Thema: Fälschungen zum Schaden der Post in Deutschland seit der Euroeinführung
drmoeller_neuss Am: 07.09.2020 11:48:44 Gelesen: 15564# 132@  
@ Journalist [#131]

ja ich bin mir hier sicher, dass das Poststück nicht registriert wurde, denn wie man auch bei der Briefankündigung sehen kann, sind die gespeicherten Sendungsbilder nicht gerade von hoher Qualität. Außerdem zählen vor Gericht ja nur tatsächlich vorgelegte bzw. dokumentierte Briefe - siehe auch der Artikel in der philatelie "Aufdruckfälschungen bei ATM - ein aktueller Postbetrugskrimi".

Die gleichen Untersuchungen und hoch aufgelösten Scans, die Du gemacht und hier gezeigt hast, kann auch die Deutsche Post machen. Wenn das unter Zeugen passiert und vernünftig dokumentiert wird, ist das auch gerichtsfest, selbst wenn das "Corpus delicti" nicht mehr vorhanden ist.

Wenn ein einzelner Brief mit einer Fälschung von der Post angezeigt wird, wird man dem Absender nichts vorwerfen können. Der Absender wird behaupten, die gefälschte Marke mit ein paar anderen auf einem Tauschtag gutgläubig erworben zu haben. Eine Hausdurchsuchung wird man bei dieser "Bagatelle" auch nicht erwirken können und an die Hintermänner kommt man gar nicht heran. Bei tausenden von Briefen sieht es schon anders aus. Deswegen ist es für die Deutsche Post besser zu warten und unauffällig Beweise zu sammeln. (die Stasi hat genauso gearbeitet, und peinlichst darauf geachtet, an den beanstandeten Poststücken keine Spuren zu hinterlassen und Verzögerungen bei der Zustellung zu vermeiden).

Ben_11 hat übrigens mal ausgerechnet, wie viel Papier bzw. welche Zeit man benötigt um diese 100.000 gefälschten Marken zu drucken. Ohne Rüstzeit der Maschinen würde man bei einer Rollenoffsetdruckmaschine etwa 4000 Meter Papier benötigen - bei einer Bogenoffsetdruckmaschine wäre es identisch nur das es halt eine entsprechende Anzahl von Papierbögen wäre. Die Zeit zum Druck beträgt nur knapp 20 Minuten, also kein großer Arbeitsaufwand für eine professionelle Druckerei oder für ein nettes Nebengeschäft eventuell unterbezahlter Drucker in einem ärmeren Land im Osten.

Das Problem liegt nicht im Druckverfahren. Inzwischen bekommt jede Hinterhofdruckerei den Offsetdruck in der gleichen Qualität wie die Bundesdruckerei hin. Das Problem liegt doch eher auf der Beschaffungsseite. Wo kann ich Postwertzeichenpapier mit der gleichen Gummierung und Zähnungsmaschinen mit der gleichen Zähnung wie für die Post beschaffen? Ich vermute auch, dass irgendeine "offizielle" Wertzeichendruckerei an diesem Krimi beteiligt ist.

Im übrigen sind in den letzten beiden Jahrzehnten einige Wertzeichendruckereien liquidiert worden. Halbfertige Druckprodukte aus der Konkursmasse überschwemmen den Markt als seltene "Abarten" und werden zum Teil sogar zur Frankatur verwendet, siehe Tansania. Auch hier wäre ein Missbrauch denkbar.

Ist das Fälschen von Briefmarken nur ein Problem der Deutschen Post? Zumindest in den Niederlanden gab es ähnliche Probleme, weswegen alle Guldenmarken vor knapp zehn Jahren als ungültig erklärt wurden. Auch in Italien wurde fleissig gefälscht, und die betroffenen Dauermarken ausser Kurs gesetzt. In Irland hat es den 1-Pfund-Wert aus der Dauerserie Architektur getroffen (Nr. 502). Die Fälschung wurde aber meistens zur Zahlung von Rundfunkgebühren verwendet und seltener auf Briefen.
 
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