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Thema: Abenteuer auf der Reise – Auge in Auge mit der örtlichen Postverwaltung
Das Thema hat 81 Beiträge:
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Bendix Gruenlich Am: 31.07.2024 19:06:47 Gelesen: 11920# 57 @  
Wir schreiben das Jahr 2003 - es ist Frühling. Bündel geschnürt und los.



Nach zwölf Stunden wieder in Pau. Die Mission: Bergpässe sammeln.

Laruns, 1.200 Einwohner, in den französischen Pyrenäen gelegen - wer es ruhig braucht, ist hier richtig. In einem Gasthaus gab es eine einfache Übernachtungsmöglichkeit, was zu Essen und einen Flipper (!) - die stehen manchmal in französischen Pinten.

Und natürlich hatte Laruns seinerzeit ein „Bureau de Poste“ mit einem „tampon ronde“ - einem Rundstempel.



Zum Schmunzeln: bitte mal auf die Briefmarkenmotive achten - nicht eines passt zum Reiseziel.

Tatsächlich ist Laruns durch eine Sondermarke geehrt worden (es ist doch unglaublich, was man so alles in seiner Sammlung finden kann), es gibt dort eine Schmalspurbahn. Und im Nachbartal befindet sich der bekannte Wallfahrtsort Lourdes.



In Laruns beginnt der Aufstieg bzw. man ist auf dem halben Weg zum Col de Portalet. 1.794m immerhin ein Berg der ersten Kategorie im Radsport, also ein ziemliches Biest - da am besten tief durchatmen und langsam, aber entschlossen hochdrücken (Fahrrad) bzw. je nach Wahl des Verkehrsmittels runterdrücken / ziehen (das Gaspedal / den Gaszug).

Und damit verlassen wir Frankreich auch schon wieder. Ob ich nicht noch was Altes für Euch habe? Gut, hab ich - hier Mi-Nr. 22a von 1862 und Mi-Nr. 28a von 1867 – Napoleon der III.



Ja, der alte Kram ist für manches gut und passt ja immer. Im 19. Jahrhundert gab es halt meist nur diese einheitlichen Designs, und da war überwiegend immer das Staatsoberhaupt drauf. Und das herrscht nun einmal über die ganzen Lande. Also auch über unseren Ort in den Pyrenäen.

Natürlich sind die deshalb auch gut als Stichwortgeber, aber sind meiner Meinung kein Vergleich mit der Grafikvielfalt ab den 1930ern Jahren. Vermutlich sind die Klassiker beliebt, weil sich wenigstens deren Preise (bis jetzt!) gehalten haben.

Napoleon III (Neffe des I.) hat jedenfalls ein bewegtes Leben hinter sich, das Geschick Frankreichs (diktatorisch, das aber anfänglich demokratisch legitimiert) für über 20 Jahre bestimmt und hat viele Außenbesitzungen arrondiert. Er hat dann den Fehler gemacht, gegen die Preussen 1870 zu verlieren (das Kriegführen an sich wurde ihm also nicht vorgeworfen, gewinnen hätte er halt müssen) und wurde nach verlorener Schlacht mit Gefangennahme rasch abgesetzt.

Ich lade zum Vergleich der Zeichnungen ein (links ohne Lorbeerkranz – rechts mit). Es ist interessant zu sehen, wie die Zeichnung der rechten Marke deutlich filigraner als das Vordesign wirkt.

À bientôt!
 
Bendix Gruenlich Am: 31.08.2024 09:12:00 Gelesen: 11531# 58 @  
Wenig überraschend, betreten wir auf der Passhöhe des Col de Portalet wieder spanischen Boden.

Für alle Leser dieses Blogs, die sich fragen, was aus dem Kleinkind-König des Beitrags [#52] geworden habe ich folgenden Hinweis:



Wahrscheinlich kennt jeder die Szenerie eines Verwandtenbesuchs mit Kindern, wenn man sich einige Zeit nicht gesehen hat. „Bist Du aber groß geworden“ ist dann ja die übliche Adresse. Wir können das hier jetzt nachempfinden.

Übrigens trifft das „groß geworden“ nur auf den Kindkönig zu, Spanien ist in der Zeit geschrumpft. 1898 haben sich die USA die pazifischen und amerikanischen Restkolonien Spaniens kriegerisch erkämpft. Die Deutschen haben übrigens auch ein paar Inseln abbekommen (Marianen und Karolinen), haben sie den Spaniern aber abgekauft (für 17 Mio. Mark).

Die Marken haben echten Freimarken- und Gebrauchsfaktor, also Millionenauflagen. Die Spanier zählen ihre Auflage. Die 10 centavos-Marke (gezeigt mit deren Rückseite) hat eine Auflage von 242 Mio., die 1 Peseten-Marke von 11 Mio. Hinsichtlich der rückseitigen Kontrollnummern teilte Buzones hier an anderer Stelle einmal im Forum mit: Grundsätzlich sind spanische Marken der Jahre 1901 bis 1931/32 (mit Ausnahme einiger Kleinstwerte zu 1 und 2 cts) immer mit einer rückseitigen Kontrollnummer, die der jeweiligen Bogennummer entspricht, versehen.

Aber lassen wir das beiseite und konzentrieren uns auf die Naturschönheiten, denn wir befinden uns im Ordesa und Monte Perdido-Nationalpark. Die höchsten Gipfel markieren die Grenze zwischen Frankreich und Spanien. Das garantiert atemberaubende Panoramen. Natürlich hat sich die spanische Post die Darstellung dieses phantastischen Ortes nicht entgehen lassen - aus der Serie Sehenswürdigkeiten (zu ESP 0,15 – ein preiswerter Kulturbotschafter würde ich sagen, nämlich zum Zeitpunkt der Ausgabe ca. DEM 0,01 oder 2002 zur Euroeinführung EUR 0,0009).



Die Nationalstraße 260a und 260 führt zuverlässig und meiner Erinnerung nach angenehm ruhig und gespickt mit beeindruckenden Ausblicken durch die Pyrenäen entlang von 3000-ern. Gibt’s es denn in solch entlegenen Gegenden Postämter? Selbstverständlich, z.B. in Ainsa, wo ich den örtlichen Posthaltern folgendes zur Beförderung übergab.



Marken gekauft in 2002 in Ribadasella und Coruna – ja, dieser Gebrauchsgegenstand Briefmarke ist schon praktisch. Man kann ihn kaufen, aufbewahren und dann verwenden, wo und wenn man ihn braucht, oder - und das gefällt mir eigentlich noch besser - wenn einem danach ist.

Für Spanien heißt das, auch den Kampf gegen Windmühlen aufzunehmen, pardon - wollte sagen gegen die dortige Labelflut. Ich denke, dass das - damals jedenfalls - gelungen ist. Der Kampf geht natürlich laufend weiter.
 
Winni451 Am: 06.09.2024 21:12:54 Gelesen: 11346# 59 @  
Hallo zusammen,

ja ich wäre ja gerne in einer Postverwaltung, am Postschalter oder so gewesen um Briefmarken zu kaufen. Hatte aber vergessen vorab mich schlau zu machen, wo es sowas noch gibt um meinen Aufenthalt dort passend zu planen. Wahrscheinlich habe ich nur ein Dorf weiter den Postschalter übersehen, aber was solls:

vor kurzem war ich in den Niederlanden, genauer Provinz Zeeland. Und ich hatte tatsächlich kaum Raum für Gedanken an unser schönes Hobby. Doch dann: per WhatsApp wurde eine Postkarte eingefordert. Da wir Blankokarten zum selber malen dabei hatten, den Bedürfissen gerecht eine gemalt. Beim Besuch des wunderschönen Städtchens Zierikzee [1] wollten wir die Karte dann aufgeben. OK 12.000 Einwohner [1], da könnte es knapp werden mit einer Post. Und ja genau so ist es. Mein Kartendienst nannte zwar eine Poststelle der PostNL, diese ist aber ein gut versteckter, nur innen hübscher Blumenladen mit ausschließlich Paketannahme (hätten wir nicht gefunden, wenn wir nicht einigen Niederländern mit Paketen gefolgt wären). Die hilfsbereite Verkäuferin erklärte uns, Briefmarken gibt es im Supermarkt.

Dort nach langem suchen (also ich hätte ja wissen können: Briefmarken, Rasierklingen, Feuerzeuge: alles eine Kategorie, gehört selbstverständlich zusammen und sicher nicht zu den Postkarten):



Also für eine Postkarte gleich 10 Marken? Die freundliche Verkäuferin im Supermarkt wusste leider auch nicht, wo ich nur eine Marke bekomme (ja gut: ich hätte ja 10 Postkarten schreiben können, hab ich noch nie geschaft, aber hätte es ja versuchen können).

Später dann in Burgh-Haamstede (etwas mehr als 4200 Einwohner [2]) zufällig wieder ein Blumenladen mit PostNL-Logo, diesmal ohne Probleme auffindbar, man könnte meinen Kundschaft soll diesen Laden finden. Die sehr freundliche Verkäuferin hatte keine Briefmarken, aber auch keine Probleme die Postkarte trotzdem zu frankieren, ein Schalterlabel kam zu Einsatz. Damit am Ende alles gut. Karte kommt bestimmt irgendwann auch noch an.

PS: der im Supermarkt befindliche Postschalter der PostNL in Oostkapelle hatte immer zu, wenn ich dort durchgekommen bin. Ob die den vergessen haben?

Also nichts mit Auge in Auge, zumindest nicht am Postschalter, Grüße
Winfried

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Zierikzee oder https://www.zeeland.com/de-de/visit/inseln/schouwen-duiveland/doerfer-und-staedte/zierikzee
[2] https://www.zeeland.com/de-de/visit/inseln/schouwen-duiveland/doerfer-und-staedte/burgh-haamstede oder https://de.wikipedia.org/wiki/Burgh-Haamstede
[3] https://oostkapelle.net/de/ oder https://de.wikipedia.org/wiki/Oostkapelle
 
preussen362 Am: 06.09.2024 21:35:52 Gelesen: 11334# 60 @  
Ach ja, die Niederlande ...

das ging mir Ende 2018 in Den Haag ähnlich. Da hab ich eine Post (vermutlich war es sogar ein früher mal größeres Postamt) gefunden, und ja, es war offen. Also rein, denn die Urlaubskarten wollten ja in den nächsten Tagen auch geschrieben werden.

Mein erster Blick: oh, eine Vitrine mit den neuesten Sonderausgaben, Blöcken, etc! Gut, ich an den Schalter und danach gefragt. Die nette Dame erklärte mir freundlich, gerne, wenn ich davon was wollte, könnte ich das gerne bei ihr bestellen und die Versandstelle schickt mir das dann auch nach Deutschland heim.

Hm. Naja, für die Kartengrüße hilft das nicht weiter.

Auch kein Problem, da haben wir Marken im 5-er Pack (übrigens Winfried, auch in Deinem Bild sind die Marken für "Internationaal" im 5er-Set, die 10er-Packungen sind für innerhalb der Niederlande). Meine Nachfrage: gibt's denn keine einzeln? Nö, nur Schalterdrucker. Dafür müsste ich die geschriebenen Karten aber mitbringen.

Auf meinen leicht verzweifelten Blick (denn die Karten waren ja weder geschrieben noch gekauft) hatte die Dame dann allerdings einen wirklich guten Hinweis:

Ich könnte ruhig die 5er-Packs nehmen. Da steht nur noch die Portostufe drauf, gelten für Karten oder auch für Briefe, und wenn ich mal wieder in den Niederlanden bin, kann ich die auch nach und nach in den kommenden Jahren verbrauchen - Portoerhöhung hin oder her.

Das fand ich einleuchtend, hab mich herzlich bedankt und zuhause hat man sich seitdem immer mal wieder über eine Karte gefreut, weil ich die Marken (inzwischen alle) nach und nach verklebt habe, wenn ich in den Niederlanden war.

