Thema: Portobestimmung von Belegen: Altdeutschland Bayern - Schweiz
SH-Sammler Am: 21.02.2019 11:34:27 Gelesen: 1797# 40@  
@ bayern klassisch [#38]

Hallo Ralph,

Du zeigst im Beitrag [#38] einen Brief ab Zürich, welcher als Frankobrief ohne Marken ins Ausland lief.

Dabei stellst Du Dir die Frage, ob die Zürcher Post nicht auch die “Bundesmarken” 4 Centimes resp. 5 Centimes (sogenannte Waadt) hätten verwenden können. Siehe Ausschnitt aus Deinem Beitrag:

Auch die beiden Marken der Bundespost (ab 1.1.1849) zu 4 Centimes, die sog. Waadt, vom 22.10.1849, bzw. die Folgemarke zu 5 Centimes vom 22.1.1850, kennen wir nicht auf Briefen nach Bayern, so dass man hier zur Barfrankatur greifen musste, wenn ein Postkunde frankiert ins Ausland versenden lassen wollte.

Hier eine Klarstellung betreffend der Übergangsmarken Waadt 4 sowie 5 und, als diese aufgebraucht waren, der 5 Centimes “Neuenburg”. Doch zuerst die Frage: Warum Übergangsmarken?

Hier die Erklärung: Der Kanton GENF hatte seit langem die französische Währung mit den Francs und Centimes. Der Rest der Schweiz zahlte noch mit Kreuzern, Schillingen, Blutzgern. Die Kaufkraft der Genfer Währung entsprach bis zur Währungsreform per 31. Dez. 1851 NICHT dem Wert der anderen Währungen im Rest der “Schweiz”. Auch wenn die neuen Briefmarken “Ortspost” und “Rayon” die Währung in Rappen anzeigte, wurde in der Deutschschweiz vielerorts bis zum 31. 12. 1851 halt noch mit Kreuzern usw. gerechnet und auch bezahlt.

GENF hat wegen der ungleichen Kaufkraft die Übergangsmarken “Waadt” und “Neuenburg” mit der französischen Währung (Centimes) drucken lassen. Diese Marken wurden nur in Genf und dem Nachbarort Nyon, im neugeschaffenen Postkreis 1 gelegen, verausgabt. Du wirst also keine Waadt 4 oder Waadt 5 auf Zürcher Briefen finden, auch nicht auf Briefen von Bern usw., sondern nur auf Briefen aus dem Postkreis 1 (Genf und umliegende Gebiete).

Umgekehrt hatten die Genfer “etwas” Mühe, die ersten Ausgaben der Schweizer Post zu akzeptieren. Da stand halt Rappen drauf, nicht Centimes.

Falls Du trotzdem mal einen Brief aus der deutschsprachigen Schweiz, mit einer Waadt 4 oder Waadt 5 drauf findest, solltest Du sofort zugreifen,

meint SH-Sammler
Hanspeter
 
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