Thema: Japan: Stempel bestimmen
ligneN Am: 07.10.2021 12:24:42 Gelesen: 33559# 261@  
@ volkimal [#259] und ragiko [#260]

Klar gibt es Entwerterteile von Duplexstempeln 'auch' als "Einzelentwertung" auf Ganzstücken. Solche Beispiele wurden bereits in diesem thread oder ähnlichen threads über Japanstempel oder -Daten gezeigt, zB Markenfrankaturen mit Botastempeln. Das hat auch Gründe, s.u.

Das bedeutet aber doch nicht, daß es auch einen "speziellen"Einzelstempelkopf" gegeben haben muß.

Vielleicht trägt es zum Verständnis bei, wenn man sich Ganzsachen (ohne Beifrankatur) und Briefe mit Einzelfrankaturen betrachtet. Dort ist der Duplexabschlag die Regel. Merkmal hier: eine Marke oder ein Wertstempel.

Anders gestempelt wurde

- beim Verkleben von mehreren Marken:
- und bei Einschreiben, Eilboten usw.

Die Regelungen besagten, daß bei Vorhandensein eines Entwertungsstempels* dieser zur Entwertung von Marken und Ganzsachenwertstempeln zu verwenden sei. Bei mehreren Marken war jede Marke einzeln zu stempeln.

*Bei Duplexen war das der Entwerterteil.

Und Ausnahmen bestätigen die Regel - manchmal hatte man es eilig, manchmal mußte ein Azubi beim Postabgang im Hinterraum mitstempeln - ich bin kein Zeitreisender.

Die Frage (wird nicht zum ersten mal gestellt) scheint immer noch zu sein:
Da gab es doch aber dann ganz bestimmt einen Einzelstempelkopf mit nur einem Entwertungsteil, weil stelle ich mir so vor, daß das viel praktischer sei, so als Nichtpostler Anno 2021.

Es wurde bereits gesagt, daß man die Stempelbüchse des Datenteils leer lassen konnte. Ebenso konnte man beim Farbabnehmen vom großen Stempelkissen den nicht benötigten Stempelteil des Duplexes schlicht außerhalb des Stempelkissenbereichs belassen. Solche Abschläge kann man auf Briefen nachweisen, wo trockene/kaum wahrnehmbare Umrisse oder eingeprägte Formen der leeren Datenstempelbüchse zu sehen sind.

Ebenso konnte man beim Stempeln den Duplex drehen und den Datenstempelteil außerhalb des abzustempelnden Bereichs lassen. Siehe Brief von Ragiko.

Der Datenstempelteil saß beim japanischen Duplex immer außen, dh der Hauptdruck wurde mit dem Stempelgriff direkt auf den unten sitzenden Entwerterteil ausgeübt.

Woher man das weiß? Vollständige Duplexstempel sind im Postmuseum erhalten und in der Literatur abgebildet. Ebenso sind alle Duplexstempel in den Ausführungsbestimmungen zeichnerisch abgebildet (mit Aufmaßungen, Darstellung der Einzelteile, Reihenfolge des Zusammensteckens usw.) Keine Geheimnisse, keine Kopfzerbrecher.

Nächstes Geheimnis: Einzeln stehende Datenstempel des Abgangspostamts, oft weit weg von der Frankatur, obwohl vorliegendes Postamt ganz klar einen Duplex führte. Bestimmt Schlamperei oder Rarität oder zumindest etwas ganz Ungewöhnliches.

Die Regelungen besagten bei R-Briefen usw. besonderen Behandlungen, daß der Datenstempel des Abgangspostamts klar lesbar abzuschlagen sei.

Dazu erforderlich war eine beschriftungsfreie Stelle auf der Sendung.

Manchmal war das auf der Briefvorderseite nur noch in den Ecken unten, weit weg von der Frankatur. Oder sogar rückseitig. Für den Briefsammler von heute ärgerlich, aber Postpraxis.

Jetzt hoffe ich, daß diese angeblichen Unstimmigkeiten der Duplexzeit bis 1888 verkraftbar auserklärt sind.

Stets gilt die alte Vorlesungsregel B-)

"Was bedeutet evident?

- Dem Vortragenden völlig klar."
 
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