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Thema: Belege aus der eigenen Familiengeschichte
Das Thema hat 256 Beiträge:
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chuck193 Am: 06.10.2011 00:47:53 Gelesen: 198824# 7 @  
@ [#5]
@ volkimal [#6]

Hi Volkmar,

da hast Du ja schöne Belege zu Deiner Familie, die geht ja weit zurück, ich bin froh, wenn ich auf das ende 1600 komme. Mein Grossvater war Hofmeier der Familie Post in Bremen. Die Familie meiner Frau geht zwar bis Erik, King of Sweden zurück.

Ich hatte schon eine Antwort vor einer halben Stunde geschrieben, aber dann ging alles schief, und ich musste meinen PC neu starten. Hoffentlich geht es dieses mal.

Schöne Grüsse aus Canada,
Chuck
 
volkimal Am: 07.10.2011 17:18:58 Gelesen: 198756# 8 @  
@ chuck193 [#7]

Hallo Chuck,

wenn Deine Ahnentafel bis Ende 1600 reicht, so ist das auch schon ganz gut. Es ist immer schwer, die Vorfahren in die Zeit vor 1648 d.h. in der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg zu finden. Es sind einfach zu viele Kirchenbücher zerstört worden.

Wenn Deine Frau auf die Familie von Erik XIV zurückgeht, so gibt es zumindest zu diesem König eine Briefmarke.

Wie verbindest Du eigentlich die Familiengeschichte und die Philatelie? Stellst Du es als Sammlung zusammen?

Ich selbst habe schon einige Teile als Ausstellungssammlung zusammengestellt - allerdings immer für die offene Klasse, da ich nicht bereit bin mich der Ausstellungsordnung zu unterwerfen. Für den Wettbewerb habe ich viel zu viel Text in der Sammlung, außerdem zeige ich auch noch Fotos, Ansichtskarten, Urkunden usw., die ich sonst nicht ausstellen dürfte. Neben der Sammlung drucke und scanne ich die Belege ein und drucke sie wie in der Sammlung zusammen mit den Taxten aus. So kann ich die "Sammlung" jederzeit mitnehmen. In den Heften der Poststempelgilde habe ich schon einige Teile meiner Familiengeschichte veröffentlicht.



Bei meiner ersten Antwort habe ich den Brief an meinen Ur-ur-ur-großvater gezeigt. Zu der darauffolgenden Generation gehören väterlicherseits acht Ur-ur-Großeltern. Von diesen kann ich immerhin sieben philatelistisch belegen. Ein Beispiel:

Wie man der Anschrift des Briefes "Frau Pastor Hecker geborene Leps" entnehmen kann, geht dieser Brief an die Tochter des Domainen Rentmeisters Leps, also an meine Ur-ur-Großmutter Clara Hecker. Wenn man das Datum des Poststempels, den 3.2.1906 beachtet, so finde ich es doch schon recht erstaunlich, dass die Absenderin noch den Zusatz "geborene Leps" dazugeschrieben hat. Als meine Ur-ur-Großmutter den Brief erhalten hat, war sie schon 83 Jahre alt und sie ist etwa eineinhalb Monate nach Erhalt des Briefes gestorben.

Viele Grüße nach Kanada
Volkmar
 
volkimal Am: 24.03.2013 10:58:55 Gelesen: 197049# 9 @  
Hallo zusammen,

es ist schon lange her, dass ich etwas zu diesem Thema geschrieben habe. Dennoch, die Sammlung mit der ich mich am meisten beschäftige, ist meine Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie".

Im letzten Beitrag [#8] schrieb ich: Bei meiner ersten Antwort habe ich den Brief an meinen Ur-ur-ur-Großvater gezeigt. Zu der darauffolgenden Generation gehören väterlicherseits acht Ur-ur-Großeltern. Von diesen kann ich immerhin sieben philatelistisch belegen. .



Wie man an meinem philatelistischen Stammbaum sehen kann, ist das inzwischen nicht mehr richtig. Jetzt kann ich alle 8 Ur-ur-Großeltern väterlicherseits belegen. Zum 92-ten Geburtstag meines Vaters, von dem ich das Hobby Philatelie "geerbt" habe, stelle ich gerade ein Heft über das Leben meines Großvaters zusammen. Dabei habe ich eine Karte gefunden, auf der die letzte fehlende 8-te Ur-ur-Großmutter Grüße bestellen lässt.



Diese Karte war schon immer in der Sammlung. Der Zusammenhang zu Ururgroßmutter Emilie Werdermann geb. Bischoff war mir bisher nicht aufgefallen, da die Karte weder an sie selbst ging, noch von ihr geschrieben ist. Ich hatte sie aber noch nicht durchgelesen. Die Grüße von Ururgroßmutter stehen oben links (über Kopf zu lesen).



Als Ergänzung der einzige Brief an ihren Mann, meinen Ur-ur-Großvater, den Bauern Herrn Gottfried Werdermann in Menz vom 29. Oktober 1890. Der Brief kommt vom königlichen Amtsgericht in Gransee und es geht darin um die Übertragung eines Grundstücks in Zernikow von meinem Ur-ur-Großvater an den Urgroßvater. Auf der Rückseite ist der Ankunftsstempel aus Menz vom 30. Oktober 1890.

Viele Grüße
Volkmar
 
ralfi Am: 25.03.2013 09:50:21 Gelesen: 197001# 10 @  
@ volkimal [#9]

Hallo Volkmar, hallo alle anderen Sammler, die Beiträge zu diesem Thema eingestellt haben.

Ich stelle dann auch noch mal die Dorfkirche Bochum-Stiepel vor (Michel Nr. 2646), die ich schon in anderem Zusammenhang (Druckabweichungen Felder 2 und 5) eingestellt hatte: Dass Dein Familienname auf einer Marke erscheint, passiert ja auch nicht so häufig.

Viele Grüße
(Ralf) Stiepel



 
rostigeschiene Am: 25.03.2013 11:04:10 Gelesen: 196990# 11 @  
@ ralfi [#10]

Herzlichen Glückwunsch zur eigenen Dorfkirche.

