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Thema: Altdeutschland Bayern: Briefe erklären
Das Thema hat 249 Beiträge:
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bayern klassisch Am: 08.12.2017 14:35:49 Gelesen: 14574# 225 @  
Liebe Freunde,



in Erlangen gab man am 17.8.1818 eine K(önigliche) D(ienst) S(ache) unter der Expeditions - Nummer 7452 auf und erwartete die Abspedition kostenlos. Aber da hatte man die Rechnung ohne den Wirt gemacht. K.D.S. wurde gestrichen und durch einen frei - Vermerk ersetzt. Gleichzeitig wurden vom Absender 6 Kreuzer Franko kassiert und siegelseitig notiert.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 08.12.2017 19:16:19 Gelesen: 14559# 226 @  
@ Max78 [#223]

Hallo Max,

vielen Dank für die hervorragende Interpretation des Briefinhaltes so kann ich diesen jetzt super beschreiben und einordnen.

Ich muss mich unbedingt mehr mit der alten Schrift befassen.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 09.12.2017 09:54:43 Gelesen: 14525# 227 @  
Liebe Freunde,

mal ein kleiner Knobler nach langer Zeit mal wieder von mir:



Brief aus Rothenburg ob der Tauber (Bayern) nach Mergentheim (Württemberg) vom 9.11.1836. Der Absender (bayer. Behörde, die sich nicht außen benannte!) schrieb "P. jenseits" = Porto jenseits und gab damit zu verstehen, dass die Empfängerbehörde zahlen sollte, was eigentlich im Dienstverkehr nicht zulässig war, denn wenn ein Brief in Bayern an eine ausländische Behörde abging, sollte zur "Vermeidung von Anständen" der Brief ganz frankiert werden!

Seis drum, hier eben keine Benennung der Absenderbehörde und trotzdem porto verschickt, siegelseitig kein Franko bis zur Grenze und mit 27 Kreuzern Porto (bitter für ein württembergisches Amt) verschickt, dazu 1 Kreuzer Bestellgeld mit Rötel darunter notiert.

Mal sehen, wer auf die Besonderheit eingeht und dazu noch das Porto erklären kann (was nicht dasselbe ist).

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Max78 Am: 09.12.2017 14:30:20 Gelesen: 14509# 228 @  
@ bayern klassisch [#227]

Servus Ralph,

das Porto kann ich mir gar nicht zusammenreimen, wie immer. Aber eventuell liegt die Besonderheit darin, dass Rothenburg o. T. zu dieser Zeit einerseits zu Bayern, andererseits zu Württemberg gehörte, da der Grenzvertrag von 1810 westliche Teile der Stadt an Württemberg übertrug. Da unterhalb von Mergentheim nicht Württemberg steht, denke ich folgendes: "jenseits" spricht ggf. die innerstädtische Grenze an, man den Brief also einfach dem zuständigen Postamt im württembergischen Teil (OA Gerabronn) übergab. Zumindest würde das nicht geteilte Porto dafür sprechen.

Warum 27 Kreuzer, was ja eigentlich sehr hoch ist für die Kilometer? Ich könnte mir z. B. einen Nachnahmebetrag vorstellen, aber das ist nur geraten. Aber wenn Du von "bitteren" 27 x sprichst, wird Bayern wohl schon seine Finger mit im Spiel gehabt haben. ;-)

Bin gespannt, solche Grenzbriefe finde ich immer interessant,

mit Grüßen Max
 
bayern klassisch Am: 09.12.2017 15:36:15 Gelesen: 14497# 229 @  
@ Max78 [#228]

Hallo Max,

erst einmal danke für deinen Beitrag und das Mitknoblen. :-)

Nein, es war ein Briefpostgegenstand, der nichts mit der Fahrpost zu tun hatte. Aber du liegst schon richtig - Rothenburg ob der Tauber in Bayern lag als Grenzpostanstalt direkt zu Württemberg, so dass man hier den schweren Brief der Kutsche Württembergs gleich mitgegeben hat, also sie ihre Post in Bayern abgab und wieder drehte.

