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Thema: Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt (Übersicht # 1000)
Das Thema hat 1036 Beiträge:
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Heinz 7 Am: 06.05.2025 11:26:44 Gelesen: 130588# 987 @  
@ Heinz 7 [#985]

Man sagt ja, Caspary habe nie eine "Post Office Mauritius"-Marke gekauft, weil ihm die Stücke einfach nicht schön genug waren. Die gleiche Problematik haben wir bei der 3 Lire-Marke Toskana.

Ich habe ein gutes Beispiel, wie schwierig diese Qualitäts-Fragen zu beantworten sind.



Aus dem Buch "Quarta Pagina" von Alberto Bolaffi habe ich Seite 211 gescannt. Die Abbildung zeigt uns sehr schön:

- fast alle diese Marken haben mehr oder weniger schwere Schnittfehler
- auch die Stempel/Entwertungen sind oft "nicht wirklich schön" (optisch)
- auf diesem Foto scheinen alle Exemplare relativ dunkel. Aber das ist okay; denn die Original-Farbe "ocker" scheint mir typisch zu sein für diese Marke. (Die David Feldman-Marke scheint mir ungewöhnlich hell; "untypisch").

Jeder Sammler hat seine eigene Wahrnehmung. Darum sind 1:1 - Besichtigungen der Originale so wichtig.

Und Vergleichsmaterial.

"Man" sagt (auch), dass die Stücke von Burrus unübertrefflich waren: die ungebrauchte vollrandig, die gestempelte wohl das breiteste Exemplar mit Riesenrändern. - Eine vollständige Übersicht wäre hilfreich, um in dieser Frage weitere Sicherheit zu gewinnen.

Übrigens: das gestempelte Exemplar ist nicht so teuer wie das ungebrauchte; "nur" Euro 70'000 Katalogwert (2010). Aber dieses Preisschild galt (gilt) nur für die allerbesten Exemplare, Marken mit Mängel erhält man gelegentlich sehr günstig.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 06.05.2025 15:27:14 Gelesen: 130492# 988 @  
@ Dobe [#984]

Michael, Du hast meinen "Tagesplan" ganz schön durcheinander gewirbelt. Eigentlich waren die Stunden ja für andere Arbeiten reserviert, aber nun sitze ich wieder da, und grüble über Raritäten und ihre Geschichte(n).

Bei meinem Rückblick habe ich festgestellt, dass ich noch nie über den grossen 3-Lire-Farouk-Brief geschrieben habe. Das ist eigentlich eine "unverzeihliche" Unterlassung, denn es gibt wenige Briefe, vor allem in Europa, die eine ähnliche Bedeutung haben für die weltweite Philatelie wie der untenstehende Brief.

Du hast bereits richtig festgehalten, dass die 3 Lire Marke von Toskana eine Welt-Rarität ist. Das gilt in erster Linie für die ungebrauchten Stücke - aber nicht nur! Es gibt nämlich - meines Wissens - zwei Briefe (und: NUR zwei!), welche diese seltene Marke auch auf BRIEF tragen. Einer dieser zwei Briefe ist der "Farouk"-Brief.

Ich weiss leider nur bruchstückhaft Bescheid über diesen Brief.

Er kam 1954 zur Auktion in Cairo, Aegypten. Dieser ungewöhnliche Auktionsort ist dem Umstand geschuldet, dass die Einlieferung aus der Sammlung des Königs von Aegypten bestand. König Farouk besass - neben einer traumhaften Sammlung von Aegypten - eben auch mehrere internationale Grösst-Raritäten. Die Auktion wurde standesgemäss von H.R. Harmer, London, durchgeführt.



Am 17.2.1954 kam Los 1390 zum Angebot:



Das Wichtigste ist gesagt zu dem Brief, der natürlich höchste Beachtung fand. Der Vierfach-Brief von Livorno nach Alexandria war korrekt frankiert (4 x 90 Cent. = 3.60 Lire). Auch diese 3-Lire-Marke ist arg angeschnitten, aber das MUSS der Sammler nun einfach akzeptieren. Es gibt nichts Vergleichbares.

Ich weiss nicht, wer-wie-wann der Brief wieder verkauft wurde, aber ich weiss, dass er 1991 in Turin, bei Bolaffi wieder angeboten werden konnte. Damals hatte er den nicht unbescheidenen Startpreis von (umgerechnet) US$ 291'670. Doch mehrere Sammler wollten das Stück, und der Hammer fiel erst bei US$ 550'000. Mit Aufgeld mussten sogar US$ 648'180 hingeblättert werden. Dies war angeblich das vierthöchste Ergebnis aller Auktionen in der Saison 1991 (alle vier Zahlen gemäss: "Bolaffi International 1992").

Mit dieser Zahl rangiert(e) der Brief lange Zeit ganz weit vorne in der Liste der teuersten Briefe der Philatlie.

Anbei der Traumbrief noch in Farbe, aus der Sammlung "Pedemonte".



Heinz
 
Heinz 7 Am: 06.05.2025 16:53:56 Gelesen: 130427# 989 @  
@ Heinz 7 [#959]

In Beitrag [#959] habe ich gelistet, welche Briefmarke in welchem Beitrag besprochen wurde. Die Toskana 3 Lire Marke kam letztmals 2018 zur Sprache. Seither wollte ich das "immer schon" ergänzen, aber nun sind fast 7 Jahre vergangen, aber Michael hat "in die Glut geblasen", und die Flammen sind frisch aufgeflammt. Ich freue mich, nun wichtige Ergänzungen festgehalten zu haben:

wir kennen die teure/einzigartige Buntfrankatur
wir kennen (heute Abend) die teure/einzigartige Einzelfrankatur
wir kennen mindestens 4 traumhaft schöne Stücke der 3 Lire ungebraucht (vollrandig/weissrandig),
wir haben gesehen, dass die Marke gestempelt grosse Qualitätsunterschiede hat; das beste Stück lose haben wir auch im Bild festgehalten.

