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Thema: Deutsches Reich Feldpost WK 2 Familie Frettlöh aus Marburg
Das Thema hat 102 Beiträge:
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DERMZ Am: 15.04.2025 10:54:00 Gelesen: 15467# 3 @  
Guten Morgen,

heute zeige ich die erste Feldpost von Albert Frettlöh an seine Eltern, geschrieben am 7. Januar 1944, einem Freitag.



Albert schrieb:

Lwh. A. Frettlöh
L08885 LGPA Münster

Herrn
Dipl. Ing. Frettlöh
Marburg (Lahn)
Wilhelm-Roserstr. 45

7.1.44
Liebe Eltern.
Ich bin hier gut angekommen,
denkt Euch doch nur, ich habe einen
alten Klassenkameraden hier
getroffen. Wir liegen zwar
nicht auf einer Bude zusammen,
aber trotzdem helfen sie uns mit
in allem mit Rat und Tat.
der Dienst ist harmlos , heute sind
wir geimpft worden, das Essen
ist prima. Ich muß jetzt schließen,
am Montag fährt Albrecht Heck-
mann nach Haus, der nimmt
einen ausführlichen Brief mit.
Viele Grüße auch an Hilde,
Mir geht’s gut.
Euer Albert


Kurze Erklärung:
Lwh. = Luftwaffenhelfer
L08885 LGPA Münster = Luftgau-Postamt

Albert Heckmann war wahrscheinlich um 1944 in Marburg wohnhaft


Mit vielen Grüßen Olaf
 
DERMZ Am: 18.04.2025 12:40:49 Gelesen: 15319# 4 @  
Guten Tag,

der erste Brief von Albert an seine Eltern, datiert vom 12. Januar 1944, abgestempelt in Hofgeismar, und mit großer Hilfe von Emiel die fehlenden Worte entschlüsselt - Danke Emiel.



Die Adress- und Absenderangaben wiederhole ich nicht, es sei denn, sie enthalten weitere Informationen.

den 11.1.44
Liebe Eltern.
Endlich komme ich dazu Euch ausführlich zu
schreiben. Ich habe leider keine schöne Unterlage,
also entschuldigt bitte die schlechte Schrift. Bitte
seht auch zu, daß ich meinen Füller gemacht be=
komme. Auch fehlen mir Umschläge und
Briefpapier. Aber nun will ich mal meine
Erlebnisse der Reihe nach erzählen. Nach unserer
Ankunft in Kassel wurden wir von Budenwart
Sandt in eine Schule gebracht, wo wir um
drei auf die einzelnen Batterien verteilt
wurden, nachdem ein paar Phrasen geschwungen
worden waren. Jede der drei Klassen unserer
Schule wurde kam von einer anderen Ecke von
Kassel. Wir kamen nach Obervellmar
und trafen dort unsere alten Klassenkameraden
Die diesen Abend Wir sind in Holzbaracken
untergebracht. Im ganzen sind zu unserer
Batterie 21 Luftwaffenhelfer gekommen.
Davon 12 Oberschüler die auf einer anderen
Bude sind. Auf unserer Bude sind wir drei
und 6 Schüler der Kasseler Wilhelms. Gymnasi-
um, das Essen ist nach wie vor fabelhaft
(Verdauung klappt) und der Dienst leicht. Im
nächsten Brief werde ich weitererzählen. Also
viele Grüße auch an Hilde Euer Albert


Mit vielen Grüßen Olaf
 
DERMZ Am: 20.04.2025 11:16:31 Gelesen: 15241# 5 @  
Guten Tag,

Albert schreibt einen ausführlicheren Brief über seine ersten Tage bzw. Unterbringung, Bekleidung und Verpflegung





O.V., den 15.1.44.
Liebe Eltern!
Endlich komme ich dazu, Euch einen ausführlichen
Brief zu schreiben. Als erstes will ich mich für das
Päckchen bedanken, das mir Albrecht mitgebracht
hat, die Äpfel und Plätzchen schmecken prima
und das Schuhputzzeug brauchte ich sehr dringend,
deshalb habe ich mich darüber sehr gefreut. Heute
morgen erhielt ich einen Brief vom 11.1.44. . Auch
hierfür meinen herzlichsten Dank. Ich will auch
jetzt noch einiges über meine Unterbringung, Ver=
pflegung und Bekleidung mitteilen. Also gleich am
6. Januar erhielten wir 3 Garnituren und
Ausgeh-Garnitur, Arbeitsgarnitur [alte, abgelegte,
chemisch gereinigte Soldatenbekleidung], und Drillich-
Anzug [bis jetzt nicht gebraucht], dazu Taschen- und
Handtücher und 4 Hemden [viel zu groß], ferner
Mantel, Stahlhelm, Mütze, Butterdose, Feldflasche und
Kochgeschirr. Ein Paar Schuhe erhielt ich heute. In
unserer Baracke haben wir es sehr warm, wenn man
zu heizen versteht, fußkalt ist es keineswegs. Wir
liegen auf Strohsäcken mit weißen Bezügen. Jeder
hat vier Decken gestellt bekommt. Der Verpflegung
ist ausgezeichnet. Wir kriegen mittags meistens
./.
Pellkartoffeln mit Soße und einem Stück
Fleisch und Gemüse. Sonntags Pudding dazu.
Nur an wenigen Tagen gibt es Eintopf. Wir
kriegen täglich 700gramm Brot, dazu jeden Tag
Butter, meistens Margarine, ferner Wurst oder
Käse oder Marmelade oder Kunsthonig
immer in anständigen Portionen. Das Brot
ist so reichlich, daß wir den Russen, die hier
sind, was abgeben, dafür bekommen wir
Brennholz und auch machten sie aus 10 Pfennig
Messingstücken prima Ringe, ich habe auch
schon einen, alle Welt läuft hier mit solchen
Ringen herum. Auch an Unterhaltung fehlt es
nicht, Donnerstag war die Gaufilmstelle, wir
sahen „Sophienlund“ und gestern Abend
war Batteriefest, dazu kam die Henschel-
bühne [Cabarett] mit einigen Aufführungen.
Um halb 11 waren wir erst im Bett. Eigentlich
sollten wir uns das schlechtschmeckende Bier
bekommen, wehrend die Soldaten Punsch
bekommen, aber wir wußten uns auch etwas
davon zu beschaffen. Leider muß ich schließen,
Viele Grüße Albert

O.V. = Obervellmar

Russen in Obervellmar: ich vermute, daß es sich um Kriegsgefangene bzw. Zwangsarbeiter im Arbeitslager der Organisation Todt handelte, allerdings war dieses laut wikipedia erst ab Oktober 1944 in Nutzung -https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/xsrec/current/26/pageSize/30/sn/nstopo?q=YToxOntzOjExOiJzYWNoYmVncmlmZiI7czoxNzoiT3JnYW5pc2F0aW9uIFRvZHQiO30=

"Sophienlund": wurde 1942 unter der Regie von Heinz Rühmann gedreht - https://de.wikipedia.org/wiki/Sophienlund_(1943)

Mit vielen Grüßen Olaf
 
evwezel Am: 20.04.2025 13:04:51 Gelesen: 15225# 6 @  
Hallo Olaf,

Den Film “Sophienlund” kann man auch online sehen.

