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Thema: Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt
Das Thema hat 862 Beiträge:
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Heinz 7 Am: 06.11.2019 14:16:57 Gelesen: 223636# 613 @  
@ Heinz 7 [#442]

Ich habe vor einem Jahr auf die sehr teuren Briefmarken der Schweiz hingewiesen, vor allem, wenn sie im Paar verwendet wurden und/oder wenn sie noch auf dem Brief haften. So haben wir gesehen, dass z.B. die Basler Taube, die einzeln (lose, gestempelt) nicht besonders selten ist, in besonderer Erhaltung oder eben in Einheiten dann doch sehrsehr teuer wird.

In Beitrag

@ Heinz 7 [#446]

habe ich einen einmaligen Brief gezeigt von Basel nach Riehen. Riehen ist eine Vorortsgemeinde von Basel und darum benötigte der Sender zwei Basler Taube-Marken.

Nun kommt ein ganz ähnliches Stück in Gegenrichtung auf den Markt! In der legendären Erivan Haub-Sammlung kommt ein ebenfalls einmaliger Brief zum Verkauf:



Los 7015 - Corinphila, Zürich, Dezember 2019

Kleinhüningen war eine Basler Landsgemeinde (heute: Teil von Basel). Der hier gezeigte Brief musste damals ebenfalls mit zwei Basler Tauben freigemacht werden. Es ist dies meines Wissens der einzige Brief aus einer Vororts-Gemeinde 1845-1848 in die Stadt hinein. Er trägt allerdings keinen Stempel von Kleinhüningen, sondern von Basel. (Warum nicht ein Stempel von Kleinhüningen angebracht wurde, ist eine berechtigte Frage, die ich im Moment nicht beantworten kann).

Dieser Brief ist nach Angabe des Auktionshauses über 100 Jahre lang nicht mehr "öffentlich auf dem Markt" gewesen. Er ist mit CHF 150'000 nicht teuer angesetzt worden. Nach SBK hat der Brief einen Katalogwert von CHF 400'000.

Es ist dies sicherlich ein Spitzenstück der Schweiz-Philatelie. Auf den tatsächlichen Zuschlag dürfen wir gespannt sein.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.11.2019 21:42:26 Gelesen: 223364# 614 @  
@ Richard [#1]

Es ist selten, dass eine Briefmarke (oder allgemein: ein philatelistisches Objekt) einen Verkaufspreis von CHF 1'000'000 erzielt oder gar übertrifft. Diese Kategorie ist für die ganz grossen Raritäten weniger Prestige-Länder reserviert. Nur wenige Länder haben Stücke, die im "Club der Millionäre" mitspielen können.

Wir haben schon gesehen, dass Grossbritannien sehr teure Stücke hat, für welche Sammler Riesenbeträge bezahlten. Grosse Einheiten der Penny Back haben schon sehr hohe Preise erzielt, so der 18er-Block, den ich in Beitrag 500 zeigte.

@ Heinz 7 [#500]

Zusammen mit einem dazu passenden Sechserstreifen erzielte der 18er-Block US$ 1'000'000 (plus Aufgeld).

Es ist dies aber nicht das teuerste Ergebnis, dass ein Stück aus Grossbritannien je erzielte. Es gab noch ein viel, viel teureres.

Wir haben schon erwähnt, dass eine einzelne Penny Black nichts sehr Teures ist. Ungebraucht hat sie einen Katalogwert von Euro 3'800, gestempelt von nur Euro 200. Natürlich gibt es teure Spezialitäten, und dann ist der Katalogwert der Grundmarke plötzlich nicht mehr wichtig.

Eine Sonderstellung hat die Marke natürlich auch, weil die Penny Black die erste Briefmarke der Welt ist.

Ein Ersttag-Brief der Penny-Black kostete gemäss Katalog Stanley Gibbons, Specialised Stamp Catalogue, 7th edition (1983) GB£ 10'000. Ein Brief von May 1840 (25.-30.5.) hingegen ist nur GB£ 300 wert.
 
Heinz 7 Am: 07.11.2019 22:53:26 Gelesen: 223345# 615 @  
@ Heinz 7 [#614]

Ich weiss nicht, wie viele Ersttag-Briefe der Penny Black es gibt. Aber es gibt sogar einige ganz wenige Vor-Ersttag-Briefe!

Die Penny Black wurde am 1.5.1840 verkauft. Ganze 600'000 Stück kaufte das begeisterte Publikum. Als erster Verwendungstag war der 6.5. bestimmt.

Eine Mulready-Ganzsache (Ausgabe ebenfalls 1.5.1840) wurde umgedreht und mit einer Penny Black frankiert, bereits am 2.5.1840. Der Empfänger drehte die Ganzsache und sandte sie wieder weg, bereits am 4.5.1840, also ebenfalls vor dem richtigen Ersttag (Stempel "Morpeth May 4").



Der Stempel "PAID-2 MY 2/1840" von London bezeugt also einen einmaligen Brief, der 4 Tage vor dem offiziellen ersten Verwendungstag verwendet wurde.



Dieser Brief wurde am 23. März 1991 angeboten bei Harmers Auctions SA in Lugano.

Der Start war bei CHF 250'000.

Der Hammer fiel bei CHF 3'400'000. Das war damals Weltrekord.

Wahnsinn. Man kann natürlich sagen, das sei ein einmaliger "Ausreisser nach oben", vermutlich stimmt das auch, aber es ist auf jeden Fall eine unglaubliche Geschichte.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.12.2019 23:18:35 Gelesen: 217976# 616 @  
@ Heinz 7 [#613]

Der sehr seltene Brief mit dem Paar Basler Tauben brachte an der Erivan Haub-Auktion ein hohes, man darf sicher sagen: sogar ein sehr hohes Resultat ein. Vom Ausruf von CHF 150'000 stieg das Los auf einen Zuschlag von CHF 220'000. Plus Zuschlag.

Wir kennen damit immerhin fünf "high-class-Basler Taube-Briefe".

