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Thema: (?) (1647) Altdeutschland Bayern: Schöne Belege
Das Thema hat 1648 Beiträge:
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Christian Am: 17.02.2009 22:40:58 Gelesen: 491316# 1 @  
Hallo zusammen!

Nachdem Richard der Meinung ist, dass das Thema "Belege aus Altdeutschland" regen Zuspruch finden dürfte, worüber ich mich sehr freuen würde, erschien eine Aufteilung nach den Gebieten sinnvoll. Deshalb stelle ich einen weiteren Beleg in einem neuen Thema vor und zwar eine Ganzsache aus Bayern. Ich wollte das Thema einmal nicht mit einem "Kreuzer-Beleg", die ich sehr schätze, eröffnen.



Bei dem Beleg handelt es sich meiner Einschätzung nach um den ovalen Wertstempel, Wappen in Kreuzerwährung zu 3 Kreuzer von 1872, da die Unterklappe den kreisförmigen Ausschnitt unter dem Klappenstempel aufweist. Leider verdeckt das Siegel auf der Rückseite das Posthorn. Bei dem was davon zu sehen ist, würde ich eher auf K1 als auf K2 tippen.

Wenn ich richtig liege handelt es bei dem Umschlag um einen U2 K1.Die Echtheit würde ich persönlich nicht anzweifeln.



Abgestempelt wurde der Brief im Postamt München I am 27.9. (1872 oder 1873?) zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags.

Zugestellt wurde der Brief in Ortrand(?) am 28.9.

Je nachdem wie herum man die Rückseite hält, würde ich Signum im Siegel als "M. T." oder S. W. interpretieren.

Eure Meinung sowie weitere Belege wären höchst willkommen!

Grüße

Christian
 
HEFO58 Am: 17.02.2009 23:19:49 Gelesen: 491308# 2 @  
@ Christian [#416]

Hallo
Christian

Ortrand ist eine Gemeinde im Landkreis Liebenwerda:

http://www.ulischubert.de/geografie/gem1900/gem1900.htm?sachsen_provinz/liebenwerda.htm

Gruß
Helmut
 
bayern klassisch Am: 18.02.2009 17:37:15 Gelesen: 491274# 3 @  
Hallo Christian,

na dann will ich auch mal einen hier präsentieren:

6er Block der Nr. 15 von Bayern auf Brief von Kissingen vom 1.7.1869 über Österreich nach dem Kirchenstaat. Der Brief war für die Strecke bis zur Grenze des Kirchenstaates um 6 Kr. überfrankiert. Ab da kostete es den Empfänger noch 25 Centesimi.



Gruß von bayern klassisch
 
Christian Am: 18.02.2009 18:27:31 Gelesen: 491256# 4 @  
@ bayern klassisch

Hallo Ralph,

ein schönes Stück, um dass ich dich beneide.

Hier noch ein Brief, frankiert mit 3 Kreuzer (Nr. 9a), abgestempelt in Ludwigshafen am 6.3.1866 nach Gimmeldingen im Pfälzerwald? Das Porto spräche dafür.



Grüße Christian
 
bayern klassisch Am: 18.02.2009 18:42:24 Gelesen: 491252# 5 @  
Hallo Christian,

na ja, Pfälzer Wald kommt der Sache schon recht nah; es war, wie die grössere Nachbarstadt Neustadt auch, an der Haardt gelegen. Heute eher an der Weinstrasse, aber diesen Terminus gab es damals noch nicht.

Dein Brief wurde für 3 Kr. Franko innerhalb der Pfalz bis 1 Loth Gewicht transportiert, die letzte Strecke aber mit dem Pfälzer Landpostboten, der, da fest angestellt ab 1.10.1858, kein Geld fürs Austragen bekam.

Wenn weitere 18 Kreuzer - Frankaturen von mir gewünscht werden, kann ich noch etwas nachlegen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Christian Am: 18.02.2009 18:53:18 Gelesen: 491248# 6 @  
@ bayern klassisch

Hallo Ralph,

ich wohne zwar in seit einigen Jahren in der Westpfalz, bin und bleibe aber ein Franke aus Nürnberg. Nicht ich habe die Behauptung von Gimmeldingen im Pfälzerwald aufgestellt. Das tat die Gemeinde höchst persönlich!

http://www.gimmeldingen.de

Ich bitte darum, noch etwas nach zu legen.

