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Thema: Schweiz Dauerserie Kreuz/Wertziffer
Das Thema hat 279 Beiträge:
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remstal Am: 11.09.2014 18:52:07 Gelesen: 35114# 180 @  
Hallo Andy,

seltsamerweise finden sich Belege mit dieser Ausgabe Wasserzeichen um einiges seltener als die vorangegangenen mit den zweierlei KZ. Mindestens kommt mir in meinem Sammelgebiet das so vor. Vielleicht liegt es daran, dass bereits ein Jahr später, also 1907, andere neue Zeichnungen erschienen (Tellknabe, Brustbild Helvetia) und das Publikum lieber zu den neuen Sujets gegriffen hat. Von mir hier ein Brief nach D, portogerecht freigemacht mit 25 Rappen, eingeliefert bei der Bahnpost, Aufgabeort Burgdorf. Die Adresse und der Absender befinden sich hier auf der Seite mit der Verschlussklappe, die " normale " Vorderseite schmückt eine schöne Firmenreklame. Die 5 Rp. Marke ist unten abgeschnitten, warum?. Die 1.10er Marke ist unten an der Zähnung auch (mit der Schere ?) gerade abgeschnitten. Die 2. ist normal getrennt, wirkt aber in der Farbe deutlich anders. Für mich trotz des Allerweltsportos ein interessanter Beleg.

Herzliche Grüße remstal


 
ziffer-freak Am: 12.09.2014 00:04:16 Gelesen: 35090# 181 @  
@ remstal [#180]

Hallo Remstal,

wie du selbst bemerkt hast, sind die Belege von Marken mit WZ wesentlich seltener. Das ist jedoch nicht allein darauf zurückzuführen, dass sie nur während kurzer Zeit im Handel waren, sondern auch, weil ihre Auflagezahlen entsprechend kleiner waren. Frankaturgültig waren sie ja - wie sämtliche Kreuz/Wertziffern - bis 31.12.1924.

Dass in dieser Zeit offensichtlich "geschnittene" Marken vorkommen, ist nicht ungewöhnlich. Es war die Zeit der ersten Markenheftchen. Zu deren Herstellung wurden die einzelnen Seiten (zu je 6 Marken) aus gewöhnlichen Bögen vom linken Rand herausgeschnitten (Kehrdruck-Bögen wurden damals noch keine hergestellt). Dies geschah offensichtlich mit einer Art Schablone, denn vor allem bei senkrechten Einheiten aus den Heftchenblättern ist oft sehr gut der gleichmässige Verschnitt an oberen und unteren Marken erkennbar (Leider dürften die meisten "zu kurzen" Marken über Jahrzehnte im Abfall gelandet sein, da man sie erst in jüngerer Zeit als Heftchen-Marken erkannt hat).

Dass die 2. 10er auf deinem Brief eine ganz andere Farbe (und m.E. auch eine kleine Farbverwischung) aufweist, spricht für mich dafür, dass sie einer früheren Auflage entstammt. Speziell denke ich da an die 61Ac oder 61Ad, die mit wasserlöslichen Farben gedruckt wurden. Ich würde sie an deiner Stelle noch einmal gut auf KZ oder WZ untersuchen. Eine solche Mischfrankatur verschiedener KZ resp. WZ - vor allem noch der gleichen Wertstufe - wäre eine äusserst seltene Rarität.

Dein Brief mag zwar bei oberflächlicher Betrachtung ein "Allerweltsporto" tragen, jedoch eröffnen sich dem Betrachter bei genauerem Hinsehen noch einige interessante Details und damit ist nicht nur der schöne 2-seitige Werbe-Zudruck gemeint.

Liebe Grüsse
Andy
 
ziffer-freak Am: 14.09.2014 00:26:11 Gelesen: 34868# 182 @  
Aufgrund aktuell umfangreicher "Umbau-Arbeiten" in meiner Sammlung kann ich euch momentan nicht ganz alle Farbvarianten dieser Ausgabe zeigen. Trotzdem hier mal ein kleiner Einblick in die Farbvielfalt:

Hier mal die Varianten b) bräunlicholiv und c) dunkeloliv des 2 Rp.-Wertes:



von den Farben a) olivbraun und d) rosabraun habe ich zurzeit noch keine Bilder.

