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Thema: Altdeutschland Bayern: Briefe erklären
Das Thema hat 161 Beiträge:
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bayern klassisch Am: 05.02.2017 09:35:26 Gelesen: 8181# 137 @  
Liebe Freunde,

Briefe von Mittelbehörden, also hier Oberpostämtern, sind immer interessant, auch oder gerade weil sie in ihren Inhalten den Alltag längst vergangener Zeiten widerspiegeln.



Dieser hier vom OPA Landshut datiert vom 2.9.1866 und hat leider keinen Inhalt mehr, so dass wir nicht wissen, was man dem k. Notar J. Schmidtkonz wichtiges mitzuteilen hatte.

Für mich war daher die äußere Beschaffenheit ausschlaggebend, lesen wir doch oben links "Mit 1 Recognitionsschein" und "Chargé".

http://www.fremdwort.de/suchen/bedeutung/recognitionsschein#

Briefe mit diesem Vermerk kenne ich keine 5 Stück - von daher war ich sehr froh, diesen erhaschen zu können, zumal er noch ganz manierlich aussieht.

Der falsche Datumsvermerk mit Bleistift 1860 oben bezeichnet zwar grob meinen Lieblingsfußballverein, kann aber bei diesem Brief nicht stimmen, denn 1860 stempelte man Chargé noch schwarz und nicht rot/violett, wie es erst 1861 Pflicht wurde. Trotzdem ein netter Zug des Verkäufers, mir den Brief schmackhaft zu machen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.03.2017 21:43:45 Gelesen: 7339# 138 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich den 1. Brief, mit dem ich eine neue Mini - Sammlung ins Leben rufen werde und den Titel dieser Sammlung wird keiner erraten können, weil es noch keine Sammlung mit einem vergleichbaren Titel gab, zumindest nicht von Bayern. Obs was wird, steht in den Sternen, aber interessant wird die auf alle Fälle, weil sie die Postgeschichte von einer ganz anderen Warte her zeigen wird.



Genug der Praeludiums - ein netter Frankobrief aus München nach Cannstatt vom 7.6.1851 fiel mir in die Hände, der am Münchener Chargéschalter aufgegeben wurde und den nur dort im Einsatz befindlichen Zweikreisstempel mit Zierstücken (falsch: OPA - Stempel, noch fälscher: OPD - Stempel) zeigt. Er erhielt dort die Reco-Nr. 534 und im Rahmen seiner Umspedierung die Nr. 325. In Württemberg brachte man noch nach guter, alte Sitte das Nota - Bene - Zeichen an und vergaß auch nicht den Bestellgeldkreuzer mittig in württembergischer Rottinte zuzufügen.

Bayerische Marke gab es zwar schon lange, doch hätte ihr Einsatz weder die Kosten auf bayerischer, noch auf württembergischer Seite abdecken können, galt doch noch immer der Postvertrag vom 1.1.1810 (!) mit all seinen Vorgaben aus napoleonischer Zeit. Daher war im Frankofall wie hier auf der Siegelseite zu notieren: 6 Kr. für Bayern bis zur Grenze, wie immer in Bayern im Nenner und 4 Kr. Weiterfranko für Württemberg, wie immer in Bayern im Zähler.

Das Gewicht war aber nicht das Zolloth, wie bei innerbayerischer oder postvereinlicher Korrespondenz seit Jahr und Tag gang und gäbe, sondern das alte, hälftige Münchener Loth. Auch waren die 10, 10-20 und über 20 Meilen - Schritte des Postvereins hier nicht anwendbar, sondern das inländische Taxregulativ vom 1.12.1810, auch noch unter Napoleon erlassen.

