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Thema: Stempel mit Bogen unten oder Segment unten auf Belegen
Cantus Am: 18.02.2010 22:01:55 Gelesen: 13543# 1 @  
Meine Suche nach Kreisobersegmentstempeln hat auch einige wenige Stempel zutage gefördert, bei denen sich das Segment nicht oben, sondern unterhalb der Stempelmitte befindet. Da ich denke, dass auch diese Stempelbesonderheit bisher den meisten nicht so sehr im Bewusstsein ist, will ich dieses Thema mit ein paar Beispielen eröffnen; andere Forum'ler werden da sicherlich noch ergänzen können.

Am 6.1.1920 wurde eine P 115 mit Kreisuntersegmentstempel (KUS) von Königs Wusterhausen nach Eberswalde geschickt, wo sie einen Tag später eintraf.



Etwa 5 Jahre später, am 25.8.1925, wurde eine P 162 I mit KUS von BAD BLANKENBURG (THÜRINGERW.) nach Berlin-Tempelhof geschickt.



Nochmals 22 Jahre später wurde eine P 962a am 13.10.1947 mit KUS von Groß Schierstedt Kr. Quedlinburg nach Passau geschickt.



Wie man sehen kann, war diese Stempeltype über Jahrzehnte im Einsatz und es müssten sich deshalb noch diverse andere Beispiele finden lassen.

Viele Grüße
Ingo
 
Concordia CA Am: 18.02.2010 22:30:02 Gelesen: 13538# 2 @  
@ Cantus [#1]

Um Begriffverwirrungen zu vermeiden, will ich einmal die von Dir vorgestellten Stempeltypen darstellen und die korrekten Bezeichungen nach ANDERSON darstellen. Nach ANDERSON sollen in der Literatur und auf Ausstellungen die Stempelformen benannt werden.

Die unter dem dem Namen Kreisobersegmentstempel (KOS) gezeigten Beispiele werden Kreisstempel mit Segment oben genannt, die in diesem Thema gezeigten Stempel werden Kreisstegstempel mit Bogen unten genannt.


Kreisstempel mit Segment oben........................... Kreisstegstempel mit Bogen unten

Du zeigst sehr schöne Beispiele, insbesonders der untere Beleg gefällt mir sehr gut, da er zudem noch die Ortsbezeichnung in Kleinbuchstaben hat.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Jürgen Zalaszewski Am: 18.02.2010 22:48:42 Gelesen: 13533# 3 @  
@ Cantus [#1]

Lieber Cantus,

herzlichen Glückwunsch zu Deiner neuen Wortschöpfung. Damit hast Du dafür gesorgt, dass in der Welt der Philatelie wieder eine neue Stempelbezeichnung verwendet wird. Dass war ein guter Beitrag zur allgemeinen Verwirrung, wie sie eh schon herrscht.

Hatte ich mich noch gefreut, als ich Deinen Beitrag aufgerufen habe, dass endlich mal wieder jemand eine Bezeichnung einer Stempelform nach den Vorschlägen von Dr. Anderson vorgenommen hat, nämlich den Kreisstegstempel mit Bogen unten, musste ich leider in Deinem Text das Wort von KUS lesen, dessen genaue Bezeichnung ich hier nicht wiederholen möchte. Schade, oder stammt die Überschrift nicht von Dir?

Wie auch immer, Du kannst natürlich Stempelbezeichnungen verwenden, die Dir gefallen. Aber mal ehrlich, wie will man sich Themen- und Zeitenübergreifend mit Philatelisten unterhalten bzw. austauschen, wenn man nicht eine Sprache spricht. Es hat Jahrzehnte in der Philatelie gedauert, bis man einheitliche Begriffe und Symbole gefunden hat, die z.B. den Zustand einer Briefmarke beschreiben. Heute weiß jeder, was sich hinter postfrisch oder ** verbirgt. Warum geht das bei den Stempeln nicht?

Ich möchte hier noch mal Werbung für die Bezeichnungen der Stempelformen nach geometrischen Formen nach den Vorschlägen von Dr. Anderson machen. Diese Vorschläge können universell in allen Gebieten der Philatelie verwendet werden. Dann können sich auch zukünftig Krone-Adler-Sammler mit z.B. Weltraummotivsammlern über Stempel unterhalten und jeder weiß wovon der andere spricht. Dieses Beispiel habe ich bewußt gewählt.

Ich glaube der Philatelie in Deutschland würde es gut tun, wenn die Fachleute, die hier auf den Philaseiten Rede und Antwort stehen, endlich mal in einer Sprache sprechen würden.