Grüße, Andreas
 
Bendix Gruenlich Am: 30.09.2024 13:56:56 Gelesen: 11002# 61 @  
Nicht nur die Berge machen die Pyrenäenregion sehens- und bereisenswert, sondern auch die typische Architektur und Kunstausrichtung.

Die Gotik jedenfalls spielt in dieser, in früheren Zeiten offenbar nicht leicht erreichbaren Gegend entlang der Berge, kaum eine Rolle. Die Romanik und sogar die Vorromanik herrschen vor, sehr gut erkennbar an den Sakralbauten und wie ich finde gut zur Region passend und ganz typisch für die Pyrenäen-Südseite.




Und natürlich ist das Gebirge abwechslungsreich, auch was das Klima angeht, von 5 Grad bis 32 Grad war wieder einmal alles dabei. Zickzackförmig geht es entlang der Bergmassive, jedes einzelne ein Naturreservat. Und Übergänge nach Frankreich sind nicht sehr zahlreich. Auf dreihundert Kilometern habe ich gerade mal 3 Pässe gezählt (deswegen bin ich auch nicht über Lourdes gekommen, das wäre eine Sackgasse gewesen).

Wildtiere fühlen sich hier wohl. Allerdings haben sich die auf den nachstehenden spanischen Marken gezeigten Tiere nicht blicken lassen, weder entlang der Wege, noch am Abend auf dem Teller. Das runde ich ab mit einer weiterer Pyrenäen-Marke, die mir in meiner Sammlung noch auffiel, und die das Panorama geradezu fotografisch wiedergibt (wobei ich die Stichtiefdruckmarke aus meinem vorherigen Beitrag bevorzuge).



Etappe in La Seu d’Urgell, erstmals auf katalanischem Gebiet.



Jedenfalls, wer den Weg der Tour auf der Karte verfolgt hat, sich die Tatsache vergegenwärtigt, dass Urgell ein Straßenknotenpunkte West/Ost und Nord/Süd-ist und wer sich das Hobby unseres Reisenden in Erinnerung ruft, weiß doch genau, was als nächstes kommt. Oder?
 
Bendix Gruenlich Am: 31.10.2024 06:40:30 Gelesen: 10698# 62 @  
Also, wir sind hier:



La Seu bedeutet Bischofssitz. Und der Bischof von La Seu d’Urgell ist auch nominales Staatsoberhaupt, zusammen mit dem französischen Präsidenten - natürlich nicht von Spanien oder Katalonien, sondern des Gebietes Andorra.

Andorra - da ist es, dieses exotische Stück Land. Eingeschlossen von Spanien und Frankreich, die sich offenbar nicht darauf einigen konnten, wer das Gebiet jetzt beherrschen soll. Vielleicht war das auch gar nicht wichtig, denn ich kann nicht erkennen, dass der Besitz wirtschaftlich oder militärisch hätte entscheidend sein können.

Nun, für uns Briefmarkensammler ist das aber wesentlich geworden, mit dem Beschluss (in 1928) diesen entlegenen Teil der Welt mit eigenen Briefmarken auszustatten (offenbar ging es zuvor ohne). Also wieder einmal Briefmarken für einen Zwergstaat. Als ob das nicht schlimm genug wäre, gibt es aufgrund der Co-Verwaltung Andorras auch Ausgaben von zwei Postverwaltungen, nämlich Andorra der spanischen Post und Andorra der französischen Post.

Da ich schon mal in der Gegend war, habe ich mal den Weg nach Norden genommen. Das war wegen der eigenen Briefmarken alleine schon natürlich zwingend.

Nicht ganz unwesentlich für Trophäensammler ist allerdings auch die Tatsache, dass sich in Andorra der höchste Pyrenäenpass befindet. Wer also die Pyrenäen bezwungen haben will, kommt um den Pas de la Casa nicht vorbei.

Aber langsam, jetzt geht’s erst mal mit klopfenden Herzen Richtung Grenze Spanien - Andorra. Jetzt keine Fehler machen. Blick auf den Kalender: Wochentag, keine Feiertage - gut, da müssen ja die Postämter geöffnet sein. Los geht’s.

Aber jetzt sagen wir erst einmal „Adios“ nach Spanien (es war beeindruckend, abwechslungsreich und spannend) – zum Dank eine kurze Würdigung in drei zugegebenermaßen willkürlichen Zitaten



• Links: gleichalt wie ich, hat es im Gegensatz zu mir aber geschafft, nämlich auf Briefmarken: der derzeitige König Felipe

• Mitte: Juan Carlos I: der König zu der Zeit als ich in Spanien war. Ein stattlicher Mann, das muss der Neid ihm lassen, in einem landestypischen ehrfurchtgebietenden, stolzen Porträt als Mitte / Ende Vierzigjähriger. Hier übrigens der Höchstwert zu ESP 500 = beachtliche DEM 9 repräsentierend. Ich will ihn hier nur kurz zitieren, nämlich er hat mal zu Hugo Chavez (sozialistischer Runterwirtschafter des ehemals als Schweiz Südamerikas geltenden Venezuelas, berüchtigt für endlose phrasierende Dauerreden), der mit einer Rede wieder einmal kein Ende fand, auf einem Südamerikagipfel einmal gesagt „Halt doch einfach mal die Schnauze“.

• Rechts: nochmal was Altes: Alfons der XIII – was man diesen Potentaten nicht alles zuschreibt – er soll nämlich nicht nur Förderer des Tourismus gewesen sein, sondern auch des Militarismus. Vielleicht sollte man da auch mal die Kirche im Dorf lassen, man kann einer Gesellschaft als nicht absoluter Herrscher, in der Moderne also, nicht seinen Willen aufzwingen – jedenfalls auf klassischen Marken begegnet er uns wieder – heute mal was von 1909

Wer an der Grenze ankommt, wundert sich vielleicht über den Rückstau und die auffällig intensiven Grenzkontrollen. Nach ruhigen Tagen wird es auf einmal auch turbulenter. Der Verkehr nahm unangenehm zu. Ich fragte mich, mein Gott was suchen die denn. Nun, Andorra ist bzw. war ein Geldwäsche-, Steuerhinterziehungs- und Zollparadies. Typisch Kleinstaat.

Erstmal zum Einstieg ein paar Marken. Wir sind noch nahe der spanischen Grenze, dann zeige ich mal ein paar Ausgaben der spanischen Post für Andorra. Durch die Euro-Einführung entwertet – außer Kurs gesetzt. Ich spare mir an dieser Stelle, die üblichen kritischen Bemerkungen, aber meine Zähne knirschen.



Das sind Freimarken der spanischen Post in der Zeichnung der Sehenswürdigkeiten der spanischen Post in Spanien. Sehr schön und das macht doch eigentlich Appetit auf einen Besuch. Allerdings sind die Darstellungen insoweit überromantisch, weil sich die Bevölkerung Andorras vervielfacht hat. Andorra Stadt ist nicht mehr die übersichtliche Siedlung der 3 Peseten-Marke. Aber die Panoramen sind gut getroffen und geben einen Eindruck von der beachtlichen Höhe des umliegenden Bergmassivs. So klein Andorra ist, so ist doch die vorromanische Kunst dieses über Jahrhunderte schlecht erreichbaren Landstrichs beeindruckend, wovon viele Marken Andorras Zeugnis ablegen, so auch die Madonna von Meritxell auf der 6 Peseten-Marke.

Und natürlich musste modernes Material her. Keine fünf Kilometer und ich kam in St. Julia de Loria an und dort befand sich an der Straße (wenn man den alten Teil der Straße durch die Ortschaft nimmt) eine spanische Post. Die Bremse betätigt und rein.



Keine Seltenheiten – lacht ruhig, aber die Dinger sind vor Ort gekauft, für mich absolut sensationell, wenn auch natürlich nicht reichhaltig, aber Andorra-Stadt sollte ja noch kommen.

Durch Andorra zieht sich eine Hauptverkehrsstraße und – weiß Gott – die ist dicht befahren. Anstrengend! Aber Andorra-Stadt ist schnell erreicht. Ich fand das unübersichtlich und die Suche nach den Postämtern war recht zeitintensiv (vor Mobiltelefon-Zeitalter).

Karte geschrieben und dann wollte ich das in der spanischen Post mit viel Enthusiasmus aufgegeben. Meine Stimmung wurde aber nicht erwidert, ich war denen lästig. Es gab einfach zu viel Wichtigeres für die Postler zu tun, die waren nämlich mit dem Zählen von EUR 500,00-Scheinen beschäftigt, die die anderen Kunden in großer Zahl auf den Schalter legten. Im spanischen Volksmund hatten die Scheine den Spitznamen „Bin Laden“ (weil jeder weiß, dass es die gibt – aber die im Alltag nie jemand sieht), jedenfalls in Andorra war das offenbar die bevorzugte Banknote. Ich habe gestaunt und verstanden, was die spanischen Zöllner bei der Ausreise suchten (…Schwarzgeld…).

Meine Postkarte wurde kurz handgestempelt, dann musste ich sie auf einen Haufen legen (der dann noch mal maschinengestempelt wurde, war ja klar). Marken hatte man nicht oder wollte keine rausrücken, jedenfalls sind wir nicht zusammengekommen - enttäuschend, muss ich sagen.



Auch war Andorra la Vella anstrengend. Andorra ist eng, umschlossen von hohen Gipfeln. Zum Zeitpunkt der Markeneinführung (1928 + 1931) bewohnten Andorra bis zu 6.000 Einwohner. Das Leben war hart, karg und landwirtschaftlich geprägt, daher war die Migration raus aus Andorra immer hoch. Erst 1913 wurde eine befestigte Straße nach Spanien gebaut, nach Frankreich 1933. Unglaublich.

Seitdem ist die Bevölkerung auf 77.000 angestiegen, und das merkt man dem Tal auch an. Nach der großen Freiheit und Natur, die man auf der spanischen Seite der Pyrenäen großzügig genießen kann, wird es in Andorra spürbar eng. Steile Täler und intensiver Verkehr, das macht die Luft nicht besser.

Aber jetzt besuchen wir erst einmal die französische Post, in der nächsten Folge.
 
opti53 Am: 01.11.2024 17:49:34 Gelesen: 10579# 63 @  
Hallo,

Ich hatte dieses Jahr Gelegenheit eine Reise nach Taiwan zu unternehmen. Auch wenn man mit der Heimat per WhatsApp kommuniziert, gehört es für mich doch dazu, zusätzlich Postkarten zu schicken. Ein Postamt (das kann man noch wirklich so bezeichnen) zu finden war nicht schwierig, wie das Bild des Postamts in der Nähe unseres Hotels beweist (© Google 2024):



Noch bevor ich Postkarten hatte, wollte ich schon mal Briefmarken dafür kaufen. Also ging ich in das Postamt. Man muss dort eine Nummer ziehen. Wenn man sich nicht auskennt und etwas unschlüssig herumschaut, ist gleich eine hilfsbereite Person da, wie meistens in diesem Land. Man wartet dann, bis die Nummer auf dem Display steht und geht dann zum entsprechenden Schalter, der hier noch so aussieht wie bei uns vor vielen Jahren. Ich brachte mein Anliegen vor, und bekam Briefmarken zu 12 TWD. Ich war skeptisch. 12 TWD sind umgerechnet ca. 0,36 Euro. Sollte das wirklich ausreichen?

Nun ging es daran, Postkarten zu erwerben. Nur, das war nicht so einfach. Postkarten werden hier eher als Souvenirs angesehen und wohl nicht so häufig verschickt. Relativ einfach war es noch im Taipei 101, im einst höchsten Gebäude der Welt. Dort gab es ein paar wenige Ansichten des Turmes zur Auswahl. Später suchten wir aber nach weiteren Karten mit Fotos der Stadt und mussten feststellen, dass es die fast nirgendwo gibt. Erst in einem Viertel mit besonders vielen Souvenir-Geschäften wurden wir fündig. Die Postkarten waren auch deutlich teurer, als die Briefmarken. In den Souvenir-Geschäften gab es auch Briefmarken-Sätze von unterschiedlichsten Jahrgängen zu extrem überteuerten Preisen.

