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Thema: Portobestimmung von Belegen: Altdeutschland Bayern - Schweiz
Das Thema hat 56 Beiträge:
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bayern klassisch Am: 16.01.2019 16:10:01 Gelesen: 3116# 32 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich ein Schmankerl, auf dessen Auftauchen ich lange warten musste. Aber das Warten hat sich gelohnt.



Eine Drucksache aus München vom 31.7.1859 war gerichtet an: "Herren S. Hoffmann & Blau in Bern". Leider ist dem Absender ein folgenschwerer Fehler unterlaufen, denn er frankierte sie (bis 1 Loth) nur mit einem Kreuzer. Das hätte für innerbayerische und Postvereinsdrucksachen gereicht, aber nicht für welche nach der Schweiz. Dafür wären 2 Kreuzer zu frankieren gewesen und wir wissen ja, dass Drucksachen nur dann in den Genuß der Portomoderation kamen, wenn sie voll frankiert waren. Andernfalls waren sie als gewöhnlicher Brief zu taxieren, wobei der Wert der verwendeten Freimarke in Abzug zu bringen war.

Für Bayern bedeutete dies: München lag im 3. Rayon zur Schweiz, also 9 Kreuzer Porto für Bayern abzüglich des verklebten Kreuzers = 8 Kreuzer noch für Bayern und für die Schweiz war ja gar nichts frankiert worden, so dass hier nach der Entfernungstabelle ab dem Grenztaxpunkt Lindau - Konstanz bis Bern weitere 6 Kreuzer hinzu gekommen wären.

Demnach wäre die Drucksache (mit dem Porto eines Briefes) mit 8 + 6 = 14 Kreuzern Nachporto in Bern zuzustellen gewesen. Aber so hat man nicht gerechnet.

Bayern machte den Fehler und stellte der Schweizer Post keine 8 Kreuzer in Rechnung. Die Schweiz sah den bayerischen Anteil mit 1 Kreuzer frankiert als abgedeckt an und reduzierte den ihr fehlenden Kreuzer korrekt in 5 Rappen, die man in Bern letztlich nur zu zahlen brauche.

Das ist die 4. unterfrankierte Drucksache in die Schweiz, die ich kenne und die zweite bisher mit Streifband. Siegelseitig hat sich niemand verewigt - vlt. war es auch das schlechte Gewissen? Wir werde es nie erfahren.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 16.01.2019 17:56:23 Gelesen: 3108# 33 @  
Liebe Freunde,

von einem lieben Sammlerfreund zur obigen Thematik wie die Faust aufs Auge passend, 2 weitere Drucksachen unterfrankiert von Bayern in die Schweiz - mal so, mal so taxiert.



Damit dürften ca. 75% des Weltbestandes an unterfrankierten Bayerndrucksachen der Kreuzerzeit in die Schweiz innerhalb weniger Minuten hier gezeigt und beschrieben worden sein. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
briefmarkenwirbler24 Am: 17.01.2019 00:05:18 Gelesen: 3093# 34 @  
@ bayern klassisch [#32]

Hallo Ralph,

ein wirklich tolles Stück, das auch in meinen Blickfang geraten ist. :D Jetzt weiß ich ja, wem ich mich im Bietergefecht geschlagen geben musste und brauche mich auch nicht dafür zu ärgern. ;)

Aber ich bin mir sicher, dass sie in deiner Sammlung noch viel besser aufgehoben ist!

Nachdem ich mich wieder etwas länger aufgrund meines Studiums hier zurückgehalten habe und eher stiller Leser war, werde ich in den nächsten Tagen mal wieder was vorstellen.

Liebe Grüße

Kevin
 
bayern klassisch Am: 17.01.2019 06:11:51 Gelesen: 3073# 35 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#34]

Hallo Kevin,

da hast du einen guten Geschmack entwickelt, denn viele Sammler schauen nur in den (Spezial-)Katalog und vermögen den erwirkten Preis damit nicht in Relation zu stellen.

