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Thema: (?) (67) Japan: Stempel bestimmen
Das Thema hat 67 Beiträge:
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ligneN Am: 24.08.2015 15:21:28 Gelesen: 11693# 43 @  
@ DL8AAM [#40]

Als Idee: "ろくじ" (rokuji; ろ = ro) heisst z.B. "6 Uhr" und beim zweiten Stempel könnte das als Kürzel für "はちじ" (hachiji; は = ha), d.h. "8 Uhr", stehen.

Das stimmt nicht. Vorweg, für Zahlenangaben wie Uhrzeiten benutzt man *immer* kanji (chin. Zeichen), nie kana (jap. Silbenzeichen).

Ausnahmen gibt es nur bei Telegrammen, Postgirocodes, Kindern und "Künstlern".

Das iroha-Alphabet wird zur Aufzählung, wie bei uns a. b. c. oder genauer, 1. 2. 3. ... verwendet
i = 1. (erstens)
ro = 2. (zweitens)
ha = 3.
usw.

Und bei der jap. Post für "Abfertigung" (Annahme) oder "Zustellung" = Zeiträume.

Was bedeutet das?

- In einem Provinzamt mit weniger Postverkehr gab es z B nur 4 Abfertigungen während der Dienstzeiten, dh bei Dienstzeit 8-19 Uhr (fiktiv) = 12 Stunden, je Abfertigung = 3 Stunden.

D. h. im Stempel stand i = 8-10 Uhr, ro 10-12 usw. (die letzte Abfertigung abens für den Abgang konnte ggf. eine Stunden länger dauern als die während der Schalterzeiten).

- Ein kleineres Postamt hatte nur zwei Abfertigungen, dann war ro eben 6 Stunden lang usw.

- Landpostämter hatten überhaupt nur eine Zustellung bzw. einen Postabgang täglich und konnten sich die bingos (Abfertigungsnummern) im Stempel sparen.

In den Großstädten gab es viel mehr Abfertigungen, auch außerhalb der Schalterstunden wurde bis Mitternacht Post umgearbeitet.

In Tokyo gab es m. W. in den 1890ern bis zu 23 Abfertigungen. Nur die allerletzte bescheinigte lediglich den Eingang spätabends, die Zustellung dann 1. Abfertigung am Folgetag.

Zusammenfassung: i ro ha bezeichnet Abfertigungs/Zustellzeiträume, nicht wortwörtliche Uhrzeiten. Diese Zeiträume unterscheiden sich je nach Größe der Postämtern.

Ab 1900 versuchsweise und ab 1905 dann generell wurden arabische Uhrzeitgruppen verwendet.

z. B. "vormittags 8-10" usw. Ab 1965 dann nur noch Ziffern, sog. "24 Stundentype" z.B. 18-24.
 
DL8AAM Am: 24.08.2015 21:04:35 Gelesen: 11646# 44 @  
@ ligneN [#43]

Besten Dank! Das Prinzip mit der Durchnummerierung der Abfertigungen (statt Uhrzeiten) ist ja auch in anderen Ländern üblich gewesen.

Ich bin nur auf Uhrzeit gekommen, weil Volkmar hier das Prinzip der Uhrzeitnennungen vermutete. Was ich nur nicht ganz verstehe, Du schreibst "... für Zahlenangaben wie Uhrzeiten benutzt man *immer* kanji (chin. Zeichen), nie kana (jap. Silbenzeichen). Ausnahmen ...", denn die "Lerne Japanisch-Webseite" [1] gibt für Uhrzeiten je eine Kanji- und eine Hiragana-Schreibweise an. (Du schreibst "Kana", das Zeichen sollte aber in Hiragana, nicht in Katakana, sein?)

