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Thema: Rumänien: Marken echt oder falsch ?
Das Thema hat 126 Beiträge:
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Gerhard Am: 23.03.2017 19:20:02 Gelesen: 8947# 102 @  
@ 10Parale [#101]

Hallo 10Parale,

das sieht alles soo sauber aus, das muß ja eigentlich falsch sein - würde ich spontan sagen. Allerdings bin ich kein Spezialist hierfür und wie bereits in einigen threats erwähnt, das "Fühlen" des Papiers ist, wie manches Andere, am Bildschirm nicht möglich.

Bin gespannt was hierzu noch rauskommt, wie alle Eintragungen zu dem Thema, die ich regelmäßig mit Interesse und Freude verfolge.

MphG
Gerhard
 
Heinz 7 Am: 23.03.2017 22:08:06 Gelesen: 8930# 103 @  
@ 10Parale [#101]

Lieber Freund,

von dieser Marke (Mi 91) gibt es ebenfalls Ganzfälschungen, das ist auch bei Michel vermerkt. Bei Stiedl/Billig sind Fälschungen abgebildet. Entscheidend ist aber meines Erachtens der Hinweis im CMPR; da steht, dass die Marke in Bogen von 130 Marken hergestellt wurde (seltsame Anzahl).

Deine 25er-Bogen erinnern fatal an die SPIRO-Fälschungen, die ja auch in 25-Bogen hergestellt wurden. Dazu kommen die wohl maschinell angebrachten, regelmässigen Abstempelungen "23. MAI".

Kurzum: Ich halte diesen Bogen für eine Ganzfälschung.

Sorry!

Heinz
 
10Parale Am: 24.03.2017 19:44:09 Gelesen: 8848# 104 @  
@ Heinz 7 [#103]

Kurzum: Ich halte diesen Bogen für eine Ganzfälschung.

Ja, so dachte ich auch von Anfang an und du gibst den entscheidenden Hinweis. Die echten Marken können nur von dem Bogen mit 130 Marken stammen.

Aber das Papier sieht hervorragend echt aus und fühlt sich auch so an, also ich bringe mal einen Bogen mit nach München zu unserem Treffen.

Nun lassen sich manche Sammler ja klassische Fälschungen einhergehen. Während moderne Fälschungen lediglich dem Zweck dienen, den Dummen, Unwissenden an der Nase herumzuführen, um Ihn um ein paar Groschen aus der Tasche ziehen, dokumentieren diese klassischen Fälschungen etwas anderes, was ich nicht so einfach in Worte fassen kann.

Liebe Grüße

10Parale
 
Heinz 7 Am: 25.03.2017 12:38:59 Gelesen: 8795# 105 @  
@ 10Parale [#104]

Lieber Freund,

die in Beitrag [#101] gezeigte Fälschung ist ein sehr gefährliches Produkt. Wäre die Einzelmarke angeboten, hätte wohl kaum ein Sammler die Marke als Fälschung erkannt; Bild und Stempel sehen meines Erachtens sehr "gut" aus. Bei einer Marke mit einem Katalogwert von weniger als Euro 10 vermutet man auch nicht unbedingt, eine Ganzfälschung anzutreffen!

Früher war es eine schwierige und aufwändige Angelegenheit, eine Briefmarke zu fälschen (Ganzfälschung). Heute, mit den neuen Technologien, ist das viel einfacher/günstiger möglich! Leider scheint es so, dass heute neue Fälscher-Werkstätten rare Briefmarken reproduzieren (z.B. teure Marken aus China). Bei billigen Briefmarken sieht man im Normalfall nicht so genau hin.

Wir wissen, dass im XIX. Jahrhundert sehr viel gefälscht wurde; es gab eine ganze "Fälscher-Industrie". Diese alten Fälscher hatten natürlich dieselben Absichten wie die neuen; man nutzt die Wünsche der Sammler zum eigenen Vorteil aus und betrügt sie. Ob man die Geschädigten als "dumm" bezeichnen soll, ist Ermessenssache. Die Formulierungen "leichtgläubig"/"unwissend"/"unvorsichtig" gefällt mir besser.

"Dumm" finde ich einen Sammler nur, wenn er wirklich namhafte Beträge in Fälschungen versenkt in der Annahme, echte Originale zu kaufen. Oder wenn er allen Ernstes glaubt, eine wirklich teure Rarität für einen Pappenstiel kaufen zu können (siehe z.B. Beitrag [#77]). Sobald ein Kaufpreis für eine Marke eine gewisse Höhe überschreitet, sollte man einen Kauf nur tätigen, wenn man zuvor sich vergewissert hat, dass die Marke echt ist.