Werner aus Bochum,
gleich neben der Dorfkirche
 
volkimal Am: 29.03.2013 11:01:24 Gelesen: 196926# 12 @  
Hallo zusammen,

heute möchte ich die Vorstellungsrunde meiner Ur-ur-Großeltern mit Hermann Hecker und seiner Frau Clara Hecker (geb. Leps) fortsetzen. Von ihrem Vater Andreas Leps (mein Ur-ur-ur-Großvater) habe ich im Beitrag [#3] berichtet. Einen Brief an Ur-ur-Großmutter habe ich schon im Beitrag [#8] gezeigt.



Mein Ur-ur-Großvater, Hermann Hecker war Pastor in Schmarsow bei Hohenmocker (Pommern). Hier eine Karte an ihn aus dem Jahre 1875. Meine Urgroßmutter Hedwig Hecker d.h. also die Tochter von Hermann Hecker und Clara Leps hat in Ihren Lebenserinnerungen eine interessante Geschichte zu dem Pfarrhaus in Schmarsow und zu dem politischen Schriftsteller und Dichter Ernst Moritz Arndt erwähnt.

Von meinen Vorfahren lebte damals allerdings keiner in Schmarsow. Ich zitiere:
Auf der Flucht vor den Franzosen war Ernst Moritz Arndt im Pfarrhaus verborgen und in einer Heufuhre von dem ahnungslosen Knecht bei Demmin über die Grenze gebracht worden. Franzosen, die ihnen begegneten, stachen in das Heu ohne ihn zu treffen.

Ein kleiner Teil im Norden Pommerns im Bereich der Insel Rügen gehörte damals zu Schweden. Ernst Moritz Arndt gelang auf diese Weise die Flucht nach Schweden, wo er sich mehrere Jahre aufhielt, bis er schließlich 1810 nach Deutschland zurückkehrte.



Diese Postkarte schrieb Ur-ur-Großvater Hermann Hecker aus Schmarsow an seine Frau, als diese gerade bei der jüngsten Schwester von Hermann Hecker zu Besuch war. Da Schmarsow kein eigenes Postamt hatte wurde die Post in Hohenmocker aufgegeben. 1890 starb Hermann Hecker im Hause seines Schwiegersohnes Pastor Paul Markgraf in Verchen. Das Foto zeigt Ur-ur-Großmutter Clara Hecker am Grab ihres Mannes neben der Kirche in Verchen. Links stehen ihre Tochter Klara und deren Mann Pastor Markgraf.

Normal gehören solche Fotos nicht ins Forum, aber ich baue in meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie" immer wieder Fotos und Urkunden ein. Darum auch hier einmal ein Foto. Außerdem gibt es zu diesem Grab noch eine Geschichte, auf die ich das nächste mal eingehen möchte.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 31.03.2013 10:46:27 Gelesen: 196893# 13 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter mit Verchen. Im Sommerurlaub 1996 übernachtete ich mit der Familie in der Jugendherberge in Demmin. Zum Baden sind wir von dort aus zum Kummerower See gefahren und kamen durch Zufall nach Verchen. Ich wollte mir die Kirche ansehen und traf dabei Herrn T, der die Kirche eigentlich abschließen wollte. Herr T führte mich durch die Kirche. Im Gespräch stellte sich dabei heraus, dass er Verwandte in Selm (meinem Geburtsort) bzw. Olfen (meinem Wohnort) hatte und dass er den Onkel meiner Frau kannte. Dieser arbeitete als Priester in der katholischen Diaspora in Raden, 40 km von Verchen entfernt.

Zu meiner großen Überraschung führte mich Herr T. zum Schluss an die Gräber meiner Ur-ur-Großeltern und von Paul Markgraf, die immer noch erhalten sind. Diese Entdeckung teilte ich meinen Eltern auf dieser Ansichtskarte mit. Wie ich schreibe sind die Gräber unter dem kleinen Lebensbaum (x).



Die Marke sollte natürlich mit den Stempel aus Verchen entwertet werden. Es war das erste Mal, dass ich eine Poststelle in einem Supermarkt sah. Die Bedienstete fragte mich, ob sie „den anderen“ Stempel auch auf der Karte abschlagen soll, womit ich natürlich einverstanden war. Ich wusste damals noch nicht, was das für ein Rechteckstempel war. So kam der interne Stempel mit der Rechnungsnummer der Postagentur auf die Karte.



Zu Hause war die Überraschung dann noch größer. In meiner Sammlung fand ich mehrere schön frankierte und verzierte Briefe von Herr T. Er hatte sie in den 80 Jahren an den Selmer Pastor Herrn Sanß geschickt. Herr Sanß hatte uns die Briefe weitergegeben, da damals noch die Briefmarken-Jugendgruppe in Selm aktiv war.

Ich wünsche schöne Ostern aus dem leicht verschneiten Münsterland (und das Ende März!)

Volkmar
 
volkimal Am: 05.04.2013 15:01:37 Gelesen: 196848# 14 @  
Hallo zusammen,

die nächsten Ur-ur-Großeltern in der philatelistischen Ahnentafel [#9] sind meine Ur-ur-Großeltern Louis Hentschel (1833 – 1902) und Anna Hentschel geb. Petermann (1838 – 1914). Sie lebten in Muskau an der Neiße und hatten insgesamt 7 Kinder. Das dritte Kind war mein Urgroßvater Oswald Hentschel.

Im Jahre 1900 lebten meine Großmutter Ilse Hentschel und ihre Schwester Cläre für etwa ein Jahr bei ihren Großeltern in Muskau. Ihr Vater arbeitete in dieser Zeit in Spanien. Von dort aus schickte er die obere Karte an seine Töchter nach Muskau. Als Adresse ist mein Ur-ur-Großvater, der Kaufmann L. (Louis) Hentschel angegeben.



Mein Ur-ur-Großvater Louis Hentschel gründete 1860 zusammen mit seinen Brüdern Theodor und Oswald in Muskau ein Geschäft unter dem Namen „Gebrüder Hentschel“. Wie Großmutter Ilse Hentschel schreibt, war es in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Muskau wohl das bestgehende und größte Geschäft und versorgte die ganze Umgebung mit. Die Fotoansichtskarte zeigt eines der später vorhandenen drei Geschäfte.



