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Thema: Not- und Behelfsentwertungen im Inflationzeitraum bis 1923
Das Thema hat 67 Beiträge:
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mumpipuck Am: 14.08.2013 18:19:24 Gelesen: 11039# 43 @  
Ich könnte mir Folgendes vorstellen: Auf Grund der vielen Portoänderungen waren die meisten Sendungen mit mehreren Marken versehen. Maschinenstempel fehlten oft oder erfassten nicht alle Marken und waren ohnehin nur bei großen Postämtern vorhanden. Man musste also ein Vielfaches an Abschlägen vornehmen. Also hat man parallel mehr Mitarbeiter eingesetzt, als Stempel vorhanden waren, um Verzögerungen in der Beförderung zu vermeiden. Dann musste eben alles zum Entwerten herhalten.
 
jmh67 Am: 16.08.2013 07:40:35 Gelesen: 10955# 44 @  
Da könnte was dran sein, jedenfalls würde das den Einsatz der Grobsendungsstempel erklären. Aber einige Belege zeigen ja Tages- und Korkstempel zugleich, das wundert mich immer noch.

Jan-Martin
 
Fillemille29 Am: 26.08.2013 11:33:15 Gelesen: 10792# 45 @  
Hallo Jan-Martin,

hier einige Bemerkungen zu den Grobsendungsstempeln.

Die Benutzung sogenannter stummer Stempel ist mit der Verfügung des Reichspostministeriums an die Reichspostdirektion vom 31. Dez. 1916 zugelassen worden. Hierbei wurde vorgeschrieben, daß neben den Briefmarken der Aufgabeort und Aufgabetag handschriftlich mit Tinte oder Tintenstift oder unter Benutzung von Stempelzetteln, Gummidatenstempeln usw. nachzutragen waren. Die Verwendung nach Ende des Krieges wurde fortgesetzt und ihre Anzahl erheblich vermehrt und die Eigenarten bis ins Groteske gesteigert. Die Vorschrift über Päckchenstempel von 1914 wurde von vielen Postämtern nicht eingehalten und weichen deshalb nach allen Richtungen von der Normalform (Rechteck 52:18 mm) ab.

Anbei ein sogenannter Stempelzettel:



Tschüß
Achim
 
juni-1848 Am: 19.09.2013 18:14:51 Gelesen: 10566# 46 @  
Moin zusammen,

hier ein "Stummer" aus der PP 19 (1.10. bis 9.10.1923):



(Datenbank # 3228)

Einschreibebrief der Kaufmanns Paul Linden aus Iserlohn nach Coburg, beidseitig korrekt frankiert mit 16 x 250 Tsd auf 500 Mark lilarot (Mi. 295). Die "stumme" Entwertung mit einem Korkstempel erfolgte wohl mit Rücksicht auf den Zustand des beigesetzten Tagesstempels "ISERLOHN \ -5.10.12.5-6N. \* g * ", der sich in "fortgeschrittener Auflösung" befand.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts übertraf Iserlohn durch seinen bedeutenden Handel (mit weit über 50 Kaufleuten und Krämern) alle Städte der Mark.

Und auch das Handwerk fand dort goldenen Boden: Eine Chronik listet 17 Schuster, 18 Schneider, 12 Näh- und Knopfnadelmachermeister, 50 Schnallenmacher, 80 Drahtzieher, 22 Gelbgießer, 3 Sattler, 1 Gerber, 1 Knopfmacher, 1 Leineweber und 3 Leinenfärber, 3 Hutmacher, 39 Bierbrauer, 1 Branntweinbrenner, 36 Faßbinder, 5 Drechsler, 1 Musikant, 2 Friseure, 1 Chirurgus, 3 Maurer, 5 Glaser, 1 Schreiner.

Kein Wunder, dass der Iserlohner Kaufmannschaft sich nicht mehr nur zu Fuß als bürgerliche Schützen–Kompagnie zeigen wollte. Den Kaufleute träumten davon, auf stolzen Rossen zum Schützenfest auszuziehen, und sich so von den Infanteristen abzuheben. König Friedrich II. (der Alte Fritz) erteilte die Erlaubnis, eine eigene "Schützencompagnie und Corps zu Pferde" zu errichten", aus der später die bis heute aktive "Artillerie im Iserlohner Bürger-Schützen-Verein e.V." entstand. Die Gattin des Kaufmanns und Spirituosen-Händlers Paul Linden stellte in der Session 1907/1908 zusammen mit Karl Schmidt das Schützen-Königspaar.