Das Porto setzt sich wie folgt zusammen (jede Kreuzernotation hier bedeutet 1/2 Loth):

2,3,6,9,12,15,18,21,24,27 = 11. Gewichtsstufe!

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Max78 Am: 09.12.2017 19:05:32 Gelesen: 14479# 230 @  
@ bayern klassisch [#229]

Hallo Ralph,

wirklich ein klasse Brief. Auf diese simple Lösung wäre ich nicht gekommen und man wird wohl nicht oft auf so einen Brief stossen. Mir gefallen Briefe aus diesen Jahren, da auch die Notationen oft nur in schwarzer Farbe vermerkt wurden und einfach schön aussehen.

Die Preise waren ja wirklich krass, und das wegen jeweils ca. 7 Gramm. Die Kutschenachsen haben hoffentlich nicht darunter gelitten. ;-)

ein schönes Wochende, Max
 
bayern klassisch Am: 09.12.2017 19:30:15 Gelesen: 14472# 231 @  
@ Max78 [#230]

Hallo Max,

ja, diese Briefe sind heute nicht so leicht zu finden - ohne Hintergrundwissen, das beispielsweise hier vermittelt wird, wird es schwierig, solche Stücke zu finden, da sie in der Regel nicht so angeboten werden.

Die Achsen von Postfahrzeugen des 19. Jahrhunderts waren recht stabil - aber das war weniger dem hohen Postaufkommen zwischen Bayern und Württemberg geschuldet, sondern den oft desolaten Straßen und auch das kennen wir ja aus der Jetztzeit von Jahr zu Jahr besser.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 24.12.2017 15:27:40 Gelesen: 13192# 232 @  
Liebe Freunde,

ein hübscher Brief aus Ludwigsstadt vm 3.6.1870 an die kath. Kirschstiftung in Kronach war als Parteisache portopflichtig - allerdings auch unfrei nur mit der günstigen Frankotaxe zu belegen. Hier notierte man 7 Kreuzer, was richtig sein konnte, aber nicht musste, weil man das mit den Parteisachen gerne missverstanden hatte.



Siegelseitig lese ich den kürzesten Insinuationsvermerk der bayerischen Postgeschichte: "Am dritten Juni - Unterschrift". Die gerichtsverwertbare Zustellung war bei der Aufgabe erfolgt - am Folgetag erfolgte die Abgabe in Kronach, wie uns der sonderbar geschnittene Halbkreisstempel in Grotesk belegt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 29.12.2017 13:01:48 Gelesen: 12511# 233 @  
Liebe Freunde,

aus Sommerhausen von der Familie derer zu Rechteren Limpurg an den Herrn Grafen von Rechteren Limpurg, erblichem Reichsgraf, derzeit in München. Am 6.6.1849 beließ ihn die Aufgabepost ohne Taxansatz und setzte nur einen Diagonalstrich an, als Zeichen der Portofreiheit.



Am Folgetag kam er in München an, wo jemand "baysch. Hof" notierte, was ich für den Bayerischen Hof halte.

Gewöhnliche Leute hätten hierfür ab dem 1.1.1843 bis zum 30.6.1849 bei einem zu vermutenden Gewicht von unter 1/2 Loth für die 209 km = 28 Meilen immerhin 10 Kreuzer zahlen müssen. Seiner Erlaucht blieb diese Entnahme aus seiner Portokasse (hatte der überhaupt eine?) erspart.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 29.12.2017 13:06:12 Gelesen: 12510# 234 @  
Liebe Freunde,

ein Stück mit Prägedruck(en) habe ich gefunden (es wird irgendwo sicher noch die ein oder andere hier geben, aber wo suchen?), die es mehrfach in sich hat: Vielfach geprägt (Test für Anfänger? VHS - Kurs für Minderbegabte mit ADHS - Syndrom? - Wir wissen es nicht) von Kusel nach (Bad) Dürkheim.



Über die Gründe, Kuverts zu prägen, kann man sicher streiten - jeder Sammler sollte so eines haben und der Mehrpreis hält sich in Grenzen. Ich halte es für eine frühe Form der Werbung, aber es gibt auch ganz andere, controverse Ansichten hierzu.

