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Thema: Japan: Kriegsgefangenenpost
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ligneN Am: 06.03.2018 13:20:43 Gelesen: 1166# 37 @  
@ Dudley [#35]

Der Brief wurde lt. R-Zettel in "Azabu-Nyusencho" aufgegeben, einem Postamt im Tokyoter Großbezirk Azabu. Der Stempel 5.7.18 ist ebenfalls von Azabu-Nysencho, nicht von Kurume.

Wertangabe o. l. 25 Yen 86 sen. Da waren also auch Münzen im Umschlag.

Absenderangabe Kunz Trenkhahn ?, jedenfalls ein ausländischer Name.

Die Siegelstempelchen auf der Verschlußmarke bedeuten "Kubo". Sie stammen vom Absender oder Aufgeber, nicht von der Eingangszensur.

Es ist nicht klar, ob sich hinter den Zeichen ein japanischer Angestellter dieses Namens verbirgt, zB Postbevollmächtigter einer Firma oder einfach ein Hausangestellter in einem Privathaushalt. Oder ob hier ein Ausländer die Lautzeichen "ku ho" für seinen Namen im Siegelstempel verwendete. "Kubo" ist ein sehr häufiger Name, einfache Stempel mit diesen verbreiteten Namen waren schon damals idR keine Einzelanfertigungen mehr, sondern beim Stempelmacher oder in Schreibwarengeschäften auf Lager. Die Ladeninhaber hatten dann für den Ausländer rasch etwas lautähnlich klingendes zur Hand.
 
Dudley Am: 06.03.2018 16:28:16 Gelesen: 1153# 38 @  
@ ligneN [#37]

Danke für diese Ausführungen, eine tolle Hilfe.

Den Namen Drenckhahn kenne ich, vermutlich derselbe wie aus meiner Ausstellungsseite von Siemens-Schuckert Denki K.K.:

"Bei Ausbruch des Krieges wurden von den in Tokio, Yokohama und Kobe lebenden Deutschen drei Hilfsausschüsse ins Leben gerufen, um die durch den Krieg zu erwartenden neuen Aufgaben zu erfüllen.

Im Hilfsausschuss Tokio war die Firma Siemens durch ihren Leiter (Direktor Drenckhahn) vertreten. Da in Tokio kein deutscher Klub besteht und den Deutschen der Besuch des Vereinsgebäudes der »Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens« (OAG) polizeilich verboten wurde, standen dem Hilfsausschuss keine Räumlichkeiten zur Verfügung. Die Firma Siemens stellte daher ein Sitzungszimmer zur Verfügung und übernahm zugleich die zu erledigenden Arbeiten.

Der erste Deutsche, der die Gefangene in Kurume besuchte, war ein Angehöriger der Firma Siemens-Schuckert D.K.K. (Direktor Drenckhahn). Seine Berichte über wiederholte Besuche der Kriegsgefangenen und des japanischen Kommandos führte Siemens dazu, tatkräftige Hilfe einzuleiten."

Gruß Gerhard
 
hajo22 Am: 06.03.2018 17:32:23 Gelesen: 1146# 39 @  


"Fröhliche Ostern"-Karte geschrieben im japanisch besetzten Tsingtau am 25.3.1918. Marke entwertet mit japanischem Stempel vom 26.3.18 an einen Deutschen in Tientsin/China, Deutsches Lager.

War das auch ein Kriegsgefangenen-Lager und wenn ja, warum dann frankiert? Warum schrieb die Oma in Englisch und nicht in Deutsch? Vorschrift? Warum "for permission"?

Also eine Karte für Tüftler, oder?

hajo22
 
Dudley Am: 07.03.2018 13:42:15 Gelesen: 1121# 40 @  
@ hajo22 [#39]

Im Handbuch der Kriegsgefangenenpost Tsingtau von Rüfer/Rungas steht:

Im Deutschen Lager Tientsin konnten sich alle Deutschen frei bewegen, man kann hier also weder von einem Kriegsgefangenen- noch von einem Interniertenlager sprechen. Die Bezeichnung "Deutsches Lager" stammt noch aus der Zeit des Boxeraufstandes 1900/01.

