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Thema: Postverhältnisse Bayern - Österreich
Das Thema hat 227 Beiträge:
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bayern klassisch Am: 21.10.2017 22:50:48 Gelesen: 3578# 203 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Dienstbrief, der von Weiden stammt und am 3.4.1846 seinen Postlauf antrat. Ziel war der Magistrat in Wien, wo er 3 Tage später ankam und am 4. Tag "präsentirt" wurde.



Ursprünglich als R.S. für Regierungs - Sache angedacht, radierte man die Tinte beim "R" weg und ersetzte sie von der Hand des Absenders durch ein "A", wodurch eine Armen - Sache wurde.

Auf- und Abgabepost ließen sie daher untaxiert, wofür auch der Ankunftsstempel von Wien spricht, der in rot nur bei frankierter (also nicht portopflichtiger) Eingangspost zu finden ist.

Viele Armensachen des Postvertrages von 1842 kenne ich nicht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 30.10.2017 17:10:35 Gelesen: 3016# 204 @  
Liebe Freunde,

eine kleine Rosine darf ich heute aus Straubing vorstellen, die sich am 29.1.1834 auf ihren recommandirten Weg nach Wien machte.



In Straubing mit dem obligaten Zweizeiler etwas mangelhaft hinsichtlich des Aufgabetages gestempelt, holte man dieses zur besseren Kenntlichmachung auf der Siegelseite (!) nach. So habe ich das noch nie gesehen.

Auch den Chargé - Stempel frontseitig, wie es die Vorschrift war, holte man siegelseitig nach, wie es mir in keinen 5 Fällen von Bayern bisher bekannt wurde. Jedoch annullierte man beide Stempel wieder mit derselben Tinte, mit der man das Franko bis zur österreichischen Grenze von 6 Kr. rheinisch notiert hatte!

Unter der Reconummer 411 war er in Straubing erfasst worden, während er in Österreich bei seinen Kartierungen keine weitere Nummer zugeteilt bekam. Für 28 Kr. Conventionsmünze wurde er am 1.2.1834 in Wien zugestellt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 12.11.2017 13:56:18 Gelesen: 2248# 205 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich ein nettes Kuvert aus Bregenz vom 23.9.1870 nach Wiesbaden, wo es schon einen Tag später ankam und ausweislich seines Distributionsstempels dem Empfänger, dem k. k. Kammer Rath Pfeiffer, zugestellt wurde.



Zum Einsatz kam ein gewöhnliche Ganzsache zu 5 Neukreuzer, die ab 1.1.1868 für einfache Briefe bis 1 Loth wie hier obligat war.

Der Laufweg über Bayern und Baden ist wegen des geschlossenen Transits nicht ersichtlich, dürfte sich aber stark an älteren Vorgaben orientiert haben: Lindau, Kempten, Ulm, Stuttgart, Heidelberg, Mannheim, Darmstadt, Wiesbaden.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 12.11.2017 14:12:45 Gelesen: 2247# 206 @  
Liebe Freunde,

eigentlich müsste es Hundert von Dienstbriefen Bayerns in die Lombardei und umgekehrt geben. Eigentlich - ich sehe aber nur alle 10 Jahre einen.



Da war bei einem Angebot in der Bucht zuschlagen angesagt, denn auf die nächste Offerte wollte ich nicht warten. Im wunderschönen Lindau im Bodensee am 7.6.1850 mit 22 Kreuzern frankiert, gab das bayer. Landgericht Lindau ein Schreiben an das K. K. Civil- und Tribunalgericht Mailand I. Instanz unter Recommandation (weitere 4 Kr.) auf. Es war eine Partei - Sache, also war ein Bayer involviert.

Diese 22 Kreuzer waren halbscheidig zwischen Bayern und Österreich zu teilen und ergaben sich für Briefe über 1/2 bis 1 Loth in der 2. (von 2) Entfernungsstufe.

Auf einen in Gegenrichtung warte ich derweilen noch ein bisschen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 13.11.2017 11:17:36 Gelesen: 2174# 207 @  
Liebe Freunde,

aus dem lieblichen Pest(h) ging es am 23.11.1862 für 15 Neukreuzer nach München: 24.11. Wien und 26.11. Ankunft in München.