Herzliche Grüße

Christian
 
bayern klassisch Am: 19.02.2009 07:58:00 Gelesen: 491216# 7 @  
Hallo Christian,

dann zeige ich mal eine Einzelfrankatur der Nr. 13a auf Brief von Nürnberg vom 5.3.1864 nach Paris. Das Franko ab dem 1.7.1858 war für einfache Briefe auf 12 Kr. bis 10g Gewicht reduziert worden. Dieser hier wog mehr als 10g und hätte folglich als Doppelbrief 24 Kr. kosten müssen. Das hat man verpennt, denn der P.D. - Stempel dokumentierte ja sowohl der französischen Postverwaltung als auch dem Empfänger in Paris, dass er für diesen Brief nichts mehr zu zahlen hatte.

Einzelfrankaturen, noch dazu vom Rand, sind nicht häufig; ebenso wenig unerkannt durchgeschlüpfte Unterfrankaturen.

Bei Interesse, könnte ich noch etwas nachliefern. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Christian Am: 19.02.2009 15:20:58 Gelesen: 491197# 8 @  
@ bayern klassisch

Hallo Ralph,

um auch die humoristische Variante nicht ganz außer Acht zu lassen, habe ich eine Drucksachenpostkarte mit Michel-Nr. 60y b (meine Einschätzung), gelaufen von Nürnberg nach Rothenburg ob der Tauber vom 22.10.1906.



Irgendwie würde ich den Begriff "Bekennerschreiben" aus heutiger Sicht anders interpretieren.



Mit der bitte um Nachlieferung verbleibt
herzlichst grüßend

Christian
 
bayern klassisch Am: 19.02.2009 19:00:27 Gelesen: 491181# 9 @  
Hallo Christian,

feine Karte - die Zuordnung wird wohl stimmen - ich bin aber kein Pfennigzeitsammler.

Wenn du erlaubst werde ich, um niemanden zu langweilen, mal zur Abwechslung eine 36 Kreuzer - Frankatur zeigen, ehe ich wieder auf die bekannten 18 Kr. Frankaturen zurück kommen werde.

Es war dies eine Parteisache aus Nürnberg vom 24.10.1852 an den Staatsprocurator in Strasbourg. Nach dem Vertrag vom 1.7.1847 waren Parteisachen, also Dienstbriefe, deren Inhalt von Privaten initiiert worden waren, ins Ausland zu frankieren, wie hier auch geschehen.

Ab dem 1.10.1851 waren Briefe nach Frankreich mit Marken, zuvor siegelseitig bar, zu frankieren. Es war somit ein Brief der 3. Gewichtsstufe, denn er kostete 3 x 9 Kr. für Bayern und 3 x 3 Kr. für Frankreich = 36 Kreuzer.

Das besondere an diesem Vertrag war, dass Briefe hin und her unterschiedlich behandelt und frankiert bzw. taxiert wurden.

Frankobriefe aus Bayern wurden nach halbem Lothgewicht frankiert (=8,75g), während Frankobriefe aus Frankreich nach 7,5g Gewichtsschritten zu frankieren waren.

Bei Portobriefen war es genau umgekehrt: Portobriefe aus Bayern wurden von Bayern nicht taxiert und nur von der franz. Postverwaltung mit manuellen Gebührenvermerken oder Taxstempeln versehen und wieder nach 7,5g Schritten tarifiert.

Bei Portobriefen aus Frankreich sollte die franz. Post diese unbehandelt lassen und Bayern tarifierte nach 1/2 löthigen Stufen die Briefe.

Dieser hier war also zwischen 1 und 1,5 Loth schwer.

Sollte jemand Fragen zu diesem Brief oder zu anderen haben, werde ich versuchen, mein spärliches Wissen zur Beantwortung derselben einzusetzen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 20.02.2009 08:00:25 Gelesen: 491164# 10 @  
Hallo Christian,

nachdem es keine Fragen zu geben scheint, möchte ich mal einen Brief aus 1864 zeigen, den man mir mal erklären könnte.