Damit ist dieser ikonischen Briefmarke die Ehre zuteil geworden, die sie verdient.

Und das ist doch immerhin eine schöne Basis für unser Grundlagen-Wissen. Wenn jemand eine vollständige Kartei der Briefmarke erstellen möchte und kann (das wäre super!), dann soll er doch dazu ein eigenes Thema aufmachen, denn, Achtung: es sind doch einige Dutzend gestempelte Marken, welche die Dokumentation umfangreich werden lassen.

Anbei also noch die wichtigsten Informationen zur Einzelfrankatur.

Die Sammlung Rothschild umfasste viele Traumstücke; gerade die italienischen Staaten genossen viel Zuneigung des (Haupt-) Sammlers. Mehrere grossartige Rothschild-Sammlungen kamen bei Philipps London zum Verkauf. Aber Rothschild verkaufte früh schon Teile seiner Sammlungen, und oft wechselte er seinen Verkaufspartner. Oft verkaufte er auch anonym, und so ist es eigentlich unmöglich, seine Gesamtsammlung zu würdigen.

Am 11.11.1989 kam ein eher unbekanntes Auktionshaus "Auction Phila, Milan" zu der Ehre, wichtige Briefmarken der Sammlung Rothschild zu verkaufen. Ob sie erst 1989 vom Sammler verkauft wurden oder bereits viel früher (und folglich bereits einem neuen Besitzer gehörten), weiss ich leider nicht. Aber der Brief, den ich anbei vorstelle, ist den Spezialisten schon länger bekannt als "ex Rothschild" (siehe auch Text Harmer London 1954)



Los 589 zeigt uns einen Einschreibe-Brief von Florenz nach Paris vom 18.12.1860. Dafür waren offenbar 3 Lire Porto nötig, die mit einer Einzelfrankatur bezahlt werden konnten. Der Brief/die Marke erhielt den Stabstempel "Per Consegna". Ob dies dasselbe bedeutete wie "Posta raccomandata" (Einschreiben) können unsere Italien-Spezialisten uns vielleicht mitteilen/bestätigen/richtigstellen?

Der Brief jagte 1989 den Puls der Sammler in die Höhe. Zwar lag der Startpreis bei wirklich ambitionierten US$ 416'670, aber der Brief wurde eifrig beboten und erreichte einen Preis von US$ 562'500 (Hammer) bzw. US$ 662'910, also sogar noch etwas mehr als die Farouk-Buntfrankatur (siehe Beitrag 988).

Solche Preise werden nur selten bezahlt. In diesem Fall scheint mir der Preis aber als angemessen, denn die Rarität und die Bedeutung dieser Marke sind unbestritten. Die 3 Lire Marke steht schon sehr lange hoch im Kurs (siehe Studien Schubert und Haas, anfangs 20. Jahrhundert).

Es war dies übrigens nicht das einzige hohe Resultat für Toskana 1989: eine ANDERE 3-Lire Marke ungebraucht brachte damals immerhin den Ausrufpreis von US$ 70'840 (= US$ 83'480 mit Provision) ein.



Und - - wir sehen ein weiteres m.E. sehr schönes Exemplar der Marke: sie stammt aus der Sammlung Ferrary. Sie soll "volle Ränder" haben, aber "weissrandig" wie unsere Traumstücke 984-985 ist sie nicht. US$ 83'480 war für das Jahr 1989 sehr viel Geld. Es wäre sehr interessant, zu prüfen, wo der Katalogwert damals stand, und ob sogar das Resultat 1989 diesen Wert veränderte? Im Jahr 2000 lag der KW Michel bei astronomischen DM 325'000 (Katalog 2000/2001); seit der Euro-Umstellung scheint er bei der Zahl von Euro 160'000 zu verharren... aber das sind nun alles nur Einzelaussagen / Vermutungen "ohne Gewähr". Eine Detailuntersuchung wäre sicher spannend.

Viel Vergnügen!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.05.2025 11:50:07 Gelesen: 129942# 990 @  
@ Heinz 7 [#988]

Im Lehrbuch der Briefmarkenkunde von Theodor Haas (1905) haben wir gelernt, dass gemäss seiner Auflistung "Die hundert seltensten Marken nach ihrem Seltenheitsgrade geordnet" (Seite 477 ff) folgende Marke auf Platz 12 steht (stand):



Toscana 1860, 3 Lire gelb

Damit war sie Europas Nummer zwei, natürlich HINTER Rumänien 1858, 81 Para(le) blau auf bläulich (diese Marke finden wir auf Platz 6 bei Haas, gleich hinter den erstplatzierten Ikonen aus British Guiana, Hawaii, Mauritius).

Es ist also nur richtig, wenn wir diese Marke aus Italien ausführlich besprechen, wie wir dies nun endlich nachgeholt haben. Eine Ergänzung liegt mir aber noch am Herzen.

Ich WUSSTE, dass auch Robson Lowe den unvergleichlichen "Farouk"-Brief (Buntfrankatur) einmal anbieten konnte. Leider waren meine Aufzeichnungen nicht präzise genug, und so habe ich gestern in einer falschen Schachtel gesucht (es gibt viele Robson Lowe-Kataloge). Seltsamerweise fand ich auch in den "Robson Lowe Ltd." Reviews aus ungefähr der Zeit keine Hinweise auf den Farouk-Brief. Das schien mir sehr seltsam und liess mir keine Ruhe.

Ich bin nun erleichtert, den gesuchten Katalog doch gefunden zu haben.



