Neues Thema schreiben   Antworten     zurück Suche   Druckansicht  
Thema: Alliierte Besetzung SBZ Dauerserie Köpfe: Borkengummi
edelwicke Am: 25.03.2014 06:45:17 Gelesen: 2697# 1 @  
Hallo Herr Burkhardt !

Normalerweise interessieren mich bei den Köpfen I nur die Randleisten, Druckzeichen bzw. Kontrollvermerke. Da man beim Kauf in Bausch und Bogen aber meist deutlich besser fährt, fallen natürlich immer auch Nebengeräusche an !

Nun habe ich eine 80 Pfg Köpfe I ** gefunden, die deutlich senkrechte Borkengummierung zeigt. Es sind zwar eher nur 30 % gummifrei, reicht also nicht für eine Prüfung. Nun aber meine eigentliche Frage: Liegt da nicht die Schlußfolgerung nahe, daß es auch von diesem Wert Marken gibt, die die Prüfvoraussetzungen erfüllen ? Meines Wissens nach soll es die 80 nicht mit Borkengummi geben ! Ich habe es versucht zu scannen, aber auf dem Scan ist es leider nicht zu erkennen.

Wenn Sie die Marke interessiert, schicke ich sie Ihnen gerne zu, ich bin kein Rückseitensammler, habe also nicht wirklich Verwendung dafür !

Mit freundlichen Grüßen - Volker Wicke

[Beiträge 1 bis 3 redaktionell aus dem Thema "Alliierte Besetzung SBZ Dauerserie Köpfe I und Köpfe II" verschoben]
 
Carsten Burkhardt Am: 26.03.2014 08:14:09 Gelesen: 2630# 2 @  
Hallo,

der Borkengummi und seine Katalogisierung ist seit Jahren ein heiß umkämpftes Thema. Offensichtlich gefällt es den Prüfern in anderen Sammelgebieten nicht, dass in der SBZ eine solche Abart überhaupt BPP-geprüft werden darf. Bei jedem Telefonat mit Herrn Straub aus der BPP-Verbandsprüfstelle hat er endlos dagegen lamentiert. Scheinbar werden die Prüfer einiger Gebiete der Nachkriegszeit immer wieder von Sammlern bedrängt, den Borkengummi auch dort in den Michel zu nehmen.

Ich kann nicht genau sagen, wer der eigentliche Urheber ist, aber es gibt immer wieder Bestrebungen, die getrennte Katalogisierung der waagerechten Variante bei der Köpfeserie aufzuheben und nur einen Satz "rechtfertigt Zuschläge" dafür in der Katalog zu schreiben. Mit Bestrebungen meine ich hier Entscheidungsträger im BPP-Vorstand, namentlich Herr Straub und Herr Dr. Penning telefonisch mir gegenüber, ebenso Herr Paul, ich kann das aber nicht in allen Fällen gerichtsfest beweisen.

Wenn man sieht, dass einige seltene Varianten (219z) mittlerweile 5x mit Preisen um die 3000 Euro zugeschlagen wurden und einige noch überhaupt keinen Zuschlagpreis haben, weil nie auf Auktionen gehandelt, sondern nur über Ebay (222z), dann kann man die Brisanz des Themas erkennen.

Ich versuche seit Jahren vergeblich, Marktpreise für die Borkengummi-Varianten im Michel dafür unterzubringen, BPP-Paul hält eine Notierung um 5000 Michel-Euro für 219z für abartig (wörtliches Zitat) und stemmt sich dagegen, hat auch 2013 wieder wortreich gegen die Borkengummi-Katalogisierung polemisiert und damit alles blockiert.

Was die 80 Pf betrifft - es ist Konsens, dass nur die auf der ersten Papiervariante gedruckten Marken Borkengummi haben können. Und damit die Wertstufen 24, 50, 80 und 84 Pf eben nicht, weil die erst später gedruckt wurden.

Ich habe schon mehrere Marken dieser Wertstufen mit etwas an Borkengummi erinnernden Veränderungen gesehen - man könnte sich bei einigen wirklich streiten. Aber vorerst besteht der Konsens und dabei wird es eher bleiben.

Wie gesagt, die Gefahr ist eher die generelle Streichung der Katalogisierung aller Borkengummi-Varianten, damit der Präzendenzfall endlich weg ist und sich niemand mehr darauf berufen kann.

Carsten
 
philapit Am: 26.03.2014 09:06:15 Gelesen: 2620# 3 @  
Hallo Carsten!

Bei einer Streichung der Katalogisierung (Borkengummi) ist natürlich mal wieder der Spezialsammler der gelackmeierte, der viel Geld in Prüfungen und Anschaffungen gesteckt hat. Die Zerstrittenheit vieler zuständigen Prüfer und sonstiger Experten stinkt langsam zum Himmel Bitte entschuldigt den Vergleich.