Nachdem die Karten geschrieben waren, ging es daran, diese dem Postweg anzuvertrauen. Bei uns gebe ich solche Sendungen gerne am Schalter ab. Also versuchte ich es auch in Taipeh. Erst war ich mir nicht sicher, ob der Schalterbeamte mein Englisch richtig verstand, zumindest selber hat er nur Chinesisch gesprochen. Offenbar wollte er meine Karten nicht annehmen, ich sollte sie wohl irgendwo einwerfen und zeigte ich Richtung des Eingangs. Ich suchte vergeblich. Da kam er hinter dem Schalter hervor, und ging mit mir nach draußen auf die Straße. Dort standen tatsächlich zwei Briefkästen, einer in rot und der andere in grün. Auf dem roten stand wohl so etwas wie Airmail. Ich war zwar unsicher, ob das jetzt richtig war, warf die Karten aber trotzdem ein. Sicherheitshalber hatte ich auch eine Karte an mich geschrieben, um zu sehen, wann und wie sie ankommt.

Ziemlich genau 20 Tage später kam die Karte an. Sauber gestempelt (wenn auch maschinell), kein Nachporto o.ä.:



Viele Grüße

Thomas
 
Bendix Gruenlich Am: 10.12.2024 21:57:12 Gelesen: 10108# 64 @  
Französische Post in Andorra – Stand 2023 gab es 923 Michel-Nrn.

Angefangen haben die mit Ausgaben in 1931, mit Überdrucken auf französischen Freimarken. Die Auflagen waren sehr klein, die in vielen Generalsammlungen anzutreffenden Kleinwerte, z.B. des halben centime, haben eine Auflage von lediglich 30.000 Stück.

Schon ein Jahr später gab es eine Ausgabe mit lokalen Ansichten. Bei mir entstand der Eindruck, dass man das aus Vermarktungsabsichten heraus getan hat, zumal Inlandsbriefe portofrei waren. Es soll ja Kleinstaaten geben (Liechtenstein, Monaco, San Marino) bei denen der Briefmarkenverkauf eine wichtige Einnahmequelle für die Staatskasse war.



Die französische Post in Andorra folgt französischen Regeln, und das bedeutet, dass alle Marken dauerhaft frankaturgültig sind, auch die oben gezeigten. Merveilleuse!

Aber kehren wir zurück zum Postbesuch in 2003. Auf der französischen Post in Andorra-Stadt ging alles glatt.

Hier gab’s Beute und die Karte in die Heimat wurde bilderbuchmäßig gestempelt. Mes Complimènts!



Beute


So, das wäre also geschafft, ich war ganz froh, dann Andorra Stadt verlassen zu können. Hinter dem Zentrum kommt dann eine entscheidende Weggabel. Man kann nach Norden Richtung Massina / Ordino abbiegen (was aber eine Sackgasse wäre) oder weiter nach Nordosten dem Envalira-Tal folgen.

Ich habe die Strecke als recht steil und anstrengend empfunden, aber das kann man ja heute alles online ansehen, demnach ist das eine Strecke mit durchschnittlichen Steigungen. Aber frisch war es, und die Postbesuche haben ganz schön Zeit gekostet. Da habe ich in Soldeu früh am Tag Quartier gemacht, meine Ausrüstung um ein paar Handschuhe und eine Wollmütze ergänzt (typisch Flachländler, die reisen in kurzen Hosen und Sandalen ins Hochgebirge – wirklich leichtsinnig).

Ich möchte den heutigen Bericht mit zwei Sondermarken beschließen, mit vorromanischen (5-11. Jahrhundert) Fresken, für die Andorra recht berühmt ist und die sich vielfach auf Marken Andorras abgebildet finden. Von der französischen Post großformatig gewürdigt und vermarktet. Prachtvoll und erhaben!



Kann man Post denn so frankieren? Ja, liebe Label- und Barcode-Freunde, das ist möglich - vorausgesetzt ihr habt so etwas an der Hand.

Alle französischen Ausgaben Andorras sind wie gesagt unbegrenzt frankaturgültig.
 
Bendix Gruenlich Am: 31.12.2024 10:04:52 Gelesen: 9903# 65 @  
Der Hauptindustriezweig Andorras (neben Geldwäsche und Beihilfe zur Steuerverkürzung) ist heutzutage Tourismus, insbesondere Einkaufs- und Skitourismus. Hier Vorschläge für Aktivitäten.



Soldeu jedenfalls befindet sich auf 1.700 Metern. Ich mietete mich im brandneuen Sport-Hotel ein mit sehr komfortablen vier Sternen für unschlagbare EUR 50 incl. Halbpension. Mehrwertsteuer gab es damals in Andorra nicht. Es war wenig los Ende Mai, so hatte ich das Buffet und die Aufmerksamkeit der Köche für mich. Die hatten Lust zu zeigen, was sie können - ich hatte Appetit. Das war ein Fest, kann ich sagen.

Am Morgen bin ich noch kurz in den Ort gegangen. Dort gab es zwei Begegnungen

Erst einmal mit dem letzten katalanischen Bauern im Ort, der zwei Kühe aus dem Stall trieb. Wir tauschten auf der einen Seite neugierig, aber auch distanziert Blicke aus. Eine Konfrontation zweier Welten.

Der Bauer ging seiner Arbeit nach. Die Kühe dampften, waren massig und rochen nach Stall. Ich kann da nichts Minderwertiges erkennen, sondern das war trotz der Alltäglichkeit erhaben und warm. Das war unzweifelhaft deren Platz und Bühne. Und Landwirtschaft ist Arbeit.

Der Landwirt arbeitete und ich Industriemensch führte eine Form von „Grand Tour“ durch, reiste also zu meinem Vergnügen und ließ mich bedienen.

Ich fragte mich, ob ich das Recht habe, in die Welt des Bauern vorzudringen und sie zu verändern. Schwierig. Der Tourismus zerstört manchmal das, was er sucht, wenn das Ziel der Reise Ursprünglichkeit ist. Ich werde das verdeutlichen und der Volkskunst der Vergangenheit eine moderne Installation gegenüberstellen.



Ein kleines Postbüro der französischen Post, dass meiner Erinnerung nach vormittags geöffnet hatte, besetzt mit einer Dame, besuchte ich noch. Leider ist keine Karte von damals erhalten geblieben (unerhört, die wurden nicht abgeliefert). Auch gibt es das Postbüro gem. meiner aktuellen Recherche nicht mehr. Die Post legt offenbar auch in Andorra die Büros zusammen und verlegt sie einkaufszentrennah.

Ein Blick auf „google maps“ des heutigen Soldeu beweist, dass es ein traditionelles Dorf kaum mehr geben kann, denn es scheint nahezu vollständig aus Beherbergungsbetrieben zu bestehen.

Das alte Andorra gibt es nun einmal nicht mehr - man findet es eben nur noch auf Briefmarken (folgendes Exemplar ist Tourbeute, also vor Ort gekauft).



Aber jetzt fahren wir erst einmal auf den Pas de la Casa, lassen die neue Autostraße links liegen und nehmen den Weg um den Envalira-Tunnel herum (ebenfalls Tourbeute).



Pas de la Casa ist ein durchtechnisierter Kunstort und Steuerfrei-Einkaufen-Paradies bzw. je nach Perspektive eine Konsum-Hölle. Aber ein Büro der französischen Post gibt’s noch.

So, wird sind oben - 2.400 Meter und reihen uns in die Warteschlange beim Zoll ein. Das übliche Rattenrennen: Steuerhinterzieher-Konsumenten packen ein was geht, verstauen es schwer auffindbar und die Zöllner versuchen das dann wieder zu finden. Da müsste man eigentlich eine Show draus machen. Und Zeit lassen die sich…, wie kriegen wir die denn jetzt rum?

Wir drehen uns noch mal um:

Historische Ausgaben der französischen Post aus den Jahren 1936-1943.



Und ein paar Spanier



Ich habe in über 50 Jahren noch nie Post von dort bekommen, weder privat noch im Geschäft. Ist ein anderer Kulturkreis, daher in deutschen Sammlungen selten und wenn vorhanden über den Handel gekauft. Daher haben die vor Ort beschafften Marken eine besondere, ja kultische Bedeutung, für mich.

Übrigens, ich erinnere mich, dass bestimmte französische Postämter, die einen Philatelieschalter hatten, auch regelmäßig Marken von Andorra, SPM, Mayotte und Monaco verkauften.

Die Stichprobe eines kurzen Aufenthaltes von zwei Tagen in Andorra bestätigt mir, dass die Marken auch vor Ort kaufbar und benutzbar waren, für mich ein wichtiges qualitatives Merkmal. Meint man es ehrlich und erbringt man auch die Leistung für die man bezahlt wurde oder druckt man ausschließlich für den Export?

Mein Eindruck war, dass die insgesamt seriös handeln (aber wie jede Postverwaltung von Kleinstaaten die Hoffnung hegen werden, dass die gezahlte Leistung nie eingefordert wird).

Ergänzen möchte ich, dass ich vor meinem Besuch genau nur eine Briefmarke von Andorra in meiner Sammlung hatte (die Nr. 1 der französischen Post als typische Anfängermarke zu alten Franc 0,005). Die meisten hier gezeigten Marken stammen vom Kauf während meines Besuches. Die historischen Marken habe ich mal auf ppa-Auktion gekauft (für 4 cent das Stück, Grüße bei der Gelegenheit an den Verkäufer nageld, der auch alle Welt sammelt, wie ich). Bevor ich mal nach St. Pierre gereist bin, hatte ich mich mal mit Marken über eine Auktion versorgt, da waren auch noch Andorra-Marken dabei. Insgesamt habe ich aktuell so zwölf Seiten - überwiegend postfrisch und Ausgaben der französischen Post, für eine erneute Reise nach Andorra wäre ich also auf alle Fälle jederzeit gerüstet.

Soviel zu meinen Eindrücken vom Besuch Andorras.
 
Bendix Gruenlich Am: 31.01.2025 17:05:52 Gelesen: 9641# 66 @  
So, über den Pass wären wir, wir sind also wieder in der Grande Nation (Frankreich über Frankreich). Ist ja auch schön da.

Hier ein paar Marken zu Ehren der Pyrenäen. Wer sich jetzt beschwert, ich hätte doch bereits im Beitrag Nr.[#61] Bären und Gemsen gezeigt, dem sage ich, dass das richtig ist, aber die jetzt abgebildeten sprechen halt Französisch.



Jetzt rollen wir erst einmal in aller Ruhe die Berge hinab und schauen während dessen auf etwas, das auffällt: Frauen, Frauen, Frauen.

Es gibt (im Gegensatz zu Deutschland - mir fallen da auf Anhieb nur die Germania und die berühmten Frauen der 1980/90er ein) eine Menge Frauen auf Freimarken, und diese nicht nur am Ende Ihrer Lebensleistung, sondern mitten im Leben stehend und auch für ihre Zeit attraktiv gezeichnet. Franzosen haben also keine Angst vor Sinnlichkeit oder davor Begehren zu wecken. Ich behaupte mal, da werden wir in den nächsten Folgen noch Beispiele sehen.

Zum Beweis greife ich erst einmal mal auf altes Material zurück, immer gut um auch diejenigen anzusprechen, die die Moderne überfordert. Eine Ceres (römische Göttin der Fruchtbarkeit) von 1870



Zur Erinnerung: der französische Kaiser hatte 1870 gespielt und verloren und wurde durch eine Republik abgelöst. Und die hat sich eben für dieses Sinnbild entschieden, bzw. sich dessen erinnert, denn es war eine bekannte Zeichnung aus Vorjahren.