Das i (い) wird hier in Hiragana いちじ (ichiji , d.h. "1 Uhr") und in Kanji als 一時 geschrieben, dazu hätten dann auch das ro "ろ" (rokuji; ろくじ = 六時, d.h. 6 Uhr) sowie das ha "は" (hachiji; はちじ = 八時, d.h. "8 Uhr") gut gepasst, mehr "Hiragana-Zeiten" hatte ich ja bisher auch noch nie in japanischen Tagesstempeln gesehen. Für dieses 'Dreigespann' hatte ich mal Vormittags-, Nachmittags- und Abend-/Schlußabfertigung angedacht. Hätte zumindest ja auch gut gepasst, hätte ... aber. ;-)

Für einen Europäer ist es aber auch etwas verwirrend, denn die Japaner nutzen ja mindestens vier verschiedene Alphabete, die teilweise nebeneinander in einem Satz verwendet werden können. Auch können Worte in den verschiedenen Alphabeten geschrieben werden, was oft dann zwar das Gleiche (bzw. sich auch gleich anhört), aber nicht immer die selbe Aussage oder 'Intention' (oder Hintergrund des Nutzers, gesellschaftlich bzw. bildungstechnisch, siehe auch Jugend- und Mangasprache oder Dialekten) bedeuten muss (kann). ;-) Auch ist das heute gesprochene, moderne Hochjapanisch ja erst eine "Erfindung" der Meiji-Zeit, d.h. es hat sich erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, nach der Öffnung Japans zur Außenwelt, herausgebildet. Angeblich, zumindest sagte mir das in Japan letztens jemand, könnte ein Japaner von heute, einen von vor 100-150 Jahren schon nicht einmal mehr verstehen. Das macht es für uns Außenweltler bei der Ansprache von Belegen aus der (zumindest frühen) Meiji-Zeit auch nicht einfacher. ;-)

Gruß
Thomas

[1]: http://www.learn-hiragana-katakana.com/learn-japanese-time/
 
ligneN Am: 25.08.2015 15:07:30 Gelesen: 11601# 45 @  
(...)

Ich bin nur auf Uhrzeit gekommen, weil Volkmar hier das Prinzip der Uhrzeitnennungen vermutete. Was ich nur nicht ganz verstehe, Du schreibst "... für Zahlenangaben wie Uhrzeiten benutzt man *immer* kanji (chin. Zeichen), nie kana (jap. Silbenzeichen). Ausnahmen ...", denn die "Lerne Japanisch-Webseite" [1] gibt für Uhrzeiten je eine Kanji- und eine Hiragana-Schreibweise an.

Das ist doch nur für Ausländers zum hiragana-lernen. Keine reale Schreibpraxis in Japan.

(Du schreibst "Kana", das Zeichen sollte aber in Hiragana, nicht in Katakana, sein?)

Kana = Silbenschriften, zB hiragana, katakana, hentaigana, furigana... im Ggs. zu

Kanji = chin. Zeichen

Kana als Anlaut immer K, als Kompositum Aussprache g oder k nach historischer Entwicklung des Begriffs.

Das i (い) wird hier in Hiragana いちじ (ichiji , d.h. "1 Uhr") und in Kanji als 一時 geschrieben, dazu hätten dann auch das ro "ろ" (rokuji; ろくじ = 六時, d.h. 6 Uhr) sowie das ha "は" (hachiji; はちじ = 八時, d.h. "8 Uhr") gut gepasst, mehr "Hiragana-Zeiten" hatte ich ja bisher auch noch nie in japanischen Tagesstempeln gesehen. Für dieses 'Dreigespann' hatte ich mal Vormittags-, Nachmittags- und Abend-/Schlußabfertigung angedacht. Hätte zumindest ja auch gut gepasst, hätte ... aber. ;-)

Sprachkurs für Einsteiger. Kommt in real verwendeten Uhrzeitangaben nicht vor.