Mal wieder ein Beleg mit Geschichte - wenn auch um drei Ecken (dem Dreispitz des Alten Fritz geschuldet),

Werner
 
juni-1848 Am: 26.09.2013 16:39:54 Gelesen: 10478# 47 @  
Mion zusammen,

heute eine Entwertung mit einem in Stempelfarbe getauchten Gummistück (?) aus der PP 16 (24.8. bis 31.8.1923):



(Datenbank # 3229)

Fernbrief ab Berlin C2 vom 30.08.23 (Porto 20 Tsd M) nach Hartmannsdorf bei Chemnitz. Frankiert wurde mit Queroffset 5x 2000 M sowie auf der Rückseite mit kleinen Ziffern 5x 200 M und 30x 300 M (von lezterer 28er Bogenteil). Die rückseitigen Marken wurden mit einem in Stempelfarbe gedrückten Stück Gummi(?) reihenweise durchgestrichen - man könnte vermuten, nachträglich unter Beifügung des Innendienst-Rahmenstempels " Berlin C2 \ * {Datum aptiert} *" und zwar entgegen den Bestimmungen auf den Marken (da kein freier Platz mehr daneben).

Allerdings würde ich wegen des vorderseitigen Teilvordrucks der Empfängeranschrift sowie der rückseitigen "Bitte Couvert für unsere Sammlung aufzuheben" auf gezielten Sammlereinfluß tippen.

Mit Sammlergrüßen, Werner
 
kauli Am: 27.09.2013 16:28:11 Gelesen: 10416# 48 @  
@ juni-1848 [#47]

Hallo Werner,

Zu dem Stempel kann ich nichts sagen, so etwas sehe ich zum ersten mal. Man könnte denken der wurde auf Wunsch des Absenders angebracht. Ich versuche jedenfalls etwas darüber zu erfahren.

Viele Grüße
Dieter
 
juni-1848 Am: 27.09.2013 17:16:02 Gelesen: 10406# 49 @  
@ kauli [#48]

Danke Dieter, dann bin ich ja mal gespannt.

Jetzt aber gleich der nächste Behelfsentwerter - das "Bremer Gumminband":



(Datenbank # 3230)

Beidseitig eng beschriebene Künstler-Ansichtskarte vom 31.8.23 (Letzttag der PP16) ab Bremen 1 (Maschinenbandstempel) im Fernverkehr (Porto 8 Tsd M) nach Stade mit 4x Queroffset 2000 M. Die beiden nicht vom Maschinenstempel erwischten Marken wurden mit dem "Bremer Gummiband" entwertet. Der Beleg ist doppelt geprüft.

Sammlergrüße, Werner
 
juni-1848 Am: 28.09.2013 07:23:28 Gelesen: 10374# 50 @  
Moin zusammen (diesmal passt das moin wenigstens),

heute zeige ich das "Chemnitzer Zahnrad" auf einem Beleg aus der PP 16 (24.8. bis 31.8.1923):



(Datenbank # 3231)

Fernbrief vom 30.08.23 (Porto 20 Tsd M) ab Chemnitz (Maschinen-Bandstempel) nach Bad Elster.

Frankiert wurde mit Queroffset 6x 3000 Mark (in der Farbe b / geprüft) sowie 2x 1000 Mark. Die vom Maschinenstempel verschonten 1000er wurden nachträglich mit dem "Chemnitzer Zahnrad" entwertet.