Inzwischen konnte ich diesen Firmenbrief für meine Sammlung erwerben. Nach dem Tod der drei Geschäftsgründer, die alle ziemlich schnell hintereinander etwa im Jahre 1902 starben, führten Oswald Hentschel (II) und Ludwig Borngräber die Geschäfte weiter. Der Firmenbrief stammt aus dieser Zeit.

Oswald Hentschel (II) war ebenfalls ein eifriger Sammler, seine Sammlung ist aber leider am Ende des Krieges verbrannt. Vermutlich hat er diesen Brief mit einem Zusammendruck, einer Marke vom Unterrand und einem 7-er Streifen Germania frankiert. Mit 91 Pfennig ist er um 1 Pfennig überfrankiert. Auf der Rückseite ist eine interessante Vignette aufgeklebt.



Diese Karte schrieb meine Ur-ur-Großmutter Anna Hentschel geb. Petermann an ihre Enkeltöchter. Die Anschrift lautet:

"Ilse und Clara Hentschel in dem Pangschonat von Fräulein Schulz Gramzow in der Uckermarg"

Mit der Rechtschreibung hatte meine Ur-ur-Großmutter offensichtlich Schwierigkeiten. Man beachte die Schreibweise der Worte "Pensionat" und "Uckermark".

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 12.04.2013 16:42:03 Gelesen: 196772# 15 @  
Hallo zusammen,

von den Ur-ur-Großeltern fehlen in der Vorstellungsrunde nur noch Friedrich Wilhelm Quinckardt und seine Frau Elise geb. Lehmann. Ich möchte mit Friedrich Wilhelm Quinckardt beginnen.



Ur-ur-Großvater Friedrich Wilhelm Quinckardt wurde 1842 in Magdeburg geboren. Nach dem Besuch der Handels-Akademie in Gera war er als Handlungsreisender in Magdeburg tätig. 1867 gründete er zusammen mit seinen Bekannten Carl Köhler in Berlin eine Chemikalien-Engros-Handlung. Das Unternehmen vergrößerte sich zusehends und gewann überall einen guten Ruf. Der Krieg 1870/71 schadete dem Geschäft und sein Partner schied 1872 aus der Firma aus. 1875 verkaufte Friedrich Wilhelm Quinckardt aus gesundheitlichen Gründen die Firma und blieb nur stiller Teilhaber.

Aus demselben Grund zog er 1880 nach Charlottenburg in die Berliner Straße 41, an die auch diese Karte geschickt ist. Sein erstes eigenes Haus baute er 1884 in der Bismarckstraße. 1893 ließ er sich am Stuttgarter Platz in Charlottenburg ein herrschaftliches Wohn- und Geschäftshaus bauen. Dort lebte er bis zu seinem Tode im April 1904.



Von Fotoansichtskarte des Hauses habe ich leider nur dieses ungebrauchte Exemplar. Vor einigen Jahren gab ich einmal den Namen meines Urgroßvaters ins Internet ein. Ihr könnt Euch vorstellen, wie erstaunt ich war, einen ca. 30-seitigen Bericht über das Haus von Ururgroßvater und das Nachbarhaus zu finden. Daraus stammen die folgenden Zeilen:

1893 ließ F.W. Quinckardt durch den Bauunternehmer Otto Emil Alfred Schrobsdorff am Stuttgarter Platz 16 in Charlottenburg ein herrschaftlichen Wohn- und Geschäftshaus errichten. Zusammen mit dem Nachbarhaus bildete es eine imposante Doppelanlage. Die Wohnungszuschnitte und -größen des Vorderhauses entsprechen denen des Hauses Stuttgarter Platz 15, sind aber wie das gesamte Haus spiegelverkehrt angelegt. Friedrich Wilhelm Quinckardt wünschte für sein Haus ein höheres Dach als das des Nachbarhauses vom Baukönig Schrobsdorff, zwei hohe, getreppte Spitzgiebel sowie auf dem hohen Dach noch einen spitzen Turm.

Nach dem 2. Weltkrieg wird das Haus Stuttgarter Platz 16 bei der Behörde als "mittelschwer" zerstört registriert. Im Zuge des neuen Denkmalschutzgesetzes wird das Vestibül des Hauses im April 1995 auf die Liste der Baudenkmäler in Berlin gesetzt. Rechts ist das Haus im Jahre 2008 zu sehen.



Der Stuttgarter Platz war eine begehrte Wohnlage, standen die Häuser doch genau gegenüber dem Bahnhof, auf dem die kaiserliche Familie auf dem Weg zum und vom Schloss Charlottenburg Station machte. Der Pfeil deutet auf das Haus von Ur-ur-Großvater. Die vornehme Wohnlage hat sich inzwischen gründlich verändert. In vielen Städten, so auch in Charlottenburg, ist das Bahnhofsviertel zur Erotikmeile geworden. Wie in fast jedem Haus befindet sich im Haus Stuttgarter Platz 16 inzwischen unten rechts ein Nightclub. Die rechte Karte hat Urgroßvater Oswald Hentschel (der Schwiegersohn von F.W. Quinckardt) an seine Tochter geschickt. Sie besuchte gerade ihren Großvater F.W. Quinckardt in Berlin.



Die Berliner Privatpost und Spedition A.G. (Berlin G) nahm am 1. Oktober 1895 ihre Arbeit auf. Im Tarifheft von 1896 entdeckte ich, dass sich im Haus „Stuttgarter Platz 16“ eine Annahmestelle dieser Privatpostanstalt befand. Im Juni 1987 wurde die Berliner Privatpost und Spedition A.G. von der Packetfahrt (Berlin B) übernommen. Die Marken und Ganzsachen der Privatpost konnten aber ausnahmslos und zeitlich unbegrenzt weiter verwendet werden.