@ merkuria [#91]

Brief mit BT in Misch-Frankatur Frankreich/Ceres-Ausgabe

@ Heinz 7 [#118]

Der Gagnebin-Renan Brief mit Paar BT und Rayon II.

@ Heinz 7 [#433]

Der Brief mit den 6 Basler Tauben

@ Heinz 7 [#446]

Der Brief von Basel nach - Riehen mit dem Paar BT.

Alle diese 5 Briefe - von denen der Brief mit den 6 Exemplaren im Museum ist und darum unverkäuflich ist - haben einen Wert von mehr als CHF 250'000; das ist doch bemerkenswert. Darunter gibt es viele weitere sehr teure Briefe mit Basler Tauben (u.a. weitere Briefe mit einem Paar oder mit zwei Exemplaren).

Die Basler Taube gehört zu Recht zu den berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt, auch wenn sie nicht besonders selten ist.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 08.12.2019 21:05:32 Gelesen: 217916# 617 @  
@ Heinz 7 [#440]

Ich habe schon darauf hingewiesen, dass die Rayon I hellblau mit vollständiger Kreuzeinfassung eine der wertvollsten Briefmarken der Schweiz (und damit auch von Europa und gar weltweit) ist. Dies gilt natürlich insbesondere für die wenigen Briefe, die überhaupt existieren; zwei oder sogar nur einer?

Ernst Müller, ein ganz grosser Briefmarkenhändler früherer Tage, bot 1970 einen Brief an aus der legendären Sammlung Dr. Leemann, Arlesheim. Im jetzigen Auktionskatalog (2019) wird dieser Brief aber in Zweifel gezogen:

so dass dieser zweite Brief aus der Sammlung Dr. Leemann aus heutiger Sicht zumindest als "zweifelhaft" beurteilt werden muss.

Ich nehme die Hinweise des Los-Beschreibers sehr ernst, doch achte ich Ernst Müller als hervorragenden Philatelisten, der ja auch Plattierungen zu den Rayon-Marken vorgenommen hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ernst Müller ein zweifelhaftes Stück ohne Kommentar angeboten hätte. Dass das Stück seit ca. 50 Jahren nicht mehr gesehen wurde (gemäss Corinphila) ist kein Grund, den Brief nun "abzuschreiben"; er könnte durchaus noch existieren. Wir kennen viele Weltraritäten, die jahrzehntelang nicht mehr gesehen wurden.

Nun - der Erivan Haub-Brief wurde für CHF 250'000 ausgerufen. Der Hammer fiel bei CHF 310'000 (plus 21 % Aufgeld). Dieser Preis ist aus meiner Sicht "gut".

Vom Rekordpreis, den dieser Brief einst erzielte, ist der jetzige Zuschlagspreis aber doch eine Stufe entfernt, wie der beiliegende Scan zeigt: 1990 wurde dieser Brief verkauft für CHF 420'000 + 15 %.



Erivan Haub musste für dieses Weltrarität also sehr tief in die Tasche greifen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.12.2019 13:56:49 Gelesen: 217865# 618 @  
@ Heinz 7 [#196]

Es gibt doch noch so etwas wie Gerechtigkeit!

Wer sich für die Seltenheiten der Schweiz interessiert hat sicher ebenfalls Mühe zu verstehen, warum die Waadt 4 ungebraucht in der Entwicklung des Katalogwertes eine weit schlechtere Entwicklung nahm als andere Schweiz-Grossraritäten. Bei Michel ist sie katalogisiert bei "Schweizerische Bundespost" 1849, Nr. 1, in den Schweizer Katalogen trägt sie die Nummer 9 (Zumstein, Händlerkatalog).

Wir wissen, dass die Marke vor über hundert Jahren sehr sehr beliebt und teuer war - bei Schubert war sie 1913 die teuerste Marke der Schweiz!, siehe [#196]. Und ich habe darauf hingewiesen, dass die Marke auch in ganz grossen Schweiz-Sammlungen fehlt(e)! Dies als Hinweis, WIE selten die Marke wirklich ist.

Nun wurde endlich wieder einmal ein schönes Stück angeboten, am 5.12.2019 in London.



Spink, Los 199 zeigt dieses Prachtexemplar mit regelmässigen Rändern. Die Beschreibung lautete:

"Switzerland; Transitional Period; Geneva
1849 4c. black and red, a very handsome example of this greatly coveted stamp with perfectly balanced margins and fresh appearance, part original gum; a superb and exhibition quality piece of the highest order. Verband Schweizer (1943), A. Diena (1972) and Rellstab (1987) Certificates. Sc. 2L 5; Zumstein 9, CHF 50,000; S.G. L1, £46,000. Photo"

Meines Wissens ist die Marke mit CHF 70'000 katalogisiert (nicht mit 50'000), aber das muss ich nachsehen.

Dass ein so seltenes und prächtiges Stück zu einem Schätzpreis von nur GB£ 7'000 - 9'000 auf den Markt geworfen wird, hat mich schon überrascht. Nun sehen wir aber das Ergebnis. Das ist eine ganz andere "Hausnummer"!; der Zuschlag war bei GB£ 55'000!

Recht so! Ehre, wem Ehre gebührt! Ich habe immer gesagt, die Marke sei von vielen Sammlern unterbewertet!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.12.2019 09:48:28 Gelesen: 217390# 619 @  
@ Heinz 7 [#618]

Die "Waadt 4" (Zumstein Nr. 9) ist eine grosse Rarität (besonders ungebraucht), die Waadt 5 hingegen ist aber nicht besonders selten oder wertvoll (Katalogwert Michel (2010) = 2'200 bzw. 1'600). Es gibt aber einen Brief, der ist sehr attraktiv, weil er ist mit nicht weniger als 7 Exemplaren dieser Marke frankiert!



Dieser einmalige Brief ist natürlich ein Blickfang für jede Sammlung. Aus dieser Zeit (1854) erwarten wir keine Lokalmarken mehr (Genf), sondern Bundesmarken (Rayon-Marken, ab 1854 auch "Strubel"-Marken). Genf - Paris kostete damals 35 Centimes, und dies wurde verklebt. Dieser Brief ist sehr wohl bekannt, und wurde schon im ersten Handbuch 1914 von Zumstein mit Bild gezeigt. Er zierte einst die Sammlung von Alfred Caspary.