Die Adresse liest sich etwas sonderbar - vielleicht war der Schreiber in Gedanken?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 13.11.2017 12:10:11 Gelesen: 2170# 208 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen sogenannten Cholera - Brief aus Wien vom 17.9.1831 "An den Wohlgebohrnen den Gräflich Königseggschen Domainen - Inspector Herrn Mosmann in Aulendorf in Württemberg durch München und Waldsee".



Der Absender frankierte (vorn rechts und kaum zu lesen - auch der Wiener Beamte wollte mit seinem Rötelstift den Brief nur leicht und schnell tangieren) mit 14 Kreuzer Conventionsmünze bis zur Grenze Bayerns bei Freilassing.

Dort wurde der Brief geräuchert, indem man ihn rastelte und dann zur Abwehr der Cholera bearbeitete. Geholfen, das wissen wir heute, hat das nichts, aber das Gefühl der Sicherheit ist, wie wir ja alle wissen, wichtiger als die Sicherheit selbst ...

Interessant ist der vollständig erhaltene Inhalt (der sich ja bei 99% der mir bekannten sog. Cholerabriefe nicht auf die Cholera selbst bezog):



"Gehorsamster Herr Inspector!

Nun ist alle Täuschung vorüber, nach auselend kalten, dreytägigen Regengüssen ist hier vom 13ten auf den 14ten die Cholera ausgebrochen. Nach essencieller Angabe sind am 14ten 41 Personen erkrankt, 1 davon genäßen, 40 verstorben und in der Behandlung noch 30. Am 15. erkrankten 139, hiervorn genlß 1, starben 64 und in der Behandlung blieben mit obigen 30 noch 104, am 16ten erkrankten 127, genoßen 3, gestorben 58 nach Bestand 170. Daß bey diesen Umständen keine Gesundheitspäße mehr gegeben werden, ist wohl sehr natürlich, daher das Abreisen von sich selbst nicht mehr möglich ist. Ich bin überzeugt, daß besonders Ihnen und jenen, die wahre Anhänglichkeit an mich und meiner Familie fühlen, diese Nachricht höchst schmerzlich fallen wird,

auch auf mich wirkt dieses Ereigniß betrübend ein, denn nicht n ur allein, daß ich der höchst traurigen Zeit, die mir hier erlebe werde durch meiner Abreise entgehen wollte, sondern ich freute mich schon nach so langer Zeit vereinigt mit meiner Familie in Aulendorf wieder einen Aufenthalt zu machen. Nun läßt sich nichts anderes thun, als sich in das Mißgeschick zu fügen, und sich dem Schutze des Allmächtigen zu empfehlen, der uns seine Gnade nicht entziehen wird. Der Trost, daß wir stets in Gottes Hand sind, mag auch auf Sie wohlthätig einwirken; sowie ich hoffe, daß er auch mich aufrecht erhalten wede. Näbst meinem herzlichen Gruß an alle meine Aulendorfer verbleibe ich mit den Gesinnungen aufrichtigster Neigung
Ihr dienstwilligster Franz Georg Königsegg mpp".

Postalisch fielen 12 Kr. für Bayern an (8+4) und 6 Kr. für Württemberg (4 + 2) = 18 Kr., dazu 1 Kr. Bestellgeld, so dass der Empfänger total 19 Kr. zahlen musste.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 13.11.2017 20:04:47 Gelesen: 2114# 209 @  
Hallo Sammlerfreunde,

Brief als Regierungssache vom Landgericht aus Neustadt an der Waldnaab in der Oberpfalz über Weiden nach Wien an den löblichen Magistrat der Kaiserlich Königlichen ... und ... Wien.

Der Brief selbst ist vom 16.2.1830 und wenn ich es richtig deute mussten 28 Kreuzer Conventionsmünze für die postalische Beförderung bis Wien ab Grenze gezahlt werden.

Was bedeuten die 5 und 3 in rot auf der Rückseite, auch würde mich die Bedeutung des roten Kreuzes auf der Vorderseite interessieren ?

Gestempelt mit Einzeiler von Weiden (Winkler Nr.7) in Verwendung von 1825 - 1838.

Gruß Rainer




 
bayern klassisch Am: 13.11.2017 21:13:26 Gelesen: 2108# 210 @  
@ Gernesammler [#209]

Hallo Rainer,

netter Brief!

28 Kreuzer CM war als Porto ab der österreichischen Grenze angesetzt worden, doch wurden sie am (jetzt kommt das Datum mit Stempel auf der Siegelseite zum Einsatz) wieder gestrichen, also am 5.3., weil man den Briefe nachträglich als portofrei behandelt hatte und dem Empfänger wieder gutschrieb.