Ich mag diese orangenen Kuverts, die man in der Pfalz wohl den Amerikanern abgeschaut hat.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Magdeburger Am: 29.12.2017 15:25:39 Gelesen: 12493# 235 @  
@ bayern klassisch [#234]

Lieber Bayern Klassisch,

schon früher (mir zumindestens bei MD-Belegen bekannt) wurde in Briefbögen der oder die Namen von Firmeninhabern meist mit dem Stadtnamen blind geprägt. Ich sehe es eher so, dass es schlicht Absenderangaben sind.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bayern klassisch Am: 29.12.2017 15:34:53 Gelesen: 12490# 236 @  
@ Magdeburger [#235]

Lieber Magdeburger,

dann denken wir ja (mal wieder) gleich. :-)

Es wäre sicher eine interessante Sache, diesen frühen Prägungen auf den Grund zu gehen, wie ich auch glaube, dass oft viel zu viel Wert auf Marke(n) und Stempel gelegt wird und zahlreiche andere, hochinteressante Aspekte eines Briefes unentdeckt und unkommentiert bleiben.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 31.12.2017 18:02:09 Gelesen: 12393# 237 @  
@ bayern klassisch [#236]

Hallo Ralph, hallo Ulf,

ich hatte ja diesen Brief schon woanders gezeigt, aber er passt gut zu diesem Thema.

Paketbegleitbrief über ein Paket von 10 3/10 Loth vom 27.1.1864 aus Regensburg von einem Herrn J.W. Neumüller nach Sünching an die Gräfliche von Seinsheimische Renten Verwaltung. Oberhalb steht die Manual Nr.422 und es wurde ein kleiner Klebezettel von Regensburg (479) aufgeklebt, sowie mit dem L2 Zweizeiler von Regensburg gestempelt (Winkler 8b).

Auf dem Brief ist keine Taxe vermerkt die darauf hinweist das hierfür etwas bezahlt werden musste, der rote Strich sollte dafür dagewesen sein das dieses Paket übergeben wurde. Auf der Rückseite ist nichts ausser der Absenderadresse.
Im Brief selbst ist der Name des Absenders eingeprägt und dies wurde wie Ulf schon sagte des öfteren gemacht, ich selbst habe es in Briefen meist bei Rechnungsbriefen gesehen.





Siehe das nächste Stück eine Vorderseite eines Briefes aus Erlangen nach Leipzig, für das Franko waren 9 Kreuzer zu verkleben, dies geschah in Form einer Bayern 2 und 4, gestempelt mit Mühlradstempel Nr.114. Interessant zu dem Thema ist hier der eingeprägte Name des Absenders "Henninger" Erlangen und auch auf der Rückseite kann man noch erkennen das es sich um eine Lieferung von Lagerbier handelte.



Aber ich gehe davon aus das, dass Ganze schon viel früher anfing und zwar mit den Papiersiegeln in welche die Kürzel des Absenders oder wie bei Regierungssachen das Stadtsiegel mit eingeprägt wurden.



Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 31.12.2017 21:32:15 Gelesen: 12376# 238 @  
@ Gernesammler [#237]

Hallo Rainer,

der aus Erlangen ist wirklich früh - hast du gut gekauft.

Mit Prägungen innen oder als Siegel hat das aber nichts (oder zumindest nicht viel) zu tun, weil die einen anderen Zweck erfüllten bzw. man sie schon so kaufen konnte.

Liebe Grüsse und ein frohes Neues Jahr,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 03.01.2018 16:07:16 Gelesen: 12129# 239 @  
Liebe Freunde,

weil ich über die Jahre etwas Zeit hatte und fleißig war, will ich euch das Produkt meiner Mühewaltung und meiner Freude nicht vorenthalten.

Wer Fragen hat, darf sie gerne stellen, denn die Masse der Briefe sind sicher nicht für jeden ad hoc verständlich, vlt. sogar auch nach Lesens meiner Beschreibungen (was ich dann aber mir ankreiden müsste).