Aber da sind wir auch schon nahe der Mittelmeerküste angekommen, in Perpignan (welches mittels des oben zitierten Pyrenäen-Vertrags, der ein Annektionsdokument war, als Teil des Gebietes Nordkatalonien zu Frankreich kam). Leider war mein Quartier trotz klangvollen Namens schwach (…übrigens wir haben aktuell kein heißes Wasser, sagte die Patronin, allerdings erst nachdem sie mir das Zimmer verkauft hatte und ich geduscht hatte - ich konnte das also bestätigen). Besuch der Altstadt, die seinerzeit vollkommen arabisiert zu sein schien, und am Palast des Königs von Mallorca bin ich auch noch vorbeigeschlendert.

Zeit auf die Post zu gehen, hatte ich auch noch. Größere Städte in Frankreich führen Sonderstempel, die auf Anforderung abgeschlagen werden (wenn Ihr da seid, einfach mal danach fragen - wenn Ihr mehr dazu wisst, also wo man die überall bekommt oder eine aktuelle Liste einsehen kann, bitte mal dazu berichten, ich habe da den Anschluss verloren).

Und schau an, eine Perpignan-Marke hatte ich auch noch im Gepäck. Daher konnte ich Freunde so grüßen.



Und da sehen wir auch schon ein paar Mariannes (de Luquet, Eva Luquet war die Gestalterin dieser von 1997-2005 laufenden Zeichnung) als Ergänzungswerte auf der Karte, um die erforderlichen EUR 0,46 zu erreichen.

Mariannes sind die attraktiven Berufsrevolutionärinnen aus Frankreich. Ich hatte hierzu mal in einem kleinen Beitrag in „Philatelie in der Presse“ berichtet.

https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=310725

Da Briefmarkensammler irre Käuze sind, werden wahrscheinlich einige genervt mit den Augen rollen und sich die für sie hinsichtlich des ganzen Artikels wirklich einzig wichtige Frage stellen, nämlich ob das die Variante mit oder ohne Phosphorstreifen ist?

Wenn ich Euch jetzt raten würde, die Prüflampe an den Bildschirm zu halten, würdet ihr Euch vermutlich (zu Recht) vergackeiert fühlen. Auch liegt mir nicht mehr das Original vor (war nur eine temporäre Leihgabe des Empfängers).

Das hat mich gefuchst und so räsonierte ich, wie ich diesen Punkt beantworten könnte. Da riet mir mein Langzeitgedächtnis, doch mal in meine Verbrauchsbestände zu schauen (die sich als Teil meiner Sammlung jederzeit zum Einsatz in ihrem Herkunftsland bereithalten müssen, sollte die ordré dazu ergehen). Denn hatte ich nicht damals einen ganzen Bogen EUR 0,01-Marken gekauft? Davon müssten doch noch ein paar da sein. Und genau so war es, es ist die Phosphorstreifenvariante.
 
Bendix Gruenlich Am: 28.02.2025 12:55:34 Gelesen: 9381# 67 @  
Es war noch Zeit bis zum Urlaubsende, so konnte ich in aller Ruhe noch die Distanz zu meiner Wohnhöhle verkürzen. Warum sich nicht mal die Mittelmeerküste in aller Ruhe ansehen?

Und das ist ein Kontrast, denn nach den Gipfeln des Hochgebirges befindet man sich überwiegend in einer sehr flachen Region, geprägt von Salzmarschen. Es war daher nicht mal warm, mal kalt (Hochgebirge), sondern nur warm. Aber Reise sucht ja gerade diesen Kontrast und löst beim Reisenden Veränderungsnotwendigkeit aus. Gelingt das, ist das ein Zeichen für Anpassungsfähigkeit und Vitalität.

Es sind von Perpignan rund 100km bis zur Stadt Beziers, die ich auch einmal in Kindertagen mit der Familie besuchen konnte.

An einem Freitagabend kam ich an, und es war recht viel los in der Stadt. Der Abend beginnt für die Leute mit einer Runde (im Uhrzeigersinn) durch den Parque de Évèques. Sehen und Gesehenwerden! In Erinnerung blieb mir eine beeindruckende junge Frau mit Wurzeln im Kongo würde ich sagen, hochgewachsen, athletisch, selbstsicher und anmutig. So ist das in Frankreich, die Anzahl von Menschen mit Wurzeln aus dem ehemaligen Kolonialreich Frankreichs ist hoch und so unterschiedlich zum Deutschland der damaligen Zeit.

Aber wichtigeres gab es am kommenden Morgen zu tun, nämlich das nahegelegene Postamt zu besuchen (in der Nähe des Rathauses). Ich vermutete dort den örtlichen Sonderstempel. Leider war furchtbar viel Betrieb, was offenbar daran lag, dass jede Menge Rentner ihre Rente in bar abhoben. Jedenfalls musste ich recht lange warten, bis ich an die Reihe kam. Dort teilte man mir dann auf meine Frage nach dem Ortssonderstempel mit, ich sei im falschen Postamt, dies sei nicht die Hauptpost und eben dort befände sich der Sonderstempel. Noch einmal durch die Stadt und nochmal anstehen wollte ich aber nicht, deshalb habe ich meine Karten vor Ort aufgeliefert (wie schade ich das fand, könnt Ihr daran ermessen, dass ich mich an diesen Sachverhalt heute noch erinnere).



Und hatte ich nicht Mädels versprochen? Ja, habe ich – und so zeige ich heute als historisches Material die Ausgabe Frieden und Handel, auch als Typ Sage (Name des Gestalters) bekannt. Hier sehen wir zur Linken eine Frau mit Olivenzweig den Frieden repräsentierend und zur Rechten den für mich als Kaufmann wichtigen Gott, nämlich Hermes. Dies vor einer Weltkugel.



Die Freimarkenserie lief von 1876 bis 1900. Mit der Unbekleidetheit von Frau Frieden hatten die Franzosen also offenbar kein Problem.

Schön finde ich bei den Marken, dass diese auf gefärbtem Papier gedruckt wurden. Bei den Stempeln habe ich aus Anlass meines Aufenthalts bei dem 15 Centime Wert den Ort Béziers gewählt. Bei dem rechten Wert finde ich den Algier-Stempel hervorhebenswert (bis 1920 hatten die Algerier französische Marken mitbenutzt, Algerien galt als Mutterland, nicht als Kolonie)

Als Kaufmann habe ich es immer gern, wenn Geld und Waren zirkulieren und zwar um die Welt Zu der Zeit der Ausgabe konnte man seine Geschäftsbriefe mit diesem göttlichen Schutz auf den Weg geben. Das finde ich wunderbar. Gerne würde ich meine Post mit diesen Marken expediert sehen. Aber Moment, die ungebrauchten Briefmarken der Serie wären ja noch gültig, aber die Inflation macht jede nützliche Verwendung von Restbeständen unmöglich, verbietet sie aber nicht.

Gegenwartsphilatelisten können zusätzlich noch auf die Sondermarke zur Ehre des 100. Jahrestages der Ausgabe zurückgreifen.



Dann mal zur Reise



Oben: phantastisch schön gestochene Marke mit der Kathedrale von Béziers (wo die Leute wie beschrieben gerne flanieren)

Mitte: hatte ich in französischer Sprache dabei: Alexandre Dumas Graf von Monte Christo. Die Handlung kennt ja jeder, also gut zum Vokabeltrainung geeignet. Immer wieder gut zu lesen. Männer lieben halt Rachegeschichten. Die Marke von 1970 gefällt mir übrigens besser als die 2002er-Ausgabe.

Unten: Wir verlassen Béziers und fahren weiter nach Osten, die Küste entlang. Dort liegt die Stadt Agde. Als ich nach der Reise mal hier und da von den Reisewegen erzählte, erwähnte ich den Ort und merkte, dass sich die Stimmung eines Zuhörers sich sonderbar aufhellte. Das lag wohl daran – und ich musste das erst recherchieren – dass Agde für seine Nacktstrände und eine Sex-Club-Szene landesweit bekannt ist. Also ich kannte den Ort von der Karte und von der Briefmarke her. Die zeigt den Jüngling von Agde, eine im Flussbett des Herault in den 1960ern gefundene hellenistische Bronzefigur (die übrigens keinen Swinger, sondern Alexander den Großen darstellen soll). Die Figur soll wohl als Lichthalter in einer römischen Villa gedient haben.). Die Marke habe ich 1983 persönlich am Schalter in einem Frankreich-Urlaub von meinem Taschengeld gekauft, für FRF 4,00, ein für mich damals fürstlicher Betrag. Also seit 42 Jahren in meinem Besitz, von daher ist allein schon die Briefmarke fast antik. Und wer hat dieses fantastische Kunstwerk gestochen? Nun das war kein geringerer als Czeslaw Slania. Seit 1961 bis heute bringt die französische Post regelmäßig Kunstmarken in diesem Format an den Schalter, immer in hohen Wertstufen. Beachtlich, muss ich sagen!
 
Bendix Gruenlich Am: 31.03.2025 08:32:57 Gelesen: 8728# 68 @  
So, weiter geht’s entlang der Küste. Dort findet man allerhand Étangs, das sind vom Meer mehr oder weniger getrennte stehende Gewässer mit langen Stränden zur Seeseite hin.



Dort muss sich der deutsche männliche Reisende auch gegen seinen einheimischen Gegenpart beweisen. Wohlmeinende mögen diese stolz finden, andere eitel. Kein Wunder, dass das Wappentier Frankreichs der Hahn ist (Marke links oben), da kann einem am Strand schon mal der Kamm schwellen, jedenfalls erinnere ich mich einen solchen Moments.

Ach ja, der deutsch-französische Gegensatz. Was sagt denn Jacques Rivière dazu (französischer Schriftsteller, geriet 1914 in vierjährige deutsche Kriegsgefangenschaft, der seine Eindrücke in seinem Werk „L’Allemand“ verarbeitete):

• Nun, Deutsche seien zwar stark und eisern, aber nicht im geringsten Liebhaber. Es fehle ihnen an Wildheit und an Sinn dafür, das Leben als Abenteuer zu begreifen.

• Bei Franzosen aber atme die Seele zu schnell, sie lägen sich voreilig fest und seien bereit zu jeder Art von Ungerechtigkeit, weil sie sich stets mit Leidenschaft und Französisch zu sein zu rechtfertigen vermögen.

Ich fand das amüsant geschrieben und teile das deswegen mal heute. Philatelistisch betrachtet ist wahr, dass Deutsche Spaßbremsen sind (Ungültigkeit von Marken in DEM, von Berlin, der DDR usw.), und Franzosen einfach mehr Vielfalt zulassen (fast alle Marken noch frankaturgültig, ich reite ja auf diesem Aspekt wirklich andauernd herum).

Aber zurück zur Geographie: man kommt am Ort La Grand Motte vorbei (tatsächlich die französische Antwort auf den Erfolg des spanischen Massentourismus, Betonbrutalismus für die Massen, aber vor kurzem noch in der Frankfurter Allgemeinen architektonisch gewürdigt, Architekt Jean Balladur). Ich hatte an dem Tag keinen Erfolg bei der Quartiersuche, aber die Touristeninformation vermittelte mir zu meinem Glück ein Zimmer in einem historischen Gasthaus im nahe gelegenen Aigues Mortes (phantastischer kleiner romantischer Festungsort) – siehe Marke rechts oben. Glück muss der Mensch haben.

Und nun geht es erst einmal durch die glutheiße Carmargue, für mich seinerzeit so heiß und lebensfeindlich, dass ich der Region wenig Schönes abgewinnen konnte. Bekannt ist die Gegend für ihre weißen Pferde, die dort seinerzeit tatsächlich auf der Weide zu finden waren. Diese wurden von Yves Brayer mit einem bekannten Gemälde geehrt, dass die Vorlage für eine Briefmarke wurde (oben Mitte).

Jetzt galt es die Rhone zu überwinden, das Rhonedelta war wie ein Hindernis und ich erkannte keine küstennahe Übergangsmöglichkeit. Vielmehr sah ich auf der Karte nur Sackgassen und Industriegebiete. So entschloss ich mich, den Fluss bei Arles zu überqueren und einen Tag im Hinterland zu verbringen. Hinter Salon en Provence bin ich Richtung Küste eingeschwenkt und in Cassis wieder aufs Meer gestoßen. Die Schönheit der Landschaft wurde von der französischen Post geehrt (Marke links unten).

