Thema: Portobestimmung von Belegen: Altdeutschland Bayern - Schweiz
bayern klassisch Am: 16.01.2019 16:10:01 Gelesen: 2702# 32@  
Liebe Freunde,

heute zeige ich ein Schmankerl, auf dessen Auftauchen ich lange warten musste. Aber das Warten hat sich gelohnt.



Eine Drucksache aus München vom 31.7.1859 war gerichtet an: "Herren S. Hoffmann & Blau in Bern". Leider ist dem Absender ein folgenschwerer Fehler unterlaufen, denn er frankierte sie (bis 1 Loth) nur mit einem Kreuzer. Das hätte für innerbayerische und Postvereinsdrucksachen gereicht, aber nicht für welche nach der Schweiz. Dafür wären 2 Kreuzer zu frankieren gewesen und wir wissen ja, dass Drucksachen nur dann in den Genuß der Portomoderation kamen, wenn sie voll frankiert waren. Andernfalls waren sie als gewöhnlicher Brief zu taxieren, wobei der Wert der verwendeten Freimarke in Abzug zu bringen war.

Für Bayern bedeutete dies: München lag im 3. Rayon zur Schweiz, also 9 Kreuzer Porto für Bayern abzüglich des verklebten Kreuzers = 8 Kreuzer noch für Bayern und für die Schweiz war ja gar nichts frankiert worden, so dass hier nach der Entfernungstabelle ab dem Grenztaxpunkt Lindau - Konstanz bis Bern weitere 6 Kreuzer hinzu gekommen wären.

Demnach wäre die Drucksache (mit dem Porto eines Briefes) mit 8 + 6 = 14 Kreuzern Nachporto in Bern zuzustellen gewesen. Aber so hat man nicht gerechnet.

Bayern machte den Fehler und stellte der Schweizer Post keine 8 Kreuzer in Rechnung. Die Schweiz sah den bayerischen Anteil mit 1 Kreuzer frankiert als abgedeckt an und reduzierte den ihr fehlenden Kreuzer korrekt in 5 Rappen, die man in Bern letztlich nur zu zahlen brauche.

Das ist die 4. unterfrankierte Drucksache in die Schweiz, die ich kenne und die zweite bisher mit Streifband. Siegelseitig hat sich niemand verewigt - vlt. war es auch das schlechte Gewissen? Wir werde es nie erfahren.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
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