Nun wurde der Brief wieder verkauft. Bei einem Ausruf von CHF 150'000 war die Nachfrage natürlich klein, und der Zuschlag erfolgte zum Startpreis.

Dies war das dritthöchste Ergebnis der ersten Erivan-Haub-Schweiz-Sammlung-Teil 1.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 14.12.2019 21:07:32 Gelesen: 217187# 620 @  
@ Heinz 7 [#619]

Die Confederate States hatten mehrere äusserst seltene Postmeister-Ausgaben, zum Teil sogar Unikate. Diese waren teils schon im XIX. Jahrhundert sehr teuer; zum Teil waren sie aber auch noch nicht richtig bekannt.

Die Briefmarke Scott 12 X 3 ist aus Beaumont, Texas, 10 Cents schwarz auf gelb, Grossformat. Sie war im Senf Katalog 1913 noch nicht bekannt (nur X 1 und X 2 = kleinere Formate). Im Juli 1923 wurde die Briefmarke von grossen Kenner George Walcott aber besprochen (Collectors Club Philatelist) und kam schliesslich in die weltberühmte Caspary-Sammlung.

1954 wurde die Marke (bzw. der Brief) im aufsehenerregendem Life-Artikel aufgelistet. 1956 kam der Brief in der 3. Caspary-Auktion zum Verkauf. Das Los 67 war auf Seite 30 des Kataloges abgebildet, und war auf der Farbfototafel (damals eine grosse Seltenheit in den USA). Der Zuschlag war dann, bei einem Katalogpreis von US$ 5'000, bei US$ 2'000. Bei der Josiah Lilly-Auktion elf Jahre später (Siegel sale 317, 1967) waren es dann schon US$ 9'000.



Ob dieses Stück 1994 oder später in die Haub-Sammlung gelangte, weiss ich nicht. Der Katalogwert betrug Euro 100'000 (Michel 2010) bzw. US$ 90'000 (Scott - Jahr unbekannt, Angabe aus Auktionskatalog entnommen).

Im Vorfeld zur Auktion wurde das Los breit besprochen (siehe Ankündigungsbuch) und auch im Auktionskatalog wurde der Brief sehr hoch gelobt. Trotzdem wurde er mit nur US$ 25'000 eingeschätzt.

Die Sammler rückten das Ganze nun aber in andere Dimensionen. Ein Brief der CSA, ein Unikat, mit einer so langen Geschichte sollte nicht bei US$ 25'000 "herumdümpeln".

Folgerichtig wurde er jetzt in New York höher verkauft. Der Zuschlag erfolgte bei US$ 210'000.

Das finde ich richtig. Mindestens zwei Sammler erkannten an, dass dieser Brief sehrsehr wertvoll ist.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 21.12.2019 19:30:37 Gelesen: 215741# 621 @  
@ Heinz 7 [#620]

Wenn eine Marke (oder eine philatelistische Einheit wie Paare, Briefe, usw.) CHF 100'000 oder mehr kostet, dann dürfen wir uns sicher überlegen, ob sie in der Rubrik "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" besprochen werden sollte. Anfangs Dezember erzielte das untenstehende Paar den atemberaubenden Zuschlag von US$ 145'000 bei der 2. Erivan Haub-Auktion in New York (siehe Los 62).



Was hat dieses Paar so teuer gemacht?

Es ist eine Marke: Goliad, Texas, 5c Black on gray, Type II, Postmaster "J.A. Clarke"

Wir haben bereits gesehen, dass die Confederate States (von Amerika) ebenfalls Postmaster Provisionals herausgaben. Es gab zahlreiche Ausgaben, und viele davon sind sehr selten. Goliad, Texas, gehört dabei nicht ganz "in die erste Reihe".

Ohne meine Spezialliteratur kann ich nichts ganz Genaues dazu sagen, aber wäre die Scott Nr. 29X6 eine normale Einzelmarke, so würden wir sie hier nicht besprechen. Aber, es ist ein Paar, und die linke Marke zeigt eine sehr markante Abart. Betrachten wir die Ortsbezeichnung: da steht anstatt "GOLIAD" versehentlich "GOILAD", und diese Abart ist natürlich sehr attraktiv (= Scott 29X6a).
 
Heinz 7 Am: 21.12.2019 19:50:37 Gelesen: 215731# 622 @  
@ Heinz 7 [#621]

Im Thema "Aus den Erivan Haub Auktionen" habe ich erwähnt, dass an der zweiten Erivan Haub-USA-Auktion drei Lose die magische Grenze von US$ 100'000 Zuschlag übertrafen. Dies ist, bei einem Ausruf von nur US$ 10'000, natürlich ein höchst spektakuläres Ergebnis!

Ich habe an anderem Orte schon darauf hingewiesen, dass Harmer New York einige Lose sehr tief ausgerufen hat. Ob die US$ 10'000 Ausruf also unrealistisch viel zu tief waren, möchte ich noch näher untersuchen.

Immerhin können wir den Wert des Stückes gut in Relation setzen zu anderen Gross-Raritäten. Das Paar hat nämlich einen Besitzernachweis der Spitzenklasse. Das Stück war nämlich in folgenden Sammlungen:

1) Philipp von Ferrary (Gilbert Sale 4, 1922)
2) Alfred H. Caspary (H.R. Harmer Sale 989, 1956)
3) Josiah K. Lilly (R.A. Siegel Sale 317, 1967)

Das sind alles Provenienzen der ersten Klasse! Dies hat den Vorteil, das wir schon mindestens drei historische Vergleichsmöglichkeiten haben. Dies ist wichtig für die Käufer von solchen Stücken und tragen das ihre dazu bei, dass solche Stücke immer wieder hoch beboten werden.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 22.12.2019 13:42:24 Gelesen: 215613# 623 @  
@ Heinz 7 [#621]

Athens, Baton Rouge, Beaumont, Bridgeville, Charleston, Danville, Emory, Fredericksburg, Goliad... dies sind die ersten neun Orte mit "Lokalmarken", welche der Senf Katalog 1913 auf Seite 547 auflistete zu den Marken der Konföderierten Staaten von Amerika. Die Auflistung geht weiter bis Seite 550 und nicht weniger als 38 Orte waren vor mehr als hundert Jahren den Philatelisten in Deutschland schon bekannt, denn damals hatte "JEDER" einen Senf-Katalog, dessen Auflage sehr hoch war.

