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Thema: Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt
Das Thema hat 193 Beiträge:
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Heinz 7 Am: 11.07.2017 23:11:30 Gelesen: 1910# 169 @  
@ Heinz 7 [#164]
@ Heinz 7 [#167]

In Beitrag [#164] und [#167] zeigte ich die zwei vielleicht "besten" Briefe der ganzen Welt. Vielleicht ist der folgende der drittbeste?

Theodor Haas bewertete 1905 die Moldau-Erstausgaben wie folgt:

Platz 6 - Moldau Nr. 3 (81 Parale)
Platz 18 - Moldau Nr. 1 (27 Parale)
Platz 19 - Moldau Nr. 4 (108 Parale)



Auf diesem einmaligen Brief sind gleich drei Weltraritäten vereinigt! Von der 81 Parale-Marke gibt es sonst keine Briefe (nur eine Handvoll Fragmente), also eine atemberaubende Seltenheit.

Über den Wert dieses Briefes müssen wir uns keine Gedanken machen: der Brief ist nicht verkäuflich! Er schmückt das Museum für Kommunikation in Berlin.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.07.2017 12:59:15 Gelesen: 1791# 170 @  
@ Beitrag [#48]

Die USA hat gleich mehrere sehr bekannte und teure "Kopfstehende Marken", über die wir hier oder im Thema "Kopfstehende Marken" berichtet haben. Gleich drei solcher Kopfsteher gab es bei der Serie von 1859, als folgende Wertstufen versehentlich auch mit kopfstehendem Mittelstück gedruckt wurden:

15 Cents
24 Cents
30 Cents.

Alle drei Marken waren bereits bei Schubert 1913 (Senf 1912) hoch bewertet und brachten es auf Platz 18 (30 Cents) bzw. 92 (15 Cents) und 92 (24 Cents).

Ich habe in Beitrag 48 eine 15 Cents Marke gezeigt, Merkuria im Thema "Kopfstehende Marken" die Werte 15 und 24 Cents (Beiträge [#209] und [#233]).

Die zugrunde liegende Marke ist übrigens wunderschön und war eine graphische Herausforderung für den Produzenten (ein Bild mit ca. 40 Personen!).



Vom 24 Cents -Wert existiert übrigens ein Viererblock, der es zu Weltruhm gebracht hat. Es ist der einzige Viererblock und war das Vorzeigestück der Sammlung Crocker, die 1938 verkauft wurde (Harmer Rooke London). Längere Zeit galt dieser Viererblock als "teuerste Einheit der USA".

Dieser Viererblock zierte auch die Sammlung von Ryohei Ishikawa, der, wie sein Landsmann Kanai, auch mehrere Grand Prix gewinnen konnte mit diversen Exponaten. 1993 wurde seine USA Sammlung 1847-1869 verkauft bei Christie's New York. Unser 24 Cents-Viererblock war das Titelfoto auf dem Umschlag.



Der Viererblock trägt etwas schwere Stempel, darum habe ich auch die Grundmarke gezeigt, damit die Schönheit der Marke erkennbar ist.

In dem Verzeichnis von Life (siehe Beitrag 155) war dieser Viererblock 1954 übrigens das DRITTHÖCHST-BEWERTETE STÜCK weltweit (!!), noch vor dem Mauritius-Post-Office-Bordeaux Brief (Beitrag 164) oder dem Hawaii-Dawson Brief (Beitrag 161,162,167+168) oder dem Baden-Fehldruck (Beitrag 152)! Die drei letztgenannten Briefe haben alle schon Ergebnisse von mind. CHF 2'000'000 eingespielt.

Ganz so teuer war der 24 Cents-Viererblock 1869 meines Wissens nie, erreichte aber z.B. bei der Crocker-Auktion (1938) einen sehr hohen Preis und war darum 1954 so hoch geschätzt.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.07.2017 19:00:19 Gelesen: 1718# 171 @  
@ bignell [#165]

Hallo Harald,

welche WIPA meinst Du denn? Da gab es mehrere. Wien 2008?

@ muemmel [#166]

Danke!

@ [#170]

Die Auktion Ishikawa USA war sehr umfangreich, 746 Lots! Das allerletzte Los war der 1869-Inverted-Viererblock. Der untere Schätzpreis (Startpreis?) lag bei US$ 750'000.

Wenn wir die Liste der erzielten Preise studieren, wird uns schwindelig, so viele sechsstellige Resultate wurden damals erzielt. Aber "unser" Los 746 löste keine Bieterschlachten aus, im Gegenteil - es blieb ziemlich lange liegen. Schliesslich wurde es zu 60 % des unteren Schätzpreises zugeschlagen: Hammerpreis: US$ 450'000 + 10 % Zuschlag.

Man kann vielleicht von einem "Schnäppchen auf sehr hohem Niveau" sprechen? Aber eins ist klar: Der Block, der 1954 als "Nummer 3 weltweit" eingeschätzt war (Life), hat seine "besten Tage" hinter sich. 1993 wurden vor allem schöne/seltene Frankaturen hoch bezahlt. Ich komme später auf diese Auktion zurück. Das Gesamtresultat lag hoch. Der Auktionskatalog ist eine wunderbare Dokumentation einer grossartigen Sammlung USA 1847-1869.

Ein hohes Resultat erreichte Scott Nr. 2 als Sechserblock:



Der Block erzielte einen Preis von US$ 420'000 plus 10 %, das war 20 % mehr als geschätzt. Eine Einzelmarke ist nicht teuer, aber der einmalige Sechserblock lockte mehrere Sammler sehr. Nur einer konnte gewinnen, zu einem hohen Preis.

Heinz
 
bignell Am: 12.07.2017 19:49:08 Gelesen: 1705# 172 @  
@ Heinz 7 [#171]

Hallo Heinz,

ja genau, WIPA08.

Lg, harald
 
Heinz 7 Am: 13.07.2017 13:02:54 Gelesen: 1592# 173 @  
@ BD [#2]

In diesem Thema haben wir bereits eine stattliche Zahl von Weltraritäten vorgestellt, und zwar gibt es noch einige Lücken in der Reihe "der Besten", aber von denjenigen Marken/Briefen/Einheiten, die weltweit anerkannt zu den berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt zählen, haben wir doch schon viele aufgelistet und vorgestellt in Wort und Bild.

