Thema: (?) (1736) Altdeutschland Bayern: Schöne Belege
bayern klassisch Am: 31.03.2009 10:16:50 Gelesen: 509777# 69@  
Hallo Gisi,

ich zeige dir mal 2 Postanweisungen (PA) aus Bayern nach Württemberg, weil ich das, wie alles andere auch, nach Destinationen sammle.

Die 1. stammt aus Feuchtwangen im Allgäu und lief nach Westheim bei Schwäbisch Hall. Am 7.6.1875 wurde sie aufgegeben, um den Betrag von 19 Gulden und 53 Kreuzern zu überweisen. Du siehst, man hatte nur 20 Gulden bei sich und abzüglich der Kosten für diese PA blieben noch 19 Gulden 53 Kr. als Überweisungsbetrag übrig.

Im Text links vermerkte der Absender auch diese "7x Porto". Das Verhältnis zwischen gebrauchten und ungebrauchten PA liegt etwa bei 500 zu 1.

Das Verhältnis 5.000 zu 1 erreichen wir nur durch eine PA wie diese, welche am 11.5.1875 von Immenstadt im Allgäu nach Stuttgart gerichtet worden war. Es ging um den Betrag von 15 Gulden.

Da PA nur von der Aufgabepost geschrieben werden durften, vermerkte man bei der Aufgabepost " Per Telegraph" und unterstrich dies rot. Gleichzeitig brachte man unter Stuttgart den Vermerk " postlagernd" an.

Dies scheint ein Widerspruch in sich zu sein, denn entweder ich schicke etwas auf die schnellste und teuerste Weise, also telegraphisch, oder ich lasse etwas auf der Post liegen, postlagernd.

Es geht also nicht ohne die Kenntnis der Behandlung seinerzeitiger Abläufe. Der Absender wollte die 15 Gulden schnellstmöglich dem Empfänger in Stuttgart zukommen lassen. Hierfür wurde ein Postanweisungstelegramm ("telegraphisch") von Immenstadt nach Stuttgart abgeschickt, welches 18 Kr. kostete. Der Expressbote in Stuttgart kostete 9 Kr. und die PA selbst 7 Kr., so dass dem Absender Kosten in Höhe von 34 Kreuzern (!) entstanden sind.

Weil es postlagernd war, konnte der Empfänger immer davon ausgehen, dass sein Geld am Stuttgarter Bahnhof für ihn bereit lag.

Aus der Kreuzerzeit sind nur 2 derartige PA von Bayern bekannt geworden.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
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