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Thema: Portobestimmung von Belegen: Altdeutschland Bayern - Schweiz
Das Thema hat 71 Beiträge:
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bayern klassisch Am: 24.02.2019 18:20:57 Gelesen: 5291# 47 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#46]

Hallo Kevin,

guter Gedanke! Ich habe zwar viel Material, aber glaube ich keinen Brief CH - Bayern dieser Art. Die anderen aber auch nicht - die Schweizer haben "besser" frankiert in der Frühzeit, als die Bayern.

Von den unterfrankierten Briefen, die mir bekannt sind, sind maximal 5% oder weniger aus dieser frühen Periode. Jeder Brief ist ein Highlight, glaubs mir und einen schöneren kenne ich nicht, noch dazu mit der Postgeschichte des Aufgabeortes, die allein für sich schon ein Highlight ist.

Ich drücke dir die Daumen, jetzt, da du das weißt, dass du mal etwas Deutschland - Schweiz et vice versa findest. Leicht wird es aber nicht.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 24.02.2019 18:30:54 Gelesen: 5289# 48 @  
@ bayern klassisch [#47]

Jeder Brief ist ein Highlight, glaubs mir und einen schöneren kenne ich nicht, noch dazu mit der Postgeschichte des Aufgabeortes, die allein für sich schon ein Highlight ist.

Hallo Ralph,

das glaube ich dir gerne, optisch ist der Beleg wirklich eine Wucht!

Ich werde auf jeden Fall die Augen offen halten, man weiß nie was noch alles in den Alben andere Sammler schlummert.

LG

Kevin
 
briefmarkenwirbler24 Am: 23.03.2019 11:55:28 Gelesen: 4928# 49 @  
Hallo zusammen,

heute gibt es mal wieder einen Beleg nach Bayern von mir zu sehen, der relativ selten ist.

Aufgegeben wurde der Brief am 27.05.1871 in Winterthur und adressiert an Martin Spengelin in Lindau.

Siegelseitig wurden zwei Stempel abgeschlagen, ein Transitstempel von Rorschach und der Ankunftsstempel von Lindau, jeweils vom gleichen Tag (beides 27.05.).

Frankiert wurde der Brief allerdings nach dem alten Vertrag mit dem DÖPV (galt bis zum 31.08.1868) bloß mit 20 Rappen (10 Rappen Tübli + 10 Rappen Zufrankatur), und zwar für einen Brief vom 1.Schweizer Taxrayon in den 1. Vereinsländischen Taxrayon. Allerdings trat ab dem 01.09.1868 ein neuer Vertrag in Kraft, nach dem Briefe bis 15 gr. nach Deutschland einheitlich mit 25 Rappen zu frankieren waren. Vergleicht man die alten Tarife, bei denen je nach Taxrayon 50, 40 oder 30 Rappen zu frankieren waren, mit dem neuen Vertrag, trat eine Gebührenreduktion ein, mit einer Ausnahme, dem damaligen 20 Rappen-Tarif (wie er bei meinem Brief vorliegt), welcher mit dem neuen Vertrag um 5 Rappen erhöht wurde.

Die Nachtaxierung mit 9 Kreuzern (in Bläuel) ist korrekt, da zu dieser Zeit (vom 1.9.1868 bis zum 30.6.1875) ungenügend frankierte Briefe in Bayern grundsätzlich wie unfrankierte mit 14 Kreuzern belastet wurden, abzüglich der geklebten Frankatur (umgerechnet 5 Kreuzer). Aufgrund ständiger Kursschwankungen wurden 20 Rappen mal mit 6 mal mit 5 Kreuzern umgerechnet. Der Empfänger hatte dann die 9 Kreuzer Nachporto zu tragen.

Aus dieser Zeit dürfte ein solcher Nachportobrief relativ selten sein, wenn man bedenkt, dass der neue Vertrag 1871 bereits knapp 3 Jahre bestand. Aus der Anfangszeit des neuen Vertrages findet man solche Briefe auf jeden Fall sicherlich öfter.