Eine grosse "Nummer" fehlt aber gewiss noch!

Eine klassische Marke von 1855, die schon im XIX. Jahrhundert klar als grosse Seltenheit galt, soll nun besprochen werden. Auf der Liste von Schubert 1913 ist sie aber ebenso wenig enthalten wie in der Liste Haas 1905! Warum? Die Antwort für Schubert 1913 kennen wir (keine Bewertung der Marke im "Senf 1912"), und Haas nahm die Marke nicht auf seine Hauptliste, weil die Marke eine Abart, ein Farb-Fehldruck, ist (siehe Beitrag 150).

1855 gab Schweden eine Reihe von 5 Marken heraus in der Währung Skilling: Nominalen: 3, 4, 6, 8, 24. Die erste Marke hatte die Farbe grün



Es gibt diese Marke aber auch in gelb, der Farbe der 8-Skilling Marke!



Bis heute hat man immer nur dieses eine Stück gekannt! Die Marke wurde von einem Schuljungen 1885 gefunden! Es ist verständlich, dass der "König der Briefmarkensammler", Philipp la Renotière von Ferrary, diese Marke jagte und sie offenbar 1894 erwerben konnte. Ferrary soll 1894 ca. GB£ 400 für die Marke bezahlt haben. Sie schlummerte dann 28 Jahre in seiner Sammlung, bis diese im Juni 1922 versteigert wurde.

Der Zuschlag erfolgte damals bei FRF 30'000 + 17.5 % Zuschlag, was damals ein hohes Ergebnis war, aber nicht für ein Top-50-Ergebnis der Ferrary-sales ausreichte. Umgerechnet soll das Ergebnis 1922 knapp GB£ 700 erreicht haben (Info gemäss Auktionskatalog).

Nach 1922 gab es dann in relativ kurzer Zeit einige Handwechsel, bis das Stück schliesslich beim König von Rumänien (Carol II.) landete. Er bezahlte auch einen königlichen Preis für die Marke, und sein "Nachfolger", René Berlingin, sehr vermögend, wird dies 1950 vermutlich noch "getoppt" haben (müssen).

Jedenfalls galt die Marke unter den Raritätenhändlern nun sehr viel! Das zeigt auch der "LIFE"-Artikel (Beitrag 155), als die Marke als viert-teuerste philatelistische Rarität galt, gleich hoch wie der Mauritius-Post Office-Bordeaux-Brief (Beitrag 164)!

Grosses Aufsehen erregte die Marke dann 1984, als David Feldman (damals noch in Zürich) die Marke versteigern durfte. Sie erzielte die damals sehr stolze Summe von CHF 850'000 + 15 % = CHF 977'500. In den letzten 30 Jahren wurde die Marke dann einige Male an Ausstellungen gezeigt oder bei Auktionen angeboten. Seit 2013 ist sie Prunkstück in der Sammlung von Herrn Gustaf Douglas.

Dieser einmalige Fehldruck hat also anfangs XX. Jahrhundert eine deutlich weniger prominente Rolle eingenommen als hundert Jahre später. Sie zählt heute zu den Top-Stücken, ähnlich, wie der Baden-Farbfehldruck (Beitrag 152), die (wie erwähnt) bei Schubert 1913 aber bereits an 10. Stelle weltweit gelistet wurde.

Liebe Grüsse
Heinz
 
DL8AAM Am: 13.07.2017 14:58:46 Gelesen: 1559# 174 @  
@ Heinz 7 [#173]

In den letzten 30 Jahren wurde die Marke dann einige Male an Ausstellungen gezeigt

Ja, ja Heinz, ich schon wieder. ;-)

Das war übrigens dieses komische Gelbe aus Schweden [#161], das man auch in NYC bewundern konnte. Leider war das genau die Reihe, die mit zwei Wachleuten, je vorne und hinten, damit hier bloss keine Fotos gemacht wurden. Sonst durfte man ja alles knipsen. Schade. Ich hatte die gelbe Tre-Skilling-Banco vorher auch überhaupt nicht auf dem Schirm für New York gehabt, die war irgendwie auch nirgends (?) angekündigt, oder? Sie steckte einfach nur so in der Ausstellungssammlung eines gewissen Gustaf Douglas. [1] ;-) Aufgefallen ist die mir nur, eben weil der zwei "persönlichen" Bodyguards. Glück gehabt. Denn eine "normale" Schwedensammlung wäre mir zwischen all den zig 1000den Rahmen vollkommen untergegangen. Ich möchte nicht wissen, was mir noch so entgangen ist. ;-)

Gruß
Thomas

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Gustaf_Douglas
 
Heinz 7 Am: 13.07.2017 20:00:44 Gelesen: 1486# 175 @  
@ DL8AAM [#174]

Lieber Thomas,

es scheint so üblich, dass gewisse Sammler ihre besonders wertvollen Stücke mit Body-Guards bewachen lassen. Joseph Hackmey machte dies 2008 in Bukarest mit seiner Rumänien-Sammlung so, nun offenbar Gustaf Douglas mit Schweden? - Ob das "nötig" ist, kann ich nicht beurteilen, aber publikumswirksam ist es bestimmt.

Ich freue mich mit Dir, dass Du, wie ich, an Ausstellungen ein paar Highlights suchst und Dich erfreuen kannst an den gezeigten Weltraritäten.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.07.2017 20:53:42 Gelesen: 1468# 176 @  
@ BD [#2]

Bisher habe ich bei der Betrachtung der Studie Schubert vor allem die TEUERSTEN Marken betrachtet. Es ist aber genau so spannend, einmal nach den Stücken zu fragen, die heute nicht mehr so bekannt sind.

In der Liste Schubert sind 101 Marken aufgeführt mit einem Wert von Mk. 750 und mehr (Senf 1912). Einige Länder konnten gleich mehrere Briefmarken unter den ersten 101 platzieren, so auch - -

AFGHANISTAN!

