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Thema: Zweisprachige und mehrsprachige Stempel Weltweit ohne Deutschland und Italien
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EdgarR Am: 07.01.2018 23:57:11 Gelesen: 5030# 76 @  
Zwei- und mehrsprachige Stempel?

Diese kann man dort erwarten, wo eine Postverwaltung bzw. -gesellschaft in einer Nation tätig ist, wo es mehr als eine Amtssprache gibt.

Belgien (mit flämisch/niederländisch und wallonisch/französisch) ist ein bekannter Fall, Kanada mit französisch und englisch, Grönland mit dänisch und grönländisch, Finnland mit finnisch und schwedisch.

Allerdings treibt es nicht jedes Land mit mehreren Amstsprachen so weit: die Schweiz mit 3 bzw. 4 Amtssprachen tut es nicht (jedenfalls nicht mit den Stempeltexten, also den Ortsnamen, die sind stets nur in der lokal herrschenden der verschiedenen Amtssprachen). Luxemburg macht es ähnlich.

Ein interessanter Sonderfall ist die Post des Vatikan: Ort in der Regel in italienisch, aber vielen Stempeln die sonstigen Textinhalte auf Latein.
 
volkimal Am: 08.01.2018 20:55:17 Gelesen: 4941# 77 @  
@ EdgarR [#76]

Hallo EdgarR,

Du schreibst, dass man zweisprachige Stempel dort erwarten kann, wo es mehr als eine Amtssprache gibt. Das stimmt natürlich.

Ein anderer Fall sind aber Länder mit fremden Schriften. Hier zum Beispiel zwei Stempel aus Afghanistan, in dem die arabische Schrift verwendet wird.



Bei beiden Stempeln steht oben der arabische Name Kabuls = کابل . Beim ersten Stempel ist unten der Name der Stadt eindeutig in der französischen Schreibweise Kaboul. Beim zweiten Stempel ist es dagegen die englische Schreibweise Kabul. In Afghanistan gab es allerdings nie die Amtssprache Französisch oder Englisch. So weit ich es herausbekommen kann, stand Afghanistan aber eher unter britischem bzw. sowjetischen Einfluss als unter französischem Einfluss.

Weshalb dann der französische Name Kaboul im Stempel? Ich gehe davon aus, dass man neben der arabischen Schrift auch noch die lateinische Schrift verwenden wollte. So konnte man den Aufgabeort auch im Ausland lesen. Da Französisch die offizielle Postsprache ist, hat man bei Kabul zunächst den französischen Namen in den Stempel eingesetzt. Später verwendete man dann die englische Schreibweise. Obwohl der Name von کابل [ˈkɒːbul] dem Namen [ˈkɑːbʊl] sehr ähnlich klingt, gehe ich hier zumindest beim französischen Namen nicht von einer Transkription sondern tatsächlich von der zweiten Sprache - Französisch - aus. Beim englischen Namen könnte man darüber streiten.

Ich weiß nicht, ob auch kleinere Orte Stempel mit lateinischer Schrift hatten. Dort würde ich dann eher von einer Transkription als von Englisch oder Französisch reden.

Das Stempeldatum wurde außer in unserem auch noch nach dem iranischen Kalender angegeben. Weitere Informationen siehe http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=168385#M121 und die folgenden Beiträge

Viele Grüße
Volkmar
 
EdgarR Am: 09.01.2018 09:21:40 Gelesen: 4847# 78 @  
@ volkimal [#77]

Hallo Volkmar,

bei Stempeln wie den von Dir gezeigten - also mit exotischen Schriften und aus der "guten alten Zeit" - habe ich den Verdacht, der Grund für die Transkription der Ortsnamen in lateinische Schrift, oder sogar die Doppelung der Ortsnamen ins französische oder englische, könnte vielleicht etwas mit Bestimmungen des Weltpostvereins zu tun haben? Wegen internationalem Briefverkehr und so?

Stutzig machte mich nämlich Dein Kabul-Stempel mit "KABOUL" - also auf französisch, der "Weltpostvereinssprache". Denn Afghanistan hat nun wirklich keinerlei Berührung mit französischem Kolonialwesen gehabt.

Es müsste doch festzustellen sein, ob es nicht zumindest vorzeiten einschlägige Bestimmungen des Weltpostvereins gab die derartiges vorsahen?