Dass auch Fälschungen bei vielen Sammlern eine gewisse "Berechtigung" haben, in die Sammlung aufgenommen zu werden, hat durchaus seine Gründe. Wichtig ist aber, dass man die Fälschungen klar als solche bezeichnet (und am besten auch als solche kennzeichnet! -> siehe Beitrag [#95] und [#97]).

Einige Fälschungen haben auch durchaus "ihren Preis", der kann vor allem bei den berühmten "Speratis" sogar sehr respektabel sein. Einzelne Sperati-Fälschungen kosten durchaus 100-200 Euro! Das darf und sollte aber für eine andere Fälschung nie der Massstab sein!

Interessant war auch das Auktionsresultat bei Köhler, als wieder einmal ein komplettes Album des berühmten Fälschers Fournier verkauft wurde (enthaltend eine riesige Anzahl von Fälschungen und Faksimile). Bei einem Ausruf von 1500 Euro stieg das Resultat auf respektable Euro 4800.

Anbei ein Foto einer Zeitschrift, die Fournier seinerzeit herausgab:



Man sieht also: Das Thema "Fälschungen" hat durchaus seinen Platz in der Welt der Philatelisten. Kenntnisse helfen auch hier vor Schaden!

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Lars Boettger Am: 25.03.2017 19:41:18 Gelesen: 8755# 106 @  
Diese alten Fälscher hatten natürlich dieselben Absichten wie die neuen; man nutzt die Wünsche der Sammler zum eigenen Vorteil aus und betrügt sie.

@ Heinz 7 [#105]

Hallo Heinz,

nach meinem Kenntnisstand haben z.B. die Gebrüder Spiro ihre Nachahmungen nicht als "echte Marken" verkauft, sondern als billige Ersatzstücke zum Einkleben in die Sammleralben. Auch Fournier hat zumindest einen Großteil seiner Ware nicht als echte Marken angeboten. Es fehlte bei beiden die Betrugsabsicht. Der Fall ist heute anders gelagert. Spiro- und Fournierfälschungen werden von unwissenden Sammlern als echte Marken an unwissende Sammler verkauft.

Beste Grüße!

Lars
 
Heinz 7 Am: 26.03.2017 12:22:06 Gelesen: 8686# 107 @  
@ Lars Boettger [#106]

Lieber Lars,

das ist richtig. Es gab früher mehrere Hersteller von Faksimile / Nachahmungen, und wenn sie ihre Produkte so deklarierten, ist dagegen auch wenig einzuwenden. Nur - Du sagst es - die Produkte der Herren Nachahmer wurden dann eben doch sehr oft dazu benutzt, Gutgläubigen echte Raritäten vorzugaukeln. Fournier stellte z.B. solche Nachahmungen her, und sagte dies auch (siehe Beitrag [#105] - seine Zeitschrift). Er bot darin teure/unerschwingliche Marken als Nachahmungen an.

Andere Fälscher betrachteten ihre Erzeugnisse als eigenständige "Kunstwerke". Sperati war zum Beispiel sehr eitel und war angeblich einmal beleidigt, als man Fälschungen von ihm als echte Marken attestierte. Er hat dann auch eigene Erzeugnisse praktisch mit einem Copyright versehen.



Hier zeige ich eine von vier Rumänien-Marken, die Sperati gefälscht hat. Sperati erklärte sie als Kunstwerke. Bei ihm ist aber bekannt, dass er bisweilen "vergass", seine Fälschungen als solche zu bezeichnen. Ich nehme an er hat so betrügerisch Geld erschwindelt.

Beste Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 26.03.2017 14:44:38 Gelesen: 8668# 108 @  
@ Heinz 7 [#107]

Ergänzung zu Beitrag [#107]

Der Einzelabzug der 80 Parale-Ochsenkopf-Marke mag als Kunstwerk durchgehen; man kann ihn eigentlich nicht verwechseln mit einer richtigen Michel Nr. 7, denn die Original-Marke ist rot.

Viel schwieriger wird es, wenn die Fälscher (wie auch Sperati) wirklich täuschend echte Duplikate herstellten und sie ohne Kennzeichnung dem Markt übergaben. Beispiel gefällig?



Die Leser werden mir beipflichten, dass die Marken fast nicht voneinander zu unterscheiden sind. Eine ist aber eine Ganzfälschung! Dem Meister-Philatelisten Robson Lowe war es in erster Linie zu verdanken, dass dieser gefährliche Fälscher Sperati angeklagt und zur Strecke gebracht wurde.