Gerade Spezialsammler können davon ein Lied singen. Da verschwinden plötzlich geprüfte Farben, Gummierungen, Wasserzeichen usw., alles vorher mit hohen Michelnotierungen und natürlich hohen Prüfkosten. Pech gehabt, du blöder Spezialsammler.

Mit freundlichem Gruß
philapit
 
hannibal Am: 28.03.2014 19:30:43 Gelesen: 2530# 4 @  
Hallo,

trotz der geschilderten "Querschüsse" bleibt das Interesse an Marken mit waagerechtem Borkengummi ungebremst. Jüngstes Beispiel dafür bei der letzten Felzmann-Auktion:

Ein postfrisches Eckunterrand-Stück der 223bz ging für 810 € plus Aufgeld weg.

Mit freundlichen Grüßen
hannibal
 
philapit Am: 29.03.2014 12:02:50 Gelesen: 2496# 5 @  
Hallo Hanibal,

aber was ist, wenn die Katalogisierung des Borkengummis plötzlich wegfällt? Da sind die 900,00 Euronen keine 50,00 € wert. Das ist ja das, worauf ich in meinem Beitrag hinweisen wollte.

Jahrelang wurden Farben der Anfangswerte DDR für riesige Katalogwerte geprüft angeboten. In der nächsten Katalogausgabe stand plötzlich "wird nicht mehr geprüft". Im nächsten Katalog verschwunden. Der dumme ist der Sammler.

Mit freundlichem Gruß
philapit
 
Carsten Burkhardt Am: 30.03.2014 09:40:57 Gelesen: 2441# 6 @  
Hallo philapit,

diesen Kritikpunkt teile ich seit vielen Jahren. Deswegen versuche ich so umfassend wie möglich über alles zu informieren, weil ich weiß, dass die Kritik wirkt. Wenn es einen Sturm der Entrüstung gibt, traut sich der BPP nicht mehr, so unfair mit dem Geld der Sammler umzugehen. Und deshalb schreibe ich das hier im Forum.

Um es an dieser Stelle mal ganz deutlich klar zu stellen: Solche Entscheidungen trifft nie der Michel allein, die führen nur die Beschlüsse des BPP aus. Dort ist die Verbandsprüfstelle mit einem Herrn Straub federführend, der alles fachlich beurteilt und zur Beschlussfassung dem BPP-Vorstand vorlegt. Erst wenn Geigle & Co zugestimmt haben, werden die Streichungen an den Michel weitergeleitet und gedruckt.

Und genau dort steckt das Problem mit dem Borkengummi. Wenn die angesprochenen Herrschaften eine politische Entscheidung gegen den Borkengummi fällen, hat kein Sammler und auch kein Prüfer ein Vetorecht.

Ansonsten kann ich hannibal nur zustimmen. Die Masse der Sammler hat die wirkliche Seltenheit der Marken mit waagerechtem Borkengummi noch gar nicht erfasst. Der Run auf die Marken hat noch gar nicht begonnen. Angesichts des Risikos von weiteren großartigen BPP-Entscheidungen kann ich aber nur zu Zurückhaltung mahnen.

Carsten
 
philapit Am: 30.03.2014 09:56:23 Gelesen: 2435# 7 @  
Hallo Carsten,

danke für die offenen Worte. Ich besitze Ihr hochinterresantes Handbuch Köpfe, was ich jedem Sammler dieses Gebietes nur empfehlen kann. Nur zur Information. Ich habe einen Brief an die Michelredaktion zu diesem Thema gesendet. Ich habe bis heute keine Antwort erhalten!

Mit freundlichem Gruß
philapit
 
hannibal Am: 31.03.2014 17:15:59 Gelesen: 2347# 8 @  
Hallo,

Carsten Burkhardt schrieb: es ist Konsens, dass nur die auf der ersten Papiervariante gedruckten Borkengummi haben können.

Das ist sicherlich wie immer ein Kompromiss gewesen und auch absolut akzeptabel. Man kann nicht alle Varianten im Michel haben, dafür gibt es ja Handbücher. Aber wie das eben so ist, gibt es in der Philatelie immer wieder ein paar Beispiele so auch bei einigen wenigen Frühausgaben der DDR (und da soll es bis zu den FJP-Ausgaben gehen) mit Borkengummi. Nachfolgend Beispiele von 252a 24 Pfg Pieck 1 mit senkrechtem Borkengummi (FB BPP), 248 Messe und 327vaXI je mit borkenartigem Gummi. Eine andere DDR Messemarke habe ich erst unlängst auf einer Auktion (mit Fotobefund BPP) gesehen.