Die Ausgaben von 1875/76 schafften es gleich vier Mal unter die ersten 101! Die (Senf-)Nummern 33, 23, 35 und 34 erreichten Platz 50, 58, 58 und 75!

Ich verstehe von der Afghanistan-Philatelie etwa so viel, wie eine Kuh vom Schlittschuhlaufen. Was tun?

Der Michel Raritäten-Katalog 2010 listet die Nrn. 1-5, 12-50 der Jahre 1871, 1875-1876 auf. Nur drei Marken werden (2010) vierstellig bewertet (Mi 1 I = Euro 1500, Mi 2 II = Euro 1000, Mi 5 = Euro 1400), alle anderen sind unter Euro 1000 bewertet. Hier hat also ein dramatischer Wertverlust zu den Notierungen von Senf 1912 stattgefunden!

Woran das liegt, weiss ich nicht. Natürlich sind fast 40 Jahre Krieg im Land ein wichtiger Grund, aber auch früher schon bestimmten (bei anderen Ländern) oft ausländische Sammler die Geschicke eines Sammelgebietes mit. Viele Bestände befanden sich seit dem XIX. Jahrhundert in Europa, in den USA, und so weiter.



Meine Bibliothek gibt nun auch nicht gerade Dutzende von Hinweisen, wenn ich nach Afghanistan-Sammlungen suche, um vielleicht etwas mehr zu erfahren. Immerhin soviel: 1963 konnte Corinphila ein sehr schönes Angebot von Afghanistan verkaufen; in 123 Losen wurde eine Sammlung Afghanistan 1870-1919 verkauft. Auf der Umschlagsseite des Nachtrag-Kataloges wurde Los 6013 abgebildet: 1871/1872 (1289) Platte V - rekonstruierter Bogen von vier Marken Typen 1-4 bestehend aus zwei waagrechten Paaren 6 Shahi und 1 Rupa, braunviolett (Katalog Masson 4+5). Der Michel-Preis 1963 wurde angegeben mit Deutsche Mark 8'400, der Schätzpreis mit CHF 6'000. Es war das dritt-teuerste Los dieser Sammlung (Schätzpreise).

Wenn ich das richtig sehe, hatten diese 4 Marken 1912 bereits einen Katalogwert von mind. Mk. 1'100.

Die Sammlung gehörte vermutlich Maurice Burrus, so vermutet jedenfalls Herb Trenchard. Siehe sein Artikel in der Philatelic Literature Review zu den "Burrus-Sales".

Dass dieses Gebiet durchaus eine Chance für Sammler ist, möchte ich im nächsten Beitrag zeigen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.07.2017 21:33:14 Gelesen: 1460# 177 @  
@ Heinz 7 [#176]

1997 kam eine weitere Afghanistan-Sammlung zum Verkauf, wieder bei Corinphila (100. Auktion). Die Lose 3495-3585 umfassten mehrere Sammellose, einschliesslich einer internat. Gold-Medaillen Sammlung. Hunderte von Marken und auch einige Briefe waren enthalten. Trotzdem kostete die ganze Sammlung (91 Lose!) nur CHF 30'250 (Startpreise, sauf erreur & omissions).

Das zeigt, dass viele Sammler nicht viel Geld brauchen, um eine grosse Ausstellungssammlung zusammenzustellen. Aber sie brauchen viel Sachverstand. Sammler mit Ambitionen, aber eng beschränkten finanziellen Mitteln, finden immer wieder Gebiete, die noch gut erschwinglich sind, mit denen an Ausstellungen dann aber trotzdem Lorbeeren zu holen sind!

Anbei aber noch ein Rückblick auf vergangene Zeiten.



William Dorning Beckton, FRPSL, RDP, Präsident der Royal London 1929-1931, hatte zweifellos eine der besten Afghanistan-Sammlungen aller Zeiten. Seine Sammlung Afghanistan 1870-1929 wurde 1932 bei Luder-Edelmann versteigert (XXIII. Versteigerung). Sie umfasste 766 Lose (!). Im ausführlichen Vorwort wird viel über die Sammlung gesagt. Sie umfasste grösste Raritäten dieses exotischen Gebietes. Viele ganze Druckbogen und rekonstruierte Platten sind vorhanden und gezeigt. Im Katalog von Luder-Edelmann wurden dafür hohe Wertangaben gemacht ("Price Yvert 1932"). Damals scheinen die Bewertungen noch höher gewesen zu sein. Eine Liste der tatsächlich erzielten Preise habe ich leider nicht.

Das ist alles sehr lehrreich.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.07.2017 22:06:59 Gelesen: 1450# 178 @  
@ Heinz 7 [#173]

Christie's Robson Lowe veranstaltete hoch interessante Spezialauktionen in der Schweiz. So kam am 19.5.1988 in Zürich eine Spezial-Sammlung "Afghanistan" zur Versteigerung, die ich bei unserer "kleinen Afghanistan-Entdeckungsreise" auch vorstellen möchte: die Sammlung von Major Adrian E. Hopkins



Die Sammlung Afghanistan 1839-1848 umfasste auch Vorphila-Belege aus dem ersten Afghanistan-Krieg (Belege 1839-1843) und das Stück auf der Titelseite erinnert uns stark an das Stück "Burrus" aus dem Beitrag 176. Da auch die Beschreibung einigermassen zutrifft, nehme ich an, dass es dasselbe Stück ist! Es wurde zu CHF 5'000 geschätzt und zu CHF 11'000 zugeschlagen (+ 12.5 % Aufgeld = CHF 12'375).

Schön ist auch die Abbildung auf Seite 22 des Auktionskataloges



Hier sehen wir eine Platten-Rekonstruktion. 21 von 24 Marken sind gefunden, nur Position 5,17+19 sind nicht besetzt. Wir sehen da sehr schön, wie auf derselben Platte unterschiedliche Wertstufen gedruckt wurden: Schahi, Senar, Abasi und Rupie; 5 verschiedene Werte wurden auf einem Bogen gedruckt!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.07.2017 22:52:17 Gelesen: 1435# 179 @  
@ Heinz 7 [#176]

Abschliessen möchte ich meine "Afghanistan-Reise" mit einem unerwarteten Fund. Ich suchte, ob ein Sammler mit Afghanistan ganz grosse Ausstellungs-Erfolge erzielen konnte. Und ich wurde fündig!

