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Thema: (?) (3) (16) Portobestimmung von Belegen: Österreich - Schweiz
Baber Am: 11.04.2013 15:31:22 Gelesen: 3679# 1 @  
Schweizer Nachgebühr

Hallo zusammen,

diese Drucksache, gelaufen 1954 von Wien in die Schweiz ist eigentlich portogerecht frankiert.

Drucksache 1S + Expresszuschlag 5S.

Kann jemand die 30 Rappen Nachgebühr der Schweiz erklären?



Gruß
Baber
 
Cantus Am: 12.04.2013 01:40:23 Gelesen: 3631# 2 @  
Wenn ich den Brief richtig interpretiere, war er als Drucksache per Eilpost verschickt worden. Die Eigenschaft "als Drucksache" war aber von der Schweizer Post nicht anerkannt worden, was zur Erhebung einer Nachgebühr führte.

Viele Grüße
Ingo
 
Baber Am: 12.04.2013 11:50:17 Gelesen: 3607# 3 @  
@ Cantus [#2]

Hallo Cantus,

wenn das die Erklärung sein sollte, so hätte ein Brief damals 1,70 S gekostet. Die Sendung wäre also um 0,70 S unterfrankiert gewesen. 30 Rappen waren 1,80 S was dann ungefähr das 2,5 fache des fehlenden Portos entspricht. Kann aber die empfangende Postverwaltung einfach so erklären, dass die Sendung keine Drucksache ist, wenn die sendene sie als Drucksache angenommen hat?

Gruß Baber
 
juni-1848 Am: 24.08.2014 21:46:45 Gelesen: 3086# 4 @  
Hallo Richard,

kannst Du folgenden (bislang unbeantworteten) Beitrag #199 aus dem Thema "Nachgebühr verschiedener Länder" bitte in dieses Thema kopieren?

[http://www.philaseiten.de/beitrag/64206]

Danke, Werner
 
Richard Am: 25.08.2014 12:16:53 Gelesen: 3058# 5 @  
Kopie des Beitrags 64296 vom 06.04.2013, geschrieben von juni-1848

Eil-011 ... Rottenburg am Necker – Vandans (Österreich), 06.03.61, Eil-Auslandsbrief, 20 Pf unterfrankiert mit Einzeiler "Botenlohn" für die Landzustellung.

Hallo zusammen,

Am 07.03.1961 erhielt ein Bau-Ingenieur, der sich vorübergehend im Haus 65 in Vandans aufhielt, diesen Eilbrief aus Rottendorf am Neckar:



Der Brief wurde mit 2 Stück der 40 Pf Europa 1960 für einen Auslandsbrief bis 20 Gramm (40 Pf) nur mit 40 Pf anstatt 60 Pf für die Eilbotengebühr frankiert.
Die fehlenden 20 Pf hätten in Österreich eingehoben werden müssen.

Auf dem Brief finden wir jedoch anstelle eines Nachgebühren-Vermerks nur einen violetten Handstempel-Einzeiler „Botenlohn___S___“ mit zunächst handschriftlichem Eintrag von 1 S 60, der aber überschrieben wurde mit dem doppelten Betrag von 3 S 20.

Offensichtlich wurde für die beschwerliche Landzustellung in Vandans ein Botenlohn erhoben.

Da mir keine Österreichischen Gebührenbestimmungen vorliegen, bitte ich um Eure Hilfe:

1. Mit welchem Gesamtbetrag wurde die fehlende Eilgebühr hier eingehoben ? Oder wurde sie übersehen ?

2. Gab es auch in Österreich für die Landzustellung erhöhte Eilbotenlöhne ? In welcher Höhe ?

Vielen Dank und allen einen hoffentlich sonnigen Sonntag !
 
Baber Am: 25.08.2014 18:42:57 Gelesen: 3025# 6 @  
@ Richard [#5]

Hallo Richard,

die fehlende Eilbotengebühr wurde in Deutschland übersehen, denn dort hätte der Taxstempel erfolgen mussen. Die Botengebühr werde ich bei meinen österreichischen Sammlerkollegen nachfragen. Ich wußte auch nicht, dass es 1961 so etwas noch gab. Vandans im Montafon ist eigentlich nicht so abgelegen, dass ein Bote extra bezahlt werden musste.

Gruß
Bernd
 
juni-1848 Am: 28.08.2014 21:50:46 Gelesen: 2969# 7 @  
@ Richard [#5]

Danke !

@ Baber [#6]

Da bin ich ja mal gespannt.

