Thema: Fusion der Post von Schweden und Dänemark ?
Richard Am: 08.04.2008 12:25:31 Gelesen: 5664# 1@  
Postwesen: Mehr als eine gemeinsame Briefmarke

Von Hannes Gamillscheg

Die Presse, Wien / Kopenhagen (03.04.08) - Die aufsehenerregende Fusion von schwedischer und dänischer Post soll die beiden Unternehmen für die Liberalisierung des europäischen Postmarktes fit machen.

Eigentlich sollte es nur eine Briefmarke werden. „Letzten Sommer rief ich ihn an, oder war er es, der bei mir klingelte?“ Marianne Nivert, Aufsichtsratsvorsitzende der schwedischen Post, erinnert sich, dass es bei dem Gespräch mit ihrem dänischen Kollegen Fritz Schur um eine Gemeinschaftsausgabe zum 100. Bestand der Pfadfinder ging. Und dass sie dann sagte: „Sollten wir nicht mehr tun?“ Und eine Fusion des Postwesens der skandinavischen Nachbarländer vorschlug.

Jetzt haben Schwedens „Posten“ und „Post Danmark“ ihre Absicht für eine Fusion besiegelt. Der neue Postkonzern soll auf dem liberalisierten Markt bestehen. Zwar meinen Spötter, dass sich ein Blinder mit einem Lahmen vereine, und die Kunden glaubten an einen Aprilscherz. Doch für die Strategen ist klar, dass kleine nationale Postgesellschaften bei der Öffnung der Märkte 2011 wehrlose Beute wären, wenn sie nicht rechtzeitig rüsten. Im Vergleich mit Kolossen wie der Deutschen Post (Umsatz: 63,5 Mrd. Euro) ist das schwedisch-dänische Fusionsprodukt mit seinen 53.000 Angestellten und einem Umsatz von 4,8 Mrd. Euro zwar immer noch ein Zwerg. Aber er soll effizienter agieren, weil Synergien in Milliardenhöhe, vor allem durch gemeinsamen Datenverkehr, erwartet werden. Personalabbau soll es nicht geben.

Schweden hat seinen Postmarkt 1993 geöffnet, dennoch transportiertPosten immer noch 99 Prozent der Briefe und 90 Prozent der Massensendungen. In Dänemark hat die Post noch ein Monopol für Briefe unter 50 Gramm, doch die Herausforderer lauern schon. „Die Liberalisierung wird den Wettbewerb bedeutend verschärfen“, sagt Schur und glaubt, dass man mit vereinten Kräften Aufgaben schultern könne, für die man alleine zu schwach war.

Schur soll den Aufsichtsrat des neuen Konzerns leiten, der schwedische Postchef Erik Olsson Vorstandschef werden. 58,2 Prozent der Aktien sollen an die Schweden gehen, 38,8 Prozent an die Dänen und die restlichen drei Prozent sind für Management und Mitarbeiter reserviert. Der dänische Anteil wird proportional unter seinen Eigentümern aufgeteilt. Während Schwedens Post rein staatlich ist, besitzt der Fond CVC 22 Prozent an Post Danmark.

Privatisierung als Ziel

In drei bis fünf Jahren soll der neue Konzern börsereif sein, kündigt Schwedens Industrieministerin Maud Olofsson an. Bis dahin geht das Geschäft wie gewohnt. Die Schweden behalten ihre gelben und blauen Briefkästen, die Dänen ihre roten, das Porto wird nicht billiger und das Service nicht besser. In Schweden hat man die Postzustellung am Samstag längst gestrichen. Die gibt es in Dänemark noch. Dafür verlangt die dänische Post hohe Extragebühren, wenn man vor zehn Uhr beliefert werden will. Noch vor gar nicht langer Zeit wurde in Dänemark zweimal täglich Post zugestellt. Jetzt sind Briefe meist mehrere Tage unterwegs, und die Briefträger, die früher auf ein Tässchen Kaffee einkehrten, klagen über Dauerstress. Postämter gibt es in Schweden kaum noch, Posten ist mit Schaltern in Supermärkten und Tankstellen eingemietet. Dänemark folgt dem Trend.

Die Sparpläne haben zwar die Kunden frustriert, aber die Defizite in Milliardenüberschüsse verwandelt. Statt sich von Giganten wie TNT, DHL oder Schenker schlucken zu lassen, wollen die Skandinavier auf dem liberalisierten Postmarkt aktiv mitmischen. So wie es die Dänen vormachten, als sie sich mit CVC im belgischen Postwesen einkauften.

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AUF EINEN BLICK

Mit einer Fusion rüsten sich die schwedische und die dänische Post für die Liberalisierung des Marktes. Damit wollen sie großen Konkurrenten wie der Deutschen Post und Logistik-Giganten wie TNT und DHL Paroli bieten. Der neue Postkonzern soll auch an die Börse gehen.

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