Soweit für heute. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende
Volkmar
 
volkimal Am: 19.04.2013 16:36:31 Gelesen: 196686# 16 @  
Hallo zusammen,

1870 war die Hochzeit von Friedrich Wilhelm Quinckardt und Elise Lehmann. Sie hatten zusammen sieben Kinder. Hier zwei Karten an meine Ur-ur-Großmutter Elise Quinckardt:



Bei einem Aufenthalt in Italien erreichte Ur-ur-Großmutter die Karte aus Hameln von ihrem Schwiegersohn Richard Busacker. Besonders gut gefällt mir aber die folgende Karte:



Eines der Kinder meiner Ur-ur-Großeltern war 1925 auf der Britischen Empire Ausstellung in Wembley. Von dort schickte es diese Sonderpostkarte an Elise Quinckardt. Die Karte trägt den Sonderstempel der Empire Ausstellung. Leider fehlt die Angabe des Vornamens. So weiß ich nicht, wer die Karte geschrieben hat.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 21.04.2013 11:08:34 Gelesen: 196636# 17 @  
Hallo zusammen,

ich bin selbst immer wieder erstaunt, was unserer Familie alles aufgehoben wurde. Aber es ist gut so, denn nur dadurch konnte ich meine Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie" aufbauen. Zu einer interessanten Erbschaftsgeschichte gehört die Karte an den Rentier Friedrich Wilhelm Quinckardt, Stuttgarter Platz, vormals Bismarckstraße. Absenderin ist Dora Wollschläger, die Cousine von F.W. Quinckardt.



Für alle, die die Schrift nicht lesen können die Übersetzung:

Lieber Coseng (= Cousin), bitte Dich herzlich mir umgehend Bescheid zu schreiben, wie wir mit Euen in Brandenburg verwandt sind, da Bruder und Schwester gestorben sind und ein Aufruf in der Bürger-Zeitung stand und alle Abkömmlinge erbberechtigt sind.
Lieber Coseng kannst du mir vielleicht mitteilen, wo unsere Großeltern geboren sind und was war ihr Beruf? Vielleicht kannst du mir darüber nähere Auskunft geben.
Adress. Frau Dora Wollschläger, geborene Quinckardt in Burg bei Magdeburg.




Die entsprechende Anzeige ist ebenfalls noch erhalten geblieben. Die Großeltern der verstorbenen Auguste Kuhlmay waren die Urgroßeltern von Friedrich Wilhelm Quinckardt. Bei der Erbschaft ging es um den damals immensen Betrag von 80.000 Mark. Die Schwester von F.W. Quinckardt hatte einen Juden geheiratet. Daraufhin war der Kontakt zur Familie abgebrochen.

F.W. Quinckardt hatte durch sie fünf bis dahin nicht bekannte Nichten und Neffen, von denen drei noch lebten. Zusätzlich meldeten sich überraschenderweise noch mehrere bisher unbekannte Verwandte aus Hamburg. Dadurch erbte F.W. Quinckardt am Ende anstelle der vom Gerichtssekretär in Aussicht gestellten 10.000 Mark „nur“ 3.333 Mark. Zu dieser Korrespondenz gehört auch noch diese „Testamentssache“ vom Sanatorium in Brandenburg die fast zeitgleich mit der Postkarte ankam. Als Drucksache ist sie mit 3 Pfg. frankiert.

Obwohl die Urgroßeltern 7 Kinder hatten gibt es den Namen Quinckardt bzw. Quinckhardt kaum noch. Im Telefonverzeichnis findet man diese Namen insgesamt nur noch 11-mal - vorwiegend im Bereich Hamburg bzw. Bremen.

Viele Grüße und einen schönen Sonntag.
Volkmar
 
volkimal Am: 01.05.2013 08:53:27 Gelesen: 196537# 18 @  
Hallo zusammen,

ich mache weiter mit der Familie Quinckardt:



Die Karte mit dem Stempel „Deutsche Seepost, Ostafrikanische Hauptlinie“ fand ich zufällig beim Durchblättern eines Auktionskataloges. Sie geht an Margarete Quinckardt, eine Tochter meiner Ururgroßeltern. Sie war das fünfte von sieben Kindern. Da ich immer nach Hentschel-Briefen suche, achte ich bei den Abbildungen von Belegen der Deutschen Kolonien immer auf die Anschriften. Der Name Quinckardt und die Adresse Stuttgarter Platz 16 fielen mir sofort ins Auge.

Die untere Karte schrieb Kurt Busacker im Alter von 12 Jahren an seine Tante. Er bedankt sich für den Kuchen, den Margarete Quinckardt zu Ostern geschickt hatte.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 04.05.2013 09:29:31 Gelesen: 196452# 19 @  
Hallo zusammen,

ich komme nun zum "schwarzen Schaf" unter den Sammlern in meiner Familie. Im "Großen Lexikon der Philatelie" von Ullrich Häger fand ich durch Zufall unter dem Stichwort "Deutsch-Neuguinea" folgenden Text:

Vorsicht ist geboten vor Briefen mit der Anschrift Hentschel in Muskau/Oberlausitz; dieser Markenhändler fabrizierte Briefe mit längst ungültig gewordenen Reichs-postmarken der Ausgaben 1875 und 1880, die vom Postamt Stephansort noch 1902 abgestempelt und weitergeleitet wurden.

Ich wurde natürlich hellhörig, denn wie ich im Beitrag [#14] schrieb, stammten einige meiner Vorfahren aus Bad Muskau. Im Lexikon war leider der Vorname von Herrn Hentschel nicht angegeben. Ich wandte mich also an den Bundesprüfer Herrn Bothe und erfuhr von ihm, dass es sich um Theodor Hentschel handelte. Erst war also der Bruder von Ur-ur-Großvater. Herr Bothe schickte mir auch noch diese Abbildung und schrieb dazu:



Anbei eine Fotokopie eines Hentschel-Briefes. Hier hat Hentschel Marken der Marschall-Inseln auf Deutsch-Neuguinea außerhalb der Postgültigkeit noch im April 1902 abgestempelt bekommen, sie waren aber nur bis zum September 1901 gültig. Dieser Brief ist ordnungsgemäß zugestellt worden aber natürlich als "Mache" wertlos. Wie es Hentschel geschafft hat seine Manipulationen durchzubekommen ist mir rätselhaft. Vielleicht hat eine Kiste Zigarren oder gute Beziehungen nachgeholfen. Ich weiß es nicht.

Hentschel in Muskau hat in großen Mengen "Machwerke" anfertigen lassen. Insbesondere hat er in unzähligen Mengen Briefe mit 2-Pfg.-Marken sich zuadressieren lassen. Er hat sich damals ein großes Geschäft davon versprochen, doch - wie so oft in der Spekulation - ging dieses Geschäft nicht auf und die vielen 2-Pfg.-Stücke werden als "gemacht" immer "schief" angesehen.