Das frontseitige liegende X war das österreichische Zeichen der Gebührenfreiheit - mal bis, mal ab der eigenen Grenze.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 14.11.2017 13:45:24 Gelesen: 2021# 211 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen interessanten Brief, wenn man den Inhalt über alles stellt, was ich hiermit tun möchte. Geschrieben wurde er von Alexander Baron von Uexküll in Wien am 2.12.1860 und gerichtet war er an Seine Hochgeboren den königlichen Hofmarschall und Kammernherrn, Großkreuz(träger) des König - Friedrich - Ordens und des k. k. Ordens der Eisernen Krone Herrn Rudolf Grafen Uxküll Stuttgart".



Der Vermerk "dringend" war sinnlos, denn eine expresse Zustellung war nicht gewünscht, nur erhofft. Die Zustellung erfolgte bereits einen Tag später im 3. Gang in Stuttgart - phantastisch.



Zum Inhalt:

Wien am 2. December 1860
Reise nach Madeira
Mein Engelspeps!

Ich komme Mittwoch den 5. d. M. Vormittagas mit dem Schnellzug nach Paris durch Stuttgart - die genaue Stunde kann ich nicht angeben - doch dürfte es zwischen 10 und 11 Uhr sein.
Hoffentlich sehe ich all die Meinen am Bahnhof und begleitet mich wenn es geht, mein lieber Peps einige Stationen weit - den 6. in der Früh komme ich nach Paris - gehe den 7. nach London schiffe mich den 10. in Southampton nach Lissabon ein - wo wir am 16. ankommen dürften - den 18. denk ich von dort wegzugehen und den 26. in Madeira zu sein.
Ich bin Überbringer des Christkindels für Ihre Majestät - dann von Briefen etc: - für Paris, London & Lissabon Staats - Courier.
Da ich um 10 Tage früher gehe als ich gerechnet habe cih mit meiner Toilette furchtbar zu arbeiten - aber wenn es sein muß geht Alles.
Auf die ganze Reise freue ich mich enorm - da Paris, London - Portugal und endlich afrikanischer Boden sehr interessant sind.
Für deinen lieben Brief immer herzlichen Dank - die Details der Kaiserreiche sind charmant - Allen viele Grüße und auf frohes baldiges Wiedersehen!
Dein gehorsamer Sohn
Alexander"

Leider habe ich zu Alexander Baron von Uexküll so gut wie nichts im Netz finden können - wer helfen kann, diese Reise im Netz zu finden, sei mir herzlichst gegrüßt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Max78 Am: 14.11.2017 19:30:47 Gelesen: 1994# 212 @  
Servus Ralph,

ist ein wenig schwierig, immer wenn es um den Adel geht und sich die Namen wiederholen. Genauer dürfte es sich um Alexander August Rudolph Leopold Friedrich Graf von Üxküll-Gyllenband handeln. ;-)



Es lässt sich nicht viel finden, hier einmal ein link zu seiner Karriere:

http://www.austro-hungarian-army.co.uk/biog/uexkuell.html

Hier noch ein Beschluss vom 14. Dez 1861 (zur Reise Dez 1860 konnte ich nichts finden):

https://books.google.de/books?id=qdugAAAAMAAJ&pg=PA205&dq=Alexander-Graf-von-Gyllenband-1861&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwit_MHn1b7XAhXICBoKHfOjArgQ6AEIJjAA#v=onepage&q=Alexander-Graf-von-Gyllenband-1861&f=false

Ein schönes Schriftstück ist es auf alle Fälle,

mit Grüßen Max
 
Gernesammler Am: 14.11.2017 19:55:33 Gelesen: 1985# 213 @  
@ bayern klassisch [#211]

Hallo Ralph,

hier ein Link zu der Familie und 2 Alexander Freiherr von Uexküll, der letztere sollte der Herr aus dem Brief sein, aber viel mehr ist nicht zu finden.

https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=4&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwjCgN6N3b7XAhWB_aQKHXM0Cn8QFgg3MAM&url=https%3A%2F%2Fwikivisually.com%2Flang-de%2Fwiki%2FUexk%25C3%25BCll&usg=AOvVaw36R7LhNzakNv8ONrWDLzPk

Alexander Freiherr von Uexküll-Güldenband, kaiserlich russischer Polizeimeister in Mitau, wurde am 18. März 1808 bei der kurländischen Ritterschaft immatrikuliert.