Liebe Grüße

Kevin


 
bayern klassisch Am: 23.03.2019 23:44:17 Gelesen: 4912# 50 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#49]

Hallo Kevin,

sehr gut recherchiert - wow!

Da 30 Rappen fehlten (50 Rappen für den unfrankierten, sog. Portobrief), galt 10 Rappen = 3 Kreuzer, also total 9 Kreuzer zu wenig, die Herr Spengelin in Lindau im Bodensee nachzahlen durfte. Dabei fand keine Teilung statt, denn die 20 Rappen wären auch bei einem ganz unfrankierten Portobrief der Schweiz gutgeschrieben worden und Bayern hätte in diesem Fall auch 30 Rappen = 9 Kreuzer kassiert, da die Teilung bei Porto- und Frankobriefen immer 2/5 zu 3/5 war.

Diese Unterfrankaturen kennen wir praktisch nur aus der Spengelin - Korrespondenz, wo ca. 5 - 6 Stücke (mit diesem) bekannt sind. Richtig ist natürlich, dass die frühen Unterfrankaturen häufiger waren, als die in den 1870er Jahren, weil es irgend wann auch der kognitiv minderbegabteste Schreiben endlich bemerkt hatte, dass mit dem neuen Vertrag eben nicht alles günstiger geworden war.

Dein Brief ist der m. E. qualitativ hochwertigste von allen - Glückwunsch dazu. Auch erwähnen könnte man, dass der Brief über den Bodensee lief mit einem Dampfboot, so dass man ihn semantisch sogar als Überseebrief bezeichnen könnte. :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 24.03.2019 13:46:06 Gelesen: 4887# 51 @  
@ bayern klassisch [#50]

Dabei fand keine Teilung statt, denn die 20 Rappen wären auch bei einem ganz unfrankierten Portobrief der Schweiz gutgeschrieben worden und Bayern hätte in diesem Fall auch 30 Rappen = 9 Kreuzer kassiert, da die Teilung bei Porto- und Frankobriefen immer 2/5 zu 3/5 war.

Hallo Ralph,

danke für diese wertvolle Information! Ich nehme an bei der Teilung beziehst Du dich nur auf den Briefverkehr zwischen den süddeutschen Staaten und der Schweiz, oder?

Diese Unterfrankaturen kennen wir praktisch nur aus der Spengelin - Korrespondenz, wo ca. 5 - 6 Stücke (mit diesem) bekannt sind.

Gut zu wissen, :) also es sind bloß eine Hand voll Briefe nach Bayern bekannt und wie sieht es mit Baden und Württemberg aus?

Dort müsste es ja auch die gleichen Fälle gegeben haben. Ich weiß zumindest, dass unser Freund einen nach Baden hat :) (vielleicht sogar mehr).

Dein Brief ist der m. E. qualitativ hochwertigste von allen

Umso mehr freue ich mich natürlich den Brief verhältnismäßig günstig bekommen zu haben.

Liebe Grüße

Kevin
 
bayern klassisch Am: 24.03.2019 14:39:56 Gelesen: 4881# 52 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#51]

Hallo Kevin,

Ich nehme an bei der Teilung beziehst Du dich nur auf den Briefverkehr zwischen den süddeutschen Staaten und der Schweiz, oder?

Ja, Silbergroschen - Postgebiete benötigten ja immer noch die süddeutschen Staaten, um ihre Post in die Schweiz zu bringen, da es keine direkten Kartenschlüsse gab.

also es sind bloß eine Hand voll Briefe nach Bayern bekannt und wie sieht es mit Baden und Württemberg aus?