Westlich von Toulon beginnt das überaus sehenswerte Department Var (Marke unten links, Kiefern und eine beachtliche Küstenlinie prägen die Region). Es wird schick, und auch ein paar nette Herbergen lagen am Wegesrand. Dabei begegnete ich einer, die durch ihre clubartige Gestaltung herausstach und an die goldenen Zeiten der 1960er erinnerte, in denen Gunter Sachs auf seinem Mammuth-Motorrad die Gegend unsicher machte.

Und das Leben ist voller Überraschungen, eine solche wiederfuhr mir in La Londe: die französische Post hatte ihr Porto um EUR 0,04 auf EUR 0,54 erhöht (so der Hinweis der charmanten Postlerin vor Ort, die mir die fehlenden EUR 0,04 abknöpfte und die nachfolgend gezeigte Karte gelungen handstempelte)



Von Rayol Canadel sandte ich noch eine Karte nach Deutschland, bevor es über eine faszinierende Strecke kurz nach St. Tropez ging. Hier empfehle ich eine Inspektion des Hafens. Spannend fand ich, dass die beeindruckenden Yachten alle Fahnen aus Steuerspardestinationen mit Union Jack-Zitaten trugen, und nicht eine trug die Trikolore am Heck.



Fehlt noch etwas? Ach ja, Frauen. Richtig, ich hab da noch etwas. Die Ausgabe Typ Blanc von 1900, das war die Zeichnung für die Kleinstwerte dieser Zeit.

Abgebildet ist eine weibliche Göttin der Freiheit, mit phyrgischer Mütze, die linke Brust unbedeckt (wie beim berühmten Bild von David mit dem Thema Sturm der Bastille). Die Waage in der rechten Hand steht für Gleichheit, die sich herzenden Putten für die Brüderlichkeit.

Mir fällt auch noch der der Spiegel in der linken Hand der Freiheit auf. Der Spiegel ist bekannt als Attribut der Göttin Aphrodite, das ist die Göttin der Liebe und der Schönheit. Auf der Marke hält Frau Freiheit ferner einen Lorbeerzweig in der linken Hand.

Typ Blanc lief bis 1932 - interessant finde ich die vielen vorzufindenden Farbunterschiede, gerne zeige ich ein Beispiel.



Soviel für heute für alle Freunde der angewandten Philatelie.
 
Bendix Gruenlich Am: 30.04.2025 07:48:36 Gelesen: 7843# 69 @  
Wir verlassen Var und treten in das Departement Alpes-Maritimes-Cote D’Azur ein.

Diese Region ist dichter besiedelt als die vorher besuchten, mit Cannes und Nizza weist sie auch größere Städte auf. Der Ruf der Region ist legendär als Urlaubs- und Gesellschafts-hot-spot. Werfen wir doch einen Blick auf ein paar Marken.



Wir kommen in Frejus vorbei, wo ich feststellen konnte, dass auf dem breiten Sandstrand am frühen Nachmittag ein buntes Treiben herrschte, anschließend begeben wir uns wieder entlang der hügeligen Küstenlinie, durchqueren Cannes mit dessen bekannter Strandpromenade…



…und nehmen Quartier in Antibes.

Die Halbinsel Cap Antibes ist von prachtvollen Anwesen und Villen übersäht. Es gibt eine Ringstraße und man kann der Küstenlinie folgen. Ein Hotel zu finden, war da gar nicht so einfach, denn die meisten Objekte befinden sich schlicht in Privathand und beherbergen keine Gäste. Jedenfalls hätte man in dem von mir letztlich gefundenen gut den Film „Swimmingpool“ nachspielen können.

Die Leistungsfähigkeit der französischen Post habe ich dann wieder in Nizza getestet, wo ich zielsicher die Hauptpost fand. Hier gab es nicht nur den erhofften Sonderstempel, sondern auch einen „guichet philatelique“ also einen Philatelieschalter. Hier konnte ich entspannt durchatmen und meine Postkarten mit der Bitte um saubere Entwertung aufgeben. Der Postler holte mit erfahrenem Griff den Sonderstempel hervor, stellte das aktuelle Tagesdatum ein und schritt zur Tat. Das kann schon mal dauern und ein hinter mir stehender ungeduldiger Mitkunde wurde zurechtgewiesen, dass das hier der Philatelieschalter sei und dass das jetzt Priorität habe. Mir als Sammler ging da natürlich das Herz auf, solche Gefühle kann man sich natürlich nur leisten, wenn man vorne in der Schlange steht.

Frankiert wurde mit Altbeständen aus der phantastischen Kunstserie – mit nur einem Zweck: Eindruck zu schinden (…Luxusgut Briefmarke…)



Bei der obigen Karte möchte ich einige meiner absoluten Lieblingsmotive hervorheben

• Die hochformatigen Marken bestechen durch ihre prachtvolle Ornamentik und wirken durch den Kontrast der Farben rot gegen blau. Die Marke mit dem Einhorn ist eine wundervolle Allegorie, hier werden selbst die wildesten Typen (vermutlich Männer im gesetzten Alter) durch den bezaubernden Rahmen gezähmt: beindruckende Blumenrabatte, schöne Bäume mit Früchten, mäandernde Ranken, eine prachtvoll gewandete schöne Frau, die einem (schmeichelnd oder auf das man sich selbst erkenne) den Spiegel vorhält – für die meisten männlichen Leser sind solche Szenen wahrscheinlich allabendlicher Alltag. Das Einhornmotiv sieht man übrigens sehr häufig auch im Film (z.B. Harry Potter I, das sieht man und denkt: Moment mal, das kennt du doch - Briefmarken können eben furchtbar bildend sein).
• Die mittlere Marke mit einem Ausschnitt aus den kostbaren Stunden des Herzogs von Berry zeigt ebenfalls eine echte Sehnsuchtsszene. Umgeben von schönen Frauen oder je nach Perspektive hoch gestellten Herren, geht es aufs Beste ausgestattet auf prächtigen Pferden auf einen festlichen Ausflug, auf Falkenjagd. Wer würde nicht gerne einen Tag so verbringen. Ich habe das nicht ohne zu Schmunzeln auf die Karte geklebt, denn auf der Suche nach dem perfekten Tag sind wir ja alle, insbesondere im Urlaub. Ich fürchte allerdings, der Herzog von Berry hatte ein so reiches Budget, dass heutige Normalsterbliche, die ihm nacheifern wollten, erfahren werden müssen, dass das vergebens sein wird. Und das zwanghafte Suchen nach schönen Momenten wird diese schlicht zerstören oder entwürdigen.



Und die Franzosen, die haben Nizza den Piemontesen abgeknöpft, so ehrt eine der oben gezeigten Marken das Rattachement, also die Angliederung der Grafschaft Nizza in 1860 (die zugegebenermaßen durch eine Volksabstimmung legitimiert wurde, die allerdings manipuliert worden sein soll. Die Gegend war der Preis für die französische Unterstützung im Kampf Italiens gegen Österreich um die Lombardei).

Und nun zum Blick auf die Frauen, Frankreich macht uns das durch seine Ausgabepolitik leicht. Heute die Type Mouchon von 1900, der Mittelwert der Freimarken dieser Periode.

Wieder eine Allegorie: die Republik als Frau mit phyrgischer Mütze, Lorbeerkranz, Gesetzestafel mit den Menschenrechten und ein Zepter mit der Hand des Rechts. Sie trägt einen Brustpanzer als Zeichen der Wehrhaftigkeit mit einem Löwenkopf als Sinnbild für Mut.

Der Entwurf soll beim Publikum nicht gut angekommen sein – er wurde als zu kühl und nicht schön genug angesehen. Ferner galt das Zepter als Abzeichen der Monarchie.



Das war es einstweilen aus Frankreich, die Grenze ist nah. Aber wir kehren bestimmt eines Tages wieder zurück. Und als Deutscher stelle ich zum Schluss dem Typ Mouchon eine Germania gegenüber (als Referenz an meine Heimat). Eine solche Gegenüberstellung kann man heutzutage gefahrlos anstellen, ohne übertriebene Ressentiments zu wecken, und das ist doch sehr erfreulich.



Selbstkritisch muss ich feststellen, dass die Franzosen gestalterisch mal wieder aufgrund der grafischen Vielfalt vorne liegen, dazu kommt noch die unglaubliche Tatsache, dass die heute noch frankaturgültig wären. Tolle Sonderstempel gab es und aufmerksamen, leistungsfähigen Service seitens La Poste.

Pas mal, mes chers voisins!
 
volkimal Am: 02.05.2025 18:36:29 Gelesen: 7719# 70 @  
Hallo zusammen,

ein schwarzer Stempel aus Juist mit falsch eingestelltem Datum, zu dem ich euch die Entstehungsgeschichte erzählen möchte.

Nach Ostern waren meine Frau und ich für vier Tage auf Juist. Wir wollten unserem Sohn eine Ansichtskarte schicken und sind deshalb in die örtliche Postfiliale gegangen. Diese befindet sich im Elektrogeschäft Abel und ist täglich für 2 Stunden (von 9.00 bis 11.00 Uhr) geöffnet. Ich konnte allerdings nur einen 10er-Bogen Marken zu 95 Cent kaufen.

Der Bitte, die Postkarte mit einem Ortsstempel zu entwerten, kam der Herr leider nicht nach. Er erklärte mir, dass grundsätzlich nur Großbriefe einen Ortsstempel bekommen – Standardbriefe und Postkarten nicht. Zur Verdeutlichung zeigte er dabei etwa die Größe eine DIN A4-Umschlages.

Beim Abendessen im Restaurant stand mein Getränk auf diesem Bierdeckel:



Ich erinnerte mich an die Postfiliale und beschloss sofort, diesen „Großbrief“ aufzugeben. Zur Information: Ein Standardbrief bzw. eine Postkarte hat ein Mindestmaß von 14 x 9 cm. Bei einem Großbrief gilt ein Mindestmaß von 10 x 7 cm. Wie ich gerade feststellen musste, erfüllt der Bierdeckel von 9,3 x 9,3 cm diese Bedingung doch nicht.

Am Samstag (25.04.2025) war ich dann wieder in der Postfiliale. Ich sprach den netten Herren an und fragte „Sie Stempeln doch nur Großbriefe mit dem Ortsstempel“. Nachdem er das bestätigt hatte, zog ich den Bierdeckel aus der Tasche und bat ihn, diesen „Großbrief“ mit dem Ortsstempel abzustempeln. Ein trockenes „jau“ war die Antwort. Er drehte sich um und stempelte den Bierdeckel. Heute (02.05.2025) kam der „Großbrief“ bei mir an.



Leider ist der Stempel nicht so, wie ich es mir gewünscht habe – aber immerhin ich habe einen Ortsstempel aus Juist. Zusätzlich habe ich inzwischen bemerkt, dass noch zwei Besonderheiten zu erwähnen sind:
1) Der Stempel vom 25.04.2025 wurde immer noch in schwarz abgeschlagen.
2) Das Stempeldatum ist schlecht lesbar aber eindeutig falsch eingestellt. Die erste Ziffer ist eindeutig eine "1". Das eingestellte Datum könnte 10, 16 oder 18 sein.

Mein Großbrief ist übrigens um 10 Cent überfrankiert, aber ich hatte keine Lust auch noch einen 10er-Bogen von 180 Cent-Marken zu kaufen. Von den 95 Cent-Marken hatte ich ja noch 9 Stück übrig.

Soweit mein „Abenteuer auf der Reise – Auge in Auge mit der örtlichen Postverwaltung“

Viele Grüße
Volkmar
 
Bendix Gruenlich Am: 31.05.2025 00:13:53 Gelesen: 6942# 71 @  
Euch langweilt Frankreich mittlerweile? Dann machen wir doch einen Abstecher - nach Monaco!



