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Thema: Belege aus der eigenen Familiengeschichte
Das Thema hat 152 Beiträge:
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volkimal Am: 06.08.2014 17:51:54 Gelesen: 35316# 78 @  
Hallo zusammen,

nach der Urlaubs-Pause geht es weiter mit der Geschichte von Familie Hübner:

Aus dem Lager Blantyre ist bei uns leider kein Beleg erhalten geblieben. Es muss aber Briefe oder Karten gegeben haben, denn Frau Hübner schreibt auf dieser Karte an Urgroßmutter aus dem Lager Tempe bei Bloemfontein: "In Blantyre erhielt ich Ihren lieben Brief, seitdem hörte ich nichts mehr."



Die Karte ist undatiert, sie muss aber im Frühjahr 1917 geschrieben worden sein, denn es ist die erste Karte aus dem Lager Tempe an Urgroßmutter. Es handelt sich um eine Britisch-Südafrikanische Ganzsache ohne Poststempel aus dem Lager Tempe bei Bloemfontein. Sie hat zwei südafrikanische Zensuren „41“ und „C 4“ und die deutsche Eingangszensur aus Cöln Deutz.

Das Lager Tempe war ein sehr kleines Lager in Südafrika, in das nur Frauen und Kinder gebracht worden sind. Im Lager waren 1917 insgesamt nur 54 deutsche Frauen mit 80 Kindern. Dementsprechend sind Belege aus dem Lager Tempe bei Bloemfontein relativ selten.



Die nächste Karte schrieb Frau Hübner am 14.07.1917. Auch hier hat Frau Hübner eine frankierte Postkarten aus Britisch-Südafrika benutzt – diesmal zu 1 Pence. Auch aus anderen Lagern gibt es frankierte Interniertensendungen 6. Ob die Frankatur erforderlich war und ob hierzu eine Vorschrift existierte ist bisher nicht bekannt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 10.08.2014 10:30:01 Gelesen: 35196# 79 @  
Hallo zusammen,

diesen Brief schickte Urgroßmutter am 19. April 1918 an Frau Hübner. Leider ist die Briefmarke entfernt worden. Der Brief trägt einen Zensurstempel der Auslands-Überwachungsstelle in Köln Deutz und die Eingangszensur aus Tempe bei Bloemfontein.



Es folgen zwei weitere Briefe von Frau Hübner an Urgroßmutter. Sie tragen die Datumsstempel des Internierungslagers Tempe vom 19. Juli 1918 und vom 9. Dezember 1918 mit dem Text "Commandant's office refugee camp". Auf der Vorderseite sind beidemal die Südafrikanischen Zensuren "41" bzw. "C 4" abgeschlagen. Ein Brief trägt zusätzlich den Stempel „Freigegeben“ (vermutlich aus Cöln-Deutz).





Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag. Bei uns ist es mal wieder sehr schön und sonnig.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 16.08.2014 07:52:22 Gelesen: 35031# 80 @  
Guten Morgen zusammen,

Gustav Hübner schreibt am 19.6.1917 (Archiv Nr. 95f) aus Tanga an die Berliner Mission:

Seit bereits 3 Jahren hat meine Frau keine Zeile von Herbert gesehen. Aber wir können dem Herrn danken, wissend dass er lebt und sich auf dem Wege der Besserung befindet. Leider adressieren die Kinder an mich und so gehen die wenig ankommenden Briefe bei mir ein.

In den Lebenserinnerungen von Herr Hübner heißte es:

Viel schlimmer noch waren unmenschliche Schikanen, dass man z.B. den Frauen über Monate hin die Post von ihren Männern vorenthielt, die längst eingetroffen war und erst nach Einspruch einer schweizerischen Kommission aus ihrem Verwaltungsgebäude herausgegeben wurde, in dem sie solange gelagert hatte.