1976 gewann der Deutsche Horst G. Dietrich mit Afghanistan den Grand Prix International der Ausstellung INTERPHIL 1976 in Philadelphia! Unglaublich, aber wahr!



27 Jahre später wurde die Sammlung verkauft bei David Feldman, Onex (bei Genf). Der Auktionskatalog hilft uns, die Sammlung(en) zu überblicken (vermutlich war in der Auktion mehr als nur die Ausstellungssammlung). Auch die Dietrich-Sammlung startete mit Belegen aus dem ersten Afghanen-Krieg 1839 und sie erstreckt sich bis 1947 (234 Lose).

Die Auktion war auch finanziell ein Erfolg! 19 Mal fiel der Hammer erst bei CHF 10'000 oder mehr! Der höchste Preis wurde erzielt für...

...einen alten Bekannten!



Es ist tatsächlich das Stück Burrus - Hopkins! Beim Corinphila-Katalog 1963 stand auch der Hinweis: "ex Ferrary"!

Feldman war übrigens vorsichtig mit der Schätzung: CHF 8'000 war der Schätzpreis für Los 10132, als der Hammer fiel, stand der Preis bei CHF 40'000 (+ 18% = CHF 47'200).

Jetzt haben wir also doch noch, auch für das XXI. Jahrhundert, einen hohen Preis für ein Afghanistan-Stück gefunden! Es scheint aber so, dass wir, ohne es gestern gewusst zu haben, heute das aktuell beste Stück von Afghanistan kennen. Genau genommen ist es keine Einheit (sondern zusammengesetzt), aber vermutlich bleiben die Stücke jetzt so zusammen, wie 1963-2003.

Zusammenfassung:

Wenn wir auch gesehen haben, dass die Afghanistan Marken seit 1912 dramatisch an Wert verloren haben (siehe Beitrag 176), so zeigt der Fall "Afghanistan" meines Erachtens auch deutlich, dass es sich lohnt, nach seltenen Marken Ausschau zu halten. Burrus, Hopkins und Dietrich haben sich durch die gefallenen Preise nicht abschrecken lassen. Tiefe Preise (für gutes Material) können auch Chancen sein!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.07.2017 23:13:18 Gelesen: 1431# 180 @  
@ Heinz 7 [#178]

Ein Nachtrag:

Die Marken auf den Positionen 1, 2, 6, 9, etc. der Plattenrekonstruktion sind zwar defekt, aber das "muss" so sein, weil in Afghanistan die Marken so entwertet wurden.

Ein anderer Nachtrag:

"Briefmarkenkönig" Ferrary jagte auch die Briefmarken von Afghanistan und strebte danach, sie ebenfalls komplett zu haben. Es wird gesagt, dass er für eine fehlende Marke von Afghanistan eine ungebrauchte Mauritius, Post Office, 2 Pence, hergab (im Tausch; Ferrary soll in seinem ganzen Leben nie eine Marke verkauft haben). Allerdings war die Mauritius-Marke eine Fälschung, was Ferrary und sein Tauschpartner damals aber nicht wussten.

(Info betr. Afghanistan/Mauritius-Tausch aus: Brühl: "Geschichte der Philatelie", Band 1, Seite 193).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.07.2017 18:51:54 Gelesen: 969# 181 @  
@ Hornblower [#59]

Michael hat uns einen Farb-Fehldruck gezeigt, den in Deutschland wohl bekanntesten. Es gibt aber weltweit einige Farb-Fehldrucke, deren Wert zum Teil immens ist!

Wir haben gesehen, dass einige dieser Fehldrucke in der Studie Schubert berücksichtigt waren (z.B. eben der Baden-Fehldruck auf Platz 10!). Haas hat auf seiner Haupt-Liste 1905 (siehe Beitrag 149+150) die Fehldrucke aber weggelassen.

Ich muss aber ergänzen, dass Theodor Haas die Fehldrucke nicht einfach ganz aus seinen Betrachtungen ausschloss, sondern er erstellte eine ZWEITE Tabelle, lautend: "Die vierzig seltensten Fehldrucke": (Seite 480-482 seines Lehrbuches).

Auf Platz 8 dieser Liste wurde aufgeführt:

"Kap der Guten Hoffnung 1861, 1 P. blau, sogenannter Holzschnitt"
und, Platz 13:
"Kap der Guten Hoffnung 1861, 4 P. rot, sogenannter Holzschnitt"

Donna O'Keefe publizierte ab 1987 interessante Studien: "Linn's Philatelic Gems". In Band 1 wurden auch die zwei "Woodblock" - errors besprochen (Seite 39-40): 1 d blau (statt rot) und 4 d rot (statt blau). Die Zahl der bekannten Marken wurde nicht genannt, aber die Katalogpreise:

Scott (1985?):
1 d - blue: unused: -.- used: US$ 35'000
4 d - red: unused: US$ 100'000, used: US$ 37'500

Michel 2010 wertete die Marken wie folgt:
1 Penny hellblau: *: -.-, gest. Euro 40'000 = Michel 5 F
4 Pence rot: *: Euro 200'000, gest. Euro 65'000 = Michel 6 F I
4 Pence hellkarmin: *: -.-, gest. Euro 130'000 = Michel 6 F II

Natürlich wollen wir auch wissen, wie Schubert 1913 diese Marken sah (bzw. Senf 1912). Tatsächlich: wir finden beide Marken!

24. Platz: Kap der GH: Senf 6b: 4 Pence rot: Mk. 2'000
33. Platz: Kap der GH: Senf 5b: 1 Penny blau: Mk. 1'500.

Wichtig: beide Marken werden mit "-.-" bewertet für "ungebraucht".

Die 1 d hellblau gibt es ungebraucht nur 2 x. (Katalog Stanley Gibbins: 13 c).



Wir sehen hier das Exemplar, das 1982 in der Auktion von Sotheby's London zum Verkauf kam. Los 731. Wir sehen: das Stück ist fehlerhaft (Ränder unten und Büge).



