Thema: Schweiz Dauerserie Sitzende Helvetia
briefmarkenwirbler24 Am: 17.08.2018 11:19:35 Gelesen: 107858# 489@  
Guten Morgen alle zusammen,

heute möchte ich euch ein sehr schönes "Double" vorstellen, welches ich kürzlich ersteigern konnte und welches sich nicht nur optisch prima ergänzt, wie ihr sehen werdet. :D

Zu Beginn kann man festhalten, dass beide Briefe anscheinend aus einer kleinen Korrespondenz stammen und somit zeitlich unmittelbar nacheinander einzuordnen sind.

Die Adresse der Empfängerin:

Fräulein Ege Heußer
im Doktorhaus
Hirzel
Kt. Zürich

Der erste Brief wurde am 07.09.1864 in Seewen, einer kleinen Ortschaft im Kanton Schwyz, aufgegeben und nach Zürich adressiert. Entwertet wurden die Marken mit einem sog. Stabstempel, welche im Zeitraum von ca. 1860-1900 bei kleinen schweizer Poststellen im Gebrauch waren.

Als Hintergrundinformation zu diesem Stempeltyp:

Sämtliche "nicht rechnungspflichtige Postablagen" wurden mit einem solchen Stabstempel ausgestattet. Es war sowohl erlaubt, dass der Postbeamte den Stabstempel als Entwerter einsetzte (wie in diesem Fall), als auch neben dran platzierte. Wenn er jedoch den Stabstempel auf die Marken setzte, musste er vorschriftsgemäß auch nebendran stempeln, da die Stempel oftmals nicht gut lesbar gewesen sind. In der nächsten "rechnungspflichtigen Postablage" (übergeordneten Poststelle) wurde dann die Frankatur überprüft und der Leitstempel abgeschlagen, wie es auch bei unserem ersten Brief der Fall war.

Zurück zum Brief, dieser wird wahrscheinlich noch am gleichen Tag in Zürich angekommen sein, leider lässt sich auf der Siegelseite bloß noch ein Transitstempel vom kleinen schweizerischen Ort "Zug" erkennen.

Der zweite Brief trat am 13.09.1864 seine Reise an.

Es lässt sich auf einen Blick erkennen, dass dieses Mal kein Leitstempel zusätzlich auf der Briefvorderseite abgeschlagen wurde. Ob es hierfür eine feste Vorschrift gab, einen solchen abzuschlagen, kann ich leider nicht mit Sicherheit sagen, jedoch musste definitiv die Frankatur von der übergeordneten Poststelle überprüft werden.

Zum Laufweg des Briefes ist zu sagen, dass dieser zuerst Brunnen passierte, dann per Bahnpost „Bern-Zürich“ weitergeleitet wurde, ehe er über Horgen dann vermutlich am gleichen Tag in Zürich ankam.

Zur Frankatur lässt sich anführen, dass beide Briefe laut Tarif vom 01.07.1862 bis zum 01.09.1871 portogerecht mit 10 Rappen für einen einfachen Brief im Fernverkehr frankiert gewesen sind. Schön fürs Auge, dass der Absender einmal eine 10 Rappen Marke und einmal zwei 5 Rappen Marken verklebte.

Auf jeden Fall wird dieses "Double" einen schönen Platz in meiner Sammlung bekommen, nicht umsonst sind Stabstempel unter Schweizsammlern sehr beliebt!

Vielleicht kann jemand etwas ausführlicher darauf eingehen, ob es ein Muss gewesen ist den Leitstempel abzuschlagen (wahrscheinlich eher nicht), aber evt. hat jemand die entsprechende Verordnung parat. :D

Liebe Grüße

Kevin




 
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