Viele Grüße

Emiel

https://archive.org/details/1943-sophienlund-kathe-haack-hannelore-schroth-fritz-wagner_202412
 
DERMZ Am: 22.04.2025 12:44:10 Gelesen: 15159# 7 @  
Guten Tag,

Das Schuhputzzeug war für Albert wohl von großer Bedeutung, am 12. Januar schrieb er schon seiner Schwester Hilde:



O.V., den 12.1.44.
Liebe Hilde!
Nun will ich Dich auch einmal
mit einer Karte beglücken. Denk
Dir, ich habe heute schon 4 Karten ge=
schrieben und zwar an die Großmutter,
Tante Josepha, dann - Müllers und
Knabs. Bitte schick mir doch mal
ein bißchen Briefpapier und
Umschläge und einen Federhalter.
Tinte kann ich mir leihen. Ich
brauche auch Schuhputzzeug. Wir
sind bereits eingekleidet, nur
Schuhe, Strümpfe, Unterzeug und
Koppel haben wir noch nicht. Sag
mal, Du könntest mir hierher die
Oberhessische bestellen, dann habe ich
wenigsten abends was zu lesen.
[Außerdem geht auch das Klosettpapier bald
./.
zu Ende] Sag mal, Du
kanntest doch Frl. Rüder
die sich später mit
einem gewissen Dr.
Heffert verheiratete. Kannst
Du mir mal ein Bild
schicken, wo sie drauf ist.
Denn die 6 Kasseler Gymnasiasten,
die hier auf der Bude sind,
hatten sie als Klassenlehrerin.
Viele Grüße auch an die Eltern Albert.

Mir war der Begriff "Koppel" neu, mit "Gürtel" im übertragenen Sinn hätte ich etwas anfangen können, und die "Oberhessische" war die "Oberhessische Zeitung", die Tageszeitung aus Marburg, heute bekannt unter dem Namen "Oberhessische Presse".

Mit vielen Grüßen Olaf
 
DERMZ Am: 24.04.2025 05:24:24 Gelesen: 15082# 8 @  
Guten Tag

ein wenig aus der Sequenz geraten ist dieser Brief vom 7.Januar, ich bitte die "Unordnung" zu entschuldigen



Albert schrieb an seine Eltern:

O.V., 7.1.44.
Liebe Eltern!
Nun bin schon den dritten Tag bei dieser Flak=
batterie in Obervellmar. Ich konnte nicht eher
schreiben, da unser „Betreuungs“-Wachtmeister
uns das Schreiben verboten hatte, weil wir
noch nicht über „Sabotage, Spionage und deren
Abwehr unterrichtet seien. Na, ich will der Reihe
nach erzählen. Um 9.57 fuhren wir in Marburg und
waren um halb 1 in Kassel. Wir marschierten in
eine Schule, wo wir um 3 Uhr eingeteilt
und von Flakunteroffizieren abgeholt wur=
den und zu einer Batterie direkt am Stadtrand
gebracht wurden. Dort wurden wir wieder verteilt
und nur ein kleiner Teil kam nach Obervellmar,
wo wir zu unserer Freude unsern alten Klassen=
kameraden wiederfanden. Wir leben hier ganz
schön, das Essen ist überreichlich. Diesen Brief gebe
ich Albrecht Heckmann mit, der ihn in Marburg
einwerfen wird. Würdet ihr vielleicht folgende
Sachen einpacken und Montag, spätestens Dienstag
könnte die Hilde sie mit in die Schule nehmen,
und sie der kleinen Schwester von Albrecht Heck=
mann geben, der sie dann bringt. Ich bräuchte
Schuhbürsten und schwarzes Lederfett. Außerdem
Lederfett Briefmarken. Nun muß ich schließen.
Viele Grüße und macht Euch keine Sorge, mir
geht’s gut.
Euer Albert

Es gibt keine Lederfett-Briefmarken, Albert hatte sich verschrieben und Lederfett zweimal auf das Blatt Papier gebracht, das zweite Mal hat er es durchgestrichen - ich versuche dieses durch Kursiv-Schrift und Unterstreichung kenntlich zu machen.


Mit vielen Grüßen Olaf
 
DERMZ Am: 26.04.2025 14:04:26 Gelesen: 15005# 9 @  
Guten Tag,

ich vermute, daß Albert daheim war und von daher in der Zeit zwischen dem 15. und 27. Januar keine weitere Post verfasst hat, dafür hat er aber seinen Füller dabei, wenngleich dieser offensichtlich den Brief nicht durchgehalten hat.





Ich habe folgendes gelesen - danke auch an Emiel für die wertvolle Hilfe:

O.V., den 27.1.43
Liebe Eltern!
Gestern abend mußte ich erst einräumen, deshalb konnte
ich noch nicht schreiben. Nun will ich es heute morgen nach=
holen. Denkt Euch doch, wir haben heute morgen überhaupt kei=
nen Dienst gehabt, alles was vorgesehen war, fiel aus. In
Kassel hatte ich gestern vormittag gleich Anschluß und ich
kam ziemlich früh hier an. Ich kam gerade in eine Übung
hinein, wozu auch der Abteilungskommandeur kam. Er zollte
nachher den Luftwaffenhelfern großes Lob.
O.V. den 30.1.43
Bitte entschuldigt, daß ich erst jetzt den Brief fortsetze. Denn
obwohl ich ansich viel Zeit hier habe, so hinderte feindliche
Flieger mich daran, den Brief fortzusetzen. Vorgestern mußte ich
zum Impfen, heute morgen war hier die feierliche Verpflichtung
der neuen Luftwaffenhelfer. Es war sehr komisch. Vorgestern
Ich muß jetzt leider mit Bleistift weiterschreiben,
da mein Füller keine Tinte mehr hergibt und
ich hier keine auftreiben kann. Also Fissan-Paste
und Kamm und Bürste habe ich wiedergefunden.
Ich habe vorgestern ein Päckchen mit Schlafanzug
an Euch abgehen lassen. Bitte wascht ihn nur
aus und schickt ihn mir zurück. Zulassungsmarke
die wir empfangen haben, schicke ich mit diesem
Brief. Mir ist es schon besser, von der Erkältung merke
ich nur noch wenig. Die Plätzchen bin ich alle los=
./.
geworden, Streuselkuchen habe ich nicht abbekommen,
Wir haben gestern die übrigen Sachen bekommen,
die ich noch nicht empfangen hatte, Rucksack,
Unterhosen, Strümpfe, Handschuhe, Koppel, Gamaschen,
Turnhose, Pullover und Eßbesteck. Augenblicklich
[9 Uhr abends] ist hier Feuerbereitschaft. Die Anderen
sind oben an Geschützen und Gewehr . Wir die wir
nicht eingesetzt sind sitzen hier bei spärlicher Beleuchtung.
Euren Brief habe ich gestern erhalten. Vielen
Dank dafür. Ich drücke dringend die Daumen für
Hildes Abitur, h
offentlich besteht sie es gut. Nun
Viele Grüße auch an Hilde Euer Albert
Bitte entschuldigt die schlechte Schrift, bei der Be-
leuchtung ist das kein Wunder.

Ob man heute noch Fissanpaste schreiben würde, glaube ich weniger, ohne Werbung machen zu wollen würde dort heute wohl eher Nivea- bzw. Penatencreme stehen.

Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 27.04.2025 20:01:49 Gelesen: 14955# 10 @  
Guten Abend,

ohne Hilfe geht es (immer) noch nicht, DANKE Emiel.





O.V., den 13.2.44.
Liebe Eltern!
Am Mittwoch erhielt ich Eurer liebes Päckchen mit den Plätzchen und den
Äpfeln. Sie haben mir ausgezeichnet geschmeckt und ich sende Euch hierdurch
meinen herzlichsten Dank. Mir geht es soweit gut, außer daß meine
Impfen mich manchmals schmerzen, ich bin nämlich Mittwoch geimpft
worden. Aber jetzt merke ich schon garnichts mehr davon. Obwohl die
Vorgesetzten hier in der Stellung sich damit bereiterklärt hatten, daß
am 7. unser Unterricht begann, hatten wir vorige Woche doch keinen
Unterricht und werden morgen wir erst beginnen, weil der Unterrichts=
beginn für die neuen Luftwaffenhelfer einheitlich auf den 14. Januar
festgesetzt worden war. Ich bin seit einigen Tagen als Vorfeldschreiber
eingesetzt und muß, wenn Flugzeuge die 200km-Grenze zu überfliegen
rauf aus Gerät. Ich stehe dann im Freien an einer Glastafel, auf der
Kassel mit Westdeutschland aufgemalt sind und zeichne die Flug=
meldungen ein, die ich durch Telefon bekomme. Es ist sehr interessant
und ich weiß immer an erster Stelle, was über Deutschland los
ist. Aber es hat auch seine Schattenseiten. Z.B. mußte ich in einer
Nacht 4 mal raus, während die anderen nur einmal brauchten,
denn sie brauchten nur bei 120km raus. Heute am Sonntag mußte
./.
ich zweimal die Buntstifte spielen lassen. Diese Woche war hier zweimal
Film. Das erstemal [„Hab mich lieb“] wurden die Luftwaffenhelfer nach
der Wochenschau rausgeschmissen, weil der Film nicht zugelassen ist,
Das andere Mal [„Die Entbahrung“] gab es mittendrin Alarmbereitschaft
Heute mittag gab es Pudding mit Apfelmus, hat prima geschmeckt.
Sonst sind wir mit dem Essen nicht so sehr zufrieden, kann sein, daß
wir, weil es im Vergleich zu den ersten Tagen etwas weniger gibt,
verwöhnt sind. Besonders schimpfen wir darüber, daß es so wenig gar kein Weiß=
Brot oder Brötchen gaben. Meine letzten Marken habe ich längst verbraucht.
Könntet ihr mir vielleicht ein paar Roggenbrötchenmarken, am besten
Urlaubermarken schicken, auch dafür bekommt mann Weißbrot
oder Brötchen hier im Dorf. Heute haben wir ein zweites Paar Schuhe
bekommen. Eben erfahre ich, daß morgen der Unterricht ausfällt, weil
der Lehrer krank ist. Es geht also lustig los. Ich werde wahrscheinlich
am 22. auf Urlaub kommen, es kann aber auch bis zu einer Woche
Länger dauern. Nun viele Grüße sendet Euch Euer Albert
[Laßt mal was von Euch hören]
N.S. Entschuldigt bitte die schlechte Schrift, wir haben sehr schlechte Beleuchtung
Und die Glasfeder schreibt auch nicht so ausgezeichnet.

Es seien mir ein paar Anmerkungen gestattet:
-Datum des Poststempels und Datum im Brief passen (noch) nicht zusammen, ich vermute, da der Brief NICHT über die Feldpost verschickt wurde, daß Albert diesen einem Kollegen aus Marburg mitgegeben hat und dieser ihn in Marburg aufgegeben hat. Jetzt passt das Datum immer noch nicht, ich interpretiere es zur Zeit als Datumsfehleinstellung, es könnte gut der 18. Februar 1944 gewesen sein.
-„Hab mich lieb“ - Deutscher Spielfilm von 1942 mit Marika Rökk
-„Die Entlassung“ - Deutscher Spielfilm von 1942 mit Werner Krauss
-„Urlaubermarken“ waren Gutscheine, mit denen man freie Tage bekam. Diese scheinen nicht benannt worden zu sein. Wenn der Autor sie also nicht nutze, konnten diese gehandelt werden.

Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 06.05.2025 21:54:02 Gelesen: 14798# 11 @  
Guten Abend,

nach einer kürzeren Pause, habe ich noch eine Karte von Albert an seinen Papa gelesen, dieser hatte Geburtstag ...



Ich las folgendes:

O.V., den 14.2.11
Lieber Papa!
Zu Deinem Geburtstag sende ich
Dir hiermit meine herzlichsten Glück=
wünsche. Es war mir leider wegen
der Einsatzbereitschaft nicht möglich
zu diesem Tage Urlaub zu bekommen,
ich werde aber einige Tag später sicherlich
kommen. Heute sollte unser erster Unter=
richt sein [Latein] er fiel aber wegen
Krankheit des Lehrers aus. Morgen ist
wahrscheinlich Mathematik. Wie ist denn
in Marburg das Wetter. Ist Winterwetter
hier liegt dauernd etwas Schnee und
das Thermometer ist meistens unter
Null. Seit mehreren Tagen erhalten
wir überhaupt keine Post mehr. Es
ist ein ganz großer Mist. Wer weiß
was da los ist. Auch der Oberheß kommt

./.

nicht regelmäßig, am
Donnerstag erhielt ich
drei Zeitungen aufein=
mal, dafür die letzten Tage
überhaupt keine. Nun zum
Schluß sende ich Dir nocheinmal
die besten Wünsche zum
Geburtstag und bleibe
Dein Albert


Vielleicht noch zur Erklärung, die "Oberheß" meint die "Oberhessische Zeitung", die Albert ja bei seiner Schwester Hilde am 12. Januar erbeten hatte

Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 09.05.2025 05:20:45 Gelesen: 14677# 12 @  
Guten Morgen,