Für einen Europäer ist es aber auch etwas verwirrend, denn die Japaner nutzen ja mindestens (...) Auch ist das heute gesprochene, moderne Hochjapanisch ja erst eine "Erfindung" der Meiji-Zeit, d.h. es hat sich erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, nach der Öffnung Japans zur Außenwelt, herausgebildet. Angeblich, zumindest sagte mir das in Japan letztens jemand, könnte ein Japaner von heute, einen von vor 100-150 Jahren schon nicht einmal mehr verstehen. Das macht es für uns Außenweltler bei der Ansprache von Belegen aus der (zumindest frühen) Meiji-Zeit auch nicht einfacher. ;-)

Das bezieht sich alles auf laut vorgelesen/ausgesprochen. Gilt nicht für Gedrucktes. Das gedruckte oder gestempelte Meiji-Japanisch kann man mit höherem jap. Schulabschluß ziemlich problemlos lesen. Die 1949 vereinfachten Zeichen muß man sich halt antrainieren, ggf. schlicht nachschlagen bzw. lernt die relevanten doch noch in der Oberstufe oder Extrakursen.

- i ro ha Alphabet wird fast ausschließlich mit katakana benutzt, die Ausnahmen wurden genannt.
 
DL8AAM Am: 26.08.2015 14:38:57 Gelesen: 11569# 46 @  
@ ligneN [#45]

Super, BESTEN Dank.

Man kann hier mehr und in kürzerer Zeit etwas lernen, als in diesen semiprofesionellen "Sprachkursen für Einsteiger". Mein Sprachengeiz beschränkt sich derzeit auch nur auf ein "philatelistisches Grundwissen", inkl. Stempelansprache, sowie etwas "allgemeines Basisverständnis", damit man sich in Japan nicht gänzlich als Analphabet vorkommt. Lernen, selbst auf Kindergartenniveau - geschweige denn "höherem jap. Schulabschluß", sollte (noch?) weit, weit, weit außerhalb jeden Rahmens sein, hi.

Mir reicht es, wenn ich arabische, chinesische und japanische Stempel "lesen" kann. Sich diesen Grundstock anzueignen geht heute mit Hilfe des Internets eigentlich verhältnissmäig einfach und recht fix - wenn man das System dahinter verstanden hat. Hatte zuerst nur etwas Probleme, bis ich gemerkt hatte das die japanischen "chinesischen" Kanji-Zeichen, die traditionellen chinesischen Schriftzeichen, und nicht die heute dort in China (VR) gebräuchlichen "vereinfachten" Zeichen, sind ;-) Mit meinem "Chinesischkenntnissen" kam ich da nicht immer sehr weit, zum Beispiel bei dem "neuchinesisch, chinesischen Zeichen" 门 (men, "Tür") vs. den gleichen "neujapanisch, altchinesischen Kanji-Zeichen" Saloontür 門. Klar, da hätte man auch selbst drauf kommen können, Maos Rechtschreibreform hatten die Japaner ja sicherlich nicht mitgemacht, ebenso wie die Republikaner auf Taiwan. :-)

Aber nur durch Fehler lernt man dazu, hi.

Nochmals vielen Dank!
Thomas
 
volkimal Am: 07.09.2015 18:50:54 Gelesen: 11368# 47 @  
Hallo lingeN und Thomas,

es ist sehr spannend, was sich aus meinem Beitrag alles für Informationen ergeben haben. Vielen Dank ihr beiden.

Da ich beim Thema "Stempelformen" keine Antwort auf meine Frage bekommen habe, wiederhole ich sie hier noch einmal:



Auf dem Stempel ist das Tezuka-Osamu-Museum in Takarazuka dargestellt. Osama Tezuka war ein japanischer Arzt, Regisseur und Manga-Zeichner. Er war so maßgeblich in die Entwicklung des Mangas und des Animes der Nachkriegszeit involviert, dass er teilweise als "Gott des Manga" bezeichnet wurde. Zusätzlich zeigt der Stempel noch einige Noten. Ob sich die Noten auf die Mangamusik beziehen oder dort abgebildet sind, weil es in Takarazuka die Takarazuka Revue gibt (eine populäre japanische Musiktheatergruppe) weiß ich nicht.

