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Thema: USA: Beschaffenheit und Besonderheiten von Briefmarken
Zeitlos Am: 25.01.2017 20:27:14 Gelesen: 802# 1 @  
USA Bogenrand - Bogenecken

Guten Abend an alle Briefmarkenfreunde,

ist das Sammelverhalten bei US Marken hinsichtlich Bogenränder und Bogenecken
wie bei uns ?

Welche Wertvorstellungen sind bei den abgebildeten Marken denn üblich ?

2 Marken sind Verzahnt bis in das Markenbild. Stempel sind unterschiedlich.









Ich würde mich freuen von euch etwas zu lesen.

Grüße Helmut
 
Briefmarken-Museum Am: 26.01.2017 08:30:06 Gelesen: 773# 2 @  
Moin Helmut,

da hast Du dir ein schönes und vielschichtiges Sammelgebiet und manches Mal auch komplexes Thema ausgesucht.

Die vierrandig gezähnten Marken sind Bogenmarken, die links beschnittene erste, 2c Marke ist m. E. keine Bogen sondern stamt aus einem Markenheft.

Die zweiseitig beschnittene 20c Marke ist die untere linke Ecke aus einem Markenheft.

Die unten beschnittene 20c Marke stammt m.E. auch aus einem Markenheft.

Die 6c Air Mail ist eine Bogenmarke mit typischen schmalen Bogenrand. Die 2c Marke darüber ist ein oberer Bogenrand. Dito die beiden 15c sind Bogenrandstücke, könnte ein hunderter 10x10 Bogen sein. Die Druckplatten waren u.U. größer und waren 400er Einheiten also 4x 100 Stück.

Anbei ein Washington Markenheft Scott 583a, da siehst Du die Position und die Zähnungsvarianten.


 
Briefmarken-Museum Am: 26.01.2017 08:38:57 Gelesen: 770# 3 @  
@ Zeitlos [#1]

Moin Moin again,

hier ist ein Link in eine amerikanische Plattform, da kannst Du dir echte Verkaufspreise - Tagespreise und keine Katalogpreise ansehen für die Nummer Sc 583a gebraucht ansehen.

MfG Jochen

[1] http://www.stamps2go.com/Item.aspx?SellerID=1OLDTIMER&Ref=14001
 
jmh67 Am: 26.01.2017 10:50:23 Gelesen: 746# 4 @  
Alles Geschmackssache. Zumindest bis vor einigen Jahren war zu vernehmen, dass die Marken mit ungezähnten Seiten ("straight edges") unter amerikanischen Sammlern mit Ausnahme von Spezialisten eher unbeliebt waren. "Normale" Kataloge führen sie nicht einmal als Varianten auf. Vielleicht (Vorsicht, wilde Theorie!) findet man deswegen überproportional viele davon außerhalb des Ursprungslandes?

Ich persönlich halte sie für nicht weniger sammelnswert als die vierseitig gezähnten Stücke und bezeichne sie in meinem Album in Anlehnung an die beim Michel üblichen Kürzel für teilgezähnte Heftchenmarken nach Lage der "straight edges" als Du (unten ungezähnt), Dr (rechts ungezähnt), Elo (links oben ungezähnt) und so weiter. Ob sie "etwas wert" sind, kümmert mich nicht.

-jmh
 
lueckel2010 Am: 26.01.2017 17:39:24 Gelesen: 699# 5 @  
@ Zeitlos [#1]

Hallo,

da bislang noch keiner auf die wohl am meisten interessierende Frage nach einem "Wert" eingegangen ist, hierzu meine Meinung:

Alle gezeigten Marken sind der "Massenware" zuzurechnen. Aktueller Katalogpreis für alle ist 4.00 M€.

Hier böte sich allenfalls das Einstellen in eine PPA mit einem Startpreis von 1.00 € an, wobei ein portofreier Versand -wenn überhaupt- wahrscheinlich "verkaufsfördernd" sein könnte!

Nun zum Rest:

1. Die Stempelungen sind für USA-Briefmarken "normal" und werden von Sammlern dieses Gebietes in der Regel auch akzeptiert (bis sich was "Besseres" findet).