Wer die Bezeichnungen der Stempelformen nach Anderson nicht kennt, kann sich hier informieren: http://www.poststempelgilde.de/korrekte_beschreibung_eines_poststempels.html

Viele Grüße
Jürgen Zalaszewski
Vorsitzender der Poststempelgilde e.V.
 
reichswolf Am: 18.02.2010 22:55:40 Gelesen: 13529# 4 @  
Diese Stempelform kommt auch bei den Feldpoststempeln des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg vor. Hier zeige ich eine entsprechende Karte vom 06.04.1916 mit Tagesstempel K.D. Feldpost- station * Nr. 33 * und beigesetztem Truppenstempel 1. Komp. L. I. R. 29 (= 1. Kompanie des Landwehr-Infanterie-Regimentes 29). Wo die Kompanie zu diesem Zeitpunkt eingestzt war, kann ich leider nicht sagen, also auch nicht, von wo die Karte stammt. Gelaufen ist sie jedenfalls nach Aachen-Rothe Erde.



Beste Grüße,
Christoph
 
Postgeschichte Am: 18.02.2010 23:40:58 Gelesen: 13519# 5 @  
@ reichswolf [#4]

Laut Zirkenbach befand sich die Feldpoststation 33 in Tukkum (Postgebiet Ob.Ost). Ob diese Angabe, die immerhin aus dem Jahr 1933 stammt, auch heute noch Bestand hat, weiß ich nicht. Es ist zumindest für Dich ein Anhaltspunkt.

Gruß
Manfred
 
Cantus Am: 19.02.2010 14:21:37 Gelesen: 13487# 6 @  
Hallo zusammen,

die exakte Bezeichnung ist mir persönlich völlig egal, lediglich einheitlich und möglichst kurz sollte sie sein, so wie in dem parallelen Beitrag - unabhängig von allen Diskussionen - wohl doch der Begriff "KOS" immer wieder verwendet und auch entsprechend akzeptiert wird. Die von Concordia CA gezeigten beiden Grundrisse reichen mir zur Bestimmung aber auch nicht aus, da ich sowohl Steg- als auch Brückenstempel mit Halbkreis unten hier liegen habe. Wie wäre es also, wenn ihr hier - in Absprache mit Richard - an irgend einer zentralen Stelle eindeutige Definitionen mit den zugehörigen abstrakten Stempelformabbildungen hinterlegen würdet, damit sich Neulinge in diesem Metier problemlos dazu orientieren können?

Im Übrigen ist dieses Forum hier mit Sicherheit nicht die "Welt der Philatelie". Die, die dieses Forum hier besuchen, sind oft auch in anderen Foren aktiv und können sich so in einem großen Querschnitt ihre ganz persönliche Meinung bilden. Dieses Forum hier habe ich bisher auch nicht als das Sprachrohr des BDPh empfunden, sondern als Sammelstätte interessierter Sammler und/oder Philatelisten, und so sollte es auch bleiben, sonst reduziert sich die Zahl der aktiven Teilnehmer sehr schnell und das sollte vermieden werden.

Und, Stempelfuchs, wenn es dich wurmt, wenn ich als Laie von Poststempelformen den in deinen Augen falschen Ausdruck gewählt habe, so lass dir gesagt sein, dass es mir als Ganzsachenspezialist genauso geht, wenn ich ununterbrochen in Foren, bei Internetauktionen jeglicher Couleur oder sogar bei schriftlichen Verkaufsangeboten von Sammlern immer wieder damit konfrontiert werde, dass nur die wenigsten bereit sind, die überall (auch z.B. bei Ebay) nachlesbare Definition einer Ganzsache zu beachten.

Ich bin u.a. auch ein Stempelsammler, aber anders als euch haben mich bisher die (deutschen) Stempelformen eher weniger interessiert, denn bei diesem Thema sammle ich die Ortsstempel des Deutschen Reiches auf Ganzsachenpostkarte. Dabei ist ein möglichst sauberer Abschlag das Wesentliche, die Stempelform ist für mich dabei völlig unerheblich. Und auch wenn dir oder anderen hier die von mir gewählte Überschrift in ihrer Urform nicht gepasst hat, so habe ich damit wenigstens bewirkt, dass hier nun auch Stempel mit "Bogen unten" in einem Einzelthema abgebildet werden können. Wo aber soll ich bei dieser Definition nun Brückenstempel mit Bogen unten abbilden, also solche, wo der mittige Steg nicht von Außenkante zu Außenkante verläuft, sondern nur so breit ist wie der waagerechte Teil des Bogens?