Ich habe aber schon darauf hingewiesen, dass Senf die meisten dieser Briefmarken nicht bewertet hatte. Genau genommen sieht es so aus (nur Hauptnummern gelistet):

20 Marken hatten eine Bewertung für * und gest.
4 Marken hatten nur eine Bewertung für *
13 Marken hatten nur eine Bewertung für gest.
33 Marken hatten als Wertangabe aber nur "-.-"
Summe: 70, für die Senf Nummern 1-71, ohne Nr. 62 (dies war eine Ganzsache)

Es liegt in der Natur der Sache, dass vor allem bei den sehr seltenen Marken eine Schwierigkeit bestand, die Marken zu bewerten.

Goliad hatte 1913 als einziger Ort bei Senf gleich 6 Hauptnummern, aber alle waren in diesem Katalog unbewertet. Die oben gezeigte Marke hatte die Nummer Senf 19 (5 Cents, mit Namen des Postmeisters links und rechts), oder, um genau zu sein: 19a (da auf grauem Papier; 19b wurde für die Marke auf blauem Papier vergeben).

Hochinteressant ist nun das Studium des Kohl Handbuches, das bereits 1915 erschien (also fast zeitgleich). Es listete, wie Senf 1913, auch 4 Grundmarken, da aber verschiedene Papiere unterschiedliche Hauptnummern erhielten, listete Paul Kohl sogar 10 Marken zu Goliad. Zu unserer Freude werden auch 8 dieser Nummern bewertet (Preise für ungebrauchte Marken). Die Preise schwanken zwischen 2000 und 6000 Mark , waren also sehr hoch.

Anbei die Abbildung aus dem Kohl Briefmarken Handbuch, Jubiläums Ausgabe 10, (10. Auflage 1915), II. Teil, Seite 308.



Heinz
 
Heinz 7 Am: 22.12.2019 14:31:31 Gelesen: 215596# 624 @  
@ Heinz 7 [#621]

Mit den Erkenntnissen aus Beitrag [#623] ist unsere Frage eigentlich schon beantwortet:

Ja, die Marke verdient es, unter die wertvollsten Briefmarken der Welt eingereiht zu werden!

Das gilt vielleicht nicht für jeden gestempelten Wert, wohl aber für die eine oder andere Marke ungebraucht - und auch für eine so spektakuläre Abart, wie wir sie hier vor uns haben. Super ist, dass bereits Paul Kohl auf diese Abart hinwies;

"GOILAD" statt "GOLIAD". Aber er bewertete diese Abart nicht.

Die "Stunde der Wahrheit" kam aber wenige Jahre später.

Als die monumentale Briefmarkensammlung von Ferrary verkauft wurde waren nicht weniger als 7 Lose bestückt mit Marken aus Goliad! Es waren die Lose 626 - 634 der dritten Auktion Ferrary (5. April 1921).

Die Katalog-Angabe im Auktionskatalog Harmer ist also nicht richtig, siehe [#622]; es war sale 3, 1921, nicht sale 4, 1922; ich habe das unbesehen abgeschrieben.

Aber, Hauptsache: wir finden unser Paar mit der spektakulären Abart. Es war Los 626.



Gross ist die Spannung, bevor wir die Resultat-Liste konsultieren. Zur Erinnerung: Gilbert machte in den Katalogen gar keine Angaben, weder Katalog- noch Schätz- und schon gar keine Limitpreise! Alles wurde den Sammlern überlassen.

Die Sammler boten sich hoch bis zu einem Ergebnis von 11'500 Francs (+ 17.5 % government surtax).

Das war kein extrem hohes Ergebnis. Die aufmerksamen Leser dieses Themas erinnern sich daran, dass 10 Einzellose an den Ferrary-Auktionen FRF 100'000 und mehr erreichten. Aber FRF 11'500 war durchaus ein hoher Wert, der, damals umgerechnet, immerhin etwas mehr als GB£ 280 oder CHF 6'358 bedeutete.

Damit schaffte es dieses Los wertmässig ca. auf Platz 124 aller Ferrary-Lose. (Ältere Studie, geringfügige Änderungen noch nicht berücksichtigt).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 22.12.2019 15:11:33 Gelesen: 215585# 625 @  
@ Heinz 7 [#624]

Ein weiterer "Meilenstein" in der Wertfindung der Raritäten dieser Welt waren die Auktionen der Sammlung Alfred Caspary. Er hatte vor allem eine USA-Sammlung, die ihresgleichen sucht. Der USA-Teil wurde in sechs Auktionen 1955-1957 verkauft. Und das waren sehr umfangreiche Auktionen, mit vielen Losen.

Die Confederate States waren bei Caspary sehr prominent vertreten. Ganze 10 Lose finden wir zu den Postmeistermarken von Goliad.

(Sale 989-991 am 5.-7.3.1956 in New York, H.R. Harmer Inc.: Lose 126-135 = Goliad)

Unser gesuchtes Paar ist Los 131 auf Seite 46 des Kataloges



Das Ergebnis lässt sich sehen: US$ 3'200 des Jahres 1956 war viel Geld.

Wir sehen also: vor vielen Jahren war dieses Briefmarken-Paar sehr teuer.

Die aktuelle Situation der Katalogwerte bringen hingegen eine Überraschung.