2. Bedingt durch die (primitive) Linienzähnung sind Zähnungen bis in Markenbild hinein quasi "normal". Allerdings werden sie nicht "gern genommen", insbesondere wenn es sich um "Allerweltsware" handelt.

3. Die oben links gezeigte Marke stammt aus einem Markenheftchen. Der in dem Link (siehe [#2]) genannte Hinweis auf Scott Nr. 583a dürfte zumindest "irreführend" sein. Scott Nr. 583a (wenn es denn überhaupt eins ist!) bewertet ein komplettes Heftchenblatt, aber keine Einzelmarke!

Die beiden unten links abgebildeten Marken sind Bogenmarken. Bei den zu sehenden waagerechten- und senkrechten roten Linien handelt es sich um so genannte Führungslinien, die eingedruckt wurden, um die fertigen Druckbögen einigermaßen korrekt in (in der Regel) vier Schalterbögen zurechtschneiden zu können.

Hierzu ist anzumerken, dass alle bis etwa 1935 im Platten-(Bogen)-Druck hergestellten USA-Marken an allen Bogenrändern nicht gezähnt wurden.
Obschon dadurch rein rechnerisch "seltener" als allseitig gezähnte Marken, sind diese auch heute noch nicht sonderlich beliebt.

4. Die übrigen gezeigten Bogenränder sind ebenfalls nicht Besonders. Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesen Angaben etwas helfen konnte.

Noch einen schönen Abend, "lueckel2010"
 
Briefmarken-Museum Am: 26.01.2017 18:44:59 Gelesen: 685# 6 @  
@ lueckel2010 [#5]

Die gezeigten Marken sind keinen Euro wert, liegen im unteren Cent-Bereich, die Auflagen waren zu hoch.

Interessant ist nur die mit anderen Marken zu vergleichen, da variiert bei einigen Marken im mm-Bereich die Abmessung des Bildes - dadurch ergeben sich auch andere Katalognummern.

Empfehle jedem Starter sich einen mehrjährig alten USA Scott Katalog zu kaufen und parellel die Nummernkreise von Michel und Scott zu erarbeiten. Dabei kann man/frau gut entschleunigen.

Weiterhin ein juten Abend
Jochen
 
Zeitlos Am: 26.01.2017 19:59:16 Gelesen: 669# 7 @  
Hallo an alle,

vielen Dank für eure kompetenten Ausführungen. Bisher hab ich mich allein durchgeschlagen und nun macht es langsam echt Spaß mit so vielen Antworten von euch Sammlern.

Grüße euch Helmut
 
Briefmarken-Museum Am: 26.01.2017 20:48:36 Gelesen: 655# 8 @  
@ Zeitlos [#7]

Ja es gibt in diesem Sammelgebiet Spaß und Spannung.

Also bei uns unbekannte Korkstempel - Vollstempel made in USA - gehört zur Vielschichtigkeit.

Hier ein Beispiel für Sc#234 bzw. Mi#77 aus anno 1893.

Erstmal ein Bild:



Und zum Vergleich ohne Stempel MH = Mint Hinged Frontseite:



Und Rückseite (back side):



Die sollen beide in den Verkauf mit der schönen Preis-Frage - die Qualitätsermittlung - das Grading macht das Ganze so schön spannend.

Grüße dazu
Jochen
 
lueckel2010 Am: 26.01.2017 23:28:25 Gelesen: 636# 9 @  
@ Briefmarken-Museum [#6]

Größenunterschiede der Bildformate sind durch die Druckverfahren Platten- bzw. Walzendruck bedingt. Beide kommen gleichzeitig nur bei sehr wenigen US-Marken vor.

Bei den unter [#1] gezeigten Marken ist es lediglich die Mi.-Nr. 279, 20 c "Bison", die 1923 zunächst im Plattendruck (Mi.-Nr. 279 P, Bildgröße 22 x 19 mm) und 1931 im Walzendruck (Mi.-Nr. 279 W2, Bildgröße 22.5 x 18.5-19 mm) produziert wurde.

Eigene Erfahrungen haben gezeigt, dass ein Ausmessen zur Markenbestimmung selbst mit einfachen Hilfsmitteln (z. B. Lineal) relativ problemlos möglich ist!
Da beide Marken aber lediglich mit je 0.30 M€ (für o) notiert sind, dürften diese "Feinheiten" einen "normalen" USA-Sammler aber auch kaum interessieren.