Er lief von München nach Rom, war aber jetzt ohne Taxansatz im Kirchenstaat geblieben.

Jede Antwort ist willkommen, keiner braucht sich zu schämen, wenn er es nicht 100%ig weiß.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 21.02.2009 07:57:46 Gelesen: 491126# 11 @  
Hallo,

nachdem ich mit PNs zugeschüttet wurde, hier noch ein letzter Versuch, die wunderbare bayerische Postgeschichte ins Laufen zu bringen.

Ein Laufzettel aus dem Jahr 1852 von Ansbach über Berlin nach Posen (Preußen) hat damals wie viel Geld gekostet?

Fragende Grüsse von bayern klassisch


 
duphil Am: 21.02.2009 10:06:26 Gelesen: 491109# 12 @  
@ bayern klassisch

Hallo bayern klassisch!

Bitte nicht aufgeben. Ich sammele kein Bayern oder Altdeutschland allgemein, bin aber hier wie bei vielen anderen Themen immer daran interessiert, etwas Neues zu lernen.

Eventuell musst Du halt ein wenig Geduld haben, bis sich die Spezialisten aus der "Deckung" trauen. Wie sich so etwas dann entwickeln kann, sieht man beim Thema "Rohrpost". Dazu kommt, das sicher viele Mitglieder erst am Wochenende hier reinschauen.

Ich hoffe jedenfalls, das diese Thema weiterhin ausgebaut wird, auch wenn Christian und Du im Augenblick die einzigen Schreiber hier seid.

Mit freundlichen Gruß
Peter
 
HEFO58 Am: 21.02.2009 11:27:33 Gelesen: 491098# 13 @  
Hallo

In meiner Belegesammlung habe ich zwar auch ein paar Belege aus der Kreuzerzeit und zeige Euch diese auch gerne, allerdings kann ich keine Erklärungen dazu abgeben mangels Wissen.

Gruß
Helmut




 
Christian Am: 21.02.2009 20:02:08 Gelesen: 491062# 14 @  
@ bayern klassisch

Hallo Ralph,

eine Frage zu Deinem 36 Kreuzer Beleg aus Nürnberg. Hast du die Marken bestimmt? Beim Typ würde mich festlegen auf Type II. Leider ist es immer schwer die Farbe zu erkennen. Wenn ich mich festlegen müsste, würde ich auf die 5c II tippen.

Wie ist Deine Meinung?

Herzliche Grüße
 
Richard Am: 21.02.2009 20:43:03 Gelesen: 491057# 15 @  
@ bayern klassisch

nachdem ich mit PNs zugeschüttet wurde

Hallo bayern klassich,

ich frage mich, warum Du mit PNs zugeschüttet wirst ?

Sind das Fragen zu den Belegen ? Diese sollten besser hier ins Forum geschrieben werden ! Dafür ist das Forum gedacht, hier soll die Diskussion stattfinden ! Es fehlen nämlich nicht nur die Fragen, sondern auch Deine Antworten.

Um ein Thema dauerhaft interessant zu machen, nutzte ich unter anderem den monatlichen Philaseiten Brief. Dort werden 10 interessante aus den meistgelesenen Themen seit dem letzten Brief vorgestellt und damit automatisch Liebhaber und Interessenten des jeweiligen Gebiets aufmerksam gemacht. Der nächste Brief erscheint am 10. März.

Schöne Grüsse, Richard
 
bayern klassisch Am: 21.02.2009 21:30:32 Gelesen: 491051# 16 @  
Hallo HEFO58,

danke fürs Zeigen deiner Stücke.

Der erste war ein sogenannter Lokalbrief, der von Feuchtwangen für 1 Kr. bis 15g Gewicht nach Dentlein lief. Der Postexpeditor hat ihn seinem Landpostboten übergeben, der ihn in dem Ort Dentlein zugestellt hat. So häufig ist das gar nicht.

Der 2. Brief von Landshut nach München wog ebenfalls einfach, hier jedoch noch bis 1 Loth (16,66g).