Siegelseitig erfreut uns ein Distributionsstempel in blau der 2. Zustellung am 9.6.1851. In dem Brief selbst geht es um eher belanglose Geldforderungen, auch die hier einzugehen Zeitverschwendung wäre.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 05.03.2017 08:59:23 Gelesen: 7302# 139 @  
Liebe Freunde,



wer einmal wissen will, wie man für über 160 Jahren eine erfolgreiche Annonce in einer großen Zeitung zu schalten hatte, darf sich auf diesen Brief konzentrieren, der in einer meiner zahlreichen Spezial - Mini - Sammlungen aufgenommen werden wird. Die Daten sind ja klar - "just for fun" kann man solche Briefe immer kaufen, zumal der Federzug nicht aus Nürnberg stammt, wie man erwarten könnte, sondern von der Aufgabepost veranlasst war (was man bei Mühlradstempeln eigentlich zu lassen hatte). Von daher sogar eine kleine Contravention und damit zu erwerben ein klares Muss.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 19.03.2017 09:59:42 Gelesen: 6824# 140 @  
Liebe Freunde,

innerbayerische Briefe, noch dazu nur innerhalb der Pfalz, sind die einfachste Fingerübung, die man sich als Bayernsammler der Vormarkenzeit (VMZ) vorstellen kann. Wirklich?



Nun denn - dann ist ja dieser Dienstbrief (Dienstbriefe sind noch simpler zu beschreiben, sagen zumindest die allermeisten Sammler) aus Billigheim bei Landau in der Pfalz nach Sondernheim bei Germersheim in der Pfalz vom 16.11.1842.

Von daher bitte ich um eine kurze Beschreibung dessen, was ihr hier seht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 11.04.2017 17:27:05 Gelesen: 5674# 141 @  
Liebe Freunde,



von Arnstein am 18.9.1870 nach Schweinfurt ging es frankiert für 3 Kreuzer ans dortige Bezirksgericht. Innen der "Clou" - ein Empfangsschein aus Schweinfurt, den man in Arnstein ausgefertigt hatte und der nun, man achte auf das Stempelpapier von 3 Kreuzern, zurück lief, erga wie eine Post - Retour - Recepisse (bzw. ein Post - Lieferschein). Gerade weil frankiert, immer wieder schön zu zeigen. Der Vordruck ist komplett - aber größer als A4, daher unten nur fragmentarisch zu sehen.



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 17.04.2017 15:00:47 Gelesen: 5138# 142 @  
Liebe Freunde,



aus der Reihe "Der rätselhafte Brief" folgt ein Beispiel vom 18.11.1828 aus ??? per Chargé nach Erlangen an das dortige protestantische Decanat. Als K(önigliche) D(ienst) S(ache) portofrei belassen, war das Anbringen des Rötelkreuzes, der Abschlag des Chargé - Stempels und die Eintragung im Recomanual unter der Nr. 5. wichtig - fast so wichtig, wie der Aufgabestempel, den man zu applizieren vergessen hat.

Gut, dass es kein Portobrief war, sonst wäre die Rückrechung / Rückbelastung der Aufgabepost arbeitsintensiv geworden.

Den Recovermerk "Gegen Schein!" brachte derselbe Postler an, der auch die Nr. 5 oben vermerkte (gleiche Tinte). Wieder ein Stück für die zukünftige Vormarkenzeitsammlung der Contraventionen ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 23.04.2017 09:55:47 Gelesen: 4940# 143 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich auch mal einen Brief aus Augsburg vom 18.12.1822 an Zumstein & Söhne von Kempten nach Burgau.



Der Absender hieß Schaezler und Zumstein beantwortete ihn am 30.12.1822 auch prompt, obwohl ihn der Brief zuerst gar nicht erreichte.

Die Abgabepost in Burgau konnte den mit 4 Kr. taxierten Portobrief wegen "abgereist retour in Grumbach" nicht zustellen und leitete ihn nach Krumbach (Schwaben, zwischen Memmingen und Augsburg) weiter.

Nun wurden 6 Kr. angesetzt (mit Bleistift!).