Am 16.1.1964 konnte Lowe diesen Wunderbrief anbieten. Er hatte dabei einen Schätzpreis von GB£ 3'000 angesetzt, das war damals ein hoher (aber m.E. gerechtfertigter) Preis. Zum Vergleich: Lowe schätzte den Bermuda-Postmaster-Brief Perot I der Sammlung Burrus auf GB£ 10'000. Weil im "Review"-Bericht offenbar kein Ergebnis genannt wurde, nahm ich an, das Los wurde nicht verkauft. Das ist aber nicht richtig, denn auf der Liste der erzielten Preise fand ich das Resultat: £ 2'800.

1963/64 war das absolute Superjahr für Robson Lowe. In seinem Jahresrückblick "Review" widmete er Seite um Seite den "Burrus"-Sales, die er ja zahlreich durchführen durfte. Auf Seite 26-28 kommen aber auch ausführlich andere Italien-Sammlungen zur Sprache, mit den drei Verkaufstagen: 15.10.1963, 16.1.1964 und 24.6.1964. Auf Seite 28 vermerkt er den Verkauf der:

"most beautiful mint example known of the 3 lire yellow-buff which made £3,500".

Wir sind nun natürlich interessiert, dieses "most beautiful" Stück auch zu sehen:



scan aus dem Review, Seite 26

Wir sind beeindruckt:

- Rand oben: weiss
- Rand rechts: voll, unten berührt
- Rand unten: weiss, riesenrandig (Bogenrand?)
- Rand links: weiss (vermutlich minim berührt, Foto nicht klar genug)

Farbe: sehr schön, "yellow-buff"

Wichtig: das Stück ist NICHT aus der Burrus-Sammlung, vgl. [#297]

Damit haben wir ein weiteres Top-Stück dieser grossartigen Briefmarke dokumentiert und können (sollten!) uns wieder anderen "Aufgaben" zuwenden.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.05.2025 21:16:15 Gelesen: 127482# 991 @  
@ Heinz 7 [#990]

Zwei interessante Nachträge doch noch zur 3 Lire Marke von Toskana.

Im Sassone Spezial-Katalog werden wirklich zwei Farben genannt (Katalog 1988, einen neueren habe ich nicht):

- ocra giallo
- ocra arancio

Bewertet wurden sie (beide Farben genau gleich)
* = 125 Mio. Lire
gest. = 60 Mio. Lire
Fragment = 85 Mio. Lire
Brief = Strich (ohne Bewertung)

Es soll drei Exemplare geben auf Fragment, habe ich irgendwo gelesen.

Im anderen Spezialkatalog, Bolaffi 1995, gibt es zu meinem Erstaunen nur 1 Farbe. Die Bewertungen waren deutlich höher (1995)

* = 400 Mio. Lire (!)
SG = 160 Mio. Lire (ich nehme an, das heisst Senza, also "Ohne Gummi"
gest. = 185 Mio. Lire
Fragment = Strich (ohne Bewertung)
Brief = Strich (ohne Bewertung)

Bolaffi 2001 nochmals höher

* = 500 Mio. Lire (!)
SG = 220 Mio. Lire (ich nehme an, das heisst Senza, also "Ohne Gummi"
gest. = 190 Mio. Lire
Fragment = Strich (ohne Bewertung)
Brief = Strich (ohne Bewertung)

Beide oben gezeigten Briefe werden im Spezialkatalog gezeigt und beschrieben, sind aber nicht bewertet.

Michel 2003/04 bewertete die Marke mit TEuro 160 bzw. TEuro 70, also wie im Katalog 2010.

Nun kann ich aber noch eine sehr schöne gestempelte Marke zeigen mit Riesenrändern:



oben: weiss
rechts: überrandig, Randlinie Nebenmarke
unten: überrandig, Randlinie Nebenmarke
links: überrandig, Randlinie Nebenmarke

Das prächtige Stück war Los 179 der Auktion 2090 von Robson Lowe, London, vom 18.10.1961. Damit haben wir wohl noch ein weiteres der allerbesten Stücke dieser Marke kennen gelernt.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.05.2025 23:07:44 Gelesen: 127417# 992 @  
@ Heinz 7 [#87]
@ Heinz 7 [#356]
@ Heinz 7 [#357]
@ Heinz 7 [#439]

Dass die Rayon II gelb mit Kreuzeinfassung eine sehr teure Marke ist, haben wir schon ausführlich besprochen.

Nun muss aber das ganze Kapitel neu geschrieben werden. Es gibt nämlich eine sensationelle Neuentdeckung!

Die Marke ist lose mit Euro 110'000 (2010) ja wirklich hoch bewertet, obwohl es angeblich immerhin 41 oder 43 Exemplare davon geben soll. NEU taucht die Marke nun aber UNGEBRAUCHT auf. Das kannte man bisher noch nicht.

Wirklich? - Stimmt nicht ganz... Es ist eine WIEDERENTDECKUNG eines Stückes aus einer Ferrary-Auktion! Diese liegt nun mehr als 100 Jahre zurück!

Am 18.-20.6.1924 fand die 116. Gilbert-Auktion statt, die X. Auktion Ferrary. In einem Sammellos (Nr. 546) wurden 21 Rayon-Marken angeboten, alle *, und dabei auch eine Rayon II MIT KREUZEINFASSUNG! "et croix encadrée", extra erwähnt IN FETTSCHRIFT.

Allerdings wollte oder konnte der Auktionator die Echtheit nicht garantieren und so schrieb er ausdrücklich "non garanti". Er war sich also der möglichen Wichtigkeit des Stückes wohl bewusst, denn er fotografierte die Marke sogar! (Planche 16).