Sammlergruß, Werner
 
Baber Am: 01.09.2014 10:20:51 Gelesen: 2919# 8 @  
@ juni-1848 [#7]

Hallo Werner,

den Botenlohn für das Austragen von Expressbriefen gab es damals wirklich und er wurde nach Entfernung von Postamt berechnet. Könntest Du einmal auf der Rückseite des Briefes nachschauen, ob das Postamt Vandans oder St. Anton im Montafon den Brief ankunftsgestempelt hat? Das Haus 65 war vom Postamt Vandans ca. 500 m, vom Postamt St. Anton etwa 2,5 km entfernt. Auf Grund der Entfernung wurde der Botenlohn berechnet. Wenn ich in die Bibliothek in München komme, werde ich im "Kainbacher" nachschauen. Dort sind die Botenlohntarife vermerkt. Solche Briefe werden in Österreich hoch gehandelt.

Gruß
Bernd
 
Baber Am: 02.09.2014 10:57:46 Gelesen: 2883# 9 @  
Hallo Werner,

ich bin im umfangreichen Werk über die Postgebühren Österreichs von Paul Kainbacher fündig geworden.

Ab 1951 gab es den Botenlohn für Expressbriefe pro km für Hin- und Rückweg von 0,80S. Nachdem der Ankunftstempel vom Postamt Vandans aufscheint und ursprünglich 1,60S Botenlohn vermerkt war, ist das vielleicht so zu erklären, dass die erste Zustellung vom Postamt Vandans (Entfernung hin-und zurück aufgerundet 2km) nicht erfolgreich war und dann der Bote ein zweites Mal gefahren ist oder dass dann die Zustellung vom größeren Postamt St. Anton (Entfernung hin- und zurück 4km) erfolgt ist.



Bitte den schwarzen Rand zu entschuldigen, der Kainbacher ist ein dicker Wälzer und läßt sich schlecht auf den Kopierer legen.

Gruß
Bernd

P.s. Ich hatte übersehen, dass der Ankunfsstempel Vandans schon abgebildet war.
 
juni-1848 Am: 13.09.2014 09:26:27 Gelesen: 2811# 10 @  
@ Baber [#9]

1000 Dank, Bernd, für diese ausführliche Recherche und Interpretation der Kainbacher-Ausführungen.

Leider kann ich zwei weitere 50er-Jahre Express-Belege aus dem Ostblock nach Österreich mit eben einem solchen Botenlohn-Stempel nich mehr zeigen, da bereits "weggetauscht". Auf einem befand sich ein Vermerk "Geschäft geschlossen" mit Uhrzeit und ebenfalls die von 4,00 S auf 8,00 S verdoppelte Gebühr in Vielfachen von 0,80 S. Ob die Rumänien-Frankatur allerdings portogerecht war, entzog sich meiner Kenntnis.

Zurück zum gezeigten Beleg von 1961:

Die Höhe der handschriftlichen Angaben sind eindeutig Vielfache von 0,80 S.

Wenn der Eilbrief vom Postamt in Vandans zum 500 m entfernten Haus 65 befördert und hierfür ein Botenlohn eingehoben wurde, dann stellen sich mir folgende Fragen:

Trotz seiner Entfernung von nur 500 m vom Postamt Vandans muss entweder das Haus 65 (?) ODER das Postamt Vandans (?) selber offensichtlich einer der Definitionen zu "Außenbezirk des Ortsbezirks" genügt haben, nämlich:

- erweiterter Ortszustellbezirk,
- Landzustellbezirk oder
- unbegangener Außenbezirk.

In jedem Fall würde ich jedoch schließen, dass der besondere Bote für JEDE Eilzustellung (außer Pakete) ab dem Postamt Vandans seinen Lohn von 0,80 S je angefangenen Kilometer für den Hin- sowie auch für den Rückweg zum Adressaten kassierte - ohne Überschußverrechnung mit dem Postamt.

Die Verdoppelung könnte folgende Erklärung haben:

1. Zweimaliger Zustellversuch:

Der Adressat war als Bauingenieur auf den schnellen Erhalt von Unterlagen angewiesen. Ein hochbetagter Bauingenieur konnte dazu anmerken, dass er seinerzeit bei dem jeweils seinen Einsätzen in den "Außenbezirken" (Staudamm- und Kraftwerksbau) nächstgelegenem Zustellpostamt den Auftrag hinterließ, Eilzustellungen sofort und falls vergebens, ggf. auch mehrmals zu bestellen. Und so manches Mal erhielt er mehrere Eilbriefe gleichzeitig, meist am Dienstag oder Mittwoch (Der 7.3.61 - Tagesstempel Vandans - ist übrigens ein Dienstag). Die Höhe des hierfür zu bezahlende Botenlohn hat mit Blick auf die Dringlichkeit nebensächlich niemanden interessiert.

