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Thema: Alliierte Besetzung: Notmaßnahmen ab 1945
dionysus Am: 21.03.2009 15:07:53 Gelesen: 6101# 1 @  
Hallo,

da ich unter Bemühung der Suchfunktion und des Index keine Ergebnisse zu diesem Thema fand, eröffne ich es mal neu.

Ich möchte den nachfolgenden Beleg aus der Zeit der Notmaßnahmen vorstellen, den ich heute bekommen habe:

Notganzsache von Elmshorn (Holst.) nach Göttingen.

Eindruck: "Freigebühr / vorausbezahlt / 6 Rpf.",
entwertet mit dem Kreisstegstempel "ELMSHORN /e/ 19.7.45. 15-16".

Unten links ein Zweiellipsenstegstempel in rot
"ELMSHORN / Gebühr bezahlt / 12.7.45. 3-4 N"



Mich würde interessieren, wie ich diesen Beleg einzuschätzen habe.

Über eine Referenzangabe, falls es über diese Art Ganzsachen ein Standardwerk gibt, würde ich mich aber noch mehr freuen.

Liebe Grüße
Maico
 
doktorstamp Am: 21.03.2009 15:23:23 Gelesen: 6098# 2 @  
@ dionysus [#14]

Einige sind in den Michel Ganzsachenkatalog aufgelistet.

Eine Neuaufarbeitung wird z.Z. von den zuständigen Argen unternommen.

mfG

Nigel
 
dionysus Am: 21.03.2009 15:38:45 Gelesen: 6093# 3 @  
Hallo Doktorstamp,

danke für den Hinweis, dass einige davon im Michel katalogisiert sind. Leider habe ich nur den Michel Briefe-Katalog, mit Ganzsachen mußte ich mich bisher noch nicht so sehr beschäftigen.

Beim Kauf hab ich übrigens noch ganz übersehen das es eine GA ist, ich hatte es für eine normale Barfreimachung gehalten. Zuhause hatte ich dann zusätzlich eine kleine Freude.

Lieben Gruß
Maico
 
Carolina Pegleg Am: 21.03.2009 15:39:43 Gelesen: 6092# 4 @  
Es handelt sich bei dieser Karte nicht um eine lokale Notmassnahme, sondern um eine Behelfspostkarte (Ganzsache) ausgegeben in der Britischen Zone, Michel-Nummer 766I. Wert gebraucht 16,-- EUR (Michel-Ganzsachenkatalog 2003).

Zum Schutz gegen die Auflieferung unbezahlter Postkarten waren die Karten bei der Abgabe an den Kunden in der linken unteren Ecke mit einem Tagesstempel zu versehen. Bei der Einlieferung waren sie dann oben rechts mit dem Tagesstempel zu entwerten. Diese Vorsichtsmassnahme hatte ihren Hintergrund m.M. in der fälschungsanfälligen Ausführung dieser Karten als reiner Behelf in einer Vielzahl von Varianten in den Inschriften, verschiedenen Papieren etc.

Hier wurde ein ovaler "Gebühr bezahlt"-Stempel zur "Vorabstempelung" verwendet. Normal wäre gemäss Verordnung der Tagestempel gewesen, aber im Michelkatalog sind verschiedene Stücke abgebildet, bei denen dieser ovale Stempel verwendet wurde. Sicher nichts ungewöhnliches; die Verwendung dieses Stempels durch das PA Elmshorn erhöht allerdings sicher die Verwechslungsgefahr mit einer Barfrankierung.

Im Michel-Ganzsachen sind auch die lokalen Ganzsachen-Notmassnahmen aufgelistet, wie es Nigel schreibt. Auch bei denen gibt es eine erhebliche Verwechslungsgefahr mit den wesentlich weniger gesuchten und daher billigeren Barfrankierungen.

Arno
 
dionysus Am: 21.03.2009 15:48:12 Gelesen: 6090# 5 @  
@ Carolina Pegleg [#17]

bei dieser ausführlichen Antwort bleibt kein Wunsch offen. Danke.

Für 1,20 € aus der Belegekiste meines Stammtrödlers habe ich hier also nichts verkehrt gemacht.

Da das Stück nach Göttingen gelaufen ist kommt es auch mit in meine Heimatsammlung.

Liebe Grüße,
Maico
 
Carolina Pegleg Am: 21.03.2009 15:48:57 Gelesen: 6089# 6 @  
Vielleicht noch Ergänzung:

Der Unterschied zwischen einer lokalen Notausgabe und einer Barfrankierung ist, dass im dem einen Fall lokal hergestellte Postkarten-"Formulare" mit Freimachungsvermerken am Schalter verkauft wurden. Die Gebühr wurde also vom Kunden im voraus entrichtet. Bei den Freimachungsvermerken gibt es eine grosse Vielzahl von Varianten, handschriftlich, alle Arten von Stempeln etc.