Phile Grüße
EdgarR
 
volkimal Am: 14.01.2018 10:27:14 Gelesen: 4535# 79 @  
@ EdgarR [#78]

Hallo EdgarR,

die Frage Es müsste doch festzustellen sein, ob es nicht zumindest vorzeiten einschlägige Bestimmungen des Weltpostvereins gab die derartiges vorsahen? finde ich sehr interessant. Ich habe aber keine Ahnung, ob es solch eine Bestimmung gab. Vielleicht weiß ein anderes Philaseiten-Mitglied mehr dazu.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 14.01.2018 10:31:06 Gelesen: 4532# 80 @  
Hallo zusammen,

das Großfürstentum Finnland war seit 1809 ein mit einer weitgehenden inneren Autonomie ausgestatteter Teil des Russischen Reiches. Es entstand, nachdem das seit Jahrhunderten zu Schweden gehörende Finnland infolge mehrerer russisch-schwedischer Kriege an Russland abgetreten werden musste, und endete 1917 infolge der russischen Revolutionen in der Unabhängigkeit Finnlands.



Wie man an der Postkarte sieht, gab es in Finnland drei offizielle Sprachen: Schwedisch (links), Finnisch (rechts) und Russisch (unten). Auch die Stempel aus der Zeit um 1900 waren dreisprachig. Die drei Ortsnamen beim Stempel sind in derselben Reihenfolge angegeben. Als Beispiel zwei dieser Stempel auf einer finnischen Ganzsache von 1896. Aufgegeben wurde die Karte in Wyborg, das damals noch den alten deutschen Namen Wiborg hatte. Die Karte ging nach Helsinki, wo sie den zweiten dreisprachigen Stempel erhielt.



Der Stempel aus Wyborg hat den Stempeltext: * VIBORG B. * WIIPURIA S. * / ВЫБОРГЪ Ж. А. Um welche Sprachen handelt es sich?
Wyborg ist eine Stadt in der Oblast Leningrad in Russland. Sie liegt in der historischen Region Karelien zwischen Sankt Petersburg und der finnischen Grenze. In Karelien sprach man damals Karelisch. Die karelische Sprache gehört zum ostseefinnischen Zweig der finno-ugrischen Sprachen. Nach Wikipedia hat Wyborg folgende Namen:

deutsch: Wyborg, früher Wiborg, Wiburg (veraltet)
englisch: Vyborg
schwedisch: Viborg
finnisch: Viipuri
russisch: Выборг
 

Im Stempel aus Wyborg (laut Wikipedia eine Transkription des russischen Выборг) steht links der schwedische Name VIBORG und unten der russische Name ВЫБОРГЪ, rechts steht WIIPURIA. Das ist vermutlich eine alte finnische Schreibweise. Hinter dem Ortsnamen ist jeweils noch ein Zusatz.

Nun zum Ankunftsstempel aus Helsinki. Links steht der Schwedische Name HELSINGFORS, rechts der finnische Name HELSINKI. Aber was ist unten? Der russische Name der Stadt ist laut Wikipedia ХЕ́ЛЬСИНКИ, im Stempel steht aber ГЕЛЬСИНГФОРСЪ. Das soll laut Wikipedia eine Transkription des schwedischen Namens Helsingfors ins Kyrillische sein. Hat man hier wirklich eine Transkription benutzt, obwohl russisch doch eine der offiziellen Sprachen in Finnland war? Ortsnamen haben sich im Laufe der Zeit häufig verändert. Kann es sein, dass ГЕЛЬСИНГФОРСЪ ein früherer russischer Name von Helsinki ist. Ich weiß es nicht.

Viele Grüße
Volkmar
 

DERMZ Am: 14.01.2018 11:13:14 Gelesen: 4525# 81 @  
@ volkimal [#80]

Hallo Volkmar,

ich bin nun wahrlich kein Russisch-Experte, aber ich meine mich an mein Schul-Russisch erinnern zu können, da dass Russische Alphabet kein "H" kennt, wird dieses entweder in ein "Х" oder ein "Г" transkribiert.

Ich glaube, heute wird eher das "X" - gesprochen wie "CH" - genutzt, das "Г" - gesprochen wie "G" - wird heute eher weniger genutzt.

Ob man damals eher den schwedischen oder den finnischen Namen transkribiert hat, entzieht sich aber meiner Kenntnis.

Viele Grüsse
Olaf
 
Heinrich3 Am: 14.01.2018 12:22:54 Gelesen: 4506# 82 @  
@ volkimal [#80]

Hallo Volkmar,

auf Deine Frage: Kann es sein, dass ГЕЛЬСИНГФОРСЪ ein früherer russischer Name von Helsinki ist. Ich weiß es nicht.

ГЕЛЬСИНГФОРСЪ zurücktranskibiert lese ich Gelsingfors, was zusammen mit Olafs vorstehender Info eine reine Transkription des schwedischen Namens in Russische ergibt.