Die Sperati-Produkte wurden dann klar gekennzeichnet und können damit nicht mehr gefährlich werden!



Alle Fälschungen sollten als solche gekennzeichnet werden, um unerfahrene Sammler vor (möglichen) Schäden zu bewahren! So auch die Marke, gezeigt in Beitrag 95. Vielleicht kann sich der jetzige Besitzer der Marke doch noch dazu entscheiden; ich hoffe es.

Heinz
 
Gerhard Am: 27.03.2017 08:27:01 Gelesen: 8626# 109 @  
@ Heinz 7 [#108]

Hallo Heinz,

es kann sich ja eigentlich nur bei der rechten Marke um die Sperati-Fälschung handeln, oder liege ich falsch ?

Super interessant dieser threat, wie so einiges auf unsern liebsten Seiten. Bedanke mich ausdrücklich für den lese- und Betrachtegenuß.

MphG
Gerhard
 
Heinz 7 Am: 29.03.2017 18:30:06 Gelesen: 8476# 110 @  
@ Gerhard [#109]

Hallo Gerhard,

vielen Dank für Deine anerkennenden Worte.

Ja, du liegst falsch! Die linke Marke ist die Sperati-Fälschung! Aber nur sehr wenige Menschen können die guten Sperati-Fälschungen als solche identifizieren. Meines Wissens wurde sogar an der Gerichtsverhandlung (vor mehr als 60 Jahren) von Experten ausgesagt, Sperati-Nachahmungen seien echte Marken! Sperati, in seinem Stolz gekränkt, stellte daraufhin eine neue Fälschung her, um zu zeigen, dass er das kann!

Ich weiss aber nicht, um welche Marke und Nachahmung es sich dabei handelt.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
10Parale Am: 29.03.2017 21:31:48 Gelesen: 8449# 111 @  
@ Lars Boettger [#106]
@ Heinz 7

Es fehlte bei beiden die Betrugsabsicht. Der Fall ist heute anders gelagert. Spiro- und Fournierfälschungen werden von unwissenden Sammlern als echte Marken an unwissende Sammler verkauft

So scheint es. Als ich die "gefährlichen Ganzfälschungen" für ca. 4,-- Euro pro Stück bei einem eBay-Händler erwarb (meines Wissens nach bot er auch ungestempelte 25-er Blocks der Marke an, die ich jedoch verpasste), trieb mich eher die Neugier als das Unwissen. Ich gehe nicht einmal davon aus, dass der Händler weiß, dass es sich um Ganzfälschungen dreht.

Nun gut, sie sind in meiner Hand und ich habe Sie schon dementsprechend gekennzeichnet. Eine so schöne Reproduktions-Kennzeichnung, wie sie Heinz7 uns in Beitrag [#108] zeigt, haben sie jedoch nicht.

Liebe Grüße

10Parale
 
Heinz 7 Am: 30.03.2017 21:18:35 Gelesen: 8381# 112 @  
@ 10Parale [#101]

Die Jubiläumsausgabe war offenbar ein beliebtes Objekt für Fälscher, was eigentlich erstaunt, da die Marke nur 3 Tage gültig war.

Anbei ein "Nachdruck", zueinander kopfstehend gedruckt. Für welche Zwecke wohl?



Freundliche Grüsse

Heinz
 
10Parale Am: 31.03.2017 19:21:58 Gelesen: 8318# 113 @  
@ Heinz 7 [#100]

Die Cuza-Marken wurden auf folgenden drei Papiersorten gedruckt:

1. gewöhnliches, weißgelbes Papier
2. senkrecht gestreiftes, weißes, dickes Papier
3. bläuliches Papier

Zum ersten Mal wurde auf das Ausgabeland Rumänien hingewiesen (Posta Romana). Die Moldauausgaben und die Ausgaben der Vereinigten Fürstentümer geben keinen Hinweis auf das Ausgabeland.

Die Marken bedienten den neuen Posttarif ab 1. Januar 1865.

- Ortsbriefe 5 Parale
- für jede Entfernung innerhalb des Landes bis zum 15 gramm = 20 Parale (Gewichtsstufen je 15 gramm)
- Drucksachen im Kreuzband 2 Parale für je 15 gramm für alle Entfernungen im Lande

Val. Tebeica weist in seinem Werk "Die ersten rumänischen Postmarken" darauf hin, dass seit der Einführung der Ochsenköpfe 1858 die Gebühren innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne 3 x herabgesetzt wurden. Ein bestimmter Brief, der zu Anfang der Briefmarkenzeit 54 Parale gekostet hatte, wurde nun mit 20 Parale freigemacht.