Wer hat eine Idee, was die Stempelform darstellen soll?

Viele Grüße
Volkmar
 
Heinrich3 Am: 21.12.2015 08:57:12 Gelesen: 10104# 48 @  
Hallo,

mir ist dieser Tage ein Freistempel aus Japan zugefallen. Nun bitte ich um Informationen darüber, damit er in die Stempeldatei kommen kann. Gerne kann ihn jemand kundiger selbst einstellen - Infos dazu stelle ich zur Verfügung. Mehr als den Ausschnitt habe ich nicht.

Danke im voraus!
Heinrich


 
volkimal Am: 21.12.2015 09:30:34 Gelesen: 10098# 49 @  
@ Heinrich3 [#48]

Hallo Heinrich,

es ist ein japanische Postfreistempel der Firma Hasler Typ FA3. Hasler “F88”. Siehe

https://en.wikibooks.org/wiki/International_Postage_Meter_Stamp_Catalog/Japan

鹿児島 = Kagoshima
中央 = Zentrum
日本郵便 = Japan Post

Viele Grüße
Volkmar
 
Marcel Am: 21.12.2015 14:29:16 Gelesen: 10079# 50 @  
@ volkimal [#47]

Hallo Volkmar,

für mich sieht Dein Stempel wie ein Kessel aus.

Die symbolische Bedeutung des Kessels zeigt sich in seiner aufnehmenden runden Form, die von jeher mit dem mütterlichen Schoß, der das Kind, das neue Leben trägt und gebiert, in Beziehung gebracht wurde. Von daher kam dem Kessel die größte Verehrung zu, die je ein Alltagsgegenstand erreicht hat. [1]

Auf Grund der jungen Stadtgeschichte Takarazukas wird hier durchaus an die aufstrebende Entwicklung der Stadt erinnert und deren Weg per Zukunftspfeil bekräftigt, mit der Unterstützung der Stadt als Mutters Schoß.

Wie schon beschrieben zeigt der Stempel das Tezuka-Osamu-Manga-Museum. Im Vordergrund ist eine Pflanze dargestellt, die Blume viola mandshurica [2] (eine Veilchenart). Diese wird z.Bsp. von der am 17.10.1988 gegründeten TIFA (T. International Friendship Association) als Symbol verwendet und ist zudem dort wohl weit verbreitet. Im Hintergrund sind Berge zu sehen, wohl die Berge des Rokkō-Gebirges.

Jetzt kommen die Noten, es wurde geschrieben das es sich eventuell um die Takarazuka Revue handelt, genauso gut kann aber auch der alljährlich stattfindende Kammerchorwettbewerb gemeint sein. Dieser findet kommendes Jahr im August zum 32. mal statt. Wenn die Revue gemeint sein sollte, so hätte man das Theater noch mit dargestellt, so wie es auf der offiziellen Homepage der Stadt Takarazuka gezeigt wird. [3]

Stilistische Zeichnung des Theaters in Takarazuka



schöne Grüße
Marcel

[1] http://www.symbolonline.de/index.php?title=Kessel
[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Viola_mandshurica
[3] http://www.city.takarazuka.hyogo.jp/
 
volkimal Am: 22.12.2015 10:33:44 Gelesen: 10038# 51 @  
@ Marcel [#50]

Hallo Marcel,

danke für die ausführlichen Erklärungen zum Stempel aus Takarazuka. Das hat mir sehr weitergeholfen. Mit Deinen Erklärungen lohnt es sich auch, den Stempel in die Datenbank einzustellen.