Liebe Grüsse von bayern klassisch














 
bayern klassisch Am: 18.01.2018 15:54:02 Gelesen: 8055# 240 @  
Liebe Freunde,



heute zeige ich einen Brief aus Nürnberg von der Firma Volleth & Boeschel an Firma Schneider in Erding vom 19.9.1859. Der Absender schrieb folgendes:

Wir haben die Ehre Ihnen untenstehend mit Rechnung über die uns durch uns(eren) Reisenden H(errn) Huller gefälligst ertheilte Bestellung aufzuwarten, deren Betrag Sie aus nach Richtigfinden gutzuschreiben belieben.

Wir bitten um Ihre ferneren geneigten Auftraege und begrüssen Sie mit Hochachtung ergebenste J. Volleth & Böschel J. Volleth

Rechnung

Sandten Ihnen durch Boehm´s Fuhre

1/4 Tonne Heringe
1 Kistl hellbraunen Candis (= Zucker).

Ziel 3 Monate 24.1.1860

Von Nürnberg aus hätte ein Brief nach Erding, da über 12 Meilen entfernt, 6 Kreuzer einfach gekostet. Volleth & Böschel sandten den Brief aber an den Vermittler Seb(astian) ?? Seelige Erben in München, der vorne seinen roten Firmenstempel abschlug und ließen diesen den Brief bis Erding frankieren. Jetzt unter 12 Meilen, genügten 3 Kreuzer, wie am 22.9.1859 auch verklebt. Später dürften die Nürnberger vom Münchener die Rechnung für ihre Dienste erhalten haben, denn gratis war schon damals nichts.

Wenn mir einer sagen kann, wie der Münchener "Forwarder" heißt, wäre ich sehr dankbar.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 20.01.2018 10:41:28 Gelesen: 7721# 241 @  
Liebe Freunde,

die Interpretation des folgenden Briefes steht auf tönernen Füßen und wer sie aushärten lassen kann, ist gerne gesehen.



Die Anschrift lautet:

An Den k. General der Infanterie, Gesandten am preußischen Hofe pp Joseph Grafen von Rechberg
Mindelheim

Zustellgeld 4 Xr

Mandatar ad insunandum
Adv(ocat) Herele dahier

Der Brief wurde in Augsburg am 23.12.1824 unfrei aufgegeben und eine Portofreiheit schien nicht vorgelegen zu haben (beim Empfänger). Man taxierte ihn mit 6 Kr. Porto, welches man in Mindelheim abstich, um es mit einem Kreuzer Botenlohn auf 7 Kr. zu erhöhen.

Der Vermerk "Zustellgeld 4 Kreuzer" scheint mit aber in der selben Tinte und Schrift vorgenommen worden zu sein, wie die ganze Adresse auch. Ich vermute nun, dass die Post 6 Kr., der Bote 1 Kr. und eine gesonderte Zustellung weitere 4 Kr. gekostet haben müsste, wüsste aber doch gerne, wie das physisch vor sich gegangen sein sollte, weil sich eigentlich der Botenlohn von 1 Kr. nicht so gut mit einer Insinuationsgebühr von 4 Kr. verträgt, oder liege ich hier falsch?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 25.01.2018 14:53:40 Gelesen: 5730# 242 @  
Liebe Freunde,

eine kleine eierlegende Wollmilchsau ist mir ins Netz gegangen, die ich euch nicht vorenthalten möchte.





Geschrieben von der Zichorien - Fabrik C. Trampler in Lahr in Baden wurde die Rechnung vom 1.10.1866 zuerst in Nördlingen an der bayerisch - württembergischen Grenze mit 3 Kr. frankiert (Tarif vom 1.8.1865 ohne Entfernungsunterscheidung bis 1 Loth - da auf blauem Zigarettenpapier geschrieben unter 5 g leicht). Man teilte dem Empfänger, Ferdinand Schustetter in Thann bei Simbach in Niederbayern mit, dass die von ihm bestellten Waren "mittelst Abstoß im Bahnhofe in Vilshofen & von da durch den Thanner Boten" zukommen würden und er nach Erhalt die Bezahlung derselben an die Herren Gutleben & Weidert in München vorzunehmen hätte.