Bei Barfrankierungen wurde das Beförderungsentgelt an Ort und Stelle bei der Aufgabe am Schalter, also nicht im voraus, entrichtet. Die Unterscheidung ist im Einzelfall wohl recht schwierig, worauf im Vorwort zu diesen Ausgaben im Michel eingegangen wird.

Edit:

Oben habe ich für die Doppelabstempelung vermutet "Hintergrund m.M. in der fälschungsanfälligen Ausführung dieser Karten." Ich habe noch einmal im Katalog geblättert und habe nun folgende bessere Erklärung für die Einführung der Massnahme.

Die ersten Ganzsachenausgaben in der Britischen Zone waren Aufbrauchsausgaben, bei denen der Adolf-Wertstempel auf noch vorhanden Ganzsachenkarten des Deutschen Reichs unkenntlich gemacht wurde. Die Stempelung bei Abgabe des Publikums diente bei diesen Karten also dazu zu verhindern, dass nunmehr ungültige Karten (unkenntlich gemacht) aus Publikumsbeständen in den Poststrom einfliessen könnten. Als dann die ersten behelfsmässigen neu hergestellten Karten (Beispiel oben) an den Schalter kamen, ging es mit der Stempelung einfach so weiter. Die Anordnung scheint nicht widerrufen worden zu sein.
 
dionysus Am: 21.03.2009 18:14:55 Gelesen: 6067# 7 @  
@ Carolina Pegleg [#6]

Danke für diese interessante Ergänzung. Das macht natürlich Sinn.

Gruß
Maico
 
Stempelwolf Am: 21.03.2009 23:57:37 Gelesen: 6031# 8 @  
@ Carolina Pegleg [#17]

Im Michel-Ganzsachenkatalog 2007 ist das jetzt die Michelnummer 764I. Der Wert und alles andere ist gleich geblieben.

Beste Grüße
Wolfgang
 
dionysus Am: 04.08.2009 09:20:50 Gelesen: 5831# 9 @  
Hallo allerseits,

mal wieder ist mir eine Karte aus der Nachkriegszeit untergekommen.

"Köln h1n 9.6.45 17-18" dazu Einzeiler "Köln 6"

Ich gehe davon aus, dass die 6 im Stempel als Wertangabe zu deuten ist. Handelt es sich bei dieser Karte aber um eine Behelfsganzsache oder um eine Barfrankatur?



Vielen Dank für eure Hilfe vorab.

Mit lieben Grüßen
Maico
 
Tom3596 Am: 04.08.2009 12:16:57 Gelesen: 5818# 10 @  
@ dionysus

Laut Richter ein Notstempel mit dem Vermerk "ohne Freimachung eine Behelfs Ganzsache?".

Also warten bis neue Erkenntnisse darüber veröffentlicht werden.

gruß
Tom
 
Postgeschichte Am: 04.08.2009 13:09:29 Gelesen: 5813# 11 @  
@ dionysus [#9]

Zur Klassifizierung als Behelfsganzsache fehlt ein wesentlicher Bestandteil, der bei den im Michel-Ganzsachenkatalog aufgenommenen Ganzsachen vorhanden ist, der Freivermerk. Dieser lautet in allen Fällen "Gebühr bezahlt", "Bezahlt", "Freigebühr vorausbezahlt" u.ä.

Dieses Merkmal fehlt bei Deiner Ganzsache. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Reichspostdirektion (RPD Köln) von der allgemeinen Handhabung abgewichen ist und einen Freivermerk mit der Bezeichnung "Köln 6" angeordnet hat. Dies müsste durch Studium der Vorschriften und Anweisungen der RPD Köln noch erforscht werden. Bis dahin ist davon auszugehen, daß es sich nicht um eine Behelfsganzsache handelt.

Befindet sich auf der Rückseite Text?

Gruß
Manfred
 
dionysus Am: 04.08.2009 13:31:23 Gelesen: 5808# 12 @  
Hallo,

einen Freivermerk hab ich halt auch vermisst.

Die Rückseite der Karte ist im übrigen unbeschriftet.

Ich danke euch schon einmal für die Annäherungsversuche.

Lieben Gruß
Maico
 
doktorstamp Am: 04.08.2009 16:34:23 Gelesen: 5794# 13 @  
@ dionysus [#9]

Ich kann Euch mitteilen eine unbekannte Sammlung, zu jener Zeit und kurz danach zusammengetragen ist jetzt in dem Besitz eines Forschers.

Natürlich wird es eine Weile dauern eher die Sammlung bearbeitet worden ist, aber sie wird sicherlich neues Licht auf dieses Thema werfen.

mfG

Nigel
 
petzlaff Am: 23.01.2010 13:41:11 Gelesen: 5304# 14 @  
"Gebühr Bezahlt" Belege 1945

Hallo zusammen,

eigentlich ist das überhaupt nicht mein Sammelgebiet, deswegen mag dem Einen oder Anderen meine Frage banal oder überflüssig erscheinen. Und - mein Deutschland Briefe-Katalog ist auch schon 20 Jahre alt. :-(

Kann mir jemand sagen, in welcher Sammlergunst derzeit solche Belege stehen? Es geht mir nicht um irgendwelche Katalogwerte, sondern einfach nur um eine Einschätzung.