Ich habe mich nur auf Bayern bezogen - nach Baden, Württemberg, Österreich usw. gab es das natürlich auch, aber wohl auch nicht viel mehr. Unser Robert hat natürlich eh fast alles, von daher könnte er dir auch nach dorthin etwas zeigen (was über 140 Alben halt so alles hergeben ...). :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 18.09.2019 17:13:06 Gelesen: 3668# 53 @  
Liebe Freunde,

frankierter Dienstbrief des Stadtmagistrats Bayreuth vom 1.12.1874 an den Gemeinderath z u Bannwyl Amtsbezirk Aarwangen in der Schweiz. Die Behörde hatte es mit dem Transport eilig, auch wenn der Inhalt mir nicht so dringlich erscheint, wie ich es bei dergleichen Briefen kenne. In jedem Fall notierte man Cito mit Rötelstift, unterstrich es und setzte das Schweizer Weiterfranko mit 3 Kreuzern korrekt an (was man aber nicht hätte müssen). Später unterstrich man noch mit blauem Stift Cito und setzte ein Ausrufezeichen dahinter.





Leider kenne ich sonst keine Expressbriefe in die Schweiz, weder private, noch dienstliche wie hier, denn ich nehme nicht an, dass die Post 2 mal den selben Fehler machte, sondern eher, dass er unter der Rubrik "Dienstexpressbriefe" in der Briefkarte vorgetragen wurde.

Ausweislich der siegelseitigen Stempel kam er am Folgetag schon an und könnte auch sofort ausgetragen worden sein, aber das muss Spekulation bleiben.

Keiner Spekulation bedarf es hinsichtlich des dringenden Inhalts, den ich hier transkribiert habe:

"Aufnahme des zugereisten Faerbergesellen Adolph Schaad von Bannwyl im hiesigen stadetischen Krakenhause.
Wir machen hiermit die ergebenste Mittheilung, daß der am 15. Februar 1854 geborene hier zugereiste Faerber Adolph Schaad von Bannwyl j. B. wegen Kraetze heute im hiesigen staedtischen Krankenhause aufgenommen werden mußte, daß derselbe in Folge seiner ansteckenden Krankheit nicht transportfaehig ist und dessen Heilung ohngefaehre 8 Tage waehren wird.

Der rechtskund: Bürgermeister verhindert - gez. Unterschrift".

Unser junger Fahrensmann aus der Schweiz war also in Bayreuth erkrankt an Krätze und das war damals nicht lustig [1].

Üblich war es, dass die Heimatgemeinden für Kosten ihrer Bürger im Ausland aufzukommen hatten und ich denke, dass man nach Entlassung des Färbergesellen Schaad die Kosten für das Krankenhaus, Medizin und Heilung (samt Porto natürlich) von der Gemeinde in Bannwyl wieder haben wollte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Kr%C3%A4tze
 
bayern klassisch Am: 09.10.2019 09:05:21 Gelesen: 3487# 54 @  
Liebe Freunde,

ein nettes Forumsmitglied hat mir folgendes Kärtchen vermacht, über das ich mich sehr gefreut habe:



Romont, 21.11.1873 an die Firma Maerz & Braun nach Nürnberg, bei dem eine 5 Rappen Inlandspostkarte mit weiteren 5 Rappen auffrankiert wurde. Ankunft in Nürnberg am 23.11.1873.

Nach langer Beobachtung des Marktes zwischen beiden Ländern muss ich feststellen, dass es viel mehr (auch oder gerade schöne) Postkarten aus der Schweiz nach Bayern gibt, als umgekehrt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
briefmarkenwirbler24 Am: 09.10.2019 11:27:17 Gelesen: 3473# 55 @  
@ bayern klassisch [#54]

Hallo Ralph,

sehr schöne Postkarte, genau nach meinem Geschmack!

Habe eine sehr ähnliche nach Sachsen, allerdings schon zur "Reichszeit".

Ich kann deine Beobachtung bestätigen, mir ist zumindest in der Bucht noch nie wirklich eine schöne PK von Bayern nach Schweiz aufgefallen, während es andersherum doch immer mal wieder Angebote gibt.