Aus dem Stamm Fickeln, Linie Menzen, wurde Berend Johann von Uexküll auf Menzen, Fickel, Pickfer und Mecks 1746 bei der estländischen Ritterschaft und 1747 bei der livländischen Ritterschaft immatrikuliert. Seine Nachkommen erhielten am 7. Dezember 1854 eine russische Anerkennung zur Führung des Baronstitels durch Senats-Ukas Nummer 10002. Eine Immatrikulation bei der kurländischen Ritterschaft erfolgte für Alexander Baron von Uexküll auf Metzeboe am 14. Juni 1865.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 14.11.2017 20:46:06 Gelesen: 1979# 214 @  
@ Gernesammler [#213]

Hallo Rainer,

super - vielen Dank vorab, muss ich mir alles noch anschauen, was du da gefunden hast (aber erst nach dem Spiel jetzt).

Wird alles in die Beschreibung mit einfließen.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bignell Am: 14.11.2017 21:40:54 Gelesen: 1969# 215 @  
@ bayern klassisch [#211]

Hallo Ralph,

viel gibt das Netz nicht preis, aber immerhin.

Genealogie http://gaebler.info/phpgedview/individual.php?pid=I15142&ged=cg.ged&tab=-1
Eine berühmte Enkelin: http://www.hpmelle.de/stauffenberg/alexandrine.html

Lg, harald
 
bayern klassisch Am: 14.11.2017 21:49:40 Gelesen: 1966# 216 @  
@ bignell [#215]

Hallo Harald,

auch dir vielen Dank für deine Mühewaltung - ja, ein interessantes Leben hatte diese Dame. Scheint eine sehr, sehr weitläufige Familie zu sein und, ja, alles findet man halt auch im Netz nicht.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 14.11.2017 22:22:46 Gelesen: 1963# 217 @  
@ Max78 [#212]

Hallo Rainer,

schon sehr interessant - bekam einen preußischen Orden und kämpfte 5 Jahre später gegen die Preußen - muss man alles nicht verstehen (wes Brot ich eß, deß Lied ich sing ...).

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 15.11.2017 13:28:52 Gelesen: 1904# 218 @  
@ bayern klassisch [#208]

Liebe Freunde,

vom Archiv der Empfängerfamilie erhielt ich heute die folgenden, ganz tollen Auskünfte, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Nun zu den inhaltlichen Fragen: Es handelt sich bei diesem Schreiben um einen Brief vom damaligen Senior des Hauses Königsegg-Aulendorf, Franz Xaver Karl Graf zu Königsegg-Aulendorf an seinen Domänendirektor (in der Anschrift: (Domainen-Inspector) Meinrad Mesmer, der die Verwaltung der Standesherrschaft Königsegg-Aulendorf in Württemberg während der Abwesenheit von Graf Franz Xaver Karl ausübte. Die Unterschrift im Brief muß so gelesen werden: "Franz G(raf) zu Königsegg".

Franz Xaver Karl Graf zu Königsegg-Aulendorf lebte von 1787 (geboren in Aulendorf) bis 1863 (gestorben in Aulendorf) und wurde nach dem Tod seines Vaters Ernst Reichsgraf zu Königsegg-Aulendorf im Jahr 1803 nominell regierender Reichsgraf. Da er aber zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig war, übte seine Mutter Reichsgräfin Maria Christina Josepha zu Königsegg-Aulendorf, geb. Manderscheid-Blankenheim, die Vormundschaft aus. Er kam offiziell nicht mehr zur Regierung, da die Reichsgrafschaft Königsegg-Aulendorf im Jahr 1806 mediatisiert und dem neuen Königreich Württemberg zugeschlagen wurde. Erst im Jahr 1808 wurde er volljährig und übernahm die Besitztümer des Hauses als nun württembergischer Standesherr. Da aber das Haus auch Besitztümer in Österreich bzw. im damaligen Ungarn hatte, hielt sich Graf Franz Xaver Karl sehr häufig in diesen Besitztümern auf, auch weil er als ungarischer Magnat in Verbindung zum österreichischen Kaiserhaus stand und drei seiner Söhne, Erbgraf Gustav, Graf Alfred (spätere Senioren des Hauses) und Graf Adolf in Wien ihre Ausbildung genossen. So hielt er sich häufig entweder in seinem Stadthaus in Wien oder in den oberungarischen Herrschaften Pruskau und Illau (heute: Pruské und Ilava in der Slowakei) auf. Zum Zeitpunkt der Abfassung des Briefs befand er sich gerade wieder in Wien und dort wurden er und seine Familie vom Ausbruch der Cholera kalt erwischt, die er mit seiner Familie aber in der Quarantäneanstalt Bruck an der Leitha überlebte. Im weiteren Verlauf regierte er in den ungarischen Besitztümern und in der Standesherrschaft Königsegg-Aulendorf, wo er auch mit den Zehnt- und Gefällablösungen des Königreichs Württemberg beschäftigt war, trat die Verwaltung der Standesherrschaft 1839 an seinen Sohn Gustav Erbgraf zu Königsegg-Aulendorf ab und verstarb im Jahr 1863 im damaligen hohen Alter von 76 Jahren. Sein Domänendirektor Meinrad Mesmer wurde übrigens im Jahr 1803 sein Erzieher und dann im Jahr 1809 sein Domänendirektor, welches er auch bis ca. 1844 blieb.

