Thema: Schweiz Dauerserie Sitzende Helvetia
Heinz 7 Am: 07.07.2019 14:01:45 Gelesen: 10743# 598@  
@ briefmarkenwirbler24 [#596]

Das ist ein sehr schöner Brief, Kevin!

Einzelfrankaturen mit der 5 Rappen braun sind natürlich keine Seltenheit, aber als hübscher Ortsbrief dennoch sehr begehrenswert. Auch im Nahverkehr war die Marke so eine gültige Frankatur, wie der nachstehende Brief zeigt.



Aufgegeben wurde dieser Brief 1867 in Aeugst (Knonauer-Amt). Da dieser Ort kein Postbüro hatte, nur eine Postablage, erhielt der Brief zwei Stabstempel "AEUGST". Vorschriftsgemäss wurde der Brief dann ein zweites Mal gestempelt im Durchgangsort Affoltern. Der kleine blaue Stempel "AFFOLTERN A/A" (= am Albis) ist sehr schön und bei den Schweiz-Sammlern beliebt.

Der Brief ist adressiert an Herrn (Herrn) Gemeindeammann Huber in Rifferswil. Dieser Ort ist nicht weit von Aeugst entfernt, darum genügte eine Frankatur von 5 Rappen, was der Absender auch vermerkte (handschriftlich: "franco").

Solche kleinformatigen Briefchen sind bei Sammlern auch sehr beliebt.

Kevin, die Information, die Du uns gibst, über Ennenda, ist sehr interessant. Widersprechen muss ich Dir aber in einer anderen Aussage: der allgemeine Wohlstand der Schweiz zu dieser Zeit war nicht etwas hoch, sondern im Gegenteil: In weiten Teilen der Schweiz herrschte bittere Armut, die viele Einwohner sogar zur Auswanderung zwang, oder - noch schlimmer - zur Reisläuferei: Junge Männer liessen sich im Mittelalter von fremden Armeen zum Militärdienst verdingen, bis diese verboten wurde!

Die Schweiz war damals ein karges Land mit wenig Rohstoffen, mit oft schlechten Erträgen in der Landwirtschaft auf oft kargen Böden (Gebirge; kalte Winter; "Mini-Eiszeit 1850").

Erst später erschuf sich die Bevölkerung mit viel Fleiss einen Wohlstand. Seidenband-Weberei, Uhrmacherkunst, Maschinenbau, Pharmazie u.s.w. verhalfen der Schweiz ab Ende XIX. Jahrhundert zu mehr Wohlstand. Auch der Eisenbahn-Bau und der aufkeimende Tourismus brachte neue Einkommensmöglichkeiten für die notleidende Bevölkerung.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
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