Thema: Saint Pierre & Miquelon: Auf der Post in.....St. Pierre
Bendix Gruenlich Am: 11.07.2021 20:33:17 Gelesen: 348# 6@  
Als ich das Postamt am folgenden Tag betrat, schlug mir das Herz, denn das war doch wirklich unglaublich.

Ich ging dann erst einmal zum Schalter, dort lagen unter Glas die vorrätigen Marken. Habe Kleinstwerte erworben und alles was mir gefiel (es waren ungefähr die Ausgaben der letzten drei Jahre vorrätig). Bedienung war bestens, allerdings war es vorteilhaft, noch etwas Schulfranzösisch sprechen zu können.

Als Appetitanreger ein Blick auf einen Teil der Beute.



Ich zog mich dann zurück, gegenüber vom Schalter konnte man sich setzen (ca. drei Sitzplätze) und in Ruhe die Karten vervollständigen, einen A4-Umschlag an Sammlerfreunde hatte ich auch dabei.

Es war ganz schön Betrieb, viele Einheimische waren vor Ort (insbesondere Paketdienst). Wer auf St. Pierre seine Briefpost haben will, muss übrigens auch die Post besuchen, denn es gibt nur Postfächer, keine Hauszustellung (wobei das wirklich kein Problem wäre, so groß ist die Insel nicht).

Dann alles bestückt und mit klopfenden Herzen zurück an den Schalter und um Handstempelung gebeten. Hatte darauf hingewiesen, dass ich alles EUR-cent-genau vorgerechnet habe, habe auch noch einmal den Betrag erläutert.

Der Postler war aber völlig aufgeräumt, professionell und nicht überrascht. Er sagte mir die gewünschte Entwertung zu und übernahm die Post (ausgezeichnete Arbeit!).



Habe mir bei der Gelegenheit noch historische Kleinstwerte entwerten lassen (was für ein Souvenir!!).

Und da schauen wir mal gemeinsam drauf.

• Mi-Nr 73 von 1909: Auf SPM dreht sich alles um die See und die Fischerei. Mit einem Seemann / Fischer wurde daher ein treffendes lokales Motiv gefunden. Typische erste Kolonialzeichnung, die es für jedes französische Gebiet im einheitlichen Format zweifarbig gibt. Das Nominal beträgt alte Franc 0,01. Seinerzeit bestand Goldstandard, so gelingt eine Umrechnung, das entsprach 0,82 Pfennig. Und da die Marke bis zur Entwertung 110 (!) Jahre später gültig war, gucken wir mal auf den Wert in EUR. Das waren EUR 0,0000152449.

• Mi-Nr 134 von 1932: Die nächste Serie der Kolonialzeichnung mit einem Hügel mit Leuchtturm.

• Mi-Nr 170 von 1938 – mit alten Franc 0,02 ebenfalls der Kleinstwert. Bedenkt man, dass zu der Zeit ein Inlandbrief in Frankreich 0,75 Franc kostete, spürt man, dass dieser Wert keine große kommerzielle Bedeutung gehabt haben kann. Man sieht Schlittenhunde, weil es dort im Nordatlantik mit 120 Frosttagen pro Jahr eher frisch ist

• Mi-Nr 381 von 1957 – jetzt in CFA-Franc, der dem alten Franc entspricht. Nominal Franc 0,40. Ein Inlandsbrief in Frankreich kostete seinerzeit alleine schon 15,00. Man sieht einen Kabeljau, der Reichtum des Gebietes (und übrigens auch Neufundlands) und die wirtschaftliche Grundlage der Inseln zu dieser Zeit. Tragisch, dass man ihn massiv überfischt zu haben scheint. Moratorium / Fangverbot in 1992 – bis heute immer noch keine Erholung.

• Mi-Nr 375 von 1955 – für meinen Geschmack toll gezeichnet, im Stichtiefdruck der Refrigerateur, also das Kühlhaus. Das steht noch, wenn es auch nicht mehr im Betrieb gewesen zu sein schien, es liegt außerhalb der Siedlung, die Straße endet dort. Dort findet man das Ding, zusammen mit Infrastruktur (Öltanks etc., typisch Überseegebiet). Nominal CFA-Franc 0,40.



• Mi-Nr 347 von 1947: ein Fels vor Langlade, Marke ebenfalls in hervorragender Qualität ausgeführt.



Das sind die Marken, die wir in vielen Anfängersammlungen finden (sei es von SPM oder anderen französischen Überseegebieten). Das lässt den Schluss zu, dass diese Werte vor allem hergestellt zu sein scheinen, um an Sammler verkauft zu werden, zum kleinen Preis, daher die niedrigen Nominalen (mich würde mal interessieren, wie seinerzeit der Vermarktungsmechanismus war und wie viel die Post mit den ganzen Kolonialzeichnungen eingenommen hat). So sind mir diese Stücke über die Jahre auch in die Hände gefallen, sozusagen als Beifang. Teilweise fehlte die Gummierung. der älteste Wert wies Spuren von ca. vier Falzen auf, auch bei den Werten aus den Fünfziger war noch Falz festzustellen. Was lag also näher als, wo ich schon mal da war, die Marken zu veredeln. Auch weil gestempelte Marken mir seltener erscheinen, als postfrische. Also alles Spielerei? Also mir hat das wahnsinnigen Spaß gemacht, die sind Bestandteil meiner Sammlung, und ich freue mich und schmunzle, wenn ich die sehe und ich daran erinnert werde, dass ich wirklich vor Ort war. Auch das Datum kann ich jetzt nicht mehr vergessen. Waschechte Trophäen also!

Einen Wert in CFA-Franc immerhin konnte ich noch sinnvoll nutzen.



Ich bin anschließend noch für ein paar Wochen nach Kanada gefahren (es gibt Fährverkehr von SPM nach Kanada, der Fähranleger – ist ja klar – liegt direkt hinter der Post), aber von Freunden hörte ich, die Post sei rasch angekommen.



Es wäre auch möglich gewesen nach Miquelon überzusetzen, dort gibt es ebenfalls eine Poststelle, aber die Fähren fahren nicht täglich und es war leider, leider nicht wirksam mit Kanada zu synchronisieren (das muss alles sehr detailliert geplant werden, Unterkünfte sind rar und man muss schauen, wo man über Nacht bleibt).

Übrigens SPM-Tourismus weist auf ihrer website darauf hin, dass eine Anreise auch mit dem eigenen Boot möglich ist, Ankerplätze gibt es südlich der Post im Segelschulhafen. Meiner Meinung nach der am besten auf den Aufenthalt vorbereitende Anreiseweg (7 Tage auf See und dann in den sicheren Hafen einlaufen – das wäre doch was, da stimme ich sofort ein Seemannslied an...also, Anker auf!).

So, das war es soweit zum Thema.
 
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