Dieses die kurze summarische Zusammenfassung zum Leben von Franz Xaver Karl Reichsgraf zu Königsegg-Aulendorf!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.12.2017 12:26:39 Gelesen: 425# 219 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich zwei vergleichbare Briefe:



1. Brief Wien 28.3.1855 nach Feldkirch. Der Laufweg ist perfekt dokumentiert: Aufgabe erst am 5.4.1855 (!), womit der Zeitvorteil natürlich im Eimer war, Bodenbach 6.4., dann via Leipzig, Hof, Nürnberg und Augsburg nach Bregenz am 8.4. und noch am selben Tag Ankunft beim Empfänger in Feldkirch. Danke für DEN Abschlag des Bodenbacher Stempels.



2. Brief Prag 15.9.1853 nach Feldkirch. Der Laufweg ist nicht perfekt dokumentiert, wird aber duch die Laufzeit(en) eindeutig zuordenbar: Aufgabe 15.9.1853, Bodenbach wohl am selben Tag, oder am 16.9., danach wieder über Leipzig, Hof, Nürnberg und Augsburg nach Bregenz, wo er am 18.9. einlangt und noch am selben Tag in Feldkirch seinem Empfänger ausgehändigt wurde.

Dazu kommt noch der Vermerk: "Muster ohne Werth", wobei wir nicht wissen, ob anhängend, oder inliegend. Ich denke eher inliegend, aber der Inhalt ist nicht eindeutig, von daher unterstelle ich immer die simple Variante und nicht die mit einer Portomoderation einhergehende Art.

Bayern bekam für beide Briefe je knapp 2 Kreuzer Entschädigung für seine enorme Transitleistung, die sich Österreich etwas kosten ließ, weil der Brief 2 Tage mindestens schneller ankam, als wenn man ihn über das ganze Voralpenland hätte mit der Kutsche transportieren müssen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.12.2017 13:21:13 Gelesen: 419# 220 @  
Liebe Freunde,

jahrelang habe ich nach einem solchen Brief gesucht und endlich bin ich fündig geworden. Dabei sieht der Kleine doch so harmlos aus, jedenfalls von vorne:



Der Absender schrieb die Adresse in Stuttgart am 20.6.1851 wie folgte:

Bohème (= Böhmen, also nördliches Österreich)
A Son Excellene
Monsieur le Comte Charles de Chotek & &
à Großpriesen
par Dresde
franco

Großpriesen heißt heute natürlich ein bischen anders [1].

Zum Empfänger dies: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Chotek_von_Chotkow

Das für mich höchstinteressante ist aber der Zusatz "par Dresde", also über Dresden. Damit sagte der Absender der Post, dass er seinen Brief über Sachsen nach Großpriesen geleitet haben wollte, womit wir bei dem Laufweg Dresden - Bodenbach wären, der ja ab April 1851 gangbar war, was man auch in Stuttgart wusste.

Jedoch, die Siegelseite belehrt uns eines besseren: Bahnpost Nördlingen 21.6. als Station der Strecke von München nach Nürnberg, dann aber nicht, wie man annehmen müsste aus postalischen und vorgegebenen Gründen via Hof, Leipzig und Dresden nach Bodenbach, sondern nach Eger über den lokalen Paketschluß Waldsassen am 22.6. und von dort nach Aussig am 23.6.. Wann er nun in Großpriesen ankam, wissen wir leider nicht, denn ein Ankunftsstempel mangelt.

