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Thema: Schweiz Dauerserie Sitzende Helvetia
Das Thema hat 624 Beiträge:
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bayern klassisch Am: 23.02.2019 13:42:49 Gelesen: 23397# 550 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#549]

Hallo Kevin,

ein sehr attraktives Stück, wie praktisch all deine Sachen. :-)

Noch kurz etwas zu Applikationen bei Drucksachen: Das mit der Unterschrift musste man seitens der Post machen, weil zig Tausende von Drucksachen jedes Jahr verschickt wurden, die nur einem Zweck dienten, nämlich der Mitteilungen, welche Firmen von wem übernommen wurden bzw. wer neu zeichnungsberechtigt bei einer Firma war.

Hierfür war zwingend erforderlich, dass man a) die entsprechende Person namentlich kannte und b) wegen der rechtlichen Folgen auch wissen musste, wie diese Person unterschrieb (man denke an Wechsel, Schuldverschreibungen usw.). Daher wäre die Gestattung von billigen Drucksachen ohne Unterschriftsmöglichkeiten fast ein Rohrkrepierer geworden.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 23.02.2019 13:56:06 Gelesen: 23390# 551 @  
@ bayern klassisch [#550]

Hallo Ralph,

vielen Dank für die Ergänzungen zu diesem Thema!

Man sollte vielleicht auch noch dazu erwähnen, dass die Verbilligung der Drucksachen keinesfalls ein Wunsch der Post gewesen ist, denn sie wurden staatlich dazu verpflichtet. Für die Post war dies nämlich eher ein Minusgeschäft, denn Drucksachen durften schwerer sein als Briefe bei gleichzeitig niedrigerer Taxe, daher waren die Gründe eher bloß volkswirtschaftlicher Natur.

Genau das war dann auch der Grund der strengen Kontrolle sowie Vorschriften, damit nicht plötzlich alle diesen Tarif nutzen konnten oder eben durch Handschriftliches etwas ergänzen konnten, was nicht den eigentlichen Sinn und Zweck der Drucksachen darstellte.

LG

Kevin
 
bayern klassisch Am: 23.02.2019 14:52:51 Gelesen: 23372# 552 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#551]

Hallo Kevin,

alles richtig - aber die Frage war: Wie kurble ich die Wirtschaft an und was ist mir das wert? Wenn man den 1. Schritt im Geschäftsleben verbillige (Drucksachen, Angebote, Preislisten usw.), dann generiere ich höchstwahrscheinlich später in anderen, wichtigeren Dingen mehr Umsatz oder überhaupt erst Umsatz.

Wenn man über den Rahmen des postgeschichtlichen hinaus denkt, kam dazu: Einfuhr-, Durchfuhr- und Ausfuhrzölle für Waren, die nur deshalb produziert worden waren, weil es zu Geschäftsabschlüssen kam, die u.U. nur per günstiger Drucksache angebahnt wurden. Dadurch Steigerung des Umsatzes durch Versendung der Ware(n) bei der Fahrpost, der Briefpost (Wechsel, Rechnungen usw.) und dadurch wiederum der Erhalt der Poststellen bzw. deren Ausweitung. Dadurch mehr Verkehr auf den Eisenbahnen, mehr Personenbeförderungen und und und. Die Wirtschaft, damals wie heute, hängt stark an diesen Begünstigungen und als Dank geht es mit dem Konsum nach oben.

Die Schweiz war immer konsumorientiert und stand im Wettbewerb mit vielen Regionen/Ländern um sie herum; sie konnte sich bewähren, weil sie ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Politik (Bundespolitik schlug Kantonspolitik) und Wirtschaft schaffte, was anderswo nicht so einfach war. Und noch etwas ganz Wichtiges: Kein Krieg ist für das Volk immer besser, als einige Kriege, gewonnen, oder verloren. Bei Kriegen gewinnen ganz Wenige ganz Viel - im Frieden gewinnen alle ein bischen.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 23.02.2019 16:22:32 Gelesen: 23360# 553 @  
@ bayern klassisch [#552]