Obwohl ich immer darauf achte, habe ich bisher keinen Brief mit ungültigen Marken zu einem annehmbaren Preis gefunden. Hentschel-Briefe finde ich aber immer wieder, da ich bei Kolonialbelegen immer auf die Anschrift achte. Hierzu zwei Beispiele:



Die linke Karte war mein erster Hentschel-Beleg. Ich fand die Karte bei einem Tauschtag in Münster. Rechts eine der vielen typischen 2-Pfg.-Frankaturen, in diesem Fall von der deutschen Post in China.

Ein "Abfallprodukt" bei der Suche nach Hentschel-Belegen war die Karte an Margarethe Quinckardt, die ich im letzten Beitrag vorgestellt habe.

Soviel für heute
Volkmar
 
volkimal Am: 09.05.2013 07:32:46 Gelesen: 196395# 20 @  
Hallo zusammen,

heute möchte ich das "schwarze Schaf" Theodor Hentschel zunächst einmal persönlich vorstellen. Na, sieht er für Philatelisten nicht gefährlich aus?



Inzwischen besitze ich auch einige Hentschel-Belege aus Deutsch-Neuguinea. Einer der berüchtigten Briefe mit ungültigen Marken ist (wie schon gesagt) allerdings nicht dabei.



Die 2 Pfg.-Ortspostkarte wurde mit einer 3 Pfg.-Germania als Zusatzfrankatur am 2.9.1901 in Matupi abgestempelt. Entsprechend des Ankunftsstempels hat die Post aus Deutsch-Neuguinea ca. 7 Wochen für den Transport nach Deutschland gebraucht. Ab dem 1.5.1899 galten in den Schutzgebieten deutsche Inlandsgebühren. Die Karte ist also portogerecht. Die rechte Karte aus Herbertshöhe ist mit 3 x 2 Pfg. um 1 Pfg. (20%) überfrankiert.



Im dritten Fall verwendete Theodor Hentschel eine 5 Pfg. Germania-Karte des Deutschen Reiches. Er ließ sie sich aus Berlinhafen zuschicken. Evtl. geht diese Karte an Theodor Hentschel Junior, den Sohn von Theodor Hentschel. Aus den erhaltenen Unterlagen geht hervor, dass alle drei Brüder (siehe [#14]) ziemlich kurz hintereinander ca. 1902 gestorben sind. "Theodor Hentschel Junior" hat auf jeden Fall auch gesammelt, denn ich fand seinen Namen im Mitgliederverzeichnis des Verbandes der Abstempelungs-Sammler aus dem Jahre 1907. Außerdem habe ich eine Karte aus dem Jahre 1903 mit der Anschrift "Theodor Hentschel Jun." gesehen.

Demnächst geht es weiter
Volkmar
 
axelotto Am: 09.05.2013 09:01:17 Gelesen: 196386# 21 @  
@ volkimal [#4]

Mit der Zeitangabe liegst Du fast richtig. Der Berlinstempel ist bekannt vom 26.1.1839-6.5.1874. Also ist der Brief aus der Zeit von 1839-1842.

Gruß Axel
 
volkimal Am: 09.05.2013 09:14:44 Gelesen: 196383# 22 @  
@ axelotto [#21]

Hallo Axel,

entschuldige, wenn ich widerspreche. Vielleicht habe ich mich unklar ausgedruckt, aber diese Art des Papiers gibt es erst seit 1842 d.h. nicht vor 1842 (Aussage eines Preußen-Spezialisten). Dennoch vielen Dank für Deine Mühe.

Aber eigentlich ist das Alter ganz egal - ich finde es toll, einen so alten Beleg meines Ur-ur-ur-Großvaters in der Sammlung zu haben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 16.05.2013 18:29:10 Gelesen: 196307# 23 @  
Hallo zusammen,

nach dem kleinen Ratespiel bei den aptierten Stempeln komme ich zu meiner wichtigsten Sammlung zurück - zur "Familiengeschichte und Philatelie". Es geht weiter mit Theodor Hentschel und den Kolonial-Belegen.



Die Karte aus Tanga ist der einzige Hentschel-Beleg, den ich bisher aus Deutsch-Ostafrika gesehen habe. Diesmal wurden neben den Marken des Deutschen Reiches eine Bayrische 3 Pfg. Marke und eine Marke aus Deutsch-Ostafrika zu 2 Pesa verwendet. Deutsch-Ostafrika war 1901 die einzige Kolonie, in der nicht Mark und Pfennig eingeführt waren.

Die zweite Karte kommt aus Yap, der damaligen Hauptinsel der Inselgruppe der Karolinen im Pazifischen Ozean. Diesmal wurde neben der eingedruckten Marke eine 3 Pfg. Germania-Marke aufgeklebt. Wenn man die Anschriften der beiden Karten vergleicht, so erkennt man, dass sie dieselbe Handschrift tragen.



Der linke Brief kommt ebenfalls Deutsch-Südwestafrika. Bei dem 10 Pfg.-Ganzsachen-Umschlag (Adler) wurden zusätzlich eine 10 Pfg.-Germania und die 10 Pfg. Aufdruck-Ausgabe aus Deutsch-Südwestafrika aufgeklebt. Der Brief ist als Einschreiben frankiert, er wurde aber am 2.4.1901 in Grootfontein als gewöhnlicher Brief aufgegeben. Im April 1901 waren die Aufdruck-Ausgaben noch gültig.

Der rechte Brief wurde in Kamerun aufgegeben. Dort habe ich bisher nur zwei Briefe registriert, die beide aus Kribi kamen. Diesen Brief hat ein Bekannter von mir in meinem Auftrag ersteigert, denn als der Brief bei Ebay verkauft wurde, war ich gerade in Kamerun und besuchte dort unter anderem auch Kribi.

Insgesamt habe ich bis auf die Marschall-Inseln und Samoa aus allen Deutschen Kolonien Hentschel-Belege gefunden. Die Marken der Marschall-Inseln wurden allerdings auf Briefen aus Deutsch-Neuguinea verwendet. Leider konnte ich mir aufgrund der Preise (bis zu 5000,-€) nicht alle Belege leisten.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 25.05.2013 07:42:49 Gelesen: 196248# 24 @  
Hallo zusammen,

dieses ist mein einziger Beleg mit ungültigen Aufdruck-Marken. Zugleich ist es einer der wenigen Belege, mit einer echten Nachricht. Die meisten Karten an Theodor Hentschel haben keinen Text oder tragen einen fingierten Text, den er selbst geschrieben hat.