Ansonsten kann ich Carsten Burkhardt nur zustimmen - viel mehr in die Öffentlichkeit gehen und damit Druck auf Streichungswillige ausüben. Was haben viele Sammler bei SBZ 232/233 und DDR 244 für gutes Geld versenken "müssen". Wenn ich an die Farbübergänge von einer zur anderen Bogenreihe bei einigen SBZ-Gebieten (da wechselt ja die Farbe von einer Bogenreihe zur anderen!) oder die frühen Ausgaben Deutsches Reich denke, da kommt niemand auf Streichgedanken.



oder die frühen W


 
Richard Am: 01.04.2014 09:19:38 Gelesen: 2309# 9 @  
@ Carsten Burkhardt [#2]
@ philapit [#3]
@ hannibal [#4]
@ alle Leser

Hallo zusammen,

wenn es im Interesse der Sammler von Marken mit Borkengummi liegt, wovon ich ausgehe, bitte ich mir tatsächliche und nachvollziehbare Auktions- und Handelsergebnisse zu übermitteln, wie hannibal in Beitrag [#4]. Ich denke, Carsten hat da den besten Überblick.

Je mehr öffentliche Informationen es zum Thema Borkengummi gibt, umso unwahrscheinlicher wird die Streichung im Michel Katalog, wie hannibal zu recht geschrieben hat. Zudem sind Sammler nicht auf den Michel angewiesen, wenn sie öffentliche Informationen und Marktpreise für Spezialthemen auch an anderer Stelle erhalten, wie hier im Forum.

Bei Google ergibt die Suche nach "Borkengummi" jede Menge Links, der auf Philaseiten ist 5 Tage nach Eröffnung dieses Themas bereits an zweiter Stelle zu finden.

Schöne Grüsse, Richard
 
hannibal Am: 02.05.2014 15:48:08 Gelesen: 2118# 10 @  
Hallo,

auch bei einigen Ausgaben Westsachsen ist Borkengummi zu finden, wie nachfolgende Scans zeigen:

136Yw EOR-VB mit waagerechtem Borkengummi vollflächig und 159x ebenfalls Borkengummi waagerecht.



Angebote gibt es bei diversen internetplattformen auch zu SBZ Ostsachsen, Thüringen, AM-Post oder Alliierte Besetzung mit Borkengummi.

Hannibal
 
stempel Am: 02.05.2014 20:42:00 Gelesen: 2080# 11 @  
Ein Hallo an alle Leser dieses Fadens!

Schön, einen Thread zu Köpfe I gefunden zu haben. Ich möchte zum Verständnis meines Ärgers erst einmal meine Sammlerlaufbahn schildern.

Wie jeder mit dem Milchfläschchen oder Mutters Brust die ersten Kalorien zu sich genommen hat, hat jeder hier angefangen Briefmarken zu sammeln – ganz einfach – ganz unbedarft. Irgendwann im Leben kam die Erleuchtung, dass da noch mehr sein kann und muss. Nur hat der eine Fette Milch zu Hauf, der andere muss sich mit Magermilch durchs Leben quälen. Mich als Magermilchtrinker stört das nicht. Ich mag Magermilch - heißt: Ich bin damit zufrieden.

Was macht das für mich als Sammler aus? Es gab eine Zeit, da habe ich Bund aus der Tagespost gesammelt. Das war zur Magermilchzeit. Dann habe ich nichts mehr gesammelt. Das war die Testosteronzeit. Dann habe ich angefangen SBZ zu sammeln, weil ich wusste, dass es neben der Magermilch auch magere Sammelgebiete gibt, die trotzdem interessant sind.

Bald habe ich erkannt, dass mit Berlin und Brandenburg (speziell Mi 1B – 7B), das ganze Gebiet Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Ost-Sachsen, Provinz-Sachsen, Thüringen, West-Sachsen und den Bezirkshandstempeln, kein Magermilchtrinker glücklich werden kann.

So habe ich mich dazu entschieden die wirklich schönen Marken der Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Wissenschaft zu sammeln – das dann aber ausschließlich und intensiv. Warum? Weil das Zeug einfach zu erwerben war, weil es Randleisten und Druckerzeichen und Zähnungen und viele Briefe gab. Erst habe ich nur gestempelt gesammelt, dann auch ein wenig postfrisch – gerne mit Borkengummi. Ich habe beim Fachbereich Chemie an der Hochschule Krefeld mit bestimmten Dozenten über Farbbestimmung geplaudert, weil mir klar war, dass bei den Köpfen mehr ist als nur die Michel-Nummer. Ich habe immer gesagt, diese Marken haben viele Farben – nur wenige sehen es.