Hallo Ralph,

ich bin da ganz deiner Meinung, mit der Aussage "Für die Post war dies nämlich eher ein Minusgeschäft, denn Drucksachen durften schwerer sein als Briefe bei gleichzeitig niedrigerer Taxe, daher waren die Gründe eher bloß volkswirtschaftlicher Natur." wollte ich nur verdeutlichen, dass es im ersten Moment eben kein Geschäft war, welches sich für die Post gelohnt hat.
Natürlich auf langfristige Sicht gesehen, hatte das gesamte System seinen Sinn und Soll erfüllt, denn niemand verschenkt freiwillig Geld (erst Recht nicht zur damaligen Zeit). Drucksachen waren ja genau deswegen ursprünglich für den Geschäftsverkehr gedacht, damit diese angekurbelt werden konnten, und da sich das Publikum beschwert hätte, hätte man Drucksachen bloß auf diesen Bereich beschränkt, waren sie eben für jedermann "zugänglich". Heute ist es ja nicht anders, jede Woche gibt es im Supermarkt/Elektromarkt etc. neue Angebote, die sich erst auf längerfristige Sicht rechnen, weil man dadurch eben wieder neue Kunden anlocken kann.

Aber nun schweife ich aus. :-D

LG

Kevin
 
briefmarkenwirbler24 Am: 23.02.2019 17:21:43 Gelesen: 23344# 554 @  
Liebe Fans und stille Mitleser der Sitzenden Ladys,

nun möchte ich euch noch ein schönes Stück vorstellen, welches jedoch nicht lange in meiner Sammlung bleiben wird, da ich mich mittlerweile bloß auf Belege spezialisiert habe. Es war allerdings bei einem Lot dabei, sodass ich es euch nicht vorenthalten möchte.

Es handelt sich um einen sehr anschaulichen und m.E. attraktiven Fünferstreifen der 3 Rappen in der selteneren Farbnuance (tief-)schwarz (Zumstein 29b, Michel 21b), welcher zusammen mit der 10 Rappen (Zumstein 38b, Michel 30) auf einem Briefstück erhalten ist. Die Stempel sind ebenfalls sehr gut lesbar abgeschlagen worden. Solche Einheiten sind natürlich in der Erhaltung relativ selten zu finden.

Liebe Grüße

Kevin


 
briefmarkenwirbler24 Am: 24.02.2019 18:26:26 Gelesen: 23109# 555 @  
Liebe Forumsgemeinde,

heute möchte ich euch einen Brief zeigen, welcher in der Form ziemlich selten ist, warum werdet ihr gleich sehen.

Aufgegeben wurde der Beleg am 14.01.1881 in Basel und man adressierte ihn an Nikolaus Dill in Pratteln, wo dieser noch am gleichen Tag angekommen ist, der Ankunftsstempel wurde sehr schön vom Postler abgeschlagen, was auch nicht die Regel gewesen ist.

Kommen wir nun zur Taxierung:

Der Brief wurde frankiert mit 5x 3 Rappen (Mi.Nr.21), also insgesamt 15 Rappen, was schon an sich recht ungewöhnlich ist, denn die 3 Rappen-Wertstufe wurde insbesondere für das Drucksachenporto nach Italien sowie für die Frankatur von Zeitungen eingeführt, auf normalen Inlandsbriefen lässt sich diese eher weniger antreffen.

Schauen wir auf die Entfernung von Basel nach Pratteln:

Die Luftlinie beträgt weniger als 10 km (etwa 8 km) und somit haben wir hier also einen Lokalrayon-Brief.

Laut Tarif vom 01.09.1876 bis zum 01.11.1884 waren Briefe im Lokalrayon der 1.Gewichtsstufe (bis 15 g) mit 5 Rappen zu frankieren und Briefe der 2.Gewichtsstufe (16-250 g) mit 10 Rappen. Es gab nur diese 2 Gewichtsstufen, der Rest wurde der Fahrpost zugeschrieben.

Was sagt uns das jetzt?

Der Brief wurde um mindestens 5 Rappen überfrankiert (um 10 Rappen wäre es die 1. Gewichtsstufe gewesen), schaut man sich jedoch das Format des Beleges an, dürfte man von der 2. Gewichtsstufe ausgehen, also von einer Überfrankatur i.H. von 5 Rappen.