Albert schreibt etwas ausführlicher an seine Eltern





O.V., den 5.3.44
Liebe Eltern!
Endlich komme ich dazu Euch mal wieder zu schreiben, teils durch Einflüge
feindlicher Flieger und teils durch Schulaufgaben bin ich noch nicht dazu gekommen.
Ich danke Euch herzlich für den Brief vom 28.2., ich erhielt ihn gestern, übrigens vor=
gestern bekam ich einen Brief von Hilde. Sie schrieb mir ziemlich ausführlich, und ich
will ihr heute auch schreiben. Eure Marken, die Ihr mir geschickt habt kann
ich ausgezeichnet gebrauchen, und ich werde jetzt diese 4 Wochen bestimmt hin=
kommen. Ich will auch mal aufzählen, was ich habe: 4900gr Roggen und 1420gr
Weizenmarken, 150gr Butter, 450gr Fleisch und 100gr Marmelade das schickt!
Auch hast Du, liebe Mutti, mir allerlei Überraschungen in die Mappe am
Montag eingepackt, die mich sehr gefreut haben. Das Backobst habe mit dem
Beutel in der Manteltasche gesteckt und bei Feuerbereitschaft lutsche ich Trockenpflau=
men. Es fragt sich blos, wie lange es bei der andauernden Feindtätigkeit reicht!
Dies ist ja augenblicklich ganz toll. Vorige Nacht, gestern am Tag, heute Nacht
und heute Mittag mehrmals Feuerbereitschaft, und mehrm noch viel öfter Alarmbereit=
schaft, zum Beispiel heute nachmittag dreimal. Gestern Mittag hieß wo starke
Verbände eingeflogen waren, hieß es, der Angriff richte sich entweder gegen
Kassel oder Neustadt (Allendorfer Munifabrik). Die Flieger-Verbände befanden sich
in ganz Kurhessen und hatten von allen Seiten Kurs auf Kassel, plötzlich drehten
alle Verbände und hart nördlich Kassel flogen sie an uns vorbei nach
Norddeutschland und gegen Berlin. Der Spaß dauerte von 1115 bis 415. Auch
heute Nacht war allerlei los. Zum Glück brauche ich jetzt nachts und
während des Schulunterrichts nicht eher nach oben, als die anderen. Im
übrigen war der Unterricht regelmäßig, die Flieger kamen immer erst
mittags und in die Lehrer kamen auch immer. Wir haben jeden Tag
von 17 bis 18 Uhr Schularbeitenstunde. Dann ist bis 21 Uhr dienstfrei. Der
Dienst in der Batterie dauert nur von 14-17 Uhr. Das ist alles. Aufstrich habe
ich augenblicklich genug, wenn es mal knapp ist, streiche ich Schmals, das ist
aber gleich zu Ende. Na dann hole ich mir mal ab und zu etwas aus dem
Dorf, ich habe ja genug Marken. Meine Erkältung wird allmählich besser und
ich fühle mich ganz gut. Das Bettzeug ist auch gewechselt worden, und die
Zahl der Flöhe in unserer Bude ist rapid zurückgegangen, ich merke jeden=
falls nichts mehr.
./.
Meinen 6-Tage Urlaub habe ich für den 25.März beantragt und ich werde sehr wahrschein=
lich dann auch kommen. Unsere Ausbildung ist sehr mau augenblicklich
und wir haben im großen und ganzen ein ruhiges Leben. Daß ich am Tage,
wenn Flieger kommen, eher rauf muss als die anderen, hat auch manchen
Vorteil. Zum Beispiel brauchte ich den am Sonnabend den Infanteriedienst
und den Stubendurchgang nicht mitzumachen. Nun viele Grüße von mir
Albert.


Allendorfer Munifabrik= Allendorf Sprengstoffwerke - siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Sprengstoffwerke_Allendorf_und_Herrenwald

Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 10.05.2025 14:32:21 Gelesen: 14582# 13 @  
Guten Tag,

heute ein Brief von Alberts Oma an seine Mama Else, seine Oma wohnte damals in Böttchersdorf, Ostpreußen - heute heißt der Ort wohl Sewskoje.





Mit der unendlich wertvollen Hilfe von Emiel habe ich folgendes gelesen:

Frau Dipl. Ing. Else Frettlöh
Marburg-Lahn
Wilh.Roserstr. 45

Böttchersdorf d. 13.3.44
Mein liebes Elschen, Du hast mich wieder
so erfreut mit so viel schönen leckern
Sachen, dafür danke ich Dir vielmals, kommt
Ihr dadurch auch nicht zu kurz? Wie ertragt
Ihr beiden nun das Alleinsein, es ist doch die
erste Trennung von den Kindern, u. die
Kinder selbst, wie ertragen sie es? Beide haben
mir zum Geburtstag gratuliert, was mich
sehr erfreut hat, Hildchen habe ich ein Päckchen
selbst gekochter Bonbons geschickt, ob sie ihr auch
schmecken werden! Mit heutiger Post geht
auch ein Päckchen mit den Bücher an Dich
ab, welche vorgestern hier ankamen, ich habe
2 Bücher davon erwählt, eins mit den An-
sichten u. dann das Buch von Hildchen, wie ist
es nun mit den beiden Bücher, die Du geschickt
hast, sind die fest gekauft, oder werden sie zu
rück genommen? Mit einliegendem Geld rangiere
doch die Sache, so oder so, jedenfalls schicke nichts zurück
./.
Am 19.3. ist nun Evis Einsegnung, Vater wird
mit Lotte hinfahren, ich fühle mich nicht mehr kräftig
genug, um die Reise u. die damit verbundenen Auf-
regungen aus zu halten. Willy ist nach dem Osten
gekommen, möge Gott ihm u. uns allen gnädig sein!
Am 5.3. ist bei Erich Okreste der 2. Junge Andreas
angekommen. Wie Martha Boldt mir schrieb, ist
anfangs Januar Bertha gestorben, sie ist nur
kurz vor dem Tode ihrer Schwester benachrichtigt
auf ihre Bitte um nähere Angaben hat sie keinen
Bescheid erhalten. Du wirtschaftest wohl schon
tüchtig im Garten, was macht Dein Federvieh u.
die Ziege? In dem Päckchen ist ein etwas lila
Satin mit etwas ein wenig Stoff als Garnierung
gedacht zu einer Kleidschlinge für Dich oder Hildchen
reicht es allemal, vielleicht auch zum Kleidchen
die heutige Zeit macht uns ja so bescheiden.
Nun, liebes Elschen, laß Dir herzlichst gratulieren
zu Deinem Geburtstage, möge der liebe Herrgott
Euch vor Leid u. Kummer bewahren u. die
Kinder gesund heimkehren. Nochmals vielen Dank
für all Deine Liebe u. Fürsorge Gott schütze u. behüte Euch
Deine Mutter

https://de.wikipedia.org/wiki/Sewskoje

Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 13.05.2025 12:38:02 Gelesen: 14479# 14 @  
Guten Tag,

an diesem Brief musste ich deutlich länger knobeln als bei den vorherigen, zum einen weil der Bleistift sehr schwach aufgetragen wurde und zum anderen haben sich mir manche Worte nicht erschließen wollen - Dank Emiel sind die Lücken nun gefüllt. Ich zeige den Brief einmal farblich unverfälscht und dann im verstärkten Kontrast.



mit verändertem Kontrast:



Albert schreibt folgendes:

O.V., den 20.3.44
Liebe Eltern!
Ich hoffe, es wird nun doch mit einem Urlaub
klappen, und daß ich am 2.4. komme. Nur wenn der
Batteriechef den Urlaubsschein nicht unterschreibt, müßte
ich noch rund eine Woche warten – dies ist natürlich möglich
denn bevor er einen Urlaub unterschreibt, sieht
er in der Urlaubskartei nach, ob derjenige schon dran
ist mit Urlaub. Und da ich doch drei Tage zu früh dran bin,
ist es möglich, daß er meinen Urlaub streicht. Am Dienstag
nachmittag waren wir im Dorf sammeln zum Tag
der deutschen Wehrmacht. Ich hatte 174 Mark gesammelt.
Am Abend wurde es dann heiter. Starke feindliche
Fliegerverbände nahmen denselben Kurs wie bei
dem Angriff vom 22. Oktober. Man rechnete von fest
mit einem Angriff und wirklich, schon kamen
die Vortrupps, setzten viele rote, grüne, und gelbe
Kaskaden, aber der Bombenhagel blieb aus. Wohl
fielen einzelne Bomben, davon eine 300m von
der Stellung und wir schossen wie verrückt, aber
es war doch nur ein Scheinangriff, in Wirklichkeit
griffen sie Frankfurt und Wiesbaden an. Gestern am
Sonntag gab es eine Erbsensuppe ohne Pudding,
weil Tag der deutschen Wehrmacht war. Eben erfahre
ich daß drei Mann von meinem Gerät krank sind,
es kann also auch die Einsatzbereitschaft ein Grund sein
daß ich keinen Urlaub bekomme. Na, hoffen wir
das Beste. Viele Grüße Albert.


Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 14.05.2025 16:34:09 Gelesen: 14412# 15 @  
Guten Tag,

Alberts geplanter Urlaub rückt näher, doch er muß ihn verschieben.



Ich habe erneut den Kontrast verstärkt für eine bessere Lesbarkeit



O.V., den 23.3
Liebe Eltern!
Nun werde ich doch meinen Urlaub
verschieben müssen. Denn morgen, wo
ich fahren wollte, kommen 30 Luftwaffen=
helfer fort zu einer anderen Batterie
von meinem Gerät
ferner sind 2 Luftwaffenhelfer krank,
infolgedessen kann ich morgen nicht
fahren, da es wegen der Einsatzbereitschaft
nicht geht. Ich werde also wahrscheinlich
erst nächste Woche kommen. Euren
Brief habe ich erhalten, vielen Dank dafür.
Vielen Dank auch für die Marken.
Was sagt ihr denn zu der stündlichen
Luftlagenmeldung durchs Radio? Sogar
uns, die wir doch an der Quelle sitzen,
nützt das sehr. Christoph Herwig fährt heute
auf Urlaub, der wird diese Karte in
Marburg in den Kasten stecken. Na,
nun viele Grüße, ich werde sehen,
daß ich bald auf Urlaub komme.
Euer Albert


Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 16.05.2025 04:45:04 Gelesen: 14316# 16 @  
Guten Morgen,

Wunsch und Wirklichkeit - der Urlaub wurde für die ganze Stube gestrichen, somit auch für Albert - er berichtet über die Hintergründe.





O.V., den 30.3.44.
Liebe Eltern!
Gestern erhielt ich Euren Brief vom 24.3. Habt vielen
Dank dafür. Also mit Urlaub wird es vorläufig nichts,
denn wir Luftwaffenhelfer haben Urlaubssperre,
weil einer auf dem Gang unserer nur aus
Holz und Pappe bestehenden Großraumbaracke ein
großen Haufen Papier angesteckt hatte, und der
Chef die hohe Flamme sah. Folge: Urlaubssperre, weil
der Täter sich nicht gemeldet hatte. Wir hatten keine
Beweise gegen ihn und mußten ihn ziehen lassen,
denn er gehört zu denen, die zu einer anderen
Batterie versetzt worden waren. Meine Brotmarken
sind leider gehen nächsten Donnerstag zu Ende, also
vielleicht wäret Ihr so freundlich, mir in dieser Be=
ziehung unter die Arme zu greifen, wenn ich Ostern
noch hier sein sollte. Wenn es Euch nichts ausmacht,
könntet ihr mir vielleicht ein Päckchen mit Plätzchen
und Ostereiern schicken. Vielleicht könnte ich auch eine
Schachtel Zigaretten bekommen., Zigaretten sind näm=
lich hier der begehrteste Tausch- und Radfahrartikel
ferner brauchte ich einen Radiergummi und Sicherheits=
nadeln. Die Verbände Liebe Mutti, zu Deinem Geburtstag
sende ich Dir meine herzlichsten Glückwünsche, ich werde ja

./.

nun nicht da sein, aber wir werden ihn dann nachfeiern.
Ich muß nun leider schließen, weil feindliche Flieger
mir einen Strich durch die Rechnung gemacht haben.
Also viele Grüße sendet Euch Euer Albert.

N.S. Gesundheitlich geht es mir ausgezeichnet, und die
Schule ist auch ziemlich regelmäßig. Wenn ihr
mir Marken schickt, bitte nur Brot- und
Brötchenmarken, an anderen Fressalien habe ich
genug.


Den "Radfahrartikel" konnte ich nicht lesen, Emiel hat mir geholfen - besten DANK - und auch die Suche im Netz war in meinen Augen ebenfalls hilfreich, wikipedia schreibt zum Thema "Radfahrtruppen" folgendes:

Im Jahr 1936 wurde von der Wehrmacht eine Versuchsabteilung beim I. Armeekorps in Königsberg gebildet. Im Krieg wurden Radfahrer bei den Aufklärungsabteilungen der Infanteriedivisionen des Heeres eingesetzt. Mit zunehmender Motorisierung der Truppe wurde die Mehrzahl der Radfahreinheiten aufgelöst und umgegliedert. Erst mit mangelnden Treibstoffen gegen Kriegsende ab etwa 1944/45 wurden einige Einheiten und Verbände, vor allem des Volkssturms, mit Fahrrädern beweglich gemacht, an denen oft zwei Panzerfäuste an Halterungen zum Transport angebracht wurden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Radfahrtruppen

Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 17.05.2025 07:26:54 Gelesen: 14250# 17 @  
Guten Tag,

offensichtlich hat Albert doch Urlaub bekommen und sich eine Erkältung eingefangen ...



Albert schreibt aus Kassel, daher ein veränderter Absender:

L.W.H. Frettlöh
Krankenrevier Luisenschule
Kassel Luisenstraße

Kassel, den 13.4.44
Liebe Eltern!
Nun bin ich doch auf dem Revier
gelandet. Ich war am 10. gut in
Obervellmar angekommen, wo man
mir alles glaubte und ich weiter
keine Schwierigkeiten hatte. Der Sani,
bei dem ich mich dort gleich meldete,
untersuchte mich, fand aber nichts
und ich war voll dienstfähig. Nun
hatte ich aber die letzten Nächte noch
immer ziemlichen Husten, und
als das unser Betreuungswachtmeister
hörte – er schläft neben unserer Stube -
ordnete er an, daß ich heute früh zum
Arzt sollte, der untersuchte mich und
schrieb mich erneut krank. Ich zog
heute mittag hier ein und fühle
mich sehr wohl hier. Das Essen ist
besser als in der Stellung, heute abend

./.

gab es Bratkartoffeln
mit Rührei. Ich liege
mit 5 Soldaten und
1 L.W.Helfer auf einer
Stube, alle sind hier nett.
Ich hoffe, daß ich bald wieder
gesund bin, an dem
halben Tage, den ich hier
liege, ist der Husten schon
besser geworden. Nun
viele Grüße Albert.

Zeigenswert empfinde ich den Tarnstempel aus Kassel



Und eine Anmerkung zur Luisenschule in Kassel:

Die Luisenschule wurde im Jahr 1855 als Mädchenschule gegründet, benannt nach Louise von Bose. Im Sommer 1943 wurden die oberen Stockwerke der Schule durch Luftangriffe zerstört, im Oktober 1943 wurde der gesamte Dachstuhl vernichtet und die Zimmer im 1. und 2 Stock brannten aus. Im Jahr 1944 war auf dem Gelände ein Krankenrevier aufgebaut. Ab Februar 1949 konnte in ersten Räumen wieder Unterricht stattfinden. Im Mai 1979 beschloss die Gesamtkonferenz die Aufnahme von Jungen in der Luisenschule.

Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 18.05.2025 12:45:09 Gelesen: 14184# 18 @  
Guten Tag,

Albert ist wieder gesund und zurück in seiner Batterie in Obervellmar.





Er schreibt folgendes:

O.V., den 25.4.44
Liebe Eltern!
Vielen Dank für Euren Brief vom 20.. Ich bin nun vor zwei Tagen aus dem
Revier entlassen worden. Am letzten Tag war ich nocheinmal zum Röntgen
gegangen, und da nichts los war und der Husten besser war, bekam ich 20
Pillen in die Hand gedrückt und konnte gehen. Mit Erholungsurlaub war es
Essig, ich würde nur 5 Tage innendienstkrank geschrieben. Am letzen Tag – es war
so schönes Wetter – habe ich einen kleinen Spaziergang auf den Herkules gemacht.
H Auch habe ich mir in Bettenhausen die Schäden von dem Tagesangriff angesehen. Fieseler[1]
ist ziemlich kaputt, die Flugmotorenfabrik in Altenbauna ist kaum getroffen. Wir
in der Luisenschule hatten von dem Angriff kaum was gemerkt. Wir hörten
nur ein fernes Wummern und das Licht ging einmal aus. Auch nachher ging
es in der Stadt ganz ruhig zu und man merkte garnicht, daß es einen
Angriff gesetzt hatte. In letzter Zeit werden wir fast nur durch einzelne
Maschinen behelligt, von denen die meisten Jäger sind. Bis gestern hatten
wir das schönste Wetter hier. Seit gestern abend regnet es in einem fort.
Kartons
In der letzten Zeit gab es hier öfters Bratfisch. Heute gab es zwei große Kästen
Keks. Wo Wo Morgen müssen wir die Winterbekleidung (Handschuhe, Kopfschützer,
1 Paar Strümpfe und eine Decke) abgeben. Meiner Ansicht nach ist das zu früh,
na ja, es wird schon gehen. Ihr schreibt mir, ich sollte dem Walter mal eine
Karte schicken, aber ich kenne doch gar nicht seine Adresse. Das eine von den
drei Päckchen war gleich nach Ostern angekommen. Bei den beiden anderen
hatte ich jegliche Hoffnung verloren. Um so größer war meine Freude, als
ich sie gestern beide bekam, um so mehr, da ich meine Plätzchen usw. im Revier
aufgegessen hatte. Im Revier bekamen wir dasselbe Essen wir in der Batterie,
nur daß wir ab und zu eine Schnitte Weißbrot bekamen. Ich muß nun
leider schließen, da gleich Stubendurchgang ist, also viele Grüße und
Küsse Euer Albert.
N.S. Wolfgang Naumann ist gestern als H.J.Bonze nach Marburg
entlassen worden. Der hat Schwein.


Viele Grüße Olaf

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard-Fieseler-Werke, dort steht unter anderem:
Am 19. April 1944 wurden die wieder instandgesetzten Fieseler-Werke erneut durch Bombenangriffe der USAAF beschädigt.
 
DERMZ Am: 19.05.2025 21:03:11 Gelesen: 14075# 19 @  
Guten Abend,

der Mai ist gekommen, die Fliegeralarme werden weniger - ob es ein gutes Zeichen ist/war?



Albert schrieb am 3. Mai von Obervellmar an seine Eltern:

O.V., den 3.5.44
Liebe Eltern!
Habt Ihr meinen letzten Brief erhalten, wo ich Euch
meine Entlassung aus dem Revier mitteilte? Mir geht
es augenblicklich ausgezeichnet, der Husten ist lange
weg und sonst fehlt mir auch nichts. Am Sonntag
hatten wir Arbeitsdienst [Schippen], dafür hatten wir
am Montag [1. Mai] Feiertag, morgens Feier mit allem
Klim-bim; nachmittags Fußballspiel gegen eine
andere Batterie, wir waren natürlich Sieger, und
abends Batteriefest, sprich Sauferei. Wir Luftwaffenhelfer
durften nicht mitmachen, weil wir noch keinen Alkohol
genießen dürfen. Die Fliegeralarme sind in der
letzten Zeit recht selten, uns ist das nur recht. In
der letzten Zeit gibt es oft Bratfisch, der auch ganz gut
schmeckt. Mit Urlaub bin ich eigentlich am 15. dran, aber
ob ich dann wegkomme, ist so eine Sache. An unserem Gerät
sind die Leute furchtbar knapp, und nun ist gestern
Richard Krafft 3 Wochen weg zum Segelfliegerlehrgang,
da ist es nun ganz übel. Na ja, es wird schon gehen.
Hier ist augenblicklich richtiges Aprilwetter, mal Regen,
mal Sonnenschein und ziemlicher Wind. Man hört hier
viel von der Invasion reden und die meisten glauben
auch daran. Man nimmt an, daß mit der Invasion
im Westen, Großoffensiven in Rußland und Italien
gestartet werden, dazu ein unerhörtes Anschwellen des
Luftkrieges. Aber es wird auch fest damit gerechnet,
daß alle Angriffe abgewiesen werden und wir im
Gegenschlag nach England übersetzen werden. Viele Grüße
Albert.


Als der Brief verschlossen war, ergänzte Albert noch:

N.S. Liebe Eltern!
Eben erhielt ich den Brief vom 27.
Vielen Dank dafür und
Mutti ich wünsche Dir gute
Besserung.


Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 20.05.2025 13:06:05 Gelesen: 14034# 20 @  
Guten Tag,

Albert hat sich erneut krank gemeldet und ist wieder im Krankenrevier in der Luisenschule in Kassel.



er schreibt dazu:

L.W.H. Frettlöh
Kassel Luisenstr.
Krankenrevier Luisenschule

Kassel, den 8.5.44
Liebe Eltern!
Nochmals vielen Dank für den letzten Brief
von Mutti. Mit mir ist wieder allerlei los.
Nachdem ich mich davor frisch wie ein Fisch
im Wasser gefühlt hatte, hatte ich seit zwei
Tagen, wohl durch das schlechte Wetter Halsschmerzen
und gestern abend sogar ein wenig Fieber.
Ich ging darauf zum Sani, der mich heute
morgen mit aufs Revier nahm. Der Arzt
Mandel
stellte auf den ersten Blick Halsentzündung
fest und ich durfte im Revier bleiben.
Hier werde ich mit Pillen, Halsmitteln und
Gurgeln mit Kamillentee behandelt. Ich freue
mich durchaus, daß ich jetzt im Revier bleibe, denn
erstens bekomme ich sicherlich Erholungsurlaub,
weil ich auch erst vor zwei Wochen im Revier
lag, und zweitens war es bei dem schlechten
Wetter in der Batterie nicht sehr gemütlich.
Mit Essen bin ich gut versorgt, denn erst am Sonnabend
hatte ich in Obervellmar das letzte mit der Karte
gekauft, unter anderem 1 Glas Himbeerkonfitüre.
Na viele Grüße und macht Euch keine Sorgen.
Euer Albert


An den Stellen, wo leider eine geteilte Briefmarke über dem Text klebt, habe ich die Worte - meines Erachtens - durch Sinnvolle Worte ergänzt - ich habe diese im Fettdruck dargestellt.

Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 21.05.2025 17:30:38 Gelesen: 13853# 21 @  
Guten Tag

Albert liegt immer noch im Krankenrevier, aber er ist schon wieder fast gesund...



