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Thema: Belege aus der eigenen Familiengeschichte
Das Thema hat 176 Beiträge:
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volkimal Am: 17.07.2016 15:28:57 Gelesen: 16415# 152 @  
@ Pete [#151]

Hallo Pete,

genau dasselbe meinte ich auch gesehen zu haben. Wenn es dann im Text heißt: "Ich bin noch bis 1.2.1907 in Siedlinghausen", so kann man eigentlich nur vom Dezember ausgehen.

Da Otto Pfeiffer Regierungsbaumeister bzw. Reichsbahnoberrat war vermute ich, dass der Absender etwas mit dem Bau der Bahnstrecke zu tun hatte. Da konnte man ein Jahr vorher bestimmt nicht sagen, wie lange der Bau noch dauert und dass man bis zum 01.02.1907 in Siedlinghausen ist.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 03.08.2016 15:53:20 Gelesen: 15356# 153 @  
Hallo zusammen,

beim Thema Sütterlin wurde der Text der Karte von [#150] entziffert. Der Absender hatte wirklich mit dem Bau der Bahnstrecke Nuttlar – Frankenberg zu tun, denn es heißt auf der Karte: "Ich bin noch bis 1.2.1907 in Siedlinghausen von der bzw.(?) ??? KED Cassel" (KED = Königlich Preußischen Eisenbahn Direktion).

Zwei weitere Eisenbahn-Belege von Otto Pfeiffer:



Otto Pfeiffer stammt aus Diez an der Lahn. Diese Karte hat sein Bruder von dort geschickt. Diez liegt an der Bahnstrecke der Lahntalbahn, die von Koblenz nach Wetzlar führt. Die Lahntalbahn ist ein Teilstück der Bahnstrecke von Metz nach Gießen. Der Stempel ist zwar nicht gut lesbar, aber er trägt den entsprechenden Bahnpoststempel.





Ansichtskarte an Frau Reichsbahnoberrat Pfeiffer von der Reichsbahn-Ausstellung in Nürnberg 1935 „100 Jahre Deutsche Eisenbahnen“ mit dem entsprechenden Sonderstempel.



Als Abteilungspräsident und Regierungsbaumeister besuchte Otto Pfeiffer natürlich auch diese Ausstellung. Das Foto zeigt ihn auf einem Nachbau der ersten deutschen Lokomotive, der Adler, die 1835 den ersten Zug zwischen Nürnberg und Fürth zog.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 11.08.2016 17:13:15 Gelesen: 15019# 154 @  
Hallo zusammen,

wie schon erwähnt, stammt Otto Pfeiffer aus Diez an der Lahn. Von dort gibt es auch noch eine interessante Postkarte:



Diese Karte aus Diez an der Lahn vom 28.4.1910 schickte sein Vater an Otto Pfeiffer. Sie zeigt das Luftschiff Zeppelin II vermutlich über Diez. Im Text heißt es:

Lieber Otto! Der bei Weilburg Webersberg verunglückte Zeppelin II stand am Sonntag (24.4) um ½ 2 Uhr nachmittags überm Wislet. Es wurde geglaubt, dort landen zu können, kam an zum Blumenröder Hof.



Der Z II war nachmittags südlich von Limburg beim Hof Blumenrod gelandet, um Gas nachzufüllen. An einem eingegrabenen Leiterwagen wurde der Zeppelin mit Stahlseilen verankert und sollte seinen Flug am nächsten Tag fortsetzen. Nach einer zeitweiligen Wetterbesserung nahm die Windstärke am 25. morgens wieder zu. Gegen 13.00 Uhr erfasste eine besonders heftige Böe den Z II und die Verankerung riss. Bei der Strandung am Webersberg war niemand zu Schaden gekommen, jedoch war der Z II so stark beschädigt, dass sofort mit Sicherungsarbeiten und der Demontierung begonnen wurde.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 22.08.2016 17:28:42 Gelesen: 14467# 155 @  
Hallo zusammen,

den älteste Beleg aus meiner Sammlung Familiengeschichte ud Philatelie (zwischen 1842 und 1849) könnt ihr hier sehen: http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=41284 .