Allerdings waren die Sammler trotz diesen deutlichen Hinweisen wenig interessiert an dem Los und das ganze Sammellos wurde zu einem tiefen Preis verkauft (FFR 1'800).

Es war nicht der Auktionator Gilbert, der schlecht gearbeitet hat, sondern die Sammler, welche diese Rarität nicht beboten. Das Los landete, wie so viele, beim Sammler Maurice Burrus. Aber - 1964, 40 Jahre später, bei der Auktion der Burrus-Sammlung tauchte das Stück offenbar nicht im Angebot auf.

Die Marke wurde nicht verkauft sondern gelangte angeblich in die Referenzsammlung von Robson Lowe.

Ufff - ich will das jetzt nicht kommentieren.

Warum hat Burrus die Marke nicht den Spezialisten vorgelegt (Dr. Munk!, Ernst Müller!)?
Warum liess Robson Lowe das Stück nicht prüfen?
Wie kommt diese einmalige Marke in seinen Besitz (unverkauftes Restlos?)

Die Referenzsammlung von Robson Lowe kam nach Angabe des Kataloges erst 2021 zum Verkauf in London und die Rayon II-Marke wurde wieder (!) in einem Sammellos verkauft! Das ist eigentlich unfassbar. Die Marke ist ja wirklich klar erkennbar mit Kreuzeinfassung und trägt ganz offenbar keinen Stempel. Wie können so viele hochkarätige Philatelisten das nicht sehen??



Nun, jetzt kommt die Briefmarke bei Corinphila zur Auktion am 7.6.2025 (353. Auktion, Los 8266).

Ausrufpreis sind CHF 400'000.

Das Los wird sehr ausführlich beschrieben auf den Seiten 89-95 im Katalog, in der Corinphila - Gazette und auch in der Schweizer Briefmarken-Zeitung SBZ 5-6/2025, Seiten 36-39.

Eine Marke, die bekannt war UND ABGEBILDET, ist 100 Jahre von der Bildfläche verschwunden - und jetzt ist sie wieder da! - Auch das ist Philatelie!



Ich bin mir aber, offen gesagt, gar nicht 100 % sicher, ob das Foto ex Los 546 dieselbe Marke ist wie die nun gezeigte; diese ist heute (2025) scheinbar noch breitrandiger (als 1924). Das ist nun ja eigentlich nicht möglich. Wurde die Marke repariert/"verschönt", ergänzt? Dies wird im Lostext aber nicht erwähnt.

Ich stelle viele Fragen zu dieser Marke, ich weiss... Ich will ja niemandem die Freude über die Neuentdeckung nehmen, aber man sollte meine Fragen wohl gewissenhaft prüfen. Möglicherweise ist das Los 8266 (2025) gar nicht die Marke aus Los 546 (1924). Dann würden auch die Fragen zu Burrus/Lowe entfallen. Lowe hatte das Stück "Spink" (2011 oder 2021 ? - unterschiedliche Angaben S. 94+95) evtl. gar nicht von Burrus, weil sich dieser schon längst eine Fachmeinung eingeholt hatte und die Marke aussortierte? Das wäre eine plausible Erklärung, warum die Marke (546) 1964 nicht angeboten wurde.

Die Freude über die Neuentdeckung kann ja bleiben: die Marke ist ja da und hat gute Atteste. Aber die Geschichte "ex Ferrary" (ex Burrus) ist für mich aus den genannten Gründen zweifelhaft.

Heinz
 
Dobe Am: 12.05.2025 13:16:04 Gelesen: 126870# 993 @  
@ Heinz 7 [#991]

Lieber Heinz,

im Sassone 2025 wird die Toskana 3L unter Sassone 23 - ocra giallo (ockergelb) und Sassone 23a - ocra arancio (ocker-orange) geführt. Beide Farbtypen kann man sehr gut bei den von dir gezeigten Bildern der 3 Lire sehen.

Bewertet werden sie derzeit wie folgt:

in MH* - 550.000€
in SG (senza gomma, = ohne Gummierung) - 220.000€
gestempelt - 220.000€
auf Fragment - 440.000€
auf Brief - ohne Notierung - es gibt nur die beiden von dir gezeigten bekannten Briefe mit der 3 Lire).

Dein in [#989] gezeigter Brief ziert Seite 466 des Sassone 2025 und wird an erster Stelle der größten Raritäten der Toskana geführt. An Platz 5 ist bereits das von dir gezeigte Exemplar der ungebrauchten Lira Tre der Champion-Kollektion. Im Sassone 2026 wird vermutlich das jetzt zur Auktion gelangende Exemplar mit in der Liste geführt werden.

Die hohen Preise im Sassone spiegeln meiner Meinung nach nicht so sehr den Marktwert wieder (wobei es vereinzelt durchaus zu Verkäufen kommt, die dem Sassone-Preis zu 100% entsprechen), sondern dienen mE der Sicherung der Erlöse der italienischen Prüfer, welche ihre Gebühren nach dem Sassone ausrichten. Den realistischen Marktpreis für absolut außergewöhnliche Exemplare würde ich meinen Beobachtungen derzeit bei ca. 25% Sassone ansetzen, sonst eher 10%.

Liebe Grüße

Michael
 
Heinz 7 Am: 30.05.2025 00:43:35 Gelesen: 119535# 994 @  
Eine der teuerste Briefmarken Österreichs wurde gar nicht verausgabt: die 12 Kreuzer Marke der 1. Ausgabe von 1850. Sie wird katalogisiert bei Michel unter der Nummer I. nach der Nummer 5. Sie war im Senf 1913 noch nicht aufgeführt, und fand darum auch in der Studie von Schubert keinen Platz. Im grossen Katalog von Paul Kohl 1915 wurde sie zwar erwähnt (Seite 925), aber nicht bewertet.