Es sind wohl nicht nur die Briefe der Männer zurückgehalten worden, sondern das galt vermutlich auch die Post von den Kindern und anderen Bekannten. Zusätzlich mussten die Kinder erst einmal wissen, dass die Eltern sich in verschiedenen Lagern befanden und sie an beide Elternteile getrennt schreiben mussten.
Man kann sich die Freude von Frau Hübner vorstellen, als sie endlich nach so langer Zeit wieder einen Brief von Herbert erhielt. Diesen Brief schickte Herbert Hübner am 14. Dezember 1918 aus Hildesheim an seine Mutter. Er schreibt u.a.:

Von Euch hatte ich wieder Nachrichten; habt vielen Dank dafür. Auch vom lieben Vater erhielt ich einen Brief. Gerhard geht es auch gut, er befindet sich in England.

Gerhard, der älteste Sohn von Hübners war Soldat und ist in englische Kriegsgefangenschaft geraten.

Soviel für heute. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende
Volkmar
 
volkimal Am: 22.08.2014 18:27:50 Gelesen: 34846# 81 @  
Hallo zusammen,

diese beiden Briefe schickte Marie Hübner an die Frau des Missionars Hermann Düring. Er arbeitete im Missionsgebiet in Transvaal. Beide Briefe tragen einen Zensurstempel aus Tempe vom 18. Dezember 1918 und sind am 21. Dezember 1918 in Heidelberg (Transvaal) angekommen.




Ich nehme nicht an, dass Frau Hübner zwei Briefe an einem Tag geschrieben hat. Vermutlich ist die Post vor dem Zensieren einige Zeit liegengeblieben.

Der nächste Brief aus Tempe an meine Urgroßmutter ist mit einem Pergamin-Verschlusszettel von der Auslandpost-Überwachungsstelle in Cöln-Deutz verschlossen. Er trägt den Aufdruck "Unter Kriegsrecht geprüft und freigegeben. Überwachungsstelle VIII. Armeekorps Cöln-Deutz".



Der Brief von Frau Hübner trägt unten links den roten Text "Switzerland Bureau International de la paise Bern". Das internationale Friedensbüro des Roten Kreuzes. in Bern war für die nach Deutschland und Österreich gerichtete Kriegsgefangenenpost zuständig. Der Vermerk wurde aber durchgestrichen und der Brief ist wie üblich über Südafrika, London und Holland nach Deutschland gelangt.

Soweit für heute. Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 05.09.2014 21:52:25 Gelesen: 34441# 82 @  
Hallo zusammen,

etwa ein halbes Jahr nach Kriegsende durfte Frau Hübner in die Heimat zurückkehren. Am 13. Juni 1919 traf sie mit den zwei jüngsten Kindern auf dem Dampfer Ingomana in Rotterdam ein. Am 15. Juni schickte sie diese Ansichtskarte aus Wesel an Direktor Axenfeld.



Auch diese Karte ist im Archiv der Mission. Frau Hübner schreibt:

Sehr geehrter Herr Direktor!
Wir wurden heut des Gesprächs wegen abraten, nicht jetzt nach Berlin zu fahren. So habe ich mich enschlossen über Thüringen zu fahren. Es grüßt Sie und die Ihre
M. Hübner

Nach elfjähriger Trennung konnte sie endlich ihre drei älteren Kinder wieder in ihre Arme schließen. Auf ihren Mann musste sie noch etwa fünf Monate warten, bis auch er in Deutschland ankam. Insgesamt war sie drei Jahre von ihrem Mann getrennt.

Soweit es möglich war, ist der folgenden Tabelle angegeben, wann sich Herr bzw. Frau Hübner in den verschiedenen Lagern befand. Die Daten stammen aus den Brieftexten, Stempeln und den Missionsberichten.



Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 13.09.2014 09:06:46 Gelesen: 34277# 83 @  
Hallo zusammen,

mit dem heutigen Beitrag möchte ich die Geschichte über das Missionarsehepaar Hübner abschließen.