Augsburg - Burgau waren unter 6 Meilen, daher hätte der Brief über 1/2 bis 1 Loth schwer sein müssen (3 Kr. + 1 Kr. = 4 Kr.). Heute wiegt er ca. 6g, also muss er damals Einlagen gehabt haben.

Eine neue Postaufgabe erfolgte offensichtlich nicht. Demnach war zu rechnen das Porto von Augsburg bzw. Burgau nach Krumbach. Die Entfernung betrug über 6 - 12 Meilen und daher waren für das 2. Gewicht nun total 6 Kr. anzusetzen. Warum man auf den vorgeschriebenen Einsatz von Tinte bzw. Rötel verzichtete, weiß nur der Geizhals von Burgau.

In jedem Fall ein netter Brief mit vollem Inhalt, Weiterleitung und kleiner Contravention - was will man mehr?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 07.05.2017 14:07:31 Gelesen: 4481# 144 @  
Liebe Freunde,

bei Deider fündig geworden bin ich mit diesem Stück hier aus Rottendorf von der dortigen K.G.E. (Königliche - Güter - Expedition), die Waren an Johann H. Honninger in Kitzingen avisierte.



13 Fässer Wein mit 158 Zentner waren angekommen, die er abholen sollte.

Weil es wohl ein bekannter Kunde der K.G.E. war, frankierte diese im Vertrauen, ihr Franko wieder ersetzt zu bekommen, den Brief "dringend" am 2.11.1863. Er kam auch am selben Tag in Kitzingen an - ob er noch ausgetragen wurde, ist nicht feststellbar.

Dergleichen Formulare sind nicht häufig und eher mit Marken Nr. 15 und 23 bekannt - mit Quadraten eher selten und der Öffnungsmangel war technisch bedingt, weil man sie oft unten rechts ansiegelte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 07.05.2017 14:21:34 Gelesen: 4477# 145 @  
Liebe Freunde,



heute zeige ich einen Portobrief von Augsburg, verschickt am 25.5.1849 vom Vater an seinen Sohn in München, Herrn Max Joseph Deuringer.

Der Vater wusste, dass sein Sohn als Deputierter des Landtags portofrei gestellt war und vermied zu frankieren (6 Kr.). Die Aufgabepost in Augsburg taxierte den Brief mit 6 Kr., jedoch strich diese Taxe München wieder ab, weil der Empfänger passiv portobefreit war und hier die bayer. Staatskasse für die Transportkosten aufkommen musste.

Für Graphologen: Der Absender, Johann Georg Deuringer [1], war ganz sicher höchstintelligent und ich schätze seinen IQ auf mind. 150 ff. Seine Schrift ist musterhültig für einen Hochbegabten aus dieser Zeit.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

[1] https://de.wikisource.org/wiki/Johann_Georg_Deuringer
 
bayern klassisch Am: 19.05.2017 13:16:44 Gelesen: 3844# 146 @  
Liebe Freunde,

es gibt Briefe, die sind von außen so unscheinbar, dass man sie leicht übersehen könnte. Erst mit ihrer Öffnung und dem Lesen des Inhalts offenbaren sie sich uns. Solch einen möchte ich heute hier vorstellen.





Geschrieben in Nürnberg am 28. und 29.11.1870 müssen wir uns in die Zeit hinein versetzen: Der Krieg zwischen den deutschen Staaten und Frankreich hatte Ende Juli 1870 begonnen und seit dem 19.7.1870 gab es keine Postgrenze zwischen Bayern und Frankreich mehr, so dass die Briefe aus Bayern geschlossen nach München zu verschicken waren, wo sie abgestempelt und in geschlossenen Briefpaketen über die Schweiz nach Frankreich zu leiten waren. Mehrkosten entstanden den Korrespondenten hüben wie drüben nicht, weil die Transite von den beiden involvierten Postverwaltungen getragen wurden, wodurch die Schweiz ein paar Sondereinnahmen bekam, auf die in Friedenszeiten nicht zu rechnen war.