Solche Überfrankaturen (insbesondere im Lokalrayon) sind selten, umso mehr freue ich mich dieses Stück in meiner Sammlung aufnehmen zu können.

Liebe Grüße

Kevin




 
briefmarkenwirbler24 Am: 26.02.2019 17:51:25 Gelesen: 22729# 556 @  
Guten Abend in die Runde,

weiter geht´s heute mit einer, wie ich finde, sehr hübschen Buntfrankatur von Winterthur (20.02.1868) nach Zürich.

Es handelt sich hierbei um ein "Zeitungsabonnement auf Nachnahme". Die Verleger trieben die Abonnement-Gebühr viertel-/oder halbjährlich per Nachnahme auf der Schleife des entsprechenden Zeitungs-Exemplares ein.

Die "Transportordnung" vom Oktober 1860 hielt fest, dass für dieses Exemplar die Drucksachen-Taxe und die Nachnahme-Gebühr zu bezahlen waren, durch Aufkleben der Briefmarken.

Die Nachnahmegebühr entsprach laut Tarif vom 01.07.1862 bis zum 30.09.1884 1% Provision des Nachnahmebetrages unter Aufrundung der Bruchteile auf 10 Rappen, auf deutsch: die Mindestgebühr betrug 10 Rappen und bei jeden weiteren 10 Franken wieder 10 Rappen. Die Höchstgebühr der Briefpost waren 50 Franken, alles darüber übernahm die Fahrpost.

Da wir hier eine Inseratsgebühr von 2.40 Franken haben, wurden dafür richtigerweise 10 Rappen frankiert. Normalerweise hätten jetzt 2 Rappen für eine Drucksache der 1. Gewichtsstufe (bis 15 gr) laut Tarif vom 01.08.1862 bis zum 01.09.1871 gereicht, allerdings wurden hier 5 Rappen zusätzlich frankiert.

Jetzt gibt es m.E. zwei Möglichkeiten, entweder es war eine Drucksache der 2. Gewichtsstufe (16-60 gr), für die 5 Rappen zusätzlich zu frankieren waren oder es wurden Spesen für die Post i.H.v. 3 Rappen draufgerechnet (was auch nicht unüblich gewesen ist). Vielleicht weiß jemand mehr.

LG

Kevin


 
SH-Sammler Am: 27.02.2019 05:11:26 Gelesen: 22671# 557 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#556]

Hallo Kevin,

ich bins wieder mal. Ich möchte eine kleine Korrektur anbringen zum Drucksachengewicht "ab 15 bis 60 Gramm". Dieses Gewicht war nur ganz kurze Zeit ab 01.07.1862 bis zum 31.07.1862 in Anwendung. Ab 01.08.1862 war das Gewicht "ab 15 bis 250 Gramm" und blieb so bis Ende Aug. 1871. Da eine Zeitung schnell mal mehr als 15 Gramm wiegen kann, sind die 5 Rappen für das Drucksachenporto korrekt plus die Mindestgebühr von 10 Rappen für die Nachnahme.

Was Du zu den Spesen schreibst, darf nicht so unwiedersprochen bleiben. Vor 1850 wurde hin und wieder ein Botenlohn verlangt. Nachher hatte die (Schweizer) Post ihre Vorschriften und Gebühren, welche zu entrichten waren. Spesen gab es dann keine mehr.

Liebe Grüsse

SH-Sammler
Hanspeter
 
briefmarkenwirbler24 Am: 27.02.2019 09:14:19 Gelesen: 22632# 558 @  
@ SH-Sammler [#557]

ich bins wieder mal. Ich möchte eine kleine Korrektur anbringen zum Drucksachengewicht "ab 15 bis 60 Gramm". Dieses Gewicht war nur ganz kurze Zeit ab 01.07.1862 bis zum 31.07.1862 in Anwendung. Ab 01.08.1862 war das Gewicht "ab 15 bis 250 Gramm" und blieb so bis Ende Aug. 1871. Da eine Zeitung schnell mal mehr als 15 Gramm wiegen kann, sind die 5 Rappen für das Drucksachenporto korrekt plus die Mindestgebühr von 10 Rappen für die Nachnahme.