Vom 3 Rp.-Wert kann ich zurzeit nur den Farbton a) bräunlichgrau zeigen:



hier existieren noch b) dunkelbräunlichgrau und c) graubraun.

Umso unglaublicher erscheint, dass vom 5 Rp.-Wert nur 2 Varianten existieren:



nämlich a) gelblichgrün und b) grün
 
ziffer-freak Am: 14.09.2014 18:26:28 Gelesen: 34825# 183 @  
So stelle ich heute auch mal zwei Belege der Wasserzeichen-Ausgabe ein, wie sie so nur äusserst selten zu finden sind:

Vorerst ein äusserst kontroverses Einladungs-Kärtchen mit einer 2 Rp.-Marke:



Kontrovers deshalb, weil es sich hierbei m.E. um eine Voraus-Entwertung handelt.

Ein Prüfer, den ich mal kurz dazu um seine Meinung gebeten hatte, meinte zwar nur lapidar: "Unmöglich! Voraus-Entwertungen von Luzern sind keine bekannt."

Dazu ist jedoch noch anzumerken, dass er nur einen kurzen Blick auf das Stück warf, ohne es sich genauer anzusehen. Zudem ist er auch weder ein Stempel-Experte, noch beschäftigt er sich eigentlich in seiner Tätigkeit mit dieser Ausgabe.

Das Interessante an der Philatelie liegt doch ja gerade darin, noch Unbekanntes zu entdecken, und sich darüber mit anderen Sammlern auszutauschen. Also führe ich mein hübsches Kärtchen weiterhin als "Voraus-Entwertung" in meiner Sammlung, und hoffe dass sich mal ein Experte finden wird, der es sich mal etwas genauer anschaut.

Wesentlich klarer dürfte der Fall beim folgenden Briefchen sein, obwohl es nur mit einer 5 Rp.-Frankatur nach Frankreich schon etwas sehr ungewöhnlich ist:



Das Porto für einen Brief nach Frankreich hätte normalerweise nämlich 25 Rp. gekostet. Aufgrund des Miniatur-Formats dieses Briefchens ist jedoch anzunehmen, dass es sich beim Inhalt - wie damals durchaus üblich - lediglich um eine Visitenkarte gehandelt hatte. Somit würde sich der Tarif von 5 Rp. für eine Drucksache ins Ausland wieder rechtfertigen.
 
Heinz 7 Am: 15.09.2014 23:37:29 Gelesen: 34766# 184 @  
@ ziffer-freak [#183]

Guten Abend Andy,

das ist in der Tat hoch interessant und ich stimme Dir zu: Es ist vermutlich eine Voraus-Entwertung. Es gibt in der Schweiz einige Orte, wo dies vorkam. Für Luzern bin ich bestimmt kein Experte, aber warum soll das für Luzern nicht vorkommen? Der Postbeamte erlaubte dem Vereins-Aktuar, den Versand der (bestimmt: vielen!) Einladungskarten zuhause zu erledigen, und weil die Zeit knapp war (der Vortrag sollte am Sonntag, 24.11. stattfinden), erlaubte er vielleicht diese Ausnahme: Er stempelte am 22.11. am Morgen die Marken im voraus, und der Aktuar konnte am Freitag die Arbeit erledigen, ohne danach noch einmal den Postbeamten bemühen zu müssen. Er konnte so die Karten direkt dem Versand übergeben.

Ein tolles Stück!

Heinz
 
ziffer-freak Am: 16.09.2014 02:51:06 Gelesen: 34763# 185 @  
@ Heinz 7 [#184]

Ja Heinz,

dies ist wahrlich ein beachtliches Stück, wenn man bedenkt, dass ich es mal aus einer Wühlkiste für gerade mal 50 Rp. gefischt hatte. Der eigentliche Grund lag damals allerdings ganz woanders: Mich interessierte der Plattenfehler (unterbrochene Randlinie oben, zwischen C und O von FRANCO). Weiter gefiel mir der Herkunfts- und Bestimmungs-Ort: LUZERN (meine Heimatstadt). Ebenfalls die Adresse an die "Eisenwerke von Moos", ein angesehenes Traditions-Unternehmen, das es heute noch gibt. Beim Wenden gefiel mir dann auch noch der Zweck der Einladung: Ein Vortrag über "die neuen Ziele im Vogelschutz".