Die Postaufgabe erfolgte am 7.10.1866 in Nördlingen, die Entwertung des Randstücks der Nr. 9 durch 2 Abschläge des offenen Mühlrades 354 (eigentlicher Grund meines Kaufes). Am Folgetag kam er in Thann bei Eggenfelden an.

Bei regulärer Postaufgabe im badischen Lahr hätte es bis Tann bei einer Entfernung von 52 Meilen 9 Kreuzer gekostet, so wurden also 6 Kreuzer eingespart. Vor dem 1.8.1865 wäre es als Inlandsbrief von Nördlingen nach Tann auch teurer gewesen: Bei 27 Meilen (über 12 Meilen) hätte man damals mit 6 Kreuzern frankieren müssen.

So einen Brief aus Lahr via Nördlingen nach Tann suche ich ab jetzt noch.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 02.02.2018 15:27:46 Gelesen: 2340# 243 @  
Liebe Freunde,

auch wenn Dienstexpressbriefe recommandirt versendet werden sollten, glaube ich nicht, dass die meisten diesen Postsonderdienst genossen haben.



Hier einen aus Mellrichstadt vom dortigen Bezirksamt, der an den funktionierenden Gemeindevorsteher Küchler in Filke gerichtet war. Die Absenderbehörde notierte R.S. dringend. Am 15.11.1866 abgeschickt, kam er am selben Tag im nahe gelegenen Fladungen (15 km) an. Filke lag ca. 6 km östlich von Fladungen, daher dürfte ein Expressbote dorthin gelaufen sein, was kostenpflichtig war.

Liest man den Inhalt, wird einem klar, warum man per Express verschickte: Die Blattern hatten Einzug in Filke gehalten und es waren mehrere Häuser dort betroffen. Man bekam zu Ohren, dass es einen Horrortourismus nach dahin gab, indem Leute zu diesen Häusern aufbrachen, um zu sehen, wie Menschen mit dieser Krankheit aussahen.

Es war also massiv wichtig, dort durch den Herrn Gemeindevorsteher Schilder vor diesen Häusern anbringen zu lassen, die das Betreten strickt verboten.

Ob der Krieg von 1866 etwas mit dieser Krankheit dort zu tun haben könnte, wage ich nicht schreiben, aber völlig auszuschließen ist es nicht, nachdem mir Kenner der Szene schilderten, dass es wohl mehr Tote durch Krankheiten 1866 gegeben haben soll, als Tote auf dem Felde der Ehre. Gerne lese ich Meinungen dazu.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 21.02.2018 10:09:11 Gelesen: 230# 244 @  
Liebe Freunde,

unscheinbar, aber nicht übel, präsentiert sich ein Brief aus Wörth an der Donau vom 5.11.1859 an den kgl. Advokaten Metz Regensburg, der den Vermerk "frco" trägt, aber keine Freimarke aufweist. Dies war aber korrekt, da darunter vermerkt wurde "Denk fürstlicher Domainenrath" und damit hatten wir die Portofreiheit derer von Thurn und Taxis im Spiel, so dass man zu Recht einen Diagonalstrich anbrachte als Zeichen, dass hier nichts zu fordern war.



Nach Wörth an die dortige Taxis - Administration kannte ich einige Briefe, von dort aber waren sie mir nicht geläufig, was jetzt anders ist.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 21.02.2018 10:25:42 Gelesen: 227# 245 @  
Liebe Freunde,

hier zeige ich ein großformatiges Kuvert aus Neuburg an der Donau vom 3.3.1827 an "Das Hochwürdigste Erzbischlöfliche Consistorium als Metroplitan - Gericht Münhen - Freysing und als in Ehesache Richteramte IIter Instanz in München", welches als Terminsache frey Postschein lief.