Auch dieses Stück ist nicht fehlerlos, aber zweifellos das schönere der Beiden. Es war Teil der Sammlung "Lady Hope", die 2003 bei David Feldman zur Versteigerung kam. Der Ausruf (Schätzpreise) war stolze CHF 140'000-180'000. Der Hammer fiel dann aber erst bei CHF 200'000 + 18% Aufgeld = CHF 236'000.

Damit sind die frühen hohen Bewertungen von Schubert/Haas auch 100 Jahre später voll bestätigt!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 17.07.2017 22:38:30 Gelesen: 832# 182 @  
@ BD [#2]

Auf der Liste Schubert (1913) war Ceylon mit 5 Marken unter den ersten Hundert (101, um genau zu sein), prominent vertreten! Nur vier Länder schafften es, NOCH mehr Marken unter die ersten Hundert zu bringen!

Betrachten wir doch einmal, wie sich diese Marken in den letzten hundert Jahren entwickelt haben.

Senf 1912: (alle ungebraucht)

10. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 4: 4 Pence rosa: Mark 3.000
10. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 7: 8 Pence braun: Mark 3.000
33. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 8: 9 Pence violettbraun: Mark 1.500
58. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 12: 2 Shillings blau: Mark 1.000
92. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 10: 1 Shilling blauviolett: Mark 750

Interessant ist, dass alle Marken gebraucht deutlich weniger teuer waren (Preise gest. Senf 1913):

10. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 4: 4 Pence rosa: um Faktor 7.5 günstiger = Mark 400
10. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 7: 8 Pence braun: um Faktor 7.5 günstiger = Mark 400
33. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 8: 9 Pence violettbraun: um Faktor 11.5 günstiger = Mark 130
58. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 12: 2 Shillings blau: um Faktor 5.7 günstiger = Mark 175
92. Ceylon 1855/58, Senf Nr. 10: 1 Shilling blauviolett: um Faktor 37.5 günstiger = Mark 20

Bei Haas landeten die Marken auf folgenden Plätzen:

35. Ceylon 1857, Senf Nr. 7: 8 Pence braun
36. Ceylon 1857, Senf Nr. 4: 4 Pence rosa
76. Ceylon 1857, Senf Nr. 12: 2 Shillings blau

Senf Nrn.8+10 schafften es nicht unter die ersten Hundert.

Bestimmt interessiere nicht nur ich mich für die Katalogwerte 2010 (Michel Raritäten-Katalog):

Ceylon 1859, Michel Nr. 4y: 4 Pence rosa: Euro 75.000
Ceylon 1859, Michel Nr. 7y: 8 Pence gelbbraun: Euro 35.000
Ceylon 1859, Michel Nr. 8y: 9 Pence violettbraun: Euro 50.000
Ceylon 1859, Michel Nr. 12y: 2 Shillings blau: Euro 8.500
Ceylon 1857, Michel Nr. 10y: 1 Shilling blauviolett: Euro 7.000

Die hohen Shilling-Werte wurden in der Zwischenzeit überholt von:

Ceylon 1857, Michel Nr. 6xa: 6 Pence braunviolett auf bläul. Papier: Euro 11.000
Ceylon 1859, Michel Nr. 6yb: 6 Pence (dunkel)braun auf weissem Papier: Euro 9.000

Wir halten also fest, dass (nur) die 4 und die 9 Pence sich mit hohen Preisen behaupten konnten (8 Pence auch, aber deutlich weniger), aber mit den teils rasanten Preisentwicklungen anderer Gebiete nicht Schritt halten konnten. Kaufkraftbereinigt haben die anderen Marken (Shilling-Werte) aber bestimmt eingebüsst (Vergleich 1912 / 2010). Und zweifellos rangieren die Marken nicht mehr auf Platz 10 der Welt.

Merke: 1912/1913 waren die zwei teuersten Marken Ceylons noch gleich bewertet wie der Baden-Farb-Fehldruck!

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 17.07.2017 23:51:34 Gelesen: 815# 183 @  
@ Heinz 7 [#182]

Bei Donna O'Keefe "Philatelic Gems" 1987 ist die Ceylon 1859: 4 Pence mit berücksichtigt. Ihr Wert wurde damals (vor 34 Jahren!) mit strammen US$ 60'000 angegeben. O'Keefe bezog sich damals auf den Scott Katalog (1983). Leider sagt auch sie nicht, wie viele ungebrauchte 4 Pence-Marken bekannt sind.

Auch O'Keefe nennt als einen der grossen Ceylon-Sammler Herrn Percy de Worms. Dessen grossartige Sammlung wurde 1938 bei H.R. Harmer, London, verkauft. Der Auktionskatalog zeigt auf einer Farb-Fototafel viele Gross-Raritäten:



Lose 25-28: 6 d. purple-brown (1857) blued paper - vier Exemplare ungebraucht!
Lose 143-146: 6 d. purple-brown (1857) white paper - 4 Exemplare ungebraucht
Lose 166: 6 d. brown (1857) white paper - 1 Exemplar ungebraucht
Lose 198-200: 1/- dull violet (1857) - 3 Exemplare ungebraucht
Lose 217-218: 4 d. dull rose (1859) - 2 Ex. ungebr.
Lose 225-226: 8 d. brown (1859) - 2 Ex. ungebr.
Lose 235-236: 9 d. purple-brown (1859) - 2 Ex. ungebr.
Lose 268-271: 2/- blue (1859) - 4 Ex. ungebr.

10 dieser Raritäten sind auf dieser Fototafel abgebildet und brachten hohe Ergebnisse! Das höchste Ergebnis erzielte Los 217, eine 4 Pence Marke.

Es ist schön, diese seltenen Marken in Farbe sehen zu können.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.07.2017 00:11:21 Gelesen: 812# 184 @  
@ Heinz 7 [#182]

Heureka!

Jetzt habe ich doch noch ein aktuelles Ergebnis gefunden! Wieder ist die 4 Pence - Marke als "teuerste" von Ceylon bezeichnet (siehe Auktionstext). David Feldman konnte 2007 ein ungebrauchtes Exemplar versteigern.



