Thema: Moderne Postgeschichte: Internationales Remailing
DL8AAM Am: 09.08.2010 15:41:03 Gelesen: 360195# 45@  
@ Concordia CA [#44]

Schön und Besten Bank Jürgen!

Nur ganz kurz, wir hatten vor einiger Zeit mal eine kurze Diskussion für was die "Kürzel" bei den Freimachungsvermerken der Swiss Post International (SPI) stehen. "Für was" war ja noch einfach, stehen sie doch für die jeweiligen ausländische SPI Niederlassung, nur waren einige Ortsangaben noch unklar.

Nun bin ich über ein Infoblatt des dt. Zoll gestolpert, der sämtliche SPI Kennungen und Frankiervermerke erläutern:

"Standorte Swiss Post International: Information zu verwendeten Freimachungsvermerken"

auf http://www.zoll.de/e0_downloads/c0_merkblaetter/infoblatt_swiss_post.pdf

Der Zoll braucht diese Informationen, um wie es in der Einleitung wörtlich heisst:

"Anhand des Freimachungsvermerks lässt sich das Absenderland identifizieren. Sendungen, die außerhalb des Zollgebiets der Europäischen Gemeinschaft abgesandt werden, sind grundsätzlich zollrechtlich abzufertigen." also unabhängig davon wo die Schweizer diese Sendungen letztlich in den UPU-Verkehr einspeisen, zeigen doch die PPIs "Postgebühr bezahlt in der Schweiz".

Ein kurzer Ausschnitt der uns hilft diese PPIs weiter aufzuschlüsseln:



Dein Beleg ("SPI VIE") ging also über Österreich und wurde von der "Swiss Post Austria" (VIE = Vienna = Wien) angenommen, d.h. dass die schweizer Post "SPI" Einlieferungen aus Ungarn bzw. ungarischen Absender und Kunden über seine "Niederlassung" in Österreich abwickelt. Ob die Sendung überhaupt noch über die Schweiz ging oder ob die SPI Niederlassung in Wien diese bereits hier dem UPU-Verkehr übergeben hat bezweifele ich.

Alex Gundels "International Postal Remailing Newsletter Nr. 29" (März 2010] sagt "SPI has registered 19 Extraterritorial Exchange Offices (ETOEs) with the UPU.", d.h. diese ausländischen Niederlassungen (ETOE) haben einen extraterritorialen Charakter ähnlich wie diplomatische Vertretungen und gelten postalisch wie das Mutterland selbst !

Eine gute Erklärung wie ETOEs arbeiten findet sich in der Ausgabe 28 (Februar 2010). Diese ETOEs haben die Form des Remailings inzwischen grundlegend verändert. ETOEs bringen im Ausland "Gebührbezahlt"-Vermerke des Mutterlandes auf, tauschen dann aber bereits direkt vor Ort mit der Post des jeweiligen Gastlandes aus. Die Sendung sollte trotz des schweizer Frankiervermerks also "nur" den Weg Ungarn > Österreich > Deutschland gelaufen sein ohne den Umweg über die Schweiz - ohne je die Schweiz selbst gesehen zu haben ;-)

Gruß
Thomas

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