Was geschah mit den verlassenen Missionsstationen, insbesondere mit der von Gustav Hübner gegründeten Missionsstation Bulongwa? Im Missionsbericht vom Januar 1920 beschreibt Missionar A. Weltzsch, was im Krieg passierte:

Die Plünderung der Stationen ist aufs Gründlichste erfolgt. Den Anfang machten die Offiziere, dann folgten die weißen, danach die farbigen Soldaten. Nachher wurde gern, aber mit Unrecht, auf die Eingeborenen des Landes die Schuld abgewälzt. Der gesamte bewegliche Besitz der Missionsstationen muß als verloren angesehen werden. Auch die Pflanzungen sind, teils aus Kriegsgründen, teils aus Zerstörungslust, fast alle vernichtet. Wieviel von den Gebäuden, abgesehen von den niedergebrannten Wohnhäusern des Stationsmissionars und des Seminarleiters in Kidugala, noch erhalten bleibt, wird davon abhängen, ob sie inzwischen von Europäern in Benutzung genommen wurden oder ob etwa Eingeborene in der Lage sind, sich um sie zu kümmern.

Die Schul- und Missionsarbeit, auch der eingeborenen Helfer, wurde von Anfang an stillgelegt. Es sollten die Bewohner des Landes nicht irgendwie unter dem Einfluß deutscher Mission bleiben. Die Schulen wurden planvoll verwüstet und ihre Lehrmittel zerstört. Auch wo Brennholz dalag, heizte man lieber mit Schulbänken.


Nach dem Frieden von Versailles wurde Deutsch-Ostafrika britisches Mandatsgebiet. Dementsprechend wurden die deutschen Missionsstationen unter den britischen Missionsgesellschaften aufgeteilt. Bulongwa und die anderen Stationen in der Umgebung kamen zur Mission der schottischen Freikirche.

Da die britischen Missionsgesellschaften zu wenig Personal hatten, durften 1925 drei deutsche Missionare auf die Stationen Manow, Magoye und Mwakaleli zurückkehren. Herr Hübner bekam diese Möglichkeit nicht.



Darüber, wie es in Bulongwa weitergegangen ist, weiß ich bisher kaum etwas. Mein einziger Beleg aus der Nachkriegszeit ist diese Karte mit der Szene „Morgenandacht in Bulongwa“ aus dem Missionsfilm „Andrea, der Sohn des Zauberers“ (1928). Ob der Film aber auch in Bulongwa gedreht wurde, ist mir nicht bekannt. Heute ist in Bulongwa eines der größten Krankenhäuser der Region.

Gerne würde ich einmal selbst nach Bulongwa fahren und mir ansehen, wie es heute dort aussieht. Mal sehen, ob es klappt.

Viele Grüße
Volkmar
 
bayern klassisch Am: 12.10.2014 09:48:18 Gelesen: 33523# 84 @  
Liebe Sammlerfreunde,

Belege aus der eigenen Familiengeschichte, speziell wenn sie aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen, kann ich leider nicht pfundweise zeigen (so sehr ich mir das auch wünsche). Aber ab und zu hat man halt mal Glück und an diesem Glück möchte ich euch partizipieren lassen.



Hochinteressant ist die Tatsache, dass mir kein weiterer Brief mit einem Halbporto aus der Pfalz vorlag.

Geschrieben wurde er am 28.5.1846 vom Friedensrichter in Speyer und am Folgetag zur Post gegeben. Da er mit R. S. für Regierungs - Sache bezeichnet war, auch sonst alle Merkmale eines portofreien Dienstbriefes zeigte, taxierte man ihn in Bayern nicht, auch wenn das prima vista durch die Taxen zweier verschiedener Hände anders aussehen mag. Aber R.S., wenn sie korrekt aufgeliefert wurden, durften niemals taxiert werden, daher unterstelle ich das hier auch nicht.

Wohl in Wien, der genaue Postenlauf ist nicht bekannt, notierte man 1/2 und 12, womit man andeuten wollte, dass er als Official - Sache nur mit dem hälftigen Porto von 12x CM zu belegen ist. Zuvor jedoch sah man ihn wohl auch als Dienstbrief ohne Portobelastung an, denn er zeigt den roten Wiener Ankunftsstempel, der aussagte, dass der Brief ohne Belastung akzeptiert worden war. Hier änderte also die Einteilung in FRANKO / PORTO auch die Farbe der Ankunftsstempelung.

Weil man neben den 12x CM Halbporto für Briefe über 1/2 bis 1 Wiener Loth (2. Gewicht) noch durch Rötel 3x CM Bestellgeld notierte, durfte die Wiener Behörde satte 15x CM zahlen, die sich sich später natürlich bei irgendeiner Partei wieder holte.