Hallo Hanspeter,

da muss ich Dir leider widersprechen:

Tarif gültig ab dem 01.07.1862:

bis 15 g: 2 Rappen
16-60 g: 5 Rappen
61-250 g: 10 Rappen
über 250 g: Fahrpost-Taxe

Tarif vom 01.08.1862:

bis 15 g: 2 Rappen
16-60 g: 5 Rappen
61-500 g: 10 Rappen
 

Du siehst, die einzige Änderung der beiden Tarife war diejenige, dass die 3.Gewichtsstufe auf 500g erhöht wurde, darunter blieb alles gleich. Ich zitiere übrigens aus dem Handbuch "Drucksachen der Schweiz", welches ich oben bereits erwähnt habe.

Was Du zu den Spesen schreibst, darf nicht so unwiedersprochen bleiben. Vor 1850 wurde hin und wieder ein Botenlohn verlangt. Nachher hatte die (Schweizer) Post ihre Vorschriften und Gebühren, welche zu entrichten waren. Spesen gab es dann keine mehr.

Was das angeht, kann es sein, dass ich etwas falsch verstanden habe, denn es ist im selbigen Handbuch eine solche Nachnahmequittung abgebildet, bei der Spesen berechnet wurden (aus dem Jahre 1868), vielleicht wurde das Wort "Postspesen" einfach als Synonym für die zu bezahlende Gebühr und den jeweiligen Tarif (DS, Brief, etc.) benutzt, also den vom Kunden zu bezahlenden Betrag (dieser war allerdings höher als er hätte sein müssen, so auch vermerkt, daher hatte ich schlussgefolgert, dass etwas zusätzlich berechnet wurde).

Liebe Grüße

Kevin
 

SH-Sammler Am: 27.02.2019 11:50:50 Gelesen: 22600# 559 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#558]

Hallo Kevin,

da stimmen wohl unsere Unterlagen zu den Drucksachengewichten/Daten nicht überein. Ich muss dem mal nachgehen.

Ansonsten darf ich feststellen, dass Du Deine Belege so fundiert beschreibst, dass es eine Freude ist.

Liebe Grüsse
Hanspeter
 
briefmarkenwirbler24 Am: 27.02.2019 13:04:23 Gelesen: 22586# 560 @  
@ SH-Sammler [#559]

Hallo Hanspeter,

ich habe nochmal in anderen Werken geschaut, im Buch "Über die Frankaturen der Sitzenden Helvetia gezähnt" ist es so vermerkt wie Du gesagt hast, nämlich 15-250 g waren mit 5 Rappen zu frankieren.

Im Michel-Spezial gibt es hinten ja auch eine Gebührentabelle und dort ist es wiederum so vermerkt wie im Handbuch über Drucksachen.

Ich weiß zwar nicht genau auf welche Quelle Du dich bezogen hast (vielleicht sogar auf das erst genannte Werk), aber ich könnte mir vorstellen, dass je nach Alter der Quelle (Ersteres ist von 1974) neue Erkenntnisse gewonnen werden konnten. Das Handbuch "Drucksachen der Schweiz" ist ja letztes Jahr erst erschienen und Robert Bäuml hat meines Wissens nach die größte Drucksachensammlung der Schweiz und auch sämtliche Unterlagen hierzu, sodass ich im Zweifelsfall definitiv dem Handbuch mehr Glauben schenken würde.

Ansonsten darf ich feststellen, dass Du Deine Beleg so fundiert beschreibst, dass es eine Freude ist.

Über solche Aussagen freue ich mich natürlich immer :D, ich bin momentan dabei mir Literatur aus den verschiedensten Bereichen zuzulegen und konnte das ein oder andere auch schon entsprechend anwenden. Es macht mir auf jeden Fall auch ungemein Spaß bei Briefen sämtliche Umstände auszuknobeln (Leitwege, Taxierungen, Gebührenformen, etc.), daher versuche ich die Beschreibungen auch immer so genau wie möglich zu gestalten.