Schönen Sonntag von
Heinrich3
 
volkimal Am: 14.01.2018 14:08:51 Gelesen: 4486# 83 @  
Hallo zusammen,

vorhin habe ich die beiden finnischen Stempel bei Philaseiten eingestellt. Dabei ist mir etwas aufgefallen. Da ich selbst keinen solchen Stempel besitze, zeige ich die Stempel von Heinrich3 bzw. Balat44 aus der Datenbank:





Nach dem Ende des Großfürstentums Finnland wurden die dreisprachigen Stempel aptiert. Der russische Ortsname wurde entfernt, so dass "nur noch" zweisprachige Stempel (Schwedisch/Finnisch) übrig blieben.

Viele Grüße
Volkmar
 
KaraBenNemsi Am: 14.01.2018 21:01:36 Gelesen: 4411# 84 @  
@ volkimal [#80]

Hallo Volkmar,

seinerzeit hieß Helsinki auf Russisch Helsingfors, was tatsächlich nur eine Übernahme aus dem Schwedischen ist, denn der schwedische Einfluss war in Finnland zu russisch-zaristischer Zeit sehr groß und das Schwedische vorherrschende Sprache in Helsinki. Erst mit der Unabhängigkeit setzte sich im Russischen der finnische Name Helsinki durch.

So wird es ausdrücklich im russischen Wikipedia-Artikel zu Helsinki erklärt [1].

Viele Grüße

Carsten

[1]: https://ru.wikipedia.org/wiki/Хельсинки
 
volkimal Am: 14.01.2018 21:36:24 Gelesen: 4403# 85 @  
@ KaraBenNemsi [#84]

Hallo Carsten,

dankeschön! Damit ist die Frage des russischen Namens geklärt.

Viele Grüße
Volkmar
 
Basalt44 Am: 18.01.2018 11:26:19 Gelesen: 4103# 86 @  
Hallo Volkmar,

bedauerlicherweise ist Dir bei der Erklärung des Ortsnamens Wyborg ein kleiner Fehler unterlaufen. Die Abkürzungen hinter dem Ortsnamen ("B."= Bangård (schwedisch) bzw. "As."= Asema (finnisch)= BAHNHOF) weisen daraufhin, dass es sich hier um ein Bahnhofspostamt handelt.

Viele Grüße aus Berlin
Werner
 
volkimal Am: 18.01.2018 12:50:58 Gelesen: 4090# 87 @  
@ Basalt44 [#86]

Hallo Werner,

sehr schön, dass Du den Fehler bemerkt und korrigiert hast. Mir fehlen einfach die Sprachkenntnisse. KaraBenNemsi hat die beiden kyrillischen Zeichen erklärt. Ich stelle deshalb den Stempel aus Wyborg noch einmal komplett vor.



Der Stempeltext ist: * VIBORG. B. * WIIPURI. As. * / ВЫБОРГЪ. Ж. А.
schwedisch: Viborg B. = Viborg Bangård
finnisch: Wiipuri As. = Wiipuri Asema
russisch: Выборгъ Ж. Д.

Der schwedische bzw. finnische Zusatz bedeutet jeweils Bahnhof. Die kyrillischen Zeichen Ж. Д. kommen von железная дорога (= Eisenbahn) oder Железнодорожная станция (= Bahnhof)

Es handelt sich also um ein Bahnhofspostamt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 22.01.2018 18:52:02 Gelesen: 3822# 88 @  
Hallo zusammen,

heute einmal ein viersprachiger Stempel Hebräisch/Arabisch/Englisch/Latein:



Im Inneren steht:

1. Zeile: נצרת (Hebräisch) = Nazareth (von rechts nach links zu lesen)
2. Zeile: Datum: דיכשת תבט יכ = 5724 Tevet 20 = 20.10.5724 AM = 05.01.1964 AD
3. Zeile: Nazareth (Englisch)
4. Zeile: Datum: 5.1.1964
5. Zeile: الناصرة (Arabisch) = Nazareth (von rechts nach links zu lesen)

Oberer Bogen: ???? (Hebräisch)
Unterer Bogen: Peregrinatio papae pauli VI (Latein) = Eine Pilgerreise von Papst Paul VI. (nach Google Übersetzer)

Zur Jahreszahl: דיכשת = 4 + 20 + 300 + 400 = 724 (die 5000 wird im Stempel nicht angegeben)
 

Viele Grüße
Volkmar
 

volkimal Am: 11.02.2018 13:19:25 Gelesen: 1965# 89 @  
Hallo zusammen,

diesmal ein zweisprachiger Stempel Deutsch/Chinesisch aus der Schweiz:



Die Übersetzung der chinesischen Zeichen ist zum Glück sofort angegeben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 17.02.2018 17:41:13 Gelesen: 1814# 90 @  
Hallo zusammen,

diesmal wieder ein dreisprachiger Stempel:



Auf Zypern gibt es Ersttagsstempel, die zwar keine Ortsbezeichnung haben. Dafür ist der Landesname in drei Sprachen aufgeführt: CYPRUS - ΚΥΠΡΟΣ - KIBRIS (Englisch/Griechisch/Türkisch).