Eine Firma aus Nürnberg hätte nun bei Konformität mit den Verhältnissen 12 Kreuzer für bis 10g schwere Briefe frankieren müssen. Bayern wären 4,8 Kr. verblieben, abzüglich eines pauschalen Transits durch die Schweiz und Frankreich hätte 7,2 gutgeschrieben bekommen (ohne Transitschmälerung).

Statt dessen zog man es vor, den Brief, wie auch immer, im frankreichnahen Genf in der lieblichen Schweiz frankiert aufzugeben, was 30 Centimes (Rappen) kostete, denn auch für den Postvertrag Frankreichs mit der Schweiz war er einfach und wiegt heute noch 4g! Ausweislich der Siegelseite kam er auch schon einen Tag nach Absendung von Genf aus (2.12.1870) schon dort an.

Was im Genfer Stempel unten steht, vermag ich nicht zu interpretieren: SUCC - RIV lese ich da.

Ich kenne keine weiteren Brief, der diesem gleicht und der Gewinn betrug hier nur 3 Kreuzer, dafür aber hatte man viel Mühewaltung, denn von Nürnberg nach Genf waren es immerhin satte 750 km mit der Bahn zu fahren und das war schoon ein Stück, damals wie heute.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
SH-Sammler Am: 19.05.2017 16:51:43 Gelesen: 3823# 147 @  
@ bayern klassisch [#146]

Hallo Ralph,

hier die Auflösung der Stempelinschrift:

SUCC. = Succursale = Zweigstelle
RIVE = Ufer, Gestade. Die Poststelle aktuell in der Nähe des linken Seeufers, beim Seeende, Seeabfluss

Gruss

SH-Sammler
Hanspeter
 
bayern klassisch Am: 19.05.2017 17:56:01 Gelesen: 3803# 148 @  
@ SH-Sammler [#147]

Hallo Hanspeter,

darauf wäre ich nie gekommen - vielen Dank und klasse, dass du das so schnell hast klären können.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 21.05.2017 07:48:24 Gelesen: 3688# 149 @  
Liebe Freunde,

ich wollte den zuerst in der Rubrik "Schöne Belege Bayern" zeigen, habe mich aber dann umentschieden. Nein, Schbaß ...



Eine Ganzsache zu 3 Kreuzern auf Uffenheim wurde am 3.8.187? mit folgender, höchst interessanter Adresse beschriftet:

X X 20 Post restante Harburg Provinz Hannover f(ran)co

Nur bei poste restante gestellten Briefen war er erlaubt und möglich, den Empfänger zu anonymisieren, also weder Vor-, Nachname und Stand anzugeben. Was bei anderen Briefen Karl Müller, Schneidermeister zu Ulm war, war hier auf X X 20 reduziert worden.

Poste restante gestellte Sendungen musste 3 Monate lang bei der Abgabepost vorrätig gehalten werden. Zur Legitimation war bei gewöhnlicher Adressangabe die Vorlage des Passes und/oder das Mitführen eines ortsbekannten Honoratioren nötig, hier jedoch nicht. Jeder, der im August des Jahres 187? in Harburg an den Schalter gekommen wäre und nach Post "X X 20" gefragt hätte, hätte diesen Brief ausgeliefert bekommen, was z. B. den Vorteil hatte, daas man ihn auch problemlos abholen lassen konnte, ohne selbst auf die Post zu müssen.

Briefe mit Codes oder Chiffren gab es nur bei dem Postsonderdienst "poste restante" und auch da waren sie eher die Ausnahme, als die Regel.