Dann kamen Carsten Burkhardt und Wolfgang Podien und auch andere und haben meine Thesen mit ihren Werken bestätigt. Mit ihnen kamen Geier, die die Magermilchpreise ins utopische getrieben haben. Dann kamen – ich sage einfach nur – auch andere, die mir die Lust am Sammeln der Köpfe I gänzlich verdorben haben. Das waren jene, die sagen:

Borkengummi – Ja. Borkengummi – Nein.
Farbe c – Ja. Farbe c – Nein.
Paul – Ja. Paul - Nein.
Prüfung ausgesetzt! - über Jahre!
u.s.w.

Ich sammle keine Köpfe mehr. Meine Schätze (ca. 20.000 Marken mit Vollstempeln) hoffe ich mit nur wenig Verlust auf dem Köpfe-Markt gegen ganz tolle Belege von Charlottenburg eintauschen zu können.

Hier ein Beispiel allerdings mit nicht so schönem Stempel:



Grüße
Dieter
 
philapit Am: 03.05.2014 10:05:01 Gelesen: 2032# 12 @  
Hallo Dieter,

schade, dass wir dich in der Gilde der SBZ Sammler nun verloren haben. Ich finde gerade das SBZ als Sammelgebiet noch lange nicht zu Ende erforscht ist. Ich stelle immer wieder bei Tauschbörsen fest, dass die Alben mit Belegen 1945/48 und die Alben mit Nachkriegszeit immer sehr gefragt sind. Es ist natürlich ein Gebiet, wo Spezialwissen sehr wichtig ist. Es ist immer wieder spannend, etwas neues zu entdecken z.B. frühe Abstemplungen, neue Plattenfehler, Farben, Gummierungen, verschiedene Ränder, Zähnungen u.v.m.

Meine Sammlung umfasst mitlerweile 14 große Alben und wächst immer weiter. Ich habe bei jeder Veranstaltung was gefunden. Auch auf Auktionen gibt es von diesem Gebiet noch reichlich undurchsuchtes Material. Man muß es natürlich erkennen. Es gibt, glaube ich, auch kein anderes Gebiet mit soviel Spezialliteratur. Das Handbuch von Burkhart ist für den Köpfe Sammler natürlich unerlässlich.

Zu der Prüfproblematik habe ich schon im Forum meinen Senf dazugegeben. Habe dabei auch schon Geld "verbrannt". Es wird mir auch immer unverständlich bleiben warum Prüfer und Spezialisten in vielen Gebieten nicht zusammen arbeiten können - siehe Gummierungen und Plattenfehler. Ich möchte natürlich noch hinzufügen, dass ich 66 Jahre alt bin und es natürlich schwer ist für einen Jungsammler oder Neuling sich mit so einem umfangreichen Gebiet zu befassen ohne einen Briefmarkenstamm geerbt oder andersweitig erworben hat.

SCHÖNES Wochenende
philapit
 
hannibal Am: 04.05.2014 17:44:51 Gelesen: 1943# 13 @  
Hallo Dieter,

schade dass die "Koepfe" nicht mehr im Sammelfokus stehen. Wir könnten in unserer Fachgruppe Köpfe/Pieck für die weitere Forschungsarbeit zu den beiden Dauerserien "Persönlichkeiten" mit WZ 3 SBZ oder 2 DDR und auch für die Dauerserien Pieck I,II,III und IV dringend die Sammler mit großem Markenbestand brauchen um gemeinsam an spannenden Themen zu arbeiten. Es geht nicht darum "tolle Farben" zu finden, sondern die Abfolge der Druckperioden, Bogentypen, Plattenfehler und Feldmerkmale oder auch Drucktypen zu erforschen und dann auch durch entsprechende Nachweise (bei PF mindestens 5 gestempelte) zu belegen.

Bei Koepfe 1 hat die FG bei der Farbabgrenzung, Systematik der DKV, Randleisten, Plattenfehler und Borkengummi schon viel erreicht (siehe Michel Spezial 2014. An anderen Stellen müssen noch Widerstände durch bessere Argumente überwunden werden.

Für Borkengummi brauche ich keine Prüfung und da muss auch nicht alles im Michel stehen. Angesichts des hohen Preises des Michel und der für viele Ausgaben "Mondpreise" in den Bewertungsspalten begnüge ich mich ein paar Jahre mit einem älteren Exemplar. Die wirklich wichtigen Informationen kommen für mich für meine Sammelgebiete aus der FG, der ARGE DDR und SBZ sowie den Foren, wie diesem.

Grüße aus der Lausitz
hannibal
 
  Antworten    zurück Suche    Druckansicht