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Thema: Altdeutschland Bayern: Vermerke auf Belegen deuten
12 kreuzer rot Am: 03.09.2017 14:01:11 Gelesen: 316# 1 @  
Hallo Bayern Klassisch,

habe noch ein Stück, was eigentlich nicht hier her gehört.

Kannst du mir den Vermerk entziffern? Ich kann’s leider nicht.

Postalisch oder Empfangsvermerk?

Ist zwar nicht dein Gebiet. Aber von der Schrift denke ich schon.



Herzlichen Dank

12 Kreuzer rot
 
Erdinger Am: 03.09.2017 14:21:28 Gelesen: 307# 2 @  
Hallo 12 Kreuzer rot,

ich halte die blaue Schrift für einen Registraturvermerk des Empfängers ("Kp 11/pro 5/9").

Den Beleg hatte ich auch lange unter Beobachtung, schließlich ist die Posthilfstelle in meiner Heimatsammlung noch nicht belegt. Letztendlich fiel dann die Entscheidung gegen einen Kauf.

Viele Grüße aus Erding!

[Redaktionell aus dem nicht passenden Thema "Altdeutschland Bayern: Stempel bestimmen" verschoben]
 
12 kreuzer rot Am: 03.09.2017 20:43:51 Gelesen: 276# 3 @  
Hallo Erdinger,

vielen Dank für die Auskunft.

Habe mir nicht ganz vorstellen können, aber bei Erhalt war ich mir sicher, nicht postalisch. Über die Registratur kann ich mir leider keinen Reim machen. Rückseitig ist auch kein Stempel vorhanden.

Aber eine andere Besonderheit haben die Marken! Sie sind auf Friedenspapier gedruckt, und der Druck ist sehr sauber.

Mfg
12 Kreuzer rot
 
bayern klassisch Am: 13.09.2017 17:51:00 Gelesen: 193# 4 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich 2 Dienstbriefe, die man so hätte nicht ablassen sollen, wenn man es denn mit den Postvorschriften genau genommen hätte.



1. Dillingen am 3.4.1826 vom Pfarramt Bächingen a/B an das Königliche Decanat in Leipheim als K.D.S. (Königliche Dienst - Sache). Allerdings gibt es auch einen kleinen Zusatz, den man nicht unterschlagen sollte - damals, wie heute:

"enthaltend 20 Kreuzer 3 Pfennig". Damit haben wir einen Fahrpostbrief vor uns (Wertbrief) - aber der hätte gegen Schein mit der Fahrpost verschickt werden müssen, hätte Manualnummern bekommen müssen und gegen Unterschrift ausgehändigt werden sollen.

All das ist nicht passiert - hier ist gar nichts passiert; man hat ihn portofrei zugestellt. Herausreden konnte man sich schwer, weil es keine Geldscheine sein konnten, die man elegant dem Amtsschreiben hätten unterjubeln können, sondern es mussten Münzen gewesen sein, die sicher gut klangen.



2. Eschenau am 25.5.1844 vom kgl. Pfarramt Forth an das Königliche Dekanat Erlangen als Regierungs - Sache (R.S.). Die Angabe einer Expeditionsnummer vorderseitig war vorgeschrieben - hier fehlt sie. Das protestantische Pfarramt Forth war wohl nicht so häufig Dienstbriefe schreiben, wie man denken könnte ... Nach den Postvorschriften hätte die Aufgabepost den Brief taxieren (3 Kreuzer) und ihn als Portobrief nach Erlangen abgehen lassen müssen. Aber auch das ist hier nicht passiert - Glück gehabt!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 18.10.2017 17:05:59 Gelesen: 100# 5 @  
Liebe Freunde,

ja, wo soll man bei dem Briefchen hier anfangen?



Fangen wir mal mit dem Inhalt an. Geschrieben wurde es am 29.05.1854 in Altdorf bei Nürnberg (ca. 15 km östlich der fränkischen Metropole und seit 1.2.1846 mit einer eigenen Postexpedition geadelt. Doch gab man den Brief an "Herrn Künle Obeaufsehe in Tuttlingen) nicht dort auf, sondern versah ihn vorne unten links mit dem Vermerk "f. Ngb" für "franco Nürnberg".

Nürnberg lag geographisch natürlich auf dem Weg von Altdorf nach dem schwäbischen Tuttlingen, von daher machte das Sinn. Wie sehr, wird sich noch zeigen.

Ein Tag später in Nürnberg wurde er am Vormittag gegen 10.00 bis 11.00 Uhr aufgegeben bzw. in den Briefkasten geworfen und zuerst notierte man 6 Kreuzer Porto, wie es richtig gewesen wäre für einen Portobrief bis 10 Meilen im Postverein (3 Kr. Porto + 3 Kr. Zuschlag wegen nicht vorhandener Frankatur). Da Tuttlingen von Nürnberg Luftlinie jedoch 243 km entfernt lag (Witz komm raus, der geschlossene Mühlradstempel Nürnbergs damals hatte die Nummer 243), handelte es sich also eindeutig um einen Portobrief über 20 Meilen (150 km) = 9 Kr. plus 3 Kr. Portozuschlag = 12 Kr. vom Empfänger.

Statt dessen wurde aus den eh völlig falschen 6 Kr. eine 9 Kr. Portostufe gezaubert, die natürlich auch unrichtig war. So belastet lief der Brief nach Tuttlingen am 1.6.1854 ein und wurde dort mit roter Tinte (damals dort üblich) mit nur 9 Kr. Porto bestätigt. Württemberg war das sehr recht, denn der Schwabe sparte sich 3 Kr. und Bayern hatte eben diese verloren, weil man nicht rechnen konnte.

Für den Absender war es aber auch egal, ob er den Brief von Altdorf aus gesandt hätte (noch weiter), oder von Nürnberg aus, weil beide Orte über 20 Meilen vom Zielort entfernt lagen. Da er aber "franco Nürnberg" notiert hatte, bedeutete dies nur, dass er dem Transporteur des Briefes nach Nürnberg etwas gegeben haben musste für seine Hilfe.

Zum Inhalt:

"Altdorf, den 29ten May 1854

haben Sie die Güte und schiken an
meinen Bruder seinem Sohn an Jacob
nach Mühlheim diesen Brief sogleich
hinaus, weil seine Mutter gestorben
ist, bitte ja nicht zu säumen, Sie werden
von meinem Bruder in kurzer Zeit
selbst einen Brief bekommen.

Freundschäftlich grüßt Sie

Stephan Hoffmann"

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
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