Kassel, den 10.5.44
Liebe Eltern!
Heute erhielt ich Papa's Brief vom 5. Vielen Dank
dafür. Einerseits ist es ja nicht schön für Hilde krank
zu sein aber andererseits wird sie wohl einige schöne
Urlaubstage rausschlagen können. Wünscht Ihr bitte
gute Besserung und hoffentlich bist Du liebe Mutti
auch bald ganz gesund. Es klingt fast wie eine Ironie
des Schicksals, wenn in dem oben genannte Brief
steht, ich solle mich vor Erkältungen hüten, und
ich liege schon längst wieder im Revier. Na mir
geht’s Gott sei Dank wieder besser, die Halsschmerzen
sind fast weg und ich hatte heute morgen 36° und
heute nachmittag 36.1°. Na hoffentlich komme ich bald
wieder hinaus. In den letzten Tagen treiben die Eng=
länder eine tolle Aufklärungstätigkeit. Gestern z.B. -
es war den ganzen Morgen kein Voralarm, geschweige
den Fliegeralarm – schoß die schwere Flak hier viel mehr
als bei irgendeinem Fliegeralarm, und zwar auf 1= und
2motorige Aufklärer des Feindes. Unter anderem
schoß eine 10,5 Batterie in Niedervellmar fast ununterbrochen
15 Minuten auf eine Spitfire, die in 11500m Höhe
[außer Reichweite der 8,8Flak] dauernd ihre Kreise über
Kassel zog, ohne sich um das schlechtsitzende 10.5=feuer zu kümmern.
Naja, kein Wunder bei der Höhe. Zum Schluß
nochmals gute Besserung an alle und viele Grüße
auch an Hilde Albert


... eine 10,5er meint wohl eine 10,5cm Flak 39

Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 23.05.2025 04:56:09 Gelesen: 13762# 22 @  
Guten Morgen

Albert ist wieder zurück in seiner Batterie und hatte wohl Besuch von seinem Vater ...



O.V., den 22.5.44.
Liebe Eltern!
Nun bin ich schon wieder zwei Tage hier und
habe mich ordentlich eingelebt. Während heute und
gestern am Tage feindliche Jagdverbände eingeflogen
waren, wurden in der letzten Nacht Bomben auf
Duisburg, Dortmund, Essen, Oberhausen, Aachen und
Hannover. Wir waren auch draußen und
durften heute morgen länger schlafen. Dadurch hatten
wir heute auch nur 1 Stunde Unterricht [deutsch].
Bist Du gut nach Hause gekommen, Papa, und
hast Du Anschluß gehabt. In den Zügen ist jetzt
immer der erste Wagen leer und abgeschlossen,
„Schutzwagen“ steht daran, weil die Tiefflieger
immer den Anfang des Zuges beschießen, um
die Lokomotive zu treffen. Gestern gab es prima
Essen. Gestern Mittag Pudding mit Rhabarber,
abends Drops und 2 Apfelsinen, 80gr. Mettwurst
und nicht ranzige Butter. Heute wieder Butter, 1
Schachtel Keks und eine Apfelsine. Morgen soll es
2 Rollen Drops geben. Na ja, ich will jetzt schließen,
man hat ja nach so kurzer Zeit nicht viel zu berichten.
Im übrigen kann ich die Hosenträger gut gebrauchen,
die anderen waren doch furchtbar klein. Nun viele
Grüße auch an Hilde Euer Albert.


Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 24.05.2025 12:47:49 Gelesen: 13570# 23 @  
Guten Tag,

noch ist es hier etwas zu frisch fürs Baden im Freibad, im Juni 1944 wurde in Obervellmar schon draußen gebadet...



Den mit Bleistift geschriebenen Text stelle ich dieses Mal kursiv dar...

O.V., den 1.6.44.
Liebe Eltern!
Endlich komme ich dazu Euch zu schreiben. Wir hatten
die letzte Zeit furchtbar viel zu tun. Dauernd Arbeits=
dienst und Vorbereitung zur Besichtigung, die jetzt statt=
finden sollte. Nun ist diese aber verschoben worden,
und bis zu ihr ist in ganz Kassel Urlaubssperre, das
heisst, vor dem 25.6 ist bei mir nicht mit Urlaub
zu rechnen. Pfingsten hatten wir furchtbar viel
Feuerbereitschaft, verbunden mit wunderschönem
Wetter. Jetzt wo das Wetter wieder schlecht geworden
ist, haben wir mehrere Tage völlige Ruhe gehabt. Das
Essen hat sich in letzter Zeit sehr gebessert und wir
sind äußerst zufrieden damit. Am ersten Pfingsttag
kamen hier viele feindliche Jäger rüber. Wir
schossen ordentlich. Ich machte Richtmann und konnte
die Feindtmaschinen alle prima sehen. Ich fühle mich
augenblicklich ausgezeichnet. Wo die Tage hier so
Schön waren, haben wir schon gebadet hier in dem
Bad dicht bei der Stellung. Sonst war befohlener
Dienstanzug Turnzeug. Ich muss leider schließen
da gleich Zapfenstreich ist. Viele Grüße auch an
Hilde Euer Albert
N.S.: Ich komme wahrscheinlich erst 25.Juni 16 Tage.


Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 25.05.2025 14:39:56 Gelesen: 13488# 24 @  
Guten Tag,

im Juni 1944 gab es in Obervellmar wohl üppig viele Kirschen, wie Albert berichtet ...



O.V., den 4.6.44.
Liebe Eltern!
Heute am Sonntag komme ich endlich dazu Euch einen längeren Brief zu
schreiben. Es ist jetzt am Nachmittag die Sonne durchgekommen und ganz schön
geworden. Draußen ist alles grüner. Wir leben hier richtig auf dem Lande,
auf der einen Seite Getreidefelder – ja es ist sogar so, dass zwischen den einzelnen
Geschützen Getreidestreifen liegen – auf der anderen Seite der hohe mit
Bäumen und Strauchwerk bestandene hohe Bahndamm. Seit einer Woche ist
keine Feuerbereitschaft gewesen heute nacht als Ludwigshafen angegriffen wurde,
hatten wir nur Alarmbereitschaft. Um das Essen brauchen wir uns augen=
blicklich keine Sorge zu machen. Es gibt genug, und man hat immer
was übrig, das liegt wohl aber auch daran, dass man bei der Hitze nicht
soviel ißt. Wir haben jetzt sogar Radio in unserer Stube, zwar sind wir
ganz auf unseren Nachbarn (Betreuungswachtmeister Dobberkau) angewiesen,
denn wir haben an dessen Apparat einen alten Lautsprecher aus einem Klein=
empfänger angeschlossen. Aber trotzdem haben wir tadellosen Empfang. Was
machen denn die Kirschen und Erdbeeren in Marburg, ich werde wahrscheinlich
erst Ende Juli 16 Tage bekommen, aber dazwischen noch einmal 4 Tage.
Im übrigen stehen halb verborgen am Bahndamm hinter unserer Kantine
auch ein paar Kirschbäume die ziemlich gut angesetzt haben. Der Dienst
war in der letzten Woche ziemlich scharf und wird es die nächsten zwei Wochen
auch bleiben, weil eine Besichtigung stattfinden soll, durch den kommandierenden
General [1] im Luftgau. Wie geht es denn Hilde, fährt sie nun jeden Tag nach Damm. [2]
Hier zur Flak kommen immer mehr Luftwaffenhelferinnen, mit ihrem
Urlaub ist es viel besser, als mit unserem. Einheimische haben 3 Tage Dienst
und 1½ Tage Urlaub. Mit der Schule ist es sehr unregelmäßig in letzter
Zeit. Z.B. war unserem Mathematiklehrer einmal gesagt worden, es
wäre AlarmbVoralarm in der Nacht gewesen, und er kam 2 Stunden
später. In Wirklichkeit hatten wir die Nacht ungestört geschlafen.
Dieser selbe Lehrer ist auch der unbeliebteste Lehrer. In der letzten Stunde
nahm einer ihm das Notenbuch vom Tisch und versteckte es. Er wurde
furchtbar wütend und lief zum Spieß. Folge: Benachrichtigung der
Eltern des selben Übeltäters. Ich will jetzt schließen, denn ich weiß
nichts bedeutendes mehr mitzuteilen. Viele Grüsse auch an Hilde
Euer Albert
N.S.: Ich habe seit ich wieder hier bin keine Post von Euch bekommen.
Es liegt doch hoffentlich an der schlechten Zustellung.