Schön, wenn du wieder an Bord bist und nicht nur ich freue mich sehr, deine Belege bestaunen zu dürfen.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 17.01.2019 20:05:23 Gelesen: 3004# 36 @  
@ bayern klassisch [#35]

Hallo Ralph,

schade, dass man nicht mit seinem gutem Geschmack die Briefe finanzieren kann. :D

Liebe Grüße

Kevin
 
bayern klassisch Am: 18.01.2019 10:38:58 Gelesen: 2968# 37 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#36]

Wenn das möglich wäre, wäre das Material wohl anders in den Alben sortiert! :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 10.02.2019 08:12:32 Gelesen: 2444# 38 @  
Liebe Freunde,

heute mal eine kleine Spezialität von mir: Zürich, 15.5.1850, an "Herrn Ph. H. Kraemer Eisenwerk bei St. Ingbert bei Zweibrücken Bayr. Pfalz". Obwohl es für den Kanton Zürich seit 1.3.1843 eigene Marken zu 4 und 6 Rappen gab, wären diese auf frankierten Auslandsbriefen nicht gültig gewesen, obwohl diese bis 30.9.1854 im Lokalverkehr gültig waren.



Auch die beiden Marken der Bundespost (ab 1.1.1849) zu 4 Centimes, die sog. Waadt, vom 22.10.1849, bzw. die Folgemarke zu 5 Centimes vom 22.1.1850, kennen wir nicht auf Briefen nach Bayern, so dass man hier zur Barfrankatur greifen musste, wenn ein Postkunde frankiert ins Ausland versenden lassen wollte.

Der Franco - Stempel von Zürich bestätigte dies auch und siegeleseitig sehen wir 2 Taxen: 16 in Rötel und 12 in violetter Tinte. Die 16 Schweizer Kreuzer waren der Gesamtbetrag für die beteiligten Postgebiete Zürich (Schweiz), Baden und Bayern. Die 16 notierte also der Beamte am Annahmeschalter. Die 12 waren das Weiterfranko für Baden und Bayern, denn Korrespondenz in die Pfalz war stets den badischen Posten auszuliefern und ab dem 1.8.1843 galt zwischen Baden und Bayern ein Gemeinschaftspostvertrag, der beide Staaten zu einem Postgebiet erklärt hatte. Hierbei galt bei einfachen Briefe bis 1/2 Loth über 15 Meilen eine halbscheidig zu teilende Gebühr von 12 Kreuzern, egal nach wohin in der Pfalz die Briefe gerichtet waren.

Für die Schweiz galt Zürich - Basel über 10 - 25 Wegstunden (eine Wegstunde betrug 4,8 km, also hier in direkter Linie über 48 bis 120 km) = 4 Kreuzer, so dass hier alles korrekt berechnet worden war (auch bis 1/2 Loth einfach).

Am Folgetag wurde der Brief der badischen Bahnpost übergeben, die mit dem Curs II - Stempel und dem Nordstern dokumentierte, dass es nach Norden ging. Über Mannheim - Ludwigshafen ging es dann am 18.5. nach St. Ingbert, wo der Brief seinem Empfänger übergeben wurde. Dank der badischen Bahnpost ein zügiges Unterfangen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 21.02.2019 09:54:50 Gelesen: 2227# 39 @  
Liebe Freunde,

den folgenden, hübschen Brief kaufte ich, weil er etwas demonstriert, was eigentlich nicht sein konnte. Die Gebühren waren damals hinsichtlich der Gewichte synchronisiert - sprich: 1/2 Loth bayerische (8,75 g) war auch in etwa die erste Gewichtsstufe für Zürich et altera in der Schweiz. Aber scheinbar halt nicht ganz.



Lindau notierte am 29.9.1847 auf einem Brief nach Wohlen (Aargau) über Zürich in schwarz 2 Kreuzer, ein Sonderporto, welches nur von LIndau galt, da sonst in Bayern das geringste Porto für einfache Briefe schon 3 Kreuzer betrug. Aber gegenüber der Schweiz wollte man sehr "wohlfeil" sein und befürchtete bei einem höheren Porto als 2 Kreuzern ein massives Eintreten des "Unterschleifs", also von Postbetrug durch Private oder Gewerbliche, die die bayer. Post dadurch erheblich schädigen konnten, indem sie ihre Post einfach über den Bodensee brachten und in der Schweiz aufgaben.

Am Folgetag, der Bodensee lag schon hinter uns, kam er in Zürich an, wo zu den bayer. 2 Kreuzern gleich 9 Kreuzer addiert wurden auf 11 Kreuzer, die sich aus 6 Kreuzern plus 3 Kreuzern für die 2. Gewichtsstufe zusammen setzten.