Die anderen Fragen kann ich leider nicht beantworten.

Gruß Gerhard
 
hajo22 Am: 07.03.2018 16:50:08 Gelesen: 1104# 41 @  
@ Dudley [#40]

Tja, wenn man über Spezialliteratur verfügt, weiß man mehr! Aber bei meiner tiny Sammlung lohnt das nicht.

Ich halte fest:

- Kein Kriegsgefangenen- oder Interniertenlager
- Normale Post, daher frankiert
- es schrieb die englische Schwieger-Oma. :o))

hajo22
 
hajo22 Am: 08.03.2018 11:35:00 Gelesen: 1076# 42 @  
@ Dudley [#40]

" Im Deutschen Lager Tientsin konnten sich alle Deutschen frei bewegen, man kann hier also weder von einem Kriegsgefangenen- noch von einem Interniertenlager sprechen."

Da wir gerade bei Tientsin sind, hier ein portofreier Einschreibbrief gestempelt vom deutschen Postamt am 15.3.1916 an das Kriegsministerium nach Berlin adressiert. Couvert-Vordruck: "Service des Prisonniers de Guerre". Absender ist die "Hülfsaktion für Deutsche u. Österr.-Ungar. Gefangene in Sibirien". Der offensichtlich nicht zensierte Brief lief über Shanghai und die USA nach Berlin, Ankunft dort am 15.6.1916. Beförderungszeit demnach genau 3 Monate.



Das deutsche Postamt in Tientsin bestand bis zum 16.3.1917. Im Jahre 1917 erklärte China dem Deutschen Reich den Krieg.

Ob sich da alle Deutsche im "Deutschen Lager" in Tientsin an Ostern 1918, also noch zur Kriegszeit, frei bewegen konnten, erscheint mir schon ein wenig zweifelhaft.

hajo22
 
Dudley Am: 13.04.2018 01:09:11 Gelesen: 570# 43 @  
@ ligneN [#37]

Heute habe ich Fragen zu zwei handschriftlichen Vermerken auf einer Postpaket-Bestätigung, die Hermann Schäfer am 30.03.1915 an die Apotheke in Kobe schickte:



Bei der Beschreibung der Stempel die Nrn. 1 (schwarz) und 5 (blau)

Stempel:

1: Handschriftlicher Vermerk ?
2: Einzelstempel Kenetsuzumi (zensiert).
3: Han von Herrn Motomiya
4: Einzelstempel Furyoyubin (Gefangenenpost)
5: Handschriftlicher Vermerk ?
6: Poststempel von MATSUYAMA vom 30.03.1915
7: Poststempel von KOBE vom 31.03.1915
 
ligneN Am: 13.04.2018 11:50:59 Gelesen: 539# 44 @  
@ hajo22 [#39]

Hallo,

die in Tsingtau verbliebenen Deutschen waren nicht interniert, manche bezeichneten sich aber gern als Zivilinternierte (Patriotismus, Prestige, Solidarerklärung an die in Japan Einsitzenden usw.).

Die Karte hat einen Entwertungsstempel Tsingtau FPA vom 26.3.1918. Das FPA nahm von Anfang an auch Zivilpost an. Schon weil es vor 1919 gar kein Zivilpostamt in Tsingtau gab. Grund: das gesamte ehemalige deutsche Pachtgebiet stand unter Militärverwaltung.

"For permission": war von der Dez. 1916 in Japan eingeführten Zivilzensur für Post an/von "Feindstaaten" oder "Feindstaatenangehörige" vorgeschriebene Vermerk für zu zensierende Post.

Die Weiterleitung wurde dadurch ebenso beschleunigt wie durch die Verwendung von englischem Text.

Der zinnoberrote Ra. 1 ist der Zensurstempel des FPA Tsingtau (kommt auch auf eingehender Post und auf Kgf. Post vor) und 1915/20 belegt.

Text "Tsingtau FPA genehmigt".
 
ligneN Am: 13.04.2018 11:54:51 Gelesen: 538# 45 @  
Hermann Schäfer:

Handschriftliche Vermerke, der Absender hat links "Kobe" zusätzlich noch in Zeichen geschrieben.