Der 3. Brief von Würzburg nach Augsburg trägt hinten 2 verschiedene Stadtbriefträgerstempel, woraus zu ersehen ist, dass der 1. Briefträger ihn nicht zustellen konnte und ein Oberbriefträger (in Augsburg im Gegensatz zu München und Nürnberg ohne O.B - Stempel) die richtige Lokalität ermitteln musste, ehe er ihn einem anderen Stadtbriefträger gab. Die Nummer des Stempels war personenbezogen; starb der Stadtbriefträger, wurde sie nicht mehr vergeben.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen, dir solche Briefe etwas näher ans Herz zu rücken.

Hallo Christian,

Herr Pfenninger und ich sahen/sehen das genauso - 5cIII, 5cIII, 5cII und 5cIII. Aber das ist wirklich bei der Betrachtung dieses Briefes nicht ausschlaggebend (außer es wäre eine 5aa oder 5b, dann schon). So aber dominiert der postgeschichtliche Charakter des Briefes vor Typen und Farben.

Hallo Richard,

meine Aussage war ironisch gemeint - ich habe bis dato noch keine PN bekommen.

Ich habe mich nur gewundert, warum ein gut frequentiertes Forum beim Anblick von Poststücken, die nicht gerade alltäglich sind, bis auf einen Sammlerfreund sich nicht regt. Wenn ich vor vielen Jahren solche Stücke im damals noch nicht existierenden Internet gesehen hätte, hätte ich tausend Fragen dazu gehabt.

Mit deiner Ansicht zur offenen Diskussion liegst du natürlich vollkommen richtig. Gerade die kommt hier nicht in Gang.

Also zeige ich mal einen Brief aus Bayern nach Österreich, von dem ich gerne wüsste, was der Absender am Postschalter in München hat bezahlen müssen?

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
HEFO58 Am: 21.02.2009 22:00:32 Gelesen: 491045# 17 @  
@ bayern klassisch

Hallo

Vielen Dank für die Informationen, einen Kreuzerbrief habe ich noch, der ist allerdings irgendwann mal Vandalen in die Finger gefallen.

Gruß
Helmut



 
Jürgen Witkowski Am: 21.02.2009 22:12:15 Gelesen: 491044# 18 @  
@ bayern klassisch

Obwohl Du leider so gut wie nie Maschinenstempel auf Deinen Belegen hast und immer alles von mehreren Personen mit zumeist für mich unleserlicher Handschrift vollgeschrieben ist, lese ich die Beiträge in diesem Thema mit viel Interesse und Vergnügen.

Daher traue ich mich, selbst auf die Gefahr hin, mit meinem Deutungsversuch voll daneben zu liegen, aus der Deckung.

Die zu zahlende Summe betrug 26 Kreuzer. 20 Kreuzer für den Brief und 6 Kreuzer Charge-Gebühr (Einschreibe-Gebühr). Es hegen sich aber bei mir leichte Zweifel, ob die gesamte Summe am Schalter in München gezahlt wurde. Den Vermerk "Franco" kann ich nämlich nicht entdecken.

Bei zwei weiteren Vermerken tappe ich im Dunkeln. Ist die 24 oben rechts so etwas wie eine Registriernummer für das Einschreiben? Was bedeuten die vier unterstrichenen Worte unten auf dem Brief?

Mit unsicheren Sammlergrüßen
Jürgen
 
bayern klassisch Am: 21.02.2009 22:35:27 Gelesen: 491036# 19 @  
Lieber ConcordiaCA,

es spricht klar für dich, dass du die Deutung so weit vorangetrieben hast. Prima!

So einfach ist die Kiste denn nämlich nicht und du hast schon vieles erkannt, wenngleich noch nicht alles. Aber das würden 98% aller Bayernsammler auch nicht.

Es war ein Porto - Chargébrief aus 1861, den es so erst seit den neuen Postvereinsvertrag ab dem 1.1.1861 geben konnte.

Der Absender hatte keine Zeit und kein Geld, daher schrieb er in Eile und verklebte auch kein Franko von 9 Kr. für den einfachen Brief über 20 Meilen in den Postverein.