Das allein konnte mich bewegen, dieses "Schmuckstück" zu erwerben und wer einen solchen Brief im Jahr schnappen kann, tut gut daran, es zu tun. Auch wenn er so aussieht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 23.05.2017 22:01:17 Gelesen: 3524# 150 @  
Liebe Freunde,

weil auch Kindersammlungen das Recht auf Ausbau haben, lief mir dieses Rosinchen zu:



Von der k. Güter-Expedition Rothenburg an (heute: ob) der Tauber an den Herrn Werkmeister Krämer daselbst, frankiert wie ein einfacher Ortsbrief mit 1 Kr. grün (Nr. 22, Attest liegt mir vor) vom 27.2.1874. Schön zu sehen ist die schwarze Einrahmung der rechten unteren Ecke, die zu umfalten und anzusiegeln war, weil es anderer, aufwändigerer Verschlüsse nicht bedurfte.

Aus dem Inhalt: An den dortigen Stadtmagistrag war 1 Waggon Sand (!) mit 200 Centnern Gewicht eingegangen, der gegen den Betrag von 10 Gulden und 39 Kr. (einer davon war das Franko!) innerhalb von 2 Tagen abgeholt werden musste (bei Vermeidung von Lagergeld, wenn über 48 Std. hinaus keine Verfügung über die Ware getroffen wurde).

Der Stadtmagistrat beauftragte dann den Fuhrmann Georg Michael Knausenberger von hier, die Sendung abzuholen. So geschehen am Folgetag, so dass wir davon ausgehen können, dass spätestens am 1.3.1874 der Sand vom Lager kam. Was eine Stadtverwaltung im Jahr 1874 mit 200 Zentnern Sand wollte, weiß ich jedoch leider nicht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 24.05.2017 16:25:24 Gelesen: 3464# 151 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Briefe aus dem badischen Lahr nach Dorfen in Bayern, der eigentlich einer badischen 9 Kreuzermarke bedurfte hätte. Statt dessen gab die Firma C. Trampler (nomen est omen?) den Brief nicht bei der badischen Post auf, wie es sich gehörte, sondern sandte ihn mit anderen auch an die Münchener Firma Pichler seel. Erben, einen gewohnheitsmäßigen Kuvertierer.





Am 14.10.1858 in Lahr, kam er am 17.10.1858 in München an und wurde von Pichler seel. Erben mit 3 Kr. korrekt als einfacher Brief (3,5g) nach Dorfen an die Firma Valentin Ziegler verschickt. Später dürfte Pichler seine Rechnung an Trampler geschickt haben, deren Summe auch diese 3 Kr. beinhaltete.

Wann er in Dorfen ankam, wissen wir nicht - wohl am selben Tag noch.

So hat die badische Post 9 Kr. verloren, die Bayerische aber 3 Kr. gewonnen - auch mal nett zu sehen.

Herzallerliebst, auch wenn es sich natürlich um ein tragisches Ereignis handelte, ist der innen eingebunden Zettel von einer Brandkatastrophe 2 Tage vor Absendung des Briefes, wie ich es selten gesehen habe (obwohl das 19. Jahrhundert an Katastrophen und Unglücken sehr reich ist).

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 02.06.2017 17:10:25 Gelesen: 3061# 152 @  
Liebe Freunde,

aus schwieriger Zeit zeige ich heute einen Brief aus Kaiserslautern vom 10.6.1809, der an Herrn Schuler, kaiserlicher Notar in Wolfstein (Pfalz) gerichtet war.



Die Entfernung Kaiserslautern - Wolfstein betrug gut 23 km, jedoch hatte man zwar in Kaiserslautern längst eine franz. Post, nicht jedoch in Wolfstein nördlich davon (ab 1840 erst eine simple Briefsammlung, später eine Postexpedition).

Die Frage war nur: Wie den wichtigen Brief (Erbschaftsangelegenheit) zu Herrn Schuler bringen? Nun, die Antwort liefert die Vorderseite, wenngleich nur bedingt präzise, notierte der Absender doch "par occ:" also "par occasion",a lso durch Gelegenheit. Im Klartext bedeutete dies, dass er seinen Brief nicht der Postverwaltung aufgab, sondern wartete, bis ein Privater, der in dieser Richtung unterwegs war, ihn mitnehmen würde.

