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Thema: Kaltfolien-Veredelung beim Briefmarkendruck
gabriele Am: 14.04.2018 10:28:05 Gelesen: 453# 1 @  
Hallo,

die letzte drucktechnische Neuerung beim Deutschland-Briefmarkendruck ist meines Wissens die Kaltfolien-Veredelung für die Astrophysik-Marke vom Gaya-Satellit, Ausgabe am 07.12.2017. Dafür wird zuerst ein Druck mit "Kleber" ausgeführt und mitlaufend (?) wird hauchdünne Alufolie aufgepreßt. Anschließend wird die Folie wieder aufgerollt, nur die Teile auf dem Kleber verbleiben. Erst danach kommt der Offset-Farbdruck, um das Bild über Folie und Papier sichtbar zu machen.

Wie das genau in der Druckmaschine abläuft, weiß ich leider nicht. Auf jeden Fall wirkt die Darstellung doch plastischer als normaler Offsetdruck.



Weiß jemand, ob dieses Druckverfahren auch schon in anderen Ländern für Briefmarken verwendet wird oder wurde?

Schönes Wochenende, Gabi
 
SH-Sammler Am: 15.04.2018 15:56:44 Gelesen: 355# 2 @  
@ gabriele [#1]

Hallo Gabriele,

auch von mir ein herzliches Willkommen bei philaseiten. Wie hiess es im Fernsehen vor vielen Jahren noch? „Hier werden Sie geholfen…“, wobei ich hier bei philaseiten ebenfalls schon öfters mal um Hilfe angefragt habe und auch bekam. Als Dank und als Gegenleistung gibt es hin und wieder einen Beitrag von mir, damit andere Sammler Einblicke in andere, neue Themenbereiche erhalten. Als weitere kleine Information: Hier bei philaseiten sprechen sich alle mit Du an (hat man mir auch beigebracht). Sei also nicht erstaunt über diese Art der Anrede, der Respekt zueinander geht damit nicht verloren.

Du hast mit der Kaltfolien-Veredelung ein neues Thema eröffnet, welches nur wenigen traditionellen Philatelisten bekannt sein dürfte. Im Prinzip handelt es sich bei Deinem Thema im weitesten Sinne um das Thema „Hologramme auf Briefmarken“, wobei es egal ist, ob es sich um ein Bild-Hologram oder um eine Endlosfolie mit Leuchtstrukturen handelt. Es gibt schon einige Länder, welche Briefmarken mit einem Hologram emittiert haben, Österreich zum Beispiel, die Schweiz ebenfalls, Bhutan, San Marino, China. Google kann Dich hierbei noch besser informieren. Da ich nicht Deutschlandsammler bin, kann ich zur gezeigten Marke im Beitrag [#1] jedoch nichts sagen. Ich gehe aber davon aus, dass Du in Deiner Beschreibung von einer Briefmarke mit applizierter Aluminiumfolie und anschliessendem Farbdruck sprichst.

Zur Herstellung dieser Folie und zum Aufbringen des Hologrammes auf ein Trägerpapier (Briefmarke, Papiergeld, amtl. Dokumente, Ausweise, Kreditkarten) kann ich Dir Informationen geben, habe ich doch viele Jahre in diesem Business gearbeitet.

1. Folienherstellung

Die Trägerfolie ist eine Polyesterfolie, welche mit einem Prägelack beschichtet wird. In diesen Prägelack werden die Hologramme (Bilder), aber auch andere Strukturen mit feinsten Gitterlinien eingeprägt. Die Anordnungswinkel dieser Gitterlinien ergeben dann das aufleuchtende „Farbspiel“, welches beim Hin – und Her Bewegen erscheint.

Nach dem Prägen "des Bildes" wird eine hauchdünne Aluminiumschicht auf die geprägte Seite aufgedampft. Diese Aluschicht ist ca. 0,4 bis 0,5 Tausendstel Millimeter dünn. Ein durchschnittliches Haar mit 0,15 mm ist dagegen ein grosser Balken, ein Baumstamm gar.