Da einfache Briefe von Zürich kommend nach Wohlen 4 Kreuzer kosteten, setzte Zürich gleich deren 6 für den Aargau an (4 + 2), weil man ihn auch dort im 2. Gewicht wähnte.

Jetzt kamen dabei total 17 Kreuzer heraus, die der Aargau, weil ungerade, immer auf eine gerade Zahl erhöhte, hier mit Rötel 18 Kreuzer. Mit einem Botenlohn hatte das nichts zu tun, sondern es war systemimmanent.

Dergleichen Briefe sind m. E. nicht häufig und wenn sie so hübsch sind wie hier (noch dazu mit dem blauen Firmenstempel von Lindau), dann macht man bei ihrem Kauf sicher nichts falsch.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
SH-Sammler Am: 21.02.2019 11:34:27 Gelesen: 2210# 40 @  
@ bayern klassisch [#38]

Hallo Ralph,

Du zeigst im Beitrag [#38] einen Brief ab Zürich, welcher als Frankobrief ohne Marken ins Ausland lief.

Dabei stellst Du Dir die Frage, ob die Zürcher Post nicht auch die “Bundesmarken” 4 Centimes resp. 5 Centimes (sogenannte Waadt) hätten verwenden können. Siehe Ausschnitt aus Deinem Beitrag:

Auch die beiden Marken der Bundespost (ab 1.1.1849) zu 4 Centimes, die sog. Waadt, vom 22.10.1849, bzw. die Folgemarke zu 5 Centimes vom 22.1.1850, kennen wir nicht auf Briefen nach Bayern, so dass man hier zur Barfrankatur greifen musste, wenn ein Postkunde frankiert ins Ausland versenden lassen wollte.

Hier eine Klarstellung betreffend der Übergangsmarken Waadt 4 sowie 5 und, als diese aufgebraucht waren, der 5 Centimes “Neuenburg”. Doch zuerst die Frage: Warum Übergangsmarken?

Hier die Erklärung: Der Kanton GENF hatte seit langem die französische Währung mit den Francs und Centimes. Der Rest der Schweiz zahlte noch mit Kreuzern, Schillingen, Blutzgern. Die Kaufkraft der Genfer Währung entsprach bis zur Währungsreform per 31. Dez. 1851 NICHT dem Wert der anderen Währungen im Rest der “Schweiz”. Auch wenn die neuen Briefmarken “Ortspost” und “Rayon” die Währung in Rappen anzeigte, wurde in der Deutschschweiz vielerorts bis zum 31. 12. 1851 halt noch mit Kreuzern usw. gerechnet und auch bezahlt.

GENF hat wegen der ungleichen Kaufkraft die Übergangsmarken “Waadt” und “Neuenburg” mit der französischen Währung (Centimes) drucken lassen. Diese Marken wurden nur in Genf und dem Nachbarort Nyon, im neugeschaffenen Postkreis 1 gelegen, verausgabt. Du wirst also keine Waadt 4 oder Waadt 5 auf Zürcher Briefen finden, auch nicht auf Briefen von Bern usw., sondern nur auf Briefen aus dem Postkreis 1 (Genf und umliegende Gebiete).

Umgekehrt hatten die Genfer “etwas” Mühe, die ersten Ausgaben der Schweizer Post zu akzeptieren. Da stand halt Rappen drauf, nicht Centimes.

Falls Du trotzdem mal einen Brief aus der deutschsprachigen Schweiz, mit einer Waadt 4 oder Waadt 5 drauf findest, solltest Du sofort zugreifen,

meint SH-Sammler
Hanspeter
 
bayern klassisch Am: 21.02.2019 12:11:24 Gelesen: 2207# 41 @  
@ SH-Sammler [#40]

Lieber Hanspeter,

vielen Dank für deine profunde Antwort - so soll Forum sein. :-)

Ich fürchte, dass es gar keine Briefe mit diesen schönen, alten Marken nach Deutschland gab, nicht mal die Basler Taube o.ä. Marken.

Meine Schweizer Sammlerfreunde kennen auch keine Briefe und die sammeln seit 40 Jahren intensiv. Aber theoretisch könnte es ja mal vorgekommen sein, dass man mit den alten Marken mal "neue" Briefe zu frankieren versuchte.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 21.02.2019 18:14:56 Gelesen: 2190# 42 @  
@ bayern klassisch [#39]

Hallo Ralph,

klasse Brief mit vielen für mich neuen und interessanten Informationen!