Der Absender bezahlte 20 Kreuzer Franko bis München und 4 Kreuzer für den Postschein. Die Entfernung betrug 72 km, also unter 10 Meilen, so dass wir hier in die Entfernungsgruppe über 6 bis 12 Meilen fallen. Ein einfacher Brief hätte bis 1/2 Loth 4 Kreuzer gekostet, wonach dieser hier wie folgt gewogen und berechnet wurde: 4 + 2 + 2 + 2 + 2 + 2 + 2 + 2 + 2 = 20 Kreuzer = 9. Gewichtsstufe! Er wog also über 4 bis 4,5 Münchener Loth = 70 g und 87.5 g.

Oben rechts sehen wir die Reco-Nummern 3 und 49 von Neuburg und München. Ich gehe davon aus, dass er in München als Dienst - Expressbrief sofort zugestellt wurde, was bei einer Terminsache auch Sinn machen würde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 21.02.2018 10:45:41 Gelesen: 224# 246 @  
Liebe Freunde,

das lustige Stempelstück kommt heute aus Ansbach vom 19.3.1857 (Inhalt) und stammte von G. I. Gutmann aus Ansbach, der einen einfachen Brief an Jonas Nordschild nach Schweinfurt verfasst hatte.



Nach der reinen Lehre hatte der Postkunde mit seinem Brief anzustehen, den Brief, den er frankiert aufgeben wollte, vorzulegen und der Postbeamte bzw. Postbedienstete dann auszurechnen, wie hoch das Franko sein würde, um ihm dann die Marke(n) zu verkaufen. Ein Aufkleben der Marke(n) durch die Post gab es also nicht, denn der Postkunde sollte nun, ärmer um 3 Kr. und reicher um eine ebensolche Marke, von dannen ziehen, die Marke auf dem Brief applizieren und in den Schlitz (gab es innen und außen) des Postlokals werfen, wo dergleichen Stücke später eingesammelt, die Marken gestempelt und die Post dann abtransportiert werden würde.

So ganz ohne Ausnahme kann dieses Standardprozedere aber nicht gewesen sein, wie uns dieser Brief zeigt. Der Brief weist nämlich einen Mühlradstempel UNTER der Marke auf, der nicht anders genau dorthin gekommen sein kann, als dass zuerst noch gar keine Marke aufgeklebt worden war. Erst nachdem der offene Mühlradstempel 19 dort abgeschlagen wurde, wo sonst die Marke zu kleben hatte, stellte man sein Mißgeschick fest und klebte die Marke hälftig über den Stempel, um sie alsdann satt und zentrisch zu entwerten.

Dass hierfür ein Randstück herhalten musste, habe ich billigend in Kauf genommen. Ich denke, die meisten von euch hätten das auch.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 21.02.2018 10:55:29 Gelesen: 223# 247 @  
Liebe Freunde,

frankierte Armensachen sind nicht so häufig, wie man sie sich wünscht. Daher habe ich bei dieser zugegriffen, die am 19.1.1858 in Augsburg beim Filialamt vom katholischen Stadtpfarramt St. Georg an den lokalen Armenpflegschaftsrath in Riedlingen bei Donauwörth mit 3 Kreuzer frankiert worden war, denn die Portofreiheit in Armensachen war bei der Briefpost an die Armenpflegschaftsrät(h)e nicht mehr gegeben.



Eigentlich müsste es Unmengen von diesen Dienstbriefen, in der Regel mit 1, 3 oder 6 Kreuzer Frankaturen geben - doch der Markt gibt dergleichen nicht her. Wer eine hat, darf sie mir gerne anbieten.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 21.02.2018 11:13:02 Gelesen: 216# 248 @  
Liebe Freunde,

heute ein kleiner "Vortragsbrief" von mir zur bekanntesten Charaktereigenschaft unserer Schwaben beiderseits der damaligen Landesgrenze, damals wie heute denke ich.