Er war ihm aber dennoch wichtig, denn er wollte ihn eingeschrieben haben. Nur sollte der Empfänger alle Gebühren zahlen.

Daher gab er ihn am Bahnhof Münchens auf und bekam den Postschein mit der Nummer 24, die sich auch oben rechts auf dem Brief befindet. Der Annahmebeamte musste nun in der Währung der Abgabepost in Wien taxieren, denn Bayern stand ja das Porto voll zu.

Also rechnete er: Unfrankierter Brief von Bayern = 12 Kreuzer rheinisch = 20 Neukreuzer, die wir vorne in blau (diese Farbe war Vorschrift) sehen.

Da die Chargégebühr von 6 Kreuzer rheinisch aber in Bayern dem Annahmebeamten gehörte, hatte er ein Problem mit der Umrechnung (Reduktion) in die österreichischen Neukreuzer: 6 Kr. rheinisch waren = 10 Neukreuzer. Aber 10 Neukreuzer waren gleich 7 Kr. rheinisch! Diese Unlogik kannte unser treuer Staatsdiener. Er wollte auf keinen Fall die Postverwaltung um einen Kreuzer betrügen, denn ihm standen ja laut Dienstvertrag nur 6 Kr. zu und eben keine 7 Kr., die ihm nach der Zustellung aus Österreich überwiesen worden wären!

Daher schrieb er die Chargégebühr mit 6 Kr. rheinisch an und überließ seinen österreichischen Kollegen die Reduktion. Korrekt war das nicht.

Der Empfänger hat sicherlich 30 Neukreuzer bezahlt und die österreichische Post hat auch nach dem vorgegebenen Reduktionsverhältnis Bayern ausbezahlt (bzw. am Quartalsende verrechnet). Dem bayer. Postler wurden auch nur 6 Kr. gutgeschrieben, von daher war alles bestens.

Im Falle eines Verlusts des Briefes hätte Österreich an Bayern 24,5 Gulden rheinisch zahlen müssen, die die bayerische Post dem Inhaber des Postscheines erstattet hätte (auf Antrag).

Ich finde es toll, dass du auf den wichtigen fehlenden "Frei" oder "franko" - Vermerk geachtet hast. So weit sind nur wenige.

Ich hoffe, ich konnte dir zeigen, dass auch in markenlosen Briefen viele Informationen stecken können.

Liebe Grüsse von bayern klassisch, der sich erlaubt, noch ein kleines Schmankerl anzuhängen, das man auch erst einmal beschreiben können sollte. :-)


 
Christian Am: 24.02.2009 11:37:36 Gelesen: 490991# 20 @  
Hallo zusammen,

Nachdem sich der Kreis der Teilnehmer doch erweitert hat, hier noch ein Beleg aus Nürnberg vom 17. August 1855, versandt nach Bremen, portogerecht frankiert. Vom 1.7.1850 bis zum 1.7.1858 betrug die Gebühr für Briefe im Fernverkehr (über 20 Meilen) bis 1 Loth, 9 Kreuzer. 1855 galt für das Loth folgendes 1 Loth = 1/32 Zollpfund (500g), also ca. 15 2/3g



Bei der Marke würde ich mich nur beim Typ auf Type III festlegen wollen. Die Farbe lässt meiner Ansicht auch die Möglichkeit offen, dass es sich um eine Nr. 5b handelt, aber wahrscheinlich ist wohl doch eine 5d.

Die "Kehrseite" der Philatelie ist auch ganz schön. Ich vermute, dass es sich bei dem Rechnungsinhalt um Kräuter handelte. Wer kann hier weiterhelfen?


 
bayern klassisch Am: 24.02.2009 13:14:52 Gelesen: 490985# 21 @  
Hallo Christian,

na ja, groß erweitert hat sich der Kreis leider nicht. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

Dein Brief hat eine 5dIII. Die Auflösung des Inhalts ist nicht sehr hoch, aber da ich das Wort Ballen lesen kann, dürfte es sich um Spinnstoffe gehandelt haben.

Die Rückseite des Briefes wäre noch interessant - gibt es da Transitstempel?