Der Nennwert der blauen Marke wurde schliesslich auf 9 Kreuzer herabgesetzt und die gedruckten 12 Kreuzer Marken wurden vernichtet, bis auf wenige Stücke. Gemäss Auktionskatalog Feldman kennt man heute 8 Stück der 12 Kreuzer-Marke. Davon sind sieben entwertet: 5 mit dem Schreibstempel «Franco», 2 mit Federkreuz. Und ein einziges Exemplar ist bekannt ungebraucht. Dieses wurde nun bei David Feldman verkauft und brachte genau den Startpreis von CHF 100'000 (plus Aufgeld).

Euro 100'000 steht (bzw. stand) auch im Katalog «Michel 2010» für diese Marke, jedoch in der Spalte für gebraucht. Ungebraucht müsste der Wert dann höher sein.

Die Marke war in der Sammlung von Arthur Linz (siehe Auktionskatalog Mercury Stamp Company, New York 1961) und wurde danach m.W. nicht mehr gesehen.

Heinz
 
Martin de Matin Am: 30.05.2025 06:51:15 Gelesen: 119378# 995 @  
@ Heinz 7 [#994]

Kann man die Marke als wirklich ungebrauchte 12 Kreuzer bezeichnen, wenn eine hanschriftliche "9" die sich über der "12" befand, chemisch entfernt wurde?

Gruss
Martin
 
Heinz 7 Am: 30.05.2025 18:40:59 Gelesen: 119001# 996 @  
@ Martin de Matin [#995]

Ich will nicht sagen, was richtig ist und was nicht. Alle nicht regulär am Postschalter verkaufte Marken haben ein "Gschmäckle", auch viele der Abarten (Ungezähnte, Kopfstehende Aufdrucke (=Jenny Inverted!), Farbfehldrucke, u.a.m.).

Die 12 Kreuzer Marke könnte man wohl auch als Probedruck sehen. Die obige Marke, mit dem provisorisch neuen Wert "9" dann vielleicht als "weitere Probe-Vorlage"? (Unikat) - "Für Versuchszweck verwendete Makulatur" wäre wohl auch zutreffend, tönt aber nicht so nett.

Wichtig scheint mir, dass man genau weiss, wie die Marke zustande kam. Eine Fälschung ist es offenbar nicht, sondern ein Post-Produkt von dieser Zeit, 1850. Und obiges als eine ungebrauchte 12 Kreuzer Marke, unverausgabt, zu bezeichnen, halte ich für korrekt.

Grüsse
Heinz
 
drkohler Am: 30.05.2025 21:46:19 Gelesen: 118877# 997 @  
@ Heinz 7 [#996]

Alle nicht regulär am Postschalter verkaufte Marken haben ein "Gschmäckle", auch viele der Abarten Kopfstehende Aufdrucke (=Jenny Inverted!)

Der Bogen mit "der" Jenny wurde an einem regulären Postschalter in Washington DC verkauft an William T. Robey. Der hat den Bogen nicht mehr rausgerückt als die Post ihn zurück haben wollte. :-) Danach wurden 8-9 weitere Bögen im Bureau of Engraving and Printing gefunden und vernichtet.
 
10Parale Am: 31.05.2025 19:47:44 Gelesen: 118194# 998 @  
@ forum,

heute fand ich in einer WERTZEICHENSAMMLUNG PTT mit dem Titel Altschweiz eine Postkarte, die einen wohl sehr seltenen Brief zeigt.

Gibt es über diesen Brief mehr Wissen, als auf der Postkarte verzeichnet ist? Befindet er sich im Museum für Kommunikation in Bern?

Es handelt sich um den einzig bekannten Dreierstreifen der RAYON II mit Kreuzeinfassung von 1850, abgeschlagen am 21. Januar 1851 in Bern mit Zielort Martigny (Valais) - Distanz ca. 130 - 150 km.

Die Postkarte stammt vermutlich aus dem Jahr 1980.

Liebe Grüße

10Parale


 
drkohler Am: 31.05.2025 20:20:12 Gelesen: 118161# 999 @  
@ 10Parale [#998]

Honegger schreibt dazu:

Interessant ist ein Vergleich mit den geben Rayons mit voller Kreuzeinfassung. Dort kommen diese bei zwei Drucksteinen vor:

Stein A1:
13 lose Stücke, 1 Briefstück und 4 Briefe, Katalogpreise: lose = 220’000.–, Brief 440’000.–.

Stein A3:
18 lose Stücke, 2 Paare, 2 Briefe, dazu ein Brief mit Dreierstreifen im Museum in Bern.
Katalogpreise: lose = 170’000.–, Briefe 400’000.–


Also ist das Unikat tatsächlich in Bern zu suchen. Wobei für das Unikat wohl kein Preis angegeben werden kann, wird wohl nie im freien Markt auftauchen.
 
Heinz 7 Am: 01.06.2025 20:42:50 Gelesen: 117490# 1000 @  
Wir dürfen wohl feststellen, dass das Thema

"Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt"

viele Leser interessiert. Ich habe rund zwei Drittel aller Beiträge in diesem Thema geschrieben und versucht, einem "roten Faden" zu folgen und historische Vergleiche anzustellen; eine zentrale Grundlage dazu waren die grossartigen Studien von Haas 1905 und von Schubert 1912.

Wir haben so eine grosse Anzahl der Briefmarken der ganzen Welt kennen gelernt. Anbei eine Übersicht der Beiträge















Ich werde gerne versuchen noch vorhandene "Lücken" zu schliessen.