Schon das ist für mich als Pfälzer ein PO - Hammer und ein sehr starker Kaufgrund. Aber der Inhalt setzt dem Ganzen noch die Krone auf, denn das Schreiben betrifft das Ableben meines Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Onkels, der auch das Glück hatte, in Speyer geboren worden zu sein, der aber in Wien starb und nun gab es, damals wie heute, Probleme bei der fairen Verteilung des Erbes.

Wie die Erbschaftssache letztlich ausgegangen ist, weiß ich nicht, auch wenn das "schon" der 2. Brief zu dieser Thematik ist. Es gilt also Ausschau zu halten, denn weitere müssten noch existieren.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
volkimal Am: 12.10.2014 10:34:47 Gelesen: 33518# 85 @  
@ bayern klassisch [#84]

Gratuliere,

das ist wirklich ein Super-Beleg!

Volkmar
 
bayern klassisch Am: 12.10.2014 10:39:52 Gelesen: 33516# 86 @  
@ volkimal [#85]

Vielen Dank - ich hoffe, den ein oder anderen Brief mehr zu bekommen, damit ich am Ende weiß, wie alles ausgegangen ist.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
volkimal Am: 15.10.2014 10:26:16 Gelesen: 33413# 87 @  
Hallo zusammen,

nachdem ich die Geschichte von Familie Hübner zu Ende erzählt habe, möchte ich heute mit einem neuen Kapitel meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie" beginnen. Sie spielt wieder in der Zeit des Ersten Weltkrieges, diesmal aber in Deutschland. Meine Mutter stammt aus Limbach bei Homburg (Saar) und dort möchte ich anfangen:



Vor dem Ersten Weltkrieg gab es das Saarland noch nicht. Das Gebiet gehörte überwiegend zu Preußen, ein kleiner Teil im Südwesten des heutigen Saarlandes gehörte zu Bayern (Bayerische Pfalz). In diesem Bereich der Bayerischen Pfalz lag Limbach. Dementsprechend trägt der Brief auch eine bayerische Marke und diese wurde mit einem typischen bayerischen Stempel entwertet.

Limbach war ein langgestrecktes Straßendorf von ca. 1000 Einwohnern und hatte keine Altstadt. Bei LIMBACH-Altstadt handelt es sich vielmehr um ein gemeinsames Postamt der beiden benachbarten Gemeinden Limbach bei Homburg (Saar) und Altstadt (Saar). Dass es sich um ein gemeinsames Postamt handelt, erkennt man im Ritter Geographisch-statistisches Lexikon von 1905. Dort heißt es:

Limbach: Gemeinde u. Pfarrdorf in Bayern, Regierungsbezirk Pfalz, Bezirksamt und Post Homburg, Amtsgericht Waldmohr, a. d. Blies, 1184 Einwohner, Post und Telegraphenstation: Limbach-Altstadt.

Altstadt: Gemeinde in Bayern, Regierungsbezirk Pfalz, Bezirksamt Homburg, Amtsgericht Waldmohr, 576 Einwohner, Post: Limbach-Altstadt.



Dieses ist die einzige Karte in meiner Sammlung, die an meinen Uropa aus dem Saarland geht. Ludwig Gräßer wohnte 15 km von Limbach entfernt in Heiligenwald. Heiligenwald gehörte schon zu Preußen. Etwas mehr zur bayerisch-preußischen Grenze bei Limbach findet ihr im Beitrag http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=59317 .

Immer wenn meine Mutter zu ihrem Opa nach Heiligenwald kam sang er das Lied "Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben". Außerdem hat meine Mutter im 2. Weltkrieg ein Kleid bekommen, dass aus einer alten bayerischen Fahne genäht wurde. Leider gibt es kein Foto meiner Mutter mit diesem Kleid.

Soweit fürs Erste
Volkmar
 
bayern klassisch Am: 15.10.2014 16:42:33 Gelesen: 33380# 88 @  
@ volkimal [#87]

Hallo Volkmar,

wundervoller Beitrag von dir - klasse!

