Thema: Portobestimmung von Belegen: Altdeutschland Bayern - Schweiz
SH-Sammler Am: 21.12.2018 16:26:44 Gelesen: 2961# 28@  
@ bayern klassisch [#27]

Hallo Ralph,

ich hoffe, mit einigen Hinweisen etwas Licht in den Tarifdschungel der frühen Schweiz zu bringen.

Zuerst zum Leitweg:

Siegelseitig sehen wir aber einen Zürcher Stempel vom 9.5.1849, so dass die Leitung wohl von Fellheim via Lindau (4 Kreuzer für einfache Briefe über 6 - 12 Meilen = 68 km hier konkret) unterstellt werden müsste. Sollten die 4 Kreuzer im Zähler also für Bayern gedacht sein?

Der Leitstempel von Zürich deutet schon auf den Leitweg Lindau – Zürich hin. Somit wären die 4 Kreuzer für Bayern gerechtfertigt. Zum Leitweg Lindau - Zürich sind im Band XII von R. Schäfer u.a. Verträge und Tarife der Eidgenossenschaft ins Ausland aufgeführt. Im Scan ist der Vertrag Bayern mit Zürich inkl. angeschlossene Kantone (auch Solothurn) abgebildet.



Im Weiteren sind Deine Annahmen zu den Tarifstufen nicht ganz richtig.

Nach dem Auslandstarif der Schweiz gab es aber nur die Tarifstufen bis 10, über 10 - 25, 25 - 40 und über 40 Wegstunden und die kosteten 2, 4, 6 und 8 Kreuzer, aber keine 12. Die siegelseitige 3 von Zürich ergibt dann auch keinen Sinn, weil es dann noch 9 Kreuzer wären und ungerade Taxen sollte es in der Schweiz schon gar nicht gegeben haben.

Diese Briefkreise und Tarife waren erst gültig ab 01. 10. 1849. Ab 1848 bis zum 01. Okt. 1849, als der Fellheim Brief versandt wurde, waren noch die unterschiedlichsten kantonalen Tarife gültig.

Versuch der Tarifberechnung:

Falls Zürich den Tarif von 6 Kreuzern für die Strecke Zürich - Lindau in Anspruch nahm (und davon 2 Kreuzer an Bayern abgeben musste), rechne ich für den umgekehrten Weg ab Lindau nach Zürich = 4 Kreuzer. Dazu käme noch die Taxe von Zürich nach Solothurn dazu. Das waren dann noch 8 Kreuzer, zusammen also 12 Kreuzer Franko, welches die Zürcher Post für sich in Anspruch nahm.
Die siegelseitigen 3 Kreuzer sind das “Weiterfranko” der Zürcher Post an die Solothurner Post.

Und nun komme auch ich ins Stocken:

Der innerkantonale Solothurner Tarif war 2 resp. 4 Kreuzer. Hat Zürich den Brief nicht nach Solothurn geschickt, sondern direkt in das viel näher gelegene Schönenwerd getragen? Und darum der Solothurner Post einen reduzierten Anteil abgab?

Ich muss es für heute bei dieser Annahme belassen.

Liebe Grüsse
Hanspeter
 
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