Deine Beschreibung ist schon ganz gut - aber das zeitliche Limit für die Korrespondenz Bayerns nach Bremen im Postverein et vice versa war der 1.5.1851 bis zum 31.12.1867. Davor und danach war das anders.

Hast du dir mal Gedanken über meine schöne Farbfrankatur aus Landau / Pfalz nach der Schweiz gemacht?

Stell dir vor, auf einem Tauschtag würde dir jemand einen solchen Brief anbieten. Was würdest du dann tun?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Christian Am: 24.02.2009 15:39:57 Gelesen: 490970# 22 @  
@ bayern klassisch

Hallo Ralph,

es gibt nur einen sehr schlecht lesbaren Stempel auf der Rückseite, den ich als aus Bremen stammend interpretieren würde. Ich will ihn Dir nicht vorenthalten:



Zum Inhalt des Briefes: Vielleicht haben wir auch beide Recht. Ich konnte das Wort altehae entziffern. Das ist der lateinische Name von Eibischwurzeln. Bei der Firma Sagsteiger vormals Andreas Loewel handelt es sich um ein Handelshaus.

Zu Deiner Frage:

Leider bin ich im Vergleich zu Jürgen ein Stempel-Novize. Aber ich versuch's trotzdem einmal.

Der Unterschied zwischen Mischfrankatur und Farbfrankatur besteht darin, dass es sich bei Farbfrankaturen um Sendungen handelt, die nachgesendet wurden und somit oftmals einen unterschiedlichen Stempel auf den Marken aufweisen. Diese kann ich, genauso wie den Ort leider nicht entziffern. Da die Nummer 10 allerdings über dem Werbestempel des Absenders klebt ist davon auszugehen, dass es sich zuerst um einen Ortsbrief oder eine Brief innerhalb der Pfalz gehandelt haben müsste. Die zusätzliche Frankatur für einen Brief im Postverein nach Zürich dürfte wohl mit 6 Kreuzern richtig sein.

Ich werde den Brief später noch etwas studieren. Ich bin mir sicher, dass es noch die eine oder andere Besonderheit geben wird.

Herzliche Grüße

Christian
 
bayern klassisch Am: 24.02.2009 16:06:36 Gelesen: 490963# 23 @  
Hallo Christian,

danke für den Scan der Rückseite: Es handelt sich um den Ankunftsstempel von Bremen Thurn und Taxis, denn die Post von und nach Bremen mit Richtung Bayern war im August 1850 der fürstlichen Lehenspost übertragen worden (was sehr einträglich war).

Bei meinem Brief liegst du, leider, daneben.

Ich beschreibe ihn dir mal.

Nach dem Postvertrag Bayerns mit der Schweiz vom 1.10.1852 gab es nur noch voll frankierte Briefe, oder gänzlich unfrankierte Briefe zwischen beiden Staaten.

Von der Pfalz kosteten sie immer 9 Kr., da alle Orte der Pfalz zur Schweizer Grenze über 20 Meilen entfernt waren. Innerhalb der Schweiz kosteten Briefe bis 10 Meilen von der Grenze 3 Kr., darüber 6 Kreuzer. Der Brief hätte also mit 12 Kr. frankiert werden müssen.

Der Absender klebte aber nur 9 Kr., was 3 Kr. zuwenig war. Da Bayern den Postvereinsanteil von 9 Kr. komplett der badischen Post vergüten musste für ihren Transit in die Schweiz (gilt nur für die Pfalz!), notierte man unten links "ohne Weiterfranko", denn für die Schweiz blieb ja nichts mehr übrig.

Bei seiner Ankunft in Basel wunderte man sich, warum ein bayerischer Brief aus Lindau mit 9 Kr. unterfrankiert sein soll, denn man las nicht Landau sondern Lindau. Und von Lindau aus hätten die 9 Kr. allemal gereicht. Daher erhob man das zuwenig frankierte von 3 Kr. = 10 Rappen nicht vom Empfänger, worüber sich der sicher freute.

Der Brief war wohl noch etwas zu schwierig zu interpretieren. Ich werde zukünftig einfachere Briefe einstellen, die leichter nachzuvollziehen sind.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 

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