Als nächster Schritt wird ein sogenannter Heisskleber auf die Aluminiumschicht aufgetragen. Es ist also nicht so, dass der Kleber für das Aluminium auf die Briefmarke aufgedruckt wird. Beim Kleber spricht man von ca. 3 Gramm bis 6 Gramm pro Quadratmeter Folie. Die Kleberschicht ist also auch sehr dünn.

So, jetzt haben wir die Folie: Eine grosse Rolle mit mehreren Kilometern Lauflänge Folie drauf. Diese Polyesterrolle wird anschliessend in Bahnen resp. in Streifen geschnitten, und zwar so, wie der Verarbeiter beim Briefmarkendruck das benötigt.

Eine Folienbahn mit Endlosdesign wie bei der gezeigten Marke wird in etwa so breit sein wie die Briefmarkenbogen sind. Sie kann aber auch über 0,5 Meter breit sein, wenn es um das Bedrucken von Zigarettenverpackungen geht. Der Effekt dabei: Eine mit Farbe überdruckte Zigarettenschachtel mit untenliegender Alufolie brilliert und funkelt viel mehr als ein einfacher Farbdruck. Die Chinesen z.B. sind darauf wie versessen.

2. Markenherstellung

Das vorbereitete Briefmarkenpapier (Einzelbogen resp. Papier ab Rolle) muss als erstes durch eine Prägemaschine resp. durch eine Prägestation laufen. Dort wird die Hologrammfolie mit geheizten Stempeln (auch Formstempeln) auf das Briefmarkenpapier gepresst. Im Falle der gezeigten Marke müssen das quadratische Stempel in der Grösse des Briefmarkenbildes sein. Bei 25-er Bogen werden also 5 Reihen mit je 5 Einzelstempeln, mit genauem Abstand zueinander entsprechend des Bogenlayouts auf eine Heizplatte montiert.

Beim Prägen wird der auf die Folie aufgebrachte Heisskleber erhitzt, er haftet mit dem hauchdünnen Aluminium auf dem Briefmarkenpapier. Die Polyesterfolie wird dann abgetrennt; wo das Hologramm (auf der Folie) war, scheint jetzt ein durchsichtiges Fenster zu sein, die „leere“ Polyesterfolie.

Nach dem Prägevorgang erfolgt endlich der Farbdruck. Dabei muss sehr genau gearbeitet werden. Bei Verschiebung des Farbdruckes könnte sonst ein Teil des Aluminiums an den Bildrändern aufleuchten.

Zu guter Letzt müssen die Marken gezähnt werden. Das jedoch gehört nicht mehr in diesen Beitrag.

So, das war etwas viel Theorie. Wahrscheinlich zu viel davon, ich gehe jedoch davon aus, dass Du Vorkenntnisse hast. Du würdest sonst nicht von Kaltfolien-Veredelung schreiben.

Bei weiteren Fragen oder Unklarheiten nicht verzagen, SH-Sammler fragen.

Viele Grüsse

SH-Sammler
Hanspeter
 
gabriele Am: 16.04.2018 07:45:15 Gelesen: 303# 3 @  
Hallo Hanspeter,

vielen Dank für Deine Erklärungen, bei oben gezeigter Briefmarke geht es aber nicht um ein Hologramm, siehe nächstes Bild.



Die Entwicklungen in der Drucktechnik (Reproduktionstechnik) sind total interessant, das ist auch öfter gut bei Werbung zu sehen.

Mit speziellem Fachwissen kann ich leider nicht dienen, nur mit Neugierde.

LG, Gabi
 
SH-Sammler Am: 16.04.2018 09:15:49 Gelesen: 283# 4 @  
@ gabriele [#3]

Hallo Gabriele,

das mit dem Aufbringen des Klebstoffes und anschliessendem Silberpapier:

Dazu kann ich nur sagen: Na ja! Es ist auf diese Weise sehr einfach zu erklären. Nur geht das in der Realität nicht so. Sei's drum.