Der Absender, Carl Brüning, hatte es also nicht eilig, was wieder einmal zeigt, dass auch wichtige Briefe nicht immer gleichzeitig eilige Briefe waren! Dass er damit gegen den Postzwang Frankreichs verstieß, ist die eine Sache. Briefe aus der Pfalz in der Franzosenzeit mit derartigen Vermerken sind relativ häufig, absolut in Zahlen gemessen jedoch eher selten.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 14.06.2017 20:32:08 Gelesen: 2210# 153 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich ein kleines Schmankerl, das ich günstig (danke dafür!) bekommen konnte:



Geschrieben in Würzburg, wurde es als Ortsbrief in Mainz für nur 1 Kreuzer Franko als Ortsbrief aufgegeben und war somit weit weniger kostenintensiv, als bei regulärer Postaufgabe in Würzburg, denn von dort nach Mainz waren es 124 km Luftlinie, also über 10 bis 20 Meilen, wofür man hätte mit 6 Kreuzern frankieren müssen. Bei 5 Kr. Ersparnis konnte man schon mal so frech sein und seinen grünen, bayerischen Absenderstempel vorne anbringen.

Zu den Daten: 7.5.1866 in Würzburg verfasst, 8.5. in Mainz aufgegeben und am Folgetag dort zugestellt.

Keine Orgie in grün, aber doch ganz nett, wie ich finde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 15.06.2017 12:27:54 Gelesen: 2188# 154 @  
Liebe Freunde,

zur Abwechslung mal ein Irrläufer Richtung Front des Krieges 1870/71: In Würzburg am 7.8.1870, also noch recht früh im Krieg, frankierte jemand mit 3 Kr. an "Herrn Privatdozenten Dr. med. M. J. Rossbach bayerischer Arzt des Würzburger Hilfsvereins Weissenburg Feldpost".



Er war also nicht an einen Frontsoldaten gerichtet, sondern einen Arzt des früh gegründeten Hilfsvereins, weswegen er frankiert werden musste (Briefe an Soldaten waren portobefreit).

Wie mehrere begleitende Tetxte, mal mit Bleistift "Ungenügende Adresse", mehrfrach in blauer Kreide "wo? ret(our) Würzburg" und sogar "restante" bezeugen, wusste man nicht wirklich bei der Post und Feldpost, wohin man das Kuvert zu leiten hatte. Auch dürfte "Weissenburg" weniger das bayerische Örtchen gewesen sein, sondern eher das franzsösiche Wissembourg (pfälzisch aber Weißenburg geheißen), was man in Unterfranken aber nicht sicher wußte.

Leider habe ich zu der Person Michael Joseph Rossbach (oder Roßbach) wenig Sinnhebendes im Netz gefunden, wie leider zu erwarten war. Wer da etwas ergooglen sollte, darf es gerne hier einstellen. Danke dafür!



Fest steht, dass der Brief am 19.9.1870, also fast 1,5 Monate später, wieder in Würzburg einschlug - die Zustellung war offensichtlich missglückt; glülcklicherweise konnte die dortige Post das Siegel deuten und das Kuvert seinem Absender retournieren.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 15.06.2017 19:43:15 Gelesen: 2159# 155 @  
@ bayern klassisch [#154]

Hallo Ralph,

unter diesem Link [1] findest Du etwas zu dem Privatdozenten Dr.med. M.J.Rossbach im Netz ist auch dieses Buch das er geschrieben hat abgebildet.