Da ich ihn noch bearbeiten kann, ergänze ich diesen Beitrag noch einmal:
Inzwischen bin ich etwas fitter mit dem Suchen von ausländischen Stempeln im Internet. Ich habe eben bei Google eingegeben "記念消印 宝塚" = "Sonderstempel Takarazuka". So fand ich mehrere Beiträge zu diesem Stempel. Übereinstimmend wird dort die Form als Harfe angegeben.

Zu Harfe siehe http://www.eglofs.de/musikmus/Musik/Instrumente/Harfe.htm

Die griechische Lyra passt ganz gut zur Form des Stempels, aber gibt es in Japan solche Hafen?

Viele Grüße
Volkmar
 
ligneN Am: 24.12.2015 09:27:11 Gelesen: 9953# 52 @  
[#47]

Takarazuka: Natürlich ist es eine Leier. Bei älteren Großformatsonderstempeln bzw. Landschaftspoststempeln (fukei-in) ist die Leier gegenständlicher.

In einem Stempel sah ich zB eine Frau mit Augenmaske und Fächer in die Leier integriert.

Die Leier ist traditionell (plus lachende/weinende Vollmaske) das Symbol für das westliche Theater.

Ob so ein Instrument nicht "traditionell japanisch" ist, spielt hier keine Rolle. Westliches Theater und Revuen sind ja 'Importe'. Jedenfalls auf dem Stand von 1868.
 
blaujacke Am: 21.01.2016 10:36:15 Gelesen: 9443# 53 @  
Kann mir jemand helfen?

Die beiden (Ansichts-) Postkarten sind einmal an das Genesungsheim Honmoku adressiert und einmal von dort verschickt worden.



Linke Karte: Aufgabestempel von KOBE - Ist der Stempel links daneben ein Ankunftsstempel von Yokohama? Was bedeuten die roten Schriftzeichen?
Rechte Karte: Absender aus Honmoku b/Yokohama - Woher stammt der Aufgabestempel? Daneben ist der Stempel YOKOHAMA vom 24.06.02. Auf dem Weg nach Tschinwangtau (China) sind die chin. Stationen SHANGHAI (20.06.02) und TANSIN - lese ich jedenfalls - (26.06.02) dokumentiert.

Dank und Gruß an die Helfer.
Uwe
 
volkimal Am: 21.01.2016 11:46:25 Gelesen: 9430# 54 @  
@ blaujacke [#53]

Hallo Uwe,

der Ankunftsstempel bei der linken Karte ist tatsächlich aus Yokohama (横浜). Der Ortsname ist im Stempel allerdings verschmiert und von rechts nach links zu lesen. Zu den roten Schriftzeichen kann ich nichts sagen.

Der Aufgabestempel stammt ebenfalls aus Yokohama. Datum: 35.??.14 Die Jahreszahl ist Meiji 35 und entspricht dem Jahr 35 + 1867 = 1902 (siehe http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=98953). Die 14 ist der Tag. Also stammt der Stempel vom 14.06.1902. Der zweite Stempel aus Yokohama ist übrigens vom selben Tag (nicht vom 24.06.02). Ob der Ort wirklich Tansin heißt bezweifele ich, ich kann aber im Moment nichts dazu sagen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 21.01.2016 13:32:59 Gelesen: 9416# 55 @  
@ blaujacke [#53]

Hallo Uwe,

beim Ort "Tansin" bin ich bei Wikipedia unter dem Stichwort Boxeraufstand fündig geworden. Dort steht: "Außerdem gab es Militäreinsätze in Taku, Tangku, Tianjin, Pautingfu, Ansu, Tien-Shien, Tsho-Tshou, Jau-Shane."

Der Ort Tangku (bzw. Tanggu) ist heute ein Stadtteil von Tianjin. Die chinesischen Zeichen von Tanggu = 塘沽 passen genau zu dem Stempel vom 26.06. Du musst sie allerdings wieder von rechts nach links lesen.