Danke fürs Zeigen dieses schönes Stücks!

LG

Kevin
 
bayern klassisch Am: 24.02.2019 08:22:14 Gelesen: 2072# 43 @  
Liebe Freunde,

in Anbetracht der hier von mir sehr gerne gesehenen Forumsprominenz, die die Schweiz sammelt, zeige ich einen Brief aus Lindenberg vom 29.9.1854 via Zürich nach Wohlen in den Aargau, den mir mal einer erklären darf. Ich bin gespannt, wer ihn knackt! Auch das "Drumherum" des Briefes ist nicht völlig uninteressant, also von bayerischer Seite her meine ich.





Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
briefmarkenwirbler24 Am: 24.02.2019 10:34:17 Gelesen: 2057# 44 @  
@ bayern klassisch [#43]

Hallo Ralph,

dann möchte ich mein Glück doch mal versuchen:

Dein Brief wurde in Lindenberg bei Lindau am Bodensee geschrieben und die Aufgabepost war Röthenbach/Bahnhof.

Hierzu als Hintergrundinformation bis zum 10.01.1852 wurde der Mühlradstempel mit der Nummer "391" Wirtheim zugeschrieben, ab dem 01.04.1853 Stadtprozelten und ab dem 31.05.1854 dann Röthenbach/Bahnhof, also bei deinem Brief ist der Stempel gerade mal 4 Monate dort benutzt worden.

Nun meine Vermutung zur Taxierung:

Der Postler von Röthenbach/Bahnhof taxierte den Brief mit "3/3", also 3 Kreuzer für Bayern bis Lindau und 3 Kreuzer für die Schweiz bis Wohlen, was auch der Frankatur von 6 Kreuzer auf dem Brief entsprach. Jedoch lag Wohlen bis zum 31.08.1859 für bayrische Briefe im 2. Rayon der Schweiz, sodass 6 Kreuzer fremdes Porto richtig gewesen wäre und insgesamt 9 Kreuzer hätten verklebt werden müssen (6x+3x).

Der Brief wurde dann mit dem Dampfboot über den Bodensee transportiert und Zürich taxierte ihn dann aber richtig mit 30 Rappen Gesamtporto, 10 Rappen für Bayern (=3 Kreuzer) und 20 Rappen für die Schweiz (= 6 Kreuzer). Oben rechts in der Ecke lese ich "3 Kr", vielleicht erkannte Zürich den Fehler und forderte den fehlenden Betrag ein?

Liebe Grüße

Kevin
 
bayern klassisch Am: 24.02.2019 13:47:30 Gelesen: 2035# 45 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#44]

Hallo Kevin,

fast eine perfekte Beschreibung - Chapeau! Vor allem die Besonderheit des Mühlradstempels (selten!) hast du perfekt heraus gearbeitet und auch den Schweizer Teil gut beschrieben.

Aber die Besonderheit, die du noch nicht angesprochen hast, war die, dass nach dem Vertrag vom 1.10.1852 keine Teilfrankobriefe mehr akzeptiert wurden und im Falle einer Unterfrankatur der Wert der verklebten Marken verloren war, da ihn keine Postverwaltung anrechnen durfte! Im Postverein war das anders und genau das hat für Probleme bei der kleinen und unbedeutenden Aufgabepost Röthenbach gesorgt, die ja erst wenige Monate existierte.

Zürich mit seinen sehr routinierten Postbeamten wusste natürlich um diese Besonderheit des Vertrages und erkannte die Marke nicht an. Bayern hatte ja noch oben rechts das fehlende Franko mit 3 Kreuzern notiert. Zürich sagte, dass man dem Vertrag hier gar nichts frankiert wurde und demnach, du hattest es richtig ausgeführt, das volle Porto eines unfrankierten Briefes von 30 Rappen beim Empfänger angefordert.

Für Bayern war diese Eselei des Lindenberger Absenders ein Segen, bekam man doch 6 Kreuzer für die Marke und später 3 Kreuzer von der Schweiz überwiesen = 9 Kreuzer, also das Dreifache dessen, was man regulär zu bekommen gehabt hätte.