Gruß Rainer

[1] https://books.google.de/books?id=4JdjY7g04swC&pg=PA158&lpg=PA158&dq=M.+J.+Rossbach++%E2%80%9ELehrbuch+der+physikalischen+Heilmethoden%22+aus+dem+Jahre+1882&source=bl&ots=sVeC6UCYIU&sig=vd8Z4lQIM3_j0MwzfqwHCGc1EjE&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwitheqlssDUAhUkLcAKHS4yADcQ6AEIJTAA
 
bayern klassisch Am: 15.06.2017 19:52:04 Gelesen: 2157# 156 @  
@ Gernesammler [#155]

Hallo Rainer,

vielen Dank für den Link - verwunderlich, dass sie einen solchen Arzt damals nicht gefunden haben.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 20.06.2017 18:21:00 Gelesen: 1945# 157 @  
Liebe Freunde,

heute ein sehr günstiger Brief, der mir aus der Bucht (eBay) zukam:



Am 21.4.1851 in München geschrieben, wurde er recommandirt und (war nicht vorgeschrieben damals!) mit 9 Kr. für Bayern (über 1/2 bis 1 Münchener Loth) und 6 Kr. für Württemberg (gleiches Gewicht) frankiert.

Kosten also: Aufgabepost 4 Kr. für Reco, Bayern 9 Kr. für den Brief und Taxis in Württemberg 6 Kr. für den Brief - in summa ergo ein 19 Kreuzer - Brief. Hier muss man, gerade wegen der Taxen 6 Kreuzer und 9 Kreuzer wissen, wie Bayern sein Franko und das Weiterfranko für fremde Post notiert hat, sonst kann das in die Hose gehen.

Lustig zu sehen, dass ihn Württemberg (Ulm oder Stuttgart?) hinten mit einer Reconummer versah, was ich so bisher noch nicht gewärtigen konnte. Kam das häufiger vor?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 28.06.2017 16:53:04 Gelesen: 1479# 158 @  
Liebe Freunde,

mit dem Regulativ vom 1.7.1850 gültig war Bayern sehr auf die Eigenheiten des frischen DÖPV eingeschworen worden. Einiges wurde von vorher übernommen, anderes modifiziert. Was man aber vergessen hatte, war die Verbilligung des Frankos/Portos von Briefen mit anhängenden Muster ohne Wert. Daher war es bis 30.6.1858 auch egal, ob man ein Muster in den Brief einlegte, oder anhing - es wurde nur das Konglomerat zusammen gewogen und taxiert (bis 4 Loth Briefpost, darüber Fahrpost).



Hier ein Beispiel aus München vom 31.7.1852 an die Firma Gebr. Krämer in St. Ingbert in der Rheinpfalz, der mit "Muster ohne Werth" tituliert wurde. Wie alle gewöhnlichen Briefe in die Pfalz kostete er 6 Kreuzer bis 1 Loth, so dass wir annehmen dürfen, dass das Muster nicht allzu schwer gewesen sein konnte.

Über Baden und Württemberg lief er noch nicht, sondern über Bayern bis Unterfranken, dann mit der Kutsche ab Schweinfurt nach Frankfurt am Main, nun wieder südlich Richtung Mannheim/Ludwigshafen, wie uns die Siegelseite zeigt (Ludwigshafen, 3.8.1852). Schon ein Tag später war er per Pfälzischen Bahnpost in Sankt Ingbert. Gar nicht mal so unflott!

Ab dem 1.7.1858 galt auch im inneren Verkehr von Bayern die Regelung des DÖPV, dass einfache Briefe mit Muster zusammen je 2 Loth nur das einfache Franko/Porto kosten. Dann nahm ihre Zahl auch stark zu, weil diese Regelung einfach verbraucherfreundlicher waren, als die alte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.07.2017 14:18:34 Gelesen: 1022# 159 @  
Liebe Freunde,

zwei ähnliche Briefe, könnte man meinen, zeige ich heute.



Der kleine Brief aus Regensburg vom 5.4.1824 wurde an Herrn Staats- Minister Grafen von Rechberg in München verschickt. Da der Absender nicht frankierte, notierte die Aufgabepost 6 Kr. für den einfachen Brief über 12 - 18 Meilen. Dann aber stellte man fest, dass der Empfänger portofrei gestellt war und man musste die 6 Kr. wieder abstreichen, weil der Herr Minister in seinem Amt keine Gebühren bezahlt hätte.