Viele Grüße
Volkmar
 
blaujacke Am: 21.01.2016 20:41:56 Gelesen: 9382# 56 @  
@ volkimal [#55]

Hallo Volkmar,

vielen Dank! Bei der rechten Karte ist der Yokohama-Stempel logischerweise vom 14.06.02. Ich hatte mich halt verlesen. Die Karte wurde am 13.06. geschrieben. Der Stempel ist bei mehrfachem Begutachten mit der Lupe tatsächlich von TANGKU, wie ich ihn unten aus einem Ebay-Angebot vorstelle. Dort wurde die Karte vermutlich der Deutschen Post übergeben!



Noch einen schönen Abend wünscht
Uwe
 
ligneN Am: 24.01.2016 00:43:29 Gelesen: 9292# 57 @  
@ blaujacke [#53]

Die purpurroten Schriftzeichen = "Honmoku".

Der Honmoku war ein Hügel hinter der Hügelkette "Bluff". Auf dem Bluff hatten sich zahlreiche betuchtere Ausländer Häuser gebaut. Auf den Bluff gelangte man von der eigentlichen Fremdensiedlung in Yokohama über die den Kanal querende Brücke und dann eine als "100 steps" bekannte Treppe den Hügelanstieg hinauf.

Das Hospital wurde auf dem Honmoku gebaut, um möglichst die frische Meeresbrise sowie einen freien Blick auf die Landschaft zu haben. Beides wurde für die Genesung der Patienten für wichtig erachtet. Hinter dem Honmoku endete damals Yokohama und die offene Landschaft begann.

Beim Erdbeben 1923 rutschten Teile von Bluff und Honmoku ab bzw. die meisten Häuser stürzten ein. Die Treppe etwa wurde eingeebnet. Überlebt hat sie auf unzähligen Ansichtskarten.

Das "Genesungsheim Honmoku" war das deutsche Marinehospital (Postanschrift Bluff 40/41), von dem es ja auch einen Marineschiffspostempel "KD MSP Yokohama gibt. 1900/01 wurden auch dt. Verwundete aus China (Boxeraufstand) dort behandelt bzw. auskuriert. Die Verwendung des Begriffs "Genesungsheim" deutet an, daß der Schreiber nicht aus Yokohama kam, sondern in China eingesetzt war.
 
blaujacke Am: 30.01.2016 18:01:21 Gelesen: 9114# 58 @  
@ ligneN [#57]

Hallo ligneN,

vielen Dank für die ergänzenden, interessanten Informationen! Die gezeigten Belege sind Bestandteil meiner Sammlung "Kaiserliche Marine in Ostasien". Alles was ich bislang über das Genesungsheim Honmoku in Erfahrung bringen konnte (das ist sehr wenig), habe ich auf den beiden folgenden Albumseiten beschrieben. Sind dazu andere Fotos oder Ansichtskarten bekannt?



Genesungsheim Honmoku

Ich bin hoffentlich nicht unverschämt, wenn ich bei der Gelegenheit um Hilfe für einen weiteren Beleg (an Kpt.z.S. Maschke in Tokio) bitte:





Brief mit erstem Aufkleber, dem ein zweiter hinzugefügt wurde und Briefrückseite.

Offensichtlich war Kpt.z.S. Maschke nicht mehr in Tokio erreichbar und der Brief wurde nachgesandt. Das "Wohin" wird sich vermutlich mittels der Aufkleber klären lassen, wenn man's denn lesen kann! Der Stempel auf der Rückseite wird wohl nicht lesbar sein.

Nun bin ich neugierig auf eine Antwort. Ein schönes Wochenende wünscht
blaujacke
 
hajo22 Am: 02.08.2016 14:41:24 Gelesen: 5383# 59 @  
Bei der nachfolgenden Ganzsache interessiert mich der rote Zusatzstempel. Um was handelt es sich dabei?



Ich hoffe, ich habe ihn richtig herum eingescant.

Danke für eine Meinung/Auskunft.