Hochwillkommen ist auch die Angabe im Auktionskatalog, wie viele Exemplare denn vorhanden sind: "only 5 unused examples known"! - Das ist eine wichtige Information.

Los 60009 stieg über den Startpreis hinaus:

Startpreis (Estimate) Euro 20'000 - 30'000

Zuschlag: Euro 28'000 + 19.5 % Zuschlag = Euro 33'460. Das ist nicht sehr viel, wenn wir den Katalogwert (Euro 75'000) zu Rate ziehen. Der Käufer hat also trotz Auktionszuschlag nur 44.6 % des Katalogwertes zahlen müssen.

Wir haben damit in Beitrag 183+184 3 von 5 existierenden ungebrauchten Marken kennen gelernt!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.07.2017 20:52:18 Gelesen: 701# 185 @  
@ BD [#2]

Die 12 ersten Marken der Liste Schubert haben wir besprochen. Kommen wir zur Nummer 13.

Hawaii wurde bei Haas (1905) sehr hoch geschätzt:

3. Hawai* 1851, 2 Cents hellblau (Nr. 1)
8. Hawaii 1852, 13 Cents hellblau (H.I. & U.S.) (Nr. 4)
9. Hawaii 1852, 5 Cents (Nr. 2)
11. Hawai* 1852, 13 Cents hellblau (Hawaiian Postage) (Nr. 3)
(*Schreibweise wie bei Haas)

Nur British Guiana war noch erfolgreicher (bei Haas 1905) mit Platz 1, 2, 7, 13, 17, 23, 24, 49, 62, 73, 88 !

Weil Schubert die "-.-" Bewertungen wegliess, kam er auf weniger Top-Notierungen:

Hawaii: 3 Marken unter den ersten 101
Brit. Guiana: 5 Marken unter den ersten 101.

Bei Hawaii wird die Schwäche der Liste Schubert deutlich:

Nr. 1 (2 Cents) wird gar nicht bewertet
Nr. 2-4 werden alle bewertet "gestempelt", obwohl die ungebrauchte Version Bei Hawaii (1. Ausgabe) IMMER die bessere ist. Das sehen wir auch an Hawai 1852, 13 Cents hellblau (Hawaiian Postage) (Nr. 3)

Wenn diese Nr. 3 gestempelt bereits gestempelt 3000 Mk. wert war, wie hoch wäre sie wohl bewertet worden ungebraucht? Wir wissen heute, dass die Nr. 3 ungebraucht extrem selten ist:

7 Exemplare ungebraucht
48 Ex. gestempelt
3 Ex. auf Fragment
12 Ex. auf Brief.

(alle Informationen gemäss Auktionskatalog Siegel, Sale 769 (November 1995) "The Honolulu Advertiser Collection").

Seltsamerweise bewertet Michel die Marke ungestempelt nur unwesentlich höher als gestempelt: (Michel Raritäten 2010):

Mi. Nr. 3 (*) = Euro 30'000
Mi. Nr. 3 gest. = Euro 26'000

Ich zeige heute aber eine der raren ungestempelten Marken.



Los 20 wurde 1995 für US$ 32'500 zugeschagen (+ 10%) = US$ 35'750. Auch diesen Betrag halte ich nicht für sehr hoch, angesichts der grossen Seltenheit (nur 7 ungest. Exemplare vorhanden). Den Katalogwert würde ich höher setzen als "nur" Euro 30'000.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.07.2017 21:25:29 Gelesen: 689# 186 @  
@ BD [#2]

Die bestplatzierten 1-13 der Liste Schubert haben wir besprochen.

Es folgt Nummer 14.



Die Rumänien Nr. 4 ist der höchste Wert der 1. Ausgabe von Rumänien (bzw. des "Vorläufers" Fürstentum Moldau). Sie hat mehrere Parallelen zur eben gezeigten Hawaii Nr. 3

- Beide Marken sind ungestempelt sehr selten! Von Rumänien Nr. 4 sind weniger als 20 ungebrauchte Exemplare bekannt!
- Beide Marken sind gestempelt nicht ganz so selten wie ungebraucht
- Beide Marken haben noch wertvollere "Schwestern" aus dem gleichen Satz: die Hawaii Marke die 2 Cents und die 5 Cents Marke und die Nummer 4; die Rumänien-Marke die 27 Parale und die 81 Parale.

Der Katalogwert der 108 Parale-Marke betrug nach Michel 2010 Raritätenkatalog Euro 30'000, also exakt denselben Wert wie die Hawaii Nr. 3!

Das ist doch erstaunlich!

Die 108 Parale-Marke wird nur selten angeboten. In manchen grossen Sammlungen fehlte eine Rumänien Nr. 4 ungebraucht! So z.B. in der Sammlung "Sarah" (Corinphila Mai 1999) oder Paul Laptev (Köhler September 1998). In der Tomasini-Sammlung aber finden wir so ein Stück (siehe oben). David Feldman verkaufte 2006 in Genf/Monte Carlo (Simultan-Auktion) die Tomasini/Künzi-Sammlung: Zuschlag des Loses 20019 war Euro 36'000 (+ 18.5 %) = Euro 42'660.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
merkuria Am: 18.07.2017 23:10:29 Gelesen: 655# 187 @  
@ Heinz 7 [#185]

Auch die 13 Cents Rarität hat 14 Jahre später etwas Federn gelassen:

An der 974. Robert A. Siegel Auktion [1] vom 16. Juni 2009 wurden bei der Auflösung der Laila Collection of Hawaii unter Los 504 für ein (allerdings leicht repariertes) ungebrauchtes Exemplar 20‘000 US$ + Aufgeld bewilligt. Der Schätzpreis lag bei 52‘500 US$.

Freundliche Grüsse
Jacques

[1] http://stampauctionnetwork.com/y/y9741.cfm
 
Heinz 7 Am: 19.07.2017 00:15:41 Gelesen: 640# 188 @  
@ merkuria [#187]

Ich habe die Hawaii Nr. 3 vorgestellt in Beitrag [#185]. Du zeigst uns eine Nummer 4. Die Marke ist fast gleich selten wie die Nummer 3: es gibt von der Nummer 4 auch nur 8 ungestempelte Marken. Zieht man davon noch das Stück ab, das im Museum ist, wäre man auch bei 7; genau gleich viel (bzw. wenig) wie bei der Nummer 3!