Die Notizen in Blaustift sind die Transkription der Adresse in Kobe durch die japanische Post.
 
hajo22 Am: 13.04.2018 13:26:21 Gelesen: 528# 46 @  
@ ligneN [#44]

Perfekt. Herzlichen Dank.

hajo22
 
Dudley Am: 13.04.2018 14:34:22 Gelesen: 522# 47 @  
@ ligneN [#45]

Auch von meiner Seite bestem Dank!


 
Dudley Am: 13.04.2018 14:39:18 Gelesen: 521# 48 @  
Ergänzung zu Beitrag [#47]:

In unmittelbarer Nähe von Peking befand sich seit Anfang 1918 das Interniertenlager Wan-Schou-Sze in einem buddhistischen Tempel. Die Insassen des Lagers waren 5 Offiziere und ca. 140 Mann des österreichischen Kreuzers „S.M.S. Kaiserin Elisabeth“, von der Gesandtschaftswache in Peking und Tientsin, sowie die Angehörigen des Sanitätspersonals von Tsingtau.

Zuvor waren alle Internierten im Lager „Hsi-yuan“ (West-Kaisergarten) untergebracht. Wegen des sumpfigen Geländes brach dort nach einigen Monaten Typhus aus, woraufhin das Lager aufgelöst wurde. Alle Insassen wurden Anfang 1918 nach Wan-Schou-Sze verlegt.

Die Postkarte aus dem Interniertenlager Wan-Schou-Sze von Herrn Drohil, Besatzungsmitglied des österreichischen Kreuzers „S.M.S. Kaiserin Elisabeth“, am 12.05.1919 an Marie Dausek nach Wien geschickt.

Die Ansichtskarte wurde durch Vermittlung des Niederländischen Roten Kreuzes in Den Haag befördert.
 
hajo22 Am: 13.04.2018 17:27:47 Gelesen: 501# 49 @  
@ Dudley [#47] und [#48]

Einfach eine tolle, zeitgeschichtlich wertvolle Ansichtskarte.

hajo22
 
Schmidtkutzhof Am: 14.04.2018 10:38:27 Gelesen: 465# 50 @  
@ Dudley [#48]

Nur Kleinigkeiten:

1. Absender war der Maschinenquartiermeister Friedrich Drobil.
2. Das neue Lager wurde am 10. April 1918 bezogen.
 
hajo22 Am: 15.04.2018 11:11:56 Gelesen: 412# 51 @  
Postkarte an einen Kriegsgefangenen in Japan, gestempelt Hamburg am 25.4.1916 nach Nagoya, Ankunft 16.7.1916.



Frage: Wurden den Kriegsgefangenen bei Ausreise nach Kriegsende nicht alle Schrift-/Poststücke abgenommen?

hajo22
 
Schmidtkutzhof Am: 16.04.2018 11:09:35 Gelesen: 341# 52 @  
@ hajo22 [#51]

Nein, weder bei der "Ausreise" von Tsingtau nach Japan (Ende 1914) noch bei der Entlassung aus der Gefangenschaft (Ende 1919).
 
hajo22 Am: 16.04.2018 13:27:00 Gelesen: 330# 53 @  
@ Schmidtkutzhof [#52]

Danke für die Info.

In [#51] hatte ich eine Postkarte nach Nagoya gezeigt, hier eine aus dem Lager vom 14.6.1918. Dankeskarte mit farbiger Ansicht Kamigamo (Schrein) in Kyoto für den Erhalt eines Paketes "in gutem" Zustand.



hajo22
 
Dudley Am: 16.04.2018 22:15:32 Gelesen: 299# 54 @  
@ hajo22 [#53]

Interessant ist die "Rattenpost" von Nagoya.

Im November 1916 herrschte in Nagoya die Pest. In dieser Zeit erhielt jeder Gefangene, der 3 tote Ratten auf dem Revier ablieferte, eine zusätzliche Karte zugestanden!