VG, hajo22

[Beitrag verschoben aus dem Thema "Marken bestimmen: Japan" / Stempelfragen bitte künftig immer unter dem Stempelthema einstellen]
 
ligneN Am: 07.09.2016 14:45:38 Gelesen: 4896# 60 @  
@ blaujacke [#58]

Vorab: Der mittlerweile verstorbene Dr. Detering hat zum Marinelazarett Yokohama einen Beitrag (zwei Teile) in den Mitteilungen der Kolonialsammler Arge veröffentlicht.

Sowohl Marinelazarett (Tor mit Gußeisenwappen, Hauptgebäude und Pavillons in Ziegelsteinbauweise) als auch Genesungsheim (Holzbaracken 1900/01) lagen am Honmoku per Addresse Bluff 40/41.

Vom Lazarett gibt es schon einige Darstellungen auf Ansichtskarten, meistens das Tor mit Wappen vor dahinter aufsteigendem Weg zum Hügel, dh die Straßenansicht. Dann eine Sammelkarte mit 6 Ansichten, u.a. Personal (war mal Titelseite der JAPANberichte der Arge Japan, 120er bis 140er Nummer in den 1980ern/90ern). Dabei auch das Tor, so daß man vermuten darf daß die übrigen 5 Ansichten im Großformat als Einzelbild auf Ak vorkommen können. Eine solche Einzelansicht mit Dr. Mathiolius (Chefarzt) und dem Maat (Zahlmeister, dh auch "Postmeister") auf der Treppe zum Hauptgebäude. Wohl von 1901/02. Das Stück befindet sich in der Slg eines Bekannten und nicht abzugeben. Siehe hier:



Oben links die Flagge der Kaiserlichen Marine, rechts die damalige deutsche Staatsflagge.

Es gibt außerdem einen Holzstich mit Ansicht der Pavillons auf einem bewaldeten Hügel, aus "die Gartenlaube" (Veröffentlichungsdatum mir nicht bekannt: bei den von mir gesehenen Stücken hat man das Bild ausgeschnitten, so daß die Datierung fehlt). Es stammt aber wohl aus den 1880er/90er Jahren.

Es gab außerdem 1900/01 ein weiteres Genesungsheim in Ashio, einem kleinen Badeort westlich Kobe (die seligen Rüfer/Rungas haben das in dem sog. "Handbuch Kgf. Post Tsingtau" 1965 zu Jyschio verballhornt). Zu diesem Zweck hatte die Marine schlicht ein Ryokan (traditionelles japanisches Gasthaus) angemietet. Es gibt AK von diesem zweistöckigen Holzhaus mit entspannten Seeleuten. Außerdem sah ich bei ebay ein zeitgenössisches Photo auf Visitenkarte mit 2-3 Seeleuten in japanischen Bademänteln. Belege aus Ashio sind enorm selten, normal frankiert (4 S. Auslandskartenporto) und nur an der Absenderangabe erkennbar.

*****

Die Drucksache mit 5 Pf. wurde an den Kapitän paer Adr. Firma Illies/Tokyo adressiert. Der erste Aufkleber mit viel Text weist unten ein Absenderstempel in Zeichen auf, Lesung "Irisu Shokai", dh Fa. Illies. Der Text enthält Hinweise auf den vermutlichen Aufenthalt des Adressaten. Darüber eine amtliche Suchfahne Form 18, Text "nach Kobe" mit Stempel Tokyo-Shibaguchi 15.März 1897. Der nur teilweise lesbare Abschlag auf der Briefrückseite ist von Ko(be), 16. März. In Kobe gab es ebenfalls eine Illiesfiliale, und dort wird auch der Adressat zu finden sein. Tokyo war kein regulärer Anlaufpunkt für ausländische Handelsschiffe. Das waren vor allem Kobe (Europarouten) und Yokohama (Amerikarouten).
 
ligneN Am: 07.09.2016 14:57:46 Gelesen: 4894# 61 @  
@ hajo22 [#59]

Die Karte wurde in Sakai/Prov. Izumi aufgegeben und ist an eine Adresse in Sakai selbst adressiert, dh Ortsverwendung.