Dass die Karte keinen Ankunfts-Stempel trug war zwar bedauerlich, jedoch damals für einfache Drucksachen durchaus üblich. Zudem handelte es sich hierbei sowieso nur um eine ortsinterne Beförderung.

Aufgrund des Umstandes, dass sich weder ein zweiter Stempel-Abschlag neben der Marke (was Vorschrift war), noch auf die Unterlage übergehende Spuren des Stempels auf der Marke fanden, kam ich etwas ins Grübeln. Was war hier falsch gelaufen? Die Antwort war für mich klar: Es muss sich um eine Voraus-Entwertung handeln.

Allerdings denke ich, dass der Postbeamte die Marke(n) so früh (um 07.00) stempelte, damit die Sendungen noch am selben Tag (Freitag) zugestellt werden konnten. Meines Wissens gab es für Drucksachen (im Gegensatz zu "gewöhnlicher" Post) samstags nämlich keine Zustellung.

Ich werde die Karte bei Gelegenheit mal dem Experten Liniger vorlegen, er ist der Schweizer Stempel-Experte. Dies muss allerdings vorerst leider noch etwas warten, da ich mich mit dem Erwerb meines neuesten "Goldstückchens" und den Kosten für dessen Attestierung finanziell etwas weit aus dem Fenster lehnen musste.

Liebe Grüsse
Andy
 
hajo22 Am: 16.09.2014 15:30:09 Gelesen: 34719# 186 @  
11.10.1888 Ambulantstempel, Zugstrecke 19, Zugnummer 52. Brief ohne Absender nach Berlin. Rückseite 2 Berliner Briefträgerstempel v. 13.10. und handschriftlicher Vermerk des Empfängers "erhalten zum 14. Oktober 1888". Das Couvert frankiert mit 5 Rp. Kreuz/Ziffer und 20 Rp. Stehende Helvetia.

Dieselbe (Damen-)Handschrift wie beim Briefcouvert in [#16]. Doch diesmal hatte sie ein Couvert ohne die geprägte Krone verwendet. Auch dieser Brief der Geheimnisvollen ging (natürlich) an den Premierlieutenant.

Kein Stabstempel, aber ein handschriftlicher Vermerk mit Bleistift (La) Tour de Peilz (unmittelbar an Vevey grenzend) als Aufgabeort.

Voilà:



Schönen Dienstagnachmittag.
Jochen
 
ziffer-freak Am: 17.09.2014 00:48:32 Gelesen: 34685# 187 @  
Eine weiterer schöner Beleg:



Die offizielle 5 Rp.-Postkarte erhielt eine Zusatzfrankatur mit einer 5 Rp.-Marke, beide Werte in grün. Sie wurde spediert von BERN nach HILDBURGHAUSEN. Auffallend ist auch hier wieder die beschnittene obere und rechte Zähnung, was darauf hindeutet, dass auch diese Marke ursprünglich aus einem Markenheftchen stammt.
 
ziffer-freak Am: 19.09.2014 01:16:35 Gelesen: 34606# 188 @  
So möchte ich denn weiterfahren, und noch die letzten 3 Werte der Ausgabe Kreuz/Wertziffer vorstellen:

Und zwar hier die beiden 10er b) zinnober (satt) und c) zinnoberrot:



Hier nicht abgebildet sind noch die Nuancen a) Zinnober und d) dunkelzinnoberrot. Im Zumstein-Spezial ist noch zusätzlich ein interessantes Unterscheidungs-Merkmal aufgeführt, nämlich die Wirkung der Farben unter der Quarzlampe. So erscheinen die Farben a) und b) leuchtend orange, c) karminrot, und d) dunkelbraun.

Vom 12er und dem 15er-Wert kann ich euch jeweils alle 3 Varianten zeigen:



a) blau, b) dunkelblau und c) ultramarinblau



a) (rötlich)braunlila, b) dunkelbraunlila und c) tiefbraunlila
 
ziffer-freak Am: 19.09.2014 01:38:16 Gelesen: 34605# 189 @  
Natürlich gibt es auch zu diesen Werten interessante Belege:

Ein Orts-Einschreibebrief von LUZERN, mit dem 5 Rp. und dem 10 Rp.-Wert:



Und eine seltene Kombination einer EINGESCHRIEBENEN NACHNAHME auf einer Paket-Etikette von NEUCHATEL nach SCHAFFHAUSEN, Frankiert mit der 10 Rp. in Kombination mit einer Stehenden Helvetia 25 Rp. (Zst. 93A/Mi. 81C):


 
ziffer-freak Am: 22.09.2014 00:53:38 Gelesen: 34528# 190 @  
Eine weitere Besonderheit stellt diese 10 Rp.-Einzelfrankatur eines Faltbriefes von ZÜRICH nach HÖNGG dar:



komplett mit interessantem Inhalt:



Es handelt sich hierbei um eine amtliche Nachnahme. Amtliche Briefe waren portofrei, lediglich die Zuschläge (wie für Einschreiben oder Nachnahmen) mussten vergütet werden. Somit wurde mit der 10 Rp.-Marke also lediglich der Nachnahme-Zuschlag bezahlt. Besonders interessant ist auch der Inhalt.

Und last but not least noch etwas fürs Auge: Ein besonders attraktiver, farblich perfekt abgestimmter Beleg mit einer 12 Rp.-Marke:



Eine wahre "Orgie in blau" stellt diese Nachnahme-Karte von BASEL nach WINTERSINGEN dar! Interessant ist auch deren Verwendungszweck: Eine Abzahlung für eine SINGER-Nähmaschine.

Somit bin ich mit meiner allgemeinen Vorstellung "am Ende". Ich hoffe, dass auch noch der eine oder andere Beleg von Euch zu dieser letzten Ausgabe hier gezeigt wird.

In ein paar Tagen (Mi oder Do) werde ich den Fokus auf spezielle Besonderheiten wie Abarten und Plattenfehler (unabhängig der Ausgabe) richten. Ich hoffe natürlich auch bei diesem Thema auf eure zahlreiche Beteiligung mit Beiträgen von euren "Juwelen".

Lieber Gruss
Andy
 
ziffer-freak Am: 25.09.2014 01:42:19 Gelesen: 34440# 191 @  
Wie bereits angekündigt, eröffne ich hiermit den Fokus auf die Abarten der Ausgabe Kreuz/Wertziffer!

"Abarten" sind ja eigentlich nichts anderes als kleine "Unfälle", die im Verlauf der Markenproduktion geschehen sind. Diese konnten bereits bei der Papier-Herstellung, bis hin zu Druck und Zähnung vorkommen. Meist wurden sie aber bemerkt, und landeten somit in der Makulatur. Einige sind allerdings trotzdem "durchgeschlüpft".

Deshalb hier vorerst mal zwei Exemplare, deren Fehler bereits auf die Papier-Herstellung zurückzuführen ist:



Hier eine Zst. 53 (Mi. 45) mit sehr deutlich sichtbarem doppeltem Kontrollzeichen

Und dazu - quasi als Gegenstück:



Eine Zst.60B (Mi. 52y) ohne Kontrollzeichen. Der Prüfer attestiere sie als solche anhand der Farbe. Aufgrund der "0" am Ende des Datums würde ich sie allerdings eher als 60A einstufen (1890). Hier ist eine einwandfreie Bestimmung halt leider fast unmöglich.
 
briefmarkenwirbler24 Am: 25.09.2014 12:35:42 Gelesen: 34381# 192 @  
@ ziffer-freak [#191]

Guten Morgen Andy,

wie kann man sich eine Marke aus der damaligen Zeit ohne Kontrollzeichen vorstellen? Wurde das Kontrollzeichen vergessen einzuprägen oder handelt es sich um einen Fehler des Postbeamten?

MfG

Kevin
 
ziffer-freak Am: 25.09.2014 22:15:53 Gelesen: 34335# 193 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#192]

Hallo Kevin,

der Postbeamte hat damit überhaupt nichts zu tun. Diese Fehler (fehlendes oder doppeltes Kontrollzeichen) passierten bereits beim Papier-Hersteller. Das Papier wurde zu Druckbogen zugeschnitten, leicht angefeuchtet und die Kontrollzeichen eingepresst. Dies geschah in einer Presse, auf der 4 x 100 Kontrollzeichen auf eine Platte aufgelötet waren. Normalerweise geschah dies Bogen für Bogen. Allerdings konnte auch hier mal ein Bogen etwas verschoben eingelegt, und dann ein zweites Mal "richtig" nachgeprägt worden sein (obwohl diese eigentlich in den Ausschuss gehört hätten), oder schlicht - aus Versehen - ungeprägt die Presse passiert haben. Wo gearbeitet wird, passieren halt auch Fehler.

