Thema: Moderne Postgeschichte: Deutsche Post Infocard
DL8AAM Am: 01.04.2010 16:16:00 Gelesen: 29949# 1@  
Hallo,

mal wieder etwas für den Philatelisten, der sich an Rande auch für moderne Postgeschichte etwas interessiert. Für den Fachmann aber bestimmt nix neues. ;-)

Vielleicht hat der eine oder andere diese Versandform bereits in seiner täglichen Werbeflut gesehen: Die INFOCARD (oder vielleicht auch übersehen, deshalb meine Zeilen).

Dabei handelt es sich eher um ein neuartiges Produkt der Deutschen Post, ähnlich der alten "Ganzsache mit Antwortkarte" (hier nur ohne den Ganzsache-Charakter, vom Prinzip aber ähnlich).

Um es mit der Deutschen Post selbst zu sagen:

"Die INFOCARD ist eine Mailingkarte mit einem abziehbaren Anschriftenaufkleber (Label) für die Hinsendung. Sie ist bereits als Antwortkarte für die Rücksendung vorbereitet, ..." und "Die INFOCARD ist für die Deutsche Post gesetzlich geschützt. Nur ausgewählte Lizenzdruckereien produzieren die INFOCARD ..."

Die INFOCARD gibt es in fünf verschiedenen Grundformen und können entweder als "INFOPOST" bzw. "INFOBRIEF" oder auch als "POSTWURFSPEZIAL" versandt werden:

a) INFOCARD STANDARD
b) INFOCARD GROSS
c) INFOCARD GROSS KREATIV
d) INFOCARD BOOKLET
e) INFOCARD FOTOPOST

Zur genaueren Spezifikation und Unterscheidung dieser 2 x 5 Formen verweise ich hier einfach nur auf die Produktbroschüre der "Infocard: Mailing und Antwortkarte in einem - Vorgaben für den Einsatz und die Gestaltung der INFOCARD". Im Internet (derzeit) auf http://www.deutschepost.de//mlm.nf/dpag/images/i/infocard/dp_ic_habro_20_indd_2.pdf (Stand 1.9.2008) zu finden.

Hier zur Einstimmung ein kleines Beispiel aus dem täglichen Posteingang, wobei "so häufig" findet man diese Versandart (noch?) nicht. Es dürfte also sogar relativ schwierig sein, alle 10 Hauptvarianten durch entsprechende Belege zu dokumentieren.

Also Augen auf bzw. immer mal wieder einen Blick in die blaue Altpapiertonne des Nachbarn riskieren ;-)) Aber Vorsicht: Letzteres ist Diebstahl. Lieber besser fragen, ob man seine Tonne auch wirklich durchwühlen darf.



INFOCARD STANDARD von "Belgien Tourismus / Wallonie - Brüssel" aus Köln, versendet als INFOPOST.

Der eigenliche Versandbeleg, das "Label", auf dem sämtliche Empfängerdaten, Frankiervermerke und der komplette Kodebalken aufgebracht werden:



Interessant ist hier, das auf dem Label zusätzlich die Angaben zum Patent bzw. zum Patentschutz aufgeführt werden:



Und der letzte Teil, die Antwortkarte:



Deutsche Post ANTWORT mit Frankiervermerk "Das Porto übernehmen wir für Sie!" und dem Zudruck für die "Zusatzabgabe" GOGREEN

Die Ausgestaltung der Antwortkarten (inkl. dem Frankiervermerk), wie sollte es auch anders sein, unterliegt einer Reihe ganz spezieller Vorgaben der Deutschen Post, die in der Produktbroschüre "Werbeantwort: Handling-Informationen, Vorgaben für den Einsatz und die Gestaltung der WERBEANTWORT (Neue Fassung 11/2008)"
- http://www.deutschepost.de//mlm.nf/dpag/images/w/werbeantwort/20081120_dp_wa_habro_final_03_09.pdf - hinterlegt sind.

Interessant für den Kunden ist aber, dass der Empfänger unabhängig von dem gewählten möglichen Frankiervermerk:

- "Das Porto übernehmen wir für Sie!"
- "Entgelt zahlt Empfänger"
aber auch
- "Bitte ausreichend frankieren"
- "Bitte frankieren, falls Briefmarke zur Hand"
- "0,45 EUR, die sich lohnen" o.ä.

bei Angabe von ANTWORT bzw. WERBEANTWORT in der Lesezone der Antwortkarte die Annahme auch unfrankierter Sendungen grundsätzlich nicht verweigern darf, er dafür als Gegenleistung aber nur das reguläre Sendungsentgelt zahlt, d.h. keine zusätzliche "Nachgebühr" oder "Strafporto", hier also 45 Eurocent.

Die Frage ist, wie in diesem speziellen Fall die Zusatzabgabe "GOGREEN" berechnet wird? Wird hier zusätzlich zu den normalen Kosten für das Mailing der gesamten INFOCARD-Aktion die GOGREEN CO2-Abgabe fällig? Oder, da der Zudruck ja nur auf der Antwortkarte selbst erscheint, kommt hier auf den Empfänger ein erhöhtes "Porto" lediglich für wirklich rückgesandte Antwortkarten zu? Der Zudruck taucht ja nicht auf dem Label für die Hinsendung auf?

Wie hoch sind eigentlich die Kosten für den GOGREEN (Werbe- bzw. Image-) Zudruck im Rahmen dieser Werbeaktionen ?

So, das war's schon wieder. Wollte nur den Bereich der INFOCARD kurz anreissen, vielleicht entwickelt ja wirklich der eine oder andere ein Auge für die modernen Versandarten und -produkte der Deutschen Post. Oftmals sind diese ja nur sehr kurzlebig und verschwinden ohne größere Spuren in philatelistischen Sammlungen hinterlassen zu haben, sang und klanglos wieder vom Markt. Oder die werden einfach nur schnell mal umbenannt, nach der alten Devise "neue Kleider - neues Produkt - neuer Versuch".

Eine komplette Dokumentation der verschiedenen Grundformen, Varianten und Subvarianten der aktuellen INFOCARD sollte sogar eine gewisse Herausforderung darstellen, selbst für den versierten Sammler der moderner Postgeschichte.

Viel Spass beim Sammeln und Zusammentragen für Eure Sammlung bzw. philatelitischen Dokumentation. ;-)))

Mit Sammler- und phila' Grüßen ;-))
Thomas

Nur ganz kurz - PS: Falls sich - wider Erwarten - doch jemand für dieses Thema begeistern lassen sollte, die oben genannten Dokumente bitte schnellstens downloaden und auch abspeichern. Erfahrungsgemäß verschwinden diese oft - wie das Produkt selbst - recht schnell aus dem Netz. Obwohl sich INFOCARD schon seit mindestens 2008 am Markt hält. Seit wann eigentlich genau?

Und zum Abschluß: Der Begriff INFOCARD ist ein Warenzeichen der Deutschen Post: INFOCARD®. Aber um es mit dem allwissenden Wikipedia zu sagen "Ist eine Marke im Markenregister eingetragen, darf sie vom Markeninhaber mit dem Symbol ® (von englisch “registered trade mark“ = eingetragene Waren- oder Dienstleistungsmarke) neben der Marke gekennzeichnet werden. Es besteht aber keine Pflicht zu dieser Kennzeichnung."
 
Quelle: www.philaseiten.de
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