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Thema: Die Sperati Fälschungen
Heinz 7 Am: 10.02.2018 13:35:46 Gelesen: 478# 1 @  
Eine hundert Prozent falsche Marke, die aber trotzdem beliebt ist und eifrig gesammelt wird:



Die Marke sieht (vom Druckbild) sehr echt aus, ist aber eine Ganzfälschung von Meisterfälscher Jean Sperati, hier ale Einzelabdruck auf kleinem Bogen. Die Originalbogen beinhalteten 32 Marken in 4 Reihen.

Dieser Fälscher war sehr eitel und bezeichnete seine Erzeugnisse als Kunstwerke. Dreist drehte er den Spiess um und verbot die Nachahmung seiner "Kunstwerke". Dabei war ER ja der Fälscher.

Nun, diese Sperati-Fälschungen sind heute selber Sammel-Objekte! Zur Zeit wird in Grossbritannien eine zum Verkauf angeboten. GB£ 300 Startpreis scheint mir aber etwas viel. Solche Exemplare findet man gelegentlich auch etwas günstiger.

Philatelistische Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 10.02.2018 13:43:03 Gelesen: 477# 2 @  
@ Heinz 7 [#1]

Noch gefährlicher als die Fälschungen der ersten Ausgabe waren aber die Sperati-Fälschungen der 2. Ausgabe; hier ein Exemplar der 5 Parale-Zeitungsmarke



Dieses Druckerzeugnis (Ganzfälschung) ist in dieser Form klar als Nachahmung erkennbar, weil auch diese Marke wurde von der Post nur in 32er-Bogen hergestellt. Marken mit so breiten Rändern gibt es nicht. Hier muss man ja von einem "Kleinbogen mit Einzelmarke" sprechen.

Würde aber ein Besitzer diese "Marke" eng ausschneiden, hätte er eine gefährliche Nachahmung der Michel Nr. 5 in den Händen. Das Papier stimmt zwar nicht, aber das wissen viele Sammler nicht.

Auch dieses Sperati-Produkt wird zur Zeit in England zum Verkauf angeboten.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 10.02.2018 13:50:39 Gelesen: 474# 3 @  
@ Heinz 7 [#1]
@ Heinz 7 [#2]

Anbei ein Bild der Handpresse, die Meisterfälscher Sperati benutzte.

Ausgestellt war dieses schöne Ding an der Weltausstellung 2015 in London (Mai 2015).



Die britischen Philatelisten brachten den Kerl zur Strecke, vor allem Robson Lowe. Sperati wurde gerichtlich verurteilt. Die Zusammenarbeit mit führenden anderen Philatelisten klappte sehr gut damals, vor über 60 Jahren.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 10.02.2018 14:15:20 Gelesen: 465# 4 @  
@ Heinz 7 [#3]

Na, das ist ja allerhand!



Auch die 80 Parale-Marke (der 2. Ausgabe, Michel Nr. 7) wird angeboten, in der Farbe rot! Es gibt diesen Druck auch in schwarz. Sperati fälschte meines Wissens "nur" diese 3 Marken der ersten vier Ausgaben von Rumänien (Michel Nrn. 1-13)

Nr. 4: 108 Parale / 1. Ausgabe
Nr. 5: 5 Parale / 2. Ausgabe
Nr. 7: 80 Parale / 2. Ausgabe

Von der 3. und 4. Ausgabe Rumäniens gibt es meines Wissens keine Sperati-Fälschungen.

Fälschungen der Michel Nr. 31 habe ich im Thema "Rumänien: Marken echt oder falsch?" gezeigt (siehe dort, Beitrag 108).

In diesem Thema sollten wir nur Fälschungen der Ausgaben 1858 (Michel Nr. 1-7) besprechen (Fürstentum Moldau).

Heinz

[Beiträge [#1] bis [#4] redaktionell kopiert aus dem Thema "Rumänien Fürstentum Moldau: Marken echt oder falsch ?"]
 