Michel listet - meines Erachtens: richtig! - nur vier Hauptnummern und katalogisiert die Papierabarten mit a,b,c-Nummern. Und da sind die Preise nicht besonders hoch. (Katalog 2010, Raritäten-Katalog).

gestempelt: zwischen Euro 8'500 und Euro 16'000
ungebraucht: nur Nr. 2a mit "-.-" angegeben (10 Cents, ohne Name des Postmeisters, auf weissem Papier)
auf Brief:
1) Euro 60'000
2) -.-
3) Euro 20'000 bzw. 22'000
4) Euro 30'000 bzw. 35'000

Der Fehler "GOILAD" ist ebenfalls bewertet! Mit nur Euro 16'000 für die Nummer 3 (5 Cents, mit Name des Postmeisters) und nur Euro 10'000 für die Nummer 4 (10 Cents, mit Name des Postmeisters). Das sind nun keine sehr hohen Werte.

Die Studie von US-Katalogen muss ich wohl auf das Jahr 2020 verschieben.

Wir sehen aber, dass nun im Dezember 2019 in New York ein sehr hoher Preis für das berühmte Paar bewilligt wurde.

Ich wünsche allen schöne Weihnachten!

Heinz
 
Martin de Matin Am: 22.12.2019 16:15:53 Gelesen: 215567# 626 @  
@ Heinz 7 [#625]

Um die Seltenheit der Goliad-Marken zu zeigen, gebe ich den Inhalt des Textes der Kilbourne-Auktion bei Siegel im Jahr 1999 sinngemäß wieder. Es wurde dort eine MiNr. 5c schwarz auf rosa auf Briefvorderseite für 45.000 Dollar versteigert. Es sind nur sieben Marken der MiNr. 1 bekannt (ein Brief (Tapling-Sammlung) und diese Briefvorderseite) und 4 Marken der MiNr. 2 (Ein Brief (Caspary/ Lilly)).

Von der MiNr. 4b sind 8 Stück (5 Briefe davon einmal Tapling) bekannt. Der Brief der 4b aus der Kilbourne-Sammlung bracht 30.000 Dollar (Schätzpreis 20.000-30.000 Dollar). Ein weiterer Brief der 4b aus der Argentum-Sammlung wurde 3 Monate vor der Kilbourne-Sammlung bei Siegel für 67.500 Dollar versteigert(Schätzpreis 7.500 Dollar).

Die Briefvorderseite der MiNr. 1 war der zwölfhöchste Zuschlag der 156 Lose umfassende Kilbourne-Sammlung der Postmeistermarken der Konförderierten Staaten. Die höchsten Preis erzielte das Mt. Lebanon-Unikat mit 350.000 Dollar.

Gruss
Martin
 
Heinz 7 Am: 22.12.2019 20:28:38 Gelesen: 215521# 627 @  
@ Martin de Matin [#626]

Sehr schön, Martin! Danke! Ich habe den Auktionskatalog Kilbourne auch in meiner Bibliothek (Siegel, sale 815) und werde ihn gerne einmal studieren.

32 Jahre vor der Sammlung Kilbourne konnte Siegel die Auktion von Josiah K. Lilly verkaufen, die ebenfalls allergrösste Raritäten umfasste, u.a. auch "unser" Goliad-Paar. Es wurde als Los 308 angeboten.



Der Zuschlag erfolgte bei US$ 9'500. Ich weiss, das tönt nach "nicht viel", aber 1967 war dies doch ein respektabler Preis. Dieses Los liess damit viele anderer Raritäten hinter sich.

Unter Würdigung der obigen Beiträge wird man vielleicht dafür Verständnis aufbringen, dass ich den Ausruf des Erivan Haub-Loses 62 auf deutlich mehr als US$ 10'000 angesetzt hätte. US$ 10'000 sind 2019 massiv weniger als US$ 10'000 (oder 9'500) 1967. Aber: wir wissen, dass die Auktionatoren gerne grosse Preissteigerungen bekanntgeben. Auch in DIESEM Fall ging die Rechnung auf.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 23.12.2019 18:22:56 Gelesen: 215426# 628 @  
@ Heinz 7 [#627]

An den drei oben genannten Auktionen (Ferrary, Caspary, Lilly) erzielte das Goliad-Paar - sofern ich mich richtig erinnere - jeweils das höchste Ergebnis unter den Goliad-Losen. Wir sahen aber, dass auch einige andere interessante Goliad-Lose existieren.

Eine 5 Cent auf Brief ist auch begehrenswert. Martin erzählt uns davon.

@ Martin de Matin [#626]

Vermutlich habe ich eines der Lose nun gefunden. Den Kilbourne-Katalog habe ich mir noch nicht "vorgeknöpft".



An der Auktion Robert A. Siegel Auction Galleries, Inc.'s Sale 1022, March 28, 2012, wurde unter Los 1025 verkauft; ein Brief der 5 Cent, ohne Name des Postmeisters.

Die Beschreibung:

EXTREMELY FINE. ONLY EIGHT GOLIAD 5-CENT TYPE I PROVISIONAL STAMPS ARE KNOWN, INCLUDING ONE ON COVER IN THE BRITISH LIBRARY COLLECTION. THIS COVER-FRONT IS THE ONLY TYPE I "COVER" AVAILABLE TO COLLECTORS AND THE FINEST OF THE SEVEN KNOWN STAMPS IN PRIVATE HANDS. ONE OF THE GREATEST OF ALL CONFEDERATE PROVISIONAL RARITIES

Dieser Brief war auch in der Kilbourne-Sammlung. Das Los erzielte 2012 immerhin US$ 40'000 Zuschlag. Ein Grund mehr, diese Marke hier zu besprechen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 25.12.2019 22:09:20 Gelesen: 215268# 629 @  
@ Heinz 7 [#628]

Ich habe bereits einige Beiträge zu den Marken von Goliad geschrieben. Es hat mich weiter beschäftigt, wie selten diese Marke wirklich ist.

Im Siegel Census habe ich nun sehr interessante Details gefunden. Der Artikel stammt vom März 2012. Demnach gibt es nur 30 Marken/Briefe/Einheiten - und zwar von allen vier (Grund-) Marken zusammen!