Zu gewissen Marken gab es seit 2009 recht viele Beiträge. Wenn es mehr als 10 Beiträge sind, werden die Beiträge ab nr. 11 im unteren Teil der Tabelle aufgelistet (Seit 7), Z.B. Fehldruck von Baden 4 F mit 24 Beiträgen: erste 10: siehe Seite 2; Beiträge 11-24: siehe Seite 7.

Ich danke den Leserinnen und Lesern, die sich mit positiven Beiträgen an dem spannenden Thema beteiligt haben oder auch einmal ein Lob zu geleisteten Beiträgen ausgesprochen haben.

Heinz
 
Dobe Am: 11.07.2025 16:58:17 Gelesen: 100265# 1001 @  
Liebe Frankreich-Freunde,

gibt es jemanden, der die doch recht spektakulären Ergebnisse der jüngsten Behr-Auktion einordnen kann? 10 Zuschläge zwischen 30.000-110.000€ (Auktion war ohne Auktionszuschlag). Das war doch recht außergewöhnlich. Dabei einige Briefe zwischen 60.000-80.000€. Die Beschreibungen bei Behr sind immer extrem knapp, so dass in dem Gebiet unkundige Bieter keinerlei Überblick erhalten können.

Neugierige Grüße

Michael
 
Koban Am: 11.07.2025 17:24:31 Gelesen: 100241# 1002 @  
@ Dobe [#1001]

hast Du entsprechende Links parat?

Gruß,
Koban
 
Martin de Matin Am: 11.07.2025 20:01:09 Gelesen: 100112# 1003 @  
@ Koban [#1002]

Hier der Link bei philasearch mit den Ergebnissen und Ausrufen von Behr mit Preisangabe ab 30.000 Euro.

https://www.philasearch.com/de/dosearch.php?treeparent=COGRP-16&set_sprache=de&postype=PH&euro_von=30000&euro_bis=300000

Gruss
Martin
 
Koban Am: 12.07.2025 02:03:30 Gelesen: 99845# 1004 @  
@ Martin de Matin [#1003]

Danke. Irgendwie komme ich mit der Suchfunktion bei Philasearch nicht klar.

@ Dobe [#1001]

Das wesentliche steht eigentlich in den Artikelbeschreibungen. Dennoch einige kurze Anmerkungen, jedoch nur zu den tatsächlich auch verkauften Losen.

Los 434, Zuschlag 81623.- €, Viertelung der Mi 31, mutmasslich in Ermangelung von Marken zu 20 Centimes. Halbierungen sind schon äusserst selten, Viertelungen sind große Raritäten.

Los 677, Zuschlag 40919.- €, Mi 53F in MiF mit Allegorienmarke. Ein fälschlich im Bogen mit der Wertstufe 10 Centimes montiertes Klischee der Wertstufe zu 15 Centimes (Feld 90). Der Fehler wurde beizeiten bemerkt und korrigiert.

Los 883, Zuschlag 37788.- €, Ballonbrief mit sehr seltener Destination Mexiko.

Los 1586, Zuschlag 34695.- €, Brief aus Noumea (Neukaledonien) mit seltener Frankatur u.a. der Portomarken Höchstwerte zu 2 und 5 Franc (Mi 22 und 23).

Los 821, Zuschlag 32113.- €, Ballonbrief mit Bezugnahme auf einen während der Belagerung (auf unbekannte Weise, Schmuggelbrief?) nach Paris gesandten Brief, welcher ebenfalls Bestandteil des Loses ist.

Gruß,
Koban
 
Heinz 7 Am: 01.08.2025 22:43:39 Gelesen: 91883# 1005 @  
@ Heinz 7 [#1000]

Ich habe in diesem Thema schon viele seltene Marken gezeigt; doch noch immer gibt es unentdeckte Schätze.

@ Dobe [#1001]
@ Koban [#1004]

Warum ein philatelistischer Brief hohe Preise erzielt, hat nicht nur damit zu tun, ob darauf eine berühmte oder wertvolle Briefmarke klebt, sondern kann viele Ursachen haben. Ich habe dazu ein neues Thema eröffnet: "Wertvolle Briefe mit gewöhnlichen Briefmarken und Ganzsachen". Es gibt in diesem Thema (siehe dort) viel zu schreiben und vorzustellen. Auch die Viertelung der Mi 31 von Frankreich würde perfekt zu diesem Thema passen; ja selbst ein neues Thema, nur mit Halbierungen/Drittelungen/Viertelung gäbe viel zu berichten.

Heute möchte ich aber ein Stück zeigen, das perfekt in "unser" ursprüngliches Thema passt, das Richard vor fast 15 Jahren eröffnet hat.

@ Richard [#1]

Auch in meiner Übersicht (Beitrag 1000) habe ich gezeigt, dass die Confederate States von America viele äusserst seltene Briefmarken hervorgebracht haben. Ein Unikat (!) sei heute hier vorgestellt:

die Scott no. 25XU1 zeigt das Provisorium von Franklin North Carolina auf einem Brief vom 21. Jaunar 1862, von Franklin nach Waynesville N.C. Man kennt auch heute nur dieses eine Stück!



Schon viele grosse Sammler hatten das Stück in ihren Sammlungen:
- Philipp von Ferrary, Verkauf 1922
- Alfred Caspary, Verkauf 1956
- Josiah K. Lilly, Verkauf 1967
- Auktion "Rarities of the world" bei Siegel, New York, 1970
- Edgar Kuphal, Verkauf 1980
- Erivan Haub, Verkauf 2023

Obwohl das Stück ein UINKAT ist, erreichte es nie die ganz hohen Preise wie seine Schwestern der CSA.