Wer auf die Anschrift des abgebildeten Eilbriefes schaut, stellt fest, dass die Briefe offensichtlich voradressiert vorbereitet waren und nur der jeweils geplante Aufenthaltsort des Ingenieurs (mit einer anderen Schreibmaschine) nachgetragen wurde. Wahrscheinlich waren sie auch mit 80 Pf. vorfrankiert - für den einfachen Inlandseilbrief. Übrigens liegen auf dem Gebiet der Gemeinde Vandans die beiden Kraftwerke Rodund I und Rodund II der Vorarlberger Illwerke samt ihrer Stauseen.

oder

2. Gleichzeitiger Abtrag mehrerer Eilsendungen an den gleichen Empfänger

Weitere Sendungen wurden bei gleichzeitigem Abtrag mit einer geringeren Gebühr versehen, deren Höhe ein Teilbetrag von 0,80 S war (0,40 S ???). Der Botenlohn wurde auf einem der Couverts vermerkt, und genau dieses Couvert landete dann als Beleg in der Spesenabrechnung des Empfängers. Deswegen sind derlei Belege extrem selten und haben oft eine Aktenlochung. Derlei Österreich-Botenlöhne für gleichzeitigen Abtrag habe ich bisher ganze 2 gesehen, beide mit Aktenspuren (Lochung, Kleberand).

Schade, dass dieser Brief OHNE die fällige Nachgebühr durchgerutscht ist.
Eine Kombination Nachgebühr + Botenlohn habe ich niemals gesehen.

Sonnigen Start ins Wochenende,
Werner
 
Baber Am: 13.09.2014 17:52:27 Gelesen: 2792# 11 @  
@ juni-1848 [#10]

Hallo Werner,

hoffentlich hast Du die österreichischen Botenlohnbelege gut vertauscht. Man hat mir gesagt, dass solche Belege bei Versteigerungen in Österreich 3-stellige Eurobeträge bringen.

So wie ich den Kainbacher verstanden habe, war jede Eilzustellung damals mit Botenlohn belegt. Es hat also nichts mit "Außenbereich" zu tun. Der Botenlohn gehörte dem Zusteller, was wohl ein gewisser Anreiz war, die Zustellung gesondert vorzunehmen. Du hast recht, damals wurden dort die Kraftwerke gebaut und der Empfänger mag vielleicht als Ingenieur beim Bau beschäftigt gewesen sein.

Gruß
Bernd
 
bignell Am: 02.06.2015 11:04:07 Gelesen: 2339# 12 @  
Hallo,

Ganzsache von 1869, 5 Kreuzer von Baden bei Wien nach Bern mit Vermerk "poste restante" (postlagernd):



Es sind zwei rote Taxen zu erkennen, einmal 4 auf 5 ausgebessert, und einmal 10. Dann ist noch ein blauer Vermerk den ich nicht entziffern kann, das letzte Zeichen scheint eine 8 zu sein. Bitte um Info, was das heissen kann.

Vielen Dank,
harald
 
bayern klassisch Am: 02.06.2015 13:07:10 Gelesen: 2327# 13 @  
@ bignell [#12]

Hallo Harald,

ein feines Stück hast du da, den hätte ich auch genommen.

Das korrekte Franko ab dem 1.9.1868 betrug von Österreich aus 10 Neukreuzer. Unterfrankierte Briefe waren wie unfrankierte Briefe zu behandeln, jedoch der Wert der Marke(n) anzurechnen.

Franko: 10 Neukreuzer, aber Porto 20 Neukreuzer, bzw. in umgekehrter Reihenfolge: Franko 25 Rappen, aber Porto 50 Rappen.

Die 5 Rappen - Wertigkeit wurde unten angerechnet (die 4 war falsch, 5 war richtig), welche von der Schweiz oben rechts in 10 Rappen konvertiert wurden.

Da unfrankierte Briefe 50 Rappen kosteten, wurden die 10 Rappen abgezogen und übrig blieben 40 Rappen, die auch mittig in blau notiert wurden.