Es kam hinzu, dass die rumänische Post nun am 1. Januar 1865 vom julianischen zum gregorianischen Kalender wechselte. Tebeica weist wiederum darauf hin, dass daher Briefe mit einem Stempeldatum vom 01. - 12. Januar 1865 als eine Fälschung betrachtet werden müssen.

Das heißt, im chronologischen Verlauf springt das postalische Stempeldatum vom 31. Dezember 1864 direkt auf den 13. Januar 1865 über. Das erste schwarze Loch in der Geschichte der Philatelie. Stephen Hawking wird es freuen.


Wie schon oft im Forum erwähnt, ist ein Scan leider nicht in der Lage, das Papier genau darzustellen.

Ich zeige hier eine 5 Parale Marke mit dem relativ selteneren weißen, gestreiften, senkrechten Papier. Die Farbe ist nicht tiefblau und die Echtheitsmerkmale sind vorhanden. Im Michel Katalog wird diese Marke mit 120,-- Euro ungebraucht bewertet.

Original gestempelt (Ortsbrief) sind diese Marken etliches mehr wert.

Liebe Grüße

10Parale


 
10Parale Am: 03.04.2017 21:47:22 Gelesen: 8177# 114 @  
@ Heinz 7 [#112]

Ja, es ist traurig, aber wir Sammler kommen an den Fälschungen und ihrer über 100-jährigen Tradition wohl nicht vorbei.

Ich habe einen interessanten Anbieter bei eBay entdeckt, der teilweise sehr gute Stücke verkauft. Wenn ich etwas von ihm kaufe, schickt er mir immer sozusagen "gratis" als Zugabe ein paar Fälschungen mit. Ich erkenne sie auf den "ersten Blick" daran, dass sie auf der Rückseite handschriftlich mit fake bezeichnet sind. Ich kann über die Gründe nur spekulieren.

Ich zeige hier solch ein Stück. Wären die Marken oder der Stempel oder beides echt, wären sie sicher nicht billig zu haben.

Wir könnten hier auch einen Querverweis machen zum Thema "Vom Nutze philatelistischer Literatur". An Hand des Michel-Kataloges finden wir heraus, dass es sich um die beiden Marken Michel Nr. 22 und Michel Nr. 23 aus dem Jahr 1869 handelt. Sie zeigen Fürst Karl I. mit Backenbart.

Die Marken sind farblich sehr gut gemacht, das blutrot der 15 Bani ebenso wie das blau der 10 Bani Marke. Vergleicht man dann aber die einzelnen Plattenmerkmale, wie sie z.B. Kiriac Dragomir im CMPR darstellt (Seite 97 für die 15 Bani blau), erkennt man schnell, dass es sich um gefälschte Marken handelt. Die Buchstaben und Zahlen und Linien sind einfach zu glatt und nahtlos, wenn man die Lupe zur Hand nimmt.

Viel interessanter ist jedoch ein anderes Verhältnis, welches die Fälschung enttarnt:

Der Stempel ist von BRAILA und lt. Kiriac Dragomir handelt es sich um den Stempel A62 fig. 368 mit Agraffe (Seite 97)

Dieser Stempel mag nicht gefälscht sein, jedoch war seine Verwendungszeit vom 01.07.1862 - 14.04.1868. Da die beiden Marken, mit denen der Stempel abgeschlagen wurde, erst 1869 erschienen, liegt hier eindeutig eine Fälschung vor.

Ich finde es ist eine sehr gefährliche Fälschung. Ich gebe zu, dass ich diese Fälschung nicht so einfach erkannt hätte.

Hier zeigt sich wie wertvoll philatelistische Literatur ist. Hier zeigt sich aber auch "Augen auf beim Kauf". Diese Fälschung wandert wieder in mein Fake-Album.

Liebe Grüße

10Parale


 
Heinz 7 Am: 04.04.2017 14:20:18 Gelesen: 8134# 115 @  
@ 10Parale [#114]

Lieber Kollege,

es ist wirklich alarmierend, was an Fälschungen alles existiert und auf dem Markt "herumfloated". Das oben gezeigte Stück sieht wirklich gut aus, mehr als 9 von 10 Sammlern würden dieses Fragment wohl ohne Bedenken für ihre Sammlung akzeptieren. Auch in der Riesen-Sammlung, die von David Feldman 2016 verkauft wurde, existierten Fälschungen zuhauf. Wenn man nicht weiss, wer diese Dinger kauft, muss man befürchten, dass sie über kurz oder lang wieder auftauchen - und wer weiss, wie viele Stücke dann plötzlich "echt" "geworden" sind?