Viele Grüße
Cantus
 
Postgeschichte Am: 19.02.2010 15:44:30 Gelesen: 13477# 7 @  
@ Cantus [#6]

Wo aber soll ich bei dieser Definition nun Brückenstempel mit Bogen unten abbilden, also solche, wo der mittige Steg nicht von Außenkante zu Außenkante verläuft, sondern nur so breit ist wie der waagerechte Teil des Bogens?



Wenn Du diesen meinst, dann ist es ein "Kreisstempel mit Segment unten".

Ich finde es schon sinnvoll, gerade wenn man mehrere Foren besucht, sich auf einheitliche Typenbezeichnungen zu einigen. Um das Rad nicht nochmals erfinden zu wollen, sollte man sich auf das bestehende Standardwerk von Hans-Joachim Anderson verständigen.

Der von Dir bezeichnete Stempel kann kein Brückenstempel sein, da die Brücke ja fehlt. Daher trifft die von Prof. Anderson gewählte Bezeichnung voll zu.

Mit philatelistischen Gruß
Manfred
 
Concordia CA Am: 19.02.2010 20:25:55 Gelesen: 13453# 8 @  
@ Cantus [#6]

Ich denke, Manfred hat es auf den Punkt gebracht. Genauigkeit geht vor Kürze und die Benutzung einer bewährten Terminologie ist der Kreativität bei Wortneuschöpfungen vorzuziehen. Dann gibt es auch wenig Möglichkeiten zu Missverständnissen.

Die allseits beliebten Abkürzungen mögen zwar beim Schreiben eines Beitrages bequemer sein, aber so eilig haben wir es doch nicht, dass wir SMS-artig miteinander kommunizieren müssen. ;-)

All das soll natürlich nicht davon abhalten, Dinge vorzustellen, an denen man Gefallen findet. Falls es Unsicherheiten gibt, wie dieser oder jener Stempel zu bezeichnen ist, gibt es hier einige erfahrene Stempelsammler, die gerne Auskunft geben, so wie Du und einige erfahrenen Ganzsachenspezialisten jederzeit bereit sind, bei Fragen zu diesem Thema weiter zu helfen.

Analog zum Thema Bestimmungsfragen zu Maschinenstempeln kann bei Bedarf sofort ein Thema Bestimmungsfragen zu Stempelformen eröffnet werden. Das komplette Werk von ANDERSON hier zu veröffentlichen, wird sicher nicht möglich sein. Einen erster Überblick schafft jedoch der von Stempelfuchs benannte Link.

Nach soviel Text nun wieder ein Beleg:


Kreisstegstempel mit Bogen unten - NEUHAUSEN / Erms / * (Württ) * vom 27.3.43 12-13

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Cantus Am: 19.02.2010 20:29:27 Gelesen: 13450# 9 @  
Hallo Manfred,

ich habe ja nichts dagegen, die von euch gewünschte Bezeichnung zu verwenden, ich empfinde es aber als nicht sachgerecht vorauszusetzen, dass jeder, der hier einen Beitrag zeigen will, euer Standardwerk kennt. Ich hatte bisher noch nie von Prof. Anderson gehört, kenne sein Werk nicht und besitze es auch nicht. Ich sehe gegenwärtig auch keinen Grund, es mir zuzulegen, es sei denn, man könnte es für einen relativ geringen Betrag erwerben, was ich aber angesichts des Umfangs nicht erwarte. Für die mich verstärkt interessierenden Länder habe ich ausreichend Fachliteratur, für Frankreich diverse Schriften, für Großbritannien den Whitney, für Österreich den Stohl und für meine preußischen Ganzsachen im Regierungsbezirk Frankfurt/Oder den Kastaun, das hat bisher immer ausgereicht. Ich will das hier aber nicht noch weiter vertiefen, sondern zeige euch die beiden Stempelarten, die ich meine.

Das erste Beispiel gehört mit Sicherheit zu den Stegstempeln. Die Karte wurde am 21.8.1937 vom Ostseebad Brunshaupten auf die Reise geschickt; Ziel war Wolfshau bei Krummhübel im Riesengebirge.



Die zweite Karte gehört nach meiner Auffassung zu den Brückenstempeln. Durch allerlei Vergleiche mit anderen Karten habe ich inzwischen bemerkt, dass die gezeigte Stempelform in der DDR wohl recht häufig verwendet worden ist. Ich hätte daher nur ganz gerne eine allgemein anerkannte Bezeichnung dafür, damit ich in meinem Forum (es gibt da ein paar DDR-Sammler) vielleicht einen Beitrag mit beanstandungsfreier Bezeichnung gründen kann.