Die Marken scheinen also wirklich äusserst selten zu sein.

5 Cents, Typ I: 8 Exemplare (Michel Nr. 1) ohne Name Postmeister
10 Cents, Typ I: 4 Exemplare (Michel Nr. 2) ohne Name Postmeister
5 Cents, Typ II: 4 Exemplare (Michel Nr. 3) mit Name Postmeister
10 Cents, Typ II: 14 Exemplare (Michel Nr. 4) mit Name Postmeister
 

Da auch noch Papierunterschiede vorkommen, listet Scott 9 Marken auf:
29X1 bis 29X9.

Im Scott Katalog 2000 sind leider nicht alle neun Marken bewertet.

Laut Census weisen 4 Marken den Fehldruck "GOILAD" auf, 27 Marken sind normal "GOLIAD" (beim Paar zähle ich beide Marken, darum Summe 31, nicht 30). Obwohl der Fehldruck also wesentlich seltener ist, ist er nicht wesentlich höher bewertet als die normale Marke.

Scott:

29X6 = US$ 7'000
29X6a (Goilad) = US$ 8'000
29X7 = US$ 5'000
29X7a (Goilad) = US$ 5'500
 

Auch Michel bewertet den Fehldruck 2010 nur unwesentlich höher (bei der 5 Cents-Marke) bzw. gleich hoch wie die Normalmarke (bei der 10 Cents-Marke)!

Die Wertfindung ist meines Erachtens nicht bzw. kaum nachvollziehbar. Die Qualitätsfrage spielt hier wohl eine zentrale Hauptrolle. Einige "Goliads" sind optisch nicht besonders attraktiv.

Caspary hate meines Wissens die grösste Anzahl von "Goliads" in seiner Sammlung. Das höchste Resultat beim Verkauf seiner Sammlung 1956 haben wir bereits gesehen (das einzige Paar (lose) mit den zwei 5 Cents-Marken, siehe oben, US$ 3'200). Das zweithöchste Ergebnis erzielte Los 133:



Eine Scott 29X7, das müsste wohl Michel 4a sein. Das Los kostete immerhin US$ 2'600

Wenn ich die Zählung Siegel richtig lese, gibt es aber von dieser Marke 10 Exemplare, wovon nicht weniger als 7 Briefe. Im Buch Edition Spéciale steht aber: 5 Briefe. Der oben gezeigte ist (nach dem Auktionskatalog Caspary) aber der schönste ("by far the finest of the very few existing"). Er zierte ebenfalls die Sammlung Erivan Haub, wurde bis jetzt aber noch nicht angeboten.

Heinz
 

merkuria Am: 26.12.2019 13:18:11 Gelesen: 215215# 630 @  
@ Heinz 7 [#629]

Als Ergänzung kann ich noch die Katalogpreise nach Scott 2010 liefern:

29X6 = US$ 10'000
29X6a (Goilad) = US$ 12'000
29X7 = US$ 12'000
29X7a (Goilad) = US$ 15'000
 

Schöne Grüsse
Jacques
 

Heinz 7 Am: 28.12.2019 11:35:51 Gelesen: 215107# 631 @  
@ Heinz 7 [#629]

Ich habe oben erwähnt, dass Goliad "nicht in die erste Reihe der Seltenheiten gehört". Ich muss das wohl - zumindest teilweise - revidieren.

Wir wissen wohl, dass die Sektion Goliad in den Sammlungen von Ferrary 7 Lose umfasste, bei Lilly 6 Lose, bei Caspary gar 10 Lose. Erivan Haub hatte auch 7 Goliad-Marken bzw.-Einheiten (inkl. das Paar). Was ich aber beim ersten Hinsehen übersah, war, dass sich diese Anzahl meist auf VERSCHIEDENE Marken verteilte, Marken, die mit guten Recht unterschieden werden können.

Unbestritten verschieden sind die vier Grundmarken:
5 Cents / 10 Cents
ohne Name des Postmeisters / mit Name des Postmeisters

Gemäss Census von Siegel 2012 verteilen sich die 30 bekannten Marken/Einheiten auf die 4 Grundmarken wie gezeigt in Beitrag 629. Aber damit ist die Klassifizierung noch nicht abgeschlossen. Man kann die Marken nämlich noch unterscheiden nach Papierfarbe, und - auch darüber schrieb ich schon - auch der markante Irrtum "GOILAD" statt GOLIAD rechtfertigt eine eigene Katalogisierung.

Und somit sind wir plötzlich auf 11 verschiedenen Nummern! In Anbetracht, dass nur 30 Marken bekannt sind, müssen also einzelne Nummern sehr selten sein! Und so ist es auch! Alle 11 Varianten gibt es gestempelt (total 19), von den 11 Varianten kommen 6 auf Brief vor (total 11 Briefe bzw. Brief-Vorderseiten).

Wenn ich den Census von Siegel korrekt umgesetzt habe, ergibt sich also:

Scott Nr - Nummer Siegel - Anzahl bekannte Stücke: gestempelt - Anzahl bekannte Stücke auf Brief:

29X1 - Mi. 1a - 2 gest. - 1 Brief
29X2 - Mi. 1c - 2 gest.
29X3 - Mi. 1b - 2 gest. - 1 Brief(Vorderseite)
29X4 - Mi. 2a - 2 gest.
29X5 - Mi. 2b - 1 gest. - 1 Brief
29X6 - Mi. 3a - 2 gest. und 1 Paar (29X6a / 29X6)
29X7 - Mi. 4a - 3 gest. - 5 Briefe
29X8 - Mi. 3b - nur 1 Brief bekannt
29X9 - Mi. 4b - 3 gest.
29X6a (Goilad) = siehe Zeile 29X6
29X7a (Goilad) = 1 gest. - 2 Briefe

total = 18 gest. Einzelmarken, 1 Paar gestempelt, 11 Briefe (dabei 3 x Marke ungebraucht/nicht entwertet).