Ich wundere mich seit Langem, dass die Sammlerverbände und Arbeitsgemeinschaften und Prüferverbände nicht energischer gegen Fälschungen vorgehen. Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass sich "niemand die Finger verbrennen" will. Die Kenntlichmachung einer Fälschung muss wohlüberlegt und RICHTIG sein, und das geht nur mit Fachwissen und grosser Arbeit, welche natürlich auch entschädigt werden muss. Dass (fast) niemand gerne Geld ausgibt, um Fälschungen zu entlarven, zu kennzeichnen und "ausser Betrieb" zu nehmen, ist nachvollziehbar.

Dennoch wäre es mehr als nur hilfreich, es wäre vielleicht sogar dringend NÖTIG, dass der Fälschungsbekämpfung mehr Gewicht beigemessen würde.

Auch ein Rätsel ist mir, warum wir so wenig über die Prüfungsbefunde all der Experten von früher wissen. Die meisten Atteste scheinen spurlos verschwunden zu sein, besonders die kritischen. Ich würde mir wünschen, dass die Prüfer nach Beendigung ihrer Karrieren ihre Archive (bzw. Kopien der Prüfungsbefunde) der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, als Info-Datenbank. Wenn es "zentrale Fälschungs-Register" gäbe, die einsehbar wären, würden wohl viele Sammler vor Schaden geschützt.

Es gibt zudem Sammler, die wenig überlegen, und bestehende Atteste wegwerfen! Argument: das Attest kann nur zum Zeitpunkt der Erstellung 100% gültig sein; insbesondere die Erhaltung kann einen Tag später schon überholt sein: eine Marke bekommt, neu, einen Bug, oder eine postfrische erleidet einen Gummischaden und gilt nicht mehr als postfrisch, usw. - Dennoch sollte ein Attest, das zu der Echtheit des Stückes, des Stempels, der Verwendung (auf Brief oder Ganzsache), Stellung nimmt, niemals weggeworfen werden. Kommt ein anderer Prüfer zu anderen Schlüssen, sollte dies auch nachvollziehbar dokumentiert sein. Erst so wachsen tiefere Kenntnisse.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Lars Boettger Am: 04.04.2017 16:31:27 Gelesen: 8104# 116 @  
@ Heinz 7 [#115]

Ich wundere mich seit Langem, dass die Sammlerverbände und Arbeitsgemeinschaften und Prüferverbände nicht energischer gegen Fälschungen vorgehen. Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass sich "niemand die Finger verbrennen" will. Die Kenntlichmachung einer Fälschung muss wohlüberlegt und RICHTIG sein, und das geht nur mit Fachwissen und grosser Arbeit, welche natürlich auch entschädigt werden muss. Dass (fast) niemand gerne Geld ausgibt, um Fälschungen zu entlarven, zu kennzeichnen und "ausser Betrieb" zu nehmen, ist nachvollziehbar.

Hallo Heinz,

nach über zehn Jahren Erfahrung in der Fälschungsbekämpfung kann ich Dir mein Fazit geben: Solange die Sammler immer noch mit wenig Geld versuchen, Ihre Vordruckalben zu füllen, so lange es keine Handhabe gegen Fälschungsangebote bei eBay, bei Händlern und bei Auktionatoren gibt, so lange wird es immer reichlich Fälschungen geben.

Konrad Kramer führt für den BDPh einen Kampf gegen die Windmühlen bei Ebay. Er kann hier nur Angeboten auf der deutschen Ebay-Seite nachgehen. Staatsanwälte und Polizei weigern sich, Anzeigen zu verfolgen: "Sind sie geschädigt?" "Nein." "Dann können Sie auch keine Anzeige machen." Oder auch gerne genommen: "Wie, 10.000 Euro Schaden? Das ist nur ein Bagatelldelikt, das wird sicher eingestellt."

Meine Hoffnung ist nur, dass die Sammler irgendwann einmal klüger werden.

Beste Grüße!

Lars
 
Heinz 7 Am: 04.04.2017 23:17:59 Gelesen: 8050# 117 @  
@ Lars Boettger [#116]

Danke, Lars, für Deinen Kommentar.

Es ist mir alles mehr oder weniger bewusst, was Du schreibst. Der Weg über die Gerichte ist zu aufwändig bzw. kaum jemand nimmt die Arbeit und die Kosten auf sich, um einen Schaden via Rechtsweg geltend zu machen. Der Briefmarken-Marktplatz ist auch ein idealer Tummelplatz für Kleinkriminelle. Fast niemand geht vor Gericht wegen - sagen wir: 2000 Euro Schaden. Aber 100 x 2000 Euro, das lohnt sich dann für einen fiesen Fälscher dann doch.