Die Karte wurde am 1.7.1968 von Booßen (im Stempel Boossen, das liegt östlich von Frankfurt/Oder) nach Wuschewier im Oderbruch gesandt.



Viele Grüße
Cantus
 
Concordia CA Am: 19.02.2010 20:57:19 Gelesen: 13445# 10 @  
@ Cantus [#9]

Der auf dem unteren Beleg gezeigte Stempel, ein Kreisstempel mit Stegsegment unten, kam ab der Einführung der Postleitzahlen in der DDR im Jahr 1965 zum Einsatz.

Dazu kann ich ein Exemplar vom Postamt 1005 BERLIN BPA aus dem Jahr 1978 zeigen.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Cantus Am: 19.02.2010 21:04:54 Gelesen: 13443# 11 @  
Danke für die Auskunft.

Viele Grüße
Ingo
 
Postgeschichte Am: 19.02.2010 21:11:31 Gelesen: 13443# 12 @  
@ Cantus [#9]

Hallo Cantus,

daß Du Dich mit dem Stempelformen beschäftigst und aus Deiner Sicht auch richtig beschreibst ist aus Deinen Ausführungen zu erkennen. Es verlangt glaube ich keiner, daß ein Mitglied dieses Forums das exakte Thema trifft. Ansonsten gäbe es auch keine Fragen. Es muß dann aber gestattet sein, das Thema nach besserem Wissen auch ändern zu dürfen. Dies ist in diesem Fall geschehen und dürfte normal kein Problem sein. Ich glaube auch, daß Du das genau so siehst.

Da Du offensichtlich eine umfangreiche Stempelsammlung besitzt, solltest Du Dir überlegen, ob Du nicht die 12,00 EUR (zuzügl. Versandkosten) von Prof. Anderson bei der Poststempelgilde investieren möchtest.

Der obere Stempel ist ein Kreisstegstempel, der untere ein Kreisstempel, weil es keine Verbindung zum Rand gibt. Ein Stegstempel besitzt immer eine Verbindung zum Rand. Jürgen hat ein ähnliches Exemplar gezeigt und die Stempelbezeichnung hierfür genannt.

Gruß
Manfred
 
rostigeschiene Am: 09.02.2011 23:34:13 Gelesen: 12237# 13 @  
Hier ist ja fast ein Jahr kein Beitrag mehr verfasst worden. Da stellt sich mir die Frage, sind diese Stempel so selten?

Dann möchte ich das Thema erneut aufgreifen. Da ich mich entschlossen habe meine Belege nach anderen Kriterien zu ordnen kommen eben auch Belege zum Vorschein die ich lange nicht gesehen habe. So wie dieser Brief von Bad Suderode nach Hildesheim.

Freigemacht mit einer Mi.Nr. 145 II, die Marke hat zwar einen Schaden aber eben auch einen Stempel der nicht auf jedem Brief zu finden ist.



Dann möchte ich einmal hoffen dass es nicht wieder ein Jahr dauert bis der nächste Stempel hier vorgestellt wird.

Werner
 
Postgeschichte Am: 10.02.2011 00:22:39 Gelesen: 12231# 14 @  
@ rostigeschiene [#13]

Kreisstegstempel mit Bogen unten wurden für Stempelinschriften mit langem Text gewählt. Insofern ist die Seltenheit dieser Stempelform u.a. von langen Ortsnamen abhängig. Damit Du nicht ein Jahr auf den nächsten Stempel warten mußt, hier eine solche Stempelform von GROSS-SCHÖNDAMERAU (Kr. ORTELSBURG) auf einer Postkarte vom 12.6.1920 aus dem Abstimmungsgebiet Allenstein nach Kreiensen im Harz.



Gruß
Manfred
 
rostigeschiene Am: 10.02.2011 00:46:12 Gelesen: 12228# 15 @  
@ Postgeschichte [#14]

Hallo Manfred,

sehr schön dieser Beleg.

Einen Brief habe ich auch noch gefunden, leider in einem Zustand der einem die Tränen in die Augen drückt. Die Stempelabdrucke sind, wie so viele aus der Zeit der Inflation, sehr unsauber. Trotzdem habe ich ihn entziffert:

Oberschreiberhau ***, 26.5.22 6-7 N.



Jetzt werde ich mich erst einmal zur Ruhe begeben.

Gute Nacht, vielleicht bis morgen.

Werner
 
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