Frühe Sammlergrüße, Werner
 
Fillemille29 Am: 03.10.2013 10:27:53 Gelesen: 10247# 51 @  
Anbei ein schöner Beleg mit Bahnpoststempel (Beleg wurde mir per email zugestellt):



Viel Spaß

Achim
 
juni-1848 Am: 06.10.2013 13:26:56 Gelesen: 10134# 52 @  
Heute ein Grobsendungsentwerter der PP 17 (1.9. bis 19.9.1923) aus BERLIN:



(Datenbank # 3234)

Grobsendungsentwertung "BERLIN C2" (Gummistempel) am Paketschalter des PA Berlin C2 mit vorschriftsmäßig neben die Marken gesetztem Tagesstempel vom 6.9.23 auf Vordruckbrief des jüdischen Kaufmanns Adolph Flatow. Der Fernbrief (75 Tsd) in die Münchhausen-Stadt Bodenwerder a. d. Weser wurde frankiert mit Queroffset (Mi.253, 254) 20x 2000 Mark (rückseitig) und 5x 3000 Mark sowie Aufdruck 4x 5 Tsd auf 40 Pf (Mi.277).

Ist für diesen Gummi-Stempel ein Verwendungszeitraum bekannt ?

Und Tschüss für heute, Werner
 
inflamicha Am: 20.12.2013 18:17:28 Gelesen: 9082# 53 @  
Guten Abend,

zum Wochenende mal was Farbenfrohes: Rosetten-Massenfrankatur auf Fernbrief von Teuplitz (Kreis Sorau) nach Niesky vom 8.11.1923 (PP 23). Portosoll war 2 Mrd. Mark aus 1 Mrd. Porto und 1 Mrd. Einschreibgebühr.



Der Absender aus Triebel gab den Brief im nahegelegenen Teuplitz auf und verklebte 20mal 10 Mio, 10mal 20 Mio, 20mal 30 Mio und einmal 1 Mrd. Mark. Die rückseitigen Marken bilden eine sogenannte Treppenfrankatur, da aus Platzgründen überlappt aufgeklebt. Diese Treppenfrankatur wurde mit einem Notstempel entwertet.

Gruß Michael

[Redaktionell aus dem Thema "Deutsches Reich Inflationsbelege" kopiert]
 
Fillemille29 Am: 23.12.2013 16:56:40 Gelesen: 8972# 54 @  
Hallo,

hier nun was sehr schönes:



schönes Weihnachtsfest
Achim
 
erron Am: 23.12.2013 17:27:51 Gelesen: 8956# 55 @  
Einen habe ich auch noch.

Dienstbrief mit Strichentwertung, frankiert mit 215 Marken der Nr 83; gesamt 43 Milliarden Mark.

Leider fehlen 7 Milliarden, sonst wäre er portogerecht.



mfg

erron
 
JohannesM Am: 23.12.2013 18:44:05 Gelesen: 8938# 56 @  
@ erron [#55]

215 Marken? Ich sehe maximal 80, wenn ich die überklebten mitrechne.

Gruß Eckhard
 
erron Am: 23.12.2013 19:30:23 Gelesen: 8921# 57 @  
@ JohannesM [#56]

Es sind 215 Marken zu je 200 Millionen Mark (43 Milliarden Mark), 35 Marken an einem Bogenteil fehlen; ergibt somit 7 Milliarden Mark Fehlporto.



mfg

erron
 
Michael D Am: 25.12.2013 17:08:18 Gelesen: 8860# 58 @  
Hallo,

hier ein Wertbrief, bei dem die einzeln geklebten Marken mit einem Grobsendungsstempel entwertet wurden.

Korrekt frankiert mit 75 Mark: 35 Mark für einen Brief der 2. Gewichtsstufe + 20 Mark Einschreibe- + 20 Mark Versicherungsgebühr.



Gruß
Michael
 
Fillemille29 Am: 26.12.2013 12:59:11 Gelesen: 8819# 59 @  
an alle,

weil Weihnachten ist -hier einige Großbriefe mit Massenfrankaturen

1. Hamburg Portoperiode ab 24.8.1923 - Brief bis 1000g Sollporto 30 Tsd. Mark - Ist 29800 M leider 2 Marken abgefallen, das spielt keine Rolle



2. Bremen Portoperiode ab 12.11.1923 - Brief 4x500 Mio = 2 Mrd + 90 x 200 Mio = 18 Mrd, ges .= 20 Mrd



3. Auslandsbrief aus Berlin im Dez. 1923 Sollporto 300 Mrd M = 30 Pfg

Istporto 100 x 2 Mill
100 x 5 Mill
29 x 1 Mrd.
2 x 5 Mrd
1 x 2 Mrd = 41 700 000 000 = 41,7 Mrd = 4,17 Pfg
2 x 10 Pfg
1 x 5 Pfg
1 x 3 Pfg = 28,00 Pfg
Gesamt 32,17 Pfg überfrankiert mit 2,17 Pfg
 




 

Fillemille29 Am: 06.01.2014 11:17:25 Gelesen: 8709# 60 @  
Hallo,

weiterhin viel Spaß und alles Gute für 2014.