Wir sehen also: bei spezialisierter Betrachtung gibt es gar mehrere Nummern, die nur ein einziges Mal vorkommen pro Erhaltung. Insbesondere Scott 29X8 (= 5 Cents auf dunkelblauem Papier/mit Name des Postmeisters) ist einmalig.

Da wundert es uns, dass diese Variante so tief bewertet ist:

Scott: -.-
Michel: Euro 16'000 gest. / auf Brief Euro 35'000.

lose scheint das Stück gar nicht zu existieren, ist aber trotzdem im Michel-Katalog mit Preisangabe. Seltsam bzw. unlogisch...

Nun wollen wir uns dieses einzige Stück 29X8 aber ansehen:



Wir stellen fest: es ist KEIN schönes Stück! Der Brief ist nicht schön, der Stempel auch nicht und die Marke ist stark repariert! Zudem scheinen einst zwei Marken auf dem Brief gewesen zu sein, wovon die rechte heute fehlt.

...aber es ist ein Unikat! Und - auf dunkelblau ist die Marke doch stark anders als auf grau; eine separate Katalogisierung ist also verständlich.

Die Marke fehlte in den meisten grossen CSA-Sammlungen. Sie war aber in der Sammlung von Bill Gross (einem anderen reichen Sammler des XXI. Jahrhunderts)... und: sie war in der Sammlung von Altmeister Ferrary: Los 628!

Hut ab vor seiner Sammlung (einmal mehr...).

Heinz
 
10Parale Am: 13.02.2020 19:30:45 Gelesen: 202073# 632 @  
@ Heinz 7 [#631]

Haben wir hier schon über Norwegen gesprochen?

In einem Katalog von Michel "VALUABLE STAMPS OF THE WORLD" fand ich eine Annonce des Auktionshauses F.C. MOLDENHAUER AS, wo ein Brief mit insgesamt 12 Marken der Norwegen Michel Nr. 1 (insgesamt 48 skilling = 12 x 8) von Bergen nach Königsberg für NOK 2.655.000 versteigert wurde. Das muss schon ein paar Jahre her sein und laut heutigem Umrechnungskurs wären das 264.468 Euro. Kein schlechter Deal!

Gestempelt wird der Löwe mit der Olafsaxt mit 100,-- Euro bewertet. Bei dem o.g. Brief sehe ich einen gestempelten 7-er-Streifen. Dafür ist der Auktionserlös des Briefes ja nahezu sensationell hoch, wie ich finde.

Heute fand ich in meinem Fundus diese Ganzsache Österreichs. Sie passt sehr gut zu diesem Thema auf Grund der rückseitigen Maschinenschrift bzw. deren Inhalt:

Vermutlich ein Briefmarkenhändler mit dem Firmennamen G. WEISS & Co. in Wien bietet am 29. Juli 1922 einem bekannten Händler im Elsass einen Sechserstreifen von Norwegen Nr. 1 in wundervoller Erhaltung zum Preis von 900 Fr. an.

Bleibt die Frage, ist dieser Sechserstreifen nun postfrisch oder gebraucht? Darüber äußert sich der Händler leider nicht. Ich behaupte nun einfach mal auf Grund der Preisvorstellung kann es sich eigentlich nur um einen postfrischen Sechserstreifen handeln. Interessant, dass der Michel Online Katalog die ungebrauchte Marke mit 4.000,-- Euro bewertet, der ältere Katalog mit 6.000,-- Euro ?

Vielleicht gibt es dazu weitere Informationen oder Auktionssichtungen. Heute fand ich im Worldwideweb kein Angebot einer Michel Nr. 1, so dass ich davon ausgehe, dass es eine seltene Marke ist im ungebrauchten Zustand. Was mag da heute ein Sechserstreifen wert sein?

Solche kleine Postkarten ohne großen Wert besitzen jedoch einen enormen Wert, wenn es um die Provenienzforschung geht, oder?

Liebe Grüße

10Parale


 
Martin de Matin Am: 13.02.2020 21:42:09 Gelesen: 202012# 633 @  
@ 10Parale [#632]

Ich zweifele sehr stark daran, das der Sechserstreifen ungebraucht war. In der IV. Ferrary-Auktion im Jahr 1922 wurde das einzige ungebrauchte Paar (Losnr. 570) das Ferrary hatte, grössere Einheit hatte er nicht, mit 800 Francs zugeschlagen.

Ich habe noch nichts grösseres als dieses Paar gesehen. Grössere Einheiten dieser Marke müssen sofern sie existieren sehr selten sein. Aber ein gestempelten Sechserstreifen ist bestimmt kein Massenproduckt, sondern eher sehr selten.

Gruss
Martin
 
Heinz 7 Am: 14.02.2020 18:59:51 Gelesen: 201705# 634 @  
@ 10Parale [#632]

Guten Abend,

ich kann mich nicht erinnern, dass wir in diesem Thema Briefmarken von Norwegen besprochen haben. Aber es gibt schon ein paar Stücke, die bereits hohe Preise erzielten.

Die Nummer 1 ist ja an sich nicht besonders selten. Dementsprechend ist die Marke nur bewertet mit Euro 100 gestempelt bzw. Euro 6'000 für ungebraucht (Michel 2010). Die teuerste Marke (einzeln) von Norwegen ist wohl die Michel Nr. 17c (Dauermarke "Posthorn", Ausgabe 1874, 2 Skilling preussischblau); aber auch die ist nicht in der Spitzengruppe der europäischen Briefmarken mit einem Katalogwert von "nur" Euro 10'000 / 3'500 (*/gest.).

Die Michel Nr. 1 in Einheiten wird aber gelegentlich sehr teuer.

Die Firma F.C. Moldenhauer AS erlangte anfangs des XXI. Jahrhundert einige Aufmerksamkeit, da sie einige Male schöne Norwegen-Angebote verkaufen konnte und dafür auch hohe Resultate erzielte. Beim Suchen nach neueren Daten bin ich aber vorerst nicht fündig geworden, und prima vista scheint es mir, dass die oben genannte Firma 2014 mit der 73. Auktion ihren Betrieb einstellte. In den Jahren 2003-2010 hatte die Firma aber nachweislich ein paar teure Stücke verkaufen können.