Liebe Grüße

Kevin
 
bayern klassisch Am: 08.03.2019 16:55:03 Gelesen: 21046# 561 @  
Liebe Freunde,

darf ich zeigen - von einem, der fast alles hat von der Schweiz - Aigle, 9.10.1879 nach Besancon und retour. Uii !



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Heinz 7 Am: 08.03.2019 20:18:45 Gelesen: 21035# 562 @  
@ bayern klassisch [#561]

Wunderbar, solche Belege. Ich habe auch ein paar Weiterleitungen, aber 8 Absendungen/Stempel? Nein! Respekt, das ist wohl kaum zu toppen.

Gratulaion!

Heinz
 
bayern klassisch Am: 08.03.2019 20:20:21 Gelesen: 21034# 563 @  
@ Heinz 7 [#562]

Hallo Heinz,

danke sehr! Aber es gibt noch mehr - ich kenne für die Hin- und Herstrecken bis zu 20 Stempelabschläge; wohlgemerkt alles verschiedene!

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 08.03.2019 21:19:04 Gelesen: 21026# 564 @  
@ bayern klassisch [#561]

Hallo Ralph,

ich erspare mir mal die Frage von wem diese Bombe ist. :D

Ein Beleg ganz nach meinem Geschmack und ein Hingucker in jeder postgeschichtlichen Sammlung!

Liebe Grüße

Kevin
 
10Parale Am: 08.03.2019 21:27:58 Gelesen: 21024# 565 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#564]

"ich erspare mir mal die Frage von wem diese Bombe ist. :D"

Jetzt sind wir neugierig geworden.

10Parale
 
bayern klassisch Am: 09.03.2019 06:32:38 Gelesen: 21010# 566 @  
@ 10Parale [#565]

Hallo 10Parale,

der Eigentümer hat auf mein Bitten zugesagt, dass ich seine Schweiz - Rosinen hier im Forum zeigen darf. Aber seine Anonymität möchte er gewahrt wissen und das habe ich ihm gerne versprochen, wenn wir hier dafür ab und zu mal etwas (ganz) Außergewöhnliches zu sehen bekommen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
briefmarkenwirbler24 Am: 12.04.2019 22:07:28 Gelesen: 17374# 567 @  
Guten Abend,

nachfolgender Brief gehört sicherlich nicht in die Rubrik "Rarität" oder "Schmankerl", dennoch gefiel er mir irgendwie und es muss ja nicht gleich jeder Brief besonders sein.



Aufgegeben wurde der Beleg am 19.10.1872 in Zürich und wurde adressiert an die Eheleute "Signorina Berta Wild und Signore Enrico Wild, directore del collegio di commercio" in Bergamo, Italien. Der Absender des Briefes war vermutlich deren Sohn "J.Wild, Direktor in Zürich".

Der Brief nahm die folgende Route:

Zürich : 19.10.1872
Chur : 19.10.1872
Bahnpost Bergamo-Basel (2x abgeschlagen): 21.10.1872
Bergamo : 21.10.1872
 

Leider habe ich keine Literatur zu den Bahnverbindungen zur damaligen Zeit. Vielleicht kann mir hier jemand nähere Infos geben bzw. auch einen Link schicken, der mir dabei helfen könnte.

Was viele nicht wissen, am 01.10.1862 wurde die 30 Rappen zinnober eingeführt mit einer Gesamtauflage von 5 Millionen Exemplaren (vergleichsweise die 5 Rappen braun zwei Monate später mit etwa 210 Millionen Exemplaren), also relativ wenig.
Die bei diesem Brief frankierte 30 Rappen ultramarin erschien erstmalig am 18.03.1867 mit einer Gesamtauflage von 18 Millionen Exemplaren (also etwa 3/1/2 mal so viel). Der Grund für diese Farbänderung war folgender:

Zum einen hatte man das Bestreben, die Farben der für gewisse Korrespondenzen bestimmten Werte denjenigen anderer Länder anzupassen. Zum anderen, weil die Farbe der 10 Rappen-Marke (blau) für eine unmissverständliche Entwertung nicht geeignet erschien. Dieses Argument wird jedoch dadurch entkräftet, dass eben jene 30 Rappen ultramarin den fast gleichen Farbton aufweist.