Bei Ferrary war der Zuschlag bei nur FF 2'600 (trotz grossem Foto auf Fototafel 19)
beim Verkauf Sammlung Caspary war der Zuschlag bei nur US$ 1'900
beim Verkauf Sammlung Lilly war der Zuschlag bei nur US$ 2'500 (1967)
bei Siegel war der Zuschlag bei nur US$ 4'250 (1970)

Edgar Mohrmann hatte dann aber genug Mumm, um den Brief auf der Titelseite anzupreisen und immerhin mit DM 50'000 auszupreisen (Startpreis). Den Zuschlagpreis kenne ich leider nicht.

Als das Stück 43 Jahre später bei H.R.Harmer New York wieder angeboten wurde, wurde es mit lächerlichen US$ 5'000 ins Rennen geschickt (Ausruf). Der Zuschlag war dann immerhin 8 x höher, aber US$ 40'000 sind - im Vergleich zu anderen CSA-Raritäten - immer noch wenig.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass ein guter Bekannter sich DIESE Gelegenheit nicht nehmen liess. Gratulation!

Für alle Freunde schöner Literatur anbei noch das Foto des Titelblattes der Mohrmann-Auktion.



Heinz
 
Heinz 7 Am: 03.08.2025 12:16:12 Gelesen: 91415# 1006 @  
@ Heinz 7 [#845]

Zur legendären schönsten Kanadierin habe ich mich ja bereits ausführlich geäussert (Beiträge 108, 402, 410, 845 bis 849) und es gilt meines Wissens dazu wenig zu ergänzen. Jedoch möchte ich das Vergnügen mit meinen geschätzten Leser*innen teilen, wenn mir gleich drei dieser Schönheiten begegnen.



Vor 60 Jahren kam in London die berühmte Sammlung von General Robert Gill zur Versteigerung. Der Mann hat vor allem mit seinen Einkäufen / Verkäufen von teuren Marken aus Belgien und Canada Geschichte geschrieben. Unter anderem konnte er auch eines der vier Paare der 12 Pence schwarz anbieten. Entsprechend begeistert war auch Auktionator Robson Lowe.

Los 6 hat er kess mit GB£ 20'000 taxiert (Valuation); musste dann aber den Hammer schon bei GB£ 11'000 fallen lassen. Übertroffen wurde aber seine Schätzung für das Einzelstück: Einen Zuschlag von GB£ 3'700 statt Schätzung £ 3'250 konnte er registrieren.

Im hinteren Teil des Kataloges ist eine Tabelle mit Währungsumrechnung. Demnach ergaben die GB£ 11'000 einen Betrag von CHF 132'000, oder DM 123'000. Es ist nun interessant zu sehen, dass drei Jahre später bei der Dale-Lichtenstein Auktion bei Harmers New York für das andere Paar (Los 56, siehe Beitrag 845) sogar US$ 39'000 bewilligt wurden, das waren, umgerechnet, immerhin

CHF 171'600 (Kurs 4.40)
DM 156'000 (Kurs 4.00)
GB£ 16'250 (Kurs 2.40; $ per £1).

Diese Preise galten vor 60 Jahren! Briefmarkenpreise und Währungen haben sich seither natürlich stark geändert, so sollten Vergleiche wenn möglich kaufkraftbereinigt / verzinst angestellt werden, wobei die Resultate unterschiedlich ausfallen können, je nach Standort der Betrachtung: London oder Bern/Zürich/Basel/Genf? -

Das ist gar nicht so einfach.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 23.08.2025 17:12:46 Gelesen: 82898# 1007 @  
@ Richard [#1]

Heute vor genau 16 Jahren hat Richard unser schönes Thema

"Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt"

neu eröffnet und dabei in Beitrag eins auf die «Penny Black» verwiesen, die erste Briefmarke der Welt, die 1840 erschien. Berühmt ist die Briefmarke natürlich, aber wirklich «sehr wertvoll» ist sie nur als «Spezialeinheit», wenn sie also etwas Besonderes auszeichnet. Gestempelt hatte die Marke bei Michel (2010) einen Katalogwert von Euro 200 (Michel no. 1b), ungebraucht aber doch immerhin Euro 3'800. Also Faktor 19 x höher. Im wichtigsten Katalog für Grossbritannien, dem Stanley Gibbons, hatte die Marke folgende Bewertungen (Katalog 2007):

SG no. 2 = used £ 275, unused £ 6'000, used on cover £ 475.

Übrigens: SG no. 1 und SG no. 3 sind auch «Penny blacks», aber andere Farben («Intense black» und «Grayish black»). Michel verwendete dafür die Katalogisierung 1a und 1c («tiefschwarz» und «grauschwarz»).



Interessant also: Vor 16 Jahren waren die Katalogpreise bei SG markant höher als bei Michel, denn damals lag das £ noch deutlich über dem Euro, und ein Brief wertete bei SG nicht einmal doppelt so hoch wie eine lose Marke. Gewöhnliche Briefe sind also nicht sehr wertvoll.

So richtig teuer wird die Marke dann, wenn sie in Einheiten vorhanden ist. In Beitrag 37+506, siehe [#37] habe ich die grösste ungebrauchte Einheit vorgestellt: ursprünglich ein Block von 24 Marken, später aber reduziert auf einen 18-er Block und einen Sechserstreifen. Diese zwei Stücke zusammen wurden 2007 verkauft für eine glatte Million US-$ plus Aufgeld 15 % = US$ 1'150'000.



Auch andere Einheiten (Neunerblock, Zwölferblock) wurden auf Philaseiten schon besprochen (siehe Beiträge 928, 929, 931).
 