Erst mit dem 1.7.1856 kippte man diesen retardierenden Vertragspassus und rechnete das zu wenig Frankierte an. Dann hätte dieser Brief nur 10 Rappen für die Schweiz gekostet.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 24.02.2019 18:04:46 Gelesen: 2011# 46 @  
@ bayern klassisch [#45]

Hallo Ralph,

erst einmal Glückwunsch zu diesem klasse Brief, sowohl optisch als auch postgeschichtlich großes Kino, da wird man doch glatt neidisch :D !

Aber die Besonderheit, die du noch nicht angesprochen hast, war die, dass nach dem Vertrag vom 1.10.1852 keine Teilfrankobriefe mehr akzeptiert wurden und im Falle einer Unterfrankatur der Wert der verklebten Marken verloren war, da ihn keine Postverwaltung anrechnen durfte! Im Postverein war das anders und genau das hat für Probleme bei der kleinen und unbedeutenden Aufgabepost Röthenbach gesorgt, die ja erst wenige Monate existierte.

Da habe ich wieder was dazugelernt, von dieser Regelung wusste ich vorher noch gar nichts, umso schöner es anhand eines Beispiels gezeigt zu bekommen. Umgekehrt galt dies doch wahrscheinlich genauso, vielleicht findest Du ja noch das passende Pendant? Oder hast es sogar schon?

Liebe Grüße

Kevin
 
bayern klassisch Am: 24.02.2019 18:20:57 Gelesen: 2008# 47 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#46]

Hallo Kevin,

guter Gedanke! Ich habe zwar viel Material, aber glaube ich keinen Brief CH - Bayern dieser Art. Die anderen aber auch nicht - die Schweizer haben "besser" frankiert in der Frühzeit, als die Bayern.

Von den unterfrankierten Briefen, die mir bekannt sind, sind maximal 5% oder weniger aus dieser frühen Periode. Jeder Brief ist ein Highlight, glaubs mir und einen schöneren kenne ich nicht, noch dazu mit der Postgeschichte des Aufgabeortes, die allein für sich schon ein Highlight ist.

Ich drücke dir die Daumen, jetzt, da du das weißt, dass du mal etwas Deutschland - Schweiz et vice versa findest. Leicht wird es aber nicht.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 24.02.2019 18:30:54 Gelesen: 2006# 48 @  
@ bayern klassisch [#47]

Jeder Brief ist ein Highlight, glaubs mir und einen schöneren kenne ich nicht, noch dazu mit der Postgeschichte des Aufgabeortes, die allein für sich schon ein Highlight ist.

Hallo Ralph,

das glaube ich dir gerne, optisch ist der Beleg wirklich eine Wucht!

Ich werde auf jeden Fall die Augen offen halten, man weiß nie was noch alles in den Alben andere Sammler schlummert.

LG

Kevin
 
briefmarkenwirbler24 Am: 23.03.2019 11:55:28 Gelesen: 1645# 49 @  
Hallo zusammen,

heute gibt es mal wieder einen Beleg nach Bayern von mir zu sehen, der relativ selten ist.

Aufgegeben wurde der Brief am 27.05.1871 in Winterthur und adressiert an Martin Spengelin in Lindau.

Siegelseitig wurden zwei Stempel abgeschlagen, ein Transitstempel von Rorschach und der Ankunftsstempel von Lindau, jeweils vom gleichen Tag (beides 27.05.).

Frankiert wurde der Brief allerdings nach dem alten Vertrag mit dem DÖPV (galt bis zum 31.08.1868) bloß mit 20 Rappen (10 Rappen Tübli + 10 Rappen Zufrankatur), und zwar für einen Brief vom 1.Schweizer Taxrayon in den 1. Vereinsländischen Taxrayon. Allerdings trat ab dem 01.09.1868 ein neuer Vertrag in Kraft, nach dem Briefe bis 15 gr. nach Deutschland einheitlich mit 25 Rappen zu frankieren waren. Vergleicht man die alten Tarife, bei denen je nach Taxrayon 50, 40 oder 30 Rappen zu frankieren waren, mit dem neuen Vertrag, trat eine Gebührenreduktion ein, mit einer Ausnahme, dem damaligen 20 Rappen-Tarif (wie er bei meinem Brief vorliegt), welcher mit dem neuen Vertrag um 5 Rappen erhöht wurde.