Dennoch meine ich, man sollte nicht einfach resignieren oder gar nichts machen/versuchen. Jede Fälschung, die z.B. bei der ARGE Rumänien je besprochen wurde und im Fachblatt "Der Rumäniensammler" veröffentlicht wurde, ist mindestens für die Mitglieder der ARGE einmal bekannt. Solche Anstrengungen sind zu loben! Der Leiter der ARGE, Herr Fritz Heimbüchler, hat uns schon viele sehr wertvolle Tipps und Dokumentationen mitgegeben.

Super wäre es, wenn die Prüfer- und Sammlerverbände "zentrale Fälschungs-Register", die einsehbar wären, aufbauen oder unterstützen würden. Da habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Damit die klugen Sammler (die gibt es!) es nicht gar so schwer haben.

Heinz
 
10Parale Am: 20.04.2017 20:10:30 Gelesen: 7097# 118 @  
@ Heinz 7 [#117]

Jede Fälschung, die z.B. bei der ARGE Rumänien je besprochen wurde und im Fachblatt "Der Rumäniensammler" veröffentlicht wurde, ist mindestens für die Mitglieder der ARGE einmal bekannt. Solche Anstrengungen sind zu loben! Der Leiter der ARGE, Herr Fritz Heimbüchler, hat uns schon viele sehr wertvolle Tipps und Dokumentationen mitgegeben."

Das ist sicher ein weiterer Vorteil, wenn man Mitglied einer ARGE ist.

Ich wollte alle Fälschungsinteressenten der rumänischen Philatelie noch auf die kommende Auktion von HARMERS N.Y. aufmerksam machen, die am 12. Mai stattfindet. Ich habe heute erst die 11 Lose entdeckt. Es handelt sich um Fälschungen der "guten Art", wenn man das hier mal so sagen darf. Unter philasearch.com kann man sie gerne betrachten. Es handelt sich meist um wahrscheinlich echt gelaufene Briefe, teils mit falschen Marken, teils mit falschen Stempeln.

Was haltet ihr von solchen Angeboten? Ich finde es wirklich interessant. Die Ausrufe sind moderat oder hoch, wenn man bedenkt, dass es sich um "Great workmanship" (Zitat aus Los 206 - das müsst Ihr euch ansehen!) handelt. Ich denke es handelt sich um Teile einer berühmten Fälschungssammlung, die auch auf Ausstellungen zu sehen war.

Im Scan der Brief, der, - wären die Stempel echt -, nicht zu bezahlen wäre.

Liebe Grüße

10Parale


 
plumps Am: 21.04.2017 09:20:24 Gelesen: 7045# 119 @  
@ 10Parale [#72]

Hallo,

ich habe diese Marken in Rumänien entdeckt und bin nun hier auf diese Seite gekommen - ECHT oder FALSCH - mir stellt sich nun diese Frage. Kann mir hier jemand weiterhelfen ? Könnte auch eine zur genaueren Besichtigung - auf Vertrauensbasis zusenden.

In der Hoffnung auf Klärung meiner Frage grüße ich recht herzlich

plumps




 
10Parale Am: 21.04.2017 22:17:17 Gelesen: 6990# 120 @  
@ plumps [#119]

Ohne Sie enttäuschen zu wollen, denke ich handelt es sich um keine echten Marken der Michel Nr. 10, wobei ich mal auf Markenfälschungen gehe. Die Stempel A65 (für Spezialisten: Kiriac Dragomir Stampilografie Postala fig. 380, fig. fig. 386, fig. 396) von Bucuresci, Craiova und Giurgiu mögen echt sein, aber die Verwendungszeit desselbigen auf diesen Marken spricht gegen einen postalischen oder sonstigen philatelistischen Gebrauch.

Das Papier und die Anordnung und Zeichnung der Marken, - soweit ich auf dem Scan erkennen kann -, sprechen nicht für die Echtheit der Marken.

Abschließend klären lässt sich die Frage nur über die Prüfung über einen anerkannten Prüfer.

Wo haben Sie die Markenbilder denn entdeckt?

Mit philatelistischen Grüßen

10Parale
 
Heinz 7 Am: 22.04.2017 18:59:58 Gelesen: 6931# 121 @  
@ 10Parale [#118]

Das ist ja grauselich! Danke für den Hinweis!