Heinz 7 Am: 23.08.2025 17:32:58 Gelesen: 82871# 1008 @  
@ Heinz 7 [#1007]

Wir haben auch grosse Einheiten auf Briefen schon gesehen. Die meines Wissens grösste Blockeinheit ist ein 24er-Block auf Brief von einer ursprünglichen 28-Pence-Frankatur: siehe Thema:

"Wertvolle Briefe mit gewöhnlichen Briefmarken und Ganzsachen", Beitrag 28



Sehr teuer wurde auch die einmalige Buntfrankatur der Michel Nrn. 1+2+3 = One Penny Black + Two Pence blue + One Penny Brown-Red (1841) = Brief «Daisy» der auch einen Preis von respektablen US$ 375'000 erreichte (Beitrag 39).



Tolle Preise erzielen auch Ersttag-Verwendungen.

Einen schon «irren» Preissturm erlebte 1991 ein Vor-Ersttags- Brief vom 2. Mai 1840 (statt 6. Mai 1840). Vom Auktionator auf CHF 250'000 geschätzt, erzielte der Brief 1991 einen Preis von CHF 3'400'000, was damals ein Weltrekord war. Siehe [#615]. Meines Wissens wurde der Brief später aber zu ähnlich hohen Preiserwartungen nicht mehr verkauft; meines Erachtens aus verständlichen Gründen.



Mein Lieblingsstück der One Penny Marke möchte ich heute, zum «16. Geburtstag unseres Themas», gerne erstmals vorstellen: ein sensationeller Zehnerblock der Penny Black mit Ersttag-Verwendung! Er ist auch optisch wunderschön!



Dieses Stück brachte sogar die Queen Elizabeth dazu, einen Kaufauftrag zu platzieren! (Wir wissen: eigentlich erbte die Queen 1952 die phantastische königliche Sammlung «British Commonwealth» ihres Grossvaters George V. und Vaters George VI.; und die Sammlung erfuhr nur noch wenig Änderungen. 1998 kam es dann zum grossen Ereignis, als Stanley Gibbons den Zehnerblock-Ersttag-Brief anbieten durfte. Die wichtigen Sammler wussten alle, dass die Queen den Brief kaufen wollte, und natürlich war man grosszügig und überliess ihr den Brief zum Startpreis von damals GB£ 220'000 (+15 % = GB£ 253'000). So kam dieser wunderbare Brief Ende des 20. Jahrhunderts in die königliche Sammlung der Queen.

Um sich diesen Ausbau der Sammlung leisten zu können trennte sich die Queen von einigen Raritäten ihrer Sammlung. Dabei wurden aber auch Stücke aus der Sammlung verkauft, die KEINE Dubletten waren (wie angekündigt), sondern Glanzstücke aus der Sammlung. Ich hätte einzelne Lose damals NIE zum Verkauf zugelassen! Aber das ist eine andere Geschichte; man hat mich damals auch nicht beauftragt, das zu überwachen… leider. So finden wir heute nicht mehr alle Stücke in der königlichen Sammlung, die Sir John Wilson im monumentalen Buch vorgestellt hatte.


 
philamaxi Am: 24.08.2025 11:05:46 Gelesen: 82546# 1009 @  
Danke Heinz für die hübsche Story zum weltersten FDC mit Zehnerblock der "Penny Black" !
 
Heinz 7 Am: 01.09.2025 16:57:43 Gelesen: 79858# 1010 @  
@ Heinz 7 [#615]
@ Heinz 7 [#1008]

Den unglaublich teuer verkauften Brief "Vor-Ersttag" (2. Mai 1840) haben wir bereits besprochen.

Es gibt aber einen noch älteren Brief!

Am 17. Februar 1999 konnte der weltbekannte Auktionator David Feldman das beiliegende Los anbieten:



Das Los zeigt einen ganzen Briefbogen mit einem Stempel 1. May 1840. Auf dem Briefbogen klebt eine Penny Black mit einem roten Malteser-Kreuz-Stempel. Der Brief wurde in London geschrieben und wurde adressiert an eine Mrs. Andrew Smith, Mauchlin, Ayrshire (Nord-Britannien).

Die 1 Penny-Marke wurde nicht akzeptiert als Vorauszahlung, sondern der Brief wurde belastet mit zwei Pence (siehe Tinten-Notiz). 1 d war das Porto, und dazu wurde 1 d Strafe berechnet. Gemäss Attest Holcombe 1992 wurde die Marke "almost certainly" mit einem Malteser-Kreuz- Stempel von Glasgow entwertet.

Die Briefmarke kam erst am 6.5.1840 offiziell in Gebrauch.

Der Brief wurde 1999 verkauft für CHF 500'000 + 15 % Zuschlag. Er hatte einen Schätzpreis von CHF 400'000 - 800'000 (damals ca. Equivalent GB£ 170'000 - GB£ 340'000).

Gemäss Vorwort wurde dieser Brief 1978 entdeckt und 1999 zum ersten Mal zum öffentlichen Verkauf angeboten. Es sei der einzig bekannte Brief mit solcher Verwendung 1. Mai.

Heinz
 
10Parale Am: 13.09.2025 12:43:56 Gelesen: 74597# 1011 @  
@ Heinz 7 [#1010]

Ein Hammerbrief, von dem ich bislang keine Kenntnis hatte. Vielen Dank für das Zeigen.

Was immer schön ist, wenn man von außerhalb Bestätigungen dafür bekommt, was man selbst ahnt und weiß. Auf diesem Palmin Sammelbild (Entstehungs-Jahr 1903 - 1915) wird Rumäniens Nr. 1, die 27 Parale Marke, als eine der 6 teuersten Briefmarken der Welt gekürt. Wie schön!

Heinz 7 wird es besonders freuen und ich denke, er kann uns bestimmt sagen, wann das Bild entstand, denn es wird sogar ein damals aktueller Katalogwert angegeben.

Liebe Grüße

10Parale


 

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