Zum bayerischen Stempeld darf ich noch sagen, dass es ein Einkreisstempel der Type von Müller war. Der Stempelschneider, das weiß ich nach deinem Beitrag, hat einen Fehler gemacht. Da es in Bayern mehrere Städte mit Bahnhof, Stadt und Altstadt gab, hatte er angenommen, der Ort hätte auch eine Altstadt und hat ihn entsprechend in gemischter Grotesk -Altstadt- und Versalien -LIMBACH- gechnitten.

Wie heißt dieses Sammelgebiet? Fehler bei Stempeln?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
volkimal Am: 15.10.2014 19:52:05 Gelesen: 33358# 89 @  
@ bayern klassisch [#88]

Hallo bayern Klassisch,

man lernt nie aus! Danke für die Informationen - das wusste ich bisher noch nicht.

Volkmar
 
volkimal Am: 23.10.2014 18:38:58 Gelesen: 33148# 90 @  
Hallo zusammen,

in Limbach bei Homburg (Saar) wohnte auch Ludwig Leibrock, der Vater meines Onkels. Über ihn möchte ich in den nächsten Beiträgen berichten.

Da es manche Namen wie z.B. Leibrock in Limbach sehr häufig gab, war es üblich, dass man außer seinem eigentlichen Namen noch einen Rufnamen hatte. Ludwig Leibrock wurde z.B. Lui genannt.

Lui hatte noch acht Geschwister. In den Klammern steht soweit mir bekannt der Rufname.

Alois (Alis)
Fritz
Adolf (Dolf)
Klara (Klärchen)
Caroline (Lina)
Katharina (Katchen)
Othilie
Emilie ist schon jung gestorben.



Wie man dem Militärpass entnehmen kann, war der Bergmann Ludwig Leibrock verheiratet und hatte ein Kind. Der Erste Weltkrieg begann am 1.8.1914. Schon zwei Monate später, am 1.10.1914 begann Ludwig Leibrock seinen Dienst bei der Ersatz-Reserve beim Rekruten Depot, Landwehr Infanterie Regiment Nr. 8.

Soweit für heute. Beim nächsten Mal geht es mit der Feldpost weiter.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 29.10.2014 17:22:16 Gelesen: 32958# 91 @  
Hallo zusammen,

wie man an der Anschrift dieser Karte sieht, war Ludwig Leibrock nicht nur Bergmann sondern auch Schuster. Als ich Kind war, stand die alte Schuster-Nähmaschine noch auf dem Dachboden. Leider wurden die Briefmarken abgelöst.



Der Cousin Albert schickte die Karte an Lui als er Offiziers-Anwärter beim bayerischen Militär war.

Der Erste Weltkrieg begann am 1. August 1914. Lui trat seinen Militärdienst zwei Monate später, am 1. Oktober 1914, an. 8 Tage später schickte ihm seine Frau Anna diese Ansichtskarte aus Limbach:



Die Anschrift von Lui lautet: "8. Landwehr Rekruten Depot Seysel (Exerzierplatz) Germersheim". Die Rechtschreibung der Worte "Depo" bzw. "Seysel" habe ich korrigiert. Die Ansichtskarte zeigt die Wirtschaft Deutscher Kaiser. Damals war Schmiddefritz (ein entfernter Verwandter) der Wirt. Man sieht ihn auf dem Foto.

Viele Grüße
Volkmar Werdermann
 
volkimal Am: 08.11.2014 08:48:00 Gelesen: 32681# 92 @  
Hallo zusammen,

diese Ansichtskarte schickte Kätchen Jung an ihren Schwager Lui Leibrock nach Germersheim. Weshalb sie zusätzlich zum Vermerk "Feldpostkarte" auch noch "eigene Angelegenheit des Empfängers" vermerkt ist mir nicht klar. Eigentlich war das nicht notwendig.



Sie schreibt: "Lieber Schwager! Habe Deine Karte erhalten - wofür besten Dank. Anna und ich werden Dich in 8-14 Tagen besuchen, da will ich Dich einmal als Soldat sehen, wie Du aussiehst."