Aloys war der Adressat: https://de.wikipedia.org/wiki/Aloys_von_Rechberg



Ähnlich wirkt ein Brief aus München vom 22.5.1831 an Herrn Willibald Grafen von Rechberg in Donzdorf über Ulm und Geislingen. Dort wurden von der Aufgabepost 6 Kr. bis zur württembergischen Grenze notiert, zu denen Württemberg 3 Kr. für sich addierte und so auf total 9 Kr. Porto kam.

Willibald Graf von Rechberg und Rothenlöwen war weder in Bayern, noch in Württemberg portofrei gestellt, daher war die Portoforderung gerechtfertigt und der Herr Graf (nicht Yoster!) hat sie auch sehr wohl bezahlt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.07.2017 15:10:45 Gelesen: 1012# 160 @  
Liebe Freunde,

heute ein kleiner Nachschlag zu diesem spannenden Thema - geschrieben in Ulm am 29.11.1860 von der Firma Regensteiner & Sternberger, Wein- und Cigarrenhandlung, an Herrn Kaufmann Ottmar Stamm in Neuburg an der Donau.



Die Entfernung von Ulm nach Neuburg an der Kammel beträgt 29 km, die Entfernung von Neu-Ulm bis dorthin mithin 28 km.

Bei ordinairer Aufgabe in Ulm wäre es somit ein Brief bis 10 Meilen (75 km) gewesen, der ein Franko von 3 Kr. nach sich gezogen hätte.

Jetzt aber in Neu-Ulm am 2.12.1860 (man brauchte also 3 Tage, um genügend Post nach Bayern zusammen zu bringen, damit sich die Überschreitung der Donau lohnte!) reichten 3 Kr. sogar bis 12 Meilen aus (90 km), wodurch es gar nicht hinsichtlich der Postgebühr notwendig war, die Donau zu überschreiten. Es werden also andere Poststücke gewesen sein, die dort aufzugeben Geld sparten.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 21.07.2017 13:02:47 Gelesen: 215# 161 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Brief aus Hamburg vom 17.3.1860 an Herrn Kohnstamm in München, der dort am 20.3. aufgegeben wurde. Der Brief trägt den Vermerk "p.E.", also per Einschluß. Absender war R. Bernhauer in Hamburg, der eine Lieferung nach München nicht voll bezahlt bekommen hatte und eigentlich konziliant sein wollte. Doch hatte der Münchner nur 6 Thaler Nachzahlung angeboten, während der Absender auf die volle Bezahlung der Rechnung von 51 Thalern bestand und gleichzeitig wissen ließ, dass er zur Durchsetzung seiner Interessen juristigen Beistand annehmen würde.



Ich nehme an, dass er den Brief einem Anwalt in München schickte, jedoch eingepackt in einen größeren Brief. Der Jurist las seinen Brief und gab diesen verschlossen für 1 Kr. als Ortsbrief in München zur Post. Den Kreuzer dürfte er in jedem Fall wieder gesehen haben, egal wie die Sache dann ausging.

Ein frankierter Brief aus Hamburg nach Bayern war 1860 der Taxispost aufzugeben, die, was die postalische Versorgung der Hansestadt anging, für die Destination Bayern zuständig war. Ein solcher Brief hätte 3 Silbergroschen, die paritätisch 10,5 Kreuzer entsprachen, gekostet. Gezahlt hätte man in Hamburg aber wohl eher in Hamburgischen Schilling Courant und das waren deren 4 damals.

Eine Ersparnis von 90% dürfte aber nicht sooo schlecht gewesen sein, denke ich..

Alternativ hätte er auch viele Briefe am 17.3.1860 an zahlreiche bayerische Kunden verschickt haben können, das wissen wir leider heute nicht mehr, aber auch oder gerade in diesem Fall wäre die Ersparnis absolut, nicht relativ, noch eine weit höhere gewesen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 

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