Dieses Mikro-Fürstentum (2 km²) gibt eigene Briefmarken aus, und deren Verkauf soll einmal eine wesentliche Einnahmequelle für das Gebiet gewesen sein, zumal sich Monaco oft in Geldnot befunden haben soll.

Da bin ich natürlich reingefahren. Jetzt zeige ich Euch erstmal, was ich nach Hause geschickt habe.

Ihr seht nichts?

Ja, das ist tragisch - diese Karte ist leider verloren gegangen, sie gehört zu den wenigen Stücken, die ich heimgesandt und nie wieder gesehen habe. Ihr könnt mir glauben, ich habe gelitten (und tue das bis heute).

Also alles nur ausgedacht, ich war gar nicht in Monaco? Aber erst einmal von vorn. Ich bin allerdings mit Monaco etwas auf Kriegsfuß. Wenn ich mal da bin, verirre ich mich immer. Der Felsen ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse, überall sind Tunnel, Sackgassen, Einbahnstraßen, Treppen. Und ist man gerade mal drin, schon ist man wieder draußen. Ein Mordsverkehr, man ist da besser mit dem (natürlich motorisierten) Zweirad unterwegs, die auch sehr verbreitet sind. Allerhand Ferraris fahren da natürlich auch herum.

Endlich hatte ich einen Kiosk (am Hafen) gefunden und großformatige Postkarten erstehen können.

Dann ging es auf die Suche nach einer Post, und ich bin im Stadtteil Monte-Carlo fündig geworden. Die Post war seinerzeit in der Av. Henry Dunant, gar nicht weit weg vom Casino, links neben dem Hotel Hermitage (heute in die dahinterliegende Straße Av. De l’Hermitage verzogen, aber einen Briefkasten kann man dort an Ort und Stelle noch sehen, zeigt mit google street view). Hier zur Orientierung eine Ansicht von Monte-Carlo.



Also, das Briefmarkenalbum aus dem Gepäck gekramt, die Post gestürmt und am Schalter ein paar Marken gekauft.




Wir sehen „Usages Courants en Euro“ also Euro-nominierte Freimarken mit mediterraner Flora und Fauna, im Stichtiefdruck. Denn die brauchte ich. Natürlich befanden sich im Album allerhand doppelte Kleinstwerte aus meiner Sammlung und die wollte ich selbstverständlich ihrer Bestimmung zuführen (drückt mir ein paar postfrische Marken in die Hand, und ich fahr da hin und benutz die).

Während ich die Karten schreibe, können wir einen Blick auf typische kleinnominalige monegassische Marken werfen. Ein Blick in den Katalog gibt Aufschluss: die monegassische Post hat stets Kleinnominalen in Millionenauflage hergestellt und diese postfrisch an Sammler verkauft. Solche Marken sind überall in Anfängersammlungen zu finden. In der Hochzeit der Briefmarkensammelei waren das zum Beispiel Marken für alte Francs 1,00 oder FRF 0,01 mit Auflagen von bis zu 14.000.000, wohingegen Nominalen, die echten Nutzen für den Postverkehr hatten, Auflagen von lediglich ca. 200-300.000 aufweisen. Ich zeige als Beispiel die Ausgabe Staatswappen von 1937 zu alten Francs 0,01 (Auflage 2,8 Mio.) und 0,05 (Auflage 1,5 Mio.).



Die monegassische Post folgt französischem Beispiel, also sind alle Marken (auch die gezeigten) noch frankaturgültig.

Für alle Freunde von Zahlenspielen: alte Francs 0,01 sind der 656. Teil eines Euro-Cent. Eine Postkarte nach Deutschland würde aktuell EUR 2,10 kosten. Man bräuchte 137.571 Stück der Freimarke zu alten Francs 0,01 um dahinzukommen, ich sehe da schwarz für das Adressfeld. Die Gesamtauflage der Marke würde heute nur noch für 20 Briefe / Postkarten reichen.

Aber jetzt sind die Postkarten fertig und wir geben sie auf. Also am Schalter angestellt und in aller Ruhe dem Betrieb vor mir beobachtet. Hier wiederholten sich die Muster, die ich schon in Andorra gesehen hatte: jede Menge Leute, die große lila- und gelbfarbene Geldbündel (zur Erinnerung: lila ist die Farbe des EUR 500,00-Scheins, gelb die des EUR 200,00-Scheins) einzahlten. Und dies zu einer Zeit, wo im kleinbürgerlichen Deutschland die üblicherweise anzutreffende größte Banknote der braune EUR 50,00er war (mehr konnte z.B. mein Volksbank-Geldautomaten damals nicht). So, ich war dran - mit Kleinsttransaktionen (zwei Postkarten à EUR 0,60).

Tja, die Postkarte mit allerhand Princessin Grace-Marken darauf ist verlorengegangen, aber ein langjähriger Wegbegleiter von mir, konnte mir tatsächlich folgendes von mir aufgegebene Stück zur Verfügung stellen:



Gesamtporto EUR 0,60
• Fahnenbarsch Mi-Nr. 2577 von 2002 zu EUR 0,20
• Thunbergia Mi-Nr. 2575 von 2002 zu EUR 0,05
• Porzellanschnecke Mi-Nr. 2574 von 2002 zu EUR 0,02
• Olympische Spiele Rom Mi-Nr. 630 von 1960 zu FRF 0,10 Auflage 330.030
• Vogel Schafstelze Mi-Nr. 700 von 1962 zu FRF 0,05 Auflage 396.576
• Fernmeldeunion, Satellit Mi-Nr. 798 von 1965 zu FRF 0,05 Auflage 1.203.710
• Olympische Spiele Tokio Mi-Nr. 784 von 1960 zu FRF 0,01 Auflage 9.368.335

Ich wollte auch noch einzelne Kleinstwerte abstempeln lassen, aber das hat die mitdreißigjährige, in keiner Weise beeindruckbare Postlerin abgelehnt.

Ich sollte mich doch dafür an eine Dame am Eingang wenden. Und das war eine Abgesandte des „O.E.T.P“, also des Office des Émissions de Timbres-Poste (auch im Netz unter

http://www.oetp-monaco.com

zu finden), und die nahm die gewünschten Stempelungen vor - allerdings klar philatelistische Entwertungen. Macht nichts, für mich die übliche Sensation - das Datum des Besuches wird mir daher auch hier bei jeder Durchsicht der Sammlung in Erinnerung gerufen.



Die rechte Marke zu FRF 0,01 hat eine Auflage von 8,4 Mio.

Mit ihren Millionenauflagen und gefälligen Motivausgaben weist Monaco natürlich alle Merkmale eines philatelistischen Raubstaates auf. Die Druckqualität ist aber hochwertig und eine Verwendung aller dieser Ausgaben möglich. Ich finde das fair.

Wenn ihr Euch also sammlungs- oder reisetechnisch auf den Weg nach Monaco machen wolltet, wer sollte Euch da aufhalten?
 
Bendix Gruenlich Am: 30.06.2025 13:26:40 Gelesen: 6111# 72 @  
Nur wenige Kilometer östlich haben wir dann auch schon das nächste Markenland: Italien.

Ist stimme mal mit Blicken auf die ikonische Italia mit der Mauerkrone ein - denn an die denke ich sofort, wenn mir italienische Poststücke in Erinnerung kommen (gültig bis 03.01.1988 - da nahmen wohl die Fälschungen so überhand, dass die Serie außer Kurs gesetzt wurde - ungewöhnlich, wo doch sonst alle Marken seit 1967 unbegrenzt frankaturgültig sind). Jedenfalls nehme ich an, beim Leser stellt sich ein Wiedererkennungswert ein.



Wir überqueren also die Grenze und ich nahm einen Kulturwechsel war: die Natur war weniger mit der Nagelschere eingehegt und das Preisniveau sank umgehend um mind. 20%.

Nach einer Übernachtung im schönen Bordighera, wo ich in eine recht beeindruckende Herberge voller bildungshungriger und italienliebender nordeuropäischer Touristen geraten bin und erstmals den wirklich wundervollen Duft blühender Zitronenbäume wahrnehmen konnte, ging es über die recht enge Küstenstraße nach Savona. Der Auftrag: Plünderung der Post.

Und das hat sich gelohnt. Angestellt und einer netten Postlerin mein Anliegen vorgetragen. Die Belohnung: Die hat das Lagerbuch herausgeholt und mir alles gezeigt was da war. Ca. 50 verschiedene Marken aus den Jahren 2000-2003 habe ich herausgesucht + vier Blöcke (denn Italien hat mir gefallen und die italienische Post ist souverän mit der Euroeinführung umgegangen, in dem sie die Gültigkeit der ITL-nominierten Briefmarken nicht angetastet hat). Das hat ca. 20 Minuten gedauert, ein Typ hinter mir war genervt und wurde von der Postlerin erst einmal zurechtgewiesen (hat mir dann natürlich doppelt Spaß gemacht, ohne dass ich das künstlich in die Länge gezogen hätte).

Hier ein Geschmacksmuster aus der Beute

Diese Marke, die ein Großseglertreffen in der nahen Grenzstadt Imperia ehrt, hat mir sehr gut gefallen.



Auch hervorhebenswert die großformatigen Ausgaben der Serie künstlerisches und kulturelles Erbe in Italien.



Einfach herrlich, Briefmarkensammeln und -jagen macht halt Spaß.

Post habe ich auch noch aufgegeben. Nachfolgend zwei Kärtchen mit Aufbrauch.



Jetzt aber - Blick auf den Kalender - langsam mal nach Hause. Neuer Kurs: Nord, also noch zwei Tage durch die Po-Ebene Richtung Deutschland.

Für Italien zum Schluss noch - für alle Gestrigen für die nach 1900 oder 1945 oder wann auch immer die gute Briefmarkenzeit endet - ein Blick auf ein paar Knochen:



• Links: eine Mi. Nr. 19 ITL 0,30 Viktor Emanuell II von 1863
• Mitte: eine Mi-Nr. 24 ITL 0,02 von 1865
• Rechts: eine Mi-Nr. 26b ITL 0,20 Viktor Emanuell II von 1867

Aus unruhiger Zeit, die des Risorgiomento, wo aus verschiedenen lokalen Territorialmächten das heutige vereinte Italien entstand. Ein Höhepunkt war die Gelegenheit dem geschwächten Österreich-Ungarn (mit Unterstützung durch Frankreich und 1866 sogar Preußens, die zeitgleich ihre Interessen gegenüber Österreich mit militärischer Gewalt durchsetzten) 1860 die Lombardei und 1866 Venetien abzuknöpfen.

Und das mag für Deutsche hart zu schlucken sein (wir sitzen ja ganz gerne auf dem hohen Roß): jawohl, die Italiener haben ihre Währung von 1862 bis zur Euroeinführung gehalten (zugegeben, auch von schlauer Abwertungspolitik begleitet). Deutschland hat das nicht geschafft.

Na, kennen wir jetzt „…das Land wo die Zitronen blühen…“ (Goethe)?

Natürlich nicht und wir kehren deshalb sicher eines Tages dahin zurück. Aber festhalten möchte ich schon mal: es ist schön da! Auch im Briefmarkenalbum.

Ciao!


 
Bendix Gruenlich Am: 31.07.2025 19:52:21 Gelesen: 5254# 73 @  
Ja, ist denn diese Reise immer noch nicht zu Ende?

Nein, überschaubare 35 km waren es noch von meiner letzten Etappe auf italienischem Boden bis zum Eisenbahnknotenpunkt im schweizerischen Lugano.



Von da gab es eine Eisenbahndirektverbindung nach Köln, da habe ich mal ein Ticket für gebucht.

Es blieb genug Zeit, eine damals im Ort stattfindende Egon Schiele-Ausstellung zu besuchen, in aller Ruhe zu Abend zu Essen und natürlich die Post in Lugano zu besuchen.

