wohl als eine Art von (Päckchen-) Konsolidierer/Versandagent zwischengeschaltet ist. Auf dem linken Versandlabel findet sich ein weiterer kleiner Aufkleber "JCEX", der die Ableitung über das chinesisches Logistikunternehmen "Jia Cheng International Freight Agent Company Ltd." [2] nach Europa oder nur zur bpost (möglicherweise bereits eine bpost Niederlassung/Partner in China) belegt. Ob die Übergabe an die bpost bereits in China oder erst in Brüssel stattfand, ist für mich zur Zeit nicht eindeutig zu bestimmen. Die Angaben im Tracking (Abbildung siehe unten) spricht allgemein nur von "25.11.2015: Arrival at facilities" (nur welche bzw. wessen?). Wobei diese Angabe zusammen mit dem folgenden Eintrag "01.12.2015: Departure from office of exchange" (Ausgang aus dem Auswechselungspostamt) doch sehr danach schmeckt, das die Sendung wirklich bereits in China in "belgische Posthände" überging. Wahrscheinlich war dieses Päckchen trotzdem Bestandteil einer größen zusammengefassten Sammelsendung, bestehend aus sehr vielen ähnlichen (ebay-) Päckchen, von China nach Europa. Dort wurde diese Großeinheit vereinzelt und die Einzelpäckchen über die bpost in das UPU-Postnetzwerk eingeschleust, leider ohne erneute Erfassung des Trackingcodes durch die bpost in Belgien. Der heutiger Status des Päckchen ist 1-2 Wochen nach der Zustellung noch immer "Processing abroad" (Behandlung im Ausland) und "Your parcel is on the way to Belgium" (... auf dem Weg nach Belgien). Eine zolltechnische Behandlung bzw. Freigabe in Belgien (wie z.B. in [#2] für eine ähnliche Sendung über Deutschland und DPAG/DHL gezeigt, siehe "grüne Labels") ist auf der (einzelnen) Sendung auch nicht erkennbar. Bei dem Barcode mit dem LVS-Präfix handelt es sich auch schon um eine Sendungsnummer der belgischen Post bpost für "low value shipments", d.h. Sendungen mit geringem Wert, was ebenfalls für eine Übergabe an die bpost bereits vor Ort in China spricht. Das Onlinetracking endet in diesem Fall mit dem Eintrag "01.12.2015: Item in delivery" [3], da auch die DPAG diesen Barcode nicht erfasst bzw. ihre Zustelldaten nicht an die belgische Post rückgemeldet hat.

Diese auf den ersten Blick recht unscheinbar aussehenden Formen des internationalen (ebay-Päckchen-) Remailings können doch sehr spannend sein, oder? Wenig Wissen, viele Fragen, viel Forschung ...

Versendet wurde übrigens eine kleine (nach Kundenfotos modellierte) personalisierte Keramikfigur ("pottery man"), der angegeben Wert der Ware beläuft sich, laut dem beigeklebten Rechnungs-Label ("Invoice"), auf US$ 15.



Leider ist der Entgeltbezahlt-Eindruck kaum zu entziffern, aber mit Hilfe von Vergleichsmustern [4] ähnlicher belgischer Remailingfrankaturen ist dieses aber doch noch möglich gewesen. Hier steht also "bpost / PB-PP | BPI-8435 / BELGIE(N)-BELGIQUE".




Gruß
Thomas

[1]: http://www.hamkai.com
[2]: http://www.jcex.com/En
[3]: http://track.bpost.be/btr/web/#/home?lang=en
[4]: http://www.philastempel.de/stempel/zeigen/74788
 
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