Der Beleg bleibt auf alle Fälle wie manch anderer ähnlicher bei mir in der Kiste.




Vielen Dank für eure Antworten

LG, Stefan
 
doktorstamp Am: 23.01.2010 16:03:38 Gelesen: 5293# 15 @  
@ petzlaff [#14]

Hallo Stefan

Solche Belege werden oft aber nicht unbedingt in der Rubrik Notmaßnahmen gesammelt. Wie man aus der Geschichte weis lag Deutschland in Schutt und Asche, viele Teile waren "abgeschnitten" bzw. die Verteilung von Briefmarken war mangelhaft, oder in Ermangelung bestimmte Werte wurde Zugriff an Barmaßnahmen gemacht.

mfG

Nigel
 
petzlaff Am: 23.01.2010 16:33:17 Gelesen: 5289# 16 @  
Hallo Nigel,

der geschichtliche und auch philatelistische Hintergrund derartiger Belege ist mir schon klar.

Was mich interessiert ist, auf welches Interesse derartig (häufige) Notmaßnahmen-Belege heutzutage noch stossen.

Eine ähnliche Frage schließt sich direkt an: Was ist mit Behördenpost des Deutschen Reichs vor Ausgabe von Dienstmarken (Stempel "Frei laut ..." ohne Marke) im selben Sinn der Frage. Die Kataloge äußern dafür wie bei obigen Beispielen bis auf eine Fußnote eigentlich nur Ignoranz und suggerieren damit erst einmal grundsätzliches philatelistisches Desinteresse (manch einer mag das sogar als "Minderwertigkeit" auffassen) an derartigen Belegen.

LG, Stefan
 
doktorstamp Am: 23.01.2010 17:06:10 Gelesen: 5277# 17 @  
@ petzlaff [#16]

Neulich ist eine solche Notmaßnahmensammlung von einem Bekannten gekauft worden. Da er bereits schon einiges geschrieben hat, ist auch hier mit einem Buch zu rechnen. Als er vor dem Erwerb die Sammlung besichtigte war ihm klar, daß diese Sammlung in der Lage sei einiges ungeklärtes aufzuhellen.

Was das philatelistische Interesse an solches betrifft, ist es wahrscheinlich nicht zu groß, ist aber von Bedeutung. Warum es anscheinend verpönt wird, die Nachfrage scheint relativ gering zu sein, mag doch ihre Grunde haben.

Postsachen der Nachkriegszeit zählen zu den Seltenheiten dieser Zeit, vor allem NN. Dienstbriefe dürften auch nicht mehr in Hülle und Fülle überliefert seien.

mfG

Nigel
 
wuerttemberger Am: 29.01.2010 18:14:47 Gelesen: 5163# 18 @  
@ petzlaff [#16]

Eine ähnliche Frage schließt sich direkt an: Was ist mit Behördenpost des Deutschen Reichs vor Ausgabe von Dienstmarken (Stempel "Frei laut ..." ohne Marke) im selben Sinn der Frage. Die Kataloge äußern dafür wie bei obigen Beispielen bis auf eine Fußnote eigentlich nur Ignoranz und suggerieren damit erst einmal grundsätzliches philatelistisches Desinteresse (manch einer mag das sogar als "Minderwertigkeit" auffassen) an derartigen Belegen.

Immerhin ist eine Fußnote im Katalog. Ansonsten widmet sich der Katalog voll und ganz seinem angegebenen Thema: Die Bewertung von Marken auf Brief.

Diese Woche konnte ich durch eine Spende mehrere Neuzugänge in unserer Vereinsbibliothek verbuchen. Unter anderem von Hans-J. Richter; Barfrankaturen in den vier Besatzungszonen Deutschlands und in Berlin 1945-1949; Selbstverlag Braunschweig 2000.

Darin ist Dein Beleg mit DM 3.- bewertet.

Es gibt doch etliche Sammler - hauptsächlich Heimatsammler - die diese Belege intensiv sammeln. Da werden auch schon mal dreistellige Eurobeträge für seltenere Stücke locker gemacht. Eine Ignoranz vermag ich darin nicht zu erkennen.

Gruß

wuerttemberger
 
1936manfred Am: 08.02.2010 16:43:12 Gelesen: 5073# 19 @  
Hallo,

wozu gibt es eigentlich eine "zuständige" Arbeitsgemeinschaft?

Sie firmiert unter DEUNOT und hat auch eine eigen Homepage. Also schnell drauf klicken, weiterleiten und fragen, vielleicht sogar Mitglied werden?

1936manfred
 
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