Diese Buntfrankatur 6./7. Ausgabe mit einer Halbierung wäre ein Hammerstück, falls es denn echt wäre. Die Briefmarken (Michel Nr. 22 H, 18 und 20) ergäben eine 35 Bani-Frankatur (wenn die halbierte als 5 Bani-Marke angesehen wird), das Briefstück trägt Stempel von 1872 (BOTOSANI, Dragomir fig. 486), rückseitig ein ähnlicher Ankunftsstempel "ROMAN" (fig. 507).

Was nun aber die Agraffen-Stempel (Gruppe A 65) hier zu suchen hat, weiss nur der Fälscher. Der Stempel ist von 1865, Dragomir listet 51 verschiedene Stempel dieser Gruppe (fig. 371-421), aber ein "STEFANESTI" gibt es dabei nicht. Den Ort "Stefanesci" gibt es zwar mehrfach in Rumänien, aber meines Wissens wurde noch nie dieser Stempel als echt anerkannt. Ich kann leider nicht sagen, ob der Stempel in der ARGE schon einmal besprochen wurde.

Dem Auktionshaus kann man keine bösen Absichten unterstellen, denn der Stempel wird als "forged" bezeichnet. Auch die Beschreibung "Great workmanship" könnte man sogar als "korrekt" bezeichnen, wobei das ist wohl etwas zynisch.

Auktionsbeschreibung:

"Romania, 1869, Prince Carol, 10b blue "bisect" plus 1868-70 3b violet strip of four and 18b scarlet, all tied by forged STEFANESTI 21/1 c.d.s strikes on "1872" cover. Fabulous creation of a great rarity. Great workmanship.
Michel 22a. (Scott 38 var., 34, 36 var). Est. Cash Val. $200 - 300."

Andere Lose dieser Auktion sind um einiges gefährlicher, besonders die Sammellose. Da sieht wohl kaum jemand durch, was da echt ist, und was falsch ... gefährlich... Wir sollten für die ARGE alle Fotos dieser Auktionslose sichern, damit wir gewarnt sind. Wir werden die Prüfer fragen, ob ihnen solche Stücke schon bekannt sind.

Zum Auktionshaus "Harmers International, Inc." ist auch etwas zu sagen, aber das mach ich wohl am Besten unter einem neuen Thema.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 23.04.2017 20:35:30 Gelesen: 6873# 122 @  
@ plumps [#119]

Guten Abend,

mein Sammlerfreund 10 Parale hat recht: Die acht Streifen sind mit Sicherheit nicht echt.

Diese Briefmarkenausgabe wurde in 32er-Bogen herausgegeben (Hand-Einzeldruck) bzw. sogar in 40er-Bogen. Darum stehen die Briefmarken relativ nahe zueinander. Niemals wurde für den Druck von drei Marken so viel Papier verwendet, wie bei Deinen Exemplaren.

Anbei zeige ich einen Originalbogen der Michel Nr. 10. Die Maschinenbogen 1864 wurden noch enger gedruckt (40 Marken auf demselben Papier).



Der Druck der Fälschung ist gut, und auch die Stempel "CRAJOVA", "BUCURESCI" und "GIURGIU" sehen gut aus. Es gibt leider sehr viele gefährliche Fälschungen von Rumänien-Marken und Stempel.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
10Parale Am: 24.04.2017 20:37:42 Gelesen: 6808# 123 @  
@ Heinz 7 [#121]
@ plumps

Zu "Stefanesti":

Zeige hier einen Stempel von Stefanesti. Es müsste sich um einen Stempel B4 handeln, der bei Dragomir allerdings nicht aufgelistet ist (Seite 144).

Datum: 31. Oktober 1903

Er befindet sich auf der Rückseite eines Streifbandes, müsste demnach relativ selten sein.

Liebe Grüße

10Parale


 
Heinz 7 Am: 15.05.2017 21:49:50 Gelesen: 6116# 124 @  
@ 10Parale [#118] und [#123]

In Beitrag [#118] sehen wir einen vermutlich falschen Stempel von Stefanesti. Du zeigst in Beitrag [#123] einen anderen Stempel mit demselben Namen, der echt sein dürfte. Auch ich habe einen Beleg mit einem Stempel "Stefanesti" in meiner Sammlung.



Diese Briefhülle trägt einen Stempel der Stempel-Gruppe "Stampile Rurale Comunale" (RC), ab Seite 174 bei Dragomir "Stampilografie postala 1822-1910". Genau bestimmt habe ich den Stempel noch nicht. Interessant ist auch der zweite Fingerhutstempel "J. MUSCEL, PL. - - -", den ich auch noch nicht genau entziffern konnte. (Ich vermute: Plasa Podgoria).