Lieber Gruss
Andy
 
ziffer-freak Am: 25.09.2014 22:52:58 Gelesen: 34330# 194 @  
Zumindest fast gleichzeitig, oder gar noch etwas früher als die Kontrollzeichen-Fehler passierte dieser Lapsus:



Diese recht breite Quetschfalte gelangte nämlich noch in das Papier, BEVOR das Kontrollzeichen eingeprägt wurde, da dieses im "entfalteten" Zustand der Marke nämlich deutlich verformt erscheint. Ob die Falte nun bereits bei der Papier-Produktion, oder erst beim Einlegen in die Kontrollzeichen-Presse entstand, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Mit Sicherheit kann lediglich ausgeschlossen werden, dass sie erst beim Druck entstanden ist.
 
ziffer-freak Am: 27.09.2014 23:08:59 Gelesen: 34243# 195 @  
Nun wird es endlich auch einmal Zeit, Euch mein liebstes und wertvollstes Stück vorzustellen.

Die Druckstöcke der Kreuz/Wertziffern bestanden nicht etwa aus ganzen Platten, sondern wurden vom Drucker jeweils bogenweise aus je 100 Einzel-Clichées zusammengesetzt. So entstanden von jedem Wert jeweils 2 Druckstöcke à 100 Marken (ausser vom 3 Rp.-Wert, da nur einer). Da die Druckbögen allerdings für je 4 100er-Bögen ausgerichtet waren, mussten sie jeweils mehrere Male (2 resp. 4 mal) in die Druckpresse.

Eine kleine Unachtsamkeit des Druckers bescherte uns die heute grössten Raritäten unter den Abarten dieser Ausgabe: Die Kehrdrucke. Entstanden durch ein einzelnes, verkehrt eingesetztes Clichée. Insgesamt passierte ihm dies 2 mal; einmal beim 5 Rp.-Wert (Zst. 60A/Mi. 52X), und einmal beim 15 Rp.-Wert (Zst. 63A/Mi. 56X). Der Fehler wurde wahrscheinlich aber jeweils sehr schnell entdeckt und korrigiert. Durch die vornehmliche Verwendung beider Werte jeweils als Einzelfrankatur, blieben der Nachwelt auch nur sehr wenige Exemplare erhalten. Mit Ausnahme des "Zumstein Spezial" werden sie in keinem Katalog der Welt erwähnt (und auch dort findet sich weder ein Bild, noch eine Wertangabe).

Insgesamt gerade mal 5 5er (2 ungebrauchte, 3 gebrauchte) und 7 15er (4 ungebrauchte, 3 gebrauchte) sind bis heute bekannt. Jeweils 1 ungebrauchtes und 1 gebrauchtes Stück der 5er galten bisher als "verschollen". Bis ich dieses Jahr am Ostersonntag diesen schönen Kauf auf eBay (!) tätigen konnte:



Sofort - noch am Tag des Erhalts - sandte ich ihn einem Schweizer Prüfer. Volle 3 Monate hat es gedauert, bis ich ihn wieder in Empfang nehmen konnte. Während dieser Zeit wanderte er auch noch zu anderen Prüfern, und einmal lag er sogar auch der Vollversammlung des Schweizerischen Prüfer-Verbandes vor. Das Attest allerdings, das seine Echtheit bestätigt, und darauf die Anmerkung "Ein bedeutendes Stück der Schweizer Philatelie!" enthält, entschädigte mich vollkommen für das lange Warten.
 
wfycia Am: 29.09.2014 19:47:31 Gelesen: 34160# 196 @  
Hier ein kleiner Beitrag von einem Ganzsachen Sammler. Viele dürfte es wohl von diesen Umschlägen nicht geben. Sie waren war der Beitrag der Schweiz am 6. Weltkongress der UPU in Rom zur Einführung der IAS (Internationale Antwort Scheine) beschlossen wurde.Diese beiden Umschläge wurden den Delegierten des Kongresses als Vorschlag für einen Antwortumschlag vorgelegt. Der Gebrauch der Umschläge war dermassen kompliziert, dass die Hersteller-Firma Krieg, Pascal & Co. dazu eine 2-seitige Anleitung drucken musste! Der Vorschlag wurde nicht angenommen, dafür wurden aber die Antwortscheine eingeführt.