Die Nr. 4 ist im Michel-Katalog deutlich höher bewertet, nämlich mit Euro 55'000 (Raritäten-Katalog 2010). Ich halte diesen Katalogpreis für angemessen, den für die Nummer 3 würde ich auch in etwa dieser Höhe sehen.

Nun zeigst Du uns ein relativ schlecht (billig) verkauftes Stück. Das kommt ab und zu einmal vor, dennoch bleibe ich bei meiner Meinung. Ob die Hawaii-Marken im XXI. Jahrhundert eher nur noch tiefe(re) Preise erzielen, kann ich im Moment nicht beurteilen. Die Katalog-Herausgeber richten sich in der Regel eher an den "erfolgreichen" Auktionen aus, wobei sie meist wohltuend ausgleichend wirken (i.d.R. werden Katalogwerte recht stabil gehalten, und nicht jedes Zittern des Marktes wird in den Katalogwerten wiedergegeben).

Der Preis US$ 52'500 war übrigens wohl der Katalogwert (Scott?), nicht der Schätzwert. Viele US-Auktionen zeigen grundsätzlich den Katalogwert, keine Schätzpreise.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 20.07.2017 23:30:56 Gelesen: 436# 189 @  
@ BD [#2]

Acht Marken haben es gemeinsam auf Platz 10 geschafft auf der Liste Schubert 1913. Sie hatten einen Katalogwert von 3000 Mark.

Wir haben die ersten 5 Marken aus dieser Gruppe in den Beiträgen 152, 182-186 besprochen (Baden-Fehldruck, zwei Ceylon-Marken, eine Hawaii, eine Rumänien). Die Plätze 1-9 der Liste haben wir auch schon verglichen mit dem Michel-Wert 2010 und dabei festgestellt, dass es grosse Unterschiede gibt: Einige Marken sind auch heute noch teuer, zum Teil: SEHR teuer.

Andere haben sich nicht so prächtig entwickelt und sind, kaufkraft-bereinigt, heute WENIGER wert als vor rund 100 Jahren.

Zur ZWEITEN Kategorie zählt auch die Postmeister-Marke von Brattleboro. Wie in Beitrag 153 gesagt, verausgabten 9 Postmeister eigene Briefmarken, wobei leider einzelne im "Senf 1912" nicht bewertet wurden (und darum auf der Liste Schubert keine Aufnahme fanden). Einzelne Postmeister-Marken sind heute sehr teuer, andere eher nicht.

Die Marken von Brattleboro sind selten. Heute sind offenbar nur 32 Einzelmarken bekannt plus 19 Briefe. Aktuell (bzw. 2010) ist die Marke im Michel bewertet mit Euro 25'000 (*) bzw. Euro 12'000 gest. Das ist heute eher wenig. Das erstaunt uns vielleicht, denn es gibt heute viele teure USA-Briefmarken.

Im Artikel (Illustrierten Briefmarken-Journal vom 20.4.1912) ist die Briefmarke gezeigt (Abbildung 7). Vielleicht freuen sich auch andere, die Briefmarke auf einem hübschen Brief zu sehen.



In der genialen Sammlung Erivan Haub sind gleich zwei Briefe mit Brattleboro-Briefen enthalten. (Kopie aus Buch: Postmasters' Provisionals: United States and Cofederate States; The "Erivan" Collection). Eine lose Marke kann sich aber auch ein Sammler mit nicht-ganz-grossem Budget leisten.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 21.07.2017 00:13:01 Gelesen: 428# 190 @  
@ Heinz 7 [#182]

Ich erwähnte, dass Ceylon mit 5 Marken unter den ersten 101 auf der Liste Schubert glänzen konnte. Noch erfolgreicher waren nur folgende Länder:

USA: 12 Marken
Konföderierte Staaten von Amerika: 8 Marken (= CSA)
Grossbritannien: 8 Marken
Rumänien: 6 Marken

Wenn wir uns noch vor Augen führen, dass viele der (damals) 71 gelisteten CSA mangels Vergleichen nicht bewertet waren, sehen wir, wie wichtig die USA/CSA-Marken vor hundert Jahren bei Senf (und nicht nur bei ihm) eingeschätzt wurden.

Die CSA-Marke von Victoria haben wir bereits besprochen (Beitrag 159). Nun folgen die zweitteuersten: diejenigen von Baton Rouge (10 Cents, gest., Senf Nr. 5) und von Livingston (*, Senf 1912 Nr. 36).

Zu Baton Rouge finden wir im Michel Katalog (2010) folgende Angaben:

Nr. 1-3: 2 Cents, 5 Cents (Maltese cross border), 5 Cents (Crisscross border): Wert * und gest. zwischen 1'300 und 6'000. Auch die Baton Rouge Nr. 4 (= 10 Cents) bleibt nur vierstellig (Euro 7'000 für gest., kein Preis für ungest.). Ausnahmsweise sind aber im Michel auch die Briefpreise angegeben, und die lauten wie folgt:

Baton Rouge Nr. 1 = Euro 25'000
Nr. 2 = Euro 3'500
Nr. 3 = Euro 12'000
nr. 4 = Euro 75'000.

Unser geniales Buch über die Sammlung Erivan Haub sagt uns, WIE selten diese Briefe sind:
Nr. 1 = nur 5 Briefe
Nr. 3 = 5 Cents (Crisscross border) = nur 11 Briefe bekannt
Nr. 4 = 10 Cents = unique on cover!



Auch dieses Unikat war in New York zu bestaunen in der Sammlung Erivan Haub. Ich habe nachgesehen, es war auch in der Sammlung Alfred Caspary und brachte 1956 einen nur bescheidenen Erlös von US$ 1'400 (Los 61).