In den deutschen Kolonien galt 1902 das Inlandsporto. Eine Postkarte kostete 5 Pfg., die Einschreibegebühr betrug 20 Pfg. Diese Ansichtskarte aus Grootfontein in Deutsch-Südwestafrika wäre mit 36 Pfg. auf jeden Fall überfrankiert.



Vielleicht hatte der Absender versucht, diese Karte als Einschreiben aufzugeben und hat gehofft, dass die ungültigen Aufdruckmarken zu 10 Pfg. bzw. 20 Pfg. noch abgestempelt wurden. Dieses geschah aber nicht, sondern die Marken wurden als ungültig markiert. Der Absender schreibt am 5.3.1902:

Ich bedaure ihn mitteilen zu müßen daß auch die zweite Sendung zurückgekommen ist voraußsichtlich bringe ich dieselbe persönlich da ich im August in Deutschland bin bietet sich noch gelegenheit die zwei Sendungen zur Post zu geben so schicke ich sie noch vorher ab.
Unter herzl. Grüssen verbl. ich ihr Fr. Großmann


Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 06.06.2013 12:46:10 Gelesen: 196171# 25 @  
Hallo zusammen,

fast alles, was ich in meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie" zeigen kann, habe ich von meinen Vorfahren geerbt. Eine Ausnahme sind die Hentschel-Belege. Heute möchte ich Euch meine neueste Errungenschaft vorstellen. Eine Drucksache aus Liegnitz mit einem Ziermusterfreistempel an die Gebr. Hentschel in Muskau:



Diesen Brief habe ich bei Ebay entdeckt. Es ist der erste Beleg in meiner Sammlung an die Gebr. Hentschel. Meinen einzigen Firmenbrief von ihnen habe ich im Beitrag [#14] vorgestellt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 15.06.2013 08:09:47 Gelesen: 196081# 26 @  
Hallo zusammen,

fast alle Belege aus meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie" habe ich von meinen Vorfahren geerbt. Eine große Ausnahme waren die Hentschel-Belege. Die Belege von Beitrag [#19] bis [#25] und den Firmenbrief aus Beitrag [#14] habe ich dazugekauft. Bei den Kolonien sehe ich in den Auktionen regelmäßig weitere Hentschel-Briefe. Ich suche aber nur noch Belege, wenn ich die Kolonie noch nicht in meiner Sammlung habe. Eine Ausnahme wäre ein Hentschel-Brief mit ungültigen Marken zu einem annehmbaren Preis. Bisher sollten solche Stücke immer mehr als 1000,-€ kosten - und das ist mir deutlich zu viel.

Zum Abschluss dieses Kapitels meiner Sammlung möchte ich heute eine Postkarte zeigen, über die ich mich besonders gefreut habe:



Diese Karte an einen Briefmarkenhändler in Berlin hat Theodor Hentschel persönlich geschrieben. Er fragt nach Kolonial-Belegen und gibt als Referenzen an, dass er Mitglied in folgenden Vereinen ist:

- Berliner Briefmarken Sammler Verein
- Alemania Berlin
- Mährisch Ostrau Verein etc etc.

Seine Leidenschaft für die 2-Pfg. Briefmarken sieht man auch an der Bitte:

"Briefe bitte mit 2 Pfennig Marken I. Em(ission) zu bekleben! Auch Einschreibebriefe!"

Anhand der Handschrift auf dieser kann ich erkennen, dass Theodor Hentschel einige der besonders ungewöhnlichen (aber leider auch sehr teuren) Kolonialbelege selbst geschrieben hat.

Die Bedeutung des lila Stempels „*142*“ und der handschriftlichen „9“ links unter dem Bestellt-Stempel habe ich erst bei einem Treffen der Poststempelgilde in Soest erfahren. Theodor Hentschel hatte als Adresse nur „Berlin, Potsdamer Straße“ angegeben. Die Potsdamer Straße ist aber so lang, dass verschiedene Postämter für die Zustellung der Karte in Frage kamen. Die Karte ging also zur Feststellung des zuständigen Postamtes zunächst zur Rückbriefstelle im Postamt Berlin C2. Dort hatten die Beamten nach ihrem normalen Dienst die Aufgabe, bei solchen sogenannten „faulen Karten“, das zuständige Postamt zu ermitteln.

Der zuständige Beamte stellte fest, dass es sich um das Postamt Berlin 9 handelt und hat diese Zahl links notiert. Zusätzlich schlug er seinen Nummernstempel „*142*“ auf der Karte ab. So konnte man feststellen, welcher Beamte die Karte bearbeitet hat und ob das Ergebnis seiner Suche richtig war. Von der Rückbriefstelle ging die Karte zum Postamt Berlin 9 und erhielt dort den entsprechenden Bestellt-Stempel.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Volkmar
 
volkimal Am: 22.06.2013 12:27:01 Gelesen: 195997# 27 @  
Hallo zusammen,

heute möchte ich Euch meine Urgroßeltern Ferdinand Werdermann und seine Frau Hedwig Werdermann geb. Hecker vorstellen.



Urgroßvater war Briefmarkensammler und hat zum Glück viele Ganzstücke aufgehoben. Zusätzlich hat Urgroßmutter Lebenserinnerungen geschrieben, so dass ich auch noch viele Informationen zum Leben meiner Urgroßeltern habe. Dadurch kann ich zu meinen Urgroßeltern nicht nur einzelne Belege zeigen, sondern ich kann ihren Lebenslauf in großen Teilen philatelistisch darstellen.

Hedwig Hecker kam am 14.2.1864 als Tochter von meinen Ururgroßeltern Hermann Hecker und Clara Leps zur Welt (siehe Beitrag [#12]).