Zu den Taxen: Der Brief war voll frankiert, nur hatte man in Württemberg 2 Probleme: 1. Man hatte noch keine Briefmarken, wie andere Länder (erst zum 15.10.1851 erschienen) und 2. war man noch nicht im Postverein, so dass Marken, hätte es sie bereits gegeben, keine Gültigkeit gehabt hätten.

Ergo galt auch Ende Juni 1851 noch immer die gute, alte Barfrankatur, denn anders ging es nicht. Der Absender zahlte für 3 Postgebiete (Württemberg, Bayern und Österreich) 6 und 8 Kreuzer. Das heißt, er zahlte in einem Postgebiet gar nichts und das war in Württemberg, denn dort war er portobefreit!

8 Kreuzer für den historischen Transit durch Bayern (Postvertrag von 1809 mit Regulativ vom 1.12.1810, welch ein Anachronismus damals, weil noch in halben Münchener Lothschritten zu rechnen war und mit 50%iger Steigerung, statt wie damals üblich in Bayern und im Postverein mit Verdoppelung bei höheren Gewichten) und 6 Kreuzer für Österreich ab der bayer. - österreichischen Grenze.

Weil man aber nicht 8 / 6, sondern zuerst 6 / 8 geschrieben hatte, war diese Notation falsch gewesen, denn Württemberg hatte das Weiterfranko in der Reihenfolge des Postlaufs zu notieren und nicht anders. Da Württemberg Bayern den Brief gab, galt es das bayerische Transitfranko im Nenner aufzuführen, also hier 8 Kr. und erst dann das Weiterfranko für Österreich im Zähler zu notieren, hier also 6 Kreuzer, sonst hätte der Brief nicht zu den Gebühren in der Briefkarte nach Nördlingen gepasst und Nördlingen hätte in der retour laufenden Attestkarte eine Korrektur vornehmen müssen, was sicherlich keiner damals wollte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Velk%C3%A9_B%C5%99ezno
 
bayern klassisch Am: 06.12.2017 14:58:23 Gelesen: 411# 221 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Brief nach Deffernik mit dem Leitvermerk "per Schüttenhofen", der in Klentsch am 15.3.1867 aufgegeben wurde. Mit 5 Neukreuzern war er korrekt frankiert bis 1 Loth ohne Entfernungsbeschränkung.



Es ist davon auszugehen, dass für J. A. Ziegler auch hier ein konzessionierter Bote von Schüttenhofen nach Deffernik ging, der Briefe und Pakete mitnehmen durfte. Von Bayern aus war das die Eisensteiner Böthin, wer es hier war, weiß ich leider nicht zu berichten.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.12.2017 15:20:52 Gelesen: 408# 222 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Brief aus Wien vom 6.12.1853 an seine königliche Hoheit, den Prinzen Carl von Bayern in München, der mit 9 Kreuzer korrekt frankiert wurde. Bisher kenne ich aus der Löwenthal - Korrespondenz an ihn nur Briefe (ganz wenige!), die mit 6 Kreuzer unterfrankiert wurden. Aber die stammen alle vom Frühjahr 1853 und hier hat der Absender wohl gelernt ... auch wenn das Nachporto bei Briefen an den bayerischen Hochadel nie der Empfänger, sondern stehts der Bürger zu bezahlen hatte ("auf Kosten der Staatskasse").



Am 9.6. traf er in München ein und wurde seiner königlichen Hoheit auf dem Silbertablett (hier im wahrsten Sinne des Wortes!) überreicht; natürlich nicht von der Post, sondern von seinem Sekretair.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 08.12.2017 14:31:30 Gelesen: 380# 223 @  
Liebe Freunde,

und den noch gleich hinterher - geschrieben in Herzogenaurach am 3.5.1825 auf 3 Kreuzer - Stempelpapier, war er an den Magistrat in Wien gerichtet und musste daher bis zur Grenze frankiert werden, hier 15 Kreuzer siegelseitig notiert.



Aber der Grenze kamen 28 Kreuzer Conventionsmünze dazu, wobei ich mir nicht sicher bin, warum weitere 6 xr (Kreuzer) in Wien angeschrieben wurden. Für eine Zustellgebühr ist mir das viel zu hoch.