Die dortige Post hatte einen Philatelieschalter samt Werbestempel



Und sind die Schweizer (auch im italienischen Tessin) jetzt pedantisch oder nicht? Nun, meiner Postlerin vom Philatelieschalter kam eine meiner Postkarten jedenfalls spanisch vor. Da waren doch für die unglaubliche Summe von 30 Rappen sechs Sondermarken aus der pro juventute-Serie 1962 drauf. Ich merkte, sie zweifelte - da hat sie doch tatsächlich einen Zumstein-Katalog hervorgeholt und dort nachgeschaut, ob die nicht außer Kurs waren (waren sie leider Gottes, aber die Marken waren so schön, ich konnte nicht widerstehen, da einen Portobetrugsversuch zu unternehmen). Und das war wie eine Zollkontrolle, wo man weiß, man hat dieses oder jenes zu viel an Bord und will es über die Grenze schmuggeln, und die Zöllner kommen dem Schmuggelgut immer näher, und man merkt, man fliegt auf. Ich wurde erwischt. „Die sind aber nicht mehr gültig“. Verdammt, das war‘s dann!

Also habe ich noch eine CHF 0,30-Marke nachgekauft und unsere Postlerin hat die Marken so gestempelt, dass nicht der kleinste Abschlag auf den ungültigen Marken landete. Mehr noch: sie hat die ungültigen Marken im wahrsten Sinne des Wortes eingekreist - mit über 40 Kugelschreiberkreisen! Eingesperrt, Gefängnis. Vermutlich habe ich schlicht wahnsinniges Glück gehabt, dass sie nicht auch noch die Kantonspolizei gerufen hat.



Jedenfalls scheint mich die Dame damals so eingeschüchtert zu haben, dass ich gar keine weiteren Marken vor Ort gekauft habe.

Die Vorderseite der Karte dürfte ich, selbst wenn ich wollte, hier im Forum gar nicht zeigen. Das Motiv stammt aus der Schiele-Ausstellung, und auch wenn mir dessen Stil im Allgemeinen gefällt, ist es kein Wunder, dass der Mann ob seiner Motivwahl des Öfteren mit der Öffentlichkeit und erstaunlicherweise nur einmal mit der Polizei in Konflikt kam. Es hatte eine Tendenz sehr junge weibliche Modelle recht unbekleidet darzustellen, was in der Luganer Ausstellung wirklich breiten Raum einnahm. Ich kann natürlich nicht verhindern, dass ihr den unten links auf der Karte abgedruckten Namen des Werkes googelt, aber das ist dann Eure Sache.

Mann, Mann, Mann - sind wir jetzt endlich fertig mit der in meinem persönlichen Archiv mit der Ordnungsnummer X (der römischen 10) versehenen Reise, sie hat sich schließlich hier im Thema jetzt über 11 Monate von Laruns in den Pyrenäen bis ins schweizerische Lugano hingezogen?

Sind wir.

Es mag langatmig gewesen sein, Ihr werdet mir aber zugestehen müssen, dass ich nicht untätig war: fünf Postgebiete in 20 Tagen habe ich besucht, und dabei immerhin 1.670 km zurückgelegt. Alles ist gut gegangen und die Reise habe ich unbeschadet überstanden. Machen wir da mal lieber rasch drei Kreuze.



Und immer schön die Augen offenhalten, da draußen gibt es schließlich immer wieder viel zu sehen und zu (wieder)entdecken.

Auch für unsere Sammlungen.

Uf wiederluege!
 
Bendix Gruenlich Am: 31.08.2025 08:12:59 Gelesen: 4676# 74 @  
Ich mag in meinen Beiträgen erwähnt haben, dass ich Freunden und Bekannten regelmäßig Karten schicke, wenn ich mal auf Reisen bei. Und einer der regelmäßigen Empfänger hat mit seinen Hort nach Jahrzehnten ausgeliehen.

Was für eine Fundgrube. Ich dachte meine älteste Postkarte, die die Zeitläufe überlebt hat, hätte ich unter Beitrag 1 vorgestellt. Und da habe ich doch tatsächlich falsch gelegen. Das älteste Ding ist tatsächlich von 1986 und wurde aus dem schönen Frankreich von einem Sommeraufenthalt im August an der französischen Atlantikküste abgeschickt.

Vielleicht nicht die herausragendste Kombination von Freimachung (Freimarken), aber seinerzeit waren keine passenden Sondermarken mit Portostufen für Postkarten zu bekommen (und wir werden doch unsere Postkarten nicht überfrankieren, oder). Der Preis für die Beförderung einer Postkarte hatte sich just am 01.08.1986 um FRF 0,10 auf FRF 1,90 erhöht. Und wer zweifelt daran, dass französische Freimarken – die ja bekanntlich sehr oft attraktive Frauen zeigen – nicht interessant wären (ohne Angst davor zu gefallen, eindrucksvoll gestaltet, hervorragend ausgeführt in Druck und Papier).



Wir sehen die Freimarkenausgabe Liberté im Gebrauch. Dabei hat die französische Post Eugène Delacroix Gemäldedetail nicht einfach kopiert, sondern gestalterisch überarbeiten lassen. Die Zeichnung auf der Briefmarke erscheint mir leicht verjüngt, die Gesichtszüge erscheinen leichter, jugendlicher und damit freundlicher. Damit nimmt man der Darstellung auf dem Gemälde etwas von der dort zu findenden typischen Unnahbarkeit des gottähnlichen Ideals, das auch zur grausamen, entschlossenen Tat fähig und bereit zu sein scheint.





Das Leben hat ja jungen Menschen im Alter von 17 einiges an Reizen zu bieten, es ist schlichtweg überwältigend. Da sind Tragödie und Triumpf. Dinge, die das Leben für alle von uns bereithält.

Aber wir Sammler wissen, wie wir da zum Ausgleich gelangen. Wenn wir eine Ablenkung von den Herausforderungen des Lebens brauchen, können wir uns einfach unserer Sammlung zuwenden.

Und ich kann versichern, dass einige postfrische Exemplare, die ich vor Ort beim örtlichen Postamt gekauft habe, bis zum heutigen Tag einen hochgeschätzten Teil meiner Sammlung ausmachen. Erinnerungsstücke, die ich zu Lebzeiten nicht verkaufen, nicht gegen „bessere“ Exemplare ersetzen oder tauschen würde. Aber ich würde sie vielleicht zur Frankierung meiner Post benutzen, aber wirklich nur für sehr wichtige Nachrichten, sollte das dringende Bedürfnis bestehen, solche auf die Reise zu geben.


 
Bendix Gruenlich Am: 30.09.2025 07:26:14 Gelesen: 4269# 75 @  
Freimarken? Als Sammler, kriegst du da nichts Besseres hin?

Aber natürlich, obwohl ich diesmal zugeben muss, nicht ganz sicher zu sein, ob ich hier mal meine Post überfrankiert habe. Wir sehen die Tarifstufe für einen normal zu befördernden Brief (FRF 2,20) – ich konnte nicht klären, ob auch die Alternative („pli non urgent“) zu FRF 1,90 möglich gewesen wäre.



Aber das war natürlich nicht der Grund für eine Rückkehr nach Frankreich in 1987. In Deutschland erreicht man die Volljährigkeit mit 18, und von da an ist alles erlaubt. Also zur Fahrschule und dann zur praktischen Prüfung. Wie sagte noch mein Prüfer, ich solle den Führerschein doch unterschreiben, wenn meine Hände wieder ruhig wären. Es muss also ein knappes Ding gewesen sein. Jedenfalls ging es zwei Tage später hinter dem Steuer eines alten BMW, in jeder Beziehung unüberwacht und befreit, mit ein paar Kumpanen auf eine lange Ausfahrt. Was für ein Spaß! Abenteuer halt.

Und wenn ich heute einen kurzen Bericht über französische Briefmarken schreiben kann, ist klar, dass ich dieses Abenteuer überlebt haben muss (obwohl zugegeben: in welchem Alter macht man mehr Dummheiten? Wobei dann noch die Kräfte, die einem an die Hand gegeben werden, sich plötzlich vervielfachen. Vor 18: 0,5PS – Fahrrad, danach: 109PS – BMW 320).

Natürlich haben auch ein paar Marken überlebt (denn zum Abenteuer gehört doch immer ein Besuch der lokalen Post, nicht wahr), die ich heute hier teile (nix Versandstelle, nix Philateliehandel, nix von anderen Sammlern gekauft - sondern vor Ort erworben und damit echte Beutestücke und Kultgegenstände. Unbezahlbar!).


 
Bendix Gruenlich Am: 31.10.2025 21:23:51 Gelesen: 3777# 76 @  
In einem Beitrag vom 31.05.2023 konnte ich folgendes Erlebnis schildern (dass ich der Einfachheit halber einfach auszugsweise kopiere) und dass ich bisher nicht mit einem Beleg anreichern konnte.

Portugal hat mich einmal 1989 überaus freundlich empfangen, anlässlich eines kleinen Aufenthalts an der Algarve. Dazu gehört – na klar – immer auch ein Besuch des lokalen Postamts, seinerzeit in Portimao. Das war ein echter Höhepunkt. Man kam in die Post hinein und da befand sich doch tatsächlich zur Linken ein ca. zwei Meter langer Sammlerschalter mit einer überaus bunten Auslage von Portugal, Madeira und Azoren-Ausgaben. Die Verkäuferin, eine propere, kleine ältere lusitanische Dame war vor Ort und Herrin dieses kleinen Standes. Links hinter ihr befand sich ein jahrzehntealter dunkler Geldschrank, und der war voller Sonderausgaben. Rasch war ich als Interessent wahrgenommen und meine Augen gingen gierig über die gezeigten Bestände: eine Vielzahl von Blöcken, viele Sondermarken in der für Portugal typischen Würdigung eines Themas mittels eines Satzes bestehend aus vier bis sechs Marken in einem Design, gerne ergänzt um einen Block mit einem Höchstwert. Ich wählte dies und das aus, und die Dame nahm genau wahr, was ich aussuchte und fand im Tresor weitere passende Ausgaben oder Formen (z.B. Heftchen statt Einzelmarken). Die Ausgaben der Jahre 1986-1989 waren vorrätig. Geld war damals bei mir sehr knapp, aber für die für mich damals hohe Summe von DEM 50 / PTE 5.000 hab ich Material mitgenommen.

Jetzt ist doch noch ein Kärtchen aufgetaucht.



Dummerweise habe ich damals ein Markenheftchen mit diesen eher unauffälligen, von der Nominale her aber passenden Marken für Auslandspostkarten gekauft (das Markenheftchen enthielt acht Exemplare). Das reichte seinerzeit und die mussten dann natürlich auch weg. So ergab sich leider keine Möglichkeit der Verwendung des beeindruckenderen Teils der wirklich üppigen Beute (die im Laufe der Zeit dann auch noch ungültig wurde, hatte mich da verkalkuliert).

Ich hätte gerne den Stempel in der Datenbank hinterlegt, aber ein ums andere Mal reicht da die Qualität des detailreichen Maschinenstempels nicht. Nicht das einzige Mal, dass die Stempelung der portugiesischen Post leider zu schwach ist.

Aber, kaum zu glauben, wir haben den Stempel dank Heinrich3 in der Stempeldatenbank. Hier der link für alle Neugierigen. Übrigens meine ich einen kleinen Unterschied feststellen zu können (der Stempelkopf von Heinrich3 zeigt eine Uhrzeitangabe, der auf meiner Karte keinen)

https://www.philastempel.de/stempel/zeigen/303902

1989 gab es in Portugal eine Serie von beeindruckenden Gemäldemarken mit Kunst des 20. Jahrhunderts. Die mittlere Marke des Blocks (Brotzeit des ungelernten Maurers) hat mich - bis heute - besonders beeindruckt.



Der Block hat eine Auflage von 100.000.

Gute Gelegenheit noch einmal etwas Altes zu zeigen - Sondermarken zum 400. Jahrestages der Entdeckung des Seeweges nach Indien von 1898.