Was die beiden zu sehen bekamen war zum Beispiele das hier. Lui sitzt auf dieser Fotokarte rechts:



Lui hat die Karte aus Germersheim an seine Frau Anna geschickt. Es war damals durchaus üblich, bei der Anschrift der Frau den Beruf des Mannes anzugeben. Ungewöhnlich finde ich es aber, dass Lui bei dieser Karte an seine Frau zusätzlich auch noch seinen eigenen Vornamen angibt: "Frau Ludwig E. (Emil) Leibrock, Bergmann, Limbach bei Homburg Pfalz".

Germersheim liegt am Rhein. Wie man am bayerischen Stempel sieht, gehörte auch dieser Ort zur bayerischen Pfalz.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 16.11.2014 07:44:09 Gelesen: 32510# 93 @  
Hallo zusammen,

wie man dem Militärpass entnehmen kann, ist die Ausbildung in Germersheim im Weihnachten beendet. Am 25.12.1914 kommt er ins Feld zur 5. Kompanie beim 23. Infanterieregiment:



Die weiteren Details kann man der Foto-Ansichtskarte entnehmen, die der Bruder Adolf im Februar 1915 an Lui geschickt hat. Er gibt zusätzlich an: 3 Division, 2. Bataillon, 2. bayerisches Armeekorps:



Ohne den Ersten Weltkrieg wären mit Sicherheit nicht so viele Ansichtskarten aus dem kleinen Limbach erhalten geblieben. Auf dem Bild sind die Mutter mit vier Schwestern vor dem Elternhaus von Lui zu sehen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 22.11.2014 10:25:16 Gelesen: 32326# 94 @  
Hallo zusammen,

Lui kam Weihnachten 1914 ins Feld. Keine drei Monate später war er schon schwer verwundet. Er bekam zwei Schrapnellkugeln in die Lunge. Laut Militärpass [#93] kam er am 14.3.1915 in ein Feld Lazarett. Kann jemand den Namen entziffern?



Wie man der Anschrift der Karte und dem Militärpass entnehmen kann, wurde Lui am 30.3.1915 vom Feldlazarett aus ins Kriegslazarett der Etappen Inspektion 6 ??? nach Tourcoing (Frankreich) verlegt. Diese Karte schickte sein Bruder Alois (Alis) aus dem Kaiserlichen Militärgenesungsheim aus Spa (Belgien) an Lui. Was können die Flecken sein - ist es Blut?

Von Tourcoing aus kam Lui am 16.5.1915 nach Elberfeld ins Vereins Lazarett III nach Elberfeld. Auf dieser Ansichtskarte sieht man ihn links im Bett.



Ein Schrapnell ist übrigens eine mit Bleikugeln gefüllte Sprenggranate. Auf dem mittleren Bild sind die Teile zu sehen, die bei der Explosion der Granate herumfliegen.



Die Schrapnellkugeln, die Lui in die Lunge bekam, wanderten im Körper abwärts und wurden später an der Hüfte herausoperiert. Sie wurden nach dem Krieg in die Vogelfüße eingefasst und Lui trug sie stolz am Revers.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 27.11.2014 12:11:42 Gelesen: 32134# 95 @  
Hallo zusammen,

aus der Zeit als Lui im Lazarett lag sind verschiedene Ansichtskarten erhalten geblieben:



Diese Karte hat wohl ein Kamerad geschickt, denn der Absender war wie Lui bei der Königlich Bayerischen 3. Infanterie-Division. Der SB-Stempel (Soldatenbrief) stammt vom 2. Bataillon des 23. bayerischen Infanterie-Regiments.



Ansichtskarte vom Bruder Alois (Alis) an Lui nach Elberfeld. Alois ist in dem Moment auf dem Truppenplatz Beverloo in Belgien. Die Karte trägt den entsprechenden deutschen Stempel. Alois hat in diesem Fall eine alte belgische Ansichtskarte verwendet.



Als letztes noch eine Ansichtskarte aus dem Lazarett in Elberfeld. Luis steht in der hinteren Reihe als zweiter von rechts.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 06.12.2014 07:41:07 Gelesen: 31815# 96 @  
Hallo zusammen,

Ludwig Leibrock war noch bis zum August 1915 im Lazarett in Elberfeld.