Viele Grüße
Volkmar
 
Manne Am: 17.02.2018 18:11:30 Gelesen: 1800# 91 @  
Hallo,

ein Luftpost-Brief an die Fa. Schmid-Schlenker, zweisprachiger Tagesstempel von Ramat Gan vom 06.04.1954. Ramat Gan ist eine Stadt in der Nähe von Tel Aviv in Israel.

Gruß
Manne


 
volkimal Am: 17.02.2018 18:32:53 Gelesen: 1792# 92 @  
@ Manne [#91]

Hallo Manne,

der Stempel dürfte sogar dreisprachig sein. Links steht der Name in Englisch oder eine Transkription in die lateinische Schrift, oben ist der hebräische Name רמת גן = Gartenhöhe und rechts derselbe Ort noch einmal in arabisch رمات غان .

Viele Grüße
Volkmar
 
Manne Am: 17.02.2018 18:55:30 Gelesen: 1787# 93 @  
@ volkimal [#92]

Danke für die Ergänzung.

Gruß
Manne
 
Jürgen Zalaszewski Am: 22.02.2018 15:55:37 Gelesen: 1609# 94 @  
Hallo zusammen,

der folgende mehrsprachige Stempel aus Moskau (?) fiel mir gerade beim Aufräumen in die Hände. In dem Werbetext kann man den englischen Text Visit U.S. S. R. und den deutschen Text Besucht / die / Sowjet /Union erkennen.

Leider kann ich das Datum nicht entziffern. Jemand eine Ahnung, wann dieser Werbestempel verwendet wurde?



Beste Grüße

Jürgen
 
Altmerker Am: 22.02.2018 17:59:05 Gelesen: 1592# 95 @  
@ Jürgen Zalaszewski [#94]

Wann erkenne ich leider nicht. Aber ich erkenne den Werbestempel des staatlichen Reisebüros "Intourist" wieder. Gefühlt 1960er Jahre.

Gruß
Uwe
 
Jürgen Zalaszewski Am: 23.02.2018 19:18:22 Gelesen: 1542# 96 @  
Hallo Uwe,

Danke für den Hinweis.

Beste Grüße

Jürgen
 
volkimal Am: 24.02.2018 09:01:44 Gelesen: 1508# 97 @  
@ Jürgen Zalaszewski [#94]

Hallo Jürgen,

als kleine Ergänzung: In den Jahren 60-er Jahren gab es eine Reihe sowjetischer Ganzsachen zum Thema "Visit the USSR". Du findest einige, wenn Du bei Delcampe unter Briefmarken den Begriff "Visit intourist" oder nur "visit" eingibst.

Ich vermute, dass auch in deinem Stempel das Wort "the" steht, es aber gerade nicht zu sehen ist.

Viele GRüße
Volkmar
 
volkimal Am: 24.02.2018 18:04:12 Gelesen: 1478# 98 @  
Hallo zusammen,

heute ein Brief aus Addis Abeba in Äthiopien:



Der Ortsname "Addis Abeba" und die Postamtsnummer 1 sind sowohl in der Äthiopischen Schrift "አዲስ ፡ አበባ" bzw. als auch in der lateinischen Schrift angegeben.

Viele Grüße
Volkmar
 
Jürgen Zalaszewski Am: 25.02.2018 09:21:00 Gelesen: 1438# 99 @  
@ volkimal [#97]

Hallo Volkmar,

danke für den Hinweis.

Viele Grüße
Jürgen
 
volkimal Am: 03.04.2018 13:16:49 Gelesen: 614# 100 @  
Hallo zusammen,

ein indischer Stempel in Englisch und Hindi





Ersttagsstempel zum 100-ten Jahrestag der Hafen-Kommissare in Kalkutta. Was sagt man dazu in Deutsch - Hafenkommissar, Hafenbeauftragte oder wie?
Stempeltext: पोर्ट आयुक्तों कलकत्ता / 1870 / नई दिल्ली / NEW DELHI / 1970 / PORT COMMISSIONERS CALCUTTA

Viele Grüße
Volkmar
 

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