Zur 69. Auktion 13.11.2010 habe ich mir sogar eine Notiz gemacht, dass die Auktion sehr wichtig war. Die Sammlung von Ragner B. Johannessen (oder Ragnar?) wurde verkauft, und sie enthielt wunderbare, teure Stücke.

Das mir am besten bekannte Stück ist aber der sensationelle 39-er-Block, der am 5.3.1981 in der Sammlung von Baron Rothschild zum Verkauf kam bei Phillips in London. Die Einheit wurde sehr teuer, kostete im Endpreis etwas über US$ 200'000. Meines Wissens gilt das Blockstück als "Kronjuwel der Philatelie von Norwegen"



Genauere Zahlen kann ich nachsehen. Ich habe den Katalog in meiner "Aussen-Bibliothek".

Der von dir erwähnte Brief mit 12 x der Nummer 1 ist natürlich von ähnlichem "Kaliber". Ein Brief mit einem 7er-Streifen und einem Fünferblock. Ich habe das Inserat, das du erwähnt hast, auch irgendwo gefunden und zeige es anbei. Leider ist das Bild ziemlich klein.



Gut möglich, dass dieser Brief dem 39-er-Block den "Spitzenplatz" streitig gemacht hat. Jedenfalls scheint der Brief ja wirklich sehr teuer verkauft worden zu sein.

@ Martin

Ich denke, Ferrary hat sich nicht besonders interessiert für Einheiten der Norwegen Nr. 1. Ich weiss, dass es Viererblocks gibt, aber wie gross die grösste Einheit ist, wäre noch abzuklären.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 14.02.2020 21:35:11 Gelesen: 201629# 635 @  
@ Heinz 7 [#634]

Es gibt in der Auktionsgeschichte eine hübsche Anzahl von beeindruckenden Norwegen-Spezialauktionen. Ein Katalog, der mir besonders gefällt, ist:

Ebel, Frankfurt am Main, 140. Auktion, 29.2.-3.3.1984.

Die Auktion dauerte 4 Tage und kann grob in 9 Teile eingeteilt werden. Mich interessiert der letzte Teil am meisten; am 3.3. wurde der Norwegen-Spezialteil "Per Fossum" versteigert: 205 Lose umfasste die Grand-Prix-Sammlung, welche Einar Lundström gehörte.

Auf der Titelseite war der Viererblock der Nummer 1 gezeigt.

Los 7002: 1855, 4 Skilling Landeswappen, Viererblock. Ungebraucht. "Einzig bekannter ungebrauchter Viererblock"



Das Stück wurde ausgerufen, nicht unbescheiden, zu DM 250'000. Damit war es das am zweithöchsten angesetzte Stück. Eine Resultatliste habe ich leider nicht.

Vermutlich genau dieses Stück fand später auch den Weg in eine Moldenhauer-Auktion: Am 14.11.2003 wurde das Stück wieder verkauft. Damals soll es NOK 1.5 erreicht haben (Hammerpreis; dazu kam noch die Kommission).

Somit kennen wir also

- eine sehr teure * Einheit: Viererblock [#635]
- eine sehr teure gestempelte Einheit: 39er-Block [#634]
- einen sehr teuren Brief: Mehrfachfrankatur (12 Stück) [#634].

Wenn ich weitere "Anwärter" auf den "Norwegen-Thron" entdecke, melde ich es.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.02.2020 10:14:58 Gelesen: 201144# 636 @  
@ 10Parale [#632]

Du erwähnst einen Sechserstreifen. Es muss sich meines Erachtens um einen gestempelten Streifen handeln. Ungestempelt sind bereits Paare selten und die grösste Einheit ungestempelt ist meines Wissens ein Viererblock (siehe Beitrag 635).

In der Super-Sammlung von Einar Lundström waren nicht weniger als 3 gestempelte Sechserstreifen der Nummer 1 enthalten! Los 7075 ist wunderbar gestempelt "Bergen". Die anderen beiden Streifen hatten einen sogenannten "Grill-Stempel" (Lose 7076 und 7077).



Alle drei Streifen hatten hohe Schätzpreise bei Ebel (1984):

Los 7075: DM 50'000
Los 7076: DM 27'500
Los 7077: DM 22'500

In der Auktion von 1984 waren immerhin 25 Lose mit einem Schätzpreis von DM 20'000 bis DM 300'000 (1984) vertreten. Ich kenne auswendig keine andere Norwegen-Sammlung, die mit noch mehr Gross-Raritäten gespickt war.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.02.2020 13:05:04 Gelesen: 201086# 637 @  
@ Heinz 7 [#634]

Vermutlich habe ich im obigen Beitrag sogar eines der seltenen Stücke gezeigt, das einst sogar die magische Grenze von US$ 500'000 überschritt (Kaufpreis).



Am 13.10.2001 wurde in Oslo der einmalige 39er-Block angeboten. Startpreis soll (umgerechnet) ein Betrag von US$ 150'860 gewesen sein.

Ein heftiges Bietergefecht scheint sich entzündet zu haben. Gemäss den mir vorliegenden Informationen erfolgte der Zuschlag erst beim fast Dreifachen des Startpreises:

US$ 434'290.

Dazu kamen 18 % Aufgeld = US$ 512'460.

Diese sehrsehr hohe Hürde haben wirklich noch nicht viele Marken/Briefe/phil. Einheiten überwunden. 2001 war der US$ noch mehr wert als der Euro. Rechnen wir ca 1.10, ergibt sich der beeindruckende Betrag von Euro 563'705.

Ich kenne "ohne Weiteres" nur ca. 30 Lose, die nominal mehr als US$ 500'000 kosteten. Wobei zum Beispiel die US$ 850'000 für die British Guyana One Cent 1856 aus dem Jahr 1980 natürlich viel mehr wert sind als US$ 850'000 des Jahres 2003.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Heinz
 

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