Der zweitälteste Beleg kommt aus Diez an der Lahn und geht an Jacob Pfeiffer. Sowohl der Vater als auch der Großvater hatten diesen Namen, beide waren Mühlenbesitzer in Diez.



Dieses ist der älteste frankierte Beleg aus der Familie (wenn auch nur angeheiratet) und der einzige mit einer Marke aus dem Norddeutschen Postbezirk. Der Brief geht vermutlich an den Mühlenbesitzer Johann Jacob Pfeiffer (1815 – 1891), den Großvater von Otto Pfeiffer. Er trägt den Stempel „Berlin H.St.P.E.“ vom 4.8.1869. Am 1.1.1864 wurde die Central-Stadtpostexpedition aus dem Hofpostamt ausgegliedert und in Haupt-Stadt-Post-Expedition (H.St.P.E.) umbenannt, sie existierte bis 1871.



Der zweite Brief geht an den Mühlenbesitzer Jacob Hermann Pfeiffer (1844 – 1917), den Vater von Otto Pfeiffer. Der Einschreibebrief aus Schwerin aus dem Jahre 1877 hat einen ungewöhnlichen Stempel. Es ist eine besondere abweichende Stempelform für den Bereich Mecklenburg-Schwerin aus dem Norddeutschen Bund. In diesem Fall wurde der Stempel 1877 im Deutschen Reich nachverwendet (diese Stempel sind aus 12 Orten bekannt).

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 02.09.2016 15:59:00 Gelesen: 13755# 156 @  
Hallo zusammen,

obwohl der Stempel undeutlich ist, gefällt mir diese Karte an Otto Pfeiffer einfach:



Die Foto-Ansichtskarte kommt aus Groß Kuhren (heute Primorje) im Samland. Das Samland ist die Halbinsel zwischen der Frischen Nehrung und der Kuhrischen Nehrung in Ostpreußen. Das Foto zeigt den Zipfelberg. Dazu aus Wikipedia:

Die Gründung des bis 1947 Groß Kuhren genannten Ortes liegt vor dem Jahre 1400. Das Dorf beeindruckt bis heute durch seine reizvolle landschaftliche Lage mit der im Westen gelegenen früheren Rosenschlucht und der mehr östlich gelegenen Morgenschlucht. Auffallend sind die Zinnen und Zacken der umliegenden Berge, unter ihnen der früher so genannte Zipfelberg und der Kahle Zipfelberg, der mit seinen 60 Metern die höchste Erhebung an der Küste ist. Der Sand am Strand ist gelbbraun gefärbt. Es handelt sich um eisenhaltigen Diluvialsandstein.

Nachdem Otto Pfeiffer die verwitwete Clara Busacker geheiratet hat, wohnten sie lange Zeit in Essen. Hier eine Postkarte aus Japan an Clara Pfeiffer:



Die Ansichtskarte vom 8.7.1934 kommt von ihrem Neffen Walter Dübgen. Im Auftrag der Hamburger Import/Export Firma Simon, Evers & Co führte ihn eine Geschäftsreise 1934/35 nach Japan und rund um die Welt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 09.09.2016 17:28:18 Gelesen: 13500# 157 @  
Hallo zusammen,

hier eine Fotokarte vom Familientreffen Pfeiffer. Ganz rechts steht Clara Pfeiffer verw. Busacker:



Mit dieser Karte möchte ich die Familie Pfeiffer verlassen und noch einmal zu Clara und Richard Busacker zurückkommen. Beim Aufräumen der Unterlagen meines Vaters fand ich eine Reihe Foto-Ansichtskarten vorwiegend von Kindern aus der Familie. Hier die ersten Beispiele:





Die Karten sind an Tante Kläre (Clara Busacker) oder an ihre Mutter gerichtet. Fast alle wurden in Berlin Halensee aufgegeben. Unsere Ahnen- und Verwandtschaftstafel ist zwar sehr umfangreich, aber in diesem Fall versagt sie. Die Namen der Absender kann ich dort nicht finden. Es sind vermutlich Verwandte von der Busacker-Seite, denn dort fehlen mir die Informationen zu Verwandten.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 18.09.2016 11:51:35 Gelesen: 13180# 158 @  
Hallo zusammen,

ich habe doch noch etwas vergessen. Von Essen aus zogen Otto Pfeiffer und seine Frau nach Wiesbaden. Von dort habe ich noch ein paar nette Ortspostkarten:



Die beiden 8 Pfg. Ortspostkarten der Bautenserie wurden 1952 in Wiesbaden nachträglich entwertet.



Die zweite Karte der Posthornserie wurde zuerst innerhalb Wiesbaden versandt. Cläre Pfeiffer war aber damals im Eisenbahn-Erholungsheim Niederdollendorf in Königswinter. Die Karte wurde also dorthin nachgeschickt und die fehlenden 2 Pfg. für eine Fernpostkarte wurden als Nachgebühr eingezogen. Da die Karte ursprünglich ausreichend frankiert war, wurde keine Zusatzgebühr erhoben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 25.09.2016 11:22:10 Gelesen: 12772# 159 @  
Hallo zusammen,

in der Wohnung in Wiesbaden lebte später Kurt Busacker, der jüngere Sohn von Richard Busacker und seiner Frau Cläre. Später erbte mein Vater die Wohnung und damit auch viele interessante Belege unter anderem die Hochzeitsdepeschen von 1906.



Dieses ist die älteste erhaltene Karte an Kurt Busacker. Sein Onkel - ebenfalls mit dem Namen Kurt schreibt am 20. Februar 1918: "Mein liebes Curtelchen, Zu Deinem Geburtstage gratuliere ich Dir recht herzlich, und wünsche Dir das Beste. Wenn Du auch selbst noch nicht lesen kannst, so wird Dir doch Dein Brüderchen diese Karte schon vorlesen können. Den Eltern und Euch Brüdern sendet viele Grüße. Euer Onkel Curt



Nach dem Tode von Richard Busacker im Jahre 1920 hat seine Frau in zweiter Ehe Otto Pfeiffer geheiratet. Die Kinder behielten aber den Namen des Vaters. Hier ein Brief an den Schüler Kurt Busacker aus dem Jahr 1927. Bei diesem und dem letzten Beleg wird der Name noch "Curt" geschreben. Später ist es immer "Kurt". Ob das eine offizielle Änderung war, weiß ich nicht. Nach dem Ende des Kaisserreichs wurde ab 1918 zum Beispiel auch die Stadt Cöln mit K - also Köln geschrieben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 09.10.2016 10:38:53 Gelesen: 11914# 160 @  
Hallo zusammen,

Kurt Busacker lebte vom 1.12.1938 bis zum 30.7.1940 in Paris. Er arbeitete als kaufmännischer Angestellter für die Firma Goldschmidt aus Essen.



Diese Karte zum 50-ten Jubiläum des Eiffelturms schickte er an sich selbst ins Hotel. Die Sondermarke aus diesem Anlass ist mit dem zugehörigen Sonderstempel entwertet.



Soweit für heute. Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag.
Volkmar
 
volkimal Am: 17.10.2016 17:32:11 Gelesen: 11239# 161 @  
Hallo zusammen,

der Zweite Weltkrieg begann mit dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939. Am 3. September erklärten Frankreich und das Vereinigte Königreich Deutschland den Krieg. Zwei Tage später, am 5. September wurde Kurt Busacker in Paris interniert. Am 14. Juni 1940 zogen Wehrmachtsverbände in Paris ein. Damit war die Internierung von Kurt Busacker beendet. Zwei Wochen später verließ er Paris und kehrte nach Deutschland zurück. Vom 1. August 1940 an wohnte er in München. Dort wurde auch dieser F-Ausweis ausgestellt:



Ich vermute, dass das "F" vom Wort "Flüchtling" kommt. Kann das jemand bestätigen? F-Ausweise gibt es in der Schweiz auch heute noch. Vorläufig aufgenommene Ausländerinnen und Ausländer erhalten den Ausweis F. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Aufenthaltsstatus_(Schweiz)

Viele Grüße
Volkmar
 
Manne Am: 17.10.2016 18:57:17 Gelesen: 11219# 162 @  
Hallo,

meine Schwiegermutter, (heute 91 Jahre) schrieb 1944 an ihre Eltern in Schwenningen. Sie war damals beim Arbeitsdienst in Stuttgart-Degerloch als Straßenbahnschaffnerin beschäftigt.

Gruß
Manne


 
volkimal Am: 23.10.2016 15:29:01 Gelesen: 10782# 163 @  
Hallo Manne,

schön, dass Du auch einmal einen Beleg aus der Familie zeigst. Es könnten bestimmt auch noch andere tun.

Bei mir geht es weiter mit Kurt Busacker:

Am 1. September 1940 zog er von München aus nach Mannheim. Dort wurde dieser Rückwanderer-Ausweis ausgestellt:



Eineinhalb Monate später wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Er kam zur "2.Trg.Frqu.Kp.648 i./Na.Rgt.685" Kann mir einer die Abkürzung erklären?

Ob ich einen Feldpostbeleg von ihm habe weiß ich im Moment nicht. Ich muss noch danach suchen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 28.10.2016 13:50:19 Gelesen: 10420# 164 @  
Hallo zusammen,

da ich im Moment nicht dazu komme, meine Belege auf Feldpost von Kurt Busacker zu durchsuchen, mache ich einfach weiter. Nach dem Krieg arbeitete Kurt Busacker als Landarbeiter auf dem Gut Lichtenau bei Miesbach. Dort musste er sich einem Entnazifizierungsverfahren unterziehen. Davon ist noch der Meldebogen vorhanden:



Mit dieser Postkarte wurde er darüber informiert, dass er vom Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus vom 5. März 1946 nicht betroffen ist. Auf der Rückseite steht ist der Stempel "Weihnachtsamnestie".



Die bereits 1946 angekündigte Weihnachtsamnestie wurde von der amerikanischen Militärregierung für Deutschland am 5. Februar 1947 erlassen. Sie nahm körperbehinderte und einkommensschwache Personen, die vom Kläger nicht in die Gruppen I–III eingestuft waren, von der Entnazifizierung aus.

"Durch zwei große Amnestien (Jugendamnestie 1946, Weihnachtsamnestie 1947) wurden von den oben genannten 1,8 Millionen vom Gesetz betroffenen 1,6 Millionen amnestiert" (Handbuch der bayerischen Geschichte Bd. IV,1: Das Neue Bayern: Von 1800 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Staat und Politik: Band IV,1).

Viele Grüße
Volkmar
 
Manne Am: 29.10.2016 17:02:05 Gelesen: 10312# 165 @  
Hallo zusammen,

hier eine Karte, an die Tante meiner Frau, in der ihr mitgeteilt wurde, wo ihr gefallener Mann beerdigt wurde.

Gruß
Manne


 
volkimal Am: 19.11.2016 14:23:38 Gelesen: 8609# 166 @  
Hallo zusammen,

da ich im Moment nicht die Möglichkeit habe, nach weiteren Belegen von Kurt Busacker zu suchen, muss ich auf vorhandene Bilder zurückgreifen. Nach dem Tode von Kurt Busacker erbte mein Vater die Wohnung in Wiesbaden. Dabei fanden wir unter anderem das Album Hochzeitsdepeschen [#138] und die alte Dampflok [#150]. In der umfangreichen Briefmarkensammlung fiel mir die dreimal geprüfte Wohnungsbau Zwangszuschlagsmarke auf, die trotzdem eine Fälschung war:

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=49063#M2

Weiter waren in der Wohnung diese Kinderspielzeug-Feldpostkutsche aus dem Ersten Weltkrieg:



Bei der alten Briefwaage fand ich die Waagschale interessant. Auf ihr waren einige aktuelle Portosätze angegeben. Unter anderem die Portosätze für die deutschen Schutzgebiete:



Daneben waren noch viele andere interessante Dinge in der Wohnung. Da sie aber nichts mit der Philatelie zu tun haben, will ich keine weiteren Stücke Zeigen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 25.12.2016 12:03:35 Gelesen: 6123# 167 @  
Hallo zusammen,

Kurt Busacker hatte einen Bruder namens Hans. Auch mit Hans Busacker hat mein Vater eifrig Briefe ausgetauscht. Da Hans Busacker in Cottbus lebte, haben wir von ihm viele Belege mit zweisprachigen Stempeln:



Zunächst gibt es von ihm eine Reihe Ersttagsumschläge aus der DDR, die er in der Regel auch am Ersttag beim Postamt Cottbus 10 aufgegeben hat. Bis zum 30.06.1971 galt für Briefe in die Bundesrepublik das Inlandsporto (Postkarte 10 Pfg., Brief 20 Pfg., Einschreibegebühr 50 Pfg.). Da Hans Busacker immer den ganzen Satz aufgeklebt hat, sind die Briefe wie bei diesen beiden Beispielen normalerweise überfrankiert.



Vom 1.7.1971 bis zum 30.06.1990 galt die Bundesrepublik als Ausland. Das Porto erhöhte sich dadurch auf: Postkarte 25 Pfg., Brief 35 Pfg., Einschreibegebühr 50 Pfg., Eilzustellung 50 Pfg.. Diese Postkarte ist durch die beiden zugeklebten Marken also portogerecht.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 03.01.2017 10:28:46 Gelesen: 5336# 168 @  
Hallo zusammen,

aus den 70er Jahren habe ich einige Einschreibebriefe an meinen Vater, bei denen Hans Busacker ausschließlich Sperrwerte verklebt hat:



Bei beiden Briefen wäre nur 85 Pfg. Porto erforderlich gewesen. Sie sind also deutlich überfrankiert. Als Absender hat Hans Busacker wie auch auf der Postkarte jeweils angegeben "PSF 123". Er hatte also ein Postschließfach.

Viele Grüße
Volkmar
 
Manne Am: 03.01.2017 18:09:23 Gelesen: 5288# 169 @  
Hallo zusammen,

ein Feldpost-Brief von meiner Schwiegermutter an ihren Vater, Stempel vom 24.05.1944.

Gruß
Manne


 
volkimal Am: 13.01.2017 19:55:37 Gelesen: 4306# 170 @  
Hallo zusammen,

nachdem ich viele alte Belege aus meiner Familie gezeigt habe, möchte ich heute einmal mit einem der neueren Kapitel beginnen – mit Kamerun.

Die evangelische Kirche Westfalen hat eine Partnerschaft mit der Église évangélique du Cameroun und der Kirchenkreis Soest hat eine Partnerschaft mit dem Kirchenkreis grand Nord in Kamerun.

Mein Bruder Manfred, der in Soest wohnt, war für die evangelische Kirche für ein Jahr in Kamerun (2003-04). Das erste halbe Jahr wohnte er in Garua (franz. Garoua), der drittgrößten Stadt Kameruns. Sie liegt in der Nord-Provinz am Fluss Benue. Garua ist ein Zentrum der Binnenschifffahrt und Umschlagplatz für den Handel des agrikulturell geprägten Norden Kameruns. Außerdem verfügt Garua über einen internationalen Flughafen und Textilindustrie.

In Garua wohnte mein Bruder auf dem Gelände der CICAM = Cotonnière industrielle du Cameroun. Das ist der Name einer großen kamerunischen Baumwoll-Gesellschaft. Aus Garua schickte Manfred diesen Brief bzw. die Ansichtskarte als Weihnachtsgruß an meine Eltern:





Er schreibt: "Bei 30° im Schatten und fehlender Weihnachtsdekoration in den Geschäften fällt es schwer an Weihnachten zu denken." Die fehlende Weihnachtsdekoration wundert nicht, denn der Norden Kameruns ist überwiegend islamisch geprägt. Ob es in anderen Teilen Kameruns mit einem höheren Anteil an Christen anders ist weiß ich nicht.