Drei Tage bevor er von Elberfeld ins Reserve-Lazarett Homburg verlegt wurde schickte ihm sein Bruder Alois (Alis) diese Karte mit dem belgischen Stempel aus Neerpelt. Alis war bei der Grenzschutz Kompanie in Achel, Kreis Maeseyck (Maaseik). Achel liegt in Belgien an der niederländischen Grenze. Wer weiß, wieso diese Grenze von den Deuschen geschützt wurde? Die Front war viel weiter westlich.

Aus der Zeit, als er im Homburger Lazarett war habe ich keinen Beleg. Vermutlich hat es auch nicht viele gegeben, denn Homburg liegt direkt neben seinem Heimatort Limbach.





Am 30.5.1916 kam Lui wieder ins Feld. Seine Adresse lautet jetzt: „bayr. I. Armeekorps, I. Division, Bayr. Inftr. Reg. Nr. 24, I. Battaill. 4. Kompanie“. Die zweite Postkarte trägt einen klaren Abschlag des Feldpoststempels der Feld-Postexpedition der 3. Bayerischen Infanterie Division.

Laut Militärpass war er aber schon am 15.7.1916 wieder felddienstunfähig.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 26.12.2014 19:25:56 Gelesen: 31104# 97 @  
Hallo zusammen,





am 1.3.1917 kam Lui wieder ins Feld. Diesmal zur ersten Maschinen-Gewehr Kompanie (1.M.G.K.) beim 23. Infanterie Regiment. Diese Karte trägt den entsprechenden Absenderstempel.





Diese Karte trägt einen Stempel der königlich bayerischen Bahnpost mit der Streckenangabe „MÜNST – ST. INGB“. Es ist die Strecke Bad Münster am Stein bis St. Ingbert. Beide Orte waren Grenzstationen zwischen Preußen und der bayerischen Pfalz. Bad Münster am Stein lag in Preußen, St. Ingbert in Bayern.
Die Bahnstrecke hatte den Namen Glantalbahn und ist inzwischen größtenteils stillgelegt. Heute ist dort ein sehr schöner Bahntrassen-Radweg, dem wir letztes Jahr auf unserer Radtour von Limbach in Richtung Münsterland entlanggefahren sind.

Soviel für heute. Viele Grüße
Volkmar
 
bayern klassisch Am: 26.12.2014 19:29:10 Gelesen: 31101# 98 @  
@ volkimal [#97]

Der Stempel ist nicht häufig - egal auf welchem Beleg. Die Strecke war nicht bedeutend und das Postaufkommen, das direkt im Zug aufgegeben wurde, war übersichtlich. Dazu noch ein sehr guter Abschlag - Glückwunsch zu dieser kleinen Pretiose.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
volkimal Am: 02.01.2015 11:24:24 Gelesen: 30856# 99 @  
Hallo zusammen,

diese Karte vom 24.9.1917 ist die letzte Feldpostkarte von Ludwig Leibrock in meiner Sammlung:



Sie trägt wieder den neutralen Zweikreisstegstempel "Deutsche Feldpost" ohne weitere Angaben.



Laut Militärpass wurde Lui am 6.12.1917 zwecks Arbeitsaufnahme bei der Grube Dechen zum 23. Infanterie Regiment, Genesungs-Kompanie versetzt. Der Schacht Dechen gehörte zur Grube Heinitz in Neunkirchen (Saar), dem preußischen Nachbarort von Limbach.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 11.01.2015 11:52:54 Gelesen: 30566# 100 @  
Hallo zusammen,

am 11. November um fünf Uhr morgens unterzeichneten beide Delegationen den Waffenstillstand von Compiègne. Damit waren die Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs beendet.



Entsprechend des Zettels im Militärpass wurde Ludwig Leibrock am 26. November 1918 aus dem Militärdienst entlassen.



Schon im Waffenstillstand von Compiègne vom 11. November 1918 musste die provisorische Reichsregierung einwilligen, dass Truppen der Siegermächte die linksrheinischen Gebiete besetzten. Aus dieser Zeit stammt dieser Personalausweis von Ludwig Leibrock. Er wurde am 26.03.1919 in Limbach ausgestellt.