Heinz 7 Am: 13.02.2018 14:17:12 Gelesen: 329# 5 @  
@ Heinz 7 [#4]

Richard hat aus meinen Beiträgen zu Fälschungen von Rumänien ein neues Thema eröffnet. Dieses ist in der Tat sehr spannend, und es lohnt sich, zum Leben des Meisterfälschers Jean de Sperati einige Informationen bekannt zu geben.

Giovanni de Sperati wurde 1884 in Italien (Pisa) geboren, lebte aber die längste Zeit seines Lebens in Frankreich und nannte sich Jean. Er war Drucker und Graveur. Dass er daneben Meisterfälscher von Briefmarken war, wusste lange Zeit niemand (meines Wissens), denn er produzierte zwar emsig Fälschungen, die er auch verkaufte, aber dies geschah meines Wissens diskret.

1942 nahm dann das persönliche Unglück des Fälschers seinen Lauf; damals war Sperati schon 58 Jahre alt. Er versandte Fälschungen nach Portugal. Zu seinem Pech aber öffnete der Zoll die Sendung und die Behörden gingen davon aus, dass Sperati wertvolle Marken illegal exportieren wollte. Vergessen wir nicht: es war Kriegszeit!

Damit hatte Sperati ein Riesenproblem! Um seine Haut zu retten versicherte Sperati, die Sendung seien gar keine echten Marken, sondern Eigenproduktionen (Fälschungen) (und damit nahezu wertlos). Sperati sagte damit sogar die Wahrheit! Nur - man glaubte ihm nicht, und Experten sagten, die festgehaltenen "Marken" seien echt!

Nun musste der Fälscher beweisen, dass seine Fälschungen falsch waren! Eine absurde Situation, die Sperati Einiges abverlangte. Schliesslich gelang ihm der Beweis, aber Sperati war vom Regen in die Traufe gekommen, denn nun wurde er als Fälscher angeklagt und 1948 vom Gericht verurteilt. Sperati wurde zu einer Geldstrafe und zu Schadenersatz verurteilt (hohe Geldstrafen).

Beim Schuldspruch war Sperati 64-jährig, dies galt als hohes Alter, deswegen musste er nicht auch noch ins Gefängnis. Um seine Schulden zu bezahlen verkaufte er 1954 alle Fälschungen und alle Druckstöcke an die "British Philatelic Association", die mithalf, diese ungemein gefährlichen Fälschungen aus dem Verkehr zu ziehen. Die BPA schrieb eine wichtige Publikation zu den Erkenntnissen aus diesem Fälscher-Skandal. Drei Jahre später (1957) starb der Meisterfälscher. Seine Fälschungen sind aber bis heute "ein Thema", wenngleich die BPA und ihre fleissigen Helfer (u.a. Robson Lowe) den Hauptschaden (den "Super-GAU") hatten verhindern können.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.02.2018 19:00:15 Gelesen: 273# 6 @  
@ Heinz 7 [#5]

Jean de Sperati hatte also turbulente letzte Jahre (1942-1957), nachdem er zuvor meines Wissens nicht aufgefallen war. Als seine Machenschaften aber ans Tageslicht kamen, zeigte Sperati auch seinen Charakter, und er nahm Stellung zu Fragen der Philatelie.



In dem 1946 erschienen Werk aus seiner Feder äusserte er sich zu diversen Aspekten der Philatelie. Wenig erstaunlich ist dabei, dass er sich sehr kritisch über Briefmarken-Experten äusserte. Es war ihm verständlicherweise ein Vergnügen gewesen, dass viele Experten seine Imitationen nicht von echten Marken unterscheiden konnten.

Es muss heute als grosse Leistung (mit Weitblick!) erkannt werden, dass die "British Philatelic Association" keine Mühen scheute, den Meisterfälscher unschädlich zu machen. Die BPA hat angeblich einen grossen Betrag investiert, um Sperati die ganzen Fälschungen, Druckstöckel und -maschinen abzukaufen. Ansonsten wäre der Schaden für die Philatelie natürlich riesig gewesen, denn nur indem man seine Werke auch bekanntmachte, konnte man das Vertrauen der Sammler wieder einigermassen herstellen. Einige Philatelisten haben hier hervorragende Leistungen erbracht.