Soviel für heute. Parallel dazu berichte ich beim Thema "Kamerun: Beiträge zur Geschichte des Landes" [1] über die Geschichte Garuas bzw. Kameruns. Im letzten Beitrag habe ich dort mit der deutschen Kolonialzeit angefangen.

Viele Grüße
Volkmar

[1] http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=9810&CP=0&F=1
 
volkimal Am: 24.01.2017 14:20:33 Gelesen: 3683# 171 @  
Hallo zusammen,

unsere Tochter Stefanie hatte damals (2003) ein großes Faible für Afrika. Als sie hörte, dass mein Bruder nach Kamerun geht, war ihre erste Reaktion: „Den Besuche ich!“. Wir wollten Steffi nicht allein nach Kamerun reisen lassen und beschlossen daher, meinen Bruder in den Herbstferien mit der ganzen Familie zu besuchen.



Steffi ist aber sofort zu ihrem Schulleiter gegangen und hat sich zusätzlich die Woche vor den Herbstferien frei genommen. Ich stellte fest, dass gerade in dieser Woche die Klasse fehlte, die ich hauptsächlich unterrichte. Daraufhin bin auch ich mit einer offiziellen Einladung, die wir über die Vereinigte evangelische Mission erhalten haben, zu meinem Schulleiter gegangen. Die wenigen restlichen Stunden durfte ich umlegen, so dass ich zusammen eine Woche vor den Ferien zusammen mit Steffi nach Kamerun fliegen konnte.



Von Düsseldorf aus sind wir über Paris nach Douala geflogen. Die 100 F - Marke zeigt das Flughafengebäude von Douala. Wir wurden von einem Vertreter der Kirche abgeholt, der uns mitteilte, dass wir Glück hätten. Das Flugzeug, das uns am nächsten Tag nach Garoua bringen soll fliegt nicht um 16.00 Uhr sondern schon um 10.00 Uhr.

Am nächsten Morgen wurde dann der Abflug auf 18.00 Uhr und etwas später auf 20.00 Uhr verschoben. Als wir im Flughafen in der Warteschlange standen, blieb diese plötzlich stehen. Für ca. 2½ Stunden passierte gar nichts, dann kam die Lautsprecherdurchsage: "Der Flieger war voll, kommen Sie morgen wieder“. Über diese Vorgehensweise regte sich übrigens keiner auf.



Die geplante Maschine war entweder defekt oder der Präsident benötigte sie gerade für einen Staatsbesuch. Die Ersatzmaschine hatte nur etwa halb so viele Plätze wie das Flugzeug von Cameroon Airline. Diese Marke zeigt die gesamte Flugzeugflotte von Cameroon Airlines, bestehend aus drei Flugzeugen.

Am nächsten Tag machte dann der Jumbo (Boeing 747) von Cameroon Airlines, der eigentlich nonstop von Douala nach Paris fliegen sollte zunächst einen Zwischenstopp in Yaounde und dann in Garoua und brachte so alle „gestrandeten“ Passagiere an ihr Ziel.



Im Jumbo saßen wir neben einer Fluchttür. Direkt an der Tür ein Herr aus der Schweiz, dann meine Tochter und ich. Aus der Tür floss ein stetes Rinnsal von Wasser aus der Klimaanlage, so dass der Schweizer schon nach kurzer Zeit eine vollkommen nasse Hose hatte. Als unser Sohn mit meiner Frau eine Woche später nachkam, hatte er bei dem Flug mit Cameroon Airlines einen „Schaukelstuhl“. Sein Sitz war nicht richtig am Boden befestigt.