Stuttgart 14.4.1846 als Portobrief nach Fellheim bei Augsburg. Die Aufgabepost taxierte ihn mit 9 Kr. (6 + 3 2. Gewicht) bis zur Grenze bei Ulm, Augsburg als 1. bayer. Poststelle schlug seinen Auslagestempel auf den fremden 9 Kr. ab und setzte in rot darunter das eigene Porto von Ulm bis Fellbach i. H. v. 6 Kreuzern an. In Fellbach addierte man am 16.4. diese beiden Beträge mit schwarzer Tinte und kam zu dem richtigen Ergebnis von 15 Kreuzer, die bei der Abgabe zu entrichten waren.

Nun faltete das freiherrlich von Renchlinsche Patrimonialgericht selbigen um und sandte ihn nach Stuttgart retour - ohne dass ihn die Post gesehen hätte.

In Stuttgart kam er dann auch wieder an und wurde prompt am 23.4.1846, jetzt jedoch nicht mit der Rechnung, die schwer war, sondern als Quittung über die erhaltenen Rechnung ab an den selben Empfänger. Nun waren zuerst einmal die vorherigen 15 Kr. zu streichen (Rötel) und das neue Porto bis zur bayer. Grenze mit 6 Kr. (einfach) anzusetzen. In Augsburg schlug man jetzt seinen 2. Auslagestempel auf diesen 6 Kr. ab und notierte 4 weitere Kr. für Bayern ab Ulm bis Fellheim (wieder einfaches Gewicht), so dass sich nun nur noch 10 Kr. (wieder in Fellbach mit schwarzer Tinte notiert) als Gesamtporto ergaben. Am 26.4. erfolgte die Zustellung dort und die Akte konnte endlich geschlossen werden.

Briefe mit mehr als einem Auslagestempel sind selten, egal aus welchem Grund dies vorgekommen sein mochte. Einen, bei dem man so gut die Geschäftsgänge hin und her sehen kann und der noch dazu mal schwer (1,5 faches Porto) und mal einfach war und der 6 rote Stempel je jeweils unterschiedlichen Daten von 3 Orten ausweist, muss man erst mal finden.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 22.02.2018 12:58:53 Gelesen: 128# 249 @  
Liebe Freunde,

zum Preise einer Bratwurst ging mir dieser ins Netz und ich muss sagen, dass ich da wirklich viel Glück gehabt hatte, da mein Gebot fast noch niedriger, als der Ausruf war.





Zu sehen war lediglich die Vorderseite dieses Briefes mit Halbkresisstempel von Kempten 23.2. (Jahresangabe fehlte). Der Scan war so schlecht, dass ich die Anschrift (J. C. Göhl´s Erben Hindelang) ebenso wenig lesen konnte, wie ich die "16x" unten links auch erst beim Empfang vor Ort erkennen konnte, aber dazu später mehr.

Als ich ihn drehte, erfreute mich ein herrlich klarer Fingerhutstempel von Immenstadt 25.2., der sehr präsentabel ist, weil man nur eine Seite aufklappen muss, um ihn so präsentieren zu können.

Aber auch der Inhalt (ich wusste nicht, ob er überhaupt welchen hatte), ist ein besonderer: Er stammte aus München vom 20.2.1843 von Joseph Kölbl und betrifft die zuletzt ausgebliebenen Kerzenbestellungen des Empfängers.

Nun werdet ihr die Frage stellen, warum ich ihn überhaupt gekauft habe? Der einzige Grund war der, dass er eine riesige 3 Kreuzer Taxe trägt, die so groß ist, wie der ganze Brief in seiner Höhe.

Der Bratwurstbrief ist also von München geschmuggelt nach Kempten, obwohl es ab dem 1.1.1843 ein neues Taxregulativ gab, das die Post in Bayern vergünstigte (meistens jedenfalls). München - Immenstadt = 121 km = 16,2 Meilen = 6 Kreuzer Porto, jedoch Kempten - Immenstadt 20 km = 3 Kreuzer Porto wie notiert, Ersparnis also 3 Kreuzer oder 100%.

Beweis, dass der Empfänger in Hindelang (damals noch keine Poststelle!) mehrere Briefe am 25.2.1843 von einem Boten bekam, der das Gesamtporto auf diesen Brief schrieb mit 16 Kreuzern. Glück muss man haben!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 

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