Ein Beleg aus dieser Zeit liegt mir vor:



Beste Grüße
Gerhard
 
hajo22 Am: 17.04.2018 20:07:13 Gelesen: 255# 55 @  


Postkarte aus Göttingen vom 6.7.1916 in das Lager Kurume an OLt. Dr. Meyermann (vormals Direktor der Sternwarte in Tsingtau).

In Deutschland und Japan zensierte Karte mit Leitvermerk "Über Sibirien". Eine Beförderung mit der Transsibirischen Eisenbahn kann ich mir aber kaum vorstellen, denn Rußland befand sich 1916 noch im Krieg mit dem deutschen Kaiserreich.

hajo22
 
hajo22 Am: 18.04.2018 09:57:55 Gelesen: 196# 56 @  
Dankeskarte eines Kriegsgefangenen für 2 Dosen Zigaretten aus dem Lager Bando vom 5.9.1917 nach Tientsin.

Ab 1.9. konnte wieder geraucht werden.



hajo22
 
ligneN Am: 18.04.2018 17:07:31 Gelesen: 165# 57 @  
@ hajo22 [#55]

Zivilpost ja, aber Kriegsggangenenpost war davon ausdrücklich ausgenommen. Lief in beiden Richtungen, über Skandinavien. Begann ca. März 1915. Via Sibirien wurde wegen des Bürgerkrieges September 1918 komplett eingestellt.
 
hajo22 Am: 18.04.2018 18:06:59 Gelesen: 156# 58 @  
@ ligneN [#57]

Zivilpost ja, aber Kriegsggangenenpost war davon ausdrücklich ausgenommen

Mit anderen Worten: Die Karte lief nicht via Sibirien, da Kriegsgefangenen-Post.

Leider kein Ankunftsstempel, so daß man über die Laufzeit keine Aussage treffen kann. Ich könnte mir aber 1 bis 2 Monate vorstellen (mit neutralen Dampfern über die See).

Aus der Korrespondenz an OLt. Meyermann kann ich noch 2 weitere Postkarten zeigen und zwar vom:

14.2.1916: Ohne Poststempel, nur jap. Lager-Zensurstempel
6.8.1916: Stempel Göttingen mit deutscher und japanischer Zensur.

Bei beiden Postkarten ist ein Sibirien-Vermerk nicht ersichtlich.





hajo22
 
Dudley Am: 18.04.2018 18:07:14 Gelesen: 155# 59 @  
Fragen zu einem Heimkehrer-Beleg:

Könnte dieser Beleg von einem Japan-Heimkehrer sein?

Wenn ja, dann müßte er mit der Hofuku Maru am 25.02.1920 in Wilhelmshaven angekommen sein.



Stempel sind

Kriegsgefangenen-Sendung
(Sendung aus Feindesland Heimgekehrter)

Truppenübungsplatz HEUBERG vom 28.02.1920

Briefstempel DURCHGANGSLAGER HEUBERG

Warum Stempel eines Durchgangslagers?

Gruß Gerhard
 
hajo22 Am: 18.04.2018 18:18:01 Gelesen: 154# 60 @  
@ hajo22 [#58]

Leider kann ich meinen Beitrag nicht mehr ändern. Es müßte wohl so sein: Kriegsgefangenen-Post lief über Sibirien nach Fernost via Skandinavien (Schweden) et vice versa, Zivilpost aber nicht.

So richtig?

hajo22
 
ligneN Am: 19.04.2018 16:27:42 Gelesen: 112# 61 @  
@ hajo22 [#60]

Kriegsgefangenenpost wurde bis 1917 *auch* via USA geleitet, besonders wenn "via Sibirien" unterbrochen war; da gab es einige Phasen ab 1916. Rußland ließ Zivilpost aus Feindstaaten via Sibirien grundsätzlich nicht zu. Gebührenfreie Kriegsgefangenen-, Zivilinternierten- und Rotkreuzpost wurde dagegen transportiert. Das war international vereinbart und lief auch ja auch auf Gegenseitigkeit.

Die Laufzeit via Sibirien nach Kriegsbeginn war viel länger als die ca. 2 Wochen in Friedenszeiten, denn Militärtransporte hatten immer Vorrang.

Der Laufweg war Dänemark-Schweden-Finnland usw.
 

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