Soweit der Bericht über unsere Hinreise nach Garoua.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 05.02.2017 10:25:14 Gelesen: 3089# 172 @  
Hallo zusammen,

in Garoua hat uns mein Bruder am Flughafen abgeholt. Garoua ist inzwischen die viertgrößte Stadt Kameruns und es ist die dreckigste Stadt, die ich jemals gesehen habe.



Mein Bruder war für die evangelische Kirche nach Kamerun gefahren, um dort die von Deutschland geförderten Projekte zu beobachten. Zusammen mit einem Pastor der „Église evangélique du Cameroun“ ging es deshalb gleich am nächsten Tag weiter nach Kaélé nahe der Grenze vom Tschad.



Ein Problem in Kamerun ist, dass es in dem Land viele verschiedene Sprachen gibt. Die Ethnologue-Datenbank listet aktuell 285 Sprachen auf, die in Kamerun gesprochen werden. Viele Menschen - vor allem Frauen - sprechen kein Französisch. Wenn sie zum Beispiel zum Arzt wollen, können Sie sich nicht mit ihm unterhalten. Ein anderes Beispiel: Der Pfarrer, der uns begleitete kam aus dem Süden Kameruns. Er hatte eine Gemeinde in Garoua, konnte sich aber mit den meisten Gemeindemitgliedern nicht unterhalten. Beim Gottesdienst am Sonntag predigte er auf Französisch, das dann sofort in die Sprache seiner Gemeinde übersetzt wurde.



Eine der Aufgaben der evangelischen Kirche waren Sprachkurse für Frauen, die sogenannten Alphabetisierungskurse. Dort sollten die Grundlagen der französischen Sprache geschaffen werden. In Kaélé wurden solche ein Sprachkurse durchgeführt. Als wir dort waren, traf man sich unter einem großen Baum. Wir bzw. die Kommission der Kirche bekamen Stühle, die anderen saßen auf dem Boden.

Neben den Sprachkursen ging es bei den anderen Projekten der Église evangélique du Cameroun vor allem um Schulen, Gesundheitsförderung und den Brunnenbau.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 12.02.2017 15:56:03 Gelesen: 2780# 173 @  
Hallo zusammen,

in Kamerun gibt es innerhalb der verschiedenen Religionen noch viele z.B. evangelische „Untergruppierungen“. Wir waren zu Gast bei der „Église evangélique du Cameroun“ und wohnten in Garoua auf dem Gelände der „Église fraternelle luthérienne du Cameroun“.



Eine Fahrt führte uns nach Maroua, der viertgrößten Stadt Kameruns. Dort wohnten wir auf dem Gelände der Baptisten. Hier ein Brief aus Maroua von der „Église evangelique mission unie du Soudan“.

In Maroua sollte mit Geldern der evangelischen Kirche eine Joghurt-Produktion aufgebaut werden. Dort sollten die Frauen Beschäftigung erhalten. Leider hat der Bruder des Pfarrers das Geld veruntreut, so dass von der Produktionsstätte (es wurde die Tür aufgebrochen) nicht viel zu sehen war.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 26.02.2017 17:37:48 Gelesen: 2042# 174 @  
Hallo zusammen,

auf dieser Ansichtskarte heißt es: „Morgen kommen Jutta und Thomas hier in Garoua an, abwarten wie es ihnen gefällt.“ Wir haben die Karte aber erst später aufgegeben, denn Jutta und Thomas haben auch unterschrieben.



Vorher schreibt Steffi: „Hier ist es wunderschön und man wird von allen herzlich empfangen. Heute waren wir auf einem Markt, wo es alles von Rindern bis Schuhen gab“. Hier zwei Fotos des Marktes:



Der Anblick des von Fliegen bedeckten Fisches ist gewöhnungsbedürftig, zudem er noch in der prallen Sonne lag. Der Fisch war aber so frisch, wie wir hier keinen Fisch kaufen können. Er kam unmittelbar vom Fluss Benue (Bénoué), der hinter dem Markt floss.