Die 2 Rp. Kreuz und Wertziffer wurde rot mit "Timbre mobile / Double valeur" überdruckt. Andere Länder, die Vorschläge einbrachten, waren u.a. Russland, Schweden Belgien und die USA.


 
ziffer-freak Am: 30.09.2014 11:57:14 Gelesen: 34075# 197 @  
@ ziffer-freak [#195]

Übrigens befinden sich nur sehr wenige dieser Kehrdrucke in Privathand. 4 Exemplare - je ein ungebrauchtes und ein gestempeltes Stück beider Werte - befinden sich im Museum für Kommunikation in Bern, und ein gestempelter 5 Rp. in der Sammlung der englischen Queen.

Mein ungestempeltes Exemplar wurde lediglich einmal anno 1909 von Reuterskyöld erwähnt, eine Abbildung dazu existierte nicht. Somit habe ich hiermit ein seit 105 Jahren verschollenes Stück wiederentdeckt. Dazu noch vom seltensten Kehrdruck. Und da der dritte gestempelte 5er ebenfalls seit Jahrzehnten als "verschollen" gilt, handelt es sich hiermit sogar um den einzigen 5 Rp.-Kehrdruck in Privat-Besitz.
 
ziffer-freak Am: 30.09.2014 12:11:32 Gelesen: 34071# 198 @  
@ wfycia [#196]

Das hast du vollkommen korrekt wiedergegeben wfycia! ... und mir einen für etwas später vorgesehenen Beitrag vorweggenommen. ;-)

Zu erwähnen bleibt noch, dass diese Umschläge von der 2 Rp., wie auch der 5 Rp.-Marke hergestellt wurden. Ein Sammlerfreund besitzt beide Umschläge in seiner Sammlung! Ich selbst konnte nur einmal dieses lose Exemplar erwerben:



Liebe Grüsse
Andy
 
ziffer-freak Am: 02.10.2014 00:44:07 Gelesen: 33982# 199 @  
@ ziffer-freak [#195]

Eine letzte Sache gibt es zu diesen Kehrdrucken noch zu erwähnen:

Sogar im Zumstein Spezial steht, dass sie aus Kehrdruck-Bögen stammen sollen, die zur Markenheftchen-Produktion hergestellt worden seien. Wie unsinnig diese Aussage ist, lässt sich allerdings bereits mit jedem gewöhnlichen Schweiz-Katalog feststellen.

Die Kehrdrucke entstanden beide ca. um 1886, die ersten Markenheftchen aber erst 1904. Zwar wurden dazu auch Marken der Ausgabe Kreuz/Wertziffer verwendet, allerdings die grüne 5er und die rote 10er mit KZII, und später mit WZ. Von der 5er braunlila und der 15er gelb mit KZI gab es nie Markenheftchen und waren auch nie welche geplant.

Zudem wurden die ersten Heftchenblätter (auch die folgenden mit Tellknabe im Rahmen und Helvetia-Brustbild) noch aus kompletten 100er-Bögen herausgeschnitten. Kehrdruck-Bogen wurden erst ab 1909 erstmals extra hergestellt.
 
ziffer-freak Am: 02.10.2014 01:15:18 Gelesen: 33979# 200 @  
Eine weitere, äusserst kuriose Abart begegnet uns ebenfalls ausschliesslich auf den Marken mit KZI: Die farbigen Bogenränder:



Die Abdrucke in den Rändern stammen offensichtlich vom Metall-Rahmen für die Druckstöcke. Komischerweise kommen diese farbigen Ränder aber nur über eine kurze Zeit (um 1893) auf allen Werten (ausser der 3 Rp.) jeweils nur am linken und rechten Bogenrand vor.

Wie und weshalb sie entstanden, ist nach wie vor unklar. Darüber existieren bisher ebenfalls nur wilde Spekulationen, wobei keine davon wirklich plausibel klingt.
 
Heinz 7 Am: 02.10.2014 13:30:29 Gelesen: 33911# 201 @  
@ ziffer-freak [#195]

Lieber Andi,

ich bin wirklich beeindruckt!

Das ist nun eine Rarität ersten Ranges und bei den Sammlern weltweit sehr begehrt, weil so offensichtlich. Es gibt ja (seltene) Abarten, die erkennt man erst, wenn man genau hinschaut (z.B. Wasserzeichen-Abart), aber ein "Kopfsteher", ein Farbirrtum, (etc.) erkennt auch ein ungeübter Betrachter sofort.