[1] Kommandierender General im Luftgau Kommando Münster war ab 1. Januar 1944 Generalleutnant Ernst Dörffler
Quelle: https://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/Luftgaue/Luftgau6.htm

[2] Für mich kommen im Raum Marburg zwei Orte in Betracht, die Albert mit "Damm" meinen könnte, zum einen wäre es die Dammühle in Wehrshausen, das sind knapp 6km, bergauf und bergab, einen organisierten Nahverkehr gab es 1944 in den ländlichen Raum meines Wissens nach nicht - Hilde hat eventuell ein Fahrrad genutzt.
Zum Anderen könnte es sich um den Ort Damm bei Lohra handeln, etwas weiter entfernt, aber durchaus denkbar, daß sie mit dem Zug gefahren sein könnte - Marburg Hbf - Niederwalgern - Lohra, vom Bahnhof nach Damm sind es dann nochmals knapp 2 km Fußweg.

Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 26.05.2025 15:08:46 Gelesen: 13398# 25 @  
Guten Tag,

Albert und seine Kameraden sind von den aktuellen Ereignissen absolut ergriffen ...



Albert schrieb folgendes:

O.V., den 6.6.44.
Liebe Eltern!
Das Datum das oben am Kopf dieses Briefes steht,
wird sicherlich eins der denkwürdigsten dieses Krieges
sein. Wie eine Bombe schlug bei uns der Beginn der
Invasion ein. Wie wir die Nachricht hörten, tobten
und schrien wir wie die Irren, als ob wir einen
großen Sieg errungen hätten. Aber es war es wohl
die Erlösung nach dem langen Warten. Wir sind
hier alle fest davon überzeugt, daß es eine richtige
Schlappe für die Gegner wird. Da damit gerechnet
wurde, daß mit der Invasion der Gaskrieg kommen
würde, müssen wir jetzt dauernd mit Gasmaske
rumlaufen. Außerdem müssen dauernd Luftwaffen=
helfer Flugmelder stellen. Was mich gewundert
hat, ist daß wir heute und die letzten Tage Ruhe
vor den Fliegern hatten, wo doch gerade immer
gesagt wurde, mit der Invasion werde eine
gewaltige Luftoffensive gegen Deutschland kommen.
Nur ins Rheinland und die besetzten Westgebiete
kamen sie in den letzten Tagen, und zwar griffen
sie, wie auch in der Zeitung stand, hauptsächlich Verkehrs=
einrichtungen an. Eben erhielt ich Papa's lieben Brief
vom 24.5.. Vielen herzlichen Dank dafür. Nun zum
Schluß viele Grüße auch an Hilde
Euer Albert.


Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 27.05.2025 18:32:34 Gelesen: 13296# 26 @  
Guten Tag,

Tag drei der Invasion und offensichtlich entwickelt es sich nicht ganz so, wie Albert es sich gedacht bzw. gewünscht hat ...



Mit Emiels wertvoller Hilfe entstand folgender Karteninhalt:

O.V., den 8.6.44.
Liebe Eltern!
Nun läuft die Invasion schon den dritten
Tag und der Feind hat, wie wir hörten
an einer Stelle in breiter Front festen
Fuß gefaßt. Hierüber sind hier die
Meinungen verschieden. Verschiedene
meinen, wir ließen ihn absichtlich tief
ins Land, damit wir ihn dann umso
besser schlagen könnten. Ich glaube dies
aber nicht, vielmehr sind wir mit aller
Kraft bedacht den Feind so schnell wie möglich
wieder hinauszuschmeißen; denn bestimmt
landet er auch an anderen Stellen, vielleicht
sogar in Norwegen, und dann ist es gut
wenn wir wieder die Reserven frei
haben. Wir haben augenblicklich keine
Möglichkeit auf Urlaub zu kommen, aber
ich hoffe doch, daß wenn ich dran bin, es wieder
geht. Etwas gutes hat doch die Invasion für die
Heimat: die Terrorangriffe haben fast ganz

./.

aufgehört, weil wohl die
Flugzeuge an der Kanalküste
gebraucht werden. Wir wußten
das auch: seit mehreren Tagen
brauchten wir raus(?): Nun
zum Schluß viele Grüße auch
an Hilde
Euer Albert



Viele Grüße Olaf
 
DERMZ Am: 28.05.2025 13:47:41 Gelesen: 13247# 27 @  
Guten Tag,

Albert hat die Gelegenheit genutzt und seine Post einer Bekannten nach Marburg mitgegeben ... im Adressbuch von Marburg 1938 und 1950 ist eine Elli Börsch, wohnhaft in der Wilhelmstraße 18 bzw. 28, gelistet, sie ist Pfarrerswitwe



O.V., den 11.6.44.
Liebe Eltern!
Vielen Dank für Euren Brief vom 6. dieses Monats, man
ist doch immer hier sehr erfreut, wenn Post von zu Hause
kommt. Ich bekomme zwar fast jeden Tag eine Zeitung, und
die wird mir merkwürdigerweise schneller zugestellt, als
die Briefe, aber die letzteren stehen einem doch viel näher.
Während in anderen Batterien die Urlaubssperre, die durch
die Invasion hervorgerufen, wieder aufgehoben wurde,
besteht sie bei uns immer noch und wird wohl bis
zur Besichtigung in einer Woche bleiben. Im übrigen
löste die Invasion hier in Kassel allerlei Maßnahmen
aus. Z.B. war in Kassel Telefonsperre, wir hatten Gas=
bereitschaft, aber die Engländer schienen doch nicht mit
Gas angefangen zu haben. Heute ist Frau Börsch hierher ge=
kommen, sie sagte, sie hätte gern mir ein Päckchen
mitgebracht, aber leider hätte sie vergessen Euch zu
benachrichtigen, dafür nimmt sie diesen Brief mit.
Hilde scheint es ja in Damm ganz gut getroffen zu
haben. Wenigstens ist sie doch Sonntags zu Hause.
Ich muß jetzt leider schließen. Viele Grüße besonders
auch an Hilde sendet
Euch Euer Albert.

Viele Grüße Olaf
 

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