Weiter schreibt Steffi: „Durch die Arbeit der Kirche kommen wir auch auf die kleinen Dörfer wodurch man einen guten Einblick in das Leben der Menschen bekommt“. Nach meiner Meinung haben Jutta und Thomas leider die interessanteste Woche versäumt, aber auch die beiden nächsten Wochen waren noch ereignisreich.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 12.03.2017 09:54:11 Gelesen: 1174# 175 @  
Hallo zusammen,

touristisch hatte Garoua nicht sehr viel zu bieten. Eine Attraktion war die Nilpferd-Fütterung. In dem Jahr, als wir in Garoua waren hatte einige Zeit vorher ein Nilpferd einen Fischer angegriffen und getötet. Daher waren unsere Führer etwas vorsichtig. Wir gingen wir am Ufer des Bénoué entlang. Die Nilpferde wurden angelockt und vom Ufer aus gefüttert. Ein halbes Jahr später sah das schon wieder anders aus. Steffi stand im flachen Wasser des Flusses vor einem Nilpferd und fütterte es direkt.



Im Beitrag [#173] habe ich vom Milchprojekt in Maroua berichtet. Auf dieser Ansichtskarte schreibt mein Bruder, dass sie Anfang Dezember wieder dort waren um das Projekt endlich in Gang zu bringen.



Nett auch die Ansichtskarte mit den Kindern, die mit einem selbst gebauten Auto spielen. Es war für uns faszinierend, was für tolles Spielzeug sich die Kinder selbst gebaut haben. Hier noch ein anderes Beispiel aus einer alten Flasche:



Dieses Auto wurde einfach an einem Band hinterher gezogen. Andere Autos aus Flaschen waren mit Hilfe einer Stange lenkbar.

Soviel für heute
Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 19.03.2017 18:50:05 Gelesen: 793# 176 @  
Hallo zusammen,

die Zeit in Garoua war schnell zu Ende. Unser Flugzeug von Douala nach Paris ging flog am Sonntag. Aufgrund der Erfahrungen beim Hinflug versuchten wir ab Donnerstag von Garoua aus nach Douala zu fliegen. Auf welchen Tag das Ticket ausgestellt war, war ganz egal. Man ging zum Schalter von Cameroon Airlines und sagte, dass man zum Beispiel am nächsten Tag fliegen möchte.

Unsere Bemühungen in diese Richtung waren aber nicht von Erfolg gekrönt. Man vertröstete uns immer wieder und nannte immer wieder andere Zeiten, wann das nächste Flugzeug starten würde. Am Samstag erfuhren wir durch Zufall (und nicht von der Fluggesellschaft), dass Cameroon Airlines überhaupt nicht mehr fliegen durfte. Die Airline war nicht in der Lage, die Versicherung zu zahlen, und durfte deshalb nicht mehr starten.

Für uns bedeutete das, wir die Strecke von ca. 1000 km mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen mussten. Das haben unsere einheimischen Bekannten aber super organisiert.



Auf diesem Brief von der sowjetischen Botschaft in Yaounde an das Kaufhaus Neckermann ist auf der rechten Marke unsere Reiseroute gut zu erkennen. Die Marke zur Transkamerunischen Eisenbahn von Yaoundé nach Ngaoundéré ist am Tag der Eröffnung, dem 10. Dezember 1974, mit dem entsprechenden Aufdruck erschienen. Hier noch einmal die Marke mit der Reiseroute in Vergrößerung:



Von Garoua aus ging es mit einem normalen Reisebus aus nach Ngaoundéré. Im Bus hatte jeder seinen eigenen Platz, was ich bis dahin in Garoua noch nicht gesehen hatte. Die Fahrt über Land war viel interessanter als der Flug. Man kam durch die verschiedenen Klimazonen Kameruns, dass auch Afrika im Kleinen genannt wird. Im Norden ist die Sahel-Zone, Garoua liegt im Bereich der Trockensavanne. Diese Landschaft ging über in die Feuchtsavanne, bis wir schließlich in der Nähe von Ngaoundéré den tropischen Regenwald erreichten.

Viele Grüße
Volkmar
 

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