LG

Kevin
 
bayern klassisch Am: 09.10.2019 12:26:16 Gelesen: 3467# 56 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#55]

Hallo Kevin,

auch gibt es eine kurze Zeit, in der Postkarten, wie Briefe auch, noch 7 Kreuzer kosteten bzw. 25 Rappen. Wenn du da mal eine sehen solltest, lass es mich wissen - muss nicht mal schön sein. :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 17.11.2019 10:36:53 Gelesen: 2875# 57 @  
Liebe Freunde,

wo liegt die Besonderheit bei dieser Drucksache von Nürnberg nach Bischofszell in der Schweiz?



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 17.11.2019 13:56:10 Gelesen: 2857# 58 @  
@ bayern klassisch [#57]

Hallo Ralph,

PP sagt ja aus bezahlt bis Grenze und ich weiß nicht, ob für über 50 Meilen 3 Kreuzer ausreichten auch wenn es eine Drucksache war.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 17.11.2019 15:21:14 Gelesen: 2850# 59 @  
@ Gernesammler [#58]

Hallo Rainer,

das P.P. stand innen und hatte mit der Taxierung/Frankierung nichts zu tun und bedeutete nur:

praemissis praemittendis

Bei Drucksachen war die Entfernung egal (wenn es kein Grenzrayon war und das war es hier natürlich nicht).

Die Lösung ist also noch zu erahnen.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 17.11.2019 15:42:58 Gelesen: 2849# 60 @  
@ bayern klassisch [#59]

Hallo Ralph,

ich weiß aber ein Versuch war es Wert aber ich lass mich gern durch die Lösung überraschen und bin gespannt.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 17.11.2019 15:52:21 Gelesen: 2848# 61 @  
@ Gernesammler [#60]

Hallo Rainer,

danke für deinen Versuch - dann löse ich mal:

Eine Drucksache (DS) Bayern - Schweiz kostete immer 1 Kreuzer für Bayern und 1 Kreuzer für die Schweiz je Gewichtsstufe.

Hier war es natürlich die 1. Gewichtsstufe, also hätte man 2 Kreuzer frankieren müssen.

Aber wenn man keine 1 Kreuzermarken zur Hand hatte, klebte man schnell eine geläufige 3 Kreuzermarke, die ja jeder hatte und verschwendete so 1 Kreuzer.

Die bayerische Post knobelte nun, ob es eine unterfrankierte 2. Gewichtsstufe einer DS war, oder gar ein unterfrankierter Brief. Da es aber eine DS war, die offen aufgeliefert wurde (ich hoffe, dass man das erkennen kann), konnte es also nur eine DS sein, die um 1 Kreuzer überfrankiert worden war.

Bayern behielt hier also 2 Kreuzer und notiert in Blau (richtig wäre es in Rot gewesen) 1 Kreuzer Weiterfranko für die Schweiz.

Überfrankierte Drucksachen sind sehr selten, weil gerade Auslandsdrucksachen Poststücke der "Profis" waren, die natürlich genau wußten, was die Poststücke kosteten. Hier sollte sie schnell raus und den Extrakreuzer wird man wohl verschmerzt haben.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 21.01.2020 14:43:12 Gelesen: 1976# 62 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen der ungewöhnlichsten Bayern - Schweiz - Briefe, die ich kenne und ich musste ihn unbedingt haben.

Eine Portofreie Regierungs Sache vom 2.8.1848 aus Memmingen des 7. Bundes - Armme - Korps zu Memmingen "An Herrn Major von Liel im Kgl. bay. Generalquartiermeisterstabe in Bern", womit der Brief in Bayern und der Schweiz portofrei zu belassen war. AM 4.8.1848 kam er in Zürich an und war am Folgetag schon in Bern. Doch in Bern war Herr von Liel nicht mehr, weswegen man oben notierte: " Von Bern den 4ten August abgereist. J. Kraft zur Krone".