Gute Nacht, "lueckel2010"
 
Zeitlos Am: 27.01.2017 01:30:01 Gelesen: 623# 10 @  
Hallo,

schön, dass ihr noch dran seid.

Es ist okay, dass die meisten Marken Massenware sind, daher stellt sich die Frage: Mit was kann man bei USA Sammler Interesse wecken ?

Ich habe hier Beispiele der "Gebrauchsspuren".

Gruß Helmut







[Redaktioneller Hinweis: Die bisherige Überschrift "USA Bogenrand - Bogenecken" wurde geändert. Wer eine für den Inhalt der Beiträge besser zutreffende Überschrift findet, darf sich gerne per Mail melden]
 
chuck193 Am: 19.03.2017 23:48:40 Gelesen: 470# 11 @  
@ Zeitlos [#10]

Hi Helmut,

wenn die Amis so sammeln wie die Kanadier, dann legen die vielleicht mehr Wert auf viertel Stempel in einer Ecke. Hier geht vieles total anders als in Europa und Deutschland, wo die Kleinigkeiten eine übergrosse Rolle spielen. Nur meine bescheidene Meinung.

Vierer Blocks der Ecke mit Platten Nummer sind besser zu verkaufen.

Schöne Grüsse,
Chuck
 
jmh67 Am: 21.03.2017 12:31:46 Gelesen: 396# 12 @  
@ Zeitlos [#10]

In der Frage "Interesse" sehe ich erst mal keinen prinzipiellen Unterschied zwischen dem Sammelgebiet USA und anderen Ländern. Dass die Sammler saubere und heile Marken (also schade um den 4-Cent-Grant und die orange 30-Cent) oder Briefstücke/Ganzstücke mit deutlichen Stempeln bevorzugen, ist überall ganz normal. Gute Zentrierung geht auch immer besser als schlechte.

Allerdings habe ich den Eindruck gewonnen, dass man bei losen gestempelten Marken gewisse Abstriche an der Stempelqualität machen muss (im Vergleich zu Deutschland). Das liegt daran, dass der Datumsstempel in den USA eigentlich nicht zur Entwertung der Briefmarken gedacht ist. Dafür gibt es den Entwerter, auch "Killer" genannt. Bekannt ist ja aus den frühen Jahren, dass die Marken durch Federzug, Klecks, Flaschenstöpsel, Fingerabdruck oder "fancy cancel" entwertet wurden und der Datumsstempel danebengesetzt wurde. Darum sind auch bei den Maschinenstempeln (einschließlich der heute verbreiteten Tintenstrahler) die Entwerter rechts und die Datumsstempel links, oder an den Tagesstempeln sind rechts Entwerterbalken dran, wie auf den 4-Cent-Lincoln-Marken oben zu sehen. Mit Strichen, Wellenlinien, Balken, Werbeeinsätzen, stummen Zweiellipsenstempeln (auf Einschreiben) und dergleichen entwertete Marken sind also die völlig normale gestempelte Erhaltung, und solche mit Datumsstempel die Ausnahme. Bei Rollstempeln ist es natürlich Zufall, ob der Datumseinsatz die Marke trifft. Die heute am Schalter üblichen Zweikreisstempel werden natürlich auch auf Marken abgeschlagen, aber eben nicht so oft.

Ähnliches gilt übrigens mit gewissen Nuancen auch für andere anglophone Länder.

Perfins wie auf der grünen 15-Cent-Luftpostmarke finden Interesse bei Sammlern, die sich darauf spezialisieren. Plattennummern, die zum Beispiel bei Rollenmarken auftauchen, werden von Spezialisten gesucht, und auch Otto Normalsammler freut sich bisweilen über so einen etwas selteneren Vogel. Manche Sammler mögen auch Vorausentwertungen (z. B. Ortsname zwischen Linien).

Jan-Martin
 
Zeitlos Am: 21.03.2017 16:22:17 Gelesen: 376# 13 @  
Hallo Chuck, hallo Jan Martin,

vielen Dank für die interessante Einführung und Übersicht zu USA - Sammlerbegehren. Das gibt dem suchenden Auge wieder Anhaltspunkte zum finden.

Gruß Helmut
 
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