Auch ein Preis von Euro 75'000 (2010) ist für ein Unikat aus einem solchen prestigeträchtigen Land (USA bzw. CSA) meines Erachtens kein sehr hoher Preis. Zur "Schnäppchenjagd" kann man das Stück dennoch nur den "Gut-Betuchten" empfehlen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 21.07.2017 14:55:26 Gelesen: 335# 191 @  
@ BD [#132]

Bernd hat in Beitrag [#2] auf eine sehr interessante Fleiss-Arbeit von einem Herrn Schubert hingewiesen, die ein idealer Anknüpfungspunkt ist, um zu begreifen, welchen Stellenwert die internationale Philatelie vor rund 100 Jahren hatte!

Stellen wir uns einmal vor, unser Ur-Urgrossvater hätte um 1910 herum eine Briefmarkensammlung gehabt oder gestartet: welche Ziele hätte er wohl verfolgt? Welches waren die teuren Marken damals und wohin hätte ein ambitionierter Sammler sein Geld wohl investiert? - Hätten sich seine Investitionen gelohnt, oder wäre sein investiertes Geld verpufft und verloren gegangen in den späteren Jahren? Haben die Briefmarken wirklich so massiv an Wert zugelegt, wie dies Ende des XX. Jahrhunderts noch fast jeder Sammler zu glauben wusste? Oder haben die Briefmarken gegenüber früher "massiv an Wert verloren", wie wir dies heute oft hören oder nachlesen? Knifflige Fragen ...

Ich habe bisher versucht, die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt einmal aus der Sicht von 1913 vorzustellen. "Nur wer die Geschichte kennt und versteht, kann die Gegenwart begreifen und kommentieren" sagte einst ein weiser Philosoph. Wir haben gesehen, dass wir der Liste Schubert 1913 nicht vorbehaltlos "trauen" können, weil sie uns wichtige Informationen nicht gibt (nicht geben konnte). Einige Überlegungen dazu waren hoffentlich hilfreich, um die Liste noch besser würdigen zu können.

Doch mit der Betrachtung der Liste Schubert ist unsere (freiwillige!) Arbeit noch nicht zu Ende; vielmehr sehe ich als mögliche "Studien-Ergänzungen" folgende "Kapitel".

- Vergleich der Liste Schubert 1913 mit den Listen Haas (1905)
- Abgleich unserer Erkenntnisse mit den tatsächlichen Auktionserlösen anlässlich der Ferrary-Auktionen 1921-1926 (der grössten Sammlung seiner Zeit / aller Zeiten)
- Welche wichtigen Marken kamen im XX. Jahrhundert hinzu?
- Welche Rolle spiel(t)en Abarten, Einheiten, Briefe, Stempel, Frankaturen? Wie sind die Entwicklungen in der jüngsten Zeit?
- Welche Erkenntnisse erhalten wir aus ähnlichen Studien von namhaften Philatelisten des XX. Jahrhunderts? (Müller-Mark, Nevile Stocken, Gebrüder Williams, etc.)?
- Wie war die Situation Mitte der Fünfziger-Jahre? ("Life"-Artikel, siehe Beitrag 155, und Caspary-Auktionen)
- Welche Erkenntnisse brachten die Verkäufe der Burrus-Auktionen? (vereinfacht gesagt: der letzten grossen "gleichzeitig weltweiten Sammlung")
- welche besonderen Verkaufserfolge meldeten die grossen Auktionshäuser 1970- heute?
- welches sind (oder waren) die Spitzenstücke von herausragenden Sammlungen?
- wie sähen die "Bestenlisten" heute wohl aus (getrennt nach Marken, Abarten, Einheiten, Briefen, besonderen Stempeln, besonderen Frankaturen, etc.)?
- welches sind die "Briefmarkenländer" mit einer Bewertung "AAA" heute?

Es ist leicht ersichtlich, dass das Gebiet "uferlos" ist oder werden könnte, darum scheint mir ein "roter Faden" hilfreich. Gerne will ich versuchen, auf unserer Suche nach den berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt noch viele Erkenntnisse zu gewinnen und gleichzeitig mit einer Zeitreise die Entwicklung der letzten 100 Jahre etwas besser zu verstehen. Zeitlich kann und will ich mich für meine oben skizzierte "Studienarbeit" nicht festlegen. Vielleicht kann ich einzelne "Kapitel" nicht breit bearbeiten, aber mit etwas Geduld und Zeit werde ich gerne noch viele (?) Beiträge beisteuern, sofern mir dies möglich ist und die Beiträge auch ein positives Echo auslösen/gerne gelesen werden.

Die achte Marke, die es 1912/1913 auf den Platz 10 der Liste Schubert geschafft hat, (ex aequo mit 7 anderen), werde ich demnächst in diesem Thema zeigen und etwas kommentieren. Doch dazu benötige ich wieder etwas Zeit.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Ron Alexander Am: 21.07.2017 15:04:58 Gelesen: 326# 192 @  
@ Heinz 7 [#191]

Hallo Heinz, Hallo Beitragende,

ich selbst kann zu dem Thema leider nichts beitragen, außer tiefe Bewunderung für die tollen Ausarbeitungen aller beitragenden Personen. Wirklich toll und ich lese mit Begeisterung jeden neuen Beitrag.

Mir gefällt der Ansatz des "roten" Fadens sowie die letzten Ausführungen wie die Philatelisten vor ~100 Jahren agiert haben. Wirklich toll gemacht, bitte macht weiter so! Ich werde mir das Thema mal auch noch für eine YouTube Ausgabe vornehmen aber gerade hätte ich nicht mal einen Ansatz dies sauber aufzuziehen. Daher lese ich weiter mit Begeisterung, so das sich mir mein roter Faden dann hoffentlich auch noch erschließen wird. :)

Grüße,
Ron
 
Heinz 7 Am: 23.07.2017 20:41:32 Gelesen: 79# 193 @  
@ Ron Alexander [#192]

Lieber Ron

Vielen Dank für die freundlichen Worte.

Was einen YouTube Beitrag betrifft, hätte ich (bei Bedarf) einen guten Vorschlag für ein Drehbuch.

Herzliche Grüsse

Heinz
 

Das Thema hat 193 Beiträge:
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