Ferdinand Werdermann ist am 25.3.1857 als ältester Sohn des Bauern Gottfried Werdermann und seiner Frau Emilie in Menz (Kreis Ruppin) auf dem Werdermannschen Hof zur Welt gekommen. Er wollte gerne den Hof übernehmen, war aber in der Schule so begabt, dass er stattdessen studieren sollte. Statt Ferdinand bekam später sein Bruder den Hof und hat ihn dann schließlich verkauft, worunter Urgroßvater sehr gelitten hat. Die Bleistiftzeichnung des Werdermannschen Hofes in Menz stammt von meinem Vater. Er fertigte sie nach einem Ölgemälde an, das im Krieg leider zerstört wurde. Nach der Maueröffnung war ich mit meinen Eltern u.a. auch in Menz. Vom alten Hof stand nur noch das Gebäude ganz links.

Ferdinand Werdermann und Hedwig Hecker lernten sich 1880 in Königsmühl kennen, als er als Kandidat einige Wochen in Pommern eine Pfarrstelle suchte, um sich von dort aus zum zweiten Examen zu melden, welches er in Stettin ablegen wollte.



Bis heute Morgen ging ich davon aus, dass dieser Brief mit der Anschrift „F. Werdermann“ der älteste Brief an meinen Urgroßvater ist. Weiterhin dachte ich, dass er zuerst Jura studierte und dann zur Theologie wechselte. Beim Schreiben dieses Beitrags fiel mir aber auf, dass es nicht sein kann. Zuerst stutzte ich darüber, dass Urgroßvater 1885 schon 29 Jahre war. Da muss er mit dem Studium schon fertig gewesen sein, dann merkte ich zusätzlich, den letzten Absatz, in dem steht, dass er sich 1880 schon zum zweiten Examen zu melden wollte. Der Brief geht also eindeutig nicht an Urgroßvater Ferdinand Werdermann. Vielleicht geht der Brief an Friedrich Werdermann, den 7 Jahre jüngeren Bruder. Wenn ich Glück habe, kann mein Vater noch etwas dazu sagen.

Beim Empfänger des Briefes heißt es „stud. jur. et. cam“. Die Silbe „cam.“ bedeutet Kameralwissenschaft. Darunter verstand man im 18. und 19. Jahrhundert jene Wissenschaften, die den Kammerbeamten die notwendigen Kenntnisse für die Tätigkeit in der Verwaltung vermittelten. Der Brief wurde in Neuruppin mit dem alten preußischen Zweikreisstempel in Antiqua abgestempelt - es ist also ein "nachverwendeter" Preußenstempel.

Im nächsten Beitrag werde ich dann den tatsächlich ältesten Brief von Urgroßvater vorstellen.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende
Volkmar
 
volkimal Am: 28.06.2013 16:01:53 Gelesen: 195926# 28 @  
Hallo zusammen,

jetzt noch ein Beitrag aus meiner wichtigsten Sammlung, der "Familiengeschichte und Philatelie":

1887 heirateten Ferdinand Werdermann und Hedwig Hecker in Anklam. Seine erste eigene Pfarrstelle hatte Urgroßvater in Friedersdorf bei Dobrilugk (Niederlausitz). Die Foto-Ansichtskarte mit dem Bahnpoststempel Berlin - Dresden vom 25.10.1905 zeigt die Kirche in Friedersdorf. Urgroßmutter hat sie an ihre Cousine Melanie Leps geschickt.



Meine Frau Jutta und ich haben auf zwei Fahrradtouren 2007 und 2009 Deutschland vom südlichsten Punkt (Haldenwanger Eck in den Allgäuer Alpen nahe Oberstdorf) bis hin zum nördlichsten Punkt (Ellbogen auf Sylt) durchradelt. 2010 haben wir am östlichsten Punkt (an der Neiße) mit der Tour zum westlichsten Punkt begonnen. Auf dieser Tour kamen wir unter anderem durch Bad Muskau und nach Friedersdorf. Dort wurden wir sehr freundlich durch die Kirche und das von Urgroßvater erbaute Pfarrhaus geführt.

Jetzt aber der älteste Beleg, der von Urgroßvater erhalten geblieben ist. Urgroßvater war häufiger krank. Mitte März 1890 verschlimmerte sich ein Magenleiden von Urgroßvater, das er sich als Soldat zugezogen hatte. Der Arzt riet zu einer schleunigen Kur in Karlsbad, wohin er dann auch reiste. Von Dobrilugk ging ein Zug direkt dorthin, hielt aber nur so kurze Zeit, dass sich die Urgroßeltern ohne Abschied trennen mussten. Die linke Karte schickte er von dort an seine Frau. Karlsbad liegt heute in Tschechien und heißt Karlovy Vary. 1890 gab es die Tschechoslowakei noch nicht und das Gebiet gehörte zu Österreich.

Es war üblich, dass der Titel des Mannes auch bei der Frau angegeben wurde. Urgroßvater schrieb deshalb auf beiden Karten: "An Frau Pastor Werdermann in Friedersdorf bei Dobrilugk N.L.".



Rechts ist eine Sonderkarte zur Jahrhundertwende, die Urgroßvater am 10.6.1900 auf der Schneekoppe aufgegeben hat. Die Schneekoppe ist der höchste Berg im Riesengebirge (1603 m). Auf dem Gipfel befanden sich unter anderem ein Aussichtsturm, eine Wetterstation, eine kleine Holzkapelle aus dem 17. Jahrhundert und ein Postamt.

Soviel für heute. Demnächst geht es weiter.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende
Volkmar
 
volkimal Am: 02.07.2013 18:40:51 Gelesen: 195848# 29 @  
Hallo zusammen,

für uns sind die Wohnverhältnisse in der damaligen Zeit nicht mehr vorstellbar. Urgroßmutter schreibt in ihren Lebenserinnerungen über den sehr schlechten Zustand des alten Pfarrhauses:

Das alte liebe Haus war geräumig, aber sehr, sehr feucht und baufällig. Deshalb war schon vor 15 Jahren ein Neubau beschlossen worden, doch nicht ausgeführt, und das war der Grund, weshalb die Pastoren so bald fortgingen. Teilweise waren die Wände noch Fachwerk mit Holzstaken, die mit Stroh und Lehm umwickelt waren. Sobald dieser herausfiel, gab’s Löcher in der Stube. In der Mädchenstube konnte man gleich mit der Hand ins Freie gelangen. In der Studierstube wollte ein Bild nicht hängen, der Nagel saß nicht. Schließlich nahm ich einen 15 Zoll langen, der wackelte auch, und als ich ihn herauszog, pustete mich der Wind an.