Das Werk der "British Philatelic Association" ist natürlich ein ganz wichtiges Buch für die Philatelisten! Es wurde 2001 ergänzt durch einen Ergänzungsband, mit neuen, noch zusätzlichen Erkenntnissen (Herausgaber: Royal Philatelic Society, London. Autoren: Carl Walske & Robson Lowe).

Heinz
 
merkuria Am: 14.02.2018 15:23:32 Gelesen: 177# 7 @  
Nach beinahe 100 Jahren seit Beginn der Fälschungsaktivitäten von Sperati werden diese Stücke noch immer gehandelt und gerne als kleine, wenn auch gefälschte Kunstwerke gesammelt. Sperati fertigte seine Stücke mit einer unnachahmlichen Präzision an, wie sie von kaum einem anderen Fälscher je erreicht wurde. Ich möchte dies hier am Beispiel dreier Schweizer Marken dokumentieren.



Schweiz, Kanton Zürich 4 Rp mit senkrechtem Linienunterdruck gestempelt, rechts ein Originalstück



Schweiz, Kanton Zürich 4 Rp mit waagerechtem Linienunterdruck gestempelt.

Die beiden Kanton Zürich-Fälschungen wurden an der 6. Hamburg Auktion Galleries (vormals Schwanke) vom Dezember 2017 unter Los Nr. 1855 und 1857 zu je 180 € + Aufgeld verkauft.



Schweiz, Kanton Genf 1863, Doppelgenf gestempelt

Diese Doppelgenf-Fälschung fand an der gleichen Auktion unter Los Nr. 1863 für 300 € + Aufgeld einen Käufer.

Auch vor den Kopfstehern aus Guatemala wurde nicht Halt gemacht:



Guatemala 1881, 2c Quetzal mit kopfstehendem Mittelstück

Diese gefälschte Druckprobe (Die Proof) wurde an der 980. Robert A. Siegel Auktion vom Dezember 2009 in New York unter der Los Nr. 3364 angeboten und für 350 US$ + Aufgeld verkauft.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Heinz 7 Am: 14.02.2018 17:05:53 Gelesen: 139# 8 @  
@ merkuria [#7]

Jacques ist mir zuvorgekommen; ich habe ebenfalls eine "Zürich 4" gesucht aus der "Werkstatt Sperati".

Man sieht hier wunderbar, wie sich Sperati auch an die schwierigsten Marken heranwagte! Die 4-Rappen-Marke von 1843 aus Zürich ist mit ihren senkrechten und waagrechten roten Unterdrucklinien wirklich eine extrem hohe Hürde für jeden Fälscher, aber Sperati liess sich durch solche Aufgaben nicht abschrecken, sondern meisterte diese Aufgaben mit Bravour. Auch seine Stempelfälschungen sind verblüffend.

Zu den Preisen, die oben genannt werden: Euro 180, Euro 300 und US$ 350 (Zuschlag - excl. Aufgeld) ist anzumerken, dass dies in etwa die Standardpreise sind für Sperati-Fälschungen. Sie liegen i.d.R. zwischen CHF 150 und CHF 400.

Fleissige Philatelisten konnten dann doch kleinste Unstimmigkeiten feststellen, welche die Sperati-Ganzfälschungen von den echten Marken unterschieden. Sie sind den Prüfern bekannt. Darum sind heute die Sperati-Fälschungen heute zumeist kein Problem mehr. Hans Hunziker aus der Schweiz war meines Wissens auch ein Prüfer, der viel geleistet hat, um die Sperati-Fälschungen zu entlarven.

Nicht alle Sperati-Fälschungen erhielten aber den BPA-Stempel oder wurden von Sperati signiert (als "Kunstwerk").

Heinz
 
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