Der zinnoberrote Doppel-Ovalstpl. ist ein privater Absenderstempel, außen Adresse in Osaka Bezirk Higashinari und ein Händlerlogo im Kreis. Innen der Name des Absenders.

Hinweis:

Klassische Poststempel in zinnober (sog. Uneinheitliche oder Irreguläre Stpl.) kommen nur bei den Karten Nr. 1-6 (kann man finden) bzw. 7-10 (sehr selten) vor.

Bei den Karten ab Nr. 11, 12 (= mit ovalem Wertstempel, sog. Koban) sind diese irregulären Stempel Großraritäten. Es gibt nur eine Handvoll, einfach weil die Post ab ab 1875 Nummernstempel und ab 1878 die Verwendung von Standard (Tages-) stempeln vorgeschrieben hat.

Die Nebenstempel wurden unter oder neben dem Wertstempel abgeschlagen. Nur auf den Faltkarten 1-6 ist die Stellung oft beliebig, auch rückseitig.
"Selten aussehende Stempel" auf Kobankarten in den Kartenecken sind stets privat.
 
10Parale Am: 25.10.2016 22:20:44 Gelesen: 4037# 62 @  
Kann jemand diesen Stempel erläutern?

Es handelt sich um Michel Nr. 89, Vermählung des Kronprinzen Yoshihito mit Prinzessin Sadako im Jahr 1900.

Der Katalogwert variiert bei 4 verschiedenen Zähnungen, was ich hier vernachlässigen möchte.

Liebe Grüße

10Parale


 
ligneN Am: 27.10.2016 02:03:36 Gelesen: 3978# 63 @  
@ 10Parale [#62]

Stempelinschrift von oben:

Yamashiro (Provinz)
Fushimi (Ort)
33. Jahr 11.Monat 18. Tag to (18. November 1900 7. [Abfertigung])

Fushimi war damals noch ein Ort südlich von Kyoto. 1903 wurde es eingemeindet und bildet bis heute einen der 11 Stadtbezirke von Kyoto.
 
Koban Am: 27.10.2016 03:19:52 Gelesen: 3976# 64 @  
@ ligneN [#63]

Schreibfehler, es ist der 16. Tag.

Gruß,
Koban
 
10Parale Am: 27.10.2016 15:40:48 Gelesen: 3947# 65 @  
@ ligneN [#63]
@ Koban

Vielen Dank für die schnelle Antwort und die schwierige Übersetzung ins Deutsche.

Hätte mich gewundert, wenn das Datum auf den 28. April gefallen wäre, den Hochzeitstag.

Ich habe die Marke aus einem Lot japanischer Marken herausgegriffen. Ich zeige dieses Lot, von denen mindestens 2 Stück eine Art Killerstempel tragen, wohl aber nicht diese berühmten Bota-Stempel Japans.

10Parale


 
ligneN Am: 25.11.2016 13:03:43 Gelesen: 3300# 66 @  
@ 10Parale [#65]

In Reihe 2 Mi-Nr. 57 1s grün mit sog. "Blume" in schwarz. Ein Stempel für den Auslandsverkehr von Tokyo, 1882-86.

Die Nr. 58 2s karmin mit großem Bota von Tokyo (1881-88). Wegen der Zähnung und der bräunlichen Stempelfarbe datiert diese Marke nicht vor 1886.

Keine Besonderheiten.
 
Dudley Am: 18.01.2017 09:05:59 Gelesen: 2140# 67 @  
Heute habe ich eine Frage zu einem Stempel (HAN oder Namensstempel?) aus dem Barackenlager Kurume.

Wer kann Näheres zu diesem Stempel sagen?

Besten dank im voraus und Gruß Gerhard


 

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