Auch hier sehen wir den schwarzen Erlanger, aber einen roten Chargé - Stempel. Wieder rechts oben die Manualnummern 4 von Erlangen und 1 von Nürnberg - in Österreich bekamen solche Briefe keine neue Reco - Nummer aufgebracht, nur intern wurden sie natürlich in der Briefkarte erfasst.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 09.12.2017 10:19:38 Gelesen: 296# 224 @  
Liebe Freunde,

vorher hatte ich ein Werbekuvert gezeigt, dass von der Kreuzhütte nach Österreich verschickt wurde und seit dem Tag, an dem ich dieses Schmuckstück bekommen hatte, packte mich der Ehrgeiz, auch ein solches Kuvert mit bayerischer Frankatur nach Bayern (oder sonstwo hin) zu erwerben.



Es dauerte ein paar Tage, aber dann war es soweit: Voilà! Von der böhmischen Kreuzhütte nach Waldmünchen verbracht, dort mit 3 Kr. am 9.6.1868 frankiert und mit dem Mühlradstempel 556 sauber entwertet, ging die Reise nach Fürth, wo es am Folgetag ankam.

Ich hätte nie gedacht, eine solch leckere Seite zusammen bringen zu können. Dass dabei noch eine Bogenecke der Nr. 15 nötig war, spielt mir noch in Karten, wäre aber nicht nötig gewesen. Danke, Herr Ziegler!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 10.12.2017 08:57:55 Gelesen: 206# 225 @  
Liebe Freunde,

eine gemischte Beförderung nach Griechenland, noch dazu mit dem 1. Ganzsachenkuvert Bayerns, konnte ich bisher noch nicht zeigen, aber das hat sich jetzt geändert.



Lindau am 17.10.1870, adressiert wie folgte: Herrn Johann Friedrich Schweicker
bei Herren Fels & Co in Patras
Adresse Herren Lößl, Rist & Co
Triest

Der Empfänger, Herr Schweicker, war also in Patras beschäftigt, doch dorthin zu versenden war zu teuer (18 Kreuzer ab 23.5.1868 mit der Leitung über Triest je Loth!), daher nur 3 Kr. ab 1.1.1868 nach Österreich und von da an mit einem Firmenangestellten nach Patras, was immerhin 15 Kreuzer pro Brief sparte!

Siegelseitig sehen wir daher auch den Empfängervermerk, aber nicht den aus Triest, sondern aus Patras, wie wir aus den Daten unschwer erkennen können:

"R 27/10 / 28/10", also R für Erhalten am 27.10.1870 und darunter beantwortet am 28.10.1870, vermutlich mit dem gleichen Schiff des Lloyd, das wieder zurück nach Triest fuhr.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 11.12.2017 15:56:47 Gelesen: 149# 226 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Brief aus Wien vom 21.4.1856 über Prag, Bodenbach, Hof, Nürnberg, Augsburg, Lindau und Bregenz nach Feldkirch, der am 22.4. in Bodenbach war und am 24.4. in Bregenz und Feldkirch.



3 Tage sind eine sehr gute Zeit, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Aufgabe erst in Wien um 18.00 Uhr Abends erfolgte.

P.S. Der Anbieter war verhandlungsbereit, was den Preis anging, weil die Marke "Liliputschnitt" aufweist - und dabei doch vollrandig ist! Sachen gibts.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 11.12.2017 16:03:41 Gelesen: 148# 227 @  
Liebe Freunde,

heute darf ich eine Briefkarte von Feldkirch in Österreich nach Vaduz in Liechtenstein vom 27.10.1869 zeigen, die an sich ja nichts mit Bayern zu tun haben musste - hat sie aber.



Wie man sieht, waren 3 qualifizierte Poststücke dieses Transports gewesen, der noch am selben Tag in Vaduz endete:

1. Ein Einschreibebrief aus Innsbruck mit der Reco - Nr. 258 von dort, hier als Nr. 1 in Feldkirch erfasst.

2. Ein Einschreibebrief aus Gunzenhausen mit der Reco - Nr. 447 von dort, hier als Nr. 2 in Feldkirch erfasst und

3. Eine Staatsdepesche unter Nr. 555 des Depeschenamtes in ???.

Auch nach über 35 Jahren des Sammelns der bayer. Postgeschichte ist mir noch kein Recobrief aus Bayern nach Liechtenstein untergekommen - in Gegenrichtung natürlich auch nicht. Was gäbe ich darum, den nämlichen aus Gunzenhausen zu finden und ihn hier präsentieren zu können.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 

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