Dieses Thema ist auf portugiesischen Marken immer wiederkehrend. So war auch in 1989 vor Ort ein Markenheftchen zu bekommen, dass die Seefahrt ehrte (interessant: zwei Markenausgaben, eine von 1987, eine von 1988 kombinierend). Ich lade zur Betrachtung beider Ausgaben ein. Der Reiz liegt für mich in der Gegensätzlichkeit der Gestaltungen, die doch ganz typisch für ihre jeweilige Zeit sind.


 
iholymoses Am: 10.11.2025 22:17:35 Gelesen: 3570# 77 @  
Ich kann ein ganz aktuelles Erlebnis berichten - kürzlich auf Dienstreise in Paris, Ankunft am Gare de l'Est und die freie Zeit genutzt, eine nahgelegene Post zu finden. Tatsächlich gab es eine Poststelle in der Nähe, dank Google Maps schnell geortet. Dort dann meinen vorbereiteten Brief (nur etwas überfrankiert - 5,50 € statt der notwendigen 4,50 €) abgegeben und mit meinen Schulfranzösischresten um schöne Stempel gebeten, worauf mir der Postler den Stempel in die Hand drückte und mir verständlich machte, ich möge doch selber stempeln - was dank des Plastik-Ministempelautomaten (mit integriertem Stempelkissen) ganz leicht ging:



Schön, dass das noch geht (und in schwarz) und auf dem Weg nach Deutschland auch keine Maschinenstempel mehr dazukamen - vive La Poste!

Bonsoir,
Reinhard
 
Bendix Gruenlich Am: 13.12.2025 19:00:03 Gelesen: 2925# 78 @  
1994 war ich auf Tour am Rhein und bin da in Frankreich vorbeigekommen. Den Besuch der Post in Lauterburg hatte ich geschildert [#6].

Hier habe ich noch einen Beleg aus Straßburg gefunden



Briefkasteneinwurf und Entwertung in einem der frühen französischen Briefzentren (centre de tri = Sortierzentrum).

Ich habe hier alten Kram aufgebraucht (Aufbrauch Doublette mit Freimarkenergänzung zur Erreichung des aktuellen Tarifs).

Prachtvoll: wir sehen auf einer der Marken einen Auszug aus einer Miniatur aus Gaston Fébus Handschrift „Das Buch über die Jagd“. Fébus war eine der schillerndsten Personen seiner Zeit. Er war Comte de Foix aber auch Herr von Béarn und Marsan, beides Landschaften am Rande der Pyrenäen, und mischte erheblich in der Politik seiner Zeit mit. Dabei war er Diener zweier Herren, des französischen Königs wie auch des englischen, der seinerzeit Herzog der Gascogne war. Er spielte eine erhebliche Rolle im Königreich Frankreich, galt als hochgewachsen und als tapferer Kämpfer, soll aber mit der Tötung seines Sohnes auch schwere Schuld auf sich geladen haben. Darüber hinaus galt er als gelehrt und verfasste Bücher, so jenes über die Jagd, dass ob seines naturalistischen Charakters bis ins 19. Jahrhundert als Lehrbuch genutzt worden sein soll und mit prachtvollen Miniaturen versehen ist. Auch ein Gebetbuch hat er verfasst.

Ist aber auch eine prima Gelegenheit mal wieder die französische Frau zu ehren. Mit einer Marianne, diesmal die Type Briat, darstellend eine moderne junge französische Frau mit phyrgischer Mütze und Kokarde, wie ich finde, ein Design ganz typisch für die 1990er Jahre.

Ist das nicht eine phantastische Mischung und ist es nicht erstaunlich, was eine einfache Postkarte über ihren reinen Wert für den Empfänger hinaus, uns heute noch kulturell an Stichworten bieten kann?
 
Bendix Gruenlich Am: 31.12.2025 09:50:52 Gelesen: 2427# 79 @  
Wenn man ordentlich Eindruck machen will, welch eine gewichtige Reise man unternimmt, da muss natürlich jede Gelegenheit genutzt werden, die sich bietet, um mittels Internationalität zu glänzen.

Der Bodensee ist ja ein Dreiländereck und 1994 hatte ich Quartier im schönen Lindau gemacht (phantastisch: die Terrasse am See mit dem Löwen am Hafen bei Bilderbuchwetter, dort einen Sundowner nehmen und in aller Ruhe den Abend hereinbrechen lassen).

Österreich war nur einen Steinwurf entfernt. Also Kärtchen geschrieben, ab über die Grenze und in den ersten Briefkasten, den ich auf österreichischen Boden fand (ca. 1-2 km nach Österreich hinein, Richtung Bregenz) die Karte eingeworfen und dann sofort nach Norden eingedreht, da es weiter ins Allgäu gehen sollte).



Das österreichische Abenteuer war also ein sehr kurzes, aber das sieht man der Karte ja nicht an.

Aber sind sie nicht prachtvoll, die österreichischen Marken? Häufig mit Stichtiefdruckelementen, wie auf der Sondermarke auf der Karte zu sehen.

Zur Abrundung noch ein Blick auf ein paar Marken.
• Oben: ein Blick auf etwas Altes, die Mi-Nr. 3X und Y zu drei Kreuzern von 1850 mit dem Staatswappen. Das kuriose daran ist, wie durch die Ortsbezeichnungen der Stempel Trient (heute Italien) und Reichenberg (Liberec, heute Tschechien) klar wird, wie Österreich-Ungarn seitdem geschrumpft wurde
• Unten links und rechts: Sondermarke Bregenz von 1984 zur Feier des 2000-jährigen Bestehens der Stadt
• Mitte unten: Sondermarke zur Würdigung der Internationalität der Bodenseeregion von 1993, die Marke gibt es bildgleich von den Anrainerländern Österreich, Schweiz und Deutschland – hier die österreichische Ausgabe


 
Bendix Gruenlich Am: 31.01.2026 06:30:13 Gelesen: 1556# 80 @  
1994 - Mensch, da taucht auch noch eine Karte aus München auf. Ich habe da meine damalige Reise ausklingen lassen.



Übrigens Briefkasteneinwurf irgendwo in der der weiteren Innenstadt (in eines von den Exemplaren mit zwei Schlitzen, einer für Münchener Adressen, einer für Post für außerhalb).

Es ist eine beeindruckend schöne Stadt. Ich war 1991 zum ersten Mal dort und als ich aus der U-Bahn am Odeonsplatz ausgestiegen bin, ist mir die Kinnlade runtergefallen - Theatinerkirche, Feldherrnhalle, Residenz - was für ein Ensemble.

Bescheidenheit jedenfalls scheint die Sache Bayerns nicht zu sein, vielmehr zeigt man ganz barock und selbstverständlich, was man zu bieten hat.



• Links: das Nationaltheater neben der Residenz, ein beeindruckendes Opernhaus, das ich auch einmal persönlich besuchen durfte
• Mitte: Leo von Klenzes Propyläen / ein Denkmal zur Verherrlichung des griechischen Freiheitskampfes in Anlehnung an Torbauten der Akropolis in Athen. Bayern entsandte einen Fürsten zur Übernahme der Regentschaft in 1830. Das Gebäude steht am Königsplatz in München und ist Teil eines beeindruckenden Architekturensembles
• Rechts: das Original findet man in der Münchner Residenz, überzeugt Euch selbst und bucht eine Führung (ich habe das mal 1991 getan, Stand vor dem Original und sagte mir „…das kennst Du doch…“)

Vielleicht auch ganz lustig: am Abend ging es zum Feiern und Abendessen raus. Und irgendwie sind wir über ein paar Bier in eine internationale Runde mit einer paar Italienern geraten. Da wurde gelacht und getrunken, und die Stimmung war fröhlich und ausgelassen. Und als wir zum wiederholten Mal das Glas zum Trunk erhoben hatten, hielt es einen Japaner aus einer kleinen Reisegruppe nicht mehr auf seinem Stuhl. Freudig erregt hob er den Krug in Richtung unserer Runde und grüßte überschwenglich. Wir haben die freundliche Geste erwidert. Und unser japanischer Reisende war sichtlich gerührt und verbeugte sich anschließend fernöstlich tief und ungekünstelt respektvoll. Ein sehr freundlicher und verbindender Moment.

Mir war das ganz entfallen, und ein kurzer Blick auf die Karte erst förderte die Erinnerung an das Ereignis und den ausgelassenen Abend wieder zu Tage.

Euch ist das alles zu modern?

Bitte, dann zum Schluss ein Hinweis auf die Posthoheit Bayerns (bis 1920) mittels ein paar frühen Bayern-Marken aus den 19. Jahrhundert.



Na, alt genug?
 
Bendix Gruenlich Am: 28.02.2026 07:41:34 Gelesen: 714# 81 @  
1996 - da bin ich die deutsche Ostseeküste getourt. Ich habe das auch schon in einem kleinen Beitrag verarbeitet, aber einen Beleg hatte ich damals noch nicht bei der Hand. Aber da finde ich etwas. Von der Etappe - ein Stopp, um meine Post auf den Weg zu bringen, aus Garz - einer Ortschaft auf der Insel Rügen.



Rügen und Sylt sollen sich ja in einem Wettbewerb zur Frage befinden, welche der Inseln denn jetzt die schönste in Deutschland ist. Rügen ist jedenfalls die größere und damit zwangsläufig abwechslungsreichere. Auch liegt mir der Ort deswegen am Herzen, weil er eine Heimat für meinen Großvater für über zwanzig Jahre bot.

Die Bäderarchitektur ist schlicht beeindruckend und in 1996 nahm ich im belebten Binz Quartier, dass sich vieler prachtvoller Villen erfreut. Phantastisch und absolut besuchenswert.

Vielleicht noch ein paar Markenzitate zur Region.



Links: wer auf Rügen will muss in der Regel durch Stralsund. Hier das historische Postamt in Stralsund, dass von meinen Leuten benutzt worden sein sollte, denn vom Wohnort meines Großvaters war es nur eine kurze Bootsfahrt rüber nach Stralsund.

Mitte: alter historischer Kram. Ich weiß gar nicht, warum man sich auf Altausgaben beschränkt. Sie geben für meinen Geschmack grafisch weniger her. Jedenfalls waren die linke des Norddeutschen Postbezirks und die rechte des Deutschen Reiches - beide in der Talerwährung Norddeutschlands und Preußens - mal irgendwann auch auf Rügen gültig.

Rechts: Ausgabe zur Ehrung der Bundesländer – hier Mecklenburg-Vorpommern mit der Insel Rügen.

Zum Schmunzeln: nicht ein Stempel passt zum besprochenen Ort (die Ortsstempel sind niederrheinisch, rheinland-pfälzisch und sachsen-anhaltinisch).

Habe ich auch noch gefunden: berühmter Rügener, in Garz geboren: der politische Schriftsteller Ernst Moritz Arndt (für heutige Verhältnisse in Stil und Botschaft schwer verdaulich: nationalistisch, patriotisch, pietistisch – ein Mann seiner Epoche, geprägt durch die Franzosenzeit). Marke von 1969 und damit 33 Jahre gültig (ist ja eine Ewigkeit für Deutschland als Sammelgebiet), vom 01.07.1990 bis 30.06.2002 übrigens auch in Garz.



Und ich habe hier noch ein besonderes Stück, dass mir sehr am Herzen liegt und sehr gut zur Reise passt, denn mittels der auf der Briefmarke dargestellten Fährverbindung bin ich von Sassnitz auf Rügen nach Ystad in Schweden weitergetourt. Versendet wurde der Brief von einer alten Nachbarin an meinen Großvater, aufgegeben in Göhren auf Rügen und gestempelt wurde mit einem ansehnlichen Sonderstempel. Was für eine Werbung!

Und der Umschlag, der ging damals, zu Beginn meiner Sammeltätigkeit, an mich. Da habe ich mich natürlich wahnsinnig drüber gefreut. Und so wusste ich bereits seit 1979, welche Reiseroute ich dann 17 Jahre später zu nehmen haben würde, wenn ich denn mal nach Schweden wollte.

Und man kann mir ruhig glauben, dass ich mich tatsächlich dieser Marke und der möglichen Route (siehe Zierfeld) erinnerte, als ich meine Reise vorbereitete.


 

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