Schließlich wurde 1901 mit dem Bau des neuen Pfarrhauses begonnen. Daher hatte Urgroßvater immer wieder mit der Baubehörde zu tun.



Bei dieser Postkarte geht es allerdings nicht um den Bau des Pfarrhauses, sondern um die Untersuchung der Kirche in Gruhno, einer Filiale von Friedersdorf.

Auf der Postkarte an Urgroßvater von der königlich preußischen Kreis-Bau-Inspektion aus dem Jahre 1903 ist eine 5 Pfg. Zählmarke für Preußen. Wie der Rechteckstempel links mit dem Text "Frei laut Avers Nr. 21" besagt, hat Preußen das Porto pauschal mit der Post abgerechnet. Die Briefmarke stellt also kein Porto dar, sondern diente im Jahre 1903 zur Kontrolle, ob Preußen auch den richtigen Betrag an die Post gezahlt hat.



Auf dieser Ansichtskarte ist das neue Pfarrhaus in Friedersdorf zu sehen. Urgroßmutter schreibt:

1901 wurde mit dem Bau begonnen. Es war ein schöner Herbst und es kam noch trocken unter Dach. … Es wurde ein vollendet schönes Haus, in das wir am Kirmes-Sonntag 1902 zum ersten Mal die Bekannten einladen konnten.

Urgroßmutter schickte die Karte an ihren Neffen den Unteroffizier Hermann Markgraf nach Verchen. Er war später als Leutnant der Reserve bei der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika.

Auf unserer Fahrradtour 2010 konnten wir natürlich auch das Pfarrhaus mit den schönen Jugendstil-Türen besichtigen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 09.07.2013 09:45:35 Gelesen: 195777# 30 @  
Hallo zusammen,

auch auf diesem Brief an meinen Urgroßvater sind die preußischen Zählmarken zu 2 Pfg. und 3 Pfg. aufgeklebt. Obwohl der Brief von der Kreisstadt Dobrilugk (heute Doberlug-Kirchhain) zu dem 6 km entfernten Friedersdorf geschickt wurde, musste er nur als Ortsbrief freigemacht werden. Das lag daran, dass Friedersdorf kein eigenes Postamt hatte, sondern vom Postamt Dobrilugk aus versorgt wurde.



Als Pastor war mein Urgroßvater nach damaliger Ordnung automatisch auch königlich preußischer Ortsschulinspektor für Friedersdorf und die Filialen Rückersdorf und Gruhno. Auch der Absender des Briefes, der königlich preußische Kreisschulinspektor war hauptberuflich ebenfalls Pastor, denn es war der Schlossprediger Schmidt aus Dobrilugk. Mein Großvater schreibt in seinen Lebenserinnerungen:

Im Allgemeinen stand sich Vater mit den Lehrern gut. Er ließ Ihnen vor allem möglichste Freiheit. Nur vor Ostern musste er Schülerprüfung halten. Da erkundigte er sich vorher bei Mutter nach Steppnaht, überwendlicher Naht u.a., um auch einige sachkundliche Fragen bei Vorlegung der Nadelarbeit der großen Mädchen zu tun. Einmal erzählte er uns, es sei gerade geglückt, den Nordpol zu erreichen, er habe es gerade heute früh in der Zeitung gelesen; bis herauskam: das war ein "Aprilscherz" der Zeitung vom 1. April gewesen.

Für die 100 Schüler der Dorfschule in Friedersdorf gab es damals übrigens nur einen Lehrer. Die Schüler wurden deshalb in zwei Abteilungen unterrichtet: von 6-9 Uhr die 10-14 jährigen und danach von 9-12 Uhr die Kleinen.



Diesen Brief, an die königliche Kreisschulinspektion war an den Schlossprediger Schmidt aus Dobrilugk gerichtet. Der Brief kommt von der königlichen Regierung aus Frankfurt (Oder). Auch hier wurde eine preußische Zählmarke verwendet, in diesem Fall die 10 Pfg.-Marke für Briefe im Fernverkehr. Urgroßvater hat ihn wohl als Briefmarkensammler von Herrn Schmidt geschenkt bekommen. Über den Schlossprediger Schmidt schreibt Großvater:

Zu unserer „Umwelt“ gehörten auch die benachbarten Pfarrfamilien. Es gab ein offiziöses „Pfarrkränzchen“. An dem beteiligten sich die Eltern nicht, weil ihnen zu umständliche und kostspielige Gastereien damit verbunden waren. Aber von Pfarrhaus zu Pfarrhaus wurde viel verkehrt. Bei Schlossprediger Schmidts in Dobrilugk waren wir nur selten; die Kinder waren schon erwachsen. Es mutete uns immer sehr „fein“ bei ihnen an. Uns imponierte, dass er oft zwei Brillen trug und uns dadurch streng prüfend anschaute.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 12.07.2013 16:22:38 Gelesen: 195733# 31 @  
Hallo zusammen,

aus aktuellem Anlass noch einmal ein Nachtrag zu den Beiträgen [#14] sowie [#19] bis [#26]. Dort habe ich von den Geschwistern Hentschel in Muskau berichtet. Die meisten Belege gingen an Theodor Hentschel, den Bruder von Urgroßvater. Dieser sammelte und handelte vor allem mit Kolonial-Belegen. Durch das Mitgliedsverzeichnis des Verbandes der Abstempelungssammler [#20] habe ich erfahren, dass sein Sohn Theodor Hentschel (II) ebenfalls Briefmarkensammler war.

Gestern erhielt ich diese Karte von Theodor Hentschel (II) an die Gebrüder Senf. Ich konnte sie bei Ebay ersteigern.



Theodor Hentschel (II) schreibt:

Erlaube mir ganz ergebene
Anfrage wann Ihr neuer Catalog
für Briefmarken Übersee (Asien – Australien,
Afrika Amerika)
erscheint + was derselbe kostet. 1925
könnte zwei davon verkaufen.
vielleicht noch mehr + wie verkaufen Sie
diesen an Wiederverkäufer
Sehe Ihrer baldigen Offerte entgegen
Hochachtungsvoll
Th. Hentschel
Briefmarkenhändler

Ohne es bisher zu wissen, habe ich also einen zweiten Briefmarkenhändler in meiner Familie.

Viele Grüße
Volkmar
 

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