Thema: (?) (65) DDR: Dienstpost, ZKD-Post und drum herum
Richard Am: 14.06.2009 08:20:50 Gelesen: 95308# 16@  
Im Philaforum hat 'Gernesammler' den folgenden DDR ZKD Beleg vorgestellt:

Ich habe den Brief hier heute bekommen da ich mich mit DDR Dienst-ZKD nicht so auskenne und im Katalog nichts über diese Marke geschrieben wird geschweige denn den Stempel wäre es nett wenn mir da Jemand Auskunft darüber geben könnte.



Die gewünschte Erklärungen kamen im zwei Teilen von unserem Mitglied Totalo-Flauti:

Hallo Gernesammler,

Über die Auslieferung von ZKD-Sendungen an Empfänger, die dem ZKD nicht angeschlossen waren, konnte nur eine ZKD-Kontrollstelle entscheiden. Bei postiver Entscheidung, sprich, die Sendung konnte ausgeliefert werden, wurde die Sendung mit dem von Dir gezeigten Aufkleber versehen. Diesen Aufkleber kann man in 2 Farben finden (fahlbraun und scharlachrot). Später wurde ein Gummistempel von den Kontrollstellen verwendet.

Eines noch zum ZKD allgemein. Es handelt sich ja hier um eine Form der Dienstpost im Besonderen. Sozusagen eine Post neben der Post. In der Präambel der am 26.9.1955 herrausgegebenen Anordnung des Ministers des Innern heißt es:

"Der jetzige allgemeine Briefverkehr der zentralen staatlichen Organe, Institutionen und Einrichtungen und volkseigenen Betrieben in der Deutschen Demokratischen Republik entspricht nicht den Notwendigkeiten der Sicherheit, indem er imperialistischen Sabotage- und Spionageorganisationen, die die Arbeit der Staats- und Wirtschaftsorgane hemmen und desorganisieren wollen, Möglichkeiten zur Versendung von Fälschungen jeder Art bietet."

Aus den oben genannten Gründen musste also jede Sendung, die an Empfänger gerichtet war, die nicht dem ZKD angegliedert waren, kontrolliert werden. Der Empfänger konnte ja zu diesen subversiven und revanchistischen Saboteuren gehören bzw. die Sendung einen entsprechenden Inhalt haben.

Im übrigen gab es eigene Gebührensätze für die einzelnen Versendungsformen Brief und Päckchen (anfangs noch in Orts- und Fernverkehr unterschieden). Als Zusatzleistungen waren Vertrauliche Dienstsache und Zustellungsurkunde vorgesehen.

Gruss Totalo-Flauti

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Hallo Gernesammler,

der Zentrale Kurierdienst (ZKD) entsprach dem "Schutzbedürfnis" der Staatsführung. Man muss bedenken, dass die Grenze noch offen und sehr durchlässig war. Und nach dem Mauerbau 1961 bestand das "Schutzbedürfnis" einfach weiter bzw. vergrößerte sich mit der Zeit sogar noch, da hinter jeder Ecke ein "Bösewicht" vermutet wurde.

Ich denke auch, dass die Teilnehmer im ZKD wusten, was beim ZKD geschah. Im § 1 Abs.2 der Anordnung über die Förderung staatlicher Postsendungen vom 10.07.1960 waren die Aufgaben des ZKD formuliert:

a) die Organisierung der Beförderung der ZKD-Sendungen,
b) der Anschluß an den Zentralen Kurierdienst der zur Teilnahme verpflichteten Stellen,
c) die Kontrolle der ZKD-Sendungen,
d) die Kontrolle und Anleitung der ZKD-Teilnehmer,
e) die Kontrolle der für den Zentralen Kurierdienst tätigen postalischen Einrichtungen.

Anfangs wurden nur die Sendungen der zentralen staatlichen Organisationen und Institutionen innerhalb Berlins, von und nach Berlin, zwischen den Räten der Bezirke und Kreise befördert. In den folgenden Anordnungen zum ZKD wurde der Kreis der ZKD-Teilnehmer immer größer. So wurden die Volkseigenen Betriebe (VEB), die Deutsche Post, die Deutsche Reichsbahn und die Hoch- und Fachschulen dem ZKD angeschlossen.

Für den Transport der Sendungen wurde die Logistik der Deutschen Post und der Deutschen Reichsbahn genutzt.

Den ZKD gab es in unterschiedlichen Varianten als Vorläuferformen wie Behördenpost, Verwaltungswertpost, Verwaltungspost B und A seit Gründung der DDR bis zum 30.06.1990.

Gruss Totalo-Flauti
 
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