Ich folgere also, dass der Brief Herrn von Liel um einen Tag verpasst hatte und Herr J. Kraft vom Gasthaus Krone im Bern, wo er wohl logiert zu haben schien, den Brief der Berner Post retour gab. Diese schickte ihn postwendend nach Zürich zurück, wo er siegelseitig am 7.8. vormittags ankam und wo der Auslag von Zürich - Stempel etwas sinnlos abgeschlagen worden war, denn "Auslagen", also eigene, Schweizer Porti, waren ja keine angefallen, weshalb das Innere des Auslagestempels auch leer bleiben musste.

Am 9.8. traf der Retourbrief wieder in Memmingen ein, doch war Herr von Liel auch jetzt nicht mehr dort zu erreichen und man strich "Memmingen" und setzte seine neue Anschrift "München" darüber, wo er letztlich erfolgreich am 10.8. auch zugestellt werden konnte.

1 Tag zu spät, 7 Stempel, ein Armeekorps - Siegel, das sich gewaschen hat, 2 mal nachgesandt und das alles kostenlos - Sammlerherz, was willst du mehr?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 21.01.2020 19:17:19 Gelesen: 1959# 63 @  
@ bayern klassisch [#62]

Hallo Ralph,

tolles Stück was wohl jeder gern in seiner Sammlung hätte, ob Bayern oder Schweiz Sammler.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 21.01.2020 20:04:38 Gelesen: 1953# 64 @  
@ Gernesammler [#63]

Hallo Rainer,

danke dir - sehe ich auch so. Suche mal einen Brief mit leerem Auslagestempel von der Schweiz - kenne keinen anderen bisher.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 22.01.2020 12:06:46 Gelesen: 1925# 65 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Dienstbrief als gebührenpflichtige Partei - Sache des Kreis- und Stadtgerichts Ansbach vom 12.3.1824 an das Oberamt Zofingen, Bezirk Zofingen im Kanton Aargau in der Schweiz, welcher frankiert bis zu Grenze und recommandirt war (gegen Postschein).



Der Absender zahlte 30 Kreuzer, aber nicht den Schweizerischen Anteil, daher notierte die Post in Ansbach "Grenz" neben "frei" vom Absender. Die Entfernung betrug 206 km, also 27,4 Meilen. Ein einfacher Brief über 24 bis 30 Meilen hätte 10 Kreuzer gekostet, so dass dieser bis 1 Loth = 15 Kr., bis 1 1/2 Loth = 20 Kr., bis 2 Loth = 25 Kr. und bis 2 1/2 Loth 30 Kr. kosteten, weil er auch mit dem Vermerk "Mit Anlage" versehen worden war.

Oben rechts notierte Ansbach die Reco-Nro. 1, Nürnberg fügte ein blaues Tintengitter wegen der Recommandation und die Reco-Nr. 1 bei, Lindau die N. 8, Zürich die 3 oben rechts und die 20. (Eingangsmanualnummer) oben links, eine Transitpost der CH fügte die 20 bei, strich sie und vergab statt dessen die 40 und Zofingen notierte letztlich die Reco-Nr. 62 (nicht 64, wie man auch lesen könnte).

Interessanterweise blieb dieser Brief, wohl weil die CH "R.S.", statt "P.S." gelesen hatte, komplett gebührenfrei und einen Reco-Brief mit 7 verschiedenen Reco-Nummern muss man auch erst einmal finden.

Liebe Grüsse von bayern kassisch
 
bayern klassisch Am: 18.02.2020 13:55:43 Gelesen: 1367# 66 @  
Liebe Freunde,

den hier musste ich aus 2 Gründen haben, auch wenn die mit dem Postvertrag Bayern - Schweiz vom 1.9.1868 wenig zu tun hatten:



1. Ein kleiner Einkreisstempel = 24 mm (!) entwertete gleich 3 Marken - und das in München, wo es ja nur gute Beamte am Schalter gab, und

2. Der Absender stempelte bereits mit seinem eigenen "Recommandirt" - Stempel, dem die Aufgabepost pflichtbewußt einen roten Chargé - Stempelabschlag folgen ließ.