Warum da noch eine 8 steht, kann ich nicht sagen. So weit ich weiß, war die Dienstleistung Poste restante in der Schweiz damals gratis.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bignell Am: 02.06.2015 20:29:32 Gelesen: 2305# 14 @  
@ bayern klassisch [#13]

Hallo Ralph,

danke Dir. Auf 40 wäre ich nicht gekommen, irgendwie hat mich das erste Zeichen an ein H erinnert, und dabei bin ich dann auch hängengeblieben (Scheuklappen halt).

Lg, harald
 
bayern klassisch Am: 02.06.2015 20:54:13 Gelesen: 2299# 15 @  
@ bignell [#14]

Hallo Harald,

ich knabbere immer noch an der "8", die ich so noch nie gesehen habe.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
SH-Sammler Am: 08.08.2016 19:45:30 Gelesen: 814# 16 @  
@ bignell [#14]

Guten Abend "bignell",

ich erlaube mir, eine Frage zu stellen. Da mein Sammelgebiet die Schweiz ist, habe ich keinen Katalog oder anderweitige Angaben zu einer Taxierung auf einem österreichischen Brief.

Meine ganz konkrete Frage lautet: Wie hoch war das Auslandporto (in Hellerwährung) von Österreich in die Schweiz im Jahre 1900 ?

Nachstehend der Brief mit Nachtaxe in Schaffhausen:



Ich bedanke mich für Deine Angaben.

Hanspeter
(SH-Sammler)
 
cycling-fool Am: 04.11.2016 21:48:07 Gelesen: 391# 17 @  
Hallo,

hab gerade die interessanten Ausführungen zur Portobestimmung gelesen. Diese letzte Frage ist einfacher, da reicht der Michel-Spezial und der sagt für die Zeit vom 1.1.1900 bis 14.1.1920: 25h (je 20g Gewicht).

Gruß
Johann
(cycling-fool)
 
SH-Sammler Am: 24.11.2016 12:26:04 Gelesen: 206# 18 @  
@ cycling-fool [#17]

Hallo Johann,

vielen Dank für Deine Antwort. Dank vergleichbaren Briefen, welche ich an Briefmarkenbörsen gefunden habe, konnte ich Dein Ergebnis auch schon in Erfahrung bringen. Da mein Sammelgebiet halt in der Schweiz liegt, habe ich den Michel Spezial bei mir nicht vorliegen.

Übrigens: Der Brief ist in meinem Exponat hier bei philaseiten.de (Virtuelles Album - Kanton Schaffhausen) zu besichtigen.

Viele Grüsse

SH-Sammler
Hanspeter


Zur Sammlung:

http://www.philaseiten.de/album/zeige/237
http://www.philaseiten.de/album/zeige/238
http://www.philaseiten.de/album/zeige/239
 
bayern klassisch Am: 01.12.2016 16:36:07 Gelesen: 102# 19 @  
Liebe Freunde,

heute habe ich einen Spaßbrief gekauft, der schon zeitlich nicht in meine Sammlungen passt, aber er musste einfach her und hier ist er.



Geschrieben und aufgegeben im schönen Prag / Praha am 9.4.1882 um 17.00 Uhr war er an "Herrn Dr. Johannes Rehmke Professor an d. Kantonsschule zu St. Gallen Schweiz" gerichtet. Im Weltpostverein waren 10 Neukreuzer = 25 Rappen das treffende Franko und hier sah ich nur die Hälfte davon auf dem Kuvert prangen, so dass er eigentlich als unterfrankiert hätte gelten und nachtaxiert werden müssen.

Doch die Siegelseite belehrt uns schnell eines besseren - dort hatte man, fast könnte man sagen in alter, österreichischer Manier, eine zweite 5 Nkr. Marke so appliziert, dass sie als Siegel diente. Diese hatte Prag wohl zu entwerten übersehen und so wurde sie von späterer Hand (wem?) mit Blaustift annulliert. Die Schweizer Stempel, wie immer damals. zeigen die hohe Akkuratesse damals: Ambulant (Bahnpost) und St. Gallen vom 11.2.1882.

Wer weiß, ob die siegelseitige Marke bei diesem unrekommandirten Brief Frankaturkraft erlangt hatte, oder nach den Postvorschriften als obsolet hätte gelten müssen?

Wie lange durfte/sollte man in Österreich bei recommandirten Briefe die Recogebühr siegelseitig in Marke(n) applizieren?

Im Falle eines Falles wären hier 25 Rappen Nachtaxe fällig geworden, wenn Österreich den Brief als unterfrankiert proklamiert hätte. Aber es ist auch so ein kleines Vortragsstück, das natürlich über Bayern lief (jedenfalls könnte ich mir das gut vorstellen).

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
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