Darum wundert mich, dass Du so ein Stück auf ebay finden konntest! Ich nehme an, Du hast "weit unter Preis" dafür bezahlt.

Meine Erfahrungen mit ebay waren bisher eher so, dass viel hochpreisiges Material einfach schlicht gefälscht war (oder zumindest so schien) und die wahren Rosinen fast IMMER ihre "richtigen" Preise brachten, wie sie auch auf einer Spezialisten- (sprich: Philatelie-) Auktion gebracht hätten. Gelegentlich waren die "unauffälligen" Raritäten bei ebay sogar teurer, weil sie wurden in der Regel von Kennern entdeckt - und entsprechend beboten, was bei Philatelie - Auktionen längst nicht immer der Fall ist.

Deine Erfolge mit ebay zeigen aber, dass Dein Fleiss belohnt wurde und Du hast mich (eher KEIN Fan von ebay) eines Besseren belehrt. Respekt!

Heinz
 
ziffer-freak Am: 06.10.2014 23:09:31 Gelesen: 33660# 202 @  
@ Heinz 7 [#201]

Vielen Dank für die Blumen Heinz!

Ist es nicht schön, dass denen die nicht gerade über ein Riesen-Budget verfügen (wie mir), auch ab und zu solche "Glücks-Käufe" gelingen? Mit etwas Kenntnissen (die sich ja jeder aneignen kann), kühlem Rechnen, etwas viel Geduld, und vor allem noch mehr Vernunft lassen sie sich ab und zu realisieren. :-)

Die, die sich meist über solche Plattformen beklagen, sind nämlich jene, die sich von angeblichen - meist bereits als solche angebotenen - "Super-Schnäppchen" haben blenden lassen, und dafür hohe (vermeintlich tiefe) Preise bezahlten für etwas, von dem sie eigentlich überhaupt keine Ahnung hatten. Das sind nämlich die dankbarsten Opfer für die (paar wenigen) tatsächlichen Betrüger im Netz.

Wer aber jeden Rappen zweimal umdrehen muss, wird sich ohne Rückgaberecht und Käuferschutz auch nie zu solch hohen Ausgaben hinreissen lassen. Ich gewinne so vielleicht nur 1 von 100 Auktionen, bei denen ich mitbiete, allfällige Verluste lassen sich dafür aber fast ausschliessen, und bleiben - wenn es doch mal vorkommen sollte - zumindest verkraftbar. Die Chance zum tatsächlichen Schnäppchen-Erwerb steigt entsprechend.

Lieber Gruss
Andy
 
B-reeze Am: 08.10.2014 17:25:24 Gelesen: 33481# 203 @  
Und hier von mir (als Laien) zwei schöne Stücke aus meinem Bestand der Kreuz/Wertziffer-Marke:

Die 5er Nominale auf Ganzsache als Zusatzfrankatur 1902 von Zürich nach Dresden und als Brief 1904 von Zürich nach Teplitz.

Wenn mir jemand noch mehr dazu verraten kann, wäre ich sehr interessiert.

Falls jemand Interesse an den Stücken hat, ich bin kein Schweiz-Sammler und gebe sie gerne ab.



Thomas
 
ziffer-freak Am: 10.10.2014 14:37:24 Gelesen: 33348# 204 @  
@ B-reeze [#203]

Hallo Thomas,

Deine Karte ist ganz einfach eine Inland-Postkarte (5 Rp.) mit Zusatzfrankatur für den Ausland-Gebrauch (10 Rp.), wie sie sehr oft verwendet wurde. Also nichts besonderes.

Interessanter ist da schon eher der Brief: Das Porto (5 Rp.) entspricht einer Auslands-Drucksache, was besonders auf Brief nicht gerade so häufig ist. Der zentrisch abgeschlagene Stempel, und das Fehlen eines 2. Abschlags neben der Marke (was sonst ja bei gewöhnlichen Briefen Vorschrift war) deuten klar darauf hin! Ebenso erhielten Drucksachen zumindest innerhalb der Schweiz meist auch keinen rückseitigen Ankunftsstempel! Das Porto für einen gewöhnlichen Auslands-Brief hätte sonst normalerweise nämlich 25 Rp. betragen!

Liebe Grüsse
Andy
 

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