Buntfrankaturen dieser gleichfarbigen Werte, also 30 Rappen zinnober und 10 Rappen rot sowie 30 Rappen ultramarin und 10 Rappen blau, sind extrem selten. Von erster Kombination sind bisher 8 und von zweiter Kombination 3 Briefe bekannt.

Eine dieser 3 bekannten Farbfrankaturen der 30 Rappen ultramarin und 10 Rappen blau wird morgen bei Schwarzenbach in der Auktion angeboten, als Teil eines Lots (leider nicht in groß sichtbar).

https://www.philasearch.com/de/info.php3?eknr=9213&posnr=108115

Im nachfolgenden Link findet sich jedoch ein interessanter Artikel, der sämtliche seltene Frankaturkombinationen zeigt und teilweise auch bebildert. Auf Seite 9 sieht man auch den Brief, der morgen bei Schwarzenbach verkauft wird.

http://www.philawiki.ch/artikel/SitzHelvetiaSelteneFrankaturen_neu.pdf

Ich persönlich freue mich auf eine "komplettierte" Ausstellungsseite, 1 x mit roter 30er, einmal mit blauer 30er nach Italien.

Zusätzlich vielleicht ganz interessant, unten links weist die Marke einen sog. Blindzahn auf, was im Zumstein-Spezial (den ich nicht besitze) meines Wissens sogar als Abart gelistet wird, bitte korrigiert meine Aussage wenn ich falsch liege.

Liebe Grüße

Kevin
 

SH-Sammler Am: 13.04.2019 06:54:49 Gelesen: 17337# 568 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#567]

Hallo Kevin,

hier ist eine Karte mit den Eisenbahnverbindungen ab 1865 bis 1900. Darauf siehst Du, dass es im Jahr 1872 noch keine Bahnverbindung von Chur nach Bergamo gab.



Ich nehme an, dass Dein Brief ab Chur über die alte Route via Splügen - Chiavenna nach Bergamo lief. Das war seit langer Zeit eine Standardverbindung auf dem Landweg. Und dieser "Landweg" dauerte 2 Tage, vom 19. bis zum 21. Oktober. Und doch gab es den Bahnstempel Basel - Bergamo.

Vielleicht verhilft genau dieser Stempel zu einer Lösung. Er wurde ganz am Ende der Reise, wahrscheinlich in Bergamo selber, aufgebracht. Ist es evtl. ein italienischer Bahnstempel? Nun mutmasse ich, dass der italienische Beamte nicht realisierte, auf welcher Route der Brief transportiert wurde. Er hat einfach einen Stempel als Eingangsstempel verwendet, Hauptsache, ein Datum war drauf.

Dein "ganz normaler, aber schöner Brief" wirft also Fragen auf. Wenn der Leitstempel CHUR nicht wäre, würde ich sagen, dass der Brief über die Gotthard - Route ging, aber so? Ich bin überfragt, musst Du weitergraben.

Liebe Grüsse
Hanspeter
 
briefmarkenwirbler24 Am: 13.04.2019 09:38:35 Gelesen: 17313# 569 @  
@ SH-Sammler [#568]

Hallo Hanspeter,

vielen Dank für die Karte und den Erklärungsversuch!

Mich hat der Leitweg über Chur auch etwas gewundert, weil es ja doch erst einmal nicht so scheint als sei es der direkteste Weg. Was nicht ausschließt, dass dies womöglich der schnellste war. Das Studium solcher Laufwege ist jedoch wieder ein Kapitel für sich und ohne entsprechende Literatur bzw. Infomaterial ist es nur sehr schwer, den genauen Leitweg nachzuvollziehen. Wenn ich die entsprechende Zeit dafür hätte, hätte ich jedoch definitiv den Ansporn/Ehrgeiz mich hier weiterzubilden bzw. mich einzuarbeiten, leider bleibt mir dies derzeit verwehrt.

Naja, vielleicht bekomme ich ja noch die eine oder andere Information heraus!