Ich kenne nur wenige Fälle, in denen Absender für sich selbst Recommandirt - Stempel anfertigen ließen.

Dieser hier aus München vom 4.7.1869 lief nach Luzern (wunderschöne Stadt, bitte mal besuchen, wenn ich die Schweiz passiert) und wurde von Lindau aus über den Bodensee mit dem Dampfboot nach Romanshorn verfrachtet, also ein sog. Überseebrief.

In Luzern kam er schon am Folgetag an - unglaubliche Leistung und daher höchster Respekt für unsere Kameraden der damaligen Zeit - heute unmöglich, ob eingeschrieben, oder nicht.

4 Kreuzer für Bayern, 3 Kreuzer für die Schweiz und 7 Kreuzer Reco-Gebühr für die Aufgabepost.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 27.03.2020 14:47:05 Gelesen: 649# 67 @  
Liebe Freunde,

wieder einen Grenzrayonbrief der Firma Schieling & Co in Lindau an Firma Kinkelin in Romanshorn, jetzt ohne Abgabestempel verblieben. Das Datum war der 2. Mail 1868 und die Ankunft dürfte am selben Tag erfolgt sein per Dampfboot über den Bodensee.



Bei Grenzrayonbriefen innerhalb von 5 Postmeilen zwischen Aufgabe- und Abgabepost verblieb das Porto/Franko komplett der Aufgabepost, hier also 3 Kreuzer für Bayern allein.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 29.03.2020 11:48:42 Gelesen: 628# 68 @  
Liebe Freunde,

den folgenden Brief konnte ich - leider! - nicht für 1 BP$ (Bernatzscher Pizza Dollar) irgendwo in der Bucht grabschen, sondern musste ihn auf einer Schweizer Auktion heimholen, aber seis drum, man lebt nur ein Mal und ich musste ihn unbedingt haben.







Verfasst wurde er am 15.4.1863 in München auf Briefpapier der Firma Bath von Jacob Pfeiffer und gerichtet war er an den allseits bekannten Strohfabrikanten Isler in Wohlen im Aargau. Text (eignet sich auch für diejenigen, die die deutsche Kurrentschrift nicht gut lesen können als Übungs- und Anschauungsmaterial):

"Indem mir Ihr w(erthes) Haus noch aus früherer Zeit bekannt ist, wo ich in Kempten etablirt, mit Ihnen in Stroh - Waaren mehrere Jahre hintereinander verkehrte, dasselbe aber wegen Kränklichkeit meiner Frau aufgab, um dafür eine Kunstmühle angetretten habe, welche ich in jüngstens an meinen Sohn übergab, und hierher gekommen bin um mir Agenturen zu sammeln. Ich kenn das Strohgeschäft, und an große Thätigkeit von jeher gewöhnt, könnte Ihnen gewiß gute Dienste leisten, wenn Sie mir Ihr werthes Zutrauen schenken wollten.

Nicht allein für hier wäre ich dazu bereit, sondern ich ließte mich wenn Sie es wünschten, auch darauf ein, einen gewissen Bezirk selbst über Baiern hinaus zu bereisen.

Nahdem ich immer eine besondere Vorliebe für die Schweitz gehabt, würde im Falle auch eine feste Stelle bey Ihnen als Buchhalter, Correspondent, Magazzinier & annehmen, und weil ich 8 meiner Jugendjahre in Italien auf dem Comptoir und auf Reisen zugebracht, bin ich deßhalb in der italienischen Sprache ganz ferm (soll heißen "firm"), und der französischen auch kundig.

Mein Herr Vetter Albert Rohr in Lenzburg, der mir Ihre verehrliche Addresse aufgegeben, und Herr Friedrich Jäger in Lindau, können über mich genügende Auskunft ertheilen.

Zum Schluße hoffend, von Ihnen in irgendeiner Beziehung eine günstige Antwort mit Anträgen zu erhalten, empfehle mich Ihnen mit besonderer Achtung und Ergebenheit.

Sendlingerrhor - Platz No 7, parterre links."

Der Brief hätte im April 1863 bei regulärer Aufgabe in München unfrankiert bis 1 Loth 9 Kreuzer für Bayern und 3 Kreuzer für die Schweiz = 12 Kreuzer = 40 Rappen gekostet.

Durch den Schmuggel (wohl Verwandschaft bzw. ehemalige Geschäftsfreunde) und Postaufgabe in Zürich kostete er jetzt als innerschweizer Fernbrief nur 15 Rappen, also etwa 5,5 Kreuzer.

Das war natürlich nett von ihm, dass er seinem potentiellen, zukünftigen Arbeitgeber diese 25 Rappen ersparte, aber man hätte sich auch sehr gut vorstellen können, dass er den Brief, ob in München, oder in Zürich von einem Dritten aufgegeben, frankiert hätte, um so einen guten Eindruck zu machen - aber das tat er nicht.

Dergleichen Briefe sind m. E. recht selten, auch wenn Kuvertierungen und durch Güte - Aufgaben auch im Auslandsverkehr schon mal vorkommen.

Interessant ist noch die Tatsache, dass der Brief am 15.4. in München geschrieben und noch am selben Tag in Zürich aufgegeben wurde, wobei er am Folgetag in Wohlen seinen Empfänger erreichte.

Leider weiß ich nicht, ob die Bemühungen unseres Herrn Jacob Pfeiffer aus München von Erfolg gekrönt waren. Über nähere Informationen würde ich mich sehr freuen (im Netz erfolglos geblieben).

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 07.05.2020 12:06:35 Gelesen: 294# 69 @  
Liebe Freunde,

am 27.6.1864 sandte man in Augsburg / Stadt einen einfachen Brief nach Weißenburg Canton Bern ab, für den man 9 Kr. frankierte, wovon 3 Kr. als Weiterfranko für die Schweiz ausgewiesen wurden.

Schaut man jedoch in die Tariflisten der Schweiz zu dieser Zeit, so sind alle Orte genannt, für die das Weiterfranko 3 Kr. kostet - alle anderen Zielorte kosteten 6 Kr. Weiterfranko.



Der Canton Bern lag im 2. Rayon, wie Bern selbst, so dass das korrekte Weiterfranko immer 6 Kr. betrug und die Entfernung von Augsburg bis zum Grenztaxpunkt zur CH, ab dem 1.9.1859 Basel - Schaffhausen, betrug ebenso immer 6 Kr., was also einen Brief mit einem Franko von 12 Kr. bedingt hätte.

Wohl dem, der rechnen kann - unser Augsburger konnte es nicht und Bayern entgingen zwar keine 3 Kr. bei der Aufgabe, aber die Schweiz musste diese 10 Rappen als Verlust verbuchen, denn eingefordert vom Empfänger hat sie niemand mehr.

Hinweis: Der Scanner hat die Marke oben koupiert - sie ist vollrandig.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
SH-Sammler Am: 07.05.2020 13:31:48 Gelesen: 287# 70 @  
@ bayern klassisch [#69]

Hallo Ralph,

die Schweiz ist doch so klein, da müssten 3 Kreuzer Weiterfranko doch genügen. Aber Du hast recht, Bern lag im 2. Rayon. So musste die Schweizer Post halt einen Abstrich machen.

Liebe Grüsse

SH-Sammler
Hanspeter
 
bayern klassisch Am: 07.05.2020 16:37:41 Gelesen: 276# 71 @  
@ SH-Sammler [#70]

Hallo Hanspeter,

da hast du Recht - cleverer wäre es gewesen, die ganze Schweiz als nur einen Rayon zu sehen; wenn man sich die Größe des Postvereins anschaut mit nur 3 Rayons und die kleine Schweiz mit 2 Rayons, ist das schon ein besserer Witz.

Liebe Grüsse,
Ralph
 

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