SH-Sammler
Hanspeter
 
gabriele Am: 17.04.2018 12:51:58 Gelesen: 204# 5 @  
Hallo Hanspeter,

das Bild ist aus dem Deutsche-Post-AG-Journal "postfrisch 6/2017" gescannt, das habe ich nicht selbst erstellt.

Falls ich Dich damit verärgert habe, tut mir das leid.

Was ist bei der Darstellung denn unrealistisch?

Viele Grüße, Gabi
 
SH-Sammler Am: 17.04.2018 15:36:28 Gelesen: 177# 6 @  
@ gabriele [#5]

Hallo Gabriele,

wo denkst Du hin, Du hast mich doch nicht verärgert, auf keinen Fall.

Unrealistisch ist in der Beschreibung die Art der Kleberaufbringung. Das Aluminium soll dann beim Ablösen von der Trägerfolie keine Fusseln machen, sondern gestochen scharfe Kanten aufweisen. Im Markenrand und in der Zähnung sehe ich jedenfalls kein Alu, sondern weisses Papier.

Die Post hat sich das mit der Beschreibung einfach gemacht.

Viele Grüsse

Hanspeter
 
Ben 11 Am: 17.04.2018 22:07:28 Gelesen: 121# 7 @  
@ gabriele [#1],
@ SH-Sammler [#6]

Guten Abend Gabi, Hanspeter,

gestattet, dass ich mich kurz an Eurer Diskussion beteilige.

Unrealistisch ist in der Beschreibung die Art der Kleberaufbringung. Das Aluminium soll dann beim Ablösen von der Trägerfolie keine Fusseln machen, sondern gestochen scharfe Kanten aufweisen. Im Markenrand und in der Zähnung sehe ich jedenfalls kein Alu, sondern weisses Papier.

Im Motiv des Gaia-Satelliten wurden nur die Schrift und die Solarflächen mit Folie abgebildet. Alles andere blieb weiß und wurde in den nachfolgenden Druckwerken farbig gedruckt.

Die von Gabi geschilderte Technologie der Kaltfolien-Veredelung ist richtig.
Im 1. Druckwerk einer Offsetdruckmaschine wird der Kleber ganz normal über eine Druckplatte und Gummituch auf das Papier "gedruckt" und aktiviert. Das 2. Druckwerk wird mit einem Folienmodul erweitert. Die Folie wird dabei zwischen Gummizylinder und Druckzylinder geführt. An den Stellen, wo sich der Kleber auf dem Papier befindet, bleibt die Folie haften. Sie wird quasi aus der Folienbahn gerissen, was aber Aufgrund der geringen Dicke recht einfach geht. In weiteren Druckwerken 3 bis 6 können dann die Standardfarben gedruckt werden.

Die Technologie ist mittlerweile so weit, dass nicht nur Flächen, sondern auch einzelne Rasterpunkte "geklebt" werden können. Kaltfolienmodule bieten alle großen Druckmaschinenhersteller als Veredelungsausstattung an.

Viele Grüße
Ben.
 
gabriele Am: 18.04.2018 14:12:38 Gelesen: 69# 8 @  
@ Ben 11 [#7]

Hallo Ben,

natürlich ist das gestattet, vielen Dank für die Erklärung vom Maschinenablauf und für die Bestätigung.

Eine weitere Frage: Irgendwie sieht für mich zumindest der schwarze Farbdruck seltsam aus. Die Druckwinkel sind doch unterschiedlich? Auf dem Papier 45°, auf der Metallfolie 15°/75°?

Naja, es gibt bei Druckmaschinen inzwischen ja eine variable Anzahl und Funktion von Druckwerken, die separat ein- und ausgeschaltet werden können.

Liebe Grüße, Gabi
 
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