Am 28.06.1919 wird der Versailler Vertrag unterzeichnet, der am 10.01.1920 in Kraft tritt. Laut Versailler Vertrag untersteht das Saargebiet dem Völkerbund. Nach 15 Jahren soll es einen Volksentscheid über die Zugehörigkeit zu Deutschland oder Frankreich geben.



Das Saargebiet entstand aus einem kleinen Teil der bayerischen Pfalz und aus einem größeren preußischen Teil das Saargebiet. Oben sind die Marken für die preußischen bzw. die bayerischen Gebiete. Unten die Ausgabe für das gesamte Saarland. Da die Marken im gesamten Saargebiet gültig waren, tragen alle einen Homburger Stempel. Oben zwei verschiedene bayerische Typen, unten der neue Stempel des Saargebietes.

Soweit für heute. Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag.

Volkmar
 
volkimal Am: 17.01.2015 17:18:45 Gelesen: 30332# 101 @  
Hallo zusammen,

die Geschichte von Ludwig Leibrock (Lui) im Ersten Weltkrieg habe ich mit dem letzten Beitrag beendet. Heute möchte ich kurz auf die Geschwister eingehen. Lui hatte 8 Geschwister, drei Brüder und fünf Schwestern (Siehe Beitrag [#90]). Die beiden Brüder Alois (Alis) und Fritz waren ebenfalls Soldat. Hier die entsprechenden Karten:



Dies ist die einzige Karte von Fritz. Am 21.10.1914 schreibt Fritz, dass er soeben in Köln angekommen ist. Im Laufe des Krieges ist Fritz leider gefallen.



Diese Karte vom 29.11.1914 hat Alis in Metz geschrieben. Die Karte hat nur den Briefstempel „S. B. / E. B. 4. Bay. I. R:“. Er war also beim „Ersatz-Bataillon des 4. bayerischen Infanterieregiments“. Der Feldpoststempel fehlt. Vielleicht war die Karte in einem Brief eingelegt. Nach einer Verwundung kam Alois in ein Militärgenesungsheim in Spa (siehe Beitrag [#94]).



Im August 1915 ist Alis bei der Grenzschutzkompanie in Achel, Kreis Maaseyk. Die Karte ist in Neerpelt abgestempelt. Es ist ein belgischer Ort an der Grenze zu den Niederlanden. Auch Alis ist im Laufe des Krieges gefallen. Ob der Bruder Adolf (Dolf) auch Soldat war, kann ich nicht sagen. Von ihm habe ich zumindest keinen Feldpostbeleg. Damit sind zwei der vier Jungen der Familie nicht aus dem Krieg heimgekehrt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 30.01.2015 15:38:54 Gelesen: 29891# 102 @  
Hallo zusammen,

bei meinem Onkel wurden, wie bei Familien, nur die Feldpostbriefe aus dem Ersten bzw. Zweiten Weltkrieg aufgehoben. Aus der Zwischenzeit besitze ich kaum Material. Ich habe aus der Zeit nur zwei Karten vom Amtsgericht Homburg:



Die Karte aus dem Jahr 1922 geht wieder an Ludwig Leibrock (Lui). Damals musste der Eintrag als Genosse in die Liste bei der Spar- und Darlehenskasse noch vom Amtsgericht bestätigt werden. Ich weiß es nicht - ist das heute auch noch so?



Die Karte von 1929 bzgl. der Satzung des Reitervereins ging an einen Nachbarn. Wie sie sich ins Haus meines Onkels "verirrt" hat weiß ich nicht.

Bei dem dritten Beleg aus der Zeit wurden die Briefmarken leider abgelöst:



Ich finde es sehr schade, denn der Brief trägt einen für mich ungewöhnlichen Einschreibezettel in grüner Farbe. Durch den Ankunftsstempel sieht man, dass der Brief aus dem Jahr 1925 stammt. Wer weiß wo und wann solche grünen R-Zettel verwendet wurden?

Viele Grüße
Volkmar
 

Das Thema hat 152 Beiträge:
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