Das Datum des Stempels wurde handschriftlich korrigiert. MAI 22 83 (oder 86?) wurde korrigiert auf "82".

Vielleicht finde ich dieses Stefanesti auf einer Landkarte. Ich habe ein Stefanesti im Bezirk (Judet) Arges gefunden, aber zum Jud. Muscel fehlen mir im Moment noch die genauen Angaben. Es ist nicht ganz einfach.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 01.09.2017 09:26:11 Gelesen: 1957# 125 @  
@ 10Parale [#77]

Wir haben vor einiger Zeit uns eine falsche 81-Parale-Marke vorgeknöpft [#77]. Ich möchte daran anknüpfen und auf eine weitere Gefahr hinweisen.

Es ist mir einmal passiert, dass ein Händler an einer Ausstellung seelenruhig eine "echte 81-Parale-Marke ungebraucht" angeboten hat. Es ist aber vermutlich der Ausschnitt aus einem Gedenkblock gewesen, den ich andernorts vorgestellt habe (siehe Thema "Gedenkblock Rumänien", Beitrag 10).

Ich zeige extra den Gesamtblock auch hier.



Wenn aus diesem Block die linke Marke ausgeschnitten wird, könnte man dies für eine 81-Parale Marke von 1858 (Michel Nr. 3) halten, und damit für eine sehr teure Weltrarität. Die Farbe sieht täuschend echt aus. Aber immerhin einen deutlichen Unterschied hat die rumänische Post hier 1950 doch eingebaut:

Der Abstand zwischen der Schrift "PORTO SKRISORI" und dem Kreis ist bei der Block-Marke doch markant grösser. Bei der ursprünglichen Marke (1858) berührt die Kreislinie die Inschrift beinahe, während sie bei der Block-Marke aus Block 39 doch deutlich abgesetzt ist. Eine echte Marke ist in Beitrag 124 im Thema "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" gezeigt.

Man kann dem Händler nicht einmal vorwerfen, die Marke sei nicht echt! Es ist ja ein Blockausschnitt eines echten Gedenkblockes! Aber natürlich ist sie als Nr. 3 falsch beschrieben. Und mit (damals) Euro 10'000 auch völlig falsch ausgepreist. Meinen Protest/Hinweis hat der Händler damals lächelnd entgegengenommen aber sein Angebot nicht berichtigt. Vermutlich hat er an der Ausstellung doch noch auf einen Dummen gehofft, der ihm das vermeintliche "Schnäppchen" für Euro 10'000 abkauft.

Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.10.2017 14:43:24 Gelesen: 354# 126 @  
Wenn eine Marke auf Brief sehr selten ist, so wie die 50 Bani-Marke 1872 Notausgabe von Rumänien (Michel Nr. 31), so ist man sehr gespannt, auch wenn "nur" ein Fragment auftaucht.

Dieses gezeigte Fragment sieht sehr gut aus. Die Marke ist echt und das Fragment zeigt den Firmen-Absenderstempel (privat, nicht amtlich) "Isaaco Rottemberg; Galatz", der auch auf anderen guten Rumänien-Briefen anzutreffen ist.

Auch der Stempel sieht gut aus (der atttraktive Agraffenstempel von Galatz).



Das Formular für Gebote ist schon fast unterschrieben, da schauen wir nochmals genau hin. Und wir (bzw. ich) zerreisse das Gebotsformular wieder.

Der Stempel GALATI 21/12 sollte auf dieser Marke nicht vorkommen, bzw. die Gültigkeit der Marke Mi. 31 war im Dezember 1872 nicht mehr gegeben. Bestimmt wusste man dies bei Isaaco Rottemberg. Hat man es trotzdem versucht, und ist der Brief (nun: Fragment) durchgeschlüpft?

Wir wissen es nicht. Aber für ein so grosses Fragezeichen sind (mir) Euro 600 Ausruf plus Zuschlag plusplusplus dann doch eindeutig zu viel.

Rekap: (meine Einschätzung)
Marke echt
Briefstück echt
Stempel echt (?)
Verwendung: fraglich (jedenfalls nicht ordnungsgemäss)

Es ist meines Erachtens sehr unwahrscheinlich, dass dieser Stempel aus den Sechziger-Jahren 1872 nochmals zur Verwendung kam. Dazu noch auf einer Marke, die gar nicht mehr gültig war? - Au weia! Denkbar wäre, dass dies eine Gefälligkeitsabstempelung des Postbeamten war; das wäre natürlich hoch-problematisch für Rumänien-Sammler.

Wer kennt ähnliche Fälle aus Galatz ? Nor42 ?

Heinz
 

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