LG

Kevin
 
SH-Sammler Am: 13.04.2019 14:12:37 Gelesen: 17289# 570 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#569]

Hallo Kevin,

Dein Brief hat mir keine Ruhe gelassen.

Ich sehe es erst jetzt. Das ist gar kein Bahnstempel (BERGAMO) BASEL ! Auf den 2 Abschlägen steht doch BERGAMO BASSA, also Unterbergamo. Es ist ganz einfach der Ankunftstempel, zweimal abgeschlagen.

Was nach wie vor nicht absolut klar ist, ist der Laufweg über Chur. Es kann schon sein, dass der Brief über den Splügen via Chiavenna ging. Eventüll war der Brief in einem geschlossenen Paket / Postsack und hat deshalb keine weiteren postalischen Hinweise.

Den Gotthard würde ich sogar ausschliessen, da sonst ein Bahnstempel Zürich nach Mailand zu sehen sein müsste. Ein Leitstempel von Mailand müsste genauso drauf sein, bevor der Ankunftstempel Bergamo (ganz schwach) und dann Bergamo Bassa drauf kam.

Und jetzt sage mir einer, dass dieses Hobby langweilig ist, meint

Hanspeter
 
briefmarkenwirbler24 Am: 13.04.2019 19:44:57 Gelesen: 17207# 571 @  
@ SH-Sammler [#570]

Hallo Hanspeter,

manchmal sieht man wirklich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, dabei funktionieren meine Augen doch noch eigentlich ganz hervorragend. Du hast natürlich Recht, wie ich auf "Basel" kam, ist mir ein Rätsel, vermutlich hat mein Gehirn nach "Bas" abgeschaltet und das "el" drangehangen. :D

Das macht die Sache schon mal etwas leichter würde ich sagen, einzig und alleine der Transit über Chur bleibt dann noch ein Rätsel. Da mir wie gesagt die entsprechenden Unterlagen fehlen, kann ich leider nicht viel mehr als mutmaßen bzw. deinen Erläuterungen zustimmen. Ich versuche mal den Brief im Parallelforum "altpostgeschichte" vorzustellen und dort vielleicht auf entsprechende Hinweise hoffen. Dort gibt es in puncto Leitwege einige Experten.

Liebe Grüße

Kevin
 
briefmarkenwirbler24 Am: 14.04.2019 22:39:34 Gelesen: 17036# 572 @  
@ SH-Sammler [#570]

Hallo Hanspeter,

wie angekündigt habe ich in "altpostgeschichte" folgende Antwort erhalten:

in jener Zeit wurde Post aus Zürich in Richtung Süden und in Gegenrichtung oft über Chur geleitet. Wenn der Bodensee involviert war findet man häufig den Bahnpoststempel CHUR - ST.GALLEN. Dein Brief passierte aber Chur ohne Nutzung dieser Strecke und bekam den normalen Tagesstempel. Weiter ging es Richtung Süden über den San Bernardino nach Bellinzona. Es bestand allerdings auch die Möglichkeit, ein gutes Stück vor dem San Bernardino nach links zum Splügenpaß abzubiegen um zum Comer See zu gelangen. In Colico am Nordende des Sees wurde die Post auf ein Schiff verladen und nach Como geleitet.

Dein Brief ist aus dem Oktober. Ob da noch der Splügen passiert wurde oder die andere Strecke über Bellinzona genutzt wurde wissen die Experten.
Zielpostamt war Bergamo-Bassa. Bei Google Maps findet man ein B&B Hostel dieses Namens. Direkt daneben ist ein Postamt eingetragen.

Später genaueres


LG

Kevin
 
briefmarkenwirbler24 Am: 15.04.2019 20:17:56 Gelesen: 16943# 573 @  
Guten Abend zusammen,

wer erkennt bei nachfolgendem Brief die kleine Besonderheit?



Auf der Siegelseite sieht man nur den Ankunftsstempel von Zürich.

LG

Kevin
 
jahlert Am: 15.04.2019 22:16:49 Gelesen: 16891# 574 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#573]

Dieses Mal könnte die Suche nach einem Bahnpoststempel erfolgreich gewesen sein. ;-)
 

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