Anbei zwei besondere Päckchenstempel

Lübeck mit Sternen



Eddelak mit Absatzstempel



Tschüß
Achim
 
Fillemille29 Am: 07.03.2014 17:25:46 Gelesen: 8062# 61 @  
@ Fillemille29 [#60]

Wieder mal was extravagantes - Schiffspostbeleg vom Dampfer General - Schiffspost Nr14.


 
Fillemille29 Am: 09.03.2014 16:39:54 Gelesen: 8012# 62 @  
[#61]

Hier einige Ergänzungen zum Schiffspostbeleg Nr.14:

Während der Tätigkeit der Marine-Schiffspost Nr.14 auf dem Dampfer General wurden mehrere Päckchen- und Nebenstempel verwendet, meist zum Entwerten (sowohl deutsche als auch türkische) Marken

---"Dampfer General" (einzeilig Schreibschrift)
---"Dampfer General"(einzeilig, Grotesk versalien)
---"Kais.Marine/Schiffspost No.14 (zweizeilig)
---"Stern" (Kork-oer Holzstempel)

dann auch nur im Jahr 1917 für einige Zeit
siehe auch Link http://www.philaseiten.de/thema/4947

hier weitere Stempelabbildungen Dampfer General:


 
Germaniafan Am: 03.05.2014 18:05:07 Gelesen: 7559# 63 @  
Schönen guten Tag ins Forum,

hier ein leider etwas ramponierter Fernbrief bis 20g aus der Portoperiode 24 (12.11.23-19.11.23) von Bochum nach Enschede in Holland.



Frankiert wurde der Brief portorichtig mit 40 Marken der Mi.Nr.325 AW.

Schöne Grüße
Guido
 
muemmel Am: 03.05.2014 21:14:53 Gelesen: 7539# 64 @  
@ Germaniafan [#63]

Hallo Guido,

der Brief ist zwar etwas lädiert und einige Marken haben Zahnschmerzen. Aber das bleibt bei derartigen Vielfachverwendungen von Marken einfach nicht aus. Die Leute hatten ihre liebe Not, Briefmarken aufzubrauchen, bevor man sie nicht mehr zur Frankatur verwenden konnte.

Für Puristen sind solche Belege nicht sammelwürdig, aber sie spiegeln die Zustände der damaligen Zeit wider.

Wäre schön, wenn das Teil auch den Weg in die Belege-Datenbank findet. :-)

Schöne Grüße
Mümmel
 
Germaniafan Am: 03.05.2014 21:33:54 Gelesen: 7532# 65 @  
@ muemmel [#64]

Hallo Harald,

schon passiert, es müßte nur noch jemand der sich mit den Rosetten-Ausgaben auskennt freigeben. :-)

Schöne Grüße
Guido
 
Germaniafan Am: 10.05.2014 09:13:41 Gelesen: 7396# 66 @  
Guten Morgen ins Forum,

Hier noch eine um 5 Pfennig überfrankierte Warenprobe bis 500g vom 14.6.1919 von Erfurt nach Heilgersdorf.

Schöne Grüße
Guido


 
JoshSGD Am: 02.12.2014 11:55:12 Gelesen: 5740# 67 @  
Guten Tag,

um den Mitgliedern, welche nicht im Thread "Inflationsbelege" mitlesen, folgenden Beleg nicht vorzuenthalten, möchte ich vorstellen:

Fernbrief bis 20g von Offenbach nach Weinheim in Baden vom 15.11.1923 datierend. Portogerechte Frankatur mit 10 Milliarden Mark.

Sonderstempel Nr. 265 (nach Filbrandt) und gleichzeitiger Behelfsentwertung Offenbach.



Der Beleg ist auch bei den Inflaseiten unter # 7013 zu finden.

Gruß
Josh
 

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