Thema: Deutsche Kolonien Deutsch-Ostafrika: Die Schwindelausgaben der Insel Mafia
saeckingen Am: 05.09.2021 12:36:29 Gelesen: 2056# 2@  
@ merkuria [#1]

Im Juli 1915 verausgabte die britische Besatzungsbehörde der zu Deutsch-Ostafrika gehörenden Insel Mafia eine Freimarkenausgabe (Mi Nr. 11-17). Dazu verwendete man Marken der Deutschen Kolonie Deutsch-Ostafrika (Mi Nr. 30-36) und versah diese mit einem vierzeiligen Aufdruck G.R. / POST / 6 CENTS / MAFIA.]

Das ist leider ein Märchen. Die Aufdrucke auf Briefmarken von Deutsch Ostafrika sind keine offizielle Ausgabe. Der Stempel "G.R. / POST / 6 CENTS / MAFIA" war ein Barfrankierungsstempel und wurde auf Postkarten zur Freimachung abgeschlagen. Ob es sich um Ganzsachen handelt ist umstritten, da nicht sicher ist, ob Postkarten mit diesem Aufdruck versehen werden konnten um später eingeliefert zu werden, oder nur bei Einlieferung das bezahlte Porto so dokumentiert wurde.

Für die Entwertung von Marken frankierten Sendungen - wobei die Marken die indischen Feldpostmarken mit Aufdruck I.E.F. waren, wurde ein ähnlicher Stempel mit Inschrift "G.R. / MAFIA" verwendet - es handelt sich also um einen Entwertungsstempel und nicht um einen Aufdruck. Erst als Sammler in England Marken mit diesem Stempel - den sie für einen Aufdruck hielten - fanden und versuchten an solche "Aufdruckmarken" zu kommen, wurde es den zuständigen Soldaten auf Mafia klar, dass man hier etwas besonderes schaffen konnte, an dem man gut verdienen konnte. Dann erst wurden Aufdrucke auf den I.E.F. Marken, deutschen Fiskalmarken die man auf Mafia fand und auf Briefmarken von Deutsch Ostafrika, die man sich zuerst beim Briefmarkenhandel in Großbritannien besorgte angefertigt.

Die Mafia Aufdrucke - egal ob kopfstehend, richtig herum oder auch doppelt etc. sind also reine Schwindelmarken!

Es gibt dazu einen sehr guten Artikel von Ted Proud in "The London Philatelist" der Royal Philatelic Society London, der das alles sehr gut beschreibt und belegt.

Leider fehlt Michel als auch Stanley Gibbons der Mut diese Schwindelausgaben als solche zu klassifizieren und aus den Katalogen zu streichen - nicht zuletzt da manche einzelnen Stücke wie die Rupien Werte zu fünfstelligen Preisen gehandelt werden.

Grüße
Harald

[Beiträge [#1] und [#2] redaktionell kopiert aus dem Thema "Kopfstehende Auf- oder Überdrucke"]
 
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