Die Nachtaxierung mit 9 Kreuzern (in Bläuel) ist korrekt, da zu dieser Zeit (vom 1.9.1868 bis zum 30.6.1875) ungenügend frankierte Briefe in Bayern grundsätzlich wie unfrankierte mit 14 Kreuzern belastet wurden, abzüglich der geklebten Frankatur (umgerechnet 5 Kreuzer). Aufgrund ständiger Kursschwankungen wurden 20 Rappen mal mit 6 mal mit 5 Kreuzern umgerechnet. Der Empfänger hatte dann die 9 Kreuzer Nachporto zu tragen.

Aus dieser Zeit dürfte ein solcher Nachportobrief relativ selten sein, wenn man bedenkt, dass der neue Vertrag 1871 bereits knapp 3 Jahre bestand. Aus der Anfangszeit des neuen Vertrages findet man solche Briefe auf jeden Fall sicherlich öfter.

Liebe Grüße

Kevin


 
bayern klassisch Am: 23.03.2019 23:44:17 Gelesen: 1629# 50 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#49]

Hallo Kevin,

sehr gut recherchiert - wow!

Da 30 Rappen fehlten (50 Rappen für den unfrankierten, sog. Portobrief), galt 10 Rappen = 3 Kreuzer, also total 9 Kreuzer zu wenig, die Herr Spengelin in Lindau im Bodensee nachzahlen durfte. Dabei fand keine Teilung statt, denn die 20 Rappen wären auch bei einem ganz unfrankierten Portobrief der Schweiz gutgeschrieben worden und Bayern hätte in diesem Fall auch 30 Rappen = 9 Kreuzer kassiert, da die Teilung bei Porto- und Frankobriefen immer 2/5 zu 3/5 war.

Diese Unterfrankaturen kennen wir praktisch nur aus der Spengelin - Korrespondenz, wo ca. 5 - 6 Stücke (mit diesem) bekannt sind. Richtig ist natürlich, dass die frühen Unterfrankaturen häufiger waren, als die in den 1870er Jahren, weil es irgend wann auch der kognitiv minderbegabteste Schreiben endlich bemerkt hatte, dass mit dem neuen Vertrag eben nicht alles günstiger geworden war.

Dein Brief ist der m. E. qualitativ hochwertigste von allen - Glückwunsch dazu. Auch erwähnen könnte man, dass der Brief über den Bodensee lief mit einem Dampfboot, so dass man ihn semantisch sogar als Überseebrief bezeichnen könnte. :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 24.03.2019 13:46:06 Gelesen: 1604# 51 @  
@ bayern klassisch [#50]

Dabei fand keine Teilung statt, denn die 20 Rappen wären auch bei einem ganz unfrankierten Portobrief der Schweiz gutgeschrieben worden und Bayern hätte in diesem Fall auch 30 Rappen = 9 Kreuzer kassiert, da die Teilung bei Porto- und Frankobriefen immer 2/5 zu 3/5 war.

Hallo Ralph,

danke für diese wertvolle Information! Ich nehme an bei der Teilung beziehst Du dich nur auf den Briefverkehr zwischen den süddeutschen Staaten und der Schweiz, oder?

Diese Unterfrankaturen kennen wir praktisch nur aus der Spengelin - Korrespondenz, wo ca. 5 - 6 Stücke (mit diesem) bekannt sind.

Gut zu wissen, :) also es sind bloß eine Hand voll Briefe nach Bayern bekannt und wie sieht es mit Baden und Württemberg aus?

Dort müsste es ja auch die gleichen Fälle gegeben haben. Ich weiß zumindest, dass unser Freund einen nach Baden hat :) (vielleicht sogar mehr).

Dein Brief ist der m. E. qualitativ hochwertigste von allen

Umso mehr freue ich mich natürlich den Brief verhältnismäßig günstig bekommen zu haben.

Liebe Grüße

Kevin
 
bayern klassisch Am: 24.03.2019 14:39:56 Gelesen: 1598# 52 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#51]

Hallo Kevin,

Ich nehme an bei der Teilung beziehst Du dich nur auf den Briefverkehr zwischen den süddeutschen Staaten und der Schweiz, oder?

Ja, Silbergroschen - Postgebiete benötigten ja immer noch die süddeutschen Staaten, um ihre Post in die Schweiz zu bringen, da es keine direkten Kartenschlüsse gab.

also es sind bloß eine Hand voll Briefe nach Bayern bekannt und wie sieht es mit Baden und Württemberg aus?

Ich habe mich nur auf Bayern bezogen - nach Baden, Württemberg, Österreich usw. gab es das natürlich auch, aber wohl auch nicht viel mehr. Unser Robert hat natürlich eh fast alles, von daher könnte er dir auch nach dorthin etwas zeigen (was über 140 Alben halt so alles hergeben ...). :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 18.09.2019 17:13:06 Gelesen: 385# 53 @  
Liebe Freunde,

frankierter Dienstbrief des Stadtmagistrats Bayreuth vom 1.12.1874 an den Gemeinderath z u Bannwyl Amtsbezirk Aarwangen in der Schweiz. Die Behörde hatte es mit dem Transport eilig, auch wenn der Inhalt mir nicht so dringlich erscheint, wie ich es bei dergleichen Briefen kenne. In jedem Fall notierte man Cito mit Rötelstift, unterstrich es und setzte das Schweizer Weiterfranko mit 3 Kreuzern korrekt an (was man aber nicht hätte müssen). Später unterstrich man noch mit blauem Stift Cito und setzte ein Ausrufezeichen dahinter.





Leider kenne ich sonst keine Expressbriefe in die Schweiz, weder private, noch dienstliche wie hier, denn ich nehme nicht an, dass die Post 2 mal den selben Fehler machte, sondern eher, dass er unter der Rubrik "Dienstexpressbriefe" in der Briefkarte vorgetragen wurde.

Ausweislich der siegelseitigen Stempel kam er am Folgetag schon an und könnte auch sofort ausgetragen worden sein, aber das muss Spekulation bleiben.

Keiner Spekulation bedarf es hinsichtlich des dringenden Inhalts, den ich hier transkribiert habe:

"Aufnahme des zugereisten Faerbergesellen Adolph Schaad von Bannwyl im hiesigen stadetischen Krakenhause.
Wir machen hiermit die ergebenste Mittheilung, daß der am 15. Februar 1854 geborene hier zugereiste Faerber Adolph Schaad von Bannwyl j. B. wegen Kraetze heute im hiesigen staedtischen Krankenhause aufgenommen werden mußte, daß derselbe in Folge seiner ansteckenden Krankheit nicht transportfaehig ist und dessen Heilung ohngefaehre 8 Tage waehren wird.

Der rechtskund: Bürgermeister verhindert - gez. Unterschrift".

Unser junger Fahrensmann aus der Schweiz war also in Bayreuth erkrankt an Krätze und das war damals nicht lustig [1].

Üblich war es, dass die Heimatgemeinden für Kosten ihrer Bürger im Ausland aufzukommen hatten und ich denke, dass man nach Entlassung des Färbergesellen Schaad die Kosten für das Krankenhaus, Medizin und Heilung (samt Porto natürlich) von der Gemeinde in Bannwyl wieder haben wollte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Kr%C3%A4tze
 
bayern klassisch Am: 09.10.2019 09:05:21 Gelesen: 204# 54 @  
Liebe Freunde,



ein nettes Forumsmitglied hat mir folgendes Kärtchen vermacht, über das ich mich sehr gefreut habe:

Romont, 21.11.1873 an die Firma Maerz & Braun nach Nürnberg, bei dem eine 5 Rappen Inlandspostkarte mit weiteren 5 Rappen auffrankiert wurde. Ankunft in Nürnberg am 23.11.1873.

Nach langer Beobachtung des Marktes zwischen beiden Ländern muss ich feststellen, dass es viel mehr (auch oder gerade schöne) Postkarten von der CH nach Bayern gibt, als umgekehrt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
briefmarkenwirbler24 Am: 09.10.2019 11:27:17 Gelesen: 190# 55 @  
@ bayern klassisch [#54]

Hallo Ralph,

sehr schöne Postkarte, genau nach meinem Geschmack!

Habe eine sehr ähnliche nach Sachsen, allerdings schon zur "Reichszeit".

Ich kann deine Beobachtung bestätigen, mir ist zumindest in der Bucht noch nie wirklich eine schöne PK von Bayern nach Schweiz aufgefallen, während es andersherum doch immer mal wieder Angebote gibt.

LG

Kevin
 
bayern klassisch Am: 09.10.2019 12:26:16 Gelesen: 184# 56 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#55]

Hallo Kevin,

auch gibt es eine kurze Zeit, in der Postkarten, wie Briefe auch, noch 7 Kreuzer kosteten bzw. 25 Rappen. Wenn du da mal eine sehen solltest, lass es mich wissen - muss nicht mal schön sein ... :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 

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