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Thema: Kanadische Stempelgeschichte - die Werbestempel
Carolina Pegleg Am: 14.09.2009 06:27:34 Gelesen: 15337# 1 @  
Schon lange juckt es mir in den Finger wieder etwas vernünftiges hier auf den Philaseiten zu schreiben. Ich habe hier soviel gelernt -- von Rohrpostbelegen und Bischofsbriefen -- so dass ich einfach auch wieder etwas an die Gemeinschaft zurückgeben möchte. An Themen mangelt es mir nicht. Mir fehlt zumeist immer die ein oder andere Marke oder Beleg, um die ganze Geschichte so darstellen zu können, wie ich es mir idealerweise vorstelle. So ist es auch bei dem Thema, was ich hier anfange.

Ich habe mich aber entschieden einfach einmal anzufangen, auch wenn es ein paar Lücken gibt und ich nicht immer den super idealen Brief dazu zu zeigen habe. Vielleicht kann ja der ein oder andere noch mit Anschauungsmaterial aushelfen. Ausgangspunkt war hier jedenfalls, dass ich meine Sammlung (mehr Ansammlung, als Sammlung) kanadischer Sloganstempel neu organisiert habe. Dabei ist mir dann der Gedanke gekommen, dieses Gebiet auch einmal hier vorzustellen. Ich habe kanadische Briefmarken etwa schon seit 20 Jahren gesammelt und finde es ein sehr schönes Gebiet, dass einem Allgemeinsammler ebenso Freude bereitet wie dem Spezialisten. Da ich auch eine besondere Liebe zu Maschinenstempeln habe, ergab es sich natürlich, dass jeder kanadische Brief mit entsprechendem Stempel bei mir in eine Kiste gewandert ist.

Nun habe ich die Briefe einmal systematisch organisiert und glaube damit eine ganz gute "Geschichte der kanadischen Maschinenstempel unter besonderer Berücksichtigung der Maschinenwerbestempel" erzählen zu können. Wenn man einige wenige fehlgeschlagenen Testläufe und Eintagsfliegen ausser Acht lässt, ist die kanadische Geschichte der Maschinen(werbe)stempel eine wirklich runde Sache -- so viel einfacher als die vergleichbaren Abläufe in Deutschland oder (noch viel schlimmer) den USA, die jeden Einsteiger in das Gebiet doch recht entmutigen können. Zunächst werden wir einigen "alten" Bekannten begegnen, wenn es in die Neuzeit geht, mit den ab Anfang der 1990er in Kanada auftretenden Multi Line Optical Character Reader (MLOCR) - Maschinen und ihren jet-spray (ink-jet) 'Stempeln' sind wir allerdings der Zukunft in Deutschland voraus.

Die Geschichte der kanadischen Maschinenstempel beginnt in März 1896 mit der Inbetriebnahme von insgesamt sieben Maschinen der Imperial Mail Marking Machine Co. (einer Tochtergesellschaft der American Postal Machine Co. -- Stichwort "US Flaggenstempel") in Montreal (6) und Ottawa (1). Die kanadischen Postverwaltung hatte die Maschinen angemietet und bereits nach Ablauf des ersten Jahres gelang es der Firma nicht eine Verlängerung des Vertrages zu erreichen. Obwohl nur sieben Maschinen in zwei Städten für nur etwas über ein Jahr in Betrieb waren produzierten die Maschine eine grosse Vielfalt von Balken-, Wellen-, und Flaggenstempeln. Ein richtiger "Werbestempel" war aber nicht dabei, und so kann ich diese Stempel -- obwohl sehr sammelwürdig -- für Zwecke dieser Darstellung getrost übergehen.

Nachfolger waren Maschinen der Canadian Postal Supply Co., die einen fünf Jahresvertrag für den Einsatz ihrer "Bickerdike" Maschinen gewann. In Montreal und Toronto waren je 6 Maschinen im Einsatz, 2 weitere in Hamilton und eine in Ottawa. Die Bickerdike-Maschine sind natürlich auch in Deutschland bekannt (Stichwort: die beliebten Stempel mit Reichspostflaggge), da die CPS Co. ihre Bickerdikes auch international zu vermarkten suchte.

Bickerdike-Flaggenstempel von Montreal, 25. März 1899:



Der erste echte kanadische Maschinenwerbestempel stammt von den Bickerdike-Maschinen in Toronto und wurde in 1901 für die dortige kanadische Ausstellung aufgelegt. Ein Exemplar kann ich nicht zeigen. Es handelt sich um einen Flaggenstempel (wie oben) bei dem aber in der Mitte der Fahne ein Schild mit der Inschrift "Canada's Expostion Toronto Aug. 26 to Sep. 7" eingefügt ist.

Mit Ablauf des Fünfjahresvertrages Mitte 1902 war aber auch für die Canadian Postal Supply Co. Schluss -- auch ihr Vertrag wurde nicht verlängert. Dies erklärt in der Gesamtschau auch die internationale Ausrichtung der Firma, die ihre home base verloren hatte. Den Vorzug der kanadischen Post erhielten nun die Maschinen der amerikanischen International Postal Supply Co.

Maschinenstempel des Modells "Flier" der International Postal Supply Co. von Montreal, 1. Dez. 1902, dem ersten Jahr der Verwendung dieser Maschinen in Kanada:



In 1902 wurden zunächst neun Postämter mit Maschinen des neuen Vertragspartners ausgestattet. In 1907 (mit zwei Nachzüglern in 1908) kamen dann 30+ weitere Einsatzorte hinzu. Verwendet wurden das elektrische Hochgeschwindigkeitsmodell Flier als auch das handbetriebene Modell 'L' (kenntlich am im Vergleich kürzeren Entwerter). Für zehn lange Jahre liefen beinahe alle kanadischen International Maschinen ausschliesslich mit Entwerter im oben gezeigten Wellendesign. Einige wenige Maschinen hatten identische Wellenstempel ohne Aussparung für Maschinennummer und service letter; und eine weitere kleine Anzahl hatte Killer mit 7 Balken anstelle von 7 Wellen. Abgesehen davon, insgesamt also eine recht langweilige Sache.

Stempel von Niagara Falls, Ontario, 9. September 1912 mit International-Stempel mit Strichentwertung:



In 1912 änderte sich jedoch einiges -- und da geht es morgen weiter.
 
Carolina Pegleg Am: 15.09.2009 03:57:54 Gelesen: 15317# 2 @  
In 1912 bot die kanadische Post den Veranstaltern von Ausstellungen und Messen sowie wohltätigen Organisation an, Poststempel für ihre Werbezwecke zu benutzen (soweit sie für die Kosten der Stempelanfertigung aufkamen). Die Neuerung stiess auf eine sehr positive Resonanz. Bis Ende 1912 wurden bereits 23 Werbestempel in 21 Postämtern in Gebrauch genommen.

Werbestempel Toronto, 3. Juli 1912, zur Canadian National Exhibition in Toronto vom 24.8. bis 9.9. -- ein alljährliches Ereignis dass von nun an jedes Jahr beworben wurde:



Werbestempel von Brockville, Ontario, 10. Juli 1913, zur Fair and Horse Show vom 30.8 bis 3.9. 1913:



Wer genau hinschaut mag erkennen, dass der Werbeeinsatz des Stempels von Brockville kürzer als der von Toronto ist. Nun ja, man muss schon sehr genau gucken. Der Unterschied ist 45 mm zu 53 mm (genau: 1 3/4 zu 2 3/8 inches) und bedeutet, dass der Brockville Stempel vom handbetrieben Modell 'L,' der Stempel der Grosstadt Toronto hingegen vom International Modell 'F' herrührt. Ich schreibe dies, weil es mir gerade so auffällt. Was ich eigentlich schreiben wollte, aber ich habe das falsche Exemplar gescannt, ist, dass die die Werbestempel von Anfang an eine kanadische Besonderheit aufweisen, in dem sowohl englische, als auch französische oder zweisprachig Stempel existieren -- und dies lange bevor Kanada offiziell zweisprachig wurde. Die Zweisprachigkeit übt für mich einen besonderen Reiz dieses Gebietes aus (deshalb sammele ich auch Marken und verschiedene Stempel von Südafrika).

Was war sonst noch neu in 1912? Nun, die kanadische Post schaffte in diesem Jahr testweise auch eine kleine Anzahl von Maschinen der Universal Stamping Machine Co. an. Ich glaube nicht, dass irgendeine dieser ersten Universal-Maschinen mit Werbeeinsätzen lief, und so können wir diese Maschinen für einen Moment noch ausser Acht lassen. Die Universal-Maschinen haben ebenfalls Entwerter mit Wellenlinien, können aber von den Internationals leicht unterschieden werden. Die kanadischen International-Stempel haben immer die Jahreszahl in einem Halbkreis am Unterrand des Stempels; bei den kanadischen Universals steht die Jahreszahl innerhalb des Stempels und niemals dort, wo sie bei den Internationals ist.

Ein stempelkundlich ereignisreiches Jahr geht damit zu Ende.
 
Carolina Pegleg Am: 16.09.2009 07:11:15 Gelesen: 15291# 3 @  
Ich hatte heute wirklich einen langen Tag. Trotzdem möchte ich die Geschichte wenigstens noch ein paar Jahre vorantreiben.

Die Möglichkeit lokale Ereignisse und wohltätige Zwecke mit Werbestempeln zu bewerben, erfreute sich auch nach dem Anfangsboom in 1912 weiter grosser Beliebtheit. Bis 1914 waren schon 45 Sloganstempel in 34 Städten in Verwendung gewesen. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges brachte dann allerdings eine gewissen Einbruch, da viele der Grossereignisse, die sonst mit Stempeln beworben worden wären, nicht stattfanden.

1917 sah dann das Debut der ersten Serienstempel, d.h. Stempeln, die Wortgleich bei mehreren Postämtern geführt wurden, sowie die ersten "reisenden Stempel," also Stempeln die für eine Zeit bei einem Postamt geführt und dann an ein anderes Postamt zur Verwendung weiter geschickt wurden. Dabei handelt es sich um die sehr sammelwürdigen Flaggenwerbestempel zur Bewerbung verschiedener Emissionen von Staats- und Kriegsanleihen.

Sloganstempel von Toronto, 24. September 1917 "Help to Win the War - Buy War Savings Certificates"



In 1919 erreichte die Bewerbung von Staatsanleihen dann einen Höhepunkt mit Verwendung von 58 Sloganstempeln "Buy War Savings Stamps and Help Reconstruction" -- allerdings nicht im obigen Flaggendesign -- bei insgesamt 50 Postämtern. Ich habe es nicht nachgezählt, aber das dürften mehr als 80% aller Postämter sein, die zu der Zeit überhaupt eine Stempelmaschine hatten.

Das wirklich grosse Ereignis in 1919 war jedoch die Kündigung des Vertrages der kanadischen Post mit der International Postal Supply Co. und die Ersetzung praktisch aller International-Maschinen mit solchen der Universal Stamping Machine Co. und in Einzelfällen mit Maschinen der Columbia Postal Supply Co. of New York. Über die Gründe mag man nur spekulieren, die Kosten waren wahrscheinlich entscheidend. Die International Maschinen waren teuer. Die Firma hatte das beste Produkt am Markt -- und sie war sich dessen bewusst. Die Auswirkung auf die Verwendung von Werbestempeln war in jedem Fall massiv. Die International Entwerter passten nicht in die anderen Maschinen und mussten -- soweit eine Weiterverwendung gewünscht war -- neu graviert werden. So wurden denn auch die 58 International "Buy War Savings Stamps" Stempel durch 55 wortgleiche neue Universal und Columbia Stempel ersetzt.

Universal-Sloganstempel (Jahreszahl im Inneren des Stempels), Ottawa 21. April 1919 "Buy War Savings Stamps and Help Reconstruction"



Einen International Stempel (Jahreszahl im Halbkreis unten) gleichen Wortlautes kann ich leider nicht zeigen; einige davon müssen aufgrund der relativ schnellen Ablösung als selten gelten. Insgesamt muss man sagen, dass in den ersten Jahren alle International-Werbestempel nur lokale Ereignisse bewarben. Die ersten Serienstempel gab es dann zwar von mehreren Ämtern zur gleichen Zeit, der Werbeanlass änderte sich allerdings schnell, so dass auch diese Stempel nicht für ausgedehnte Zeitperioden in Verwendung waren. Als Gruppe sind die Stempel daher nicht selten, aber wenn man sie versucht zu komplettieren, hat man schon eine Aufgabe vor sich. Ich freue mich jedenfalls immer, wenn ich meiner Sammlung einen dieser Stempel hinzufügen kann.
 
Carolina Pegleg Am: 23.09.2009 06:54:59 Gelesen: 15247# 4 @  
Mit wenigen Ausnahmen gab es also nach 1919 keine International-Stempel mehr. Schade, denn diese Stempel zeichnen sich im allgemeinen durch recht gut Abschläge aus, was einen Sammler immer erfreut. Stattdessen rücken nun die Universal-Stempel in den Vordergrund, die es vor 1919 nur vereinzelt gab. Mit einem Exemplar eines Universal-Slogan Stempels schliesst der obige Beitrag.

Nachzutragen bleiben die Stempel des Herstellers Columbia, die ab 1919 erstmalig in Canada auftreten. Ich sammele die Columbia-Stempel -- insbesondere die elektrischen -- recht intensiv, und dazu wird es sicher auch irgendwann etwas hier von mir zu lesen geben. Die Firma vertrieb ihre Maschinen in vielen Ländern. Ab 1919 etwa stieg die Firma praktisch vollständig aus dem hart umgekämpften Markt für elektrische Hochgeschwindigkeits-Stempelmaschinen aus und überliess das Feld International, Universal (später Pitney-Bowes), Krag u.a. Stattdessen verlegte sich die Firma auf handbetriebene Machinen für den Bedarf kleiner und kleinster Postämter. Diese Maschinen wurden auch häufiger von Postamtsvorstehern, die nach der Grösse des Amtes keine Stempelmaschine von Amts wegen zugeteilt erhielten, privat oder aus dem laufenden Budget angeschafft. Sloganstempel von Columbia-Maschinen sind allesamt selten, da eben von kleinen Orten. Ich kann keinen einzigen zeigen. Hier jedenfalls ein zeitgenössischer amerikanischer Columbia-Stempel stellvertretend für die 1919 eingeführten kanadischen Cousinen. Die kanadischen Columbia-Stempel aus der ersten Zeit sehen genauso aus.


Columbia-Maschinenstempel von Columbia (sic), Mississippi, 28. Juni 1920

Die Machinen waren lange in Gebrauch. Es gibt mit der Zeit gravierende Unterschiede in der Anordnung der Wellen, Anzahl der vollständigen Durchläufe, beginnend steigend oder fallendend etc. Charakteristisch ist allerdings stets der sehr enge Abstand zwischen Stempelkopf und 'Killer'. Bei den Columbia-Maschinen sind das nur 4mm. Keine andere Maschine hat einen so engen Abstand. Eine Identifizierung dieser Maschinen fällt mit etwas Übung deshalb leicht (wenn einem einmal ein solcher Stempel überhaupt begegnet). Hier noch ein weiterer, diesmal kanadischer, Columbia-Stempel.


Columbia-Maschinenstempel Iroquois Falls, Ontario, 7. Juli 1963

In 1921 bewarb die Post zum ersten mal ihre eigenen Dienstleistungen. Erstaunlich eigentlich, dass die Post bis dahin, alle möglichen Gruppen und Anlässe mit Stempeln bewerben liess, aber das eigene Werbepotential nicht ausschöpfte. Ab 1921 jedenfalls findet man in zunehmenden Umfang Sloganstempel mit posteigener Werbung. Die Gruppe dieser Stempel wird hier als "Postal Directives" bezeichnet. In 1926 gab es schon 27 verschiedene Slogans mit Posteigenwerbung, die je in verschiedenen Postämtern liefen. Die "Postal Directives" bilden auch wieder eine geschlossene sammelwürdige Gruppe. Auch hier auf den philaseiten gibt es ja eine eigenen Thread für Stempel mit Posteigenwerbung.


"Postal Directive' Slogan-Stempel (Universal), Niagara Falls, Ontario, 24. Juli 1928 'Give your Change of Address to the Postmaster'

Die Universal-Stempel zeigen übrigens einen Abstand zwischen den beiden Bestandteilen von 12mm. Ein deutlicher Unterschied zu den Columbias.
 
Carolina Pegleg Am: 28.09.2009 02:47:59 Gelesen: 15208# 5 @  
In 1922 hatten in Montreal Testversuche einer von J.O Lamoureux entwickelten kanadischen Stempelmaschine stattgefunden, die allerdings nicht erfolgreich waren. Einige Jahre später, in 1927, wurde von dem Franko-Kandadier George Robert, ein verbesserter Prototyp einer Maschine basierend auf den Lamoureux Patenten vorgestellt. Der Test war ebenfalls nicht sehr erfolgreich. Die kanadische Post war allerdings besessen von der Idee, die von den USA gemieteten Universal Maschinen mit einem kanadischen Produkt zu ersetzen und so wurde gleichwohl ein erster Auftrag zur Lieferung von 25 Maschinen erteilt. Diese Maschinen gingen in die Geschichte nicht als Lamoureux oder Robert, sondern als "Perfect" Maschinen ein.

Aufgrund mannigfaltiger Probleme kam es erst in 1930 zur vollständigen Auslieferung der ersten Tranche dieser Maschinen. Die 'Perfect' Maschinen sind eine reine kanadische Entwicklung. Ich bin über diese Maschinen erst vor relativ kurzem gestolpert und bin nun auch dabei diese querschnittsmässig zu erfassen. Bis 1935 hatte die Post nach mehreren Folgeaufträgen insgesamt 132 dieser Maschinen in Gebrauch genommen. Dabei blieb es offenbar auch. Bevor ich jetzt noch lange über diese wirklich interessanten Maschinen ins Schwärmen gerate, zeige ich doch lieber erst einmal ein Beispiel:


Werbestempel einer "Perfect"-Maschine Amherst, N.S., 17. April 1935 "Use Post Office Money Orders"

Die Perfect Maschinen verdrängten die bislang in Gebrauch befindlichen angemieteten Universal-Maschinen beinahe vollständig. Die Auswirkung auf die Werbestempel war gravierend. Wie auch zuvor bei der Ersetzung der Internationals mit den Unversals, passten nun die Universal Werbeeinsätze nicht in die Perfect-Maschinen. Wenn eine Fortsetzung der Werbung gewünscht war, musste also neu graviert werden. Die Stempelköpfe der Perfect Maschinen sind den Columbia und Universal Stempeln sehr ähnlich und können m.M. nach nicht oder nur sehr schlecht auf Augenschein unterschieden werden. Bei allen dreien steht die Bezeichnung der Provinz unten im Halbkreis, die Ziffern der Datums- und Jahresbezeichnung sind praktisch gleich, ebenso wie der Durchmesser des Stempels. Unterscheidungsmerkmal ist wieder der Abstand vom Stempelkopf zum Killereinsatz, der bei den Perfect Maschinen 8mm beträgt, und damit klar zwischen Columbia (4mm) und Universal (12mm) liegt.

Die Perfect-Maschinen waren lange Jahre in Betrieb, es gab allerdings einige gravierende Nachteile, so dass es ab 1936, die letzte Lieferung der Perfects war kaum ausgeliefert, schon wieder neue Entwicklungen gab. Ich mache aber hier, weil es sich anbietet einen kurzen Umweg in der Chronologie, und zeige diesen Stempel:


Werbestempel einer "Perfect"-Maschine Halifax, N.S., 5. November 1953 "Use Post Office Money Orders"

Weiter oben [#3] hatte ich kurz die ab 1917 vorkommenden "travelling dies" erwähnt, die als "reisende" Stempel zum Werbeeinsatz von Postamt zu Postamt geschickt wurden. Der Slogan "Use Post Office Money Orders" ist ein solcher Stempel. Es gab davon nur drei Stück. Ich zeige hier zwei davon -- siehe die Ausrichtung des T in Post zum Y in Money in beiden Stempeln. Es sind eindeutig verschiedene Varianten. Diese drei Stempel mit wortgleichem Slogan wurden in der Zeit von 1931 bis 1956 in insgesamt 68 verschiedenen Postämtern eingesetzt.

Gelegentlich erfolgte der Einsatz nur einmal. Häufiger aber kam der Slogan nach ein paar Jahren wieder zurück. Die Einsatzperioden variieren dabei gewaltig. Manchmal wurde der Slogan nach ein paar Wochen oder Monaten wieder abgegeben, in einzelnen Fällen blieb er auch schon mal für mehrere Jahren am selben Ort. Viele der kanadischen Werbestempel bilden daher eine ideale Spielwiese zur Spezialisierung. Alle Verwendungsorte aus einer Serie zu sammeln ist eine erhebliche Herausforderung. Dies gilt allerdings auch für die USA und wohl auch für die deutschen Serienstempel.
 
Carolina Pegleg Am: 03.10.2009 13:58:47 Gelesen: 15158# 6 @  
Am Stempel "Use Post Office Money Orders" kann ich im Zusammenhang noch eine weitere Eigenart der kanadischen Werbestempel illustrieren; es gibt diese häufig in einer englischen und einer zweisprachigen Version für die französischsprachigen Teile Kanadas:


Werbestempel einer "Perfect"-Maschine Quebec, P.Q., 17. September 1938 "Use Post Office Money Orders / Employez les Mandats des Poste"

Von der zweisprachigen Version dieses Slogans gab es nur einen Entwertereinsatz. Auch dieser reiste jedoch wie die englischsprachigen Geschwister von Postamt zu Postamt (im französischsprachigen Teil Kanadas), so dass aus dem Zeitraum von 1930 bis 1950 14 verschiedene Postorte mit diesem Perfect Stempel bekannt sind.

Bereits Ende 1936 begann die kanadische Post an der Weisheit ihrer Entscheidung ausschliesslich auf die kanadischen Perfect Maschinen zu setzen zu zweifeln. Die Maschine gab es nur in einer Grösse, die wirklich zu gross für kleinere Postanstalten war, bei denen eine Stempelmaschine allerdings gleichwohl gerechtfertigt wäre. Ebenso war die Post nun für die Instandhaltung der Maschinen selbst verantwortlich. Bei den bislang gemieteten Maschinen hatte die Verantwortung dafür bei dem Hersteller gelegen.

Zwischenzeitlich -- schon in 1920, aber bislang nicht wichtig für diese kurze Darstellung -- war die Universal Stamping Machine Co. in dem neu gegründeten Unternehmen Pitney-Bowes aufgegangen. "Pitney" brachte die Freistempel-Patente, "Bowes" (= Universal) die Stempelmaschinen in die Firma ein. Die PB Stempelmaschinen waren jahrzehntelang noch die unveränderten handbetriebenen und elektrischen Universal Maschinenmodelle, die unter dem neuen Namen weiter vermarktet wurden.

Da die Perfect-Maschinen überdimensioniert (und wohl auch zu teuer) waren, mietete die kanadische Post in 1937 eine Anzahl (etwa ein dutzend) der kleinsten PB Machinen für einige Postämter an, die sich gerade so für den Einsatz einer Stempelmaschine qualifizierten. Ein weiterer und grösserer Schritt in der Rückbesinnung kam dann in 1938, als die grosse Anzahl von Perfect Maschinen in der grössten kanadischen Stadt Toronto wieder mit angemieteten schnellen elektrischen Maschinen ersetzt wurden (dem PB / Universal Model D). Der gleiche Austausch wurde in den Grosstädten Ottawa und Hamilton in 1941 vollzogen. Dadurch wurde eine ganze Anzahl von Perfect Maschinen frei, die in andere Postämter umgesetzt wurden.

Mit dem Krieg wuchs auch in Kanda der Bedarf für Stempelmaschinen erheblich an. Ein explodierendes Volumen an Post traf zusammen mit Personalknappheit. Zu dieser Zeit hatte die Post ihr Interesse an den Perfect Maschinen vollständig verloren und es wurden keine weiteren mehr angeschafft. Stattdessen gab es einen scharfen Anstieg in der Anzahl der angemieteten PB Maschinen. Die Unterscheidung der PB Maschinen von den zeitgleich immer noch in Betrieb befindlichen zahlreichen Perfect Maschinen ist weiterhin der Abstand von 12 mm zwischen Stempelkopf und Entwertereinsatz.

Diese Fortsetzung, die uns in der Geschichte bis etwa 1945 bringt, war ein bisschen textlastig. Ich werde ein paar Bilder später noch nachreichen. Ich schliesse aber wenigstens mit einem Exemplar eines PB Stempel, einem "Black Out" Stempel, zu denen ich an hier an anderer Stelle schon einmal etwas geschrieben hatte: http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=888&CP=0&F=1


Werbestempel ("Black Out") einer PB Maschine, Vancouver, B.C., 20 März 1944 "Eat Right for Health."
 
Carolina Pegleg Am: 07.10.2009 05:11:35 Gelesen: 15128# 7 @  
Die folgenden Jahrezehnte sind im Hinblick auf die Stempelgeschichte ohne besondere dramatische Entwicklungen. Die Perfect-Maschinen setzten ihren Niedergang fort und wurden von PB Maschinen verdrängt. In 1956 erfolgte die Anordnung alle verbliebenen Perfect-Maschinen auszutauschen und an das Postamt in Montreal abzugeben. Es war jedoch ein schleichender Tod und die Abgabe der Maschinen zog sich vereinzelt über 10 Jahre hin. Selbst danach wurde die Maschinen auch nicht verschrottet, sondern in Montreal als temporärer Ersatz oder zur Verstärkung in der Weihnachtszeit für Postämter in der Provinz Quebec zur Verfügung gehalten. Inwieweit bei diesen Spätverwendungen Werbestempel zum Einsatz kamen entzieht sich meiner Kenntnis. Der letzte bekannte Perfect-Stempel datiert von Februar 1980 (Montreal).

Es schliesst sich somit eine Phase an, in der Pitney-Bowes praktisch Alleinstellung in Kanada erreichte. Die grossen Postämter verwendeten das Arbeitspferd Modell G. Mittlere und kleine Postämter verwendeten das Modell D, und bei noch kleineren Postämter findet sich das hand-betriebene Modell K. Die Modelle G und D vermag ich nicht zu unterscheiden (das wäre etwas für ein neues Thema "PB / Universal"), das Modell K ist jedoch charakteristisch. In 1960 wurden die ersten 14 angeschafft und bis Ende 1966 waren dann schon 181 Model K's in Betrieb. Häufig waren diese Maschinen die direkten Vorgänger der in 1983 angeschafften Klüssendorfs, so dass ich mich von daher auch etwas für die PB Model Ks interessiere. Eine Liste ist mir davon nicht bekannt, aber auch dies sind interessante, sammelwürdige Stempel. Ich bringe diese Stempel hier auf, weil ich dazu gleich in einem anderen Thema noch etwas schreibe.


PB / Univeral Model K Maschinenstempel, Steinbach, MB, 1. März, 1965. Auch dieses Postamt verwendete ab 1984 eine deutsche Klüssendorf Maschine.

Der Monotonie bei dem Hersteller Pitney-Bowes während der 60er und 70er Jahre steht allerdings eine immense Vielfalt der Werbestempel gegenüber. Für alle möglichen lokalen und nationalen Anlässe wurde geworben. Im gewissen Sinne handelt es sich um ein goldenes Zeitalter Maschinenwerbestempel. Auch entdeckte die kanadische Post, dass die ausgemusterten alten Universal Stempeleinsätzen (zumeist aus den 30er Jahren) in die PB Maschinen passten und so finden wir eine fröhliche Wiederkehr der alten "postal directives" auch fast bis in die Neuzeit hinein.


PB Maschinenwerbestempel, Port Arthur, ON, 9. Februar 1965, "Why Wait for Spring -- Do it Now." Vielleicht der am weitesten verbreitete Werbestempel. Im Zeitraum von 1957-69 bei mehr als 150 Postämtern auf PB Maschinen im Einsatz. Sicher ein wichtiges Anliegen, da bei unseren Nachbarn im Norden der Winter 8 Monate dauert. ;).

Ich denke, ich bin mit der zusammenhängenden Darstellung in 2-3 Lieferungen fertig, und dass wir dann hier von einem Informations- in ein "Zeige"-Thema umschwenken. Die 60er und 70er geben dafür einiges her. Ein Ereignis aus den 70ern ist dabei abschliessend gesondert zu erwähnen: In 1972 verordnete die Post, dass alle neuen Werbestempel zweisprachig englisch / französisch gehalten werden müssen.
 
Carolina Pegleg Am: 09.10.2009 03:16:58 Gelesen: 15097# 8 @  
Nach einigen beschaulichen Jahrzehnten, in denen sich auf der technischen Seite nicht soviel tat, gibt es nun beginnend ab den frühen 70er Jahren gravierende Entwicklungen, bis dann in der Gegenwart wieder relativ ruhiges (beinahe zu ruhiges) Fahrwassser erreicht wird.

Ausschlaggebend für die Entwicklung waren Bestrebungen nicht nur das Stempelgeschäft, sondern nun auch die Postbehandlung in der Gesamtheit zu automatisieren. Versuche in dieser Richtung gab es viele und sie reichen teils auch weit zurück. Ich möchte hier nur an der Oberfläche bleiben; dies sind alles Themen für sich. Auch möchte ich mich nicht in einzelnen Pilotversuchen -- zumal den gescheiterten -- verlieren, sondern das übergeordnete Thema der Werbestempel nicht aus den Augen verlieren. Tatsache ist jedenfalls, dass sich nach einer ersten Pionierphase innerhalb weniger Jahre zuverlässige Maschinen herauskristallisierten, die zwar noch perfektioniert wurden, aber im Prinzip für ihre jeweiligen Einsatzzwecke vollkommen zufriedenstellend waren. Die International Flier, das Universal Model G, die Krag Bandstempelmaschinen stempelten alle zwischen 600-1,000 Sendungen pro Minute. Und die Flier gab es schon seit den 1880ern Jahren. Mit ein paar dieser Maschinen konnte man selbst das Postaufkommen einer Großstadt stemmen.

Stempeln war aber eben nicht alles. Anfang der 70er schaffte die kanadische Post einige Pitney-Bowes Mark II "Facer-Canceller" Maschinen an. Dies waren -- zumindest aus meiner beschränkten nordamerikanischen Sicht -- die ersten in Zahl verbreiteten Maschinen, die die Sendungen nicht nur stempelten ("to cancel"), sondern zuvor auch erst richtig dafür aufstellte ("to face"). Bis zu dieser technischen Neuerung konnten für die Stempelung zwar die Maschinen verwendet werden, die Post musste allerdings zuvor erst zeitraubend von Hand so sortiert werden, dass die Marke alle in der selben Ecke waren. Einzug des Briefes in die Maschine erfolgte dann auf dem Kopf stehend (mit der Marke in der linken unteren Ecke) von rechts nach links. Der Stempel war kopfstehend in der Maschine montiert, so dass dann im Ergebnis wieder alles richtig herum war. Ich schreibe dieses technische Detail hier rein, weil es bei den noch darzustellenden modernen ink-jet Stempeln nämlich anders ist.


Werbestempel "Postal Code / Code Postal" einer Pitney-Bowes Mark II Maschine, Winnipeg, MB, 18. November 1979.

Die kanadischen Mark II Machinen, die es nur bei 14 grösseren Postämtern gab, haben einen kleinen Stempelkopf und gewöhnlich (immer? -- will mich nicht festlegen) eine Maschinennummer im Stempelkreis, hier '1'. Es kommen aber auch Maschinen mit Buchstaben (2A etc.) vor. Die horizontalen Balken links vom Stempelkopf oben und unten sind ebenfalls charakteristisch für diese Stempel und finden sich häufig auch bei den verbreiteten amerikanischen Stempeln dieses Types.

Praktisch zur gleichen Zeit nahm die Post auch eine Anzahl Toshiba TSC81C Maschinen in Betrieb. Diese waren "CFC" (= "Culler-Facer-Canceller") Maschinen, die die Briefe nicht nur richtig aufstellten und dann stempelten, sondern zuvor noch automatisch sämtliche nicht-standard Sendungen (unförmig etc.) raussortierte ("to cull").


Werbestempel "Postal Code / Code Postal" einer Toshiba CFC Maschine, 19 April, 1989, 'G1K 3W0' = (Quebec).

Die Maschinen dieses Types waren überwiegend bei Briefzentren eingesetzt, deren Postleitzahl sie im Stempel tragen. Nur vereinzelt gibt es Ortsbezeichnungen im Stempel. Charakteristisch ist auch die Angabe "Postes Canada Post" im Stempel (obwohl es auch hier wieder ein paar Ausnahmen gibt). Beachtenswert bei den Toshiba Stempeln im übrigen die Angabe der Maschinennummer links oben ausserhalb des Stempelkreises. Hier eine "1" -- man muss schon genau schauen.

Ich habe die Stempel mit Bedacht ausgewählt, bewerben sie doch das postgeschichtlich bedeutsamste Ereignis dieser Periode: Die schrittweise Einführung der Postleitzahl von 1970 bis 1974, die das Fundament jeder weiteren Postautomatisierung legte. Dazu kam dann überlappend noch ein weiteres Grossereignis: In 1981 ersetzte das Unternehmen "Canada Post" das Postministerium in der Trägerschft der Post. Die Auswirkungen auf die Poststempel waren zusammengenommen gravierend.
 
Carolina Pegleg Am: 09.10.2009 04:51:49 Gelesen: 15096# 9 @  
Da ich heute Abend noch Energie habe, noch eine weitere Fortsetzung. Ich will das Thema auch langsam von meiner Seite abschliessen. Zunächst ein kurzer Abschweifer zu den kanadischen Postleitzahlen.

Kanada führte Postleitzahlen schrittweise Anfang der 70er Jahre ein. Man beschloss einen sechstelligen alpha-nummerischen Code und entschied damit bewusst gegen eine PLZ nach deutschen System. Das Format der kanadischen Postleitzahlen ist B1B 1B1, wobei B für einen Buchstaben und 1 für eine Zahl in der Postleitzahl steht. Von Anfang an war beabsichtigt die Postleitzahl so zu gestalten, dass sie für die automatische Schrifterkennung tauglich war. Es kommen daher die je nach Handschrift leicht zu verwechselnden Buchstaben D, F, I, O, Q, und U nicht vor. Gleichwohl erlaubt die Kombination von B1B 1B1 ein vielfaches an verschiedenen Kombinationen als z. B. die nach deutschem Vorbild gebildete amerikanische fünfstellige PLZ.

Der erste Buchstabe in der Postleitzahl bedeutet eine Briefregion, dies ist in der Regel eine der kanadischen Provinzen. Die bevölkerungsreichen Provinzen umfassen mehr als eine Briefregion. Es bedeuten:

A -- Newfoundland & Labrador
B -- Nova Scotia
C -- Prince Edward Island
E -- New Brunswick
G, H, J -- Quebec
K, L, M, N, P -- Ontario
R -- Manitoba
S -- Saskatchewan
T -- Alberta
V -- British Columbia
X -- North West Territories & Nunavut (ab 1999)
Y -- Yukon Territory

Gemeinsam mit diesem ersten Buchstaben bedeutet die erste 3er Gruppe ein "forward sortation area (FSA)," dabei kann es sich um eine bestimmte Gegend oder eine Stadt handeln. Die zweite 3er Gruppe ist dann relevant für die richtige Sortierung innerhalb dieses Gebietes für eine zügige lokale Zustellung. Eine sehr gute übersichtliche Auflistung der verschiedenen FSAs mit Namen in Klartext findet sich bei Wikipedia, hier der Link: http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_A_postal_codes_of_Canada

Eine Zuordnung der ab Anfang der 80er Jahre immer stärker auftretenden Stempel nur mit PLZ ohne Angabe des Ortes zum Verwendungsort ist damit sehr leicht anhand der ersten 3er Gruppe möglich.
 
Carolina Pegleg Am: 15.10.2009 03:11:51 Gelesen: 15057# 10 @  
Ab 1981, dem Jahr an dem die Crown Corporation 'Canada Post' die Post übernahm, ist ein Rückgang der Werbestempel zu verzeichnen. Die Steigerung der Effizienz des Postwesens wurde das zentrale Thema. Die kostengünstige Bereitstellung von Werbefläche für regionale Anlässe war keine Überlegung mehr wert. Ebenso war man sichtlich bemüht keine Präzedenzfalle zu schaffen. Stattdessen trat mehr und mehr die Posteigenwerbung in den Vordergrund, und hier insbesondere die Bewerbung der Postleitzahl.

Canada Post tätigte in der Folgezeit erhebliche Investitionen in das veraltete kanadische Postwesen. Moderniserung, Automatisierung, Zentralisierung waren die Themen.

In 1983/84 erwarb Canada Post 320 Maschinen des deutschen Herstellers Klüssendorf für den Einsatz bei kleinen Postorten, bei denen eine Stempelmaschine gerade noch gerechtfertigt war. Die Machinen stellten sich im nachhinein als langsamer als erwartet heraus, waren allerdings leise und praktisch wartungsfrei (wie man es stereotypisch von deutschen Produkten erwartet). In der Tat ist die Stempelqualität der Klüssendorf-Maschinen meist bestens. Alle Klüssendorfs waren werksmässig mit dem Slogan "Postal Code / Code Postal" ausgerüstet. Man sieht sie selten mit einem anderen Entwertereinsatz. Diese Stempel sind unter den "modernen" Stempeln weltweit meine besonderen Lieblinge, und ich habe sie daher auch hier auf den philaseiten schon einmal gesondert vorgestellt:

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=875&CP=0&F=1


Werbestempel "Postal Code / Code Postal" einer Klüssendorf Maschine, Port Elgin, ON, 9. August 1985.

In der nächsten Modernisierungswelle im Jahre 1986 schaffte Canada Post 180 Maschinen Model MST des Herstellers International Peripheral Systems. Dies waren im Ggensatz zu den Klüssendorfs Hochgeschwindigkeitsmaschinen, die bei mittleren und grösseren Postämtern eingesetzt wurde. Auch bei diesen war werksmässig der Slogan "Postal Code / Code Postal" eingebaut.


Werbestempel "Postal Code / Code Postal" einer IPS MST Maschine, Brandon, MB, 21. Juni 1990.

Im Jahre 2000 gab es dann die letzte Welle der Anschaffung durch Canada Post. Sie schaffte zur Ersetzung von Klüssendorf und betagten PB / Universal Model K Maschinen bei mittleren und kleinen Postämtern neue Maschinen Modell 4900 des Herstellers IPS an. Das Stempeldesign dieser Maschinen unterscheidet sich nicht wesentlich von den älteren MST Maschinen dieses Herstellers -- ausser dass die MST Modelle genau wie die Toshiba Maschinen eine Maschinennummer in der linken oberen Ecke neben dem Stempelkopf zeigen, während bei den IPS Model 4900 dieses Merkmal fehlt. Der standardmässige Stempeleinsatz bei dem Model 4900 ist zudem nun -- den modernen Zeiten gerecht -- "www .canadapost.ca / www .postescanada.ca"

Die Musik spielte allerdings in den letzten 15 Jahren schon lange nicht mehr bei den traditionellen Stempelmaschinen, die man weltweit als Dinosaurier ansehen möchte, sondern bei den ink jet Maschinen.
 
Carolina Pegleg Am: 15.10.2009 05:14:07 Gelesen: 15055# 11 @  
Zunächst Danke an Stefan (petzlaff) für die liebe Anerkennung in einem anderen Thema von heute. Ich muss sagen, mir macht das Schreiben hier Spass und ich freue mich, wenn der ein oder andere durch unsere Diskussionen etwas neues zu unserem schönen Hobby erfährt.

Nach dem ich in den letzten Fortsetzungen durch einige Jahrzehnte hindurchgerast bin, muss ich mir nun etwas mehr Zeit nehmen. Bei den konventionellen Werbestempeln der letzten 50 Jahre gibt es natürlich noch vieles zu Sagen und zu Zeigen, aber mir ging mein eigener Vortragton etwas auf den Nerv. Ich denke man kann auf dem gelegten Fundament Fehlendes leicht in interaktiver Form noch ergänzen. Vorgestellt oder wenigstens erwähnt ist jedenfalls praktisch alles was einem typischerweise an kanadischen Werbestempeln in die Finger kommt. Eintagsfliegen und Ausreisser habe ich weg gelassen. Ich bin mir auch nicht im klaren, ob ich diese überhaupt alle kenne. Über 90% der vorkommenden Werbestempel gehören aber sicher zu den bislang behandelten Arten.

Es bleiben nur mehr die Tintenstrahl-Entwertungen, die ich bislang synonym mit "ink jet" oder "jet spray" bezeichnet habe. Durchgesetzt hat sich m. W. noch keine Bezeichnung, aber wir wissen alle was gemeint ist, nämlich das:



Wir werden uns weltweit an diese neue Art der Entwertung gewöhnen müssen. Das Auftreten dieser Entwertungen ist mit der Postautomatisierung, insbesondere der automatischen Postsortierung verknüpft. Die automatische Postsortierung wiederum ist mit der Entwicklung von automatischen Schrifterkennungsverfahren, OCR = optical character readers, verbunden.

Schon Anfang der 70er Jahre wurde in Kanada mit OCR Technologie experimentiert. Ziel war es die Postleitzahl automatisch zu erkennen und das Poststück entsprechend automatisch zu sortieren. Die ersten OCR Maschinen lasen dazu automatisch den unteren Streifen jedes Umschlages. Über die Jahre steigerte sich die theoretische Leistungsfähigkeit der Maschinen bis zu 20,000 Adressen pro Stunde -- allerdings mit einer Fehler- bzw. Zurückweisungsquote von 75%. Der Durchbruch gelang Anfang der 90er Jahre als Canada Post neuartige OCR Maschinen von AEG bezog, die in der Lage waren, nicht nur die letzte Zeile, sondern die gesamte Adresse zu erfassen. Diese "mulit-line" OCR (=MLOCR) Maschinen erfassten 9 Briefe/Sekunde (ca. 32,000 Stunde). Da die Maschinen automatisch die Postleitzahl mit der gesamten mehrzeiligen Anschrift verglich, konnten Zweifelsfälle in der Lesung automatisch aufgeklärt und entschieden werden. Die Zurückweisungs- und Fehlerquote war nunmehr sehr gering. Diese Maschinen fanden sich selbstverständlich nur in den Briefzentren. Die Zentralisierung der Post, d.h. die Ersetzung von Postämtern durch Verkaufsstellen und die Schaffung von "Postfabriken" zur zentralisierten, überregionalen Bearbeitung, war eine Entwicklung die seit den 70er Jahren erst langsam und dann immer schneller von statten ging (und nicht nur in Kanada).

In den Briefzentren waren die Briefe stets in einem separaten Arbeitsgang vor der Zuführung zu den OCR oder MLOCR Maschinen gestempelt worden, in der Regel mit den modernen (C)FC Maschinen von PB oder Toyota oder mit dem Sammelsurium anderer Geräte, die der kanadischen Post in den 80er Jahren zur Verfügung stand. Ende 1992 entschied Canada Post allerdings zur Effizienzsteigerung die Briefentwertung als einen Arbeitsgang in die Briefsortierungs"strasse" zu integrieren und zwar zwischen der Videokodierung und der Zielverteilung. Es musste damit ein grundsätzlich anderer technischer Ansatz her.

Bevor es gleich etwas technisch wird (und ich diesen Beitrag nicht mehr einstellen kann wegen "time outs") schnell noch ein detaillierter Blick auf einen typischen kanadischen jet spray Stempel:



Der Stempel hat in der Regel zwei, gelegentlich auch drei, Zeilen. In der oberen (manchmal in der unteren) Zeile finden wir stets die Maschinennummer der OCR Maschine, hier 090. Manche Briefzentren haben nur eine OCR Maschine, andere haben mehrere. Alle Nummern wurden jedoch landesweit nach irgendeinem System vergeben und wiederholen sich nicht. Es ist daher möglich über die Nummer der OCR Maschine (oder besser 'Strasse') den Verwendungsort zu bestimmen. Ich kann möglicherweise eine Liste zusammenstellen, falls das von Interesse ist. Die OCR Nummern wurden nicht fortlaufend vergeben und ich denke nicht, dass es mehr als 50-60 dieser Einrichtungen gibt. Der Verwendungsort ergibt sich aber nicht nur aus der Maschinennummer, sondern auch in erster Linie (und offensichtlicher) aus der Postleitzahl, hier T5J 2T0 -- Edmonton, Alberta. Dies deckt sich im vorliegenden Fall mit der Absenderangabe, aber kann anhand des oben [#9] mitgeteilten Wikipedia-Links auch leicht verifiziert werden. Sodann finden wir das Datum in sechsstelliger Form 991221, der 21. Dezember 1999, und die minutengenaue 'europäische' Uhrzeit 19:04. Den Abschluss bilden 10 geneigte Killerstriche, zur Entwertung der Marke gedacht. Die zweite (oder weiteren) Zeilen -- wenn vorhanden -- zeigen einen Slogan, hier: Postal Code / Code Postal (öfter mal was neues).

Wie das mit den Tintenstrahlentwertungen nun technisch genau funktioniert, beschreibe ich morgen.
 
Carolina Pegleg Am: 16.10.2009 06:36:56 Gelesen: 15024# 12 @  
In 1992 kontaktierte Canada Post wenigstens vier potentielle Lieferanten für die Jet Spray Systeme. Die Ausschreibung verlangte eine standardisisierte Erscheinungsform, so dass es sehr schwer, wenn nicht unmöglich ist, die Belege aus der Experimentierphase von Winter 1992 bis Frühjahr 1994 einem bestimmten Hersteller zuzuordnen. Die ersten Jet Spray Entwertungen bestanden nur aus einer Zeile und getest wurde überwiegend auf Post, die bereits entwertet war, was Sammler zu der Zeit sicher nicht erfreute. Ich habe mich mit diesen Entwertungen nicht früh genug beschäftigt, um zu der Testphase Belege zeigen zu können. Durchgesetzt hat sich in den Versuchen schliesslich das Modell Jamie 1000UE des Herstellers Imaje, dass ab Herbst 1994 in mehr und mehr der kanadischen Briefzentren installiert wurde. Im Prinzip kann ich nur etwas mit relativer Sicherheit über dieses Model sagen. In neuere Zeit sollen auch Drucker 'Marsh Encore JSP' die Imaje Jet Sprays ablösen oder abgelöst haben. Ich kann dies aufgrund des Druckbildes nicht sagen. Ich habe darüber nur eine Notiz. Ihr müsst Euch das so vorstellen, als ob ich euch fragen würde anhand eines gedruckten Briefes mir zu sagen, ob der mit HP, Brother, oder Lexmark gedruckt wurde. Ich leide an einer Fixierung auf Hersteller aufgrund meiner Beschäftigung mit traditionellen Maschinenstempeln -- hier muss man diese Denkweise allerdings wahrscheinlich aufgeben.

Alle Systeme haben im Prinzip drei Module: Einen Sensor, der die Höhe des Briefumschlages feststellt, den eigentlichen Jet Spray Printer mit ein oder zwei Druckerköpfen und einem Steuerungsmodul mit Keyboard zur Programmierung des Druckers.

Traditionelle Stempelmaschinen stempeln die Post auf dem Kopf stehend von rechts nach links. Ich habe das oben schon einmal am Rande erwähnt. Dies trifft auf alle Stempelmaschinen zu, soweit sie überhaupt über einen automatischen Einzug verfügen (also z. B. nicht bei den mechanischen Handstempeln). Der Grund dafür, dass dies ungeachtet des Maschinenmodells und ungeachtet einer mehr als 100jährigen Maschinen-Stempelgeschichte mit hunderten verschiedenen Herstellern so ist, liegt darin, dass traditionelle Stempelmaschinen nur einen Stempelkopf haben, Briefe aber unterschiedliche hoch sind. Nur wenn die Briefe auf ihrer Oberkante stehend kopfstehend zugeführt werden, wird die Marke egal, ob es sich um einen Damenbrief im Visitenkarten-Format, oder um eine überdimensionierte Grusskarte handelt, sicher getroffen. Steht der Brief auf der Unterkante, dann liegt der Stempel manchmal zu hoch oder zu niedrig oder mag sogar bei besonders kleine Poststücken glatt oberhalb der Oberkante vorbei stempeln. (Es wäre vorteilhaft, wenn ich dazu Illustrationen zeigen könnte -- leider muss ich auf die Vorstellungskraft der Mitleser vertrauen).

Bei den Jet Spray Stempeln werden die Briefe nun von links nach rechts auf der Unterkante stehend zugeführt. Die kanadischen Jet Spray Printer haben daher zwei Druckerköpfe mit jeweils vier Düsen (ist das das deutsche Wort für 'jets'?). Ein Sensor stellt die Höhe des Briefes fest und danach richtet sich, welche der insgesamt 8 Düsen aktiviert werden, um die Marke zu entwerten. In der Regel werden stets nur 2-3 Düsen ausgelöst. Hier ein Beleg, ohne den ich die ganze Sache wahrscheinlich nicht erklären könnte:


Test Entwertung einer Jet Spray Maschine, 12. Dezember 2008 mit Slogan 'Santa HoHoHo / Pere Noel'

Die Inkjet Drucker haben 2 Druckköpfe (A und B), die jeweils 4 Düsen haben. Der obige Beleg zeigt Markierungen der Düsen B1 bis B4. A1 fehlt und A2 druckt den Slogan 'Sante HoHoH0'. Diese Testabdrucke sollen natürlich normalerweise nicht auf der Post vorkommen. Im Normalbetrieb werden je nach der Höhe des Briefes die ein oder mehreren 'besten' Düsen ausgelöst. Da die Briefe von links nach rechts laufen, beginnt der Abdruck mit den Entwerterstrichen.

Zwei weitere technische Gegebenheiten sind von grosser Wichtigkeit. Zunächst hängt die Gesamtlänge des Ink Jet Aufdruckes von der Maschinengeschwindigkeit ab. Je höher die Geschwindigkeit, um so kürzer der Aufdruck. Die meisten Entwertungen erscheinen alle recht gleichförmig, da es offenbar eine optimale Betriebsgeschwindigkeit gibt (etwa 90mm). Es kommen aber Ausreisser zwischen 75mm und 100mm vor. Zudem ist die Höhe und der Abstand der Zeilen variabel. Auch hier muss ich auf Eure Vorstellungskraft vertrauen und mangels besserer Idee zeige ich dieses Symbol >

Nehmt an, dass der Punkt am rechten Ende des Symbols > die Spritzdüse des Druckers darstellt. Man kann sich vorstellen, dass je nachdem wie Nahe der Brief sich an der Düse befindet, davon die Höhe der Buchstaben beinflusst wird. Die Justierung, d. h. der Abstand, zwischen Brief und Düse beinflusst daher die Grösse des Abdruckes. Hier zwei Beispiele von dreizeiligen Entwertungen, bei denen die stark abweichenden Abstände der Zeilen und Schriftgrössen augenscheinlich (?) sind:


Jet Spray Slogan Stempel "Fraud - Prevent it! / La Fraude - Prevenez-la! von M4L 3T0 (Mail Processing Plant Toronto, ON), OCR Maschine 049, 10. März 2009.


Jet Spray Slogan Stempel "www .Postescanda.ca / www .canadaPost.ca" von H4T 1A0 (= MPP Montreal, QC), OCR Maschine 113, 9. Mai 2009.

Canada Post hat die Verwendung von Werbestempeln in den 90er Jahren sehr stark zurück gefahren. Ab 2002 kamen nur noch vier verschiedene Jet Spray Slogans vor (www .Canadapost.ca; www .epost.ca; From anywhere to anyone; und Santa HoHoHo Pere Noel). In letzter Zeit sind mir aber wieder mehr verschiedene Werbungen aufgefallen. Ich hoffe daher, dass das für mich interessante Gebiet der kanadischen Sloganstempel weiter besteht. Es gibt dabei immer wieder etwas neues.
 
Concordia CA Am: 21.10.2009 11:48:59 Gelesen: 14980# 13 @  
@ Carolina Pegleg [#12]

Ein dickes Kompliment für diese umfassende Darstellung der kanadischen Maschinen-Werbestempel. Das hat schon Fachbuchcharakter.

Beim Suchen nach Belegen, die in dieses Thema passen, ist mir eine Postkarte aus dem Jahr 2003 aufgefallen, die von Montreal nach Deutschland gelaufen ist. Sie hat sowohl einen Jet-Spray einer OCR-Maschine, als auch eine Stempelmaschine älteren Typs mit dem Slogan "Postal Code / Code Postal". Hier bin ich mir über den Maschinentyp allerdings nicht im Klaren.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Carolina Pegleg Am: 28.10.2009 05:08:33 Gelesen: 14944# 14 @  
@ Concordia CA [#13]

Hallo Concordia,

ich komme leider derzeit nur alle paar Tage zum Schreiben. Ich wollte hier aber noch ein paar Aufräumarbeiten leisten. Zunächst, der "normale" Stempel auf Deiner Karte [#13] ist von einer Toshiba Maschine. Man beachte die kleine Maschinennummer '5' links oberhalb des Stempelkreises, etwa auf '11 Uhr' Stellung. In meiner Beschreibung der Toshiba-Stempel in [#8] hatte ich noch gesagt, dass diese oft die Inschrift 'Postes Canada Post' tragen, aber es gäbe auch Ausnahmen und hier ist also eine solche Ausnahme, bei der die Landesbezeichnung nur Kanada lautet. H4T 1A0 ist Montreal und die Karte ist dort zweimal durch die Maschine gelaufen. Man findet solche Stücke, die zweimal entwertet wurden, leider sehr häufig. Erst durch eine normale Maschine, und dann OCR Inkjet. In [#12] zeige ich durch Zufall denselben Slogan ebenfalls von Montreal, allerdings von der OCR Maschine 113 und mit anderer Reihenfolge der Inschriften. Ich denke dies unterstreicht, dass man bei den inkjet Entwertungen, wenn sie dann irgendwann auch einmal nach Deutschland kommen, überlegen muss, was man als sammelwürdige Varianten akzeptieren möchte. Da ist im Prinzip jeder einzelne Abschlag irgendwie 'anders'.

Als Ergänzung zu [#7] ein Anschauungsstück eines Pitney-Bowes Stempels, bei dem ein ehemals eingemotteter Universal Slogan Jahrzehnte später wiederverwendet wurde. Der Brief wurde hier im anderen Zusammenhang gezeigt, aber ich denke es ist in Ordnung ihn hier einzubauen. Der Stempel macht den Brief nicht wirklich wertvoller.


Calgary, Alberta, 17.12.1960, "Stamp out Tuberculosis / Buy Christmas Seals"
 
Concordia CA Am: 30.11.2009 21:26:49 Gelesen: 14686# 15 @  
@ Carolina Pegleg [#14]

Ein Fund auf dem am gestrigen Tage besuchten Tauschtag ist für mich Anlass, dieses Thema einmal wieder nach oben zu holen.

Der Stempel passt auf Anhieb zu keinem der von Dir vorgestellten Typen bis 1930. In der Mitte des Stempelkopfes stehen Tag und Monat und nicht wie bei den anderen Typen die Uhrzeit. Die (unvollständige) Uhrzeit steht hier oben. Der Abstand zwischen Stempelkopf und Stempelfahne beträgt 10 mm.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Carolina Pegleg Am: 02.12.2009 06:07:12 Gelesen: 14654# 16 @  
@ Concordia CA [#15]

Hallo Jürgen,

der Stempel ist ein Universal. Die Zeilen für Datum und Uhrzeit sind austauschbar, ebenso die Jahreszahl. Standard ist sicher die mehrfach gezeigte Reihenfolge Tagesdatum, Uhrzeit, Jahr. Ich habe durch vielleicht 200 (?) Universal-Stempel gewühlt und nur ein gutes Vergleichsstück (mit einem vergleichbaren Stempelkopf) gefunden. Ein Stempel von Flint, Mich. mit der Anordnung Jahr (1923), Datum (17. Dez.), Uhrzeit (3:30 PM). Vertauschungen kommen also nicht so oft vor, sind aber trotzdem allenfalls Kuriosität.



Der Stempel selbst ist ein schönes Beispiel eines "postal directives" = Posteigenwerbung-Stempels, wie sie in den 20ern und 30er Jahren häufig waren. C.O.D. steht für 'collect on delivery,' beworben werden also Nachnahmesendungen. Diesen 'reisenden' Werbestempel gibt es aus 35 Städten im Zeitraum 1926 bis 1939. Ich war mir eigentlich sicher, dass ich einen weiteren dieser Stempel mit dieser Werbung aus einer andern Stadt hätte hinzufügen können, habe aber keinen in meiner Kanada Schublade gefunden.

Zu den Abstandsabweichung kann ich jetzt auch nichts genaues sagen. Es kommt wahrscheinlich darauf an, wo man jetzt genau misst. Ich habe den Messstrich links genau auf (also nicht 'an') den Stempelkreis gelegt und dann ist es bei diesen Universals ziemlich exakt 1/2 inch (12-13mm) bis zum Killereinsatz. Geringfügige Abweichungen kommen aber immer vor. Das Einsetzen der Stempel in die Maschine war ja keine Massarbeit. Im Rahmen dessen was konstruktionsmässig möglich war, kann 1mm mehr nach links oder rechts schon vorkommen. Die Massunterschiede zu den Perfect-Maschinen sind aber - jedenfalls wenn man ein paar in der Hand gehabt hat - schon gut unterscheidbar.
 
DL8AAM Am: 07.12.2009 18:50:57 Gelesen: 14579# 17 @  
Erst: VIELEN Dank für diese super Zusammenstellung !

Nun zu meinem Beitrag, er passt zwar nicht ganz genau hier rein, aber besser hier als er geht irgendwo anders unter. ;-)

Mir ist vor ein paar Tagen im Altpapier folgender kanadischer PPI in die Hände gefallen, leider nur als Ausschnitt:


Zweisprachiger "Gebühr-Bezahlt"-PPI für internationale Luftpostbriefe "Letter-Post" - ohne Ortsangabe.

Ich vermute es handelt sich möglicherweise um einen posteigenen Schalterstempel für am Schalter abgegebene Massenversendungen? Oder doch um einen kundeneigenen Stempel?

Was besagt die Kennziffer "123-2975" unten? Ist das eine laufende Stempel-/Maschinennummer ? Oder eine "Permit-Nummer"?

Wenn ich mir die Randbereiche des Stempels anschaue, könnte man auf die Idee einer Stempelmaschine kommen?

Gruß
Thomas
 
Harald Zierock Am: 19.12.2009 16:48:47 Gelesen: 14453# 18 @  
@ Carolina Pegleg [#16]

Hallo Arno,

dieser Link ist interessant. Vielleicht kennst Du ihn schon?

Harald

http://www.bnaps.org/education/documents/enacpao12.pdf
 
Concordia CA Am: 28.03.2010 00:19:19 Gelesen: 13782# 19 @  
@ Carolina Pegleg [#5]

Aus dem Jahr 1930, in dem die Perfect-Maschinen begannen, die Universal-Maschinen abzulösen, stammt dieser Brief aus Toronto, der nach Brooklyn, New York, gelaufen ist.

Der Stempelabstand zwischen Kopf und Werbeklischee beträgt